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Jüdisches Volksblatt · 1901-05-31 · 22 (31.5.1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
22 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 31. Mai 1901 Seite 5 Haltung dargelegt und haben sich überdies bereit erklärt, zu diesem Zwecke territoriale und wesentliche finanzielle Opfer zugunsten der Stadt zu bringen. Nebstdem haben sich viele Prager wissenschaftliche und Künstler-Vereine in Petirionen um Erhaltung der vollen Integrität dieses berühmten culturhistorischen Denkmales an die Stadt gewendet. Ja sogar der Landtag des Königreiches Böhmen hat im Jahre 1897 im nämlichen Sinne zu bestimmen versucht, aber alle Mühen blieben erfolglos; die Sadtverwaltung beharrt auf ihrem alten Regulierungsplatte mit einer Festigkeit, die bis ins Unbegreifliche geht. Es ist,eben ein trauriges Zeichen der Zeit, dass dem noch so sehr begründeten Verlangen jüdischer Corporationen seitens der Stadt nicht Folge gegeben, und dass einem so berühmten historischen Denkmale, weil es zugleich ein „jüdischer Friedhof" ist, die Berücksichtigung nicht zugewendet wird. Es wäre aufrichtig zu wünschen, dass in letzter Stunde doch ein die Interessen der Commune klar erkennender Sinn bei den maßgebenden städtischen Factoren jjum Durchbruch.komme, welcher das geschilderte Unheil verhüten würde. Sonst erleidet Prag eine Einbuße an einer Sehenswürdigkeit, die auf Tausende von fremden Besuchern einen tiefen Eindruck gemacht hat. Die Koscherfleisch-Frage. Bei der am 20 d. M. abgehaltenen Plenarversammlung der Cultusgemeinde wurde auch die Koscherfleisch-Frage behandelt. Wir constatieren gerne der Wahrheit gemäß, dass dieser Angelegenheit speciell von einem Mitglieds des Cultusvorstandes mehr Verständnis und Wohlwollen für die Interessen der Fleischhauer entgegengebracht wurde, als dies bisher der Fall war. Wenn aber einzelne Herren des Vorstandes die Meinung vertreten, dass die ohnehin hochbesteuerten Fleischhauer alle Lasten der Neuregelung tragen sollen, so zeigt es sich eben wiederum, wie viel nothwendiger eine Vertretung der Kleingewerbetreibenden als derHöchbesteuerten im Cultusvorstande wäre. Schon die Einleitung des Referenten, er bringe einen für die anwesenden Herren „uninteressanten" Bericht, ist höchst bedeutend für die Art und Weise, in der die jetzigen Machthaber in der Cultusgemeinde ihren Pflichten Nachkommen. Sind nicht in dieser Frage soundsoviele Köpfe der Wiener jüdischen Bevölkerung interessiert? Das mangelnde Interesse eines oder des anderen unser Bonzen verurtheilen und bedauern wir auf das lebhafteste. Der Referent führte über die Angelegenheit selbst Folgendes aus: „Die Koscherfleisch-Frage zerfällt in zwei Theile, in die Durchführung der Schächtergebüren und den Verkauf des Fleisches selbst. Was den ersten Theil anbelangt, so stehen hier die Einnahmen für das Schächten noch nicht im Einklage mit den Ausgaben, daher beantrage er die Einstellung von 10.000 Kr. in das Budget. Der zweite Theil, der Verkauf des Fleisches, sei etwas schwieriger zu regeln, nachdem sich Missbrauche eingeschlichen hätten, die nur mit Mühe und Geduld ausgerottet werden könnten. Die Cultusgemeinde müsse sich daher hier vorläufig mit Ausgaben statt Einnahmen begnügen. Das Rabbinat verlange nun, dass jeder Koscherfleisch-Verkänfer einen Maschkiach anstelle und für diesen Aufseher einen entsprechenden Betrag an die Cultusgemeinde zahle. In einigen Bezirken, wo die Bevölkerung weniger auf Koscherfleisch reflectiere, solle man etwas daraufzahlen, um nur den Bestand der Fleischbänke zu sichern. Hingegen könne man in günstig gelegenen Bezirken die Steuern der Fleischhauer erhöhen. In der darauffolgenden Debatte, in der auch erwähnt wurde, dass sich schon viele (?) Fleischhauer gemeldet hätten, die den Anforderungen des Rabbinats entsprechen wollten, befürwortet Cultusvorsteher v. Mises die Einstellung der 10.000 Kr. in das Budget und verwahrt sich dagegen, es wäre die Sache nur ein Sport mancher Herren und, verweist auf die Regelung des Koscheifleisch-Berkaufes in Deutschland. Zum Schluffe appelliert der Redner an das Plenum, das Verhältnis zu den Fleischhauern in urbaner Weise zu regeln. Cultusvorsteher Rappaport fragte, wie viel Maschknchim angestellt werden sollten und wie hoch ihre Bezahlung sein solle. Dr. Spitzer spricht sich gegen das Provisorium, sowie gegen jede Schädigung der privatbetheiligten Fleischhauer aus. Herrn v. T a u s s i g s Anfrage, ob die Schächter in den Beamtenstatus ausgenommen werden, wird vom Vorsitzenden verneinend .beantwortet. Während Dr. Stern für eine einmalige Subvention eintritt, wendet sich kaiserl. Rath Hirsch entschieden gegen jede Subventionierung der Fleischhauer, die alles allein bezahlen sollen. Zum Schluffe ergreift der Referent das Wort und führt aus, wenn man schonungslos Vorgehen wollte, würde es freilich der Gemeinde nichts kosten, man müsse aber unbedingt Rücksicht darauf nehmen, dass die Fleischhauer ohnehin einen so schweren Kampf um ihre Existenz führen. Hierauf wird die Einstellung der 10.000 Kr. in das Budget angenommen. Ein jüdisch-akademisches Heim. (Orig.-Ber. des „Jüd. Volksblatt".) Lemberg, im Mai 1901. Samstag den 13. d. M. wurde im hiesigen Cultusrathssaale eine hochintereffante Enquete abgehalten. Es handelte sich um die Frage der Errichtung eines jüdisch-nationalen Heims. Die Einladungen wurden vom ,,Rigorosanten-Verein" der Lemberger jüdischen Akademiker ausgeschickt. Unter den Anwesenden befanden sich die Reichsraths-Abgeordneten Dr. B Y k und Piepe s-P oratynski, kaiserlicher Rath Stroh, die Advoeaten Dr. Fel d, Dr. Eduard Lilien und Dr. Adolf Lilien. Pom Vereine hatten sich eingefunden der Präsident Dr. B a l a b a n und der Referent Dr. Henryk L ö w e n he r z. Der Referent legte die Nothwendigkeit der Erbauung eines jüdisch-nationalen Heims dar und besprach den moralischen und intettectuellen Nutzen, den die jüdische Jugend aus ihm ziehen werde. Die Einzelheiten dieser Ausführungen, die finanziellen Durchführungen dieses Planes und die Herbeischaffung der nvthwendigen Mittel gehen das betreffende Localcomite an. Was jedoch Ihre Leser, ja ich möchte sagen, die ganze jüdische Intelligenz, interessieren wird und muss, ist die kurze, principielle Debatte, die sich über die Nothwendigkeit eines „jüdischen Heims" entwickelte. Diese Frage nämlich hatten die beiden Doctoren Lilien aufgeworfen. Dr. E. Lilien befürchtete, dass die Existenz eines solchen Hauses die Kluft zwischen den jüdischen Akademikern und den nichtjüdischen erweitern werde. Ein solches Heim, meinte Dr. Lilien, würde einen Widerspruch gegen die Ideen des Fortschrittes bedeuten. Gegen diese Ausführungen traten nicht nur die Anhänger der jüdisch-nationalen Idee auf, sondern auch die graugewordenen Vorkämpfer der Assimilation, die sich bislang nur als Polen gefühlt hatten. Apotheker Piepes, der hinter seinem Namen das polnische „P o r a t Y n s k i" nachschleppt, erklärte, er sei immer gegen die Sonderbestrebungen ausgetreten, man müsse jedoch mit der Sache, wie sie nunmehr st eh t, rechnen. Auch sei es unklug, sich Hoffnungen hinzugeben, dass sich die Verhältnisse bessern werden. Auch Dr. Byk trat gegen die Ausführungen Doctor L i l i e n s auf. Besondere jüdische Vereine, erklärte er, entsprechen einem Bedürfnisse der Zeit. Als im Jahre 1868 der „Rigorosanten-Verein" ins Leben trat, hieß es gleichfalls, dass er dem „Separatismus" Vorschub leiste, es zeigte sich aber, dass der Verein einem Bedürfnisse entsprach und viel Heil gebracht hat. Auf Antrag des Präsidenten wurden die Ausführungen Dr. Lili ens abgelehnt und die Nothwendigkeit der Erbauung eines jüdischen Heims anerkannt. Die Einzelheiten dieser Debatte sind, wie gesagt, localen Charakters, bemerkenswert bleibt nur, dass selbst die gewesenen Führer der Assimilation in Galizien allmählich zur Ueberzeugung kommen, dass wir Juden uns als Juden organisieren müssen, dass die jüdisch-nationale Idee — man mied es allerdings, dieses Wort zu gebrauchen — immer mehr um sich greife, das sogenannte Schreckbild „Separatismus" schrecke nicht mehr und dass man mit den gegenwärtigen Verhältnissen rechnen müsse. Auf zur jüdisch-nationalen Organisation, zur Organisation aller Juden in Oesterreich! Hier allein liegt unser Heil! Dr. Z. Aus Rumänien. (Orig. Bericht des „Jüd. Volksbl.") Mit Beginn des Sommers trat die Emigrations-Bewegung im ganzen Lande wieder in Action. Allerdings geschieht dies in weniger auffallender Weise als im vorigen Jahre. Die Mitwirkung der Agenten der Pariser „Allianz", der „Jca" und anderer Corporationen, welche während des Winters Unterstützungen an die Armen vertheilten und die Auswanderungs- Bewegung zu organisieren suchten, hat viel dazu beigetragen, dass die bulgarische Hochflut zurückgrtreten ist. So hat Herr Auerbach angekündigt, dass er hundert junge Leute auf Kosten der „Jca" nach Australien befördern wird, Her Wolfsberg, der Agent einer Londoner.Gesellschaft versprach, einige Familien nach Canada zu befördern, doch das bedeutet nicht mehr als ein Tropfen im Meere, denn die Armut ist noch immer groß, und von Seite der neuen liberalen Regierung sowie der neugewählten Kammer ist nicht zu erwarten, dass sie durch irgendwelche Gesetze oder Verordnungen das Schicksal der Unglücklichen erleichtern wird. Auch unter der nichtjüdischen Bevölkerung herrscht große Noth. Auf einer Arbeiter- und Handwerkerversammlung, welche vorigen Sonntag in Bukarest abgehalten wurde, wurden heftige Vorwürfe gegen das neue Ministerium und besonders gegen den Minister des Innern, Aurelian, erhoben, weil er einer Handwerker- und Arbeiter-Deputation, die bei ihm vorsprach, erklärte, dass er vor der Herbstsaison keine Hilfsaktion in Aussicht stellen könne. Wir Juden haben auch später nichts zu erwarten. Großes Aufsehen erregt hier ein Artikel des gewesenen Redacteurs des antisemitischen Blattes „Aparea Nationala", der im „Adeverul" erschienen ist und in dem die Rädelsführer der antisemitischen Partei öffentlich beschuldigt werden, dass sie die gesammelten Gelder in ihre eigenen Taschen verschwinden ließen. Von dieser Thatsache war übrigens auch schon früher die Rede, aber der scharfe Ton und die ausdrückliche Nennung der Beschuldigten hat die Wirkung nicht verfehlt und große Aufregung in die Kreise der Bevölkerung getragen. Schließlich mag noch die Thatsache erwähnt werden, dass unter den Repräsentanten der Bankinstitute, welche der Regierung die Summen zur Deckung von Obligationen vorstreckten, sich auch einige jüdische Banquiers, wie Brüder EliaS u. a., eingefunden und große Summen gezeichnet haben. Dr. 8. Eingesendet. Ein jüdisch-nationales Liederbuch. Der Jüdische Turnverein „Bar Kochba"- erlin beabsichtigt die Herausgabe eines Liederbuches in einer Mindestauflage von 2000 Exemplaren, welches keineswegs nur auf jüdische Turnvereine zugeschnitten sein soll, sondern für jüdische Vereine jeglicher Art (Studenten-, Gesang-, Geselligkeitsrc. Vereine) geeignet ist. Dasselbe wird auf circa 100 Seiten neben fast allen allgemein gesungenen Fe st-, Comm ers-, W an d er-, Turnliedern eine sehr große Anzahl v'on Liedern jüdischen Inhaltes aufweisen, neben den altbewährten a u ch v i e l e n e u e, die sich gewiss bald allseitiger Beliebtheit erfreuen dürften. Der Preis wird sich, bei dauerhafter Ausführung (sehr bequemes Taschenformat) auf nur 25 Pfennige per Exemplar (bei größerem Bezüge billiger) stellen. Alles Nähere später. Wir bitten alle jüdischen Vereine, die an unsere m, einem lebhaft empfundenen Wunsche entsprechenden Werke Mitarbeiten wollen, um möglichst s ch l e u ni g e Ein s end u n g ihrer Bundes- oder Vereinslieder und sichern den s o n st i g e n, uns zwecks Aufnahme zugeschickten Liedern objectivste Beurth ei l un g zu. Jüdischer Turnverein „Bar Kochb a", Berlin, Schönhauser-Allee 182 a. * * * Coiifiriimtion jüdischer Mädchen. Man mag über unsere Religion wie immer denken, man mag ihre Lehren beobachten oder nicht, eines kann und darf man ihr nicht abstreiten, niemals hat sie es versucht, bloß unsere Sinne zu fesseln, zu bethören, stets und immer sprach sie zu unserem Herzen und zu unserem Verstände. Alle unsere Gebräuche, und, wenn sie dem Lärme noch so unverständlich Vorkommen, haben, wie alle, die etwas gelernt haben, wohl wissen, nur den Zweck, unser Herz zu veredeln, unseren Geist zu bilden oder sind von der Hygiene geboten. Wie konnte sich nun bei uns Juden eine so ganz aufs Aeußere berechnete Sitte einführen, unsere Mädchen zu confirmieren? Während wir bei allen unseren Ceremonien den historischen oder logischen Hintergrund kennen, stehen wir hier vor einem Novum, vor etwas, was dem Geiste der jüdischen Religion direct zuwiderläust. Man wende uns ja nicht ein, dass es in der heutigen Zeit nothwendig sei, auch unsere Frauen und Mädchen mit unserer Religion vertraut zu machen. Das ist entschieden nicht der richtige Weg hierzu. Dieses öffentliche, bühnenhafte Auftreten im Tempel vor einem zahlreichen Publicum, dieses gedankenlose Herplappern einiger eingedrillter Sätze und diese, ich will sie nicht näher kritisieren, diese — Ansprache, die dann an die Mädchen gehalten wird, das mag wohl nach außen sich ganz hübsch machen, auch die vielen Geschenke, die die Confirmandin kriegt, sind ja nicht zu verwerfen, aber für das jüdische Herz, für die jüdische Religion ist damit blutwenig gewonnen. Ja ich wage es zu behaupten, dass im Gegentheile der gegenseitige Neid, der durchs die reichere Toilette des einen Mädchens bei dem Anderen hervorgerufen wird, durch der Neid, den das Judenmädchen gegen das Christenmädchen empfindet, weil es zur Firmung keinen Göden und keine Praterfahrt hat, denn wenn schon, denn schon. Hat man bereits angefangen mit der Firmung, so müsste man sie auch consequent durchführen, genau wie die Katholiken, ich behaupte also, dass dadurch unserem Judenthum viel mehr Schaden erwächst, als Nutzen. Wenn man die Absicht hat, unsere Frauen und Mädchen in den Geist des Judenthums einzuführen, und wir sind gewiss die letzten, die diese Nothwendigkeit nicht einsehen, im Gegentheile, wir predigen und propagieren es an allen Ecken und Enden, so möge man nicht in komödiantenhafter Weise Vorgehen, indem wir, etwas dem Katholicismus Abgegucktes in gedankenlos affenartiger Weise nachmachen, sondern in echt jüdischer gründlicher Weise Vorgehen. Man muss die Mädchen schon in ihrer zartester Jugend mit dem Gedanken vertraut machen, dass sie Jüdinnen sind und dass sie infolge dessen ganz andere ethische und moralische Pflichten haben, als die anderen Nationen. Mau muss ihnen Liebe zu ihrem Volke beibringen, indem man sie in die jüdische Geschichte einführt. Man muss ihre Selbstachtung und die Achtung ihres Volkes in ihr wecken, indem man ihr alle unsere Helden, Geistesheroen und Märtyrer vorführt, ja man muss ihr auch alle unsere religiösen Ceremonien und Gebräuche erklären und begründen und mit Verständnis, nicht mit Zelotismus erklären, dann, ja dann wird es uns gelingen, aus unseren Mädchen wahrhaft jüdische Mütter zu machen, und die Zukunft Judas wird sich viel besser gestalteu. Aber durch die Komödie der Confirmation jüdischer Mädchen werden nur alle nichtjüdischen Laster im Herzen unserer Kinder geweckt, wie Neid, Missgunst, Gefallsucht rc., aber für unser Judenthum, in seiner wahren hohen ethischen Bedeutung ist absolut gar nichts gewonnen. Darum: fort mit diesem Unsinn, er muss aus dem jüdischen Tempel hinaus. P. pe körperliche Entartuns der Wen, ihre Machen und ihre Kekampfnng. *) Von Hermann Jalowiez. Während bezüglich des Wertes oder Unwertes jüdischer Moral sich zwei deutlich geschiedene Meinungen gegenüberstehen, nämlich dre absprechende der Antisemiten und die auf erfahrungsmäßigen Grundlagen fußende, günstige Auffassung der Juden sowie ihrer Freunde, ist bei der Frage über die Entartung der jüdischen Nation, respective ihre Gleichwertigkeit mit anderen Völkern eine abermalige Spaltung zu beobachten. Nicht nur Gegner jüdischer Eigenart, sondern Juden selbst sprechen und schreiben von einer Degeneration des jüdischen Stammes, welche wiederum von anderen Juden geleugnet wird. Eine Enscheidung darüber, ob das Volk Israel in körperlicher Hinsicht nicht mit seinen „Wirtsvölkern" zu wetteifern vermöge, ob es diesen gleichkomme oder unter ihnen stehe, kann nicht allzu schwer zu treffen sein; und eine ruhige Betrachtung unseres Problems, die sich gleich fernh ält von nervös-empfindlichem Nationalstolz wie von blindwüthendem Rassenhass — der eine sieht in finsteren unterirdischen Höhlen strahlendes Licht, der andereentdeckt am sonnenhaften Glanze nur dunkle Flecken — muss, denke ich, sicher zum gewünschten Ziele führen. Von eingewurzelten, altersgrauen Urtheilen, die ebenso gut altersgraue Vorurtheile sein können, brauchen wir uns nicht im mindesten beeinflussen zu lassen. Wir werden das Material unbefangen in Augenschein nehmen und nach stattgehabter Prüfung das Ergebnis verkünden, wie es sich uns darstellt, niemandem zuliebe und niemandem zuleide. Zunächst haben wir eine Schwierigkeit zu überwinden: Auf welchem Wege, nach welcher Methode bewältigen wir die Menschenmassen, um sie an unseren» geistigen Auge vorbeiziehen zu lassen und in Tauglichkeits-Kategorien einordnen zu können? Dje *) Aus der „Jüdischen Turnzeitung".

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