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Jüdisches Volksblatt · 1901-05-24 · 21 (24.5.1901) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
21 (24.5.1901)
Date
1901-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ÄEbartton: THI/1, SchlötzrloassL 11. Gh»r«chft»«ben r Nn Wochentagen von 4 bis 6 Uhr nachmittags. po-ad»»n»; Jüdisches vottSblatt, Wie», viilll. B«f«htt»»vde» wegen Vers»Steter oder gar nicht erfolgter jjuftellung erbitten wir »nS dringend. — Mannfertbte werden nicht zururkgestellt. Vostspareassen-Lonto L470S?. In da- Wonnement kann man täglich etntrtten. Erscheint jeden Freitag rrrrwr MittntrKmrg der dom jüdiMren Volk«- Verein erwählten Pressrommtsston. Jtrferale übernehnlen die Firmen; I. Danneberg. M. DuteS, Haajmstein » Bögler. Rudolf Moffe. TL OpveM. M. Do,fonyt. «. Sckalek in Wien, fern« alle Snnoncen-Lxpedittonen im VirSlande. Girrzel-Nrwrrser i« Wie» I« Heller. Rdmintstraiion: VUI/1» Schlötzelgasse 11. AbonnemeutSpreiS: Für Wien u. Oesterreich-Ungar« fammt Francozustellung. Ganzjährig Halbjährig Vierteljährig Kr. 8.— -!- Für daS gelammte AnSiaub fammt Francozustellung. Ganzjährig . . . Halbjährig . . . Vierteljährig .... Kr. „ 4.50 " » »5 mmmmeem ■WBWBV— . 21 Wien, 24. Mai 1901. 111. Jahrgang. ES reift! (Zum Wochenfeste.) Gar merkwürdige Metamorphosen haben unsere Feiertage durchgemacht —in Bezug auf ihre Bedeutung! Ursprünglich, in der biblischen Zeit, waren es reine Naturfeste, welche der Landmann in den Zeitläuften des Jahres feierte, so hieß Peßach — das Frühlingsf e st. Sukkoth — das Fest der Ernte, und Schewuoth — das Fest der Erstlinge, des Reifenden. Allerdings hatten die zwei erstgenannten auch noch ihre geschichtliche Bedeutung: den Auszug aus Aegypten und die Wunder in der Wüste, und werden auch in der Bibel darnach benannt. Das Schewuoth-Fest aber blieb auch nach der Darstellung der Bibel ein reines Naturfest der Ackerbauer, eine Art Kirschblütenfest unserer Zeit, ein Fest, welches den Beginn der Reife in Feld und Garten symbolisierte. Erst später, als die Juden nach der Zerstörung des zweiten Tempels ihr Vaterland verloren, als sie, ins Exil wandernd, den Heimatboden nicht mehr bearbeiten konnten und die Religion das verlorene Vaterland vertreten musste, indem die strengen Ceremonialgesetze als neue Festungen aufgestellt wurden, erst da erhielten die Feiertage religiöse Bedeutung, und selbst das ursprüngliche, rein natürliche Wochenfest wurde zum Tage der Offenbarung, um ihm auch in den Augen der Nichtlandmänner, der Nichlackerbauer eine Bedeutung zu verleihen, die nicht an den Boden, an Land und an Naturerscheinungen, sondern an die Religion geknüpft ist. In unserer Zeit jedoch, da, das Gefühl für die Religion zu schwinden begann und die religiösen Ceremonien ihren Reiz einbüßten, fanden auch unsere Feiertage nur geringe Beachtung, sie hatten fast nur noch für die Rabbiner und Cantoren in den Synagogen Bedeutung, beim Volke find sie fast in Vergessenheit geratheu. Da tauchte die jüdisch-nationale Idee auf und siehe! die alten Feiertage erhielten eine nationale Färbung — und sie leben wieder auf! Sie erhielten g e sch ich tli ch en Wert und dienen als nationale Denkmäler unseres Volkes. Der Peßach ward zum Wiegenfeste unserer Nation, zum Geburtstage en masse unseres Volkes, der Sukkoth ward das Symbol unseres Goluth und Schewuoth wurde das Zeichen der Reife, nicht in Feld und Garten mehr, wohl aber in der Idee, im Sinne unserer Volksbewegung. Und wenn wir noch in eultureller Beziehung hinzufügen, dass wir den „Tag der Offenbarung" nunmehr feiern, als das „Bar-Mizwa-Fest en masse," als den Tag der Reife in moralischer und sittlicher Beziehung, dann haben wir die ganze Herrlichkeit dieser Feier ausgesprochen. Denn die Idee ist noch zu jung, die Bewegung ist noch zu schwach, um bereits ein Fest der Ernte feiern zu können; wir begnügen uns vorläufig mit den ^Erstlingen"; wir freuen uns, dass wir ausrufen können: „Es reift!" Die Idee wächst, die Bewegung gewinnt immer mehr an Tiefe und Breite, Männer reifen in unserer Mitte und mit ihnen neue Gedanken und neue Thaten. So wird das „Fest der Erstlinge," wie es die Bibel nennt, zum Festtage für die „Erstlinge" in unserer Bewegung, für jene Männer, die als E r st e den Gedanken ausgesprochen und ihn zur That gebracht haben, für alle jene Tapferen, die zum Wohle unseres Volkes mit der Arbeit eingesetzt haben, um sie der Reise entgegenzuführen! Die Reife aber gibt Hoffnung auf gute Ernte, gibt neuen Muth. das begonnene Werk fortzuführen bis dahin, wo es zur Vollkommenheit gelangt, reiche Früchte abwirft. Auch die kulturelle Bedeutung dieses Festes ist für die jüdisch-nationale Partei von hohem Wert. Als Nation haben wir noch viel zu arbeiten und zu schaffen und jeder, der unsere Bewegung mit offenen Augen betrachtet, muss zugeben, dass auch hier schon vieles geschehen ist, dass auch auf diesem Felde die reifende Saat aufgegangen ist. Ja, es reift! Es reift auf materiellem, wie nicht minder auf geistigem Gebiete. Die Abänderung der §8 59 und 60 der Gewerbeordnung. Von Dr. Arnold Ascher. In aller Stille hat am 3. d. M. der Gewerbeausschuss seine Berathungen über die Regierungsvorlage, betreffend die Abänderung und Ergänzung der Gewerbeordnung (§§ 59 und 60), beendet und damit alle Hoffnungen vernichtet, welche auf eine Abschwächung, wenn schon nicht Beseitigung der drohenden Gefahren in dem von mehreren Seiten mit großer Verve geführten Kampfe gehegt wurden. Nach den Abänderungen, welche bei der Gewerbeordnung auf Grund des kaiserlichen Patentes vom 20. Dccember 1859 (R.-G.-Bl. Nr. 227), durch die Gesetze vom 15. März 1883 (R.-G.-Bl. Nr. 39), 8. März 1885 (R.-G.-Bl. Nr. 522) und 23. Februar 1897 (R.-G.-Bl. Nr. 63) erfolgten, kann es allerdings nicht wundernehmen, wenn der bereits beschritte Weg weiter fortgesetzt wurde. Und doch hätte man glauben sollen, dass nach den mehr oder minder eingestandenen Misserfolgen, welche die Wiedereinführung mittelalterlicher Institutionen — wie Zunftzwang und Befähigungs Nachweis — herbeiführten, nicht daran gedacht werden könnte, wieder gesetzliche Bestimmungen zu statuieren, durch welche ähnliche Verhältnisse geschaffen werden, wie sie im Mittelalter bestanden und lange Handel und Verkehr unterbanden. Was für unglaubliche Kämpfe und Streitigkeiten der Befähigungsnachweis unter allen Handwerkern hervorrief, hat Sigmund Mayer in seinem ausgezeichneten Werke: „Die Aufhebung des Befähigungsnachweises in Oesterreich", Leipzig 1894, treffend geschildert; welch zweifelhafte Vortheile und welch sichere Nachtheile die Errichtung der Genossenschaften erzielte, können wir fast täglich aus den Versammlungsberichten ersehen, es wird nicht lange dauern, bis die Folgen jener reaetionären Bestimmungen zu verspüren sein werden, welche nunmehr geplant sind. Sehen wir uns den Wortlaut dieser in der letzten Zeit so oft erwähnten, aber häufig missverstandenen §§ 59 und 60 der Gewerbeordnung an: § 59 lautet: „Die Gewerbsleute sind berechtigt, im Umherreisen selbst oder durch Bevollmächtigte Bestellungen Ansuchen, dürfen jedoch hierbei, außer auf Märkten, kein- Waren zum Verkaufe, sondern nur Muster mitführen. Für die Subscriptionssammlung ans Druckwerke gelten die im Pressgesetze gegebenen besonderen Vorschriften. Jene Handlungsrcisenden und stabilen Handelsagenten, welche ein Geschäft daraus machen, für mehrere Gewerbetreibende Bestellungen zu suchen, haben diesen selbständigen Erwerbszweig nach §-11 anzumelden. Die Zulassung von Handlungsreifenden für ausländische Handels- und Industrie-Unternehmungen ist, sofern nicht Staatsverträge diesfällige Bestimmungen enthalten, durch eine besondere Vorschrift geregelt." Man sollte meinen, diese Bestimmungen entsprechen so sehr dem Bedürfnisse der Industrie und des Handels, liegen auch im Interesse der Consumenten, dass an ihnen nicht gerüttelt werden sollte; durch die beabsichtigte Aenderung soll es nun verboten werden, direct mit dem Consumenten in Verbindung zu treten; der kleine Schneider in der Provinz soll nicht mehr in die Lage kommen, direct von dem Agenten der Nähmaschinenfabrik die Nähmaschine zu beziehen, der Schuster nicht seine Steppmaschine, der Buchbinder seine Papierschneidmaschine rc. rc.; sie alle sollen, wenn sie nicht in die Hauptstadt fahren wollen oder können, bei dem im Orte wohnhaften Händler kaufen müssen; der kleine Beamte oder Officier soll die Uniform nicht mehr bei dem Reisenden der Uniformierungsanstalt, welche vorschriftsmäßig nnd billig arbeitet, bestellen dürfen, sondern beim Dorfschneider oder erst in die nächste Stadt fahren, kurz die in einem Orte Befindlichen sollen verhalten sein, wenn sie aus Zeit- oder Kostenersparungsrücksichten nicht die oft mühevolle und kostspielige Reise machen können, bei den am Platze befindlichen Kaufleuten ihren Bedarf zu decken. Ist es zu viel gesagt, dass derlei Verhältnisse an die mittelalterlichen Bannrechte erinnern? Diese Bannrechte, welche Ausflüsse der alt- Schebuoth. Von M. Scherlag. Heute wollen wir Sonne und Grün! Mutter lächelt so still und froh. Auch Vater lässt sein Sorgen und Müh'n. Und- Schwesterleins Wangen, Gott, wie sie glüh'n, Als rief' es auch sie von irgendwo .. . Mich locken von ferne die Freunde im Chor. Sie schwimmen im Weiher wie Fische so frei. Ich eile, Ihr Lieben, ins rauschende Rohr, Dannn komm' ich und streue Euch Schilf vor das Thor Und stecht' Euch den herrlichen grünen Mai Ins graue und ewige Einerlei!- Vater: An solch' einem Tag vor Jahren, vor Jahren, Da blühte unsere eigene Flur, Da strömten mit Erstlingen die Scharen — Und als sie im Tempel versammelt waren. Sie feierten frei das Fest der Natur, Das Fest der Feste, das Fest des Lichts, Das Moses strahlenden Angesichts Vom flammenden Sinai gebracht... Schwester: Geh', bring' uns der Hoffnung grünende Pracht ... Mutter: Ich fürchte, mein Kind ... Schwester: ... und Blumen die Menge! Mutter! Willst Du denn Schwüle und Enge? Die Juden in der arabischen Geschichte nnd Literatur. (Vortrag Sr. Ehrw. des Herrn Dr. S. K u l k a, gehalten im jüdisch-literarischen Vereine in Troppau.) Heute, da die Gründung von Colonien für unsere leiblich und geistig gefesselten Brüder des Ostens vielfach erörtert wird, dürfte es nicht uninteressant sein, einiges aus der Geschichte der Juden in Arabien zu erfahren, wo sie mehrere Jahrhunderte hindurch eine wichtigere und angesehenere Stellung einnahmen, als derzeit unter Völkern, deren Religionen vom Judenthume abstammen. Gerade die Geschichte der arabischen Juden widerlegt aufs nachdrücklichste den von unseren Gegnern immer wieder erhobenen Vorwurf, dass die Juden für nichts anderes Sinn hätten, als für Handel, indem die arabischen Juden sich in hervorragender Weise als Vermittler zwischen der östlichen und westlichen Cultur bethätigten. Wie bekannt, leiten die mohammedanischen Bewohner Arabiens ihren Ursprung auf Jsmael, den Sohn des Erzvaters Abraham, zurück; indes gibt es noch bis auf die Gegenwart, namentlich in Südarabien, Nachkommen des Ewer und Joktan, welche die eigentliche Ureinwohnerschaft Arabiens nlden. Unter diesen seien die Hinjaren, Minäer und Sabäer angeführt, deren Hauptstädte Hadromaut, Sania, Marib und Jakib große nnd wichtige jüdische Colonien enthielten, von welchen Ueberreste noch gegenwärtig begehen. Schon die Bibel erzählt von den ausgebreiteren Handelsbeziehungen Südarabiens mit Palästina, ins- Iresondere unter König Salomo, welchen die Königin von Saba einst mit großem Gefolge besuchte. Ganz anders lagen die Verhältnisse in Nordarabien, wo die Juden nach der Zerstörung des zweiten Tempels ihre Zuflucht. fanden und den Charakter sowie die Lebensweise der Beduinen annahmen, von denen sie sich nur durch die Religion unterschieden. Die einzelnen jüdischen Stämme lebten wie die Araber unter ihren Scheiks, führten oft Kriege gegen andere Völkerschaften und zuweilen gegen einander. Sie hatten sogar ihre Burgen, von denen Kamus und El Ablak erwähnt seien, und nahmen an Handel und Gewerbe, den Künsten und Wissenschaften lebhaften Antheil. So wurde zum Beispiel die Goldschmiedekunst in ziemlich vollendeter Weise von einem jüdischen Stamme ausgeübt. In diesen Verhältnissen trat im II. Jahrhundert nach gewöhnlicher Zeitrechnung ein gründlicher Umschwung ein. Der Compass wurde in China erfunden und brächte große Umwälzungen in den Handelsbeziehungen der Völker mit sich. Die Binnenstaaten verloren immer mehr an Bedeutung, es fand eine Auswanderung der südarabischen Stämme nach dem Norden statt. Zwei dieser Stämme, Benu Aus und Bonn Chasratlch gelangten im V. Jahrhunderte nach Hejas und zwangen die Juden, ihre Wohnsitze ihnen abzutreten. Bald lagen sich jedoch diese zwei Völkerstämme in den Haaren; im Jahre 015, am 4., 5. und 6. Mai kam es bei Boüd zu einer Entscheidungsschlacht, in welcher die Benu Chasrrüsch unterlagen und fast vollständig aufgerieben wurden. Die Juden hätten damals ihre ursprüngliche Stellung zurückerobern und vielleicht eine bis in die Jetztzeit reichende Macht begründen können, aber die leider stets bei den Juden wahrzunehmende Uneinigkeit verhinderte es. In Südarabien geriethen die Araber in bitterste Feindschaft mit den Aethiopiern, was für die Juden eme bevorzugte Stellung zur Folge hatte. Einer der jüdischen Anführer. Dhu Nowüs, der Wüstenlöwe genannt, erhielt Kunde von den Verfolgungen der Inden in den clmstlichen Landen und lieferte eine blutige Schlacht bei Nedschd. Der byi

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