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Jüdisches Volksblatt · 1901-05-24 · 21 (24.5.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
21 (24.5.1901)
Date
1901-05-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. Mai 1901 Nr. 21 Schweiz wie in Deutschland und Frankreich bestehen schon seit einigen Jahren Institutionen dieser Art, und sollen sich bis jetzt aufs beste bewährt haben. Für unsere österreichischen Verhältnisse scheint sie mangels einer einheitlichen Gesammtorganisation nicht recht anwendbar. Dagegen vermag eine ganze Reihe von anderen ebenso wirksamen Mitteln gegen Arbeitslosigkeit auch bei uns eine consequente Besserung der in Rede stehenden Sache durchzuführen. Eine vernünftige Bevölkernngspolitik, möglichstes Vermeiden von wirtschaftlichen Krisen und Aehuliches fällt in die Sphäre der staatlichen Beihilfe. Was der Private thun kann, soll in kurzem gezeigt werden: Er soll nicht allein durch Geldbeiträge seine Theilnahme zeigen, er soll auch etwas Höheres zu geben wissen, nämlich Arbeit. Denn das ist wohl die edelste Art socialer Pflichterfüllung, dem Arbeit zu geben, der Arbeit sucht. Unentgeltliche Arbeitsvermittlung und thätige Verwendung der Stellensuchenden seitens aller Arbeitgeber, soweit innner es in den Grenzen der Möglichkeit liegt, ist daher Pflicht eines jeden Bürgers eines modernen Staatsivesens. — Den hochinteressanten Ausführungen des Vortragenden folgte lebhafter Beifall. Gr.-Meseritsch. (Todesfall.) Am 8. d. M. traf eine Nachricht hier ein, welche wie ein Blitz aus heiterem Himmel die ganze Gemeinde in größte Aufregung und tiefste Trauer versetzte. Einer eingelangten telegraphischen Depesche zufolge war nämlich unser Rabbiner Herr Dr. M. Weine r in Karlsbad, woselbst er seit kaum acht Tagen zum Curgebrauche weilte, leider verschieden. Die erste und angelegentlichste Sorge galt der Ueberführung in unsere^Gemeinde, woselbst der theure Verblichene als Rabbiner und Seelsorger 25 Jahre hindurch verdienstvoll gewirkt. Den vereinten Bemühungen des MDr. Weiner, eines Sohnes des Es war dies das erste Debüt dieser liebenwürdigen Dame auf dem Concertpodium unserer Stadt, und hegen wir nach dem erzielten durchschlagenden Erfolge die berechtigte Hoffnung, dass Frau Milrad uns weiterhin ihr hervorragendes musikalisches Talent nicht vorenthalten wird. Der Prolog mit jüdisch-nationaler Tendenz „Aufmunterung" von Grünau, gesprochen vom Herrn ing. cand. Arthur Klei n, erregte Begeisterung. Das komische Gesangsduett „Die zwei Gevatterinnen" von August Schaffer, vorgetragen von Fräulein Elsa Abeles und Rosa P i ck, in origineller Costümiernng und mit vorzüglicher Mimik, wirkte geradezu zwerchfellerschütternd. In Fräulein Abeles begrüßten wir eine bewährte tüchtige Gesangskraft, die mit ihrer metallisch wohlklingenden Stimme die Zuhörer stets entzückte. Fräulein Rosa Pr'ck, die sich als Anfängerin in denDienst unserer Sache stellte, entledigte sich ihrer Aufgabe in einer Weise, die zu den schönsten Hoffnungen in die Zukunft berechtigt. Das Lustspiel „Ballschuhe" von G. Gastinau, wurde von Fräuleins Valerie Klein und Irma W o h r y z e k mit einem derartigen Chic und Verve gespielt, das Berufs-Schauspielerinnen zur Ehre gereichen würden. Den humoristischen Vorträgen des Herrn ing. cand. Arthur Klein Lob zu spenden, hieße Eulen nach Athen tragen. Die Clavierbegleitung besorgte in exactester Weise Frau Milrad und Herr Ingenieur Buchbinder aus Prag. Die hiesigen „czechi'sch-jüdischen Assimilanten" übten, bis auf wenige löbliche Ausnahmen, vollständige Abstinenz. Unter denen, die durch ihre Abwesenheit glänzten, befand sich auch „unser wackerer C u l t u s v o r st e h e r". Ja, in Gesellschaften, wo sich Leute befinden, die sich mit Stolz als Juden gerieren, befindet sich unser „Vorsteher" nicht wohl, da geht er schon lieber '.“ ' ' gern e ION über ihrem Seelsorger, durchzüsetzen.' Dre am 16. d. M. ''statt-! est dispukndum. Wir gönnen der Privatperson des gehabte Leichenfeier gestaltete sich zu einer imposanten Trauerj Herrn Braun dieses „zweifelhafte Vergnügen" aus vollstem kundgebung, ander sich sämmtliche Behörden, alle öffentlichen Herzen, nut dem C u l t u s v or st e h e r a b e r, werden wir zur Aemter, Honoratioren, Vereine rc., sowie die Gesammtbevölkerung fassenden Zeit ein kräftiges Wort reden, dieser Sladt betheiligten. In dem schwarz drapierten und! Prossnitz. (Gemeindevertretung.) Bei der am beleuchteten Tempel, der von Trauergästen aus Nah und Fern? Donnerstag den 10. l. M. stattgehabten Constituierung der gefüllt war, war der Leichnam vor der Estrade aufgebahrt' Gemeindevertretung der Jsraeliten-Gemeinde Prossnitz wurde worden. " ' ‘ ~ der k. k S i m e P e rn i c.a, dessen persönliche Betheiligung an dem Leichen-' Sigmund W oT f wieder-, Karl Sp ri n g er neugewählt. Der oegängnisse den schönsten Beweis ausgezeichneter liberaler . Gemeindevertretung gehört auch unser Parteigenosse Dr. Heinrich Denkungsart^liefert. Die Trauerfeier begann mit der Absingung - L a s u s an. der üblichen Trauerpsalmen, die vom Herrn Obercantor Steiner in Begleitung eines verstärkten gemischten Chores in ergreifender Weise vorgetragen wurden. Zur Leichenfeier waren von der Gemeinde drei Rabbiner berufen worden, und zwar die Herren: Dr. Pollak aus Trebitsch, Dr. Groß aus Lundenburg und Dr. Freimann aus Holleschau, welche nacheinander die Kanzel bestiegen, um die Tugenden ^und das verdienstvolle! Zloczow. (Ein Opfer des ärztlichen Beruf es.) In Zlvczow ist der Bahn- und Krankencassenarzt Dr. Ewald!S tein an Flecktyphus, den er sich bei einem Patienten ge- ^holt, im Alter von 50 Jahren gestorben. Das Leichenbegängnis! dieses geschätzten Arztes und Philanthropen fand vorgestern Wirken. sowie''das'tiefe''talmud'ische Wissen "des "theurenU j statt, eine mehr als 5000 Personen zählende Menschenmenge blichenen zu schildern und dem tiefen Schmerze der Gemeinde' folgte der Bahre des Verblichenen. Am Grabe wurden ergreifende und Familien Ausdruck zu verleihen, wobei kein Auge thräneu-! Reden von den Predigern Dr. Taubeles und Auerbach L-?ch°nwagknglh'-L A.b-it«p°rs°n°l und di- B°°nd-n d°r sahne vorauschritt, und dem ein schier endloser Zug folgte. Am Bahnstatlon erschienen corporaüv, legten Kranze nieder und offenen Grabe sprachen die vorbeuannten Herren Rabbiner führten den Conduct. Der Verblichene hinterlässt eine Witwe ergreifende Worte des Abschiedes und dankten allen Anwesenden,; und drei unversorgte Kinder. Hütern des Gesetzes und dem Vertreter der katholischen Religion für die warme Theilnahme. Der theure Verblichene wird stets in ehrendem Andenken unserer Gemeinde unvergesslich bleiben. J. St. Karlsbad. (Antifemikis che Sommerfrischen.) Der Antisemitismus hat jetzt auch in der berühmten Sprudelstadt Eingang gefunden. Oskar Blumenthal schreibt hierüber in einem Feuilleton des „B. T.": „Leider habe ich in diesem Jahre das idyllische Bild Ausland. Berlin. (Die Königsburg des Nebukadnezar.) Die hiesige „Deutsche Orient-Gesellschaft^ versendet soeben ihren dritten Jahresbericht, dem wir folgende Mittheilungen entnehmen: „Die erste Hauptaufgabe, welche sich die „Deutsche Orient-Gesellschaft" gestellt hat, besteht satzungsgemäß in der Veranstaltung von Ausgrabungen an den Culturstätten des orientalischen Alterthums behufs Aufdeckung von Baudenkmälern, sowie Aufsuchung von Kunsterzeugnissen und Urkunden jener Epocye. An der Lösung N.'uch-- "7 s-i'-ie» und ich pemlrchen Bürgerkrieg, der ych von Zeitung! nachweisbarem Erfolge weiter gearbeitet worden. Nicht nur jp,aiv ^rmgen ScreUreden Grabungen am Kasr, der Königsburg Nebukadnezars, öei .P5 ltl^c $at??x öutc5 selbst während der Sommermonate ohne Unterbrechung mit ist m zwer Lager ge,palten, und . ^^r gefördert, der Tempel der Göttin Nin-mach vollständig 'von zehn Alldeutschen hat plötzlich in den Ort, gloßgelegt, und die Processionsstraße des Gottes Marduk un- >Ur9eiH$"zweifelhaft festgestellt worden, sondern es hat auch die neuerlich ö a "Seiten geschützt sein sollte, das Gisttraut ^folgte Ausdehnung der Grabung auf den Hügel Amran-ibn-Ali M Auffindung des Marduk-Tenipels Esagila, das Nationalwahren über das latente Eindringen dieser Zeittrankyett allerlei! Rabnloniens »ur ftolae aebabt und rwar in einer Aber süytbarlich ift fie nirgends in $** und ÖS Gegenrhelte habe ich immer oen Eindruck! jedenfalls nicht vorgedrungen sind. War auch das Gebäude an- und ^ltener Unpartellichtelt > scheinend schon vor der Verschüttung eine vollständige Ruine, so wtnpnZnhm?« “Uer Eurgaite' jgtj doch die Fortsetzung der Grabung an dieser Stelle besonders Ich habe niemals gehört, dass ein Hotelbesitzer hier eine Hundertguldennotö zurückgewiesen hätte, wenn nicht vorher der Zahler seine teutonische Abstammung nachiveisen konnte — und auch das ist mir nicht bekannt geworden, dass jemals ein arischer Menschenbruder irgendwo in Anerkennung seines Geburlsadels auch nur ein einziges Deka Schinken als Zuwage bekommen hätte. erzeugnissen war gleichfalls eine lohnende: neben einer großen Anzahl späterer Grab-Beigaben seleukitisch-parthischen Ursprunges, ferner Lampen, kleinen Schmucksachen, zum Theile aus Gold und geschnittenen Steinen, Statuetten, Gefäßen mit arabischer Schrift und solchen gefüllt mit krufischen, sassanidischen, parthischen und aSni; Vn ahnS 0 S r 9aw seleukidischen Münzen, hebräischen Zauberschalen u. s. ,v. ivurde ^scbiini- ^Ustckern einer Gesinnung bin ganzes, einem späteren griechischen Perlenfabrikanten ge- VlsSLHSrig°s La«-- »on Schmuckb°stand,h°i>-n. b-st-h-nd aus °n,ig-„ Und nun ist dennoch der Hader, der anderswo schon ausgeglommen ist, in das Herz der Stadtvertrelung getragen worden, ja, man ahmt sogar der Hauptstadt das Vorbild oer Obstruction nach, um das Uhrwerk der Verwaltung gewaltthätig zum Stillstände zu bringen ... Und was eine Obstruction gerade in Karlsbad zu bedeuten hat, braucht selbst dem mediciilischen Laien nicht erst indiseret erläutert zu werden ..." Für manchen Karlsbad-Besucher dürfte es von Interesse sein, etwas Näheres über die Personen der neugewählten zehn antisemitischen Stadtverordneten zu erfahren. Wtr tasten daher die Namen derselben hier nach dem „Karlsb. Tagebl." folgen: 1. Heinrich Eduard Anger, Besitzer des Etablissements »Sanssouci", Obmann des „Wandererclub"; 2. Hugo Anger, Körben voll Ornamenten und Statyettentheilen aus Achat, Onyx, Lapislazuli u. dgl. gefunden. An Gegenständen aus babylonischer Zeit fand man Darstellungen der Göttin Nin-mach in Terracotta, ein großes Gewicht in Form einer Ente, Siegelcylinder, Stücke eines Thrones, und vor allem zahlreiche Fragemente des Löwenfrieses der Processionsstraße Marduks. An Schrifturkunden endlich sind zwei Lapislazuli-Cylinder mit Götterbildern und Inschriften, verschiedene Tabletten mit Ardeiterverzeichniffen und dgl., die Inschriften der Bodenbelagsplatten der Procssionsstraße sowie endlich in neuester Zeit eine Steintafel mit Hadesrelief und Keilinschrift zu Tage gefördert worden, welch' letztere wahrscheinlich neue erwünschte Aufschlüsse über die Vorstellungen der Babylonier vom Leben nach dem Tode geben wird." München. („V erein I ü d i sch e r S t u d e n t e n.") Bäckermeister, Eommandant des 'k. k. priv. Schützeneorps'; 3. Adolf' Am 19. d. M. feierte der .Verein Jüdischer Studenten" (im Bernharth, Lied. Univ. Dr., Badearzt) 4. Joseph Dörfler, B. I. C.) an der Universität München sein erstes Stiftungs- Hausbesitzer. Obmann des „Karlsbader Säugerverbunden mit der Semester-Antrittskneipe. Nachdem der '/.'Ws «ne Ch°rgi-r.- stud med M°k ,Sich.l M »p mit cm.m Hosmann, Bürgerschullehrer, Leiter der gewerblichen Fortbildungs- - Salamander auf Se. köntgl. Hohett den Prmzregenten eröffnet ^hule^s.^Hermanu Jakob, Buchhändler und Hausbesitzer; R Franz hatte, wurde als erstes Lied das Bundes- und Farbenlied . - •- > - - ■ - g^ungen. Dann begrüßte der zweite Chargierte stuä. math. Bruno Lebermann die zahlreich erschienenen Gäste und setzte ihnen die Tendenzen auseinander, die die Vereine Jüdischer Studenten verfolgen. Der .Verein Jüdischer Studenten^ will die jüdischen Studenten aller Parteischattierungen in sich vereinen, soferne sie auf dem Standpunkte eines lebendigen Judenthums stehen, um mit ihnen zusammen gegen unsere äußeren Feinde und den JndifferentismuS im eigeiien Lager zu kämpfen. Bon diesen Zielen ließe sich der .Verein Jüdischer Studenten" durch Widerwärtigkeiten keiner Art, von welcher Seite sie auch kommen mögev, abbringen. Darauf dankte der Redner den Gästen herzlich für ihr Erscheine» und für das Jntereffe, welches sie dadurch den Tendenzen des Vereines entgegen- Küffl-Zahlcs, Restaurateur und Hausbesitzer; 10. Kart Schiuidt, Baumeister uno Hausbesitzer. Teplitz. (.Jüdische Chronik".) Die Monatsschrift „Jüdische Chroulk", herausgegeben von Nabblner Dr. Kurrem ut Teplrtz, har ihr Erschelnen eingestellt. Kntteuberg. (Jüdischer V o l k s v e r e i n.) Ant 19. d. M. veranitatlele der hiesige „Jüdische Votksvereiu" einen Familienabend, der sich in seinem Berlause zu einem wahrhaft jüdischen Familienfeste gestaltete. Die Bethetligung war eme sehr zahlreiche, die Stimmung eine animierte, die Darbietungen der Mitwirkenden geradezu vorzüglich. Frau Hermine M i l r a d zeigte sich im Vortrage eines „tffoeturno" von Chopin als eine tüchtige Claviervirtuosin. Wahre Beisallssatveu entfesselte diese künstlerische Widergabe, so dass sich dre Genannte zu etner Zugabe des Beethoven'schen Opus „An Elise" verstehen musste. brächten. Es folgten hierauf in abwechslungsreicher Reihe Lieder und Musikvorträge, bis der erste Chargierte stud. med. Sichel das Wort zur Festrede ergriff. Redner zeigte an der Hand der jüdischen Geschichte, wie das Volk der Juden jahrtausendelang einen Kampf um Freiheit, Recht und Ehre führte, wie es, so lange es im eigenen Lande lebte, stets mit dem Schwerte in der Hand diese drei theuersten Güter vertheidigen musste. Als ihm dann die eiserne Waffe entrissen, gab es nicht feige den Kampf auf, sondern vertrante auf eine andere Macht, schärfer und wirksamer als das Erz, vertraute auf seine geistigen Waffen. Dieser Kampf um Freiheit, Recht und Ehre hat noch heute nicht aufgehört. Schon aber zeigen sich Anzeichen dafür, dass die Juden müde sind des tausendjährigen Kampfes, dass sie die Waffen strecken und ins feindliche Lager übergehen wollen. Dies zu verhindern, ja den Kampf vielleicht zu einem rühmlichen Ende zu führen, ist der „Verein Jüdischer Studenten" gegründet. Er wendet sich daher nicht zuerst gegen unsere äußeren Feinde, sondern gegen jene Scharen, die entweder durch offene Fahnenflucht diesen Feind direct stärken oder durch vollkommenen Jiidlffereiitismns unsere Sache schädigen. Feurige Begeisterung für das Judenthum sprach aus jedem Worte des Redners, und lauter Beifall lohnte ihn am Schlüsse seiner, von begeistertem Zurufen oft unterbtvchencn Rede. Von den Gästen antwortete, zugleich im Nanien der „Vne-Brith-Loge", Herr F r ä n k e l. Er freue sich, hier von jungen Akademikern einen solchen Standpunkt vertreten zu sehen; er sehe, dass die jüdische Sache hier in guten Händen sei, und tvnnsche der Verbindung ferner ein gutes Bestehen, das ja nicht ausblciben könne, wenn sie auf diesem Wege fortschreite. Nachdem dem officiellen Theile des Festes noch einige Lieder gewidmet waren, kam auch die Fidulität zu ihrem Rechte, welche bewies, dass der jüdische Student nach ernster Arbeit auch den Becher der Freude unter Freudigen leeren kann. Jerusalem. (Ein jüdisches Postamt.) Die kaiserlich otromanische Post- und Tclegraphen-Direction in Jerusalem machte bekannt, wie „Chabazeleth" berichtet, dass sie im Judenviertel hierselbst eine Filiale des vttomanischen Hauptpostamtes eröffnet habe, in dem jüdische Beamte den Dienst versehen werden. Der Postdienst wird ganz nach europäischem Muster organisiert werden. Alltäglich, mit Ausnahme von Samstag und den jüdischen Feiertagen, werden angekommene Briefschaften ausgesolgt und abgehende besördelt. Auch werden im Judenviertel zahlreiche Pvsikästchen angebracht werden zur Aushebung der Briese, die.miL kaiserlich ottomanischen Francozeichen versehen sind, und zwar vier Kästchen im eigentlichen Judenviertel, fünf in den Siedelungen Mea Sch'arim, Beth Israel, Machneh Jehudah, Maztererh-Moscheh und Nachlath- Schiw'ah, endlich ein Kästchen auf dem Bahnhose. — In einem Aufrufe des Chacham Baschi wird die jüdische Bevölkerung ermahnt, sich in ihrem Briefverkehre ausschließlich der ottomanischen Post zu bedienen. Belgrad. (Juden in Serbien.) In keinem der Balkanstaaten erfreuen sich unsere Glaubensgenossen einer derartigen wahrhaft freiheitlichen Gleichberechtigung wie in Serbien, was vornehmlich der aufrichtigen Toleranz und liberalen Gesinnung des Königs Alexander zu verdanken ist. Antisemitische Anschläge sind auch da zu wiederholtenmalen versucht worden, aber sie sind alle wie Seifenblasen in nichts ausgegangen. Sv hat in den letzten Tagen ein Belgrader Pope an den Metropoliten eine Etngabe gerichtet, er möge ein Verbot gegen jüdische Hebammen erlassen, dass sie nicht von den christlichen Frauen zur Geburtshilfe genommen werden dürfen; aber dieser Anschlag ist gegenstandslos verlaufen. Jaffa. (Der Spütregen von Palästina.) Die „Nat.-Ztg." schreibt: Bange Sorge herrscht allgemein in Palästina wegen des so lange ausbleibenden „Spätregens". Nicht nur der Ertrag der Ernte hängt davon ab, sondern an verschiedenen Orten ist Wassernoth zu befürchten, wie z. B. in Jerusalem bereits großer Mangel herrscht, so dass die Ausgaben für den täglichen Wafferbedarf eines Hauses ganz erheblich in Betracht kommen. Schon< vor längerer Zeit hat die Behörde in Berücksichtigung dieses Umstandes ein Bauverbot erlassen, wodurch allerdiltgs der kleine Waffervorrath in den Cisternen gespart wird, andererseits aber auch viele Menschen verdienstlos werden. Bon Jaffa wird nun in Extrabahnzügen Trinkwasser nach Jerusalem befördert, das jedenfalls theuer bezahlt wird. Die fremden Pilger in Jerusalem werden so rasch als möglich fortgeschafft, um die Roth nicht zu vergrößern, und es kamen in letzter Zeit täglich eine Menge Menschen hierher zurück, meist russische Pilger, deren Zahl auf 8—10.000 sich belaufen dürfte. Das lange Ausbleiben des so wichtigen „Spätregens^ bewirkt selbstverständlich Preissteigerung; denn die Fruchtvorrälhe werden rasch aufgekauft und in die VorräthSränme eingebracht. Daher der Mangel bei der armen Bevölkerung. Im ganzen sind die Ernte-Aussichten nicht schlecht; sie würden vorzüglich sein, wenn bald Regen käme, der auch jeder Speculation auf Thenernng den Boden entziehen würde. Was nun Jerusalem und die misslichen Wasserverhältnisse daselbst betrifft, so muss man wegen letzterer die Regierntlg einer schweren Schuld zeihen. Nicht weil von Jerusalem, in den Hcbrvner Bergen, gibt es so reichfließende Quellen des vorzüglichsten Wassers, dass damit durch eine entsprechende Leitung ganz Jerusalem jahraus jahrein versorgt werden könnte. Die Negierung weiß das wohl, thut aber nichts. Wollte aber eine Gesellschaft an das so nützliche Unternehmen Herangehen, da müsste sie viel Capital aufwenden, um die Chicanen zu besiegen, die der Erlangung einer Concession, wie üblich, in den Weg gelegt würdet». An diesen Chicanen ist schon manches Werk gescheitert, das geeignet gewesen wäre, dem Lande aufzuhelfen und in dieser oder jener Beziehung bessere Zustände herbeizuführen. Fremde- Capital und fremde Intelligenz würden sich finden, aber wie gesagt, der Haken liegt immer bei den Regierungsorganen, deren Bakschisch-Hunger heute noch weniger zu stillen ist als früher. Hierüber ließen sich Bände schreiben.

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