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Jüdisches Volksblatt · 1901-05-24 · 21 (24.5.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
21 (24.5.1901)
Date
1901-05-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. Mai 1901 Nr. 21 mögens- und Gerichtsangelegenheiten, wie auch die religiöse Intoleranz aufgehoben wird, womit die russische Regierung eine wirkliche Gleichberechtigung der Juden anstrebte. Der Parallelismus in dieser Beziehung dauert in beiden Staaten fast bis ans Ende des XV111. Jahrhunderts. In diesem Zeiträume lassen sich die durch räuberische Bewegungen verjagten Juden wieder in den südlich-ruthenischen Landen nieder und strömen aus Galizien in Ungarn und Bukowina ein. (Schluss folgt.) Vücher-Einlsuf. Jüdische- Gefühl. Zeitschrift für die Jugend. Erscheintalle 14 Tage. Inhalt von Nr. 18: Schutzengel. — Der Hofmeister und sein Zögling. — Die Schebnothbäumchen. — Der Jude von Trient. — Räthsel. — Räthsel-Auflösungen. — Uebersetzungs Aufgabe. — Briefkasten. — Bezugspreise: Mit Postzusendung 4 Kr. jährlich, 2 Kr. halbjährlich. — Deutschland 4 Mk. jährlich, 2 Mk. halbjährlich. — Russland 2 Rubel jährlich. — Balkanstaaten 5 Fres. jährlich. — Einzelnummern 15 Heller. Redaction: Prag. Smeökagasse 7, 1. St. — Administration: Myslikgasse 14 n. — Manuscripte werden nicht zurückgestellt. Joseph R e in a ch : Geschichte der Affaire Dreyfud. Der Process von 1891. Auf Grund des amtlichen Actenmateriales dargestellt. Mit den Original - Illustrationen vom Bordereau, Esterhazys und Dreyfus' Briefen. Berlin und Leipzig I!>01. Verlag Fr. L u ck h a r d t. (Siehe 1901, Nr. 13 u. 14 des „I. V.") Die Gehaltsfrage der Privatlehrerinnen und Erzieherinnen sveciell im Falle der Urlaubsertheilung von Seite der Zöglinge ist eine Frage, welche für die weitesten Kreise von aetuellem Interesse ist und daher schon vielfach, aber erfolglos aufgeworfen wurde. Auf den Missbrauch, der darin besteht, dass die Familien der Zöglinge die Erzieherinnen während der Ferien nicht honorieren, 'kann nicht genug hingewiesen werden. Das 4. Heft der „Documente der Frauen", herausgegeben von M. L a n g, bringt in einem sehr lesenswerten Artikel: „Die Erzieherin auf dem Lande, Ferien" von R. K u l k a, obige Frage wieder aufs Tapet. Die Verfasserin gibt darin die Anregung zu einem beiden Parteien entsprechenden Ausgleich. Zu erwähnen wäre noch aus dieser Nummer des hochinteressanten Schlusses des Artikels „Freie Ehe" von Jacques M e s n i l und einer vorzüglichen Novelle „Nach fünfundzwanzig Jahren" von Ellen I d st r ö m, übersetzt von Francis Maro. Die „Documente der Frauen" sind zum Preise von 3 Kr. vierteljährlich, die einzelne Nummer für 60 Heller in allen Buchhandlungen und in der Administration, Wien, VI., Magdalenenstraße 12, zu haben. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 33. Heft des 19. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Die Aera Bülow. — Der russische Imperialismus und Deutschlands China-Abenteuer. Von M. Walter. — Zum französischen Einigungscongress. Von Rosa Luxe mb u r g. — Zur Concentrationsbewegung in der amerikanischen Landwirtschaft. Von I. L. Franz. — Der Mond'sche Nickelgewinnungsprocess. Von Heinrich Vogel. — Literarische Rundschau: I. Liberty Ta d d, Neue Wege zur künstlerischen Erziehung der Jugend. — Notizen: Eine unerwartete Enthüllung zum Falle Millerand. — Feuilleton: In der Schlucht. Von Anton Tschechow. Aus dem Russischen übersetzt von Eugenie K l i o r i n (Fortsetzung.) UD --- „lüöisoke Iurri-2eitung", herausgegeben vom „Jüdischen Turnverein ,Bar-Kochba"' (Berlin). Inhaltsverzeichnis: Die körperliche Entartung der Juden, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung. Von H. Jalowicz. „Nur Muth!" Von I. Auerbach. Aufruf zur Erhebung einer Statistik der jüdischen Turnvereine. Aus den Vereinen. Turnfahrten. Fürs praktische Turnen. MittheiLimgen aus dem Nudlicum. Wien. (Trauung.) Montag den 27. d. M., halb 1 Uhr mittags, findet im Tempel der türkischen Gemeinde die Trauung der Malerin Fräulein Mauzi Bauer, Tochter desOber-Cantors Jacob Bauer, mit dem Architekten Herrn Heinrich K e st e l statt. Die Trauungsrede wird der Schwiegersohn des Brautvaters Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. I. K a h a n aus Znaim halten. Floridsdorf. Bezirksrabbiner Dr. M. R o s e n m a n n und Frau beehren sich, allen Freunden und Bekannten die Geburt eines Söhnchens höflichst anzuzeigen. Der B e r i s findet Dienstag den 28. d. M., 10 Uhr vormittags, statt. Das Cafs „Storchheim", das sich bisher in der Rothen Sterngasse einer lebhaften Frequenz erfreut hatte, ist jetzt in den III, Löwengasse 37, übersiedelt und neu, elegant eingerichtet. Der Cafetier ist in dem vom Antisemitismus durchsetzten Bezirke seitens der dortigen Juden nur zu begrüßen und lebhaft zu unterstützen. Das zahntechnische Atelier I. Löbl ist allen Glaubensgenossen bestens zu empfehlen. Näheres finden unsere Leser im Anzeigentheile. Was man einmal erspart hat, braucht man nicht mehr zu verdienen. Das trifft umsomehr zu bei einem der wichtigsten Gebrauchsartikel, wie es Schuhe sind. Die bekannte Schuhfirma S. E. & H. Michelstädter fyat in ihrem Fabrikshause VII., Neubaugasse 57 eine Schuhschwemme errichtet, woselbst die aus ihren 25 Filialen, wie auch von Schaufenstern, aus Mustercollectionen zurückgezogenen, gut haltbaren und passenden Schuhe zu thalsächlich von schon früher eingestempelten billigsten Preisen noch um ein Bedeutendes reduciert, verkauft werden. Es kann sich jedermann ohne Kaufzwang von der Wahrheit obiger Angaben überzeugen. Briefkasten W. F. Leider nicht geeignet. Weiteren Einsendungen steht nichts im Wege. E. L., Schulleiter i« Z. Wenden sie sich direct an das „Creditinstitut für jüdische Beamte und Kleingewerbetreibende". I. T. in Netz. Leider nicht verwendbar. F. S. in Karlsruhe. Brief ist an Sie abgegangen. A. B. in Buroztin. Schreiben Sie in energischer Weise noch einmal! K. 48. in (Lzortkow. Von Ihren Losen ist keines gezogen. Der Schlüssel. Erzählung von Eduard Kulte. (Fortsetzung.) ,.Du willst mich also nicht," schrie er in höchster Erregung. „Ach! Wenn Du wärst wie er!" sagte Rösele mit einem tiefen Seufzer. „Wie er? Schon wieder er? Du liebst also if>n Mit dem Aufschrei: „Er. er. das hat er mir angethan!" sank Gumpel ermattet nieder. Den anderen Tag fastete die ganze Gemeinde, denn es war der siebzehnte Tag im Monat Tamus. Auch Gumpel hat gefastet, obwohl' er sich schwach und kraftlos fühlte; aber in Löb Franks Hause hat einer, wie wenn der Tag ein ganz gewöhnlicher Tag wäre, zu Mittag gespeist; und da man den Dienstboten in den Häusern kein solches Maulschloss anlegt, wie es dem plauderhaften Papayeno in der „Zauberflöte" geschieht, so muss man sich nicht wundern darüber, dass zwar nicht der Duft, wohl aber das Gerücht des Gerichts auf die Gasse kam, und dass Hierselbst hierüber streng Gericht gehalten wurde. XIV. Tische b'ow. Am siebzehnte Tage des „Tamus" (ungefähr Juni) beginnen die drei Wochen der Trauer. Es ist dies eine Nationaltrauer über die Belagerung und Zerstöruug Jerusalems. Die Männer lassen sich die Bärte wachsen wie nach einem Verstorbenen, man darf nicht baden und Leib und Seele erfrischen in der Zeit, in der die Väter, bedrängt vom Feinde, geschmachtet haben. Wenn die Sonne am Himmel culminiert, in der heißesten Stunde des Tages, gehen sie hin in die Synagoge, um „Chazoss" (ein Trauergebet) zu machen. Sie legen die Ständer, die sonst als Pulte für die Gebetbücher dienen, nieder und setzen sich darauf, denn sie sollen auf der Erde und nicht aufgerichtet sitzen in der Zeit, da die Väter tiefgebeugt waren. Da singen sie den rührenden Klaggesang des Propheten Jeremias, der zu Gott ruft, „zu gedenken, was sie ehemals waren, und auf ihre Schmach und Schande herabzuschauen. Wie ihres Erbtheils Fremdlinge und ihrer Häuser Ausländer sich bemächtigt haben; dass sie Waisen seien, die keinen Vater haben, und ihre Mütter wie Witwen. Dass sie ihr eigenes Wasser um Geld trinken und ihr eigenes Holz bezahlen müssen. Wie man sie verfolgt und ihnen, wenn sie müde sind, doch keine Ruhe lässt. Wie sie sich an Aegypten und Assur ergeben mussten, auf dass sie doch Brot satt zu essen hätten. Die Väter haben gesündigt, die sind nicht mehr, jetzt müssten sie die Missethat entgelten. Knechte herrschen über sie, und niemand der sie errette. Mit Gefahr des Lebens müssen sie Brot holen vor dem Schwert in der Wüste, und wie ihre Haut verbrannt sei, wie in einem Ofen, vor dem greulichen Hunger. Wie die Weiber zu Zion geschwächt worden und die Jungfrauen in den Städten Juda, und wie ihre Fürsten gehenkt worden und nicht geachtet die Person der Alten. Die Jünglinge haben müssen Mühlsteine tragen und die Knaben über dem Holztragen straucheln. Die Alten sitzen nicht mehr unter dem Thor, und die Jünglinge treiben mehr kein Saitenspiel. Ihres Herzens Freude Hab' ein Ende, ihr Reigen-sei verkehrt in Wehklagen; die Krone ihres Hauptes — abgefallen, weil sie, o wehe! so gesündigt haben. Darum sei ihr Herz so betrübt und ihr Auge so finster geworden. Um des Berges Zion willen, dass er so wüste liegt, dass die Füchse darüber laufen. „Aber", rufen sie in ihrer Klage, „Du Herr, der Du ewiglich bleibest, und Dein Thron für und für! Warum willst Du unserer so gar vergessen und uns die Länge so gar verlassen? Bringe uns, Herr, wieder zu Dir, dass wir wieder heimkommen, erneuere unsere Tage, wie vor alters. Denn Du hast uns verworfen, und bist allzu sehr über uns erzürnt." So lautet der Gesang des Propheten Jeremias, den sie drei Wochen lang alle Tage beim „Chazoss" in wehmüthiger Weise singen. Je weiter die Zeit vorrückt, desto inniger wird die Trauer, und umso größer wird die Enthaltsamkeit. Die letzten neun Tage der drei Wochen enthalten sie sich, mit Ausnahme des in die neun Tage hineinfallenden Sabbaths, aller Fleischspeisen; denn sie sollen sich nicht kräftigen am leckeren Mahle, wo die Vätervor Hunger matt und kraftlos waren. Der Sabbath in diesen neun Tagen heißt der „Schabbes Chason", Sabbath des Gesichts oder der Weissagung. Sie legen an diesem keine Feiertagskleider an, sondern gehen in den gewöhnlichen Kleidern zum Gebet,e, denn sie sollen sich nicht schmücken, wo die Väter vor Kummer und Drangsal verunstaltet aussahen und wie Bettler in Lumpen einhergiengen. An diesem Sabbath liest der Rabbiner das „Maftir/' jene Weissagung des Propheten Jesaias, in welcher jedes Wort wie Donnerschlag an das Ohr tönt. „Das Gesicht Jesaias', in welchem Himmel und Erde aufgefordert werden, zu hören; denn der Herr redet: Ich habe Kinder auferzogen und erhöhet, und sie sind von mir abgefallen. Ein Ochse kennet seinen Herrn und der Esel die Krippe seines Käufers, aber Israel kennt es nicht, und mein Volk vernimmt es nicht. O wehe des sündigen Volks, des Volks von großer Misfethat' des boshaftigen Samens, der schändlichen Kinder, die den Herrn verlassen, den Heiligen in Israel lästern, weichen zurück. Was soll man weiter an Euch schlagen, da Ihr des Abweichens nur desto mehr machet? Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. Von der Fußsohle bis aufs Haupt ist nichts Gesundes an ihm, sondern Wunden und Striemen und Eiterbeulen, die nicht geheftet, noch verbunden, noch mit Oel gelindert sind. Euer Land ist wüste, Eure Stäote find mit Feuer verbrannt; Fremde verzehren Eure Aecker vor Euren Augen, und ist wüste, als das, so durch Fremde verheert ist. Was aber noch übrig ist von der Tochter Zion, ist wie ein Häuslein im Weinberg, wie eine Nachthütte in den Kürbisgärten, wie eine verheerte Stadt. Wenn uns der Herr Zebaoth nicht ein weniges ließe überbleiben, so wären wir wie Sodom und gleich wie Gomorrha. Höret des Herrn Wort, Ihr Fürsten von Sodom, nimm zu Ohren unseres Gottes Gesetz, Du Volk von Gomorrha! Was soll mir die Menge Eurer Opfer? spricht der Herr. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von den Gemästeten und habe keine Lust zum Blut der Farren, der Lämmer und Böcke. Wenn Ihr hereinkommt, zu erscheinen vor mir; wer fordert solches von Euren Händen, dass Ihr auf meinen Vorhof tretet? Bringet nicht mehr Speiseopfer so vergeblich. Das Räuchwerk ist mir ein Greuel. Der Neumonden und Sabbathe, da Ihr zusammenkommt und Mühe und Angst habt, derer mag ich nicht. Meine Seele ist feind Euren Neumonden und Jahreszeiten; ich bin derselbigen überdrüssig, ich bin es müde, zu leiden. Und wenn Ihr schon Eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor Euch; und ob Ihr schon viel betet, höre ich Euch doch nicht; denn Eure Hände sind voll Bluts. Waschet, reiniget Euch, thut Euer böses Wesen von meinen Augen, lasset ab vom Bösen: lernet Gutes thun, trachtet nach Recht; helft den Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht und helft der Witwen Sache. So kommt dann und lasst uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn Eure Sünde gleich blutroth ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, soll sie doch wie Wolle werden. Wollt Ihr miri gehorchen, so sollt Ihr des Landes gut genießen. Wegert Jhr Euch aber und seid ungehorsam, so soll Ihr vom Schwert gefressen werden; denn der Mund des Herrn sagt es. Wie gehtdas zu, dass die fromme Stadt zur Buhlerin geworden ist? Sie war voll des Rechts Gerechtigkeit wohnte drinnen, nun aber Mörder. Dein Silber ist Schaum geworden und Dein Getränk mit Wasser vermischt. Deine Fürsten sind Abtrünnige und Diebsgesellen, sie nehmen alle gern Geschenke und trachten nach Gaben; den Waisen schaffen sie nicht Recht, und der Witwen Sache kommt nicht vor sie. Darum spricht der Herr Herr Zebaoth, der Mächtige in Israel: O wehe, ich werde mich trösten durch meine Feinde und mich rächen durch meine Feinde. Und muss meine Hand wider Dich kehren und Deinen Schaum anfs lauterste fegen, und alles Dein Zinn wegthun, und Dir wieder Richter geben, wie zuvor waren, und Rathsherren wie im Anfang. Alsdann wirst Du eine Stadt der Gerechtigkeit und eine fromme Stadt heißen. Zion muss durch Recht erlöset werden und ihre Gefangenen durch Gerechtigkeit." Am größten und tiefsten aber ist die Trauer am letzten Tage der drei Wochen, am neunten Tage des Monats „Aw" (ungefähr August), am Tische b'ow. Sie enthalten sich wie am Versöhnungstage von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang jeglicher Nahrung; kein Trunk Wasser labt den lechzenden Gaumen. Im Vorabend wird in der Synagoge das „Proiches" (der Vorhang vor der Bundeslade) heruntergenommen, und die Thüren derselben zeigen sich nackt den wehmüthigen Blicken; denn auch in Jerusalem ist der heilige Tempel entweiht und geschändet worden. Sie emkleiden sich der Schuhe, um die nackte Sohle an Dorn und Stein zu ritzen, denn die Väter giengen auch nicht auf Rosenwegen, da sie in die Gefangenschaft geführt wurden. Sie sitzen auf der Erde und singen die „Echa," jene rührenden Klagelieder des elegischen Propheten Jeremias, deren letztes wir bereits kennen gelernt haben. Am Morgen wiederholt sich dasselbe, dann singen sie „Kinnes" (Trauergesänge) und erzählen sich weinend die Geschichte von der Erschlagung der zehn Märtyrer („Assore harugeh Malches"): „Männer wie die Cedern des Libanon, Stammhalter und Schildträger des Gesetzes, die Helden der Mischna und Gemara. Männer von entschiedener Thatkraft, von reiner und lauterer Gesinnung fielen unter den Schlägen der Gewalt und vergossen ward ihr Blut. Zehn sind der Heiligen, die für den Glauben sind gefallen als Opfer der Willkür und Gewalt. Um sie weint und blutet mir das Herz, thränt mein Auge, jammere und klage ich, wenn ich ihrer gedenke, die Israels Zierde und Stolz gewesen, die Träger des Heiligen, auf deren Haupt einst Krön' und Diadem geruhet. Mit reinem Herzen, heiligem Sinne erlitten sie den schweren Tod. „Das Los entschied, wer zuerst dem Schwert verfallen sei, und es fiel das Los auf Rabbi Simon. Und er hielt hin den Hals und weinte, als es verhängt ward über ihn, und der Zwingherr ließ ihn tödten mit kaltem Blut und Herzen. „Ein Priester war aus Aharons Stamm, der bat. dass ihm gestattet sei, zu weinen um den treuen, treuen Sohn des göttlichen Gesetzes; er nahm sein Haupt, die reine Leuchte, in der das Gotteslicht geleuchtet, und legte es auf sein« Kniee, drückte seine Augen auf die seinen, den Mund in reiner Zärtlichkeit und Liebe auf den seinen und sprach: „Ach. der Mund, der Gottes Wort verkündet, der verstummt!" Und plötzlich ward auch über ihn verhängt der schnelle schwere Tod. Der Zwingherr ließ ihm mit dem Messer die Haut vom Haupte abziehen. So erfüllte er an seinem eigenen Leib und Fleisch das Wort der Schrift: Beug' und bück' Dich, dass sie Dich mit Füßen treten! Wie der gottlose Mensch, der ihm das Fell abzog, an die Stelle kam, wo er die Tefillin trug nach Gottes Lehre und Gebot, da schrie er fürchterlich, dass die Welt erschüttert ward und die Erde bebte. „Nach ihm kam Rabbi Akiba, der mit raschem Sinne und Geist, was fest wie Berge stand, entwurzeln und zermalmen konnte; und sie kämmtem ihm das Fleisch vom Leibe mit eisernen Kämmen, um seinen Muth zu brechen; aber er bekannte seinen Glauben, und mit dem Worte: Gott der Einige und Einzige! gieng ihm die Seele aus. Und eine Gottesstimme rief: Heil Dir, Rabbi Akiba, rein gieng Deine Seele aus dem reinen Leib!' (Fortsetzung folgt.)

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