Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 23 (7.6.1901)
- Date
- 1901-06-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 7. Juni 1901 Nr. 23 erwidern. Nur der naive Herr Strobach rief, man möge ihm Nachweisen, dass er dem seligen Dr. Prix einmal Worte, wie „Lump" rc. zugerufen habe. Die Entschuldigung sieht dem Herrn Strobach ähnlich. Der Buchbinderlehrling von Wernstadt kann auch heute, als Vicebürgermeister von Wien, noch nicht begreifen, dass zwischen den Worten „Lügner" und „Lump" für anständige Leute kein wesentlicher Unterschied besteht. Naiv, wie er ist, kommt es ihm just aus den Ausdruck selbst an; der Ton macht bei ihm keine Musik. So naiv ist Herr Strobach. Dr. Lueger schwieg fein still. Er mag sich wohl bei der Rede Schuhmeiers seine Gesellschaft angesehen und still bei sich gedacht haben: „Ja, ja, recht hast Du ja, Bruder Strohmeier. So beschämend es ist, ich muss mir heute von Dir, Du Erzflegel, eine solche Moralpredigt ruhig anhören, weil die Gesellschaft da unten mich gegen meinen Willen in die Cloake geführt hat, aus der ich jetzt nimmer heraus kann. Die Gesellschaft da unten fühlt ja nicht, wie sehr ich mich ob Deiner Strafpredigt schämen muss, weil sie von Dir kommt. Aber ich fühle es, und darum schweige ich und nehme die Strafe der Gerechtigkeit ans mich/ So mag Dr. Lueger bei Schuhmeiers Rede gedacht haben, und mag noch froh gewesen sein, dass kein jüdischer Gemeinderath das Wort ergriff. Dr. Mittler, der liberale Nudelbrettschimmel, machte seinen Trott nur nach der gewohnten Methode ab; er kramte einen Theil des halbvergessenen Wortschatzes aus, der jetzt nur mehr für Resormclub-Toaste und Kahlenberg-Ausflüge benützt wird. Wäre erst ein Jude aufgestrnden und hätte den Ritualmord- Fabrikanten, Hausierer-Gendarmen und deren Beschützern ein Bildchen ihrer verstossenen Thäligkeit vorgehalteu, wir denken, das hätte sogar dem Darwin-Commentator und unverbesserlichen Spassmacher Bielohlawek die Red' verschlagen. Zum Glücke sitzt kein solcher Jude im Gemeinderathe, es ließ sich keiner hören, und die Herren kamen mit einfacher Scham davon. Aber die Ohrfeigen des Herrn Schuhmcier sind empfunden und in Oesterreich gehört worden. Das war die erste Abschlagszahlung an Genugthuung für die Juden. Es werden weitere gewiss Nachfolgen! Juden und Polen. Von Dr. Mayer Ebner, Czernowitz. I. . Vor wenigen Wochen habe ich in dieser Zeitung das Verhältnis der Juden zu den Deutschen und die beabsichtigte Gründung eiuos deutsch-politischen Vereines besprochen. Ich habe mrch mit aller Entschiedenheit gegen das Liebeswerben der Deutschen gesträubt, die die Juden politisch entmündigen und Zu. willfährigen Werkzeugen einer deutschen Landespolitik machen mochten, ohne gleichzeitig unserer Empfindlichkeit und unseren wirtschaftlichen und politischen Interessen Rechnung zu tragen. plötzliche Liebe der christlichen Deutschen erschien mir veroachtig, denn die wahre Liebe iü das nicht. Ich wies auf den ^?.»'E^lrsmus der Deutschen hin, die ihn geradezu zu einer Wrstenschast gemacht haben, und schließlich^ auf die immer mehr zutage tretende a s e nri ti sch e R'.chtuug der christlichdeutschen Kreise, die sich, wenn sie aufrichtig sein rvellcu, gegen dre Constatierung dieser Thatsache nicht sträuben werden. In positiver Hinsicht sprach ich den Bestrebungen d e r j ü d i - scheu Volkspartei nach Organisation und p o l r t l s ch e n S e l b st n n d i g k e i t das Wort. Meme Ausführungen haben in den polnischen Blättern einen flairen Nachhall gefunden. Die hiesige „Gazeta Polsica“, ocr „Przeglad polski”, ,.Czas*‘, ,,Krai“ u. m. a. haben mehr oder weniger ausführlich die Stellung der Juden und Deutschen zu einander besprochen. Die „Gazeta Polska“ bestätig! die Thatsache, dass dre Deutscher! die selbstlose politische Gefolgschaft der Juden niemals gewürdigt, vielmehr den 3iassenstandpunkt hervorgekehrt und eine Zugehörigkeit der Juden zu den Deutschen niemals und nirgends anerkannt haben. Die Polen, sagt die „G. P.“, bedauern es, dass das Polenthuin niemals für die Juden jener Magnet werden konnte, wie das Deutschthum thatsüchlich es geworden ist. dass die Juden noch immer nur deutsch und nicht polnisch sprechen. In der That haben die Juden im alten Königreiche Polen mit einer erstaunlichen Zähigkeit an der deutschen Sprache festgehalten. Der jüdische Geschichtsschreiber Gr ätz sagt: „Die Juden in Polen verehrten die deutsche Sprache wie ein Palladium, wie eine heilige Erinnerung, und wenn sie sich auch im Verkehre mit der polnischen Bevölkerung der Landessprache bedienten, im trauten Familienkreise, im Lehrhause und in den Gebeten behielten sie das Deutsche bei, das sie neben dem Hebräischen nahezu als eine heilige Sprache ansahen." Es ist daher auch stets der Schmerz wohlmeinender polni scher Patrioten gewesen, dass die Assimilation der Juden gerade infolge der beispiellosen Anhänglichkeit an die deutsche Sprache nicht um einen Schritt vorwärts kam. Ja sogar diejenigen Juden, die aus Spanien gekommen waren und spanisch redeten, eigneten sich viel rascher die damalige deutsche Mundart der aus dem deutschen Ghetto gekommenen Juden an, als die Sprache des herrschenden polnischen Volkes. Die Gründe hierfür sind rein psychologischer Natur. Selbst in den besten Zeiten unter Herzog Boleslaw und Kasimir dem Großen, als noch die Privilegien der Juden in Polen in Kraft waren und der Mönch Capristano seine fluchwürdige Hetze gegen die Juden noch nicht eröffnet hatte, waren die Juden in Polen immerhin die Fremden, die gegen Zahlung hoher Steuern Geduldeten. Ein Thronwechsel, ein Erstarken der jesuitischen Camarilla arn Hose, und die Juden in Polen mussten die Ereignisse des kommenden Tages fürchten, wussten sie doch nicht, ob sie nicht plötzlich wieder zum Wanderstabe werden greifen müssen. Die polnische Sprache war die Sprache der bevorrechtigten adeligen Classe. Tief unten standen die Leibeigenen, die zum überwiegendsten Theile ruthenisch sprachen. Die Juden bildeten den Mittelstand, der mit seinen Capitalien den Bodenreichthum des geldarmen Landes in Fluss brachte. Mochten die Juden sich die Sprache der Leibeigenen nicht aneignen, die polnische Sprache blieb ihnen verschlossen. Der polnische Adelige sprach mit seinem Hansjuden, den er von seiner eingebildeten Höhe aus verachtete, sehr oft im jüdischen Jargon, polnische Schulen gab es im Königreiche Polen sehr wenige. Ueberdies absorbierte das intensive Talmudstudium die jüdische Jugend in dem Maße, dass für Bernde Sprachen und Wissenschaften kein Platz blieb. Wie es schon gekommen sein mochte, dass die Juden in Polen das Polnische nicht erlernten, das war ebensowenig ein Grund zürn Verrath, den die Polen in Tulczyn gegen die Juden übten und der sich an den Polen selbst so bitter rächte, ist der einzige Fall in der polnischen Geschichte, wo der polnische Adel seine ruhmreichen Traditionen untreu geworden war. Im großen und ganzen hatten es die Juden im ehemaligen Königreiche Polen leidlich gut, jedenfalls unvergleichlich besser als in den westlichen Ländern. Wenn es auch heute anders geworden ist, wenn der Antisemitismus in den polnischen Ländern (Galizien und Lodomerien) sich mit dem deutschen messen kann, wir Juden werden, zurückblickend in die Geschichte unseres Volkes, nie vergessen, dass wir in unserer größten Noth nicht vergebens an die Thore Polens gepocht haben, wir werden nie vergessen, wie die einst großherzige polnische Nation uns in ihrem Lande ausgenommen hat. Und wenn mir auch bei der Betrachtung der heutigen Zustände, die von den einstmaligen grundverschieden sind, manch grimmiges Wort in die Feder kommen sollte, es kann nicht von jener Erbitterung dictiert sein, mit der ich den geschichtlich erwiesenen Undaiik der Deutschen den Juden gegenüber bloßzustellen versucht habe. Die Geschichte des polnischen Volkes hat viel Aehnlichkeit mit der Geschichte des jüdischen Volkes. Die Polen betrauern gleich uns den Untergang des Vaterlandes und beiden Volksstämmen, den Polen und den Juden, ist die Hoffnung auf den Wiederaufbau ihrer alten Vaterländer niemals abhanden gekommen. Die Seelen der polnischen und der jüdischen Patrioten machen gleiche Schwingungen, wir hoffen und wir harren, bis andere Zeiten kommen werden. . . Inzwischen sind die Polen praktische Politiker geworden, wie wir erst anfangen, es werden zu wollen. Wenn ich von nun ab von den Polen spreche, so meine in nunmehr noch die Polen in Galizien Denn die Polen in Deutschland und Russland haben so sehr mit der Erhaltung ihrer Nationalität gegen preußische und russische Uebergriffe zu thun, dass ihnen keine Zeit bleibt, 'ich selbständig mit den Juden zu beschäftigen. Die Polen in Oesterreich sind eine politisch saturierte Nation. Sie haben alles, was ein Volk für seine politischen und nationalen Ambitionen braucht, sie haben es in Galizien besser als in den gelobten Zeiten des Königreiches Polen. In Galizien sind die Polen die stärkste Nationalität, darum wollen sie es dort auch so machen, rvie die Czechen in Böhmen thun wollen, wie es die Magyaren in Ungarn mit Erfolg bereits gethan haben, sie wollen weitgehendst und weitmöglichst polonireren. Da stellen sich ihnen starke Widerstände entgegen: das erwachende Volksgefühl der Ruthenen und die entschiedene Abneigung der Juden, i m P o l e n t h u m a u f j u s gehen. Die Gründe hierfür sind mannigfach. Erstens, weil die 'actischen Antlsemilismus der Polen in der Gegenwart, wie heutigen Polen den Juden gegenüber unaufrichtig sind, weil die „Gemach, gemach, mein Herz! Zieh nicht zn stark an. Verscheuche den Fisch nicht!" „Ja, ja, meine Liebe, ganz behutsam." „Vielleicht gelingt es uns zwischen dem Schlinggewächs, Krebse zu fangen." „Hilf uns, lieber Gott, dass wir Krebse fangen." Die Weiber kriechen ins Gestrüpp. Ein Kind, das einen Bottich für den Fisch und einen Sack für Krebse bereit hält, springt auf dein Damm herum, wie eine Ziege hinter der Mutrer her. „So mache doch keinen Lärm, Kimtsia, verscheuche doch die Fischchen nicht." „Oh, -Tante, ich vertreibe sie nicht." „Nun, meine Liebe, beeile Dich ein wenig, und zieh' das Netz au." „Gleich, gleich, ah mein Gott! wie schwer ist doch das Netz!" „Lieber Gott, stehe uns bei, am Ende haben wir gar einen Stöhr gefangen!" „Eott gebe es! Zieh, zieh, mein Kind." Der Stohr erscheint, er hat schwere Zöpfe, ein weißes Gesicht und dunkle Augenbrauen. „Oh! heilige Jungfrau, erbarme Dich unser! Eine Ertrunkene liegt im Netz. Ihre langen nassen Flechten bedecken die schultern, das nasse weiße Kleid; das kleine Tvdtenantlitz, bläulich gefärbt, zeigt grüne Flecken! Die Augen aber sind offen! Sic haben sich nicht geschlossen; sie blicken starr zum blauen Himmel empor, wo der Gott Israels wohnt, Jehova, der Furchtbare, aber der Gerechte! ^ie hat Ihn so heiß angefleht und hat doch nichts erreicht, außer dein grünen Schmuck auf den Flechten, und einen: Krebs, der sich in den zarten Busen sestgebisseii. Die jungen Dirnen hatten einen guten Krebsfang' gethan. Wirr vor Angst, lassen sie Alles liegen und laufen ins Dorf, als hätte man sie mit heißem Wasser abgegossen. Der Bürgermeister und die Dorfältesten kommen. Ihnen nach drängen die Weiber, die Dirnen, die jungen Burschen und ein Hanfe Kinder. Sie halten sich abseits und schauen von weitem, als hätten sie Furcht sich zu nähern. Die Kinder verstecken ihre Köpfe in den Röcken der Mütter. Aber ist es denn auch nicht schrecklich! Tie Frauen und Mädchen stehen starr unb bleich da! Eine seufzt, die andere hebt die Augen zun: Himmel, zn Gott empor. Und die Tvdte liegt da, als wäre noch Leben in den starrer! Gliedern. Ihr zartes Gesichtchen nur scheint lvie von einer leichten Kreideschicht überzogen; die Kälte hat ihre rosigen Lippen bläulich gefärbt. Die Arme hängen starr am Körper herab, das wenig die stammende Liebe der Inden zur deutschen Sprache ihnen die Freundschaft der deutschen Nation einzutragen vermocht hat. Da ich das Verhältnis der Juden zu den Polen — allerdings in dem kleinen Rahmen einiger Aufsätze — beleuchten will, so muss ich zwei Zeitabschnitte sondern: die Juden in Polen einst und jetzt. Einst und jetzt! Wenn ich die letzten Jahrhunderte der jüdischen Geschichte im Geiste durchfliege und einen Ausblick thue in die traurige Gegenwart, dann überkomlnen mich Gefühle ganz eigener Art. Ich seye, wie bei spanischen Autodafes die Scheiterhaufen aufstammen, ich sehe brennende, rauchende Ghettos am Rhein und am Main, endlose Scharen jüdischer Wanderer in herzbrechendem Elend. Es ist eiste Volkswanderung auf Heerstraßen und Nebenwegen, aber>.chjcht .mehr von Ost nach Wesst wie zu Zeiten der großen Völkerwanderung, sondern von Westen nach Osten. Von Spanien, Frankreich, Deutschlands Österreich und^ Böhmen gejagt, fanlmeln sich die schier endlosen Scharen jüdischer Flüchtlinge im alten Königreiche Polen. Hier fanden sie Aufnahme. Die polnischen Könige Kasimir IV, Stefan Bathori, Sigismund III. u. v. a. gewährten ihnen feste Privilegien und schützten sie gegen die unablässigen Hetzereien der Geistlichkeit und die starke, eoncurrenzneidische deutsche Kaufmannschaft. Vergebens rief die Clerisei den „Mönch" — so hieß der Schreckensmensch Capristano, den die Kirche nachher zum Heiligen gemacht hat — ins Land. Die Perioden der Unterdrückung dauerten nur kurze Zeit, der tolerante Geist der Polen sträubte sich — dazumal quae mutatio verum — gegen die ungerechte Einschränkung der Privilegien. Als der Kosakenhetrnan Chmiclnicky seinen Vandalenzug durch Polen machte und raubend und mordend das Land verödete, hielten Juden und Polen treu zueinander. Der schnöde polnische Nation in Galizien im selben Maße vorn antisemitischen Geiste erfüllt ist, wie das deutsche Volk, weil der praktische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Antisemitismus in Galizien beider Arbeit ist, und zweitens, weil wir Juden nicht Polen werden w 0 l l e n, weil wir arrgefangen, uns auf uns selbst zu besinnen, iveil wir zur Erkenntnis erwacht sind. Doch darüber des Näheren das nächstemal. Theorie und Praxis der Soeialdemokraten. nasse Weiße Kleid, verschwindet beinahe unter der Masse der schwarzen, mit Wasserslanzcn durchzogenen Haare, und die Sonne sendet ihre rosig lächelnden Strahler: auf das grausige Bild. Die Todte aber schaut das Sonnenlicht nicht inehr. „Mutter, sieh, sie lebt ja noch!" „Barmherzigkeit Gottes! Sollte noch Athen: in ihr sein!" „Ja, sie lebt! Seht nur her, die Brust hebt sich, das Hemd bewegt sich." „Heilige Mutter Gottes! Es ist wahr, die Brust belvegt sich. Sie athmet. Es ist alles vergebens. Sie regt sich nicht mehr!" „Das ist nicht der Busen, der sich unter dem weißen Kleide bewegt." „Seht! Hier ist ein Thier ans der Brust :n:d hier ein zweites. Das sii:d ja Krebse, die uns genarrt haben." „Ja, es ist wirklich ein Krebs. Und wir glaubtei:, dass die Ertrunkene lwch rühmet. Wie wäre es aber auch möglich, da sie doch vierundzwanzig Stundei: in: Wasser gelegen." Indessen kroch der Krebs aus den: Hemd hervor, er krallte sich in die Haare der Todtei: und kroch ar: ihr herunter. Was steht Ihr da? Warun: hebt Ihr die Unglückliche nicht auf? Fürchtet Ihr die Polizei? Aber lvie Ihr diese armel: Menschen gequält und verfolgt habt, wie Ihr sie allsgeraubt und mit Füßen getreten, da hat Euch die Furcht vor dem Richter nicht zurückgehalten. Hebt sic cnif und wisset, es ist Eure Pflicht. Hort Ihr nicht die Stilinne voi: oben; die Euch znruft: „Habt Achtung vor dein Tode! Hebt sie rasch auf; es ist ein zartes Geschöpf, greifet sie vorsichtig ai:. Betrachtet diesen eisigen Körper! Das Kleid umhüllt sie. wie eil: Todtenlinnen, :n:d das Wasser tropft an ihr hernieder. Scheut Euch vor dieser todten Hülle iücht, nehmt sie in Eure Arme. Erspart dieser Märtyrerin jedes dreiste Wort. Verbannt die Gleichgiltigkeit ans Euren: Herzei: und die Veracht:n:g ails Euren Mienen. Denkt ü: tiefen: Schmerz cm diese Unglückselige! Nein, man bebt sie nicht auf, mau wagt es nicht, sic zu berühre!:, was wrde der Polizeiconnnissär sagen? „Ah! Wie schäl: ist sie zu ihren: Unglück gelveseii! Wie eii: Bild, das man aus den: Nahmei: gelwmlnen!" (Schluss folgt.) Die „Arbeiter-Zeitung," das Centralorgan der österreichischen Socialdemokratie, Hai sich so lange in dem Wahne gewiegt, dass nur sie das Recht hat, aus die Gründer, ohne Unterschied, ob jüdischer oder arischer Abstammung, zuzuschlage», dass sie es gar nicht fassen kann, wie es auch in " dieser, von ihr stets mit so unmöglicher Verachtung behandelten Gilde Leute geben kann, die sich vermessen konnten, auch einmal, und zwar in recht derber Weise, zurückzuschlagen. Der Hieb sitzt, das beweist die Wuth, mit der sich die Wortführer der Soeialdemokraten auf das „.Jüdische Volksblatt" stürzten, das nun seine dem jüdischen Greisler gewährte Gastfreundschaft so schnöde belohnt sieht. Armes „Jüdisches Volksblatt", das wirst Du noch bitter bereuen. In der Nummer vom 2. Juni beschäftigt sich die „Arbeiter-Zeitung" in einem mehr als drei Spalten langen Artikel abermals mit dem „Gesetzentwürfe über das Detailreifen", der unmittelbaren Ursache unseres letzten Angriffes, und wir müssen gestehen, dass wir diesmal gar keinen Grund haben, mit ihr zu rechten. Die Ausführungen in dieser Nummer sind diesmal ausnahmsweise sehr vernünftig, und auch die bei ihr sonst üblichen Ausfälle gegen die Kaufleute sind diesmal unterblieben. Doch lassen wir sie selbst sprechen: „Wogegen sich die Provinz kaufleute nicht ohne Berechtigung wehren, ist die Thatsache, dass diese Aufsuchung des privaten Bedarfes ihnen ihre besten, zahlungsfähigen Kunden w e g t r ä g t. Da kommen die Zwischenhändler aus der Stadt, besuchen die zwar wohlhabenden Leute des Ortes, nehmen den ertragsreicheren Consum für sich in Anspruch, schöpfen mit anderen Worten von der Milch den Rahm weg und überlassen dem Provinzkaufmanne den Bodensatz des Bedarfes, die schlechtere Kundschaft und die e rtrag s l 0 s e n Artikel. Wenn man überhaupt das Eingreifen des Staates in die Sphäre der Erwerbsmöglichkeiten als zulässig betrachtet, so lässt sich nicht abstreiten, dass hier ein Schutzbedürfnis besteht. Wir trauen unseren Augen nicht. Ja theuere „Arbeiter-Zeitung", das unterschreiben auch wir, die jüdischen K a u f l e u t e, Dir Wort für Wort, das klingt ja so ganz anders, als die hämischen Bemerkungen : Lebensmittelgauner, Wucherer rc. rc.; denn nicht nur u der Provinz, sondern auch in der Großstadt leider unter den heutigen, nun unhaltbar qewordelien Verhälnissen, und nicht nur bei den großen Versandtgeschäften, sondern auch, und zwar in höherem Maße, bei den Consumvereinen gegenüber den kleinen Geschäftsleuten trifft die obige Schilderung zu; doch davon ein andermal. So, nun ist's Heraußen. Nun kennen Sie die Ursache unseres Eintretens für die angegriffenen Greisler, da wir Juden nun einmal ein ziemlich'großes Contmgent zu dieser