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Jüdisches Volksblatt · 1901-04-26 · 17 (26.4.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
17 (26.4.1901)
Date
1901-04-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 26. April 1901 Nr. 17 j üdischen Geh'lfen sein sollte, ist die Mehrzahl unserer College« leider noch weit entfernt. Entschädigungen wurden aus der Versicherungscasse bezahlt Mk. 713.25. Wie im Vorjahre, so können wir auch jetzt wieder zu unserer Freude constatieren, dass mit der Versicherung keinerlei Missbrauch getrieben wurde. Die früher hie und da geäußerte Anschauung, als seien die von der Versicherunascasse bezogenen Entschädigungen als Unterstützungen auftufassen, hat der besseren Erkenntnrs Platz gemacht, dass es sich hier lediglich mu Gegenleistungen handelt, auf die jedes ordentliche Mitglied durch seine Beiträge ein Recht erwirbt. Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder stieg von 238 in 1899 auf 251. Die Gesammtzahl der Mitglieder beläuft sich somit auf 522. Köln, im April. Auf Veranlassung des Herrn Doctor meci. Auerbach und unter Vorsitz der Herren Nekarsulmer, F a l k e n st e i n und Di', med. Wallerstein hat sich hier ein „Kölner Hilfs-Com11ö für ausländische ortsansässige u d e n" gebildet, lieber seine Ziele und Zwecke gibt das Comito in einem Aufrufe folgende Auskunft: Die traurige Lage unserer Glaubensgenossen in Russland, Galizien und Rumänien verursacht einen stets sich vermehrenden Zuzug aus ihren Reihen in unserer Stadt, und uns erwachsen daraus neue Pflichten. Die Hilfe, die wir ihnen bisher haben angedeihen lassen, hat — weit entfernt davon, dem Elend zu steuern — nach allgemeiner Ansicht nur dazu gedient, das Gefühl für Selbsthilfe in den Unglücklichen zu ersticken und sie vom dem Wege abzudrängen, sich ihren Unterhalt zu erwerben durch eine Arbeit, welche unseren Landesverhältnissen entspricht. Es hat sich daher aus Mitgliedern hiesiger jüdischer WohltoätigkeUs- und Frauenvereine ein Count« gebildet, mit der Aufgabe, durch fortgesetzte Besuche der Armen in ihren Wohnungen sich über die wirtschaftlichen und moralischen Verhältnisse derselben zu unterrichten, durch Rathertheilung und Nachweis von Arbeitsgelegenheit den Erwachsenen zu wirtschaftlicher Selbständigkeit zu verhelfen, die Erziehung der Schulkinder zu überwachen und die aus der Schule entlassenen Knaben und Mädchen der werkthätigen Arbeit zuzuführen. Die zur Erreichung unserer Zwecke nothwendigen Geldmittel hoffen wir von den genannten Vereinen zu erhalten und von solchen Glaubensgenossen, welche diese Art vorbeugender und erzieherischer Wohlthätigkeit zu schätzen wissen. Niemals aber wird sich das gesteckte Ziel erreichen lassen, wenn die hiesigen Familien uns nicht dadurch unterstützen, dass sie von der unüberlegten Wohlthätigkeit dem Hausbettel gegenüber ablassen. Wir bitten Sie daher dringend. Hilfesuchende an den Thüren, namentlich jugendliche und arbeitskräftige Hausierer, nur dann zu berücksichtigen, wenn Sie sich vorher über deren Verhältnisse und Würdigkeit bei den Unterzeichneten Mitgliedern des Comites unterrichtet haben. Zugleich dürfen wir die zuversichtliche Hoffnung aussprechen, dass unsere Gemeindemitglieder, besonders die Inhaber größerer Betriebe durch Mittheilung frei werdender Arbeitsstellen in ihren Betrieben uns m der Durchführung unseres Programmes unterstützen. Auf diese Hilfe der Arbeitgeber müssen — und dürfen wir hoffentlich — unter allen Umständen rechnen. Sie ist die unerlässliche Vorbedingung für die Erfüllung unserer Aufgabe, eine Aufgabe, an der mitzuarbeiten die Pflicht jedes einzelnen Juden ist im Interesse der gesammten Judenheit. Straßburg. Vor kurzem hat der außerordentliche Professor der Geschichte an der Universität Straßburg Sackur Selbstmord begangen. Der Frankfurter Zeitung wird zu diesem Falle Folgendeslmitgelheilt: „Wie wir aus Universitätskreisen erfahren haben, hat Professor Sackur, der am vorigen Freitag selbst seinem Leben ein Ende setzte, schon seit vielen Jahren mit Schwermuthsansällen zu kämpfen gehabt, die namentlich im vorigen Jahre schon einmal eine Katastrophe befürchten ließen. Dazu kamen verschiedene schwere Kränkungen, die der Verstorbene erfahren hat. Professor Nöldeke har als .^ecan der Facultät am Grabe, wie uns von Ohrenzeugen mitg-theilt wird, von „jämmerlichen Vorurtheilen" gesprochen, unter denen Sackur zu leiden hatte. Sackur war zweifellos einer der hervorragendsten unter den jüngeren Historikern, wurde aber trotzdem vom preußischen Gultusministerium, als er von der Universität Halle an erster Stelle für eine Professur vorgeschlagen wurde, schroff abgelehnt „offenbar nur, weil er früher, bis vor einigen Jahren, Jude war!" Im Grunde braucht uns ja dieser Einzelfall nicht weiter zu kümmern. Es handelt sich hier um einen Getauften, also um jemanden, der sich freiwillig von uns losgesagt hat und von dem wir uns deshalb auch ohne Weiteres lossagen müssen, wenn auch Adolf Ko Hut ihm die Ausnahme in seine Gallerie „berühmter israelitischer Männer" nicht verweigern wird. Indessen birgt dieser Fall so viel Typisches in sich, die Tragödie des Juden, der die akademische Carrisre einschlägt, liegt hier so klar zutage, dass wir wohl darauf näher eingehen dürfen. An einer deutschen Universität Professor zu werden, ist, auch für einen Nichtjuden, kein sonderliches Vergnügen. Es ist eine wirklich dornenvolle Laufbahn. Zuerst heißt es jahrelang Privatdocent sein, ohne Gehalt und oft auch ohne Hörer. Wird man dann endlich außerordentlicher Professor, so hat man noch immer gar kein oder nur ein sehr geringes Gehalt, und endlich, oft nach Jahrzehnten, wird man dann ordentlicher Professor. Erst als solcher hat man eigentlich ein officielles Lehrfach zu vertreten, und kann wenn man nicht schon von Hause aus vermögend ist, von seinem Gehalte standesgemäß leben. Die Schwierigkeiten dieser Laufbahn verdoppeln und verdreifachen sich aber für den Juden. Zunächst ist der Jude von vorneherein bei seiner Habilitierung als Privatdocent schon in einer üblen Lage: es gibt eine ganze Anzahl Facultäten, die sehr ungern Juden in ihre Reihen aufnehmen und die einem Juden, dem sie die Aufnahme nicht verweigern können, das Leben recht sauer machen. Dann aber kommt die erste kritische Wende: Die Ernennung zum außerordentlichen Professor. Und hier tritt an den.betreffenden Docenten zum erstenmale die Versuchung heran, die sich später noch in schärferer Form wiederholt: die Zumuthung der Taufe nämlich. Es ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass ein Ministerium, dass eine Universitäts-Facultät, also die offieicll höchsten Vertreter der nationalen Bildung, einem Manne, der selber Bildner der Jugend werden soll, zumuthen, seine Religion eingestandenermaßen aus rein äußerlichen Gründen zu wechseln. Es ist dies geradezu eine Prämie auf Charakterlosigkeit. Bei der Ernennung zum helfen, lebhaft sympathisiere. Das auswärtige Amt wolle alles thun, um diese Gleichberechtigung der Juden in Rumänien von der rumänischen Regierung zu erzwingen. Er, Redner, sei aber nicht saguinisch genug, zu glauben, dass dieser Druck unmittelbar günstige Erfolge haben könnte., Nichtdestoweniger müsse er dringend bitten, sich jeder öffentlichen Agitation in England zu enthalten. Er könne mit voller Autorität versichern, dass die Schritte, die genwärtig vorbereitet werden, einen günstigen Erfolg versprechen. Die Nachricht ist jedenfalls von Bedeutung. London. (V o n d e n„B en i - I sr a el".) Wie dem „Jewish Chronicle" aus Bombay geschrieben wird, hat Lord C u r z o n, der Vicekönig von Indien, gelegentlich seines Besuches des Rajah von Cochin auch die dort seit 300 Jahren bestehende Synagoge besucht. Bei dieser Gelegenheit richtete der Vorstand der Gemeinde im Namen der „weißen Juden" von Cochin an den Vicekönig eine Adresse, in welcher u. a. mitgetheilt wird, dass die Juden von Cochin nach der Zerstörung des zweiten Tempels nach Indien gekommen sind und sich zunächst an der Malabusküste niedergelassen haben. Mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien und dem Eindringen der Portugiesen an der Westküste von Indien hat sich ihre Lage verschlimmert. Weil in ihrer Mitte Zwistigkeiten ansgebrochen waren, zog ein Theil von ihnen gegen Cochin, wo sie vom Rajah gut aufgenommen wurden. Derselbe schenkte ihnen nahe bei seinem Palaste ein umfangreiches Grundstück, auf dem sie die Judenstadt, sowie die noch jetzt bestehende Synagoge errichteten. Gegenwärtig zählt die Gemeinde von Cochin ca. 200 Seelen, die sich vom Handel ernähren. Ihre Bildung ist nicht sehr hoch, weil „wir", so heißt es in der Adresse, „als Inden unseren Knaben unmöglich die Erlaubnis ertheilen können, den Sabbath zu verletzen und an diesem Tage an der Universität von Madras zur Aufnahmeprüfung zur erscheinen". Johannesburg. Wie aus Johannesburg gemeldet wird, haben sich die Zustände daselbst seit der erfolgten Besetzung der Stadt durch die Engländer noch wesentlich verschlimmert. Die Aussichten ans eine endliche Wiederkehr geordneter Zustände ^sind jetzt geringer noch als vor einem Jahre, da die Schlacht bei Paardeberg geschlagen ward. Die Frauen und Kinder haben die Stadt verlassen muffen, und leben jetzt fern von ihren Gatten und Vätern in den Hafenstädten. In Johannesburg sind die Lebensmittel ebenso unerschwinglich tbeuer wie schlecht, und dürfen überdies nur auf ausdrückliche dasjenige, was wir gegen diese Institution geschrieben haben, dass sie kostspielig, schwerfällig ist und dass sie in einem Lande, in welchem man auf Schritt und Tritt nur Schlagworten von Confessionalismus und Nationalität begegnet, geradezu bedenklich erscheint, bestätigt sich. Das Präludium, unter welchem die Verhandlung eingeleitet wurde, war ein sehr hübsches. Der amtierende Vice-Staatsanwalt Herr Dr. B e n c s ik hatte sich eine eigene Comvosition zurecht gemacht, die er oem versammelten Publicum zu Gehör brachte. Der Refrain war: „Juden 'raus". Kaum wurde ein Geschworner jüdischer Confession ausgelost, so war er schon rejiciert. Er kannte die Betreffenden gar nicht, allein ihm genügte die Thatsache, dass ein Jude auf der Anklagebank sitzt, und da hat er nun eine Helle Angst vor den jüdischen Volksrichtern. Er scheint zu befürchlen, dass diese Juden den Fall ganz objectiv prüfen, und dass die Juden möglicherweise sich dem staatsanwaltlichen Strafantrage nicht anschließen werden, wenn sie aus dem Gange der Verhandlung die Schuld nicht erwiesen sehen. Diesen Eindruck musste man aus dem Gehaben des Herren Vice- Staatsanwaltes empfangen; allgemein wurde sein Vorgehen in diesem Sinne interpretiert. Wenn nun Herr Dr. B e n c s i k wirklich unter derartigen Einflüssen steht und sich von derartigen Vorurtheilen nicht freizumachen vermag, müssen wir gegen derartige Tendenzen in ganz entschiedener Weise Front machen und müssen die bedauernswerte Thatsache constatieren, dass der Geist, die Tradition mit welcher der verewigte Oberstaatsanwalt Kozma das staatsanwaltliche Corps erfüllte, im Schwinden ist. Derjenige, der sich nicht auf die hohe Warte der Unbefangenheil zu degcben vermag, hat sowohl als Richter, wie auch als öffentlicher A n k l ä g e r seinen Berus verfehlt. Nur ungern machten wir diese Bemerkungen, speciell Herrn Dr . Bencsik gegenüber, allein diese Bemerkungen werden uns geradezu ausgedrängt. Als die erste Schwurgerichts-Session im verflossenen Jahre hier abgehalten wurde, erhoben wir aufs entschiedenste Einsprache gegen dendamals geübten Missbrauch des Rejicirungsrechtes; eui Missbrauch ist und bleibt es, wenn aus Kameraderie rejiciert wird, ein Missbrauch ist es, wenn ohne Obwalten objectiver Gründe von dem Rejicierungsrechte Gebrauch oder richtiger Missbrauch gemacht wird; diesmal mussten wir gegen solchen Missbrauch umso entschiedener Stellung nehmen, als sich aus dem ganzen eine nicht genug zu bedauernde Tendenz zu entwickeln droht; eine Tendenz zu deren Schleppträger sich weder ein Richter noch ein Staatsanwalt hergeben darf. Ist es doch dahin gekommen, dass einige Blödlinge unserer Stadl schon am ersten Verhandlungstage den Freispruch des Angeklagten prognosticierten; nicht darum weil sie ihn für unschuldig halten, sondern darum, weil angeblich zehn Juden unter den Geschwornen sitzen. In Wirklichkeit waren ihrer nur drei, allein die Lüge hat schnelle Füße, und was so ein antimit dem Ausbruche des Krieges ihren Anfang nahm, auch jetzt noch fort, und die Regierung sucht dieselbe noch zu ermuntern, indem sie für jeden Auswanderer die ganze Reise nach Europa bezahlt. Unter solchen Umständen ist die jüdische Gemeinde in Johannesburg sehr zusammengeschmolzen. Dennoch sind die zurückgebliebenen Inden bemüht, den alten Ruf, den die jüdische Gemeinde von Johannesburg sich erworben hat, nach Möglichkeit zu erhalten. Das Board ok Guardians hat die armen Juden des Landes mit Mazzvth versehen, und die „Chewrah Kadischah", welche trotz dlw, schlechten Zeiten es sich nicht nehmen ließ, den siebenten' A^ar in alter Weise zu feiern, hat 200 Pfund Sterling zur Ai'Drstützüng der jüdischen Flüchtlinge aus dem Lande nach Cahstadt und Durban geschickt. Diese armen Leute, welche vor zwei Jahren in Johannesburg in glänzenden Verhältnissen gelebt haben, werden jetzt in den Hafenstädten Capsladt, Durban und Port Elisabeh als Sündenböcke angesehen, auf welche die ganze Schuld an diesem für England so unglückseligen Kriege gewälzt wird. Leider wird das allgemeine Vorurtheil gegen die Johannesbnrger auch von den Juden getheilt und auf ihre aus dem Lande geflüchteten eigenen Glaubensgenossen übertragen. Jerusalem. Ein jüdischer Schriftsteller der Gegenwart, E. Ben Jehouda aus Jerusalem, der Redacteur der hebräischen Zeitung „Haz'wi", ist im Begriffe, ein hebräisches Wörterbuch auf^neuer Grundlage zu schreiben. Wir, besitzen ja wohl vortreffliche Wörterbücher zu dem biblischen Hebräisch und Aramäisch, desgleichen zu der Sprache des Talmud. Aber wenig ist bis jetzt geschehen für das mittelalterliche und besonders für das moderne „Neuhebräisch". Da aber das Hebräische im gewissen Sinne als lebende Sprache anzusehen ist — wird es doch von Millionen unserer Brüder geschrieben und von Tausenden fließend gesprochen, — so ist es unumgänglich nothwendig, dass einmal der ganze Sprachschatz in einem Werke gesammelt erscheint. Und diese ungeheure Aufgabe hat Ben Jehouda auf sich genommen. Sein hebräisches Wörterbuch wird enthalten: l. Alle Wörter, die sich in der Bibel, in der talmudischen und nachtalmudischen Literatur, in der liturgischen Poesie, in den philosophischen, wissenschaftlichen und dichterischen Werken des Mittelalters finden, ebenso die Ausdrücke, die von zeitgenössischen Schriftstellern angewendet werden. 2. Die Definitionen (in hebräischer Sprache), die Sinnerklärungen in zweifelhaften Fällen; die Uebersetzung aller Worte ins Französische und Deutsche; die verschiedenen Umwandlungen, die die Worte durchgemachr haben, mit Belegen aus den Classikern sowie aus den Schriftstellern aller Epochen. 3. Die allgemeinen Wendungen und alle Redensarten, die durch Analogie oder Jdeengemeinschaft verbunden sind. 4. Vergleich der hebräischen Worte nach den Untersuchungen der modernen Philologie mit denen der anderen semitischen Sprachen, insbesondere nut dem Arabischen. Die Wörter sind, je nach den Epochen, aus denen sie stanunen, durch verschiedene Zeichen markiert. Kurz, das Buch ist einzig in seiner Art und wird für jeden, der sich mit „ „ jüdischer Geschichte und Literatur eingehend beschäftigen will, außerordentlichen Professor lässt sich wohl noch diese Klippe um-! unentbehrlich sein. Bis jeßt ist die erste Lieferung erschienen, ein Erlaubnis d» ...glischm B-hö-drn. w-lchdies- Erlaubnis nur ^7°n'L,7lL7w°üü °s°7 3S« i« mürrych und sehr ungern ertheilen, gekauft werden. Aus dle,en sprechen kommt, vermag selbst die kühnste Phantasie nicht zu er- Gründen dauert die Auswanderung aus Johannesburg, welche " - frw 7* schiffen : hie und da wird es ein Jude auch ohne Taufe. Ordentliche Professoren aber, die Juden sind, stammen durchwegs aus früherer Zeit. Gegenmärti'i dürften wohl kaum noch welche ernannt werden, wenn sie nicht vorher den Taufzettel vorzeigen. Was Wunder, dass so mancher, der schwach an Charakter oder bei dem die jüdische Erziehung nur oberflächlich war, der Versuchung urrtrrministerium drei verschiedene Listenf über Christen, über Juden und über Getaufte. Sollte diese Praxis vielleicht dazu beitragen, unsere jüdischen Akademiker von der Taufe abzuhalten, so könnten wir am Ende dem Unterrichtsminister noch dafür dankbar sein. London. In der letzten Sitzung des Board ol' Guardians in London theilte der Vorsitzende mit, dass der englische Premierminister Lord Salisbury mit den Bestrebungen, den rumänischen Juden zu der ihnen von allen Staaten garantierten, leider jedoch nicht gesicherten Gleichberechtigung zu versinnen. Der Gerichtshof hat zur Hauptverhandlung 75 Zeugen vorgeladen, zur Führung des Protokolles zwei Schriftführer designiert und den Advocaten Dr. R a d o Gyuta als Dolmetsch der ungarischen, deutschen und slavischen Sprache in Eid genommen. Gleich am ersten Verhandlungstage musste die Verhandlung für den nächsten Tag verschoben werden, weil einer der Zeugen auf welchen die Anklage das Hauptgewicht legte, bei Namensaufruf nicht anwesend war. Der Gerichtshof verfügt auf telegraphischen Wege, dass der Zeuge durch Gendarmen vorgeführt werde. Das Verhör dieses Zeugen ergab übrigens, dass die Anklage mit diesem Zeugen gründlich aufgesessen war, wie man denn außerdem aus dem ganzen Ergebnis der Verhandlung den Eindruck gewann, dass die Untersuchung sehr salopp, oberflächlich und ohne genügendes crimiualistisches Verständnis geführt wurde. Die zur Aburtheilung des Falles berufeneJury consntuirte sich aus folgenden Geschwornen: Z obel Gyula, Iessen-szyGüza, Gu g g en b erger G«za, id. Kirchner Antal, Velcsey G«za, Dr. Tomasovics Ferencz, W o n d r a Zsigmond, Weiß Adolf, S z t u d i n k a Ede, Süd Lajos. Den Gerichtshof bildeten: k. Tafelrichter M a z 6 l y als Präsident und die GN. Dr. Ehren selb und Dr. Kov ach als Votanten. Der Angeklagte Joses G r ü u war durch den Advoeaten Dr. S t r n n s z k y vertreten. Der Angeklagte leugnete die ihm zur Last gelegten Facta, dass er nämlich an seinen eigenen Objecte Feuer gelegt, um für die minderwertigen Sachen von der Versicherungsgesellschaft eine hohe Schadensumme herauszuschlagen. Nach der Duplik und Replik zogen sich die Geschwornen zurück und sprachen Grün von der Anklage der Brandstiftung frei, hingegen wurde er derj Anstiftung zur falschen Zeugenaussage für schuldig erkannt. Auf Grund des letzteren Verdicl.es verurtheilte der Gerichtshof den Angeklagten zu 0 Monaten Gefängnis. N. Z. Aus Czernowitz. Zn den Cnltusraths-Wahlen. Von Dr. Mayer Ebner. II. Die moderne jüdische Cultusgemeiilde ist ihrer historischen Mission untren geworden. Einst war sie die Pflegestätte jüdischen Geisteslebens, das traute, liebe Heim, wo der geplagte, gepeinigte Ghettojude vor Schimpf und Hohn sicher war, wo der gelbe flleck nicht eine Schande war. Was galten dem Juden Hass und Verachtung außerhalb der Thore, wenn er in seiner Gemeinde der Liebe und Achtung seiner Stammesgenossen sicher war! In der jüdischen Gemeinde von dazumal dlühten alle echt jüdischen Tugenden, patriarchalische Rechtsprechung, Barmherzigkeit und Wohlthätigkeit, Glaubens- und Stammeslreue. Welch ein Zerrbild ist aus der heutigen Cultusgemeinde geworden. Glauben denn die Herren, welche im Cultusrathe sitzen, dass es in der jüdischen Gemeinde keine höheren Aufgaben zu erfüllen gibt, als die Erledigung schwebender Cantor- und Schochetfragen? Glauben denn die Herren, dass sich der Lehrinhalt des Judenthums in der Ritualbadfrage erschöpft? Glauben die Herren, dass die große, brennende I u d e n f r a g e, die immer schriller nach Lösung schreit, die jüdische Cultusvertretung kalt lassen muss? Mit Blindheit sind sie geschlagen, dass sie die Gefahr nicht sehen, die sich von Tag zu Tag drohender in die Höhe reckt, jene Gefahr, die draußen an unsere Thüren pocht, wenn das Volk in wildem Aufruhr sich durch die Straßen wälzt, aber auch jene stille schleichende Gefahr, die die Säulen unseres Volkesthums unterwühlt. Ich meine die innere Juden frage, die für jeden jüdischen Patrioten viel schmerzlicher ist, als Noth und Drangsal. Vor den Feinden, die wir sehen, werden wir uns zu wehren wissen, aber der feige, niederträchtige B e rr a t h, der unsere Reihen lichtet, unser Familienleben vergiftet und durch das Beispiel volksverderbend wirkt, wie sollen wir ihm begegnen, wenn diejenigen, die wir zu Schomrim Israel, zu Hütern Israels bestellt haben, leichtfertig über diese innere Judenfrage hinweggehen? Wenn einstens ein Jude aus der der jüdischen Gemeinschaft austrat, beweinte ihn die Familie wie einen Todten sieben Tage lang. Ein Abfall galt als Schandfleck in der Familie, gesellschaftliche Aechtung traf den Renegaten und manchmal auch Neutra. (Schwurgerichtssejsiv h;) Die diesmalige ungerechtorweise die unschuldige Familie.7 Aber heute! Man Schwurgerichtssessionnahmam4.FehrllarlhrenAnfang.JosesGrün wechselt das „Bekenntnis", wie wenn es die Wäsche wäre. Heute in Rudno hatte sich des Verbrechens wiederholter Brandlegung > Jude, morgen Christ! Was thut's! Man ist derselbe Mensch gevor den Geschwornen zu verantworten. Bemerkenswert ist, dass blieben, in der gesellschaftlichen Stellung ist nicht einmal eine der Angeklagte in Untersuchungshaft gesetzt und nur gegen eine capitis deminutio minima eingerreten. Im Gegentheil. Da die Caution von 10.000 Kroneü aus freien Fuß gesetzt wurde. All Taufe in der Regel gewinnbringend ist. steigen die Renegaten in Quartheft von 40 Seiten. Das ganze Werk wird ungefähr 100 solcher Lieferungen umfassen, deren jede etwa 200 Wörter bringen wird. Der Preis der Lieferung beträgt 1 Franc. Ben Jehouda wird der seiner Arbeit von der „Alliance Jsraölite" unterstützt und hat die Zustimmung zahlreicher Autoritäten der . „ „ ....... , Wissenschaft des Judenthums erhalten. Die Zahl der Subscribenten liegt und das thut, was Ministerium und Facultät von ihm ' ist erfreulicherweise bereits so groß, dass die finanzielle Seite des verlangen. Im Falle Sackur hat nun der Taufzettel auch nichts Unternehmens gesichert ist. Hoffen wir, dass dem Autor die geholfen: Er erhielt die ordentliche Professur, um derentwillen er geistige und körperliche Kraft nicht fehlen wird, die zur Vollendung abtrünnig wurde, doch nicht, und man kan» sich wohl denken, eines solchen Riesenwerkes nothwenoig ist. verbunden mit einem gewissen Schamgefühl, Algier. Hier kam es zu judenfeindlichen Kundgebungen. trieb. Me aber scheint, Antisemiten bewarfen ein VereinSloeal der Juden mit Steinen. *Ccv»m ^rade so wie das Justizi Die Angegriffenen gaben auf die Demonstranten mehrere Revolvermmifterium drei nerskbiedeni» > aber föftnften. nhor cVi>h»»t schgsstz ab, wodurch eine Person schwer verletzt wurde Gendarmerie zerstreute die Manifestanten und nahm mehrere Verhaftungen vor.

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