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Jüdisches Volksblatt · 1901-04-19 · 16 (19.4.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
16 (19.4.1901)
Date
1901-04-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. April 1901 Seite 3 Wahlcampagne. Er mache aber dem Vereine den Vorwurf, dass er sich bezüglich des Juristischen der ganzen Frage, nicht an Juristen um Aufklärung gewendet habe. Vor allem müsse die rechtliche Basis erörtert werden und da frage er nun: Woher darf der Cultusvorstand für seine Oberaufsicht eine Entschädigung verlangen? K o r n m e h l sen.: Das Rabbinat hätte erst die Fleischhauer einvernehmen sollen. Das geschah aber nicht. Das Rabbinat gieng eben einseitig vor und nehme keine Rücksicht auf das Gewerbe. Dr. L i f c z i s führt aus, dass sich der Volksverein anlässlich der Wahlcampagne nnd schon früher mit der Koscherfleisch-Frage befasst hätte. Es wurden damals alle Factoren einvernommen und man habe die Ueberzeugtmg gewonnen, schuld an allem sei Rabbiner Meyersohn. Wir haben gegen eine strenge Handhebung der rituellen Gesetze nichts einzuwenden, nur gegen die Art und Weise des jetzigen Polizeigeistes müssen wir uns wenden. Die Erlassung eines Schüchtverbotes ist ungesetzlich. Es existiert diesbezüglich eine gerichtliche Entscheidung. Der verstorbene Rabbiner H a l b e r st a in m stand in einem Civilprocesse mit einem Fleischer und erliest, unr ihn zu beeinflussen, ein Schächtverbot. Er wurde wegen Erpressung gerichtlich verurtheilt. Ueberall sei diese Frage eine Gewissenssrage; nur in Wien wolle man sie mit Gewalt regeln. Die Herren im Vorstände predigen Wasser und trinken Wein; kaum lo°/0 von ihnen essen koscher. (Beifall.) Dr. L e v i begrüßt es, dass durch das Eingreifen des Herrn Dr. K o h n und Dr. L i f c z i s die Frage auf die richtige Basis gestellt wurde. Dr. Nappaport, lebhaft begrüßt, entschuldigt die Abwesenheit des Herrn Eltbogen; diesen sei durch einen Todesfall in seiner Familie verhindert, zu erscheinen. Das Wichtigste in der ganzen Angelegenheit sei die definitive Regelung der Frage. Er hätte den Eindruck, als sei es vom Nabbinate auf eine Verschleppungstaktik abgesehen. Im Sinne der Vorredner könne er nur sagen, dass die ganze Angelegenheit eine Rechtssache sei, das Debattieren sei nutzlos. Er schlage die Wahl eines Actions-Eomitös vor und erkläre, dass die Herren Dr. K o h n und Dr. Lifczis bereit seien, mitzuarbeiten. (Beifall.) Dieses Comitv möge mit Herrn E l t b o g e n in Verbindung treten, der sich wiederholt im Vorstände für die Fleischhauer verwendet habe. Wenn der Vorstand nichts anderes im Auge gehabt hätte, als die rituellen Vorschriften oder selbst die finanzielle Sanierung, so würde er bei Wahrung seines Standpunktes kein Wort mehr über die Angelegenheit verlieren. Aber es scheine in manchen Kreisen ein böser Wille gegen die jüdischen Fleischhauer zu herrschen. Er erinnere sich, dass anlässlich der großen Wähler- Versammlung im Musikvereinssaale ein Mitglied des Cultusvorstandes die Bemerkung gemacht hatte: Beim Christen bekomme man Koscherfleisch, beim Juden nicht. Er habe, da Sorge getragen war, dass oppositionelle Redner erst um Mitternacht zu Worte gelangten oder von den mitgebrachten Gemeindebeamten niedergeschrieen würden, sofort einen entsprechenden Zwischenruf gemacht. „s^ür uns, die wir nicht orthodox sind, und dies ist die weitaus überwiegeude Mehrzahl der Wiener Bevölkerung, lautet die Frage nicht: Rituell oder nicht. Uns handelt es sich um den Schutz eines blühenden jüdischen Gewerbes. (Stürmischer Beifall.) Die Antisemiten gehen dem Zwischenhandel an den Leib, weil das Gros der Juden diesem angehört. Umsomehr müssen wir das bestehende jüdische Gewerbe schützen." Redner gibt der Versammlung den Rath, sich an die Bevölkerung zu wenden. Die Fleischhauer wären leider in öffentlichen Versammlungen nicht zugegen, ihre Interessen zu vertreten. Es müssten sich alle an der Agitation betheiligen. Er erwarte auch, dass die gesammte jüdische Presse sich ihrer annehmen werde. (Bravo.) Vorsitzender Herr Klein dankt Herrn Dr.Nappaport für seine Ausführungen und constatiert, dass der Jüdische Volksverein allein sich der jüdischen Fleischhauer annehme. Es sei daher Pflicht der jüdischen Fleischhauer, in den Volksverein einzutreten, wozu er die Anwesenden auffordere. Er habe eine Resolution im Sinne gebabt, die den Fleischern im Falle der Verwerfung ihrer Forderungen den Strike empfiehlt. Infolge des Eingreifens der Herren Dr. Rappaport, Dr. K o h n und Dr. Lifezis stehe er davon ab und sei für die Wahl eines Aetions-Comitös. L u st i g erklärt, nicht freiwillig sich zur Zahlung der 125 flverpflichtet zu haben, vielmehr dazu gezwungen worden zu sein. Es sei im ganzen Bezirke bekannt, dass er nur streng koscheres Fleisch führe. Rabbiner M e y e r s o h n habe ihn zu sich rufen lassen, und ihn aufgesordert, 125 fl. zu zahlen, zahlen Sie nicht, so'.werden Sie morgen geassert. Was hätte er nun thun sollen als die 125 fl. hinzulegen. (Zwischenrufe, die wir aus pressgesetzlichen Gründen nicht wiedergeben können.) Infolge des Umstandes, dass er nur armes Publicum habe und eine Erhöhung der Preise nicht platzgreifen könne, andererseits sein Geschäft die Abgabe nicht vertrage, habe er erklärt, er könne keine weiteren schaft, das selbstlose Streben, die Menschheit besser, glücklicher, edler zu machen. Und sein Tod ist ein würdiger Abschluss dieses Lebens. Er weist von sich den natürlichen Wunsch, eine Dynastie zu gründen, was in seinem Falle so leicht gewesen wäre — er verneint das Vorrecht des Geblütes und setzt an seine Führerstelle den besten Mann. Aus einem Lande kommend, wo der Begräbnisritus von erster Wichtigkeit war, und wo in der Erhaltung dos Körpers nach dem Tode der Zweck ^des Lebensgesehen wurde, unter einem Volke, das eben ^damals den Leichnam seines großen Vorfahren Josef mitführte, um ihn zu seinen Vätern zu bestatten — unterdrückte er den letzten natürlichen Wunsch und entzog sich den Blicken und der Sympathie der Menschen, um einsam und allein zu enden, damit nicht das götzendienerische Gefühl — stets bereit, hervorzubrechen — im Tode ihm die abergläubische Ehrfurcht erweise, die er im Leben zurückgewiesen. „Kein Mensch kennt seine Grabstätte bis auf diesen Tag." Aber während die geplünderten Pharaonen-Gräber der Eitelkeit spotten, die sie errichtete, ist der Name des Hebräers, der, von ihrer Tyrannei sich losreißend, für die Erhebung seiner Mitmenschen arbeitete und sann, noch heute ein leuchtendes Licht der Welt. Führer und Diener der Menschheit! Gesetzgeber und Wohlthäter! Arbeiter für eine Zukunft, die seinem geistigen Auge offenbar war! Typus der großen Seelen, die zu allen Zeiten der Welt Heroen und Märtyrer gegeben, deren Thaten der kostbarste Besitz und deren Andenken das heiligste Erbe ihres Volkes sind! Von allen Gründern großer Reiche — mit welchem können wir ihn vergleichen? Es wäre ein Streit um Worte, über die Inspiration eines solchen Mannes zu disputieren. Aus der Tiefe des Unsichtbaren müssen solche Charaktere ihre Stärke schöpfen — nur aus der Quelle eines reinen Herzens kann ihre Weisheit stammen. Sie! beweisen uns die Existenz eines Etwas, das mehr wirklich! ist als die Materie, eines Etwas, das höher ist als hie Sterne;! eines Lichtes, das noch leuchten wird, wenn Sonnen tobt und erloschen sind-eines Endzweckes, vor dem das physische Weltall nichts ist, als eine vorübergehende Epoche. Raten zahlen. Rabbiner Meyersohn drohte mir nim mit der Entziehung des Schächters, und forderte selbst Leute auf, bei mir kein Fleisch zu nehmen, es sei nicht koscher, ebenso forderte er, obzwar bei mir ein von der Gemeinde autorisierter Schächter schlachtet, den Maschiach auf, den Leuten zu sagen, bei mir sei trefenes Fleisch. (Bewegung, laute Pfuirufe.) Fünf Ochsen konnten md)t geschlachtet werden, wodurch er einen bedeutenden Schaden erleide. Durch Intervention des Vereines ist das Schächtverbot aufgehoben worden, wofür er dem Vereine danke. An der Debatte betheiligten sich außerdem die Herren Wein mann, Mittler, Lieber mann, Brett. Der Vorsitzende dankt nochmals dem Volksvereine für seine Unterstützung und schließt um y29 Uhr die Versammlung. Vom Tage. Die Thätigkeit unserer Abgeordneten. (Ein offenes Geheimnis.) Die Herren Abgeordneten haben endlich, wenn auch auf Umwegen, unsere dringende Anfrage, warum sich auch nicht einer erhoben habe, um gegen die Dringlichkeit der Gewerbereform zu stimmen und so diesen Entwurf zu begraben, endlich beantwortet. Sie haben nämlich um ein Linsengericht die Interessent von tausenden armer Juden verkauft. Der saubere Handel war nämlich der: Dafür, dass die Socialisten nicht gegen die Gewerberefvrm stimmten, stimmten die Christlich- Socialen nicht gegen den Achtstundentag der Bergarbeiter. So erreichten die Secialdemokraten zwar, dass dieses Schutzgesetz für Bergarbeiter in die Berathungen kam, um in den Berathungen niedergestimmt zu werden. Jetzt haben die Socialdemokraten den Bergarbeitern nicht geholfen, aber die jüdischen Wähler verrathen. Bleibt aber noch die Frage, warum die Herrn Liberalen, die doch gegen Bergarbeiter sich durchaus nicht zart benehmen, siehe Demel, auf einmal ihr Herz für diese entdecken, wenn es gilt, gegen jüdische Hausierer und Agenten loszugehen?? Dass Herr Dr. Ofner sich nicht erhoben hat, wundert uns nicht. Dieser Mann hat noch nie etwas für die Juden gethan und wird nie etwas für diese thun. Dieser Nachfolger des Dr. Kronawetter weckt immer die Sehnsucht nach seinem Vorgänger. * Ungarische Kreuzritter. In ganz Europa ist die Ansicht verbreitet, dass Ungarn mehr oder weniger im Mittelalter steckt. Die magyarische Jugend scheint es als ihre Aufgabe zu betrachten, dieser Ansicht neue Nahrung zuzuführen. Im übrigen Europa haben sich die Kreuzzüge vor einigen Jahrhunderten schon abgespielt; in Ungarn beginnen sie. Ungarn wird von einer Clique beherrscht, die nicht nur vielfach mit den Schlachzizen verschwägert ist, sondern auffallend ähnliche Charaktereigenschaften besitzt. Aus Entrüstung über das Treiben dieserW'entry wirft sich nun die Jugend einer nicht minder gefährlichen Sippe in die Arme, der clericalen Camarilla. Diese zieht die Fädchen, an denen die Studenten als Marionetten befestigt sind; die Studentlein tanzen und johlen. Die Gesinnung der magyarischen Studenten ist ein Gradmesser für den Antisemitismus in Ungarn. Die Wiener liberale Presse wiegte die Welt in den Glauben, dass Ungarn das liberale Musterland sei. In diesen Wahn platzte auf einmal die Bombe, dass der Budapester Universitäts-Club dem Bürgermeister von Wien Dr. Carl Lueger zu seinem Kampfe gegen das Judenthum beglückwünsche! Seitdem sind wir sehr skeptisch geworden gegen die ungarische Freiheit. Wir erfuhren, dass es ein Jude die größten Schwierigkeiten überwinden müsse, um sich der Budapester Universität zu habilitieren; dass es fast ausgeschlossen sei, dass Juden zu ordentlichen Professoren ernannt werden. Der Eintritt in die Akademie der Wissenschaften, die K i s f a lud Y-Gesellschaft ist für Juden ebenso unmöglich, wie die Aufnahme in das National- Casino. Im Lande rührt sich die Volkspartei und neuerlich die Agrar-Partei. Das sind düstere Wolken am Horizonte der ungarischen Judenschaft, die diese zur Selbstkritik und Selbsteinkehr mahnen sollten. Antisemitische Corruption. Ein anschauliches Bild antisemitischer Corruption bietet das Wiener Freiwillige Rettungscorps. Nachdem der Anschlag, die Juden aus der von ihnen geleiteten Wiener Freiwilligen Nettungs-G e s e l l s ch a f t zu verdrängen, misslungen mar, gründeten Antisemiten das Wiener Freiwillige Rettungs c o r p s. Das sieht auch darnach aus. Anfangs hielt es sich zwar durch Unterstützung der Commune und durch die Speeulation mit dem ähnlich klingenden Namen. Aber heute weiß das Publicum, dass das Corps seine Rettungsaction nur auf zwei Männer beschränkt, auf den Herrn H i n t e r b e r g e r, der sich ohne Nachsicht der Taxe zum lebenslänglichen Qbmanne ernennen ließ, und auf Herrn med. Guttmann, der zuerst mit Enthüllungen drohte und jetzt sich damit begnügt, für seine freiwillige Mitarbeit bei dem Corps nachträglich einen Lohn zu verlangen. Nachdem er diesen erhalten, verlangt er weiter eine Entschädigung in klingender Münze dafür, dass er vielleicht während der Zeit, die er beim Corps war, sein Doctorat hätte machen können. Seine Forderungen vertritt sein Gesinnungsgenosse Dr. R a b e n l e ch n er. Führwahr, eine nette Gesellschaft. Das sind die Leute, welche andere Humanität und Moral lehren wollen. Sie gleichen darin einem Manne, der vor einigen Wochen starb, dem Pfarrer D e cke r t. Die Propheten und Patriarchen des alten Bundes fanden nicht Gnade vor seinen Augen; aber den Tanz um das goldene Kalb verstand er meisterlich. Als Sohn armer Handwerker geboren, fand er in seinem, der wahren, alleinseligmachenden Lehre gewidmeten Leben Zeit, ein Vermögen von 200.000 fl. zu — sammeln. Ueber das Wie sind verschiedene Nachrichten verbreitet. Sapienti sat. Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Lese- und N e d e h a l l e j ü d i s ch e r Hochschule r.) Montag den 22. d. M. hält Herr Dr. Richard Rappaport einen Vortrag über das Thema „N a t i o n a l e s." Ort: Universität, Hörsaal 33. Anfang präcise halb 9 Uhr. Gäste willkommen. Wien. („Jüdischer V o l k s v e r e i n,") Im Festfaale des „Jüdischen Volksvereines" hielt am 17. d. M, Herr Dr. S o f e r einen Vortrag über das Thema „Jüdische Familiengeschichte." Der Vortragende versuchte, in größeren Zügen eine Psychologie des modernen Judenthums zu entwerfen. In der daranschließenden Discussion hob Herr B u x b a u m die religiöse, Herr Blumen selb die nationale Seite des Judenthums hervor. Herr Doctor Paul Weiseng rün präcisierte die Stellung der Nationaljuden zur Religion. Hierauf schloss der Vorsitzende Herr P l a s ä) k e s die interessante Versammlung. Wien. (Aus der Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cu l t u s g e m e in d e vom 14. April 1001, 11 Uhr vormittags, unter den: Vorsitze des PräsidentenHerru Commereialrathes Klinger.) Aus dem Einlaufe wird zur Kenntnis gebracht: Eine Zuschrift des Magistrates, betreffend die Ablehnung des Ansuchens des Cultusvorstandes um Errichtung von Gräbern vor den Gehölzen des Gruppen 5 b und 6 gegenüber der Ceremonienhalle der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhoses. (Wird der Friedhof-Seetion abgetreten.) An Spenden sind eingelaufen: Von Frau Nanette Mautner für den Erhaltungsfonds des israelitischen Altersversorgungshauses . Kr. 1000:— Von Herrn S. Heit als Aequivalent für eine Bethausspende für verscyiedene Wohlthätigkeitsanstalten . „ 400,— Von den Herren Dr. Moriz und Siegfried Landau und Frau Adele Peter anlässlich des Ablebens ihrer Mutter für Arme.„ 400.— Von Herrn Leopold Kern für Mazzoth an Arme . „ 200.— Anonymus durch Herrn kaiserl. Rath Dr. Lieben anlässlich des Ablebens eines Beamten für Arme . „ 200.— Anonymus für Arme.. „ 30.— Ch. anlässlich derchristlichenOsterfeiertage für jüdische Arme.. 20.— Anonymus für beliebige wohlthätige Zwecke . . . „ 20.— Von Frau Stella Schneider für arme Kinder . . „ 4.— Vor Uebergang zur Tagesordnung bemerkt der Vorsitzende, dass er zu seinem Bedauern genöthigt war, seinen Urlaub infolge Unwohlseins etwas länger, als ursprünglich von ihm beabsichtigt gewesen, auszudehnen. Im Präsidialberichte verweist der Vorsitzende auf die Bestimmung des § 97 des Statutes, betreffend den Rechnungsabschluss. Außer der Erledigung des Rechnungsabschlusses werde der Vorstand in nächster Zeit durch einige dringlichere Angelegenheiten in Anspruch genommen sein. Die bevorstehende Eröffnung des Siechenhauses erfordere eine Beschleunigung der Berathungen des Statutes, betreffend die Aufnahme in diese Humanitätsanstalt, und die Prüfung und Beschlussfassung über die seit längerer Zeit eingelausenen Gesuche. Auch die Organisierung der Bezirks-Commissionen ist ins Auge zu fassen, und spricht der Präsident die Erwartung aus, dass das zur Schaffung einer Geschäftsordnung für die Bezirks- Commissionen eingesetzte Comitö seinen Entwurf dem Vorstände baldigst vorlegen werde; gleich dringlich sei die Reform der Armenpflege; dem zu diesem Behufs eingesetzten Comitö sei eine schwierige Aufgabe gestellt, deren Erledigung nunmehr ernstlich in Angriff genommen werden muss. Der Präsident erwähnt weiters, dass in jüngster Zeit seitens des Buchrevisions-Comitös eine Buchrevision vorgenommen wurde, über welche der heute entschuldigte Comits-Obmann Herr Leopold v. Lieben berichten wird, und gibt endlich ein Bild über die Finanzlage der Gemeinde mit Abschluss des ersten Jahres-Quartals. Der Obmann der 4. Seetion, Herr kais. Rath Hirsch, berichtet, dass er bei der von ihm vorgenommenen Cassaseontrierung alles in Ordnung gesunden habe. Ueber Antrag des Herrn Directors Simon wird beschlossen, der Frau Henriette F i s ch l, der würdigen Tochter des verewigten unvergesslichen Predigers Mannheimer, zur Vollendung ihres 70. Lebensjahres die Glückwünsche des Vorstandes in geeigneter Weise zum Ausdrucke zu bringen. In Erledigung der Tagesordnung wird eine Reihe von Stiftungen der Berathung und Beschlussfassung zugeführt, und zwar: Die Dr. Adolf Sacks'sche Techniker-Stiftung (Referent Herr Baurath Stiaßny). 5 Plätze ü Kr. 600 gelangen entsprechend dem Anträge des zur Verleihung dieser Stiftung bestehenden Comitös nach vorheriger Debatte über eine von mehreren Vorstands-Mitgliedern beantragte Aenderung zur Besetzung; die Salomon Goldschmidt'sche Stiftung für Gymnasialschüler (Referent Herr Vicepräsident Dr. Kohn), und zwar zwei Stiftplätze ü 100 Kr. und drei Stiftplätze ü Kr. 96 entsprechend dem Vorschläge des Präsentanten Herrn Baurathes Ritter v. Goldschmidt und der 2. Seetion; die Jsaac Leeb und Lea Weinberg'sche Stiftung (Referent Herr Vicepräsident Dr. Kohn), und zwar ein Stiftplatz im Betrage von Kr. 600 im Sinne des Beschlusses der 2. Seetion: die Moriz Freiherr von Königswarter'sche Stiftung für einen Stipendisten im Spitale der israel. Cultusgemeinde, ein Platz ü Kr. 480 (Referent Herr Dr. Grünfeld), bte Osias H. Schorr'sche Stiftung für Seminaristen, die sich an der Wiener israel.-theol. Lehranstalt zu Rabbinern, beziehungsweise zu Lehrern ausbilden, bezüglich welcher Stiftung die Beschlüsse der Genehmigung der Stistungsbehörde bedürfen (Referent Herr Doctor Grünfeld), und zwar 14 Plätze ü Kr. 600 und Stiftungstheilbeträge an zwei Rabbinats-Candid.uen, entsprechend den Anträgen der israel.-theol. Lehranstalt und der 2. Seetion. Betreffs eines Gesuches und des Antrages des Rectorates über dasselbe wird die Rückverweisung an die 2. Seetion zur neuerlichen Antragstellung beschlossen. Das Ansuchen eines Bethausvereines um Bewilligung eines ständigen Belhauses wird in Hinsicht auf § 86 des Statuts mangels Bedürfnisses abgelehnt, wobei jedoch die Bewilligung eines temporären Betlocales für die hohen Feiertage dem ansuchenden Vereine in Aussicht gestellt wird. Ueber das Ansuchen eines Bethausvereines um Bewilligung von Sammlungen wird im Hinblicke auf gewonnene Erfahrungen eine ablehnende Aeußerung beschlossen. Dem Vereine „Union", welcher sich die Aufgabe gestellt hat, mittellosen Glaubensgenossen behufs Erwerbung des Heimatsrechtes unentgeltliche Rechtshilfe angedeihen zu lasten, wird zur Förderung dieser humanitären Bestrebungen ein Betrag von 1000 Kr. votiert. Die Ignaz Natzler'sche Graberhaltungs-Stistung wirb im Sinne des Antrages der 4. Seetion unter gewissen Modalitäten genehmigt. Endlich wird eine Reihe von Personalien und Steuerangelegenheiten erledigt. Schluss der Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags.

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