Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 20 (17.5.1901)
- Date
- 1901-05-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 17. Mai 1901 Seite 3 Personen, die, aus solchen Ehen stammend, die Namen ihrer Mütter tragen mussten, die Durchführung der gesetzlichen Eheschließungen, beziehungsweise die Richtigstellung ihres Familiennamens zusicherte. Dafür ließ er sich zahlen und leistete — nichts. Das war ein gewöhnlicher Betrug. Aber dem B i b r i n g geschah nichts. Er ist Stanczyken -Agitator bei den Wahlen. Solche Leute sind in Galizien immun. Endlich aber wurde auch sein Maß voll. Im Interesse eines neuen Bethausvereines ließ er drei andere „Concurrenz"- Bethäuser sperren, indem er sie bei der Bezirkshauptmannschaft als sanitätswidrig denuncierte. Auf der Anzeige befand sich die Unterschrift des Cultuspräsidenten, die Bibring gefälscht hat. Das gab der Cultuspräsident bekannt, als sich die allgemeine Entrüstung gegen ihn kehrte, und Bibring kam auf die Anklagebank. Die Verhandlung, die vor einigen Wochen vor einem Erkenntnissenate in Stanislau stattgefunden hat, war sehr reich an interessanten Details. Die armen Opfer, die an der Gerichtsbarre erschienen, haben ein genaues Bild der Praktiken dieses Mannes entworfen, der sich aus ihren blutigen Kreuzern ein Vermögen von über 100.000 Kronen er—worben hat. Die Verhandlung endete damit, dass Bibring lediglich wegen Uebertretung des Betruges zu zwei Wochen Arrest verurtheilt wurde. . . * » ♦ Max Bibring bleibt jüdischer Gemeindebeamter und kann als reicher Mann der Zukunft sorgenlos entgegensehen; über Szulim Schwadron aber schwebt das Damoklesschwert der Vertreibung vdn Haus und Hof und vor ihm das Gespenst der Noth und Sorge. Vom Tage. Rechtsstaatszustände. In einem Dorfe bei Tarnow in Galizien ist am 2. Mai ein junges Mädchen von zwei Bauern ans dem Bette weg vor d?n Augen des Vaters entführt und einer Nonne übergeben worden, die in einem Wagen mit denl Mädchen davonfuhr. Die Behörde hat Nachforschungen angestellt, das Kind ist bis jetzt nicht aufgefunden worden. So unglaublich das Ganze klingt, es ist wahr, und ebenso wahr ist, dass sich in dem civilisicrten Europa keine sonderliche Aufregung ob der räuberischen Entführung zeigt. Es war ja nur ein Judenmädchen. Wäre das Mädchen eine Christin, wäre der Ritualmord sofort fertig, die „ganze civilisierte Welt" würde sich „entrüsten", und das „hohe Haus" wäre in Aufruhr. Unsere Volksvertreter aber — auch jene jüdischen Glaubens — erwärmen sich heutzutage nur mehr für Lehrermaßregelungen, soweit sie Christen betreffen, für deutsche Nachtwächter und allenfalls für Wiener Straßenzustände. Für galizische Juden sich in Oesterreich zu interessieren, ist nicht „salonfähig" — ebensowenig wie veraltete Ansichten über Gleichberechtigung aller Staatsbürger. Wenn man viel darüber spricht, wird man confisciert! * „Katholische" Spiegelfechterei. Wenn unser Thronfolger gewusst hätte, wozu sein Ausspruch gegenüber dem Vorstande des „Katholischen Schulvereines" benützt werden würde, er hätte sich es wahrscheinlich überlegt, ihn zu thun. Herr Dr. Lueger lässt es sich angelegen sein, den hohen Herrn als Aushängeschild für seine politischen Umtriebe zu benützen. In jeder Versammlung der christlichsocialen Spießer bildet der Name des Erzherzogs den Deckmantel für Herrn Luegers selbständige Agitationen, jedes alte Weib fast wird dazu benützt, dem Erzherzog die Freude über seine Zugehörigkeit zum katholischen Volke zu bekunden. Das vom geistigen Joche, das sie bereits Jahrhunderte drückt. Er möchte seinen Glaubensbrüdern mittelst Aufklärung und Wissens die Augen aufreißen und so von dem Vorhandensein einer Civilisation und Cultur, die Gemeingut der gesammten Menschheit zu sein bestimmt ist, zu überzeugen. Den Schleier will er lüften und ihnen den Zeitgeist zeigen. Er möchte die geistigen Ghettomauern niederreißen, die der Rabbinismus und Chassidismus um seine Brüder aufgerichtet haben. Er möchte belehren, reformieren, er möchte . . . Aber um dieses zu vermögen, weiß er, muss er selbst genügend mit mannigfaltigen Lehrmitteln versehen sein. Er muss gelehrt sein, um andere unterrichten zu können, und um die Thor-' heit zu bekämpfen — weise. Die Triebfeder fehlt ihm nicht: der angeborene Wissensdrang. Er stürmt hinaus in das Leben voll Suchen und Streben, in das Leben voll Wirken und Schaffen. Er verlässt die Seinen, um unter andere Leute zu kommen und eine andere Lebensweise kennen zn lernen. Er will Welt- und Menschenkenntnisse erlangen, um zu erfahren, wie er seine Glaubensgenossen bilden und umformen könne. Da erwacht für ihn die Zeit der Enttäuschung. Was von der Ferne ihm entgegenstrahlte, verliert in der nächsten Nähe seinen bezaubernden Glanz; was ihm von der Ferne eine Sonne däuchte, ist ihm in der Nähe ein bindendes Irrlicht. Was ihn früher schwärmen machte, macht ihn jetzt stumpfsinnig und pessimistisch. Der Gegenstand seiner heißesten Liebe verliert mit einemmale jeden Reiz für ihn. Seine Liebesgöttin ist wieder zum Schaume worden . . . Er glaubte in der großen Welt, die mit ihrer Civilisation prunkt, Menschen vergöttert zu finden, und er findet Menschen — verth i er t. Ersieht, dass die Civilisation bloß ein Schlagwort ist für moderne Sünden . . . Er zerstörte sich eine Existenz, ohne eine andere vorher sich gesichert zu haben. Er opferte ein Leben, sei es ein ruhiges Schweineleben, ohne ein anderes dafür einzutauschen. Einsam ist er in der großen Welt, niemand kümmert sich um ihn, niemand will ihm helfend und rathend an die Hand gehen . . . einsam und verlassen . . . ein Robinson Crusoö mitten in der großen, bevölkerten, civilisierten Welt . . . ein verhungernder Araber mitten in einer Welt voll Reichthum, Milde und Munificenz . . . er taucht unter und geht zugrunde im Strome der civilisierten Menschheit. T a r n o p o l. S a m u e l M e i s e l s. muss für einen Sprossen der Habsburger ekelerregend sein. Die Habsburger waren seit jeher gute Katholiken, und wenn sich ein Sprosse des erlauchten Hauses freimüthig und offen für den Katholicismus ausspricht, so ist das nur selbstverständlich und begreiflich. Schwerlich aber ist anzunehmen, dass der Erzherzog seine Worte, die jedenfalls als eine Abwehr antikatholischer Agitationen aufzufassen sind, den christlich-socialen Hetzern als Agitationsmittel zur Verfügung stellen wollte. Die Habsburger waren seit jeher tolerant und Schützer aller Confessionen, so wie jeder echte Katholik tolerant ist; Toleranz aber ist bei den Herren Lueger-Gregorig-Schneider nicht zu finden. Ein Erzherzog von Oesterreich, der Thronfolger des Reiches, ist ein guter Katholik, niemals aber ein Anhänger christlich-socialer Heilslehren. Es ist deshalb ein nichtswürdiger Missbrauch, der von Lueger und Consorten mit dem Worte des Thronfolgers getrieben wird, und es ist nicht daran zu zweifeln, dass man solch einen Missbrauch nicht länger dulden wird. Man kann das Treiben der Herren Wolf- Schönerer missbilligen, ohne mit den Herren von Wien einverstanden zu sein, und von diesem Standpunkte aus ist gewiss der Ausspruch des Thronfolgers anfzufassen. Die eklige Kleberei des Herrn Dr. Lueger wird wohl alsbald ihre gebärende Abfertigung erfahren. # Der Jrrd' beim Zahlen. „Hochwohlgeboren" heißt er da, wo er sonst mit ganz anderen Namen bedacht wird; selbst bei den höchsten und noch höheren Herrschaften, die sonst den Juden nur als unangenehmes, aber manchmal nothwendiges Nebel gelten lassen. Bor uns liegt ein Schreiben, gezeichnet vom Fürsten Clary und Aldringen, das zum Beitritte zum Kaiser-Jubiläums-Kirchenbau auffordert; in den einladendsten Worten wird da zum Beitritte aufgefordert; man denke nur an beit Unsinn: Juden sollen zum Kirchenbau beitragen, in welchem dann, wenn er fertig ist, ein P. Abel oder Dietrich zum Kreuzzuge gegen die Juden auffordert. Mit gerechtem Unwillen übersendet ein Freund unseres Blattes uns den Brief; wie tief muss man den Juden verachten, wenn man ihm zumuthet, für Kirchenbau Geld berzugeben, während die eigenen Gotteshäuser in Wirtshäusern und in schmutzigen Winkeln untergebracht sind. Der Brief ist eine Schablone, er geht zu tausenden in die Menge; die Absender übernehmen keine Verantwortung dafür, in wessen Hände er fällt. Wenn Juden ebenfalls beitreten, was schadet's, auch ihr Geld riecht nicht, wie das Herr Schneider behauptet; das Monumentalwerk entsteht zur höheren Ehre Gottes, und übereifrige Diener der Kirche kreuzigen darin täglich jene, die mitgeholfen haben, den Bau zu errichten. Zum Glücke ist der Jude doch schon etwas klüger geworden; er drängt sein Geld nicht mehr auf. Das „Hochwohlgeboren" zieht nicht mehr und auch nicht die Hochwohlgeborenen. Kein Kreuzer für solche Zwecke; der Jude schändet sich selbst, wenn er da gibt 1 * Die Wahl in der Josefstadt. Der „Rückgang der christlich-socialen Bewegung", den unsere „Liberalen" so hartnäckig verkünden, hat sich in der vorgestrigen Wahl eines Abgeordneten für die Josefstadt in hellem Lichte gezeigt: Für den christlich-socialen Candidaten wurden um einige Stimmen mehr abgegeben, als bei der früheren Wahl, während es die liberalen und deutschnationaten und socialdemokratischen Candidaten auf kaum nennenswerte Minoritäten brachten. Das ist ja eben das Merkwürdige an der christlich-socialen Bewegung, dass sie nur immer in den tobten Versammlungen der Herren Vogler und Coniorten todtgeredet wird; solch ein Todtgesagter lebt eben gewöhnlich doppelt so lange als ein anderer Sterblicher, und dem p. t. Liberalismus wird längst kein Zahn mehr weh thun, wenn das christlich-sociale Spießerthnm noch ruhig und heiter fortwnrstel» wird. Zum Glücke glauben die Inden den Predigten der Liberalen nicht mehr; die Inden der Josefstadt sind am Mittwoch schön zuhause geblieben . . . Der „Jüdische Volksverein" an der Arbeit. Conftitnierende General-Versammlung des „Jüdischen Bolksvereins in Prossnitz". Prossnitz, am 16 Mai 1001. Der 16. Mai bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte der Prossnitzer Juden. An diesem Tage ist, dank der kräftigen, nachdrücklichen Hilfe des „Jüdischen Volksvereins" in Wien ein „Jüdischer Volksverein" in Prossnitz erstanden, welcher die Aufgabe übernimmt, die vielfach bedrohten wirtschaftlichen und politischen Rechte der hiesigen Judenschaft zu schützen und die Interessen derselben, wenn es gilt, auch gegenüber ihren Freunden wahrzunehmeu. Damit ist die Zeit der politischen Entmündigung der hiesigen Juden vorbei. Fortab haben sie ein Organ, welches das Ziel und den Weg zu zeigen, berufen und stark genug ist, um auch hier, wo so viele Meinungen im engen Raume Zusammenstößen, gehört zu werden. Schon auf den ersten Aufruf traten dem Vereine nahezu hundert Mitglieder bei. Am gestrigen Abend hat sich die Zahl derselben verdoppelt. Die Wiener Gastreduer, die Herren Richard Rappaport und Dr. Carl L i f c z i s, dürfen mit der Aufnahme, die sie bei uns gesunden haben, vollauf zufrieden sein. Auf das beifälligste begrüßt, wurden sie während ihrer begeisternden und dabei logisch zwingenden Ausführungen ein- und das anderemal von langanhaltendem Jubel unterbrochen uud waren am Schluffe Gegenstand stürmischer Ovarionen, an denen sich ausnahmslos alle Anwesenden betheiligten. Ihnen gebürt das große Verdienst, den ersten Schritt unseres jungen Vereines zu einem so wirkungsvollen gemacht zu haben. Mit herzlicher Anerkennung sei auch der warmen Segensworte gedacht, welche unser ausgezeichneter geistlicher Führer Herr Dr. Goldschmied dem Vereine mit auf den Weg gab. Lob und Dank seitens der hiesigen Judenschaft verdienen aber im besonderen die Proponenten des „Jüdischen Volksvereins in Prossnitz", welche in wenigen Wochen eine ungeheure Arbeit zu leisten hatten und unter denen die Herren Doctor Heinrich L a s u s und Alfred Freiberger namentlich hervorgehoben werden müssen. Der Verlauf der constituierenden Versammlung, an welcherdie verdientesten Bürger unserer Stadt theilnahmen, mag ihnen den Beweis liefern, welchen Anklang das von ihnen geschaffene Werk gefunden. Der Ausschuss des neuen Vereines besteht aus erprobten Männern, welche zu wiederholtenmalen bekundet haben, dass sie sich eins wissen mit den Armen und Bedrängten ihres Volkes. Möge der „Jüdische Volksverein" den hohen Aufgaben, die er sich gesetzt hat, gerecht werden; möge er in Zeiten des Friedens dazu beitragen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter uns zu heben uud zu pflegen, möge er aber in mächtiger Weise in die Bahn treten, wenn eS in der Zeit des Kampfes gilt, politisch oder wirtschaftlich unsere Judenschaft oder einzelne Mitglieder derselben zu schützen. So wachse und blühe denn der „Jüdische Volksverein in Prossnitz", der Judenschaft zur Wehre und zur Ehre immerdar! Ein ausführlicher Bericht über den Verlauf der Versammlung folgt in der nächsten Nummer. A. Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Die Gotteshäuser und unsere Jugend.) Wenn wir in der gegenwärtigen Aera der politischen und socialen Kämpfe, mitten im Gewühls der reactionären Strömung das Bedürfnis empfinden, uns zrr renegieren, und mit einer gewissen Begeisterung an die Gründung jüdischer Vereine und religiöser Institutionen schreiten, so mag dies allerdings als günstiges Zeichen, als ein Symptom unseres wiedererwachren nationalen Selbstbewusstseins hingestellt werden, allein bedauerlich ist es, wenn diese Schöpfungen, die so edlen Inspirationen entsprungen, in gewisser Hinsicht als überflüssig sich erweisen und kaum oder fast gar nicht ihren Intentionen entsprechen. So sind in letzterer Zeit speciell in Wien, der im Schaffen und Fördern gemeinnütziger Jnstituionen so werkthätigen Muttergememde des Reiches, eine ganze Serie von Gotteshäusern, beziehungsweise Vereinssynagogen erstanden und der allgemeinen Benützung übergeben worden, von denen so manch eine ob ihrer herrlichen Bauart und Ausstattung mit zu den Kunstobjeeten und Sehenswürdigkeiten zählt, deren die Stadt so viele aufzuweisen hat. Es ist dies, wie gesagt, immerhin ein Lichtpunkt, eine unverkennbar große Errungenschaft in unserer so düsteren und tiefernsten Zeit, allein fragen wir uns einmal: von wem sollen denn diese schmucken Gotteshäuser dereinst, wenn wir unsere Lebensarbeit vollendet und der gottesdienstlichen Pflicht für immer enthoben sein werden, frequentiert, verwaltet und geleitet werden? Etwa von unserer Nachkommenschaft, von unserer heutigen Jugend? Die Antwort wird, wenn wir offen und ehrlich sein und uns keinen Illusionen hingeben wollen,- leider im negativen Sinne aussallen. Denn wenn es auch unserer die Schule besuchenden Jugend an Zeit mangelt, regelmäßig dem Gottesdienste in den Tempeln und Pet« Häusern anzuwohncn, so sollte sie doch zumindest an schulfreien Tagen und in schttlfreien Stunden, beispielsweise an den Vorabenden der Sabbath- und Festtage, und bei anderen Anlässen seitens der Eltern zur Andacht ins Gotteshaus herangezogen werden. Ist dies aber der Fall? Müssen wir nichts io oft wir bei gottesdienstlichen Gelegenheiten in die heiligen Hallen treten und Umschau hallen, nicht die traurige Wahrnehmung machen, dass die Jugend unter der großen Beterschar fast gar nicht oder in einem verhältnismäßig sehr geringen Percenlsatz vertreten ist. Ja, du lieber Gott! Wo sollen denn diese zarten Kleinen, die ja ohnehin infolge des herrschenden Jndifferentismus nur über eine sehr bescheidene Dosis religiösen Empfindens verfügen, dereinst, wenn sie den Kinderschuhen entwachsen, urtheilsfähig und selbstständig geworden, Verständnis, Liebe und Begeisterung für den öffenllichen Gottesdienst hernehmen? Wohl ist seitens des Cultusvorstandes bereits seit Jahren die gewiss sehr anerkennenswerte Verfügung getroffen, dass an Sabbathen in den Gemeindetempeln und gewissen Belhäusern ein Gottesdienst eigens für die Jugend improvisiert wird, allein so weihevoll und erhebend diese Andachtsübungen auch sein mögen, so bilden sie doch nur einen kleinen Theil, gleichsam ein Miniaturstück deS großen, umfangreichen Gesammtgottesdienstes, welcher der Jugend pflichtgemäß, und nicht in letzter Reihe seitens der Eltern sowohl im Hause, im engen Familienkreise, als auch im Gotleshause bei öffentlichen Andachten veranschaulicht und zueigen gemacht werden soll. Und darum, Ihr guten, zärtlichen Vater und Mütter, wollet Ihr nicht, dass die Gotteshäuser dereinst den Vorwurf gegen Euch erheben: Jeffaumim hojinu, wenn wir so verwaist und leer dastehen, so seid Ihr schuld daran; w'en aw, weil ihr Euren Kindern keine pflichtgetreuen Eltern ward; wollet Ihr in Wirklichkeit der hehren Pflicht der religiösen Erziehung gegenüber Euren Söhnen und Töchtern gerecht werden, dann wälzet diese Pflicht nicht aus anderer Schulter"., sondern legt selber Hand ans Werk. Sprechet zu den zarten Sprösslingen in der tiefen Herzenssprache, in der einst der große Psalmist zu uns gesprochen: Bes Adonai nelech, kommet, Kinder, wir wollen miteinander eines Weges und eines Sinnes ins Gotteshaus gehen, dort für Gott und Religion fühlen und empfinden, für die Ideale des Lebens begreifen und begeistern zu lernen. Haben wir es einmal dahin gebracht, dass das Gotteshaus die Stätte sein wird, wo Bachurim ubsulaus, Sekenim unorim jehallelu es schein Adonai, Jünglinge und Jungfrauen, Jung und Alt lobpreisen wird den Namen des Ewigen, dann wird auch die Zeit Heranbrechen, von der es heißt: Wajorem Keren leamau, sie wird glückverheißend für Israel sein und ihm Frieden und den göttlichen Segen bringen. D. S k u t e z k y. Wien. (Verein zur Hebung der G e w e r b e.) Dieser aus seiner regen wirtschaftlichen Thätigkeit bekannte Verein hielt Samstag, den 27. v. M. in Khuners Saallocalnüten feine XI. ordentliche Generalversammlung ab. Trotz der hohen Temperatur