Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 20 (17.5.1901)
- Date
- 1901-05-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 17. Mai 1901 die Versammlungen gewiss nicht günstig ist, war kein Plätzchen leer, und die Anwesenden brachten ein warmes Interesse dem ausführlichen Jahresberichte des Präsidenten entgegen, das wiederholt durch allgemeinen Beifall zuin Ausdruck gelangte. Er erwähnte die Stellungnahme des Vereines in allen vorgekonnnenen wirtschaftlichen Fragen, die unsere Stadt im verflossenen Jahre tangierten, der Expertise des Vereines anlässlich der Stagnation im Baugewerbe, des empfehlenden Verzeichnisses an 30i><> Arbeitgeber, ferner, dass im abgelansenen Jahre an 20.0l)<) Kronen unverzinsliche Darlehen von dein Vereine vermittelt wurden, die an israelitische Handwerker nach erfolgter gründlicher Recherchiernng u 600—800 Kronen verabfolgt wurden, mit die Existenzen derelben zu sichern. Sehr beifällig tvurde entgegengenonnnen, dass nuü auch in Prag und in anderen Städten nach dein Muster dieses Vereiues ähnliche Vereine geschaffen wurden. In Abwesenheit des Eassiers Herrn S. Steiner verlas der Schriftführer Herr Alsr. Kisch den Eassabericht, den Herr V o g l h u t als Revisor der Genehmigung empfahl. Die Herren Leop. Guttmann, Siegfried Beer und 'Adolf B e ck hoben unter allgemeinem Beifall die außerordentlich rege Thätigkeit des bisherigen Präsidenten, Herrn S. B r o d, hervor und empfahlen die Wiederwahl desselben per Acclamation. Herr B r o d dankte für die ihn auSzeichnenden Worte, nahm die Wiederwahl auf zwei Jahre jedoch nur unter der Bedingung an, dass ihm gestattet werden müsse, auch andere Stände, insbesondere den Kaufmannsstand dem Vereine beizuziehen, um aus diesetn erweiterteu Kreise den künftigen Führer de§ Vereines zu finden, demt auf länger als 10—12 Jahre könne er dieses schwierige, zeitraubende Amt, so ehrend es auch sei, nicht übernehmen, da ein täglicher Parteienverkehr von zwei und mehr Stunden mit demselben verbunden ist. Fast einstiinmig, jedoch mit Stimmzetteln, wurden in den Vorstand gewählt die Herren: Hermann Beck, Leopold Guttm a it n, Alfred K i s ch, S. S t e i n er, Jgn. Kantor, S. Friedmann, Max W ack ler, Architekt S ch ö n, Ferd. Pick, Josef Rosenthal, Sigm. Mayer und S. Blankenberg. An der Debatte betheitigten sich die Herren: Architekt Schön, Ing. L ö « e n b e i n, Baumeister Schwadron re. Unter den Anwesenden bemerkte man: in Vertretung des Cultusvorstandes Vicepräsidenten und Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Bauralh S t i a ß n y, 'Architekt Fleischer, Dr. Marcus Spitzer, von der »Qesterreichisch-israelicischen Union" den Vicepräsidenten Professor Dr. Ehrmann und B. .Kanitz, Ortsschulrath S. H e i t, kais. Rath Dr. K o h u, Professor Richard Singer, Bezirksrath W a l d st e i n :c. Wien. (Oesfentliche Plenarsitzung d e S V o rstandes der israel. C u l l u s g e nr e i n d e Wien) im Sitzungssaale, 1, Seitenstettengasse 4, II. Stock, Dienstag am 2l. Mai 1901, 6 Uhr abends. Tagesordnung: 1. Koscherfleisch-Angelegenheit (Res. Herr Dr. Berger). 2. Antrag der II. Section: Grundsätze für die Verleihung von Subventionen an Bethausvereine (Referent Herr Dr. Steiner). 3. Wahl des Comites zur Behandlung des vom I. Vicepräsidenten Herrn Dr. Alfred Stern gestellten Antrages, betresiend den Bau eines neuen Tempels. 4. Antrag der II. Section auf Einsetzung einer historischen Commission (Referent Herr Dr. Steiner). 5. Antrag der II. Section betreffend die Dr. Adolf S ch m i e d l- und Dr. Adolf Jellinek-Stipendien (Referent Herr Vicepräsident Dr. G. K o h n). Retz. (Errichtung einer israelitischen Cultusgemeinde.) Das k. k. Ministerium für Culrus und Unterricht hat sich laut Erlass vom 28. März 1901, Z. 306112 ex 1900, bestimmt gefunden, die in dem Sprengel der Gerichtsbezirke Haugsdorf, Oberhollabrunn, Ravelsbach und Retz gelegenen Ortschaften aus dem Verbände der israelitischen Cultusgemeinde Horn vom 1. Jänner 1902 angefangen auszuscheiden und von diesem Zeitpunkte an, für die Israeliten in den gedachten Gerichtsbezirken eine neue israelitische Cultusgemeinde in Oberhollabrunn zu errichten. Rosenberg. (Coneurs.) Bei der isralitischen Cultusgemeinde in Rofenberg, Böhmen, ist die Stelle eines Rabbiners der auch Chasen und Koreh sein muss, bis 1. September l. I. zu besetzen. Jahresgehalt 1100 Kronen nebst schöner Wohnung. Der Vorstand. Kuttenberg. Mit Bezug auf unsere in Nr. 18 gebrachte Mittheilung von der in effigie vollzogenen Justification Hilsners werden wir ersucht, zu constatieren, dass der Autor dieser mit P. gezeichneten Korrespondenz nicht Herr Camill Pollak, Geschäftsführer der Firma Wilhelm Pollak, in Kuttenberg ist. Bielih. (Neuwahlen in den Cu ltus - Ausschuss.) Bei der am 5. d. M. vorgenommenen Neuwahl des israel. Cultus-Ausschusses wurden folgende Herren als Ausschuismitglieder gewählt: Samuel Tugendhat, Ignatz N e u m a n n, Abraham Groß, Salamon Pollak, Ludwig L a n g f e l d e r, Josef Perl, Dr. M a r c u s f e l d, Osias Schmelz, Dr. Großmann, Ptofcssor Feuerstein, Architekt Kore, H. H e i l p e r n, Rudolf K e st e l, D. H. Nobinsohn, Hermaiin Borger, Leopold Go löst ein, M. B r a u m b e r g, Julius G o l d s ch m i d t, Dr. Reich, Hugo S ch ö f f e r, Julius A l t m a n n, Leopold Freund, Josef Groß, Josef Koch, Dr. A r o n s o h n, Marcus Haas, Hermann Klein, V clor Schaffer, Salo R i t t e r m a n n, Oscar S ch ö f f e r. Als Ersatzmänner die Herren: Ludwig Sachs, Sigm. P o l a t s ch e k, Wilhelm Löwen der g. Julius D e u s ch, Erich R i e s e n f e l d, Richard R o s e n t h a l. Meran. (Trauungen.) Für Meran ein ereignisreicher Tag; an einem Tage zwei Vermählungen, und zwar um 9 Uhr srüi, in der Villa „Bürgersheim" die Trauung der Tochter des hiesigen Curarztes Herrn Dr. Hugo Pollak, Frl. Rosa Pollak, mit dem praktischen Arfte Dr. Göza G a v a, im engsten Familienkreise; am Abend um 6 Uhr die erste Trauung im neuen Tempel, und zwar die Vermählung des Frl. Emma Schlichter mit Herrn Bernhard Grosz aus Budapest. Die Vermühlungsacte wurden aberrnals von dem Hohenemser Rabbiner Herrn Doctor Tänzer vollzogen, die liturgische Function vom Cantor Herrn Löwy. Herr Rabbiner Dr. Tänzer sprach zum Bedecken zuerst den Segensspruch an Rebekka bei ihrem Auszuge aus dem Etternhause: „Gesegnet Dein Auszug und gesegnet Dein Einzug in das Haus des Gatten", hernach: „Jevorachachu" rc. Nach der Einsegnung eine zündende actuelle Predigt. Das blumengeschmückte Bethaus war überfüllt von einein überaus vornehmen Publicum aller Eonfessionen. E r n e st i n e Wilhelm. Lemberg. (O r i g i u a l - C o r r e s p o n d e ll z.) Dostor S. R. Landau veröffentlicht in dem vom Reichsrathsabgeordneten Breiter herausgegebenen „M o n i t o r" eine Serie von Artikeln unter der Ueberschrift „Jüdisches Geldprotzenthuin und jüdisches Proletariat in Galizien", worin er an der bekannten Coterie Doctor Byk, Samuel Horowitz & Comp, eine sehr heftige Kritik übt. Er sagt darin unter anderem: »Die jüdische Plutokratie in Galizien hat für die Berbesserung der Lage der jüdischen Massen daselbst absolrit nichts gethan. Dass der eine oder der andere reiche Jude in Galizien ein Spital errichtet, um dafür einen Orden oder einen Titel zu erhalten, damit wird dem jüdischen Proletariat nicht ans die Beine geholfen. Die jüdischen Nabobs in Galizien überlassen die Sorge für das jüdische Proletariat dem ausländischen Judenthnm, und dem Dr. Hildesheimer in Berlin ist es unter anderem zu danken, dass er die über reiche Geldmittel verfügenden Logen der „Bnei-Brith" (»Söhne des Bundes") in Deutschland und Amerika zu einer Rettnugaetion zugnnsten des jüdischen Proletariats in Galizien bestimmt hak. Der Centralsitz dieser Action wird sich in Wien befinde», um den Einfluss jener Leute fernzuhalten, welche sich mit Hilfe der p o l i t i s ch e n Prostitution zu »Führern" des galizischen Judenthums aufgeworfen haben. Es ist anzunehmen, dass die jüdische Bevölkerung Galiziens endlich einsehen wird, dass sie von ihren bisherigen Führern nur zu politischen und anderen Geschäften ausgenützt wurde und nur die Leiter bildete, damit die gewissen „Polen mosaischer Religion" Carriere machen. Dann werden wohl die jüdischen Massen in Galizien Hand in Hand mit den anderen Nationalitäten gegen die politischen und wirtschaftlichen Ausbeuter und Schacherer Front machen." Botuschan. (Todesfall.) In Botuschan starb in hohem Alter von weit über 80 Jahren in den letzten Halbfeiertagen..Hillel K a h a n a, dessen Tod von allen jüdischen Gelehrtenkreisen tief betrauert werden wird. Kahana gehörte seit einem halben Jahrhundert der jüdischen Literatur an, die er als Dichter und Gelehrter durch ausgezeichnete Arbeiten und selbständige Werke, worunter »Geliloth ha-Erez" besonders hervorznheben, vielfach bereichert hat. Schade, dass von letzterem Werke der zweite in der Niederschrift schon druckfertig gewesene Theil durch Brand unwiederbringlich verlorengegangen ist. Ausland. Berlin. (Gedenkbuch für Luzzatto.) Um vielfach ausgesprochenen Wünschen entgegenzukommen, hat der Ausschuss des Verbandes jüdischer Literalnrvereine in Deutschland sich entschlossen, das Geben kbnch für Samuel David Luzzatto und den letzten Band des Jahrbuches für jüdische Geschichte und Lite rat nr pro 1901 allen Rabbinern, Lehrern und Cantoren, die sich direct unter Einsendung des Betrages an Herrn Maximilian H e r m a n n, Berlin NW., Roonstraße 9, wenden, so weit der Vorrath reicht, zu dem ermäßigten Preise von 1 Mk. inclusive Porto zu überlassen. Könitz. (N o ch i m m e r d i e A f f a i r e). Heute sind wieder einige mit der Mord-Affaire zusammenhängende Beleidigungs- Processe zum gerichtlichen Austrag gelangt. Zunächst wurde vor der Berufungskammer die Klage der Frau Roß gegen Herrn Fleischermeister Ad. Lewy verhandelt. Letzterer ist, wie schon in der ersten Instanz, freigesprochen und die Berufung verworfen worden. Dagegen wurde Frau R o ß wegen Beleidigung des Fleischermeisters Lewy, dem sie nachgerufen hatte „Da geht der Mörder", in der Berufungsinstanz zu 120 Mark Geldstrafe verurtheilt, während das Schöffengericht 20 Mark für ausreichend erachtet hatte. Hat in diesem Falle die Berufungskammer die Strafe erhöht, so darf man mit Sicherheit annehmen, dass die vom Schöffengerichte gegen den Kürschner und Synagogendiener Nossek festgesetzte Strafe von einem Monat Gefängnis in der Berufungsinstanz wesentlich herabgesetzt werden dürfte. Sk o s s e k soll angeblich zu einem christlichen Schneider gesagt haben: „Niemand anders als der Fleischermeister H offmann sei der Mörder; man solle diesen und seine Tochter nur einsperren, dann würde er schon gestehen." Nossek bestreitet zwar, diese Aeußerung aethan zu haben, und gibt nur zu, mit dem Zeugen über den Mord im allgemeinen gesprochen zu haben. Das Schöffengericht glaubte aber dein letztsten und lehnte den Beweisantrag Nossek s dass unntittelbar nach dem Morde auch der Verdacht der Christen sich direct gegen H o f f m a n n gewendet habe, als unerheblich ab. Auffallend ist natürlich das verschiedenartige Strafmaß, mit dem das hiesige Schöfferrgericht Beleidigungen von Juden und Christen ahndet. Frau Roß, welche zugestandenermaßen beu Fleischermeister Lewy auf der Straße des Mordes bezichtigte, kam mit einer Geldstrafe von 20 Mark davon. Nossek dagegen, der im Privatgespräche den Fleischermeister H offmann als Mörder bezeichnet haben soll, muss dies mit einem Monat Gefängnis büßen. Die Thatsache, dass das Berufungsgericht im ersten Falle die Strafe wesentlich erhöht hat, bestärkt in der Annahme, dass dasselbe im zweiten Falle auf eine namhafte Strasminderung erkennen wird. Der grelle Unterschied zwischen den Urtheilen des Schöffengerichtes und der Strafkammer trat auch bei dem Ausgange einer zweitinstanzlichen Verhandlung zutage, welche vorige Woche in Stolp stattfand. Bekanntlich war die Stadt Bütow (Regierungsbezirk Köslin) der Schauplatz wüster Excesse gegen unsere Glaubensgenossen, welche ihre Ursache in der Erregung über die hiesigen Vorkommnisse hatten. Herr Kaufmann C a s p a r y hörte von einem Gerüchte, wonach ein Stadtrath und der Redacteur des „Bütower Anzeiger" einen Arbeiter durch allerlei Versprechungen zur Anzettelung der Excesse aufgestachelt haben sollten, und erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Es fanden Vernehmungen statt, welche aber zur Einstellung des Verfahrens führten. Nun klagten die bezeichneten Personen gegen C a s p a r y wegen Beleidigung, die in der Anzeige an den Staatsanwalt liegen sollte, und erzielten merkwürdigerweise beim Schöffengericht in Bütow eine Verurtheilung zu nicht weniger wie 850 Mark! Auf eingelegte Revision hat die Strafkammer in Stolp das Urtheil ausgehoben und Herrn C a s p a r y sreigesprochen. Petersburg. ^(J u d e n g es e tz e.) Nach Artikel 44 des Municipalgesetzes darf die Zahl der jüdischen Wähler nicht den zehnten Theil der Wähler überschreiten. Ein Dccret, welches in dem „Negierungsboten" veröffentlicht ist, erklärt, dass die Zahl der nichtchristlichen Wähler den fünften Theil der Gesammtzabl der Wähler im europäischen Russland und die Hälfte des Kaukasus erreichen kann. Wenn dieses Gesetz nicht angewandt werden kann, so kann eine Aenderung in dem Wahlmodus sich nur vollziehen durch einen Erlass des Ministers des Innern. Die »Rvwvje Wremja" kündigt an, dass die Negierung heschlossen habe, ein seit längerer Zeit in Borbereitung befindliches Pcoject noch nicht anznnehmen, welches die Fleischsteuer, die auf den Juden lastet, abschaffen sollte. Man motiviert den Negierungsbeschluss damit, dass die Abschaffung dieser Steuer einerseits die Hilfsquellen der Städte vermindern würde und andererseits die Organisationen der jüdischen Wohlthätigkeit beeinflussen würde, die bedeutende Summen für ihre Zwecke aufbringt. Man wird, um das Prostet zur Ausführung zu bringen, eine Generalreform abwarten.-Der Senat Nr. 20 hat soeben eine Anzahl Erlässe, betreffend die jüdischen Handwerker, veröffentlicht, die in die Listen außerhalb des Territoriums eingetragen zu werden wünschen. 1. Der jüdische Handwerker, der sich außerhalb des Territoriums niederlassen will, muss einen Erlaubnisschein und einen Befähigungsnachweis besitzen. 2. Diese Papiere müssen der Verwaltung vorgezeigt werden, in deren Ermangelung ans dem Polizeibnrean. 3. Er muss eine Prüfung darüber oblegen, dass er fähig ist, seiit Handwerk ausznüben. 4. Die Juden, welche ein Zeugnis haben, sind von der Prüfung befreit. 5. Wenn die Verwaltung Zweifel über die Echtheit der Zeugnisse hat, so muss sie sich mit der Verwaltung, die sie ausgestellt, iu Verbindung setzen, aber vorher darf sie nicht gegen den Handwerker Vorgehen. 0. Das Gesetz über die Zeugnisse ist nicht nur ans die anzuwenden, die ein in den Corporationsregisten specificiertes Hvndwerk ausüben, sondern auch auf alle jene, welche von sonstiger Handarbeit leben; daraus folgt z. B., dass die Juden, die in Kerzenfabriken arbeiten, das Recht haben, außerhalb des Territoriums zu wohnen, obgleich die Reglements der Corporation«: davon nichts erwähnen. 7. Die jüdischen Handwerker, die ein Dorf bewohnen, können nicht so angesehen werden, als ob sie ihre Gegend verließen, wenn sie des Broterwerbes wegen abwesend, sind, jedoch ihre Güter und Familien im Dorfe zurücklassen. Kopenhagen. (Hundertster Geburtstag des Oberrabbiners.) Der h u n d e r t st e Geburtstag unseres unvergesslichen Oberrabbiners Abraham Alexander Wolfs ist in pietätvoller Gedenkfeier seitens unserer Gemeinde begangen worden. Nachdem bereits am Sabbath Herr Rabbiner Dr. Goi teilt in meisterhafter Predigt die hervorragende Bedeutung des großen Todten und die unsterblichen Verdienste, welche seine mehr als sechzigjährige Wirksamkeit ausfnllten, gepriesen, wurde gestern beim Morgengottesdienste in der festlich erleuchteten Synagoge von Herrn Obercantor Simon das Fl mole racharnim-Gebet ergreifend recitiert. Die eigentliche Feier fand Sonntag im Anschlüsse an die Prüfung in der Religionsschule statt, wozu sich eine große Anzahl von Damen und Herren eingefunden hatten. Unter dem wvhlthuenden Eindrücke der ausgezeichneten Leistungen der Knaben und Mädchen, welche eine innige Vertrautheit mit allen Büchern der heiligen Schrift, mit biblischer Geschichte und Rrligionslehre offenbarten, betrat Herr Oberrabbtner S i m o n s e n das Katheder, um in nahezu einstündiger hinreißender Rede das Ereignis des Tages zu feiern. Nach einer kurzen Skizzieruitg des Lebensganges feines unvergesslichen Vorgängers schilderte Redner dessen vielseitige, auf allen Gebieten erfolggesegncte Wirksamkeit als Gelehrter und Rabbiner, um dann namentlich bei seinen Verdiensten um die von ihm begründete und mit beispielloser Hingebung geleitete Religionsschule zu verweilen, deren heute abermals zutage getretene Erfolge das Lob ihres Schöpfers preisen und verewigen. Solle die Anstalt-aber so schloss Herr.Oberradbiner S i m o n s e n seine eindrucksvollen Ausführungen, deren Wiedergabe den Raum eines Referats überschreiben würde — auf der Höhe ihrer Aufgabe bleiben und gesteigerten Anforderungen genügen können, so bedürfe sie des thätigen Interesses aller Gemeinde-Angehörigen. Möge ihr dasselbe nicht versagt bleiben, damit die Schule, wie sie mit Dank gegen Gott auf die Vergangenheit blicken könne, mit hoffnungsfreudiger Zuversicht auch der Zukunft entgegenfehen dürfe. Bukarest. (H i l f s a c t i o n e n.) Seit einem Monat durchreist der Delegierte der „Alliance israelile“ das Land, um die localen Institutionen zu inspicieren, besonders die Volksküchen. Bei Gelegenheit des Peßach-Fesies halte man für letztere den Credit vermehrt. Der Aufwand für den Monat April belief sich auf 50.000 Francs. Die „Alliance" richtet an alle bedeutenden Gemeinden folgenden Aufruf, um noch einige Monate lang die Unterstützung in dem Lande fortsetzen zu köunen: »In aller Welt Erinnerung libt noch der furchtbare Schrei ob des Elends in Rumänien im Frühjahr des Jahres 1900. Durch zwei schlechte Ernten ausgehungert, aller Rechte beraubt, bereitete sich eine Menge von 250.000 Inden Rumäniens vor, ihr Land zu verlassen, um sich eine neue Heimat zu suchen. Eine ungeheure Katastrophe war zu befürchten. Die bedeutendsten Vertreter des Jndenthums thaten sich zusammen, um die nothwendigen Schritte zu thun uub die verzweifelte Masse im Lande zurückzuhalten. Ungeheure Summen wurden aufgebracht und durch die „Alliancevertheilt. Man musste zehn Monate lang tausende der Familien, die aller Mittel bar, beköstigen und kleiden. Man schuf an 30 Volksküchen in allen Centren des Landes, die gratis an mehr als 40.000 Personen, Greise, Frauen wie Kinder, Nahrung lieferten. Die „Allianceselber verwandte 500.000 Francs in Rumänien zu diesem Zivecke. Sie hatte außerdem einen Kostenaufwand von 450.000 Francs zu tragen, um an 3000 Personen zu unterstützen, die nach Nord- und Südamerika answanderten. Sie wissen gewiss aus den Zeitungen, dass das Schicksal der rumänischen Israeliten sich keineswegs gebessert hat. Die politische und ökonomische Lage des Landes hat sich ehtr in den letzten Monaten noch verschlechtert. Es ist daher unniöglich, das UnterstützungSwerk abzubrechen, das wir in dem Lande organisiert. Doch sind die aufgebrachten Gelder alle erschöpft. Um das Unterstützungswerk jedoch fortsetzen zu können, wende» wir uns von neuem an die Wohlthätigkeit unserer Glaubensgenossen, rvir bitten, uns von neuem Hilfsmittel zukommen zu lassen, um tauseude von jüdischen Familien vor Hunger zu schützen. Hamadan, Persteu. (Unruhen.) Die „Allianceerhielt aus Hamadan folgenden, vom 7. Februar datierten Bericht: Ein Jude namens Joseph A h t a r erhielt von einer muselmanischen Frau ein Paket zur Aufbewahrung. Einige Tage später will sie ihr Paket zurückhvlen, öffnet es und klagt den Inden an, sie bestohlen zu haben, Sie beklagte sich bei einem Priester Hadji Mirza Hassan, der wegen seiner Böswilligkeit gegen die Juden bekannt ist. Der letztere schickte sein