Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 22 (31.5.1901)
- Date
- 1901-05-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Wien, Freitag Jüdisches Vofesblatt 31. Mai 1901 Seite 3 Die Juden sind uns vielfach überlegen, und der Concurrenzkampf auf den verschiedensten Gebieten, in den verschiedensten Berufsarten und Branchen steigert den Antisemitismus. Dies zeigt sich am deutlichsten in Ungarn, dessen Aufschwung zum größten Theile den ungarischen Inden zu verdanken ist. Wenn nun trotzdem auch in Ungarn der Antisemitismus anwachst, so ist dies darauf zurückzuführen, dass die Führer der ungarischen Inden die Magyarisierungspolitik gegenüber den nichtmagyarischen Völkern fördern. Darum ist die Organisation der österreichischen Juden als nationale Individualität zu begrüßen, wozu allerdings sehr viel Mühe und Geld aufgeweudet werden muss. Vom Tage. Zechner, Breiter und „Arbeiter-Zeitung". „Ist dies gleich Tollheit, so hat es doch Methode." Die „Arbeiter-Zeitung'", das Centralorgan der österreichischen Sccialdemokratie, hat am 25. d. M> die unerhörte Tollheit begangen, sich zum Beschützer und Verteidiger des Hofrathes Z e ch n e r, des grimmigsten Feindes der Bergarbeiter, aufzuwerfen. Aber diese Tollheit, welche der „Arbeiter-Zeitung" bei allen anständigen Menschen den letzten Nest gibt, ist nur eine Consequenz der Methode, die sie seit Jahr und Tag befolgt: Jeden Menschen, der sich nicht der Parteipeitsche beugt, zu vevnnglimpfen und zu verfolgen, gleichgiltig, ob die Interessen der Arbeiterschaft dabei verrathen werden oder nicht. Den Sachverhalt selbst besprachen wir an leitender Stelle, hier wollen wir uns nur mit der „Arbeiter-Zeitung" befassen, welche Herrn Hofrath Zechner in seinen schweren Nöthen beispringt. Demselben Zechner, der sich sonst gegen jede Bestrebung der Kohlenarbeiter ebenso energisch wie erfv^- ieich zu rvehren weiß, demselben Z e chne t. der sich, wie sonst vielleicht niemand, den Hass der Arbeiterschaft Oesterreichs, zugezogen hat. Und diesem Zechner, der noch wenige Tage vorher im socialpolitischen Ausschüsse das Gesetz über die Arbeitszeit im Kohlenbergbaus auf die schmählichste Weise verstümmelte, wird von der „Arbeiter-Zeitung'" plötzlich Lin Belobungszeugnis ausgestellt. Wieso? Warum.? Den Lesern des „Jüdischen Volksblatt" sind die socvrslpolitischen Heldenthaten des Hofrathes Zechner in Borystew zur Genüge bekannt.*) Am 16. September 1$97 erließ Hsfrath Zechner für das Boryslawer Revier einige bergpolizeiliche Vorschriften, die zur Folge hatten, dass gerade die kleinen Erdwachs - Producenten mll einem Schlags ohne jeden Ersatz, zu Bettlern und über G©0 Arbeiter mit ihren Fa«rilieu, gegen ■ 3000 Menschen bnch stäbli ch brotlos wurden. Dieselben Erlässe des Hofrathes Zechner brachten es aber auch mit sich, dass die Länderbank, die bislang allzu sehr unter der Concurrenz der anderen Erdwachs-Producenten gelitten, diese Concurrenz mit einem Schlage verlor, natürlich sofort den Preis für Erdwachs um ein Beträchtliches in die Höhe schnellte und sich überdies durch alle erdenklichen Schliche und Kniffe in den Besitz der kleinen Gruben zu setzen wusste. Welch merkwürdiger Zusammenhang zwischen den Erlässen des Hofrathes Zechner und dem guten Geschäfte der Länderdank l Wenn jemand zweifelt, so sehe er nur den Jahresbericht der Länderbank vom Jahre 1898 an. Da werden die bergpolizeilichen Vorschriften des Herrn Hofrathes ebenso belobt, wie jetzt in der „Arbeiter-Zeit u.n g". Wer sollte glauben, dass das „Centralorgan der österreichischen Socialdemokratie" so ein Herz sei mit der Länderbank? Derselben Länderbank, aus deren Reservefonds 12 Millionen Gulden spurlos verschwanden und welche die Erdwachs-Gruben in Boryslaw von der genugsam bekannten verkrachten Galizischen Creditbank übernahm. Und da entblödet sich die „Arbeiter-Zeitung" nicht, zu schreiben: „Aber was sind Ehre und Würde für Herrn Breiter...", sie, deren Ehre Hand in Hand geht mit dem Jnreresse der — Länderbank! Es hat gerade noch gefehlt, dass die „Arbeiter-Zeitung" sich den Spass erlaubte, eines der auständigsten Elemente des Abgeordnetenhauses für' sein mannhaftes Auftreten auf die ekelhafteste und dümmste Weise anzusiegeln. Aber der Spass wird ihr hoffentlich theuer zu stehen kommen. Die Juden, die Heuer so diensteifrig ihre Stimmzettel für Dr. Adler, Dr. Ellenbogen rc. ausfüllten, werden sich den Streich merken. Allein man wird auch Aufklärung verlangen über das mannhafte Schutzbündnis zwischen der „Arbeiter-Zeitung" und Hofrath Zechner. Und die „Arbeiter-Zeitung" wird gut thnn, die Anfklärung so bald als möglich zu geben. Denn man könnte sonst leicht glauben, dass ihre Vertheidigung mehr der Länderbank als dem Hofrathe Zechner gelte. Galgerrlogik. Angesichts der „unerklärlichen" Thatsache. dass Hilsner noch nicht gehenkt ist, findet das „Deutsche Volksblatt" nicht Worte genug der tiefen Entrüstung. Warum hängt Hilsner noch nicht? fragt Vergani alltäglich und niemand vermag ihm darauf Antwort zu geben. Aber wenn Hilsner überhaupt nicht gehenkt wird, was sehr wahrscheinlich ist, so hat der Ehrenbürger von Mühldorf schon die Gründe dafür bei der Hand: Die Juden wollen das Hängen Hilsners hintertreiben, weil sie fürchten, dass Hilsner noch unter dem Galgen aus Todesfurcht Geständnisse macht. Wenn also der Kaiser Hilsner begnadigt, so sind nach der Folgerung Verganis — die Inden daran schuld. Unter Umständen könnte diese Beschuldigung des Schreibgelichters vom Antisemitenhofe als Majestätsbeleidigung gelten, aber daran denken ja diese Kerle nicht. Die schurkische Logik dieser Leute sucht nur den Ereignissen zuvorzukommen. Da der Oberste Gerichtshof Hilsner einstimmig der Gnade des Kaisers empfohlen hat, ist die Begnadigung wahrscheinlich, und "nun gilt es, diese Thatsache möglichst auszubeuten. Wird Hilsner begnadigt und der dumme Kerl glaubt es, dass die Juden daran schuld sind, so istPolna noch lange ein gutes AgUationsniittel. Selbst die geheiligte Person des Monarchen ist dieser Gesellschaft gut genug für ihre lichtscheuen Pläne; die Juden kommen seübst bis dahin . .. redet Vergani seinen Lesern ein. — Und der Staatsanwalt, der sonst so scharfe Augen hat, lässt solches Treiben ruhig zu l Dieses Oesterreich ist doch ein köstliches Land, nicht wahr? Chronik des Judenttzmns. AtttanÄ. Wien. (^Jüdischer V o l ks ver e i n.") An» geei.sert durch den Anklang, den L>ie Jüdische Volkslesehalle gefunden und der irc dem leb haften Besuche derselben seitens der jüdischen Bevölkerung des K. Bezirkes zum Ausdrucke kommt, geht der „Jüdische Volksverein" darsn, eirrs jüdische Volksbibliothek ins Leben zu rufen, welche die Lectüre auserlesener Werke belehrenden und unterhaltenden Inhaltes weiteren Kreisen ermöglichen soll. Größere Dedicationen, sowie bedeutende Büchevarckäufe lassen die Eröffnung dieser neuen völksthümlichen Institution für die nächste Heit erhoffen. Wir wenden uns an alle Gesinnungsfreunde ustd Leser -unseres Blattes, die Jüdische Volksbibliothel durch Bücherspenden, welche wn Vereinshause K., Leopoldsgaffe Ä9, in Empfang gekommen und im „Jüdischen VoEsblatt" ausgewiesen werden, unterstützen. Wien. (,,J üd i s«ch er V ok'ks verein/^ Die .gestrige Versammlung des „Jüdischen Wolksvereins" schloss zu so vorgerückter Stunde, dass ein Bericht über dieselbe erst in der nächsten Nummer erscheinen kann. Wien. (B>a r o n H i r s ch - S t i ffrt u n g.) DeM Berichtej des Curatoriums der Barsm Hirsch-Stiftung zur Beförderung' des Bolksschulunterrichtes irn Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzvg-thum Krakau und im Herzogthum Bukowina für die Zeit vom 1. September 1899 bis 31. Angnst 190G entnehmen Lvir: DaS Verflossene Jahr war für die Stiftung ein kritisches. Die PhÄanthropin Arau Baronin Clara von Hirsch war gestorben. Sie war es, die irr ihter unerschöpflichen Liberalität das Enratorium ermunterte, das Stiftungswerk durch ausgedehnte Schnkgründungen möglichst zu erweitern und alle daraus sich ergebenden Deficite aus eigenen Mitteln deckte. Roch mehr, sie erklärte sich wiederholt bereit, auch in Zukunft aus dem Fortschreite« des Stiftungswerkes sich ergebende Deficite zu decken, was, wie gesagt, das Curatorinm anregte, weit über die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stiftung hinauszugehen. Allerdings hat sie unsere Stiftung durch ein Legat verstärkt. Allein die für das Stiftungstoerk aus diesem Legate erwachsenen Zinsen reichten nicht hin zur Deckung des durch Ausdehnung des Schulnetzes gewachsenen Ausgabe-Etats. Zur Deckung derselben musste von der statuarischen Bestimmung, dass für Schulbauten 306.000 Frcs. aus dem Stamincapitale verwendet werden dürfen, Gebrauch gemacht werden. In der Verwaltung der Stiftung musste der Grundsatz äußerster Zurückhaltung und Sparsamkeit gegenüber jeder beantragten Ausgabe festgehalten werden. Ein Moment, welches im abgelaufenen Schuljahre die Entfaltung der Schulen zu hemmen drohte, war die Einführung des Halbtagsuntcrrichtes an den galizischen Etatsschulen. Diese Maßregel brachte eine Bewegung in einem gewissen Theile der Bevölkerung hervor, welche die gleiche Einführung des Haibtagsnnterrichles an den Stiftsschulen anstrebte, eine Foroerung, die auch seitens der Lehrerschaft unterstützt wurde. Das Curatorinm verhielt sich gegen die Bestrebungen entschieden ablehnend, da es im Sinne des Stifters den Standpunkt vertritt, dass die Stiftungsschulen als Ecziehungs- und nicht bloß als Unterrichtsanstalten die Schuljugend den größten Theil des Tages in ihrer Obhut und Ueberwachung zu halten verpflichtet seien, um sie auswärtigen schädlichen Einflüssen zu entziehen. Aber wenn auch alle diese Vorkommnisse einigermaßen dämpfend auf den großen Aufschwung der Stiftttugsschttlen wirkten, so vermochten sie dennoch nicht einen Rückgang herbeizuführen; dies zeigt sich am besten an der Frequenz der 50 Stiftungsschulen, welche eine .Zunahme von 554 Frequentanirn answeisen. Wir fühlen uns verpflichtet, an dieser Stelle der „Jewish Colonization Association" für ihre Mitwirkung bei der Unterbringung von Handwerkslehrlingen und für den Entschluss zu danken, uns zu diesem Zwecke für drei Jahre eine jährliche Subvention von 10.000 Kr. zuzuweudeu. Wien. (H o ch z e i t s f e st.) Es war geradezu ein überwältigender Eindruck, den die Trauung des Fräuleins Manft Bauer, Tochter des Obercantors der türkischen Gemeinde, mtt Herrn Architekten Heinrich Koste l hervorrief. Der prachtvoll decorierte Tempel war überfüllt, und mnsslen trotz der Eintrittskarten hunderte Personen auf der Straße bleiben. Es ist dies der allgemeinen Beliebtheit und Verehrung, welche der Brautvater I. Bauer in allen Kreisen genießt, zuzuschreiben. Wir sahen Vertreter des Cultusvorstandes, des Beamtenkörpers, das Präsidium der türkischen Gemeinde, viele Rabbinen und Cantoren, Vertreter mehrerer humanitärer Vereine, Musiker und Künstler, sowie ein zahlreiches distinguiertes Publicum. Erbebend war es, als Obercantor I. Bauer mit seiner herrlichen Tenorstimme das „Ma towu" mit verstärktem Chore und Orgelbegleitnng eine geradezu meisterhafte Leistung zu Gehör brachte, worauf sein Schwiegersohn Ehrwürden Rabbiner Dr. Kahan aus Znaim die Trauungsrede hielt. Dr. Kahan ist wohl von seinen schriftlichen wissenschaftlichen Arbeiten als Gelehrter bekannt. Dienstag hat er sich als brillanter geistreicher Redner, mit einem kräftigen, sympathischen Organe begabt, eingesührt. Die Rede wurde selbst von den anwesenden Herren Rabbinen in besonderer Weise gewürdigt. Den Höhepunkt erreichte die Ceremonie durch den Vortrag der „Schema Berachos" durcki den verdienstvollen Brautvater. Nachdem Ehrwürden Rabbiner Papa die „Kefube" und die Trannngsformel sprach, wurde eine Schluss-Hymne aufgeführt. Der Chor stand unter der Leitung des bekannten, tüchtigen, wackeren Chormeisters Isidor L ö w i t, der seine ganze Person für das Gelingen dieser Hochzeitsfeier eingesetzt hat. Diese Feier wird jedem Anwesenden für sehr lange Zeit unvergesslich bleiben. Prag. (Ein I tt t e v i e w P r o f e s s o r Masaryks.) Professor Dr. M a s a r y k wurde vom Vertreter der „I. Ch." interviewt. Wir erfahren, dass Professor M a s a r y k von einem Wiener Freunde, der ihn um seine Meinung darüber befragt hatte, rein zufällig aus den Hilsner-Pcocess gekommen ist. Beim näheren Studium der Processacten erkannte er aber sofort, dass hier in Böhmen eine ebensolche clericale Jntrigue vorlag, wie sie von der katholischen Kirche vor einigen Jahren ■gegen Dreyfus in Frankreich ausgeheckr worden war. Sein erstes öffentliches Auftreten zugunsten des unschuldigen Hilsner hat ihm und seiner Familie schwere Unannehmlichkeiten zugezogen : Die Studenten machten ihm im Auditorium einen Scandal und zwangen ihn, die Vorlesungen für einige Zeit einzustellm; seine Kinder in der Schule wurden mit „Hilsuer"- Rufen verfolgt und gezwungen, den Schulbesuch einzusiellen; seine Tochter ward genöthigt, für einige Zeit auf den Besuch der geschichtlichen Vorlesungen an der Prager Universität zu verzichten, wahrer,d er selber viermal wegen Beleidigung des Gerichtshofes zu Geldstrafen verurtheilt wurde. „Endlich aber habe ich gesiegt. In Pisek war gegen Hilsner ein neues Verfahren angeordnet, und der Gerichtshof war gezwungert, zu erklären, dass kein Ritualmord, sondern ein Lustmord vorliegt. Auch ist es nrir gelungen, durch mein Blatt „Czas" bei allen intelligenten und gebildeten Männern Böhmens den Aberglaube des Ritualmordes zu zerstören. Dieses bezeugt mir u. a. das reuevolle Benehmen der Leute mir gegenüber, die mir ivorher mit Verachtung entgegenkamen, und die jetzt sich fast schämen, mir gerade in die Augen zu sehen. Dagegen ist die MM der Volksmaffe in Böhmen getragene antisemitische Bewegung noch bei weitem nicht gebrochen, vielmehr ist selbe jetzt beider stärker denn je, und ich fürchte sehr, dass diese Bewegung, welcher theils nationale, theils religiöse und theils ökonomische Motive zugrunde liegen, sich nach der bekannt gewordenen Stellungnahme des Erzherzogs Ferdinand für den Katholischen Schulvrrein über ganz Oesterreich ausbreiten wird." IlnA-Hradstch. (An den Armenvate r.) Unser Armen-: «ater Heinrich Ganse! hält hier seit jüngster Zeit sogenannte Sprechstnnden. Nachdem aber den hierher kommenden GlaubensgLnossen dieselben «icht ganz genau t bekannt sind, ereignete es sich, dass ein rumänischer Jude einige Minuten nach der sogenannten Sprechstunde erschien und dadurch die Berechtigung aus eine Unterstützung verwirkt hat. Dieser Arme bekam demnach statt Geld den Bescheid: „Ich amtiere nur bis 6 Uhr." Dieser Uebelstand fordert die nöthige Abhilfe, und wir betreten zu diesem Zwecke den Weg unserer Oeffentlichkeit, indem wir ein solches Benehmen allen Ernstes rügen. Es ist nur der Initiative einiger Studenten zu danken, dass sie dem Armen beisprangen und ihn mit dem nöthigen Reisegelde nach Wien und auch mit dem für seine Ernährung nothwendigen Gelbe versahen; sonst könnte es passieren, dass, wie vor einiger Zeit, die Belehrung über Unterstützung armer Glaubensgenossen von fremder Seite wieder gegeben worden wäre. R. Fiume. (T e m p e l b a u.) Aus Fiume. wird berichtet : Schon seit langem bestand hier im Schoße der israelitischen Gemeinde die Absicht, einen ihrer Mitgliederzahl entsprechenden Tempel zu bauen. Diese Absicht konnte bisher aber aus verschiedenen Gründen nicht ausgeführt werden. Nun sind jedoch die Vorarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Gemeinde die Verwirklichung ihres alten Wunsches in Angriff nehmen kann. Es wurden ihr Projecle von mehreren Architekten vorgelgt, so unter anderen von dem Wiener Architekten Bauralh S t i a ß n y und dem Budapester Architekten Leopold Baumhorn, die beide als Specialisten auf dem Gebiete dieses Baugenres bekannt sind. In ihrer jüngst stattgehabten Ausschusssitzung hat die Gemeinde die ihr vorgelegten Projecte verhandelt; sie acceptierte einstimmig den Plan des Architekten B a u m h o r n. den sie auch mit der Ausführung der weiteren Arbeiten betraute. Das Gotteshaus wird auf dem von der Gemeinde bereits angekauften Baugrunde in der Via Pomerio errichtet. Mit dem Bau soll schon demnächst begonnen werden. Lemberg. (D e r V o l k s h u m o r bei den polnischen Juden.) Das Leben und Treiben der polnischen Juden in volkskundlicher Beziehung ist in den letzten Jahren von verschiedenen Forschern unsersucht worden. Unter diesen nimmt H. Lew mit einem in polnischer Sprache erschienenen zweibändigen Werk über den jüdischen Volkshumor eine hervorragende Stelle ein. Eine besondere Rolle spielen, wie W. Bugiel daraus hervorhebt, in Polen die Volkswitzbolde oder Chojseks, die nach Art der indischen Volkserzähler alljährlich zu gewissen Zeiten von Dorf zu Dorf ziehen und gegen eine geringe Zehrung und Geldlobnnng Märchen und Schwänke erzählen. Manche Witzbolde leben fort in der Volkserinnerung durch ihre Satiren. So Herschel aus Ostrvpol, von dem Bugiel berichtet, wie er dem Rabbiner sein neuestes Erlebnis erzählt: „Heute früh komme ich ans dem Hanse. Da begegnet niir der Engel des Bösen und fragt, wie ich mich befinde. Schlecht, sage ich, habe kein Geld und der Sabbath naht. — Geh' zum Rabbiner, sagt der Engel, und stiehl ihm einen silbernen Leuchter, was Du dafür erhältst, wird für die Sabbnthausgaben genügen. — Ich gehe weiter, da begegnet mir der Engel des Guten und fragt nach meinem Befinden. Ich erzähle ihm, dass es mir schlecht gehe und was mir der Engel des Bösen gerathen habe. — Bei Gott, ruft er aus, versündige Dich nicht. Aber ich will nicht vor Hunger sterben. — Nun, dann wende Dich persönlich an den Rabbiner. — Wenn Du gut sein willst, so thne es für mich. — Ja, sagt der Engel des Guten, ich würde es herzlich gern thnn, aber siehst Du, ich Hab' bis jetzl noch nie die Schwelle des Rabbiner- Hauses betreten." Auch an „Abderiten" fehlt es unter den polnischen Juden nicht, und als ihre Heimstätte gilt das Städtchen C h e l m. Von einem Einwohner desselben wird die auch sonst *) „Jüdisches Volksblatt", Jahrgang 1899, Nr. 7, 11-14.