Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 16 (19.4.1901)
- Date
- 1901-04-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. IG Wien, Freiiag Jüdisches Volksblatt 10. April 1901 Seite 5 Der Wähler soll, bevor er zur Urne geht, die Candidatur jedes Einzelnen nach dem angegebenen Gesichtspunkte prüfen. Aber das Wollen allein genügt nicht. Es ist nicht genug, sich ganz selbstlos der Gemeinde widmen zu wollen. Man muss auch zur Vertretung der Gemeinde befähigt sein. Bei der Frage der Befähigung muss ich einem ziemlich verbreiteten Jrrthum begegnen. Es wird nämlich von verschiedenen Seiten der Standpunkt verfochten, dass in den Cultnsrath Vertreter aller Stände zu entsenden sind. Diese Anschauung ist grundfalsch, denn der Eultusrath ist kein Vertretungskörper' für wirtschaftliche Interessen. Nach § 2 des Statutes ist die Aufgabe der Cultusgemeinde, für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu sorgen und die durch das israelitische Neligionsgeseh gebotenen Anstalten zu errichten, zu erhalten und zu fördern. Schon dieser engherzig gefasste Paragraph des Statutes schließt jede wirtschaftliches Frage vollständig aus. Im Cultusrathe gibt es keine Gewerbe- oder Handelsinterossen zu vertreten, der Eultusrath hat ethische Aufgaben, die ich in meinen Ausführungen über den Nahmen der religiösen Interessen erweitern werde. Hält man sich das vor klugen, dann rvird das Princip der Zusammensetzung des Cnltttsrathes nach Ständen sofort hinfällig. Die jüdische Gemeinde soll durch die F ä h i g st e n, d i e Würdigsten, die Intelligentesten vertreten werden. Mehr den: je haben wir es jetzt noth, dass wir von lauteren, edeldenkenden Männern geführt werden. Anrüchige Existenzen, dunkle Ehrenmänner. Geldprotzen und Leute, denen modernes Wissen und auch die .Kenntnis der specisisch jüdischen Geisteswissenschaften abgeht, müssen vom Cultusrathe säuberlich ferngehalten werden. Die jüdische Gemeindevertretung soll unsere Elite im besten Sinne des Wortes vereinigen. Man glaube aber ja nicht, dass ich mir unter der Elite nur die Akademiker oder die haute finance denke. Im Gegenrheile. Als zionistischer Agitator habe ich Gelegenheit gehabt, in den orthodoxen Kreisen unseres Volkes Männer im Kaftan zu finden, die nicht nur tüchtige Hebräer und Talmudisten, sondern auch ganz modern gebildete Menschen sind. Leute, die mit jeder Faser ihres Herzens am Judenthum hängen, für die sich dessen Inhalt nicht in der minutiösen Einhaltung der Nitualgebote erschöpft. Solche brauchen wir ganz besonders. Ein Cultusrath, der die intelligentesten und jüdischesten Elemente enthält, wird die würdigste Repräsentanz der Gemeinde sein. Man halte sich nur vor Augen, welche Nolle der Gemeinde, dem Kahal, im jüdischen Leben zugewiesen ist. Während der langen, bangen Nacht des Exils war die Gemeinde der Sammelpunkt der Volksgenossen. Es hat ihr niemals eine mehr oder minder begrenzte Selbständigkeit gemangelt; diese Selbständigkeit war mit eine Ursache des nationalen Fortbestandes unseres Volkes. Die Zusammenfassung der Juden in Gemeinden war mehr als die Fiction eines territorialen Zusammenhanges. In der Gemeinde entwickelte sich jenes specifisch jüdische Leben, welches uns als nationale Sonderheit mitten in dem Meere der anderen Völker erhalten hat. In der neueren und neuesten Zeit hat der Antisemitismus für die weitere Erhaltung der gesellschaftsichen Ghettomauern gesorgt. Die Gemeinde ist geblieben, was sie war, ein jüdisches Centrum, unsere engste Heimat. Diese Bedeutung der jüdischen Gemeinde macht eine sorgfältige Auswahl ihrer Vertreter zur Pflicht. . Die Gemeinde ist aber auch vorläufig unsere einzige politische Organisation, der leider jede Einheitlichkeit abgeht. Wenn auch die Statuten der Gemeinde von einer politischen Bethätigung des Cultusrathes keine Erwähnung thun, wird es dennoch als etwas Selbstverständliches angesehen, dass der Eultusrath die politische Leitung der jüdischen Gemeinde in der Hand hat. Nun kann es uns selbstverfiändlich nicht gleichgiltig sein, wer diejenigen sind, die uns führen sollen. In neuester Zeit haben es mehrere persönlich sehr achtbare, ehrenwerte Männer versucht, die Führung der Juden in Czernowitz zu übernehmen, wie es aber scheint, ohne jede Aussicht aus Erfolg. Die j ü d i s ch e n Massen fühlen i n st i n c t i v eine A b n e i g u n g gegen jene K r e i s e, w o d i e T a u f e zuhause ist. Man mag in Glaubenssachen noch so frei denken, der Nebertritt zu einer anderen Neligionsgesellschaft erweckt, wenn er nicht mit der Ueberzeugung motiviert ist, alles andere eher als Sympathien. Darum wird sich das jüdische Volk immer gegen eine Führerschaft sträuben, der man direetes oder indirectes Renegatenthum vorwerfen kann. Es mag sein, dass man dem einen oder dein anderen, der es ehrlich meint, unrecht thut, aber die Stimme des Volkes macht Anspruch aus Unfehlbarkeit. Bei der letzten vonDr. S tra uch er einberufenen Wählerversammlung war viel von dem Reformprogramme der sogenannten Gegenpartei die Rede. Ich glaube, mit Unrecht. Den Gegnern geht es nicht um die Reformen, sondern um die Herrschaft. Die Reformfrage soll die Plattform für Candidatenprogramme sein. Ob der derzeitige Modus der Einhebung der Gräbertaxen der richtige ist,- darüber lässt sich noch streiten. Bon vitaler Bedeutung ist diese Frage nicht. Gräbertaxen, Fleischaufschlag, Spital und Schule, das sind alles Fragen nebensächlicher Bedeutung gegenüber den wahrhaft großen Ausgaben der jüdischen Cultusgemeinde, denen man bisher sorgsam aus dein Wege gegangen ist. (Weitere Artikel folgen.) L. Schulmann. (Zu seinem 25 j ä h r i g e m S ch ri f t st e l l er-Jubiläum.) Die hebräische Literatur hat in den letzten Decennien einen großen Aufschwung genommen. Das Erscheinen zweier großer hebräischer Tagesblätter und die Gründung zweier Verlagsgesellschaften für hebräische Literatur hat zahlreiche junge Kräfte zur Entfaltung gebracht und zu fruchtbaren» Schaffen angeregt. Und nicht zuletzt ist es die studierende Jugend, die sich einst gerühmt hatte, dass sie bereits das Hebräische verlernt habe, und die sich nun mit Feuereifer dem jungen Schriftthum zugewendet hat. Aber die Ausdehnung, die die hebräische Literatur durch dieses Zuströmen neuer Kräfte gewonnen hatte, gieng mehr in die Breite und weniger in die Tiefe. Von einigen wenigen Namen abgesehen, die in jeder Beziehung Originalität und Selbständigkeit bekunden, ist es den arideren, zumeist jugendlichen Schriftstellern bisher nicht gelungen, wirklich „neue Wege" zu betreten. Wenn aber von dieser Seite den älteren, .anerkannter» Schriftstellern der Vorwurf gemacht wird, dass sie mit den Strömungen in den europäischen Literaturen nur wenig vertrant sind, so mag man mit Recht^darauf Hinweisen, dass sie diesen angebliche» Mangel durch eine selbständige, eigene Art und durch die tiefe Liebe zu ihrem Volke in mehr als genügendem Maße zu ersetzen wussten. Zu jenen, die alle Vorzüge der Alten an sich Haber» und denen auch die ungestüm uachdrüngeude Jugend keine literarische Uutugend vorzuwerfeu wagt, gehört der jetzt iu Kiew gefeierte Lazar Schulmann. Eine vornehm: Gesellschaft, bestehend aus „Liebhabern der hebräischen Sprache", veranstaltete am 14. d. M. eine Feier anlässlich seines 25jährigen Schriftsteller- Jubiläums. Im Jahre 1876 erschien nämlich der erste Theil seines Buches „Mimkor Jisroel" („Vom Staiume Israel"), eine ausführliche Darstellung des Lebens Heinrich Heines und der jüdischen Gesellschaft, aus welcher der Dichter sich enhvickelte. Es ist charakteristisch für Schulmann, dass er sein Judenthukik erst von diesen» Werke datiert, obwohl er bereits früher einige Bücher geschrieben hat. In» Jahre 1867 erschien von ihn» in Odessa der Roman „Haowdim wehaniduchim" („Die Verlorenen m»d die Verstoßenen"), in den folgenden Jahren brachte die Monatsschrift „Haschachar" einige Hmnoresken von ihm. S ch u l m a n n möchte jedoch diese Werke von seiner Schriftstellerlanfbahn ausgeschaltet »vissen, denn nicht als Belletrist tvill er in der hebräischen Literatur gelten, sondern als Sprach- »»nd Geschichtsforscher. In der That liefert er in dem ersten Theile des bereits erwähnten „Mimkor Jisroel", der von Heine handelt, und in dem zweiten Theile (1896), der von Börne handelt, eine unübertreffliche Darstellung der damaligen jüdischen Gesellschaft und der damaligen Assimilation, die z»»r Taufe dieser beiden Männer geführt hat. Mit scharfem historischen Blick ansgestattet und unter Benützung fast aller zugebote stehenden Quellen jener Zeit verstand es S ch n l m a n n, uns einen klaren Begriff von dem damaligen jüdischen Leben beizubringen und »u»s mit allem Geschehenen vertraut zu machen. Dabei athmen beide Werke eine warme Liebe znm jüdischen Volke, die uns bei einem Manne, der uns bas Werden des jüdischen Geistes zu schildern versteht, doppelt wertvoll ist. Indes sind auch die belletristischen Arbeiten Schul man ns nicht ohne Wert. Seine kleinen Skizzen und Humoresken »vurden vom Volke gern und viel gelesen, so dass eine Sammlung seiner in verschiedenen Journalen zerstreuten Erzählungen, in einem Bande gesammelt, in Warschau (1894) erschienen ist. In Jo»trnalen vecöffel»tlichte er gleichfalls eine Reihe kritischer geschichtlicher Aufsätze, welche alle den tiefen Forscherblick und die gewissenhafte Benützung aller einschlägigen Quellen bekunden. Die Hauptarbeit seines Lebens verspricht jedoch ein Werk zu werden, das demnächst veröffentlicht werden soll. ES handelt sich um eine ausführliche Geschichte der Jargonsprache und ihrer Literatur. Seit einer Reihe von Jahren beschäftigt sich Schulmann mit der Sammlung und Sichtung des Materials, und aus einzelnen Proben, die in mehreren Journalen erschienen sind, ist man berechtigt, zu schließen, dass sich Schulmann mit diesem Werke nicht nur den Dank des jüdischen Volkes, sondern der gesammten Sprachwissenschaft verdienen wird. Schulmann ist in der glücklichen Lage, nicht von der Feder leben zu müssen, all sein literarisches Schaffen ist »nur von der Liebe zu der Sache bedingt so dass alles, was er geschrieben hat, trefflich erwogen und wohl durchdacht ist. Es findet sich kein überflüssiges Gerede iu seinen Abhandlungen, und mit Recht erkennt in ihm das hebräische Schriftthlnn einen seiner bedeutendsten Meister. R. A. B r a u d e s. (Fortsetzung.) (Fortsetzung.) Solche Jndenvertreibnngen, wie in Kiew zuzeiten Wolodymir Monornachs, »varen — versteht sich — örtliche und vorübergehende Erscheinungen, zeigen aber, dass schon in der Geschichte des XL, XIl. und XUI. Jahrhunderts genau die Eigenschaften jener Inden ltitb ihr anormal-ökonomisches Verhältnis zu den Rnthenen skizziert sind. Der allgemeine Verfall ruthenischer Laude während der tartarischen Ueberfälle schwächte auch proportionell die jüdisch:» Ansredlungen, obzwar sie ganz aus dem Territorium nicht wichen; »vir begegnen Inden unter den Sammlern des Tributs, welcher von allen Einwohnern für die mongolischen Chan: eingetrieben wurde. Niederlassungen der Juden unter Rntheneu in größeren Mengen finden im lithauisch-polnischen Zeitraums statt, also als jene Lande unter die Herrschaft Polens Übergiengen. In der Zusammensetzung der jüdischen Ansiedlnngen unterscheiden sich derltlich zwei ethnographische Gruppen : Juden- Karaiken (Bibeljuden) und Talmttdjnden. Die erstereu kamen aus der Krim nach Süd-Rnthenenland, gewöhnlich einzeln (im XIII. und XIV. Jahrhundert), manchmal in Massen. So verließ in» Jahre 1363 während des Marsches Olgecds nach der Krim eine ansehnliche Zahl karaitischer Familie»» diese Halbinsel, w»»rde von den lithauischen Fürsten gastfreundlich ausgenommen und ließ sich zuerst in Troki, dann in den Wolhynier Städten (überhaupt in Lnck), später am Dniepr-Ufer und in Galizien nieder. Ihre Hauptbeschäftigung war der Ha»»del; sie hatten aber »veder durch ihre Zahl, noch durch ihren Einfluss eine solche Bedeutung für das Land, »vie die Talmndjnden, »velche aus West-E»»ropa, meistentheils durch Pole»», kamen. In Polen erscheinen die J»»den seit u»»de»»kbaren Zeite»», obzwar sichere Quellen sie in jenen Provi»»ze» erst im XI. Jahrhundert wohnen laffen. KoLma Prager schreibt unter dem Jahre 1093, dass die böhmischen Juden wegen Verfolgung ihre dortigen Wohnsitze verließen und ihr Hab und Gut nach Polen oder Ungarn zu ihren Stammesgenoffer» trugen. J»n Jahre 1264 verlieh den Jliden Großpvlens Boleslaw der Fcoinrne, Fürst von Kalisch, das Recht, z»» handeln mit allen Gegenständen, rnit denen Städtern zu handeln erlaubt »var, überdies das Pfandleihrecht; die jüdische Religionsfreiheit schützte er mit der Drohung einer Berrnögens-Confisrativn. 103 Jahre später sichert ähnliche Privilegien der» J»»de»» Kleinpolens König Kasimir der Große. Im XIV. Jahrhnndert vergrößert sich die Zahl jüdischer Ansiedliulgen, parallel mit dein Erweitern der polnischen Reichsgrenzen. Die polnischen Könige bestrebten sich selbst um Uebersiedelunzen der Inden ans den Rheinprovinzrn, die als Ha>»delslente bekannt wäre»», nach Polen in die damals »venig bevölkerten Städte und Städtchen. Ans solche Einladungen kamen deutsch: J»»de>» in Muss:»». Im XV. Jahrbnndert zählte »»an schon der jüdischen Bevölkerung Polens Tausende. A»»s Polen verbreiteten sich die Juden in die litharrischeu Nachbarländer. Lithanische Annalen erwähnen schon Jude»», als sesshafte Einwohner dort in der Hälfte des XII. Jahrhunderts, und in demselben Maße, »vie sich Lithanen nach Osten erweiterte, nimmt die Zahl des jüdischen Eleinentes zu. In der Hälfte des XIV. Jahrhunderts spricht »nan schon von ihnen als sehr alten Einwohnern des lithauischen Brest, Tcocki und Lack; Znlguis davon: Eclässe des Großfürsten Witold aus den Jahren 1388 und 1389. Die jüdische Colonisation förderten Kasimir der Groß: in Pole»», Wckold i»nd Jagajlo in Lithanen. Die Lnblinec Union (1569) öffnete den Inden Polens Thür und Thor nach Lithanen. Die dortigen alten jüdischen Einwohner gehen in der Masse der a»»s Polen eingewanderten ans, und das Leben aller Inden Lithanens ordnet sich nach polnischem Muster: sie »verden schnell, »vie in Polen, eine eng geschlossene Bolksschichte. Die allgemeine Richtung der Colvnisation südlich rnlhetlischer La»»de »var eine westöstliche: jo weiter nach Oste»», desto später erscheinen J»»den. So zn»n Beispiel »var im galizischen Landtheile Wolodymir eine bedeutende Anzahl Inden schon »m Jahre 1288, »vähcend sie in Pinsk erst am Anfänge des XVI. Jahrhunderts erscheinen. Historischer» Quellen nach wohne»» Juden im XIV. Jahrhundert in vielen Städten Galiziens: in Lemberg, Halicz u. a., Wolyns: in Brest, Wolodyinir, Lnck, Kvbryn »». a. Im XV. Jahrhundert begegnen wir Juden am Podolier» in Kamenee, Sinotrycz u. a., auch in Kiew und der Umgegend, im XVI. Jahrhundert in Pinsk, Kleck u. a., mit Beginn des XVII. Jahrhunderts siedeln sich auch Inden am linken D »ieprufer, z. B. in Pntywla, an. Anfangs ließen sich Juden nur in Handels- und Gewerbestädten nieder, später in wenigen bewohnter, reichen Pflanzstäote»», endlich in Dörfern. Was die allgemeine Zahl der jüdischen B:völkeru»»g Lithanens betrifft, so war sie damals, im Vergleiche mit der in späteren Jahrhunderten eine nicht große. Es gab zum Beispiel in der Stadt Kobryu (Brester Wojewodschaft, eine der judeirreichsten) im Jahre 1563 30 jüdische Familien, im Städtchen Dubotyna 19, irn Städtchen Horodec, 20 Werst von Kobryn entfernt bloß 2; mehr weniger um dieselbe Zeit gab's in der Stadt Pi»»sk 39 jüdische Männer. Nach Rechnung Berszadskis zählte Lithaueu in der z»oeiten Hälfte des XV. Jahrhunderts 10.000 bis 12.000 Inden, welche überhaupt die südlichen rnthenisch:» Provinzen dicht be»voh»»ten. Der Beschäftigung und socialen Stellung nach stellen die Inden — während des polnisch-lithauischen Zeitraumes — einen ganz anderen Typus vor, als während des tartarischen Zeitraumes, obrvohl die eine»», wie die zweiten, in die südlichen ruthenifchen Lande aus Westeuropa kamen. An» Ende des XL Jahrhn»»derts änderten sich die Berhält»»isse in Westeuropa zu Ungnnsten der Inder». Infolge der Kreuzzüge kamen die europäischen Christen in Berührung mit dem Orient, es entstanden christliche Zünfte, zu denen Juden keinen Zutritt hatten u»»d daher ihnen nur der Kleinhandel blieb. Im Mittelalter, als sich die Zünfte entwickelten, wurden die J»»den aus allen Geiverben verdrängt; nur das Flicken alter Gewänder »var ihnen gestattet. A»»ßer dem Kleinhandel »urd kleineren häuslichen Handarbeiten blieb den Inden die Heilknnst, in welcher sie, trotz Verbotes, unumgänglich nothtvendig sich machten und die ihnen ein »vichtiger Erwerbszweig »var, endlich Geldgeschäfte in Form des Wuchers. Diese letzte Beschäftigung gab den Inden enttveder Einfluss oder — was bedeutend öfter geschah — war sie Ursache ihrer Lüden. D en jüdischen Gläubiger konnte »nan stcaflos — bei den dama ls herrschenden kirchlichen Einfluss.'»» — tobten oder die ganze Jndenzemünde ans der Stadt vertreiben, um der Schulder» los zu »verden, endlich ecivickte »nan ab u»»d zu bei den Herrschern Edicte, kraft welcher alle den Inden gegebenen Schuldverpflichtungen ihren Wert verlöre»». Jude»», die vollkommen vorn öffentlichen L:ben ansgeschlossrn »vare»», verschloss:»» sich in Gre»»zen eigener Familien, lebten in den von ihren Vorfahren ererbten Sitte»», kurz, sie zogen sich in eine Sphäre persönlicher und nationaler Interessen zurück. Die Vorschriften: Inden haben in besonderen Vierteln zu wohnen, haben Abzeichnungen aus ihren Kleidern zu trage»», die unaufhörlichen Verfolgungen trugen vieles zur Absonderung der J»»den bei. Vom XI. Jahrhundert an mussten jüdische Gemeinden Westeuropas jeden Augenblick einen Ueberfall oder eine Vertreibung befürchten. J»n Jahre 1391 »vurden fast in allen spanischen Städten tausende J»»drn uiedergemetzrlt. Hundert Jahre darauf (2. August 1492) mrlssten circa 300.000 Inden das Land verlassen, irr welchem sie 1500 Jahre gewohnt. In» XV. Jahrhundert »vurden in vielen Orten Gerrnaniens J»»den theils vollständig vernichtet, theils vertrieben. (Fortsetzung folgt.) Bücher-Emlauf. Die rumänische» Jude» unter dem Fürsten unv König Karl. Von Jnli»»s Plotke in Frankftlrt a. M. 190l. Jüdisches Gefühl. Zeitschrift für die Jugend. Erscheint alle 14 Tage. Inhalt: Znm Peßach-Feste. — Der Hofmeister und sein Zögling. — Zwei Diener. — Tropfen ans den» Meere jüdischer Geschichte. — Perlen ans dem Talmud. — Moses' Tod. — Dies und Das. — Räthsel. — Räthsel-Aaftösnngen. — Briefkasten. — Uebersetznngs-Anfgabe. — Bezugspreise: Mit Pol'tz»lser»d»»»»g 4 Kr. jährlcch, 2 Kc. halbjährlich. — Deutschland 4 Mk. jährlich, 2 Mk. halbjährlich. — Russland 2 Rubel jährlich. — Einzelnnmmeru 15 Heller. Redaetion: Prag, Smeekagnsse 7, 1 St. Adininistracion: Myslikgasse 14 n. Berühmte israelitische Männer und Franen iu der Cnlturgeschichte der Menschheit. Lebens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Mit zahlreichen Portrats u»»d Jllustratione»». Herausgegeben von Dr. Alois Ko Hut