Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1901-05-24 · 21 (24.5.1901) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
21 (24.5.1901)
Date
1901-05-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2432864-2432885--1008-2434719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. Mai 1901 Nr. 21 deutschen Herrschafts- und Bogteiverhältnisse waren, waren ja auch nichts anderes als Befugnisse, jemandem die Anschaffung gewisser Bedürfnisse des wirtschaftlichen Lebens zu untersagen und die Einwohner eines Bezirkes zu verpflichten, ihre Bedürfnisse nur bei dem Inhaber der Banngerechtigkeit zu befriedigen, ohne Rücksicht darauf, ob nicht die benöthigten Waren anderswo besser uud billiger erzeugt wurden und bezogen werden konnten. Und am allersonderbarsten muss es den aufmerksamen Beobachter anmuthen, dass solche Begünstigung des Zwischenhandels von der Partei intendiert ist, welche als alleinige Retterin des consumierenden Publicums den Zwischenhandel als wucherisch bekämpft und angeblich dafür sorgen will, dass Consument und Producent mit Beseitigung jeglichen Mittelgliedes direct in Verbindung treten. Wird durch die Aenderung des § 59 G.-O. in gleichem Maße der jüdische wie nichtjüdische Industrielle, Kaufmann und Agent betroffen, so ist es zweifellos, dass durch die beabsichtigte Aenderung des § 60 G.-O. vornehmlich die jüdischen Gewerbetreibenden geschädigt werden. Der § 60 der Gewerbeordnung lautet gegenwärtig: „Das Feilbieten im Umherziehen von Ort zu Ort, außer auf Märkten, und das Hexumtragen und Anbieten von Waren von Haus zu Haus darf nur von den nach dem Gesetze über den Hausierhaüdel hierzu befugten Personen betrieben werden. Diese Beschränkung findet jedoch auf die Feilbietung von Artikeln des täglichen Verbrauches wie z. B. Milch, Butter, Obst, Gemüse, Blumen, Holz u. dgl. von Haus zu Haus oder auf der Straße keine Anwendung. Auch ist der Gewerbebehörde überlassen, in ihrem Bezirke ansässigen kleineren Geiverbsleuten zu ihrem besseren Fortkommen das Feilbieten ihrer Erzeugnisse innerhalb der Gemeinde von Haus zu Haus zu gestatten." Der Absatz 1 soll gleich bleiben, und es muss auch bei dieser Gelegenheit hervorgehoben werden, dass hieraus klar ist, dass die Hausierer mit Hausierbüchern nicht nach der Gewerbeordnung zu beurtheilen sind, Vorschläge auf Errichtung von Genoffenschaften, wie sie öfter gemacht werden, also ganz undurchführbar sind. '(Schluss folgt.) Vom Tage. Das Agentengesetz in der „Arbeiter-Zeitung". Der Bericht über das Agentengesetz, betreffend die Abänderung der '88 59 und 60 gibt der „Arbeiter-Zeitung" Gelegenheit zu folgendem Ausfall: „Diesmal werden eben die/ G r e i s l e r und nicht die Landwirtschaft gerettet." . ] Es ist uns nicht neu, dass die „Arbeiter-Zeiung" vom Stande der kleinen Lebeusmittelhändler stets in der abfälligsten Weise spricht. Die Titel „Lebensmittelgauner, Parasiten, Schmarotzer, Tagediebe" und wie diese Kosenamen alle lauten, sind ihr schon fast so geläufig, wie dem erstbesten Waschweib; und doch war es nicht immer so; es hat auch eine Zeit gegeben, und es ist noch gar nicht so lange her, wo auch die hochlöbliche „Arbeiter-Zeitung" gegenüber den Greislern andere Töne gefunden hat; es war dies zur Zeit der Wahlbewegung; ja, tempora mutantia-; bte „Arbeiter-Zeitung" wird schon wissen, warum sie heute anders spricht; aber auch andere Leute wissen es. Was wir immer geschrieben haben und die jüdischen Geschäftsleute nie glauben werden, ist eine nicht hinwegzuleugnende Thatsache; die wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Geschäftsleute werden unter allen Umständen von den Christlich-Socialen besser gewahrt, als von der so verjudeten Socialdemokratie; wir werden noch Gelegenheitn haben, diese unsere Ansicht durch concrete Beispiele zu erhärten. Dem jüdischen Greisler einen Binkel von Schulden anhängen und ihn dann noch beschimpfen, wepn er sein mühsam erworbenes Geld begehrt, das treffen die Herren Socialdemokraten; man muss ihnen aber Gerechtigkeit widerfahren lassen; sie machen da wirklich keinen Unterschied, ob es ein jüdischer oder ein christlicher Greisler ist, wenn er ihnen nur pufft; das Geld stinkt eben weder nach Weihrauch noch nach Knoblauch, wie sich Gemeinderath Genosse Schuhmeier so classisch auszudrücken pflegt. Nicht wahr, meine Herren Socialdemokraten, der unverhüllte zantinische Kaiser Justinian (527—565), jener schlaue, tückische Fürst, der selbst feige, sich durch die Siege seiner Feldherren Belisar und Narses emporhob und durch das Gesetzbuch, welches sein Minister Tribonian verfasste, als Gesetzgeber galt, sann auf Repressalien. Er wollte nach Arabien aufbrechen, wurde daran jedoch gehindert, da in Byzanz der Aufstand der grünen und blauen Circus - Parteien ausgebrochen war, und veranlasste den Negus von Aethiopien zu einem Zuge nach Südarabien. Dhu Nowüs gab sich selbst den Tod, er stürzte sich in sein Schwert und die Juden flüchteten sich nach Nordarabien, wo dann der prooidentielle Mann Mahommed auftrat. Dessen Zeitgenosse und anfänglicher Gegner war der jüdische Dichter Kaub ibn Sohair, der später sein Anhänger wurde. Aus jener Epoche ist eine Reihe jüdischer Dichter und Künstler Nord-Arabiens bekannt, so Asma Zowida, die arabische Sappho, welche aus unglücklicher Liebe ein tragisches Ende fand, und Emir Samuel iben Adija, der berühmteste aller jüdischen Dichter Arabiens, Ibn Roscht, Ibn Sina oder Aricenna, Aricebron der Salomon ibn Gabriel. Erwähnenswert ist das freundschaftliche Verhältnis des genannten jüdischen Dichters Adija mit den unglücklichen arabischen Fürsten und Dichter Jmlulul, von welchem der Spruch stammt: „Als ich glücklich war auf Erden, wollten alle meine Freunde werden, als ich aber kam in Noth, waren alle meine Freunde todt." Jmlulul unterlag in einem Feldzuge gegen den arabischen Gassanidenfürsten Harid V. und wurde vom Kaiser Justinian nach Byzanz berufen. Antisemitismus der Christlich-Socialen kann uns Juden weit lieber sein, als der verschämte der angeblich so verjudeten Socialdemokratie. Was nun den vom Ausschüsse abgeänderten 8 60 der G.-O. betrifft, so liegt aber auch nicht der geringste Anlass vor, sich über die neue Fassung aufzuregen. „Das Feilbieten von Brot und sonstigen Bäckerwaren von Haus zu Haus oder auf der Straße ist verboten; die Zustellung von Brot und sonstigen Bäckerwaren an die Kunden des Bäckers ist nur auf B e st e l l u n g durch ihn selbst, seine Angehörigen, sowie durch die bei ihm in Lohn¬ oder Lehrverhältnissen stehenden Hilfsarbeiter zulässig." So lautet doch der 8 60a nach der neuen Fassung. Albern ist diese Textierung^ das stimmt, aber nicht aus dem Grunde, weil etwa der Stand der Greisler besondere Vortheile davon hätte, (der' Schutz der kleinen Geschäftsleute wäre schließlich auch noch nicht die ärgste Handlung einer Regierung), sondern weil durch diese unklare Fassung sowieso alles beim Alten bleibt und das ganze Geschrei und die wochenlangen Aufregungen der hiervon Betroffenen gar nicht nothwendig gewesen wäre. Für so dumm darf auch die „Arbeiter-Zeitung" die Bäckermeister nicht halten, dass sie es nicht treffen werden, die heutigen Hausierer mit Legitimationen als A n g e st e l l t e zu versehen und so das Gesetz zu umgehen. Im klebrigen wird es Sache der in Gründung befindlichen „Genossenschaft der Händler im Umherziehen"'sein, für ihre Interessen eiuzutreten, was sie weit wirksamer zu thun verstehen wird, als die jedem Zwischenhändler feindselig gesinnte „Arbeiter-Zeitung". Ein jüdischer Greisler. * . * * Bruderzwist tut Hause Heilo. i Die „Deutsche Volkspartei" und die „Alldeutschen" stehen schon seit geraumer Zeit in Fehde. Die Ursache des Zwistes find jene Abgeordnetenmandate, die heute die „Volkspartei" und „Fortschrittler" — von denen spricht schon niemand mehr —- innehaben und die Herr Wolf für seine Leute braucht. Solch ein Jahr Diäten ist für einen kleinen Schriftleiter der halbe Hausbrauch, und es laufen noch so viel Schriftleiter in Böhmen herum, die sich gerne für Geld und gute Worte ins Parlament setzen und ihren Schnabel an dem Staate wetzen, der sie erhalten soll. Also es ist heller Zwist, bei welchem natürlich die Alldeutschen die Sieger sein müssen. Denn sie verstehen das Klappern und ^ie älteren Herren von der Volks- und Fortschrittspartei sind immer faul gewesen. Um aus der Bequemlichkeit nicht heraus zu müssen, möchten die Herren gerne ein Compromiss schließen. Die Alldeutschen aber wollen diese Herren höchstens compromittieren — den Wählern gegenüber und da schnauzt sie denn das Organ des Cassetten-Wolf folgendermaßen ab: „Also als Regenschirm soll die „Deutsche Volks'- partei" den Judenliberalen dienen. Wir glauben kaum, dass diese Rolle füx sie schmeichelhaft sein kann. Eine solche Regenschirmrolle passt doch auch gar zu schlecht zu dem stolzen Anlaufe, eine allgemeine Volkspartei der Deutschen in Böhmen zu bilden ..." rc. rc. So wird geschrieben, um die Fortschrittspartei vollends todtzuschlagen und dann kommt die Volkspartei daran. Es ist possierlich anzusehen, wie das Verlassen der Principien immer die Parteien umbringt. Mit dem Antisemitismus wollen sie alle ein Geschäft machen und am Ende sind auch sie die Geleimten. So ist in der That der Jud' an allem schuld. Um seinetwillen fressen sich die Parteien gegenseitig auf; wenn er sich um den ganzen Krieg nicht kümmert, kann er über die ganze Geschichte lachen. Und das ist das Lehrhafte an der Sache. Generalversammlung der „Israel. Alliance" in Men. Die Generalversammlung der „Israelitischen Alliance", welche am Donnerstag den 16. Mai im Sitzungssaale der Cultnsgemeinde abgehalten wurde, war diesmal von besonderer Wichtigkeit. Dementsprechend war auch die Betheiligung reger als sonst: Es hatten sich nicht nur zahlreiche alte Anhänger der „Alliance", sondern auch politische Zionisten, sowie circa 40 Bei der Abreise übergab er große Schätze seinem Freunde Adija, kehrte aber.nicht mehr zurück. Er fiel in Byzanz der Eifersucht zweier entarteter Weiber, der Kaiserin Theodora und deren Freundin Antonia, zum Opfer, welche ihn vergifteten. Als Harid V. von dem' Verstecke des Vermögens Jmlululs erfuhr, suchte er Ibn Adija zur Herausgabe desselben zu bewegen, was dieser jedoch aus Freundestreue verweigerte. Harid V. belagerte hierauf die Burg el Ablak, welche ibn Adija bewohnte, lange vergeblich, bis es ihm gelang, einen jungen Sohn des Adija aufzugreifen. Er drohte dem Adija, seinen Sohn unter den größten Foltern hinzurichten, wenn er das Vermögen des Jmlulul nicht herausgäbe; Adija gieng aber Freundestreue über alles, und er entschloss sich, eher seinen Lieblingssohn zu opfern, als sein Wort zu brechen. Es wurde denn auch sprichwörtlich: „So treu wie Adija." Wie aus alldem hervorgeht, war das Verhältnis der Juden zu ihren mohammedanischen Mitbürgern fast immer ein gutes, mitunter befreundetes. Mag auch der Ausspruch der deutschen Geschichtsschreiber Gibbon und Mommsen berechtigt sein, dass die Mohammedaner den Koran auf der Spitze des Schwertes durch die Welt getragen haben, niemals brachte es aber der Islam zu jenem unduldsamen Fanatismus, der so oft bei den Bekennern der „Religion der Liebe" anzutreffen ist. In Irak, der gesegneten Landschaft bei Bagdad, brachten es die Juden zu großem Wohlstände und bildeten daselbst die schönsten Colonien. Als im VIII. Jahrhundert die griechischeil Schriften Eingang in Arabien gefunden hatten, Mitglieder des „Jüdischen Volksverein" eingefunden. Es galt, durch den Stimmzettel zu beweisen, wer die unqualificierbare Behandlung, welche den rumänischen Judenflüchtlingen gegenüber in Anwendung gebracht worden war, billigt, und wer sie verurtheilt. Leider blieb der „Jüdische Volksverein", welcher sich gegen die Misshandlung der Armen auflehnte, in seiner Opposition allein, da beide anderen Gruppen geschlossen für den bisherigen Vorstand, einschließlich Herrn Dr. K u r a n d a, stimmten. Dar Scrutinium wurde in einer Weise vorgenommen, über die noch zu sprechen sein wird. Man verstand es, einen Theil der Mitglieder, und zwar speciell Anhänger des „Jüdischen Bolksvereines", bei der Stimmenabgabe zu umgehen. Die Versammlung selbst nahm folgenden Verlauf: Nach Verlesung des Rechenschaftsberichtes entspann sich eine Debatte über die rumänische Emigration, wobei einer der Redner es als eine Schmach für das ganze jüdische Volk bezeichnete, wenn es nicht gelänge, die iä Rumänien zurückgebliebenen Frauen und Kinder ihren ansgewanderten oder vertriebenen Familienvätern nachzusenden. Eine Resolution dahin lautend: „Die Generalversammlung der „Allianz" beauftrage den Vorstand, mit aller Macht bei der französischen „Alliance", sowie bei den anderen auswärtigen Comitös dahin zu wirken, dass die Zurückgebliebenen ihren Familienvätern Nachfolgen können", wurde einstimmig angenommen. Nach Erledigung des Finanzberichtes wird zum dritten Punkte der Tagesordnung, Neuwahlen, geschritten. Fünf Vorstandsmitglieder mit vierjähriger Functionsdauer sollen neu gewählt werden. Zu diesem Punkte ergreift Dr. Paul Weisen grün als Vertreter des „Jüdischen Volksvereines" das Wort und führt in kurzer Rede aus, dass der „Jüdische Volksverein" mit Rücksicht auf die Missstände, die sich beim Durchzug der rumänischen Juden ergaben, eine Liste von Männern für die Neuwahl in Vorschlag bringe, die geeignet erscheinen, einen neuen Geist yr den Vorstand der „Allianz" zu bringen, und zwar die Herren: Richard R a p p a p o r t, Dr. Jacob K o h n. Dr. Sigmund Kornfeld, Dr. M. T. S ch n i r e r, Friedrich Fuchs und als n e u z u w ä h l e n d e Beiräthe die Herren Dr. Mintz, Dr. I. Kölln er und Dr. W e i s e u g r ü n. Nachdem Dr. K o k e s ch namens der in die Liste aufgenommenen Zionisten erklärt hatte, dass dieselben eine Wahl nicht annehmen würden, ergreift Dr. Marcell Ho ff mann das Wort, das ihm unter großem Tumulte vom Vorsitzenden entzogen wird. Nach Abgabe der Stimmzettel enunciert Dr. Stern, dass die Generalversammlung wegen der herrschenden Unruhe geschlossen sei und das Ergebnis der Wahl erst später bekanntgegSben werde. Dem berechtigten Verlangen des Dr. Jacob K o h n, es müsse dem Scrutinium ein Vertreter des „Jüdischen Bolksvereines" zugezogen werden, wird nicht entsprochen. ,Die Wahl selbst ergab folgendes Resultat: von 136 gütigen Stimmen entfielen auf Horner 114, P o l l a k 111, Reitlinger 111, Baum garten 110, Kur and a 98, Dr. Kornfeld 26, Dr. S ch n i r e r 21, R a p p a p o r t 19, Dr. K o h n 19 Stimmen. * Herr Dr. Sigmund Kornfeld ersucht uns um Aufnahme folgenden Schreibens: Bereh rliche Redaction! Auf vielfache Anfragen sehe ich mich genöthigt, zu erklären, dass ich bei der Generalversammlung der „Alliance" eine Candidierung meiner Person in den Vorstand derselben aus dem Grunde ablehnte, weil ich auch nur den Schein vermeiden wollte, als wäre ich von zionistischer Seite als Candidat ausgestellt worden. Ich hatte schon tagszuvor aus Gründen, die eben mit^ der seitens der Zionisten in der Frage der „Allianz" beliebten Taktik aufs engste Zusammenhängen, meinen Austritt aus der zionistischen Partei erklärt. Für die Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend Ihr ergebener Dr. Sigmund Kornfeld. '.-.. . ..... waren es die Juden, welche daran den eifrigsten Antheil nahmen. Auch das Wiederaufblühen der Literatur im maurischen Spanien war hauptsächlich ihnen zu danken. Es sei nur an die glorreichen Namen: Immanuel, der jüdische Anakron, Moses ibn Esra, Al Charisi, Abraham ibn Daud, Jehuda Halevi, dessen Schwiegersohn Abraham ibn Esra und allen voran den großen Maimonides, des II. Moses, erinnert. Ueber den Einfluss der Juden auf alle Wissenschaften, besonders die medicinischen, ist schon viel geschrieben worden; auch thaten sie sich durch Ueber? tragung der griechischen Schriften ins Arabische hervor. Das Werk Steinschneiders: „Die Uebersetzungen der Juden im Mittelalter und die Juden als Dolmetscher" behandelt dies ausführlich. Mit dem Islam verschwand das geistige Leben aus Spanien. Als Ferdinand der Katholische mit seinen Truppen in Granada einrückte, war es die erste That seines Ministers, des Cardinals Ximenes, über 30.000 Bände aus der Alhambra dem Scheiterhaufen zuzuführen. Nach Unterwerfung der Mauren und Austreibung der Juden ist in Spanien finstere Nacht auf den lichten Tag gefolgt, und gewinnen die nachstehenden Worte Alexander v. Humboldts volle Berechtigung: „So sterben dahin die Geschlechter der Menschen. Es verhallet die rühmlichste Kunde der Völker. Doch wenn jede Blüte des Geistes welkt, wenn im Sturme der Zeiten die Werke schaffender Kunst zerstieben, so ersprießt ewig neues Leben aus dem Schoße der Erde. Rastlos entfaltet ihre Knospen die grünende Natur, unbekümmert, ob der frevelnde Mensch, ein nie versöhntes Geschlecht, die reifende Frucht zerstört."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.