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Jüdisches Volksblatt · 1901-05-24 · 21 (24.5.1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
21 (24.5.1901)
Date
1901-05-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. Mai 1901 Seite 5 Nr. 21 Corrstantinopel. (Ueberall das B l u tmärchen.) Gelegentlich der letzten christlichen Ostern wurden vielfache Versuche gemacht, den Juden eine Blutbeschuldigung anzuhängen. Es wird darüber geschrieben: Der erste Versuch wurde in einer Vorstadt von Constantinopel gemacht. Ein jüdischer Trödler Namens Jakob S a s s o n wurde in das Haus eines Armeniers gerufen. Als er nach einiger Zeit wieder aus dem Hause trat, wurde er von zwei Armeniern angehalten, die ihn aufforderten, seinen Sack, den er beim Eintritte in das Haus einen Augenblick unbeaufsichtigt am Fuße der Treppe hatte liegen lassen, zu öffnen. Wie groß war der Schreck des armen Juden, als sich in demselben die Leiche eines sieben Monate alten christlichen Knaben fand. Ein großer Lärm entstand, einige Griechen kamen hinzu, welche im Verein mit den Armeniern den armen jüdischen Trödler so lange misshandelten, bis die Polizei kam und alle Betheiligten zur Wache mitnahm. Jakob S a s s o n wurde schon nach zwei Tagen wieder in Freiheit gesetzt, während die christlichen Attentäter in der Haft zurückbehalten wurden. Ein zweiter' Versuch wnrde in Adalia, Vilajet Conia, gemacht, tvo ein verrufenes griechisches Weib direct dRbei ertappt wurde, wie sie in ein jüdisches Haus ein todtes Kind kinznschmuggeln versuchte. Bei ihrer Vernehmung gestand das Frauenzimmer, von zwei Christen gedungen worden zu sein. Die Untersuchung ist eingeleitet. Am schlimmsten haben es zwei Griechen in Cairo angestellt, welche vorzüglich hispagnolisch sprachen und diese Kenntnis zu folgendem niederträchtigen Tric benützten. Sie verkleideten sich nämlich als reisende Rabbiner und drangen unter dieser Maske in eine der Synagogen von Cairo. Glücklicherweise gehört zu einem Rabbiner etwas mehr als spagnolisch sprechen, und so schöpfte der Synagogendiener Verdacht und ließ unvermerkt die Polizei holen. Man kann sich den Schrecken der beiden falschen Rabbiner denken, als sie plötzlich vier handfeste Polizeibeamte vor sich sahen, die sie in sehr entschiedenem Tone aufforderten, ihre Felleisen aufzumachen. In denselben fand sich je ein todtes Kind und je eine Flasche mit Blut. Auch hier sind die Behörden an der Arbeit die weiteren Spuren des niederträchtigen Complots zu verfolgen. Juden m Bade. Zur Badesaison. Ist es schon merkwürdig, dass gerade der angeblich für Sauberkeit nicht schwärmende, oft als wasserscheu hingestellte Jude das Gros der Gäste in unseren modernen Bädern bildet, so ist es noch mehr Wunder, dass die Juden gerade jene Bäder mit Vorliebe aufsuchen, in die gewisse Volksbeglücker ihre judenreinen Grundsätze mit Erfolg verpflanzt haben. In gewissen Ostseebädern, wo fast bei ledern zweiten Hause das Täfelchen mit der Inschrift: „Nur für Christen", „Judenreines Logis", „Juden ist der Eintritt verboten" Prangt, bilden die Juden ein großes Contingent des Pnhlicums; Karlsbad, wo heuer erst ein antisemitischer Abgeordneter gewählt wurde, dürfte von Juden heuer stärker frequentiert sein als sonst. Das sind Weltcurorte, da ist es am Ende kein Wunder. Da existiert aber zum Beispiel bei Wiener-Neustadt das Badeörtcheu „S a u e r b rm n n". Vor kaum zehn Jahren war es ein aus Bauernchaluppen bestehendes staubiges Nest; heute ist es, dank den jüdischen Frequentanten, die nasse, von Schlamm und Koth stinkende Wege für „Spielplätze" und „Promenaden", das sauer sein sollende Wasser für „mineralhültigen Sauerbrunn" nahmen, ein „Cnrort" geworden. Speculative Schweineschlächter haben sofort die kahlen Grasweiden zu theuren Bauplätzen umgewandelt, der Mietzins für eine Wohnung stieg von 15 Gulden auf 250, 400 ja 800 Gulden per Saison, und zum Dank für alle Gefälligkeiten der Juden, vie solche Mieten zahlen, darf das Neustädter antisemitische Closetblättchen das Kothgedicht colportieren, das längst die Runde durch die Badeorte gemacht hat: „Schön ist hier die Baderei, Lauter Jüden allerlei, Jüden hier und Jüden da, Jüden aus Amerika, Jüden in der Badehalle, Jüden mit und ohne Kalle, Jüden in der Restauraliov, Jtzig, Manscht, Schwül und Kohn. O, wie schön ist es hienieden. Wo man hinspuckt, nischt wie Jüden/ Und das lesen unsere liebwerten Glaubensgenossen und lachen darüber und tragen Jahr für Jahr ihr Geld in solche Orte, machen sie reich und lassen sich dann moralisch und Physisch herauswerfen. Ja, sie gehen in solche Orte lieber als dorthin, wo „zuviel Juden" sind. Es gehört zum feinen Tou, nicht mit Juden zu verkehren; als ob man die eigene Nase nicht auch unter dem schönsten Futteral erkennen würde! Und find die Juden im Badeorte, wo jüdische Hotels bestehen, jüdische Kausleute ihre Waren feilhalten, sie gehen doch am liebsten zum Christen, womöglich zuul Antisemiten, weil es dort „vornehmer" ist. In Marienbad zum Beispiel bei Baruch. im Hotel „New-Dork", speisen Herzoge und Prinzen; die vornehmen Jüdinnen aber gehen lieber zum Christen, weil bei Baruch „zuviel Juden" find. Dasselbe Schauspiel kann man überall beobachten; die Juden machen sich lächerlich bei ihresgleichen, noch mehr bei ihren Gegnern, aber sie thun es doch vicht anders. Sie sind förmlich stolz darauf, die »Wurzen" zu sein. Würden sie mit ihrem Geld den Fremden gegenüber ebenso sparsam sein, wie sie eS den Glaubensgenossen gegenüber sind, sie würden sich das Nest erst ordentlich ansehen, in das sie sich Hineinsetzen. Es gibt der paffenden heilkräftigen Bäder genug, die nicht antisemitisch sind, und zwingt eine Krankheit den Juden, in «inen solchen Badeort zu gehen, so hat er wohl Mittel und Wege, dem Schimpf nicht zu begegnen. Er suche jüdische Leeale auf, kaufe bei seinen Glaubensgenoffen, befleiße sich der größten Zurückhaltung gegenüber der christlichen Gesellschaft, die thn jedoch mir als Eindringling betrachtet. Der größte Feind des Jndenthums war stets die A s s i m i l a t i o n s su ch t. Die Albernheit, sich mit arischen Sitten und Aenßerlichkeiten anszustaiten. um den Juden vergessen zu machen, hat den Antisemitismus zur Flamme angefacht. Da wo der Jude zurückgezogen, als Jude, lebt, zieht man ihn alsbald auf, denn man braucht ihn; der sich vordrängeude Jude wird früher oder später doch immer zurückgewiesen. Und gerade das Badeleben mit seinen Aenßerlichkeiten und gesellschaftlichen Tborheiten bietet unausgesetzt Gelegenheiten zur Schaustellung, dass der Jude sich nicht genug inacht nehmen kann, um Unannehmlichkeiten anszuweichen. Er hat es keineswegs nothwendig, sich zu verstecken, er zahlt sein thenres Geld dafür; aber so wenig als möglich an andere anstoßen. dessen muss er eingedenk sein, und er wird alsbald anfgehört haben, Gegenstand des Spottes und Hohnes zu sein. Wenn die arischen Mitbürger ä la Bielohlawek und Schneider heute nicht wissen, dals die Sitte des Bades überhaupt aus dem Osten kam, dass das Badeleben bei den Juden sozusagen ein Stück ihrer Cultur bildete, darf man ihnen das nicht übel nehmen, was wissen die überhaupt; wenn ober die alldeutschen Helden von Karlsbad und Wiener-Neustadt das Uebei fluten der jüdischen Elemente in den Badeorten begeifern, so kann man ihnen antworten, dass den Inden das Badeleben schon Bedürfnis war, als die Teutichen noch in Höhlen wohnten. Sapienti sat! Das Bedürfnis wollen wir Juden des Spottes halber nickt entbehren; wir batten es früher als alle anderen Völker. Nur müssen wir unsere ältere Cultur nach Gebür schätzen und achten, dann wird sie auch von anderen geachtet werden! Möchten die Juden, denen der Wohlstand den Segen eines kräftigen Heilbades erschließt, dessen eingedenk sein und ihre eigene Würde wahren; sie würden ihrem Volke damit große Dienste leisten, lind Spottgedichte, wie das vorstehende, würden.als Persiflage auf die Verfasser znrückfallen. Pariser Brief. (Orig.-Corr. d. »Jüd. Volksbl.") Paris, 20. Mai. 1901. Die Actien des Liberalismus stehen nicht gut. Das ist nicht bildlich, sondern wörtlich zu nehmen. Die Schätzung der liberalen Ideen, wie sie der „Figaro" vertritt, findet ihren Ausdruck in einem niedrigen Stande der Actien dieses Journal- Unternehmens. Gherchez le juif. oder deutlicher: Dreyfus, kann man bei jeder Begebenheit unseres öffentlichen Lebens sagen. Die „Figaro-Affaire" hat ihren Ursprung natürlich auch in der „grande affaire". Der „Figaro" trat damals sehr energisch für den verurtheilteu Excapitän ein. Ein so unpatriotisches Gebaren musste ihm natürlich vor allem die Edlen der Nation, die monopolisierten Vertreter von Vaterlandsliebe und Wahrheit, all die hochadeligen Hazardisten, Müßiggänger und Sportsleute, die rothhaarigen, parfümierten Salonfrömmlerinnen zu Feinden machen, und bald war in diesen »tonangebenden" Kreisen der dreyfusistische »Figaro" verfehmt, in Acht und Bann gethan. Die antisemitische Concurrenz ließ natürlich eine so prächtige Gelegenheit, wie es die durch die Dreyfus Affaire geschaffene Situation war, nicht ungenützt vorübergehen, ohne zu eigenem Nutz und Frommen gegen das unpatriotische, judenknechtische, aber ach! so abonuentenreiche, große Blatt eine Campagne einzuleiten, und — mit starkem Erfolge zu führen. Herr Arthur Meyer vom »Gaulois" weiß so etwas anzupacken! Ich will Sie nicht mit den Details dieses Journalkrieges langweilen. Den Erfolg sehen wir in der heutigen Krisis, die die Folge eines eingetretenen, sehr merklichen Abonnentenschwundes ist. Allerdings kann nicht geleugnet werden, dass der „Figaro" nicht mehr auf der seinerzeitigen Höhe steht. Thatsache ist aber nichtsdestoweniger, dass hauptsächlich die Haltung in der Dreyfus- Affaire die allermeiste Schuld an dem finanziellen Rückgänge des „Figaro" trägt. Mit Liberalismus ist eben bei uns in Paris kein Geschäft mehr zu machen... Bereits vor einem halben Jahre hieß es, dass der „Figaro" in nationalistisches Fahrwasser einlenken wolle, um seine Abonnenten zu behaupten. Seit damals ist nun die Krise acut und zu einer »Affaire" geworden. Die näheren Umstände interessieren ein jüdisches Blattt nicht weiter, ein Detail muss ich aber doch anführen. Nach bewährtem Muster versuchten die Leiter des „Figaro", gegen die sich in Generalversammlungen eine Majorität zusammengefunden hatte, an die nationale Empfindlichkeit der Franzosen zn appellieren. Aber, quod licet jovi, non licet bovi, d. h. was den Nationalisten erlaubt ist, ist nicht Euch erlaubt. Der Appell Dreyfusards, der Rodays und Perivier nützte ihnen nichts, und über kurz oder lang werden sie ans der Leitung des Blattes hinausgedrängt sein. Fälschung und Lüge können unter dem Hinweise auf Deutschland zu Heldenthaten werden, das entsetzliche Verbrechen. Dreyfus für unschuldig zu halten, bleibt auch unter dem Hinweise auf Deutschland das, was es ist, eine unpatriotische, landesverrätherische That. Auf deutschen Einfluss konnten die Leiter des »Figaroinfolge des Umstandes Hinweisen, dass auf der Börse ein gewesener Deutsch-Oesterreicher, der in engerer Verbindung mit einem großen reichsdeutschen Bankinstitute steht, als stärkster Käufer für Figaro »Actien austrat. Angeblich geschah dies zu dem Zwecke, im „ Figaro * Stimmung für die französischen Gründungen dieses Bankinstitutes zu machen. Nachdem diese Vorstellungen bei den Aktionären nicht gefruchtet, wenden ' sich die Leiter des »Figaro" nun im »Math/ an die Oeffentlichkeit, um alle französischen Patrioten zum Zusammenhalten gegen diese »Manöver des Auslandes" aufzufordern. Nützen wird dies natürlich nichts. Das Schicksal des „Figaro" ist besiegelt, der Wechsel in der Leitung des Blattes sicher. Der AufstchtSrath, für den die „Libre Parolegegen die Leiter de- Blattes ««tritt, erklärte, dass es sich nur um innere Verwaltungsfragen handle. Für den 24. Mai hat er übrigens die Actionäle des »Figaro" zu einer Versammlung einberufen, in der wohl die endgiltig e Entscheidung fallen wird. Es ergibt sich aus dieser Affaire die Lehre, dass eine französische Zeitung, wenn sie auf einen ausgebreiteteu Abonuentenkreis reflectiereu will, beit „Juden" Dreyfus für einen Landesverräther und alle übrigen Juden für seine Mitschuldigen halten muss. I)r. A. Die Juden in den südlich- (Fortsetzung.) Auf eine solche Organisation gestützt, der Autorität des jüdischen Rechtes unbedingt gehorchend, bildeten die polnischen Juden endlich eine in sich geschlossene Handels- und Gewerbeclasse, beherrschten die meisten Zweige des Gewerbes und den ganzen Handel des Königreiches. Geschützt von den Wojewoden, ihren Statthaltern und den katholischen Geistlichen, deren Gelder die Juden unnatürlich hoch verzinsten, schwächten die Juden rasch die christlichen Kausleute, die aus verschiedenen Gründen miteinander zu streiten pflegten. Die Inden nahmen die Stelle der Städter ein, aber verließen nicht ihre exclusive Stellung, indem sie nicht die Möglichkeit hatten — außer talmudisch — sich zu bilden und am socialen Leben im Lande Antheil zu nehmen. So blieben sie Fremdlinge. Andererseits wurden sie infolge Annäherung zum herrschenden Adel im XVI. und XVII. Jahrhundert Herren. Vor allem erweiterte sich das Territorium jüdischer Ansiedlungen. Als polnische Pächter erhielten die Juden das factische Recht, in diesen Ortschaften zu wohnen, die ihnen dem Gesetze nach unzugänglich waren. Auf diese Weise kamen sie, trotz des Erlasses Ladislaus vom Jahre 1627, in die Ukraine, erschienen in den Dörfern nicht nur als Schenkwirte, sondern auch als factische Grundbesitzer, und führten schon im Anfänge des XVIII. Jahrhunderts verschiedenen Handel in fast allen Städten und Dörfern des Reiches. Mit der Erweiterung der Wohnsitze wuchs auch proportionell die Anzahl jüdischer Ansiedler. Sie vermehrten sich nicht nur durch natürlichen Zuwachs, sondern auch durch unaufhörliche Immigration westeuropäischer Juden. Die in Städten und Städtchen sesshaften Einheimischen wurden durch die Juden vom Handel und Gewerbe verdrängt und wendeten sich der Agrikultur zu. Infolge dessen wurden die Städte geschwächt: sie bekamen eine halbfrohndienstliche Bevölkerung, waren von Geschäften des Landes entfernt und durch eine zahlreiche jüdische Ansiedlung gefüllt. Dadurch konnte das südliche Ruthenenland in jener Zeit keinen nationalen Mittelstand bilden. Der Sieg der jüdischen Städter war umso sicherer, als, von verschiedenen Privilegien abgesehen, sie in die rutheuischen Lande mit einem unvergleichlichen größeren Grade allgemeiner und ökonomischer Bildung ausgerüstet kamen, denn die dortigen Bürger; dazu waren sie stark durch Solidarität und Handeln, endlich fühlten sie sich fremd und legten gar kein Gewicht im Streben nach ökonomischer Bequemlichkeit auf irgendwelche Anforderungen den Autochthonen gegenüber. In ebensolcher Lage befanden sich die Dörfer: die Herren vertrauten den Juden ihre Einkünfte, Schenken und Mühlen, kurz ihr und ihrer Unterthanen Vermögen, und die jüdischen Pächter, Schenkwirte, Oekonomen halfen das Volk »knechten und ausbeuten". Das Volk fühlte „die Last jüdischer Wirtschaftim Lande, und da es keine wirkliche Hilfe seitens der Behörden, im Kampfe mit den Juden fand, raubte es und mordete sie. Die blutige Abrechnung mit dem Adel während der Kosakenkriege traf auch ihr alter ego — die Juden, die für eine Zeitspanne vom Kampfterritorium verjagt wurden. Als die Aufregung der Massen sich legte und die social-ökouvmischen Bedingungen die Gegenwart eines Standes, der bestimmt war, die Kluft zwischen Herrschaft und Bauer auszufüllen, erheischte, beriefen die regierenden Schichten die vertriebenen Juden. Sie kamen und führten wieder polnische Ordnung ein. Dort, wo die Kosükenbewegungen am meisten gewüthet, wurde den Juden nur ein vorübergehender Aufenthalt — in Handelsangelegenheiten — bewilligt. Im Jahre 1764 wurde die ukrainische Feldherrnwürde aufgehoben, und die russische Herrschaft erlaubte den Juden die Ausiedtung in jenen Gegenden, um dort die autouomischen Traditionen auszurotten. Die Folge war der im XVII. Jahrhundert ähnlich; in Jntereffenvertheidiguug der ukrainischen Ansiedlung brach eine räuberische Bewegung hervor, welche sich grausam mit Polen und Juden auseinandersetzte. Am Ende des XVIII. Jahrhunderts haben sich die politischen Verhältnisse bedeutend geändert: Im Jahre 1773 fand die erste Theilung, im Jahre 1792 die zweite des polnischen Königreiches statt, und die Lösung der Judenfrage in den südlich-ruthenischen Landen wurde von Russland und Oesterreich abhängig. Die polnische Herrschaft ließ sich vom XVIII. Jahrhundert an bis zur Theilung den Juden gegenüber von Principieir der Utilitarität leiten: Juden waren nicht vollberechtigte Bürger, bildeten aber — als nützliches Element — eine protegierte Classe, und in Gesetzen wurde ihnen soviel Unabhängigkeit zugestauden, als es, nach einseitiger Anschauung des Adels, der Nutzen der Regierung und der herrschenden Claffe erforderte. Nach Uebergang der Herrschaft an Oesterreich und Russland bedienten sich diese beiden Mächte — in der Judeufrage anfangs derselben Utilitaritäts-Principien mit einer Beimischung von Humanitäts-Grundsätzen, die damals am Hofe Josef II. und Katharina II. modern waren. Ausfluss dieser humanen Stimmung war das in Oesterreich im Jahre 1782 veröffentlichte Toleranz-Edict, mit welchem den Juden gestattet wurde, fast überall sich niederzulaffen, Handel und Gewerbe zu treiben, nur nicht unbewegliche» Eigeuthum zu erwerben; sie erhielte» das Recht, Normalschulen zu gründen, und wurde ihnen die Militärpflicht auferlegt. Fast gleichzeitig (1786) unterschrieb Katharina II. einen Senats-Ukas, mit welchem die Ungleichheit der Juden in Ber-

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