Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 20 (17.5.1901)
- Date
- 1901-05-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 17. Mai 1901 Nr. 20 von detaillierten Programmen wertlos, so lange haben auch die jüdischen Volksmassen keinerlei Aussicht auf die Realisierung auch nur ihrer bescheidensten wirtschaftlichen Forderungen, und bilden nur Kanonenfutter für die um die Herrschaft kämpfenden parlamentarischen Parteien Oesterreichs. Daraus folgert aber keineswegs für uns, dass wir, weil die Staatslenker und Gesetzgeber nichts für uns thun, auch selbst die Hände in den Schoß legen sollen. Je aussichtsloser die Staatshilfe ist, umsomehr müssen unsere jüdischen Volksgenossen in ganz Oesterreich zur Selbsthilfe schreiten. Die geistige Aufklärung in Stadt und Land muss Hand in Hand gehen mit der wirtschaftlichen Organisation aller producierenden Stände. Eine wirtschaftliche Organisation, die nicht erfüllt ist von modernem socialem Geiste, ist ebenso wertlos, wie die Propaganda der richtigsten Grundsätze, die nicht verwirklicht werden können, weil deren Repräsentanten und Anhänger einer kraftvollen Organisation entbehren. Wo die Juden in compacten Massen wohnen, ist es nun ihre Pflicht, solche national-sociale Organisationen ins Leben zu rufen, die auf Basis der Selb sitz i l f e sich aufbauen. Wo sie eine Minorität bilden, ist es für sie eine Frage der Selbsterhaltung, an politisch-national und confessionellneutrale W i r t s ch a f t s organisationen sich anzuschließen oder an der Neutralisierung derselben.mitzuwirken. -i- * * So wie wir für den jüdischen Gewe rbestand auf die Nothwendigkeit politisch-neutraler, rein wirtschaftlicher Gewerbe genossen schäften hingewiesen haben als die Vorbedingung einer radicalen Gewerberesorm, ebenso muss die jüdische Arbeiterschaft die Neutralisierung der Gewerkschaften erstreben als eine der obersten Vorbedingungen des Gedeihens der Gewerkschaften und des Ausbaues des Arbeiterschutzes. Die von uns in dem ersten Artikel bezeichneten wesentlichsten Forderungen der jüdischen Handelsangestellten und Arbeiter, als: Verkürzung der Arbeitszeit, Minima l-A r b e i t s l o h u, S t e l l e n v e r m i t t l u n g, Arbeitslosen-, Kranken-, Alters- und Invaliditäts- Versicherung, haben zur wesentlichsten Voraussetzung eine groß angelegte, auf breitester national-socialer Basis ruhende Organisation. Diese Wirtschafts-Organisationen sind umso dringender, wenn man sie nicht nur als Mittel zur Erreichung der früher erwähnten Einzelreformen, sondern als Brücke des heutigen Wirtschaftsystems zu einer höheren, die individuelle Freiheit und sociale Gerechtigkeit realisierenden Wirtschaftsordnung ansieht. In diesem Sinne schreibt überaus treffend unser Volksgenosse Eduard Bernstein in seinem Nachworte zur Geschichte des britischen Trade Unionismus von Sidney und Beatrice Webb Folgendes: „Man braucht kein Manchestermann oder Anarchist, kein Gegner der Anrufung oder Benützung des Staates zu sein, um es für wenig wünschenswert zu halten, dass sich die Arbeiter daran gewöhnen, alle Hilfe und Verbesserung vom Staate, von obenher zu erwarten. Wer sich nicht einem Glauben an zukünftige Wunder ergibt, der Vorstellung, dass man in jedem Augenblicke des Bedarfes leistungsfähige Gebilde aus dem Boden stampfen kann, wird in der Gewerkschaft nicht nur eine Vorschule weitgehendster demokratischer Selbstverwaltung begrüßen, sondern auch einen wirklichen H e b e l der erstrebten wirtschaftlichen U m g e st a l t u n g. Der Satz, dass die Em.-ncipation der Arbeiterclaff'e das Werk dieser selbst sein muss, hat eine weitere Bedeutung, als bloß die Eroberung der Staatsgewalt durch die Arbeiter." Diese Worte Bernsteins an die Gesammtheit des Proletariats müssen besonders die jüdischen Proletarier berücksichtigen. Wir müssen verwerfen eine Wirtschaftspolitik, die olles vom Staate und von den parlamentarischen Parteien erwartet, wir müssen aber auch eine einseitige Classenpolitik perhorrescieren, die einen Keil hineintreibt zwischen die einzelnen arbeitenden Berufsstände, weil wir eine solche für unvereinbar halten mit den Lebensiuteressen unseres jüdischen Volkes. Seine sociale Structur, auf die wir iu unserem ersten Artikel hingewiesen haben, schließt vollkommen ebenso eine capitalistische Bourgeoisie-Politik, wie eine solche sociale Politik aus, die au' dem Dogma der unvermeidlichen Proletarisierung des Mittelstandes basiert. Darum muss die nationale Bethätigung der Juden, soll sie den lebendigen Bedürfnissen des jüdischen Volkes und den Ansprüchen der Zeit entsprechen, nicht nur in erster Linie eine sociale sein, sondern sie muss, um sich auf die Massen unseres Volkes stützen zu können, allen producierenden Ständen in wirtschaftlicher Hinsicht in der weitgehendsten Weise Genüge leisten. Den positiven Anfang hat, wie bereits erwähnt, der „Jüdische V ol ksv er e i n" mit dem „Creditinstitute für jüdische Gewerbetreibende und Beamte" gemacht, durch welches den Mitgliedern entsprechende, leicht rückzahlbare Darlehen zur Förderung ihres Erwerbes oder zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage zugänglich gemacht werden. Diese Zugänglichmachung des Credites ist das svesentlichste Mittel zur Emancipation des Kleingewerbes aus den Fesseln des Capitalismus und ermöglicht dem Kleingewerbe im weltbewegenden Culturkampfe der besitzlosen Arbeit gegen den arbeitslosen Besitz die ihm gebärende Stelle einzunehmen. — Jedoch auch alle anderen bedrückten und ausgebeuteten arbeitenden Volksgenossen, ohne Unterschied des Standes, mögen unserer thatkräftigen Unterstützung versichert sein. So wie der „I ü d i s ch e V o l k s v e r e i n" ein Bureau eingerichtet hat, um jedem österreichischen Juden in Wien sein Heimatsrecht zu erwerben, so wird es auch iu Zukunft seine Aufgabe sein, dahin zu wirken, dass die österreichischen Juden nicht als Oesterreicher zweiter und dritter Classe behandelt werden. Oe st erreich muss das werden, was seine historische Mission ist: Ein Verband gleichberechtigter Nationen, Confessioneu und Classen. Dr. H. K. Sznlim Schwadron und Max Bidring. Von Dr. S. R. Landau. II. Szulim Schwadron hat sornit Geldstrafen in der Höhe von über 800 Kr. zugunsten der Heiligen Kartschma, respective des Propinationsfondzu erlegen.' Und gegen die Entscheidungen der Lemberger Statthalterei gibt es kein weiteres Rechtsmittel, denn diePropination ist einegalizische Familienangelegenheit. Da Schwadron, der ohnehin durch die neunmonatliche als ungesetzlich anerkannte Geschaftssperre ruiniert ist, diesen Betrag nicht zu erschwingen vermag, so steht er vor der Gefahr, dass ihm sein kleines Häuschen verkauft wird und ihm nur noch höchstens der Bettelstab übrig bleibt. In dieser Situation wandte sich Schwadron nicht an die „Israelitische Allianz" und auch nicht an den unter Ausschluss der Oeffentlichkeit amtierenden, den marktschreierischen Titel „Allgemeiner Israelitischer Bund" tragenden Verein — da die Nachricht von der vvlksbeglückenden Thätigkeit dieser beiden Vereine wohl noch nicht nach Zbvröw gedrungen ist; Schwadron bat vielmehr um Schutz den Reichsraths- Abgeordneten Breiter, der in vier Interpellationen an den Ministerpräsidenten die Praktiken des Herrn Roder beleuchtet und dessen Organ „Monitor" bisher ganz und allein den Fall Schwadron-Roder in die Oeffentlichkeit gebracht hat, wobei es sogar vou dem um die Reputation des Herrn Roder besorgten Lemberger Staatsanwalte jüngst eonfisciert wurde. Ueber den Rath Breiters begab sich Schwadron nach Wien, um hier im Ministerium des Innern um Intervention zu bitten. In Wien handelte es sich in erster Reihe darum, dem Ministerpräsidenten den ganzen Sachverhalt genau darzulegen. Dies geschah mittelst eines ausführlichen Memorandums, das vom Schreiber dieses verfasst nnd vom Abgeordneten Breiter dem Ministerpräsidenten am 26. April d. I. persönlich überreicht wurde. Um jedoch dem Ministerium des Innern auch eine formelle Handhabe zum Einschreiten zu geben, verfasste Schreiber dieses ein Gnadengesuch an das Ministerium, worin um Nachsicht der Strafen auf Grund neuer Erfahrungen und — was weit richtiger war — um sofortige Sistierung des Vollzuges der rechtskräftigen Straferkenntnisse gebeten wurde. Dieses Gesuch hätte Schwadron dem Ministerpräsidtzuten persönlich übergeben sollen. Da der Ministerpräsident infolge dringender politischer Conferenzen verhindert war, Schwadron zu empfangen, übernahm der Vorstand des Präsidialbureaus, Herr von B l e y l e b e n, das Gesuch und versprach in außerordentlich liebenswürdiger Weise dessen sofortige Erledigung. Schw adron reiste beruhigt nachhause. .. Einige Tage später, am 6. d. M., erhielt Schreiber dieses ein Telegramm von Schwadron, mit der Bitte um dringende Intervention im Ministerium, da Herr Roder, der schon den Augenblick nicht abwarten kann, um Schwadron mit Schub aus Zborow abzuschaffen, sein Mobilar exeqnieren ließ. Ich begab mich sofort zu Herrn von Bleyleben, der.darüber höchst erstaunt war, da der Auftrag zur Sistierung bereits am 30. April an die Statthalterei nach Lemberg abgegangen war. Er erklärte sich sofort bereit, den Sistierungsauftrag telegraphisch zu wiederholen. Nun heißt es warten, was da kommt. Hoffentlich haben die Organe des Herrn von P i ü i n s k i, der sich als galizischer Viceköuig geberdet, den telegraphischen Auftrag etwas ernster genommen, und ist auch der Präsidialchef des Herrn von P i n i n s k i und Protector Roder, Statthaltereirath Mautner, endlich zu Einsicht gelangt, dass die oberste Verwaltungsbehörde trotz aller Vertuschungsversuche den Wert der Dienste seines Proteges für die Bewohner Zloczows und Umgebung zu erkennen beginnt. Ob Herr von Koer ber den Muth haben wird, den Roder davonzujagen, wird sich zeigen; dass er es schon seit langem verdient, weiß Herr von Koerber selbst sehr gut. So lange dies aber nicht geschieht, stehen dem Szulim Schwadron noch schwere Stunden bevor und wird er seinen ichweren Kampf gegen Vergewaltigung fortsetzen müssen. In diesem Kampfe wird Schwadron weder von der polnischen, noch von der jüdischen Presse unterstützt, und doch erlahmt seine seltene Energie nicht, die wir bei so mancher unserer Größen.vermissen. Trotzig,, hartnächg und mit einem Rückgrat wie aus Erz steht dieser Greis da — ein seltenes Schauspiel in jenem Lande, wo sich alles beugt, wo alles kriecht und winselt, wo vor dem leisesten Winke des Bezirkshauplmannes jüdische Millionäre, Cultusvorsteher, Handelskammer-Präsidenten in den Staub sinken . . . * * * In einem solchen Milieu gedeihen eben nur vorzüglich Existenzen wie Max B i b r i n g. Wer ist Max B i b r i u g'? Seinem bürgerlichen Berufe nach ist er Matrikelführer der jüdischen Cultusgemeinde in Stauislau. Doch dieser bescheidene Wirkungskreis hat den Mann nicht befriedigt. Wo alles raubt und wuchert, fälscht und presst, kann diese Sorte nicht im Hintergründe bleiben. Der Secretär des Stanislauer Kahals, dessen Macher sich durch ihre Wahlurne mit dem doppelten Boden ein besonderes Blatt im Verbrecheralbum gesichert haben, wurde zum Vampyr der armen jüdischen Bevölkerung. Seine Specialität bestand darin, dass er den armen Ehepaaren, die nur rituell verheiratet waren und den Der galizisch-jüdische Autodidakt. Bedauernswert ist der galizisch-jüdische wissbegierige Jüngling, der eigenmächtig genug vom dunklen, sein Milieu umgebenden Schleier der Unwissenheit sich loszumachen strebt. Es »st jener Jüngling gemeint, den man in den Achtzigerjahren häufiger und in kleine,en Städten Galiziens wohl noch heutzutage sindet, der, trotz des heftigen Widerstandes seiner Eltern und trotz der ihm von denselben in wohlwollendster Absicht in den Weg gelegten Hindernisse und Hemmnisse, den modernen Wissenschaslen mit besonderem Fleiße und Eifer obliegt und, das schwerbelastende drückende Joch veralteter unzeitgemäßer Traditionen gewaltsam abschüttelnd, dem Zeilgeiste sich anpasst und seinem Windzüge folgt. Ja er ist bedauerns- und beklagenswert, er verdient unser Mitgefühl und unser Mitleid. Das Kosten vom Baume der Erkenntnis kommt ihm schwer an, er muss dafür unsäglich leiden und die Dornenkrone der Duldung tragen. Er muss es beinahe mit dem Leben büßen. Gleich dein Adam ist ihm der Genuss der Frucht des Erkenntnisbaumes verboten. Ist er muihwillig und reckt die Hand nach der Frucht aus, so bricht er selbst über sich den Stab. Dieser Ungehorsam gegen seine Eltern rächt sich schwer an ihm. In den meisten Fällen gehören seine Eltern jener verirrten, den Stempel des Golus an sich tragenden, chassidisch-aberglänbischen Seele an, die, im blinden Fanatismus befangen, in den modernen Wissenschaften den dem Judenthume abholden Satan erblicken, welche die sogenannten profanen Lehren als die schädlichsten Verderbungstheorien betrachten.Wie demfanatischen Mohammedaner der Koran, so gilt ihnen der Talmud allein als unerschöpflicher Born göttlicher Weisheit nnd der Schulchan-Arnch als ein Werk vollkommensten Wissens. Nach ihrem Wunsche sollte ihr Sohn sich ausschließlich dem Studium dieser Werke widmen und darin seinen Wissensdurst stillen. Allein der Jüngling ist ganz anderer Ansicht und Meinungen- Der Talmud, dcm er seine schönste Jugendzeit geopfert, bei dessen Folianten er in den besten Jahren seines Lebens hockte und schier sein Rückgrat verkrümmte, kann ihm nicht mehr das bieten, wonach er so wissbegierig verlangt. Der Talmud ist nicht inehr imstande. seinen Wissensdrang zu befriedigen. Es wälzen sich in seinein aufgeweckten Gehirne Fragen und Zweifel, aus die der Talmud ihm keineswegs Aufschluss geben kann. Er hat sich bereits ein ganz anderes, bei weiten höheres, weit umfassenderes Ziel, gesetzt: Streben nach Weisheit. Mitten in der fanatischen Finsternis ist ihm ein Licht, das Licht der Civilisation, aufgedämmert und er möchte hinaus, hinaus aus den geistigen Fesseln, und zu diesem Lichte sich emporschwingen. Er fühlt mit einemmale, dass er ob dem Juden bei» Menschen vergessen. Er will Mensch werden, ein vollkommener, gesitteter, civilisierter Mensch, ein nützliches Mitglied der Gesellschaft. Er will zugunsten des Menschen in gewissen Hinsichten auf den Juden verzichten. Er bricht mit der Tradition, weil sie seinen Aufschwung hemmt, und tritt dadurch mit seinen Eltern in Conflict und mit der in seiner Umgebung sich befindenden Judenheit. Er wird von vielen Seiten angeseindet, gehasst und verfolgt, und von Seiten der Eltern hat er die schwierigsten Hemmnisse und Hindernisse zu überwinden.Die chassidim, des Städtchens „tanzende Derwische", rotten sich wider ihn zusammen, verfolgen seine Spuren, um ihn auf frischer That, ein profanes Buch lesend, zu erwischen und dann seine Bosheit und Gottlosigkeit mit chassidischen Prügeleien und Nadelstichen zu strafen. Und vom Vater kriegt er nicht einmal handgreifliche Rügen. Allein er ist ihnen nicht böse, hasst sie nicht darob, denn er weiß, dass sie im Finstern wandeln und von ihren Handlungen keine Rechenschaft sich abzngvben wissen. Er weiß sie thun es nicht ans Bosheit, nur ans Fanatismus, einaeimpstem Aberglauben. Er bedauert sie bloß und sie erregen sein Mitleid. Aber nicht selten, wenn die chassidischen Hetzereien zu weit getrieben werden, wird er ihr persönlicher Feind und eifert gegen sie in jeder passenden und unpassenden Form. Durch die Stadelstiche in der Klause und die -Ohrfeigen zuhause wird der galizisch-jüdische Autodidakt auf eine sonderbare Bahn gebracht. Er wird zürn Heuchler, zum Scheinheiligen. Er wird zum Schauspieler und spielt Maskerade. Er spielt äußerlich den Conservativen und möchte doch an allem rütteln und die äußerste Reform anstreben, hält auf die Tradition, die er innerlich bekämpft, übt alle Eeremonien, die er als tölpelhaft und unzeitgemäß betrachtet. Auch das Studieren geschieht meistentheils im Verborgenen, m Geheimen: in einer finstern Kammer, auf dem Dachboden oder hinterm Ofen in der Klause. Der dunkelste Schlupfwinkel wird herausgesucht, um der fanatischen Menge unsichtbar zu werden. Er handelt äußerlich ihrem Wunsche gemäß, lernt den Talmud, studiert den Schulchan-Aruch, innerlich aber nährt er heimlich effre Pflanze eines anderen Wollend und Begehrens und läuft auf ein ganz anderes Ziel hinaus: er studiert europäische Sprachen, liest Bernsteins naturwissenschaftliche Volksbücher, und Schiller ist sein Busenfreund. Aber „nichts ist so fein gesponnen, es muss doch einmal ans Licht der Sonnen". Nicht lange ist er imstande, seine Studien im Verborgenen zu betreiben und den ihn verfolgenden Späheraugen zu entgehen. Wird er einmal ertappt, dann — wehe ihm! Er wird schwer gezüchtigt und unablässig verfolgt. Schon das Versteckenspiel, das er mit seinein Studium getrieben, lässt die That noch sündhafter und gottloser erscheinen. Sticht ungestraft darf er seines Weges gehen. Vom Wahn trunkene Männer bedecken ihn mit Schmach und Schande,, und er ist den äußersten Verfolgungen ausgesetzt. Er wird beim Vater denunciert, der ihn ob einer Abtrünnigkeit grausam bestraft. Allmählich entspinilt sich zwischen Vater und Sohn eine Disharmonie, die aus die kindliche Pietät und väterliche Liebe die 'chlechteste Wirkung ausübt. Der Vater erblickt in ihm einen boshaften, ungehorsamen, abtrünnigen Sohn, dieser im Vater einen Finsterling, vom Fanatismus Geblendeten, der die Pforten des Lissens ihm verrainmeln möchte, >vo es ihm vielmehr Pflicht sein 'ollte, selbst den Eingang ihm zu zeigen. Im Herzen des wissbegierigen Jünglings geht eine rührende Wandlung vpr. An Stelle des Gehorsams tritt Ungehorsam, der Aufrichtigkeit geheime Tücke, der kindlichen Liebe — Egoismus., So muss das Gute durch manche' Ausartungen seinen Weg nehmen. Von der obscnren Menge als ein Atheist, Gottesleugner verschrieen, vou den Eltern als verlorener Sohn, als Schmach des Vaters und Schmerz der Mutter angesehen, von jedermann gemieden und vom niedrigsten Klausbuben angespuckc und mit Stadelstichen tractiert — wird ihm der Ort verhasst, auf dem er den ersten Lebensgang aen»acht, und die Menschen unleidlich, mit denen er bisnun verkehrte. Er möchte hinaus in die civilisierte Welt, in welcher geistbegabte Männer das Licht der Civilisation anzünden und an dem riesenhaften Bau menschlicher Cultur thütig sind, in jene Welt, in welcher Oriiiuzd über Ahriman deu Sieg getragen. Er möchte in die Werkslätte der Civilisation, der Cultur, um daselbst nach seinen schwachen Kräften »nitzuarbeiten, mitzuwirkeu zum Wähle der Gesammtheit nnd in erster Reihe zun» Wohle seiner leidenden, in» Finstern ,var»delnden Glaubensbrüder. Er möchte sie befreien