Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 15 (12.4.1901)
- Date
- 1901-04-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 12. April 1901 Nr. 15 Genehmigung der Statuten von Seite der politischen Behörde gewartet. — Für vorgestern war vom Brauhausbesitzer Herrn Friedrich Winter eine Versammlung im großen Saale des Deutschen Hauses einberufen, welche einen stürmischen Verlauf nahm. Es handelte sich um die Inangriffnahme des schon längst projectierten und höchst nothwendigen Tempelbaues. Dieses Unternehmen stößt wohl auf großem Widerstand von Seite des Cultusvorstandes, um nicht den Gemeindesäckel in Anspruch nehmen zu müssen, aber der Plan liegt in starken, thatkräftigen Händen, und sind wir von der besten Zuversicht beseelt, dass bei einem Fonds von 50.000 fl. der noch fehlende Betrag von 30,000 fl. aufzubringen sein wird. v. L—d. Meran (Ostern in Me ran.) Ich will Ihnen schildern, wie die Juden aller Herren Länder den Peßach in Meran verbringen. Das köstliche Wetter vereinigt hier Menschen aller Nationen und Confessionen, das liebliche Peßachfest, welches uns in der Zeit des bezaubernden Frühlings hier trifft, lässt uns die Fremde nicht fühlen. Wenn wir, berauscht von den Schönheiten der Natur, uns auch leiblich stärken wollen, so vereinigen wir uns im Hause der Gebrüder Beldmann, welche seit 30 Jahren hier ein angesehenes Haus führen. Sie haben eine Haus-Synagoge im ersten Stocke, wo entweder der Hauspatron, einer der Gäste oder der Schächter der Gemeinde die liturgische Function verrichtet. Am Seder- Abend standen drei festlich geschmückte Tische zur Bereitschaft, den Glaubensgenossen die Heimat zu ersetzen, am Kopfe jedes Tisches gab ein Balbos den Seder. Inmitten des strenggläubigen Tirol eine Colonie von Glaubensgenossen, nach einer Vergangenheit von Verfolgungen, die Juden unerschütterlich an ihrem Seder festhaltend, wir lauschen dem „M a n i s ch t a n o h", das Herz pocht, uns die Tage vor das geistige Auge führend, wo wir diese Worte lallen hörten von dem Jüngsten unserer Familie, heute aber noch immer mit Begeisterung der Stunde harrend, wo wir, die Thüre öffnend, auf den Meschiach warten. E. W. Stanislau. (Natürlich das Bl utm ä r ch e n.) Am 30. März l. I. abends zeigte ein Maschinist der Eisenbahn der Polizei an, dass seine 12jährige Tochter seit früh abgängig sei und er nicht wisse, wo sie sich besinde. Da aber unter dem Volke in der Vorstadt (Gorka), wo dieser Maschinist wohnt, einige stramme Arier das Verschwinden des Mädchens mit den bevorstehenden jüdischen Ostern in Zusammenhang bringen wollten, übergab unser wackerer Herr Bürgermeister Dr. Nimhin diese Angelegenheit zwei tüchtigen Polizeiwachtmeistern, und diesen gelang es, Folgendes zu eruieren: Das Mädchen gierig früh mit einer Freundin fort, blieb zu Mittag bei der Freundin, übernachtete auch dort, ohne die Eltern wissen zu lassen, wo sie sich befindet. Nachdem das Kind den Eltern übergeben wurde, beruhigten sich die Gemüther und den Hetzern blieb nichts anderes übrig, als zu schweigen. D. R u b i n st e i n. Lemberg. (Stipendium.) Der galizische Landes- Au sschuss hat das Karl und Regiue L i p i n s k i'sche Stipendium im Betrage von 1000 Kronen jährlich, dem M. Stein aus Stanislau, Schüler des Prof. I. M. Grün am Wiener Conservatorium, verliehen. Herr S t e i n ist ein vielversprechendes Talent, dem Meister Grün eine schöne Zukunft prognosticiert. Jaroslau. (Der Katechet schlägt!) Die Stadt ist unter dem Eindrücke eines unliebsamen Vorfalles, welcher sich in der Schule St. Wojciech ereignete. Der Katechet D e b o w s k i hat den Schüler der IV. Claffe T a b o r s k i dafür geschlagen, weil er mit seinem jüdischen Collegen B r o ch f e l d befreundet ist. Beide Schüler wohnten in einem Hause auf einem Flur. B r o ch f e l d, der Fähigere, half T a b o r s k i bei seinen Arbeiten. Beide verhielten sich in der Schule sehr ruhig. Der Director der Schule Wojciech G u z e k ist vom Geistlichen durch verschiedene Verhältnisse abhängig. Drei Lehrer verließen bereits die Schule. Gegenwärtig beabsichtigt wieder einer wegzugehen. Die Behörde ist verpflichtet, in dieser Angelegenheit zu intervenieren. Pressbnrg. (Ovation für den Rabbiner D r. Fun k.) Im Laufe dieser Woche werden die jüdischen Bewohner Pressburgs, wie wir vernehmen, Rabbiner Dr. Funk eine Adresse überreichen, für seine für das Judenthum bekundete Stellungnahme anlässlich seines Pressprocesses, den er auf Veranlassung seiner Gemeinde gegen den antisemitischen »Grenzboten" im Interesse seiner Reputation angestrengt hat. Der Process hatte folgende Veranlassung: Dr. Funk hat, als der »Grenzbote" anlässlich des Polnaer Mordes für die Rituallüge Propaganda machte, die Juden Pressburgs in einer Kanzelrede, ohne den „Grenzboten" zu nennen, darauf aufmerksam gemachl, dass es mit dem jüdischen Ehrgefühle nicht vereinbar sei, solche journalistische Machwerke zu unterstützen. Der „Grenzbote" veröffentlichte nun gegen Dr. Funk mehrere Hetzartikel, imputierte ihm, dass er die Worte gebraucht hätte „Kaufet nicht bei Christen". Trotzdem nun Dr. Funk ein Mann des Friedens ist, der mit den Seelsorgern aller anderen dortigen Confessionen im besten Einvernehmen lebt und selbst bei Unterstützung armer Studenten keinen Unterschied der Confessionen kennt, hat er sich dennoch infolge der Vorstellungen seiner Gemeinde entschlossen, die Sache gerichtlich austragen zu lassen, da ihm ein anderer Modus der Satisfaction nicht zugebote stand. Die Verhandlung hat das illoyale Vorgehen des „Grenzboten" klargelegt. Die Rede Dr. Funks anlässlich der Verhandlung athmete den Geist der Toleranz und der edelsten Gesinnung, »diese Rede machte einen unvergesslichen Eindruck", wie die „Pressburger Zeitung" bemerkte, welche die Rede vollinhaltlich abdruckte. Ausland. Berlin. (Max Ringgestorbe n.) Max Ring, der Nestor unter den deutschen Romanschriftstellern und Publieisten, ist am 28. März gestorben. Am 22. Juli 1817 in Zauditz bei Ratibor geboren, erhielt er seinen Unterricht auf den Gymnasien! zu Ratibor und Oppeln und bezog 1836 die Universität Breslau, um Medicin zu studieren. Nebenbei beschäftigte sich der junge Student im Verein mit gleichgesinnten Freunden — u. A. dem späteren berühmten Kliniker Ludwig Traube — eifrig mit Literatur und versuchte sich selbst in poetischen Schöpfungen. Er setzte 1838 seine Studien in Berlin fort und bewegte sich hier in einer geistig-lebhaft interessierten Gesellschaft, zu der u. a. auch Bettina von Arnim gehörte. Nach seiner Promotion gedachte er sich an der Berliner Universität als Privatdocent zu habilitieren, aber als Jude musste er darauf verzichten. Er ließ sich deshalb zuerst in Pleß in Schlesien und dann in Gleiwitz als praktischer Arzt nieder. 1850 siedelte er nach Berlin über, wo er ein Jahrzehnt später seine ärztliche Praxis niederlegte, um sich ausschließlich literarischen Arbeiten zu widmen. Ring schrieb eine ungemein große Anzahl von Romanen, Novellen, Dramen u. s. w. Seinen Werken, die zum großen Theile sociale Fragen der Gegenwart behandeln, ist Ernst der Tendenz und Schärfe der Beobachtung des menschlichen Lebens nachzurühmen. Hervorzuheben sind unter seinen Schriften: seine »Lebenserinnerungen" (1897), die besonders ein scharfes Licht auf die Stellung des gebildeten Juden in vormärzlicher Zeit werfen, und der große historische Roman: »Das Haus Hillel" (1879), der, der jüdischen Geschichte entnommen, ein farbenreiches Gemälde der Zustände zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels entwirft. Berlin. (Jüdische Märtyrer.) Ein lang erwarteter Beschluss des Gerichtes in Kouitz hat endlich einigen jüdischen Märtyrern die Freiheit wiedergegeben, die um falscher Anschuldigungen willen seit sechs Monaten im Gefängnis schmachten mussten, bis die mit minutiöser Gründlichkeit und leider auch Langsamkeit geführte Untersuchung ihre Unschuld dargethan hat. Der Kaufmann Josef R o s e n t h a l in Kamin sollte sich nach den Aussagen seines Dienstmädchens angeblich aufgehängt haben, weil ihn die Gewissensbisse wegen des an Winter verübten Mordes nicht länger leben ließen. Diese von R. angeblich zu seiner Frau gethane Aeußerung wollte das Mädchen gehört haben; außerdem behauptete dasselbe, auch gesehen zu haben, wie R. am Nagel an einer Ecke des Zimmers gehangen hatte und wie ihn sein Bruder losschnitt. Rosenthal bestritt die ganze Geschichte, aber es fand sich noch eine Zeugin, eine schwachsinnige Frau, Coper, eine entfernte Verwandte der Roseuthal'schen Familie, die von derselben bisher unterstützt worden war. Diese Frau Coper erklärte, dieselbe Erzählung von der kleinen Tochter des R. gehört zu haben. Angeblich seien dann auch Versuche gemacht worden, das Zeugnis der Coper zu beeinflussen. Diese Bemerkungen genügten nun den Gerichtsbehörden, um vier Mitglieder der Rosenthal'schen Familie zu verhaften und, wie gesagt, volle sechs Monate in Untersuchungshaft zu behalten, obwohl sich sofort bei Beginn des Verfahrens herausstellte, dass die Aussage» des Mädchens unwahr sein mussten, weil Sachverständige des Baufaches coustatierten, dass an den von dieser Person gezeigten Stellen nie ein Nagel gesessen haben konnte. Es entstanden aber allerlei Competenzschwierigkeiten und formale Differenzen zwischen der Staatsanwaltschaft und den Gerichten, so dass den Schwergeprüften erst jetzt die Freiheit wiedergegeben werden konnte. Damit ist abermals einer der Versuche der Antisemiten gescheitert, auf Grund falcher Zeiigenaussagen Juden wegen des Mordes an Winter ins Unglück zu bringe». London. (Zur rumänischen Juden frage.) In der letzten Sitzung des Board of Guardians in London theilte der Vorsitzende mit, dass der englische Premierminister Lord Salisbury mit den Bestrebungen, den rumänischen Juden zu der ihnen von allen Staaten garantierten, leider jedoch nicht gesicherten Gleichberechtigung zu verhelfen, lebhaft sympathisiere. Das auswärtige Amt wolle alles thun, um diese Gleichberechtigung der Juden in Rumänien von der rumänischen Negierung zu erzwingen. Er, Redner, sei aber nicht sanguinisch genug, zu glauben, dass dieser Druck unmittelbar günstige Erfolge haben könnte. Nichtsdestoweniger müsse er dringend bitten, sich jeder öffentlichen Agitation in England zu enthalten. Er könne mit voller Autorität versichern, dass die Schritte, die gegenwärtig vorbereitet werden, einen günstigen Erfolg versprechen. Die Nachricht ist jedenfalls von Bedeutung. Odessa. (Zur Krise.) Der Nothstaud unter unseren Glaubensgenossen im Gouvernement Cherson und in Bessarabien nimmt geradezu entsetzliche Dimensionen an. Alle Berichte stimmen darin überein, dass es sich nicht mehr um eine bloße Calamität handelt, sondern dass die Hungersnoth mit allen ihren Schrecken hereingebrochen ist. Im Kreise Ananiew leiden 4200 Familien mit 12000 Seelen Mangel am Allernothwendigsten, und die Zahl der aller Lebensmittel Entbehrenden wächst von Tag zu Tag. In einem an die jüdischen Blätter gerichteten Schreiben äußern sich die Herren Rechtsanwalt Margulis, Dr. F i n k e l st e i n und Notar H u r o w i tz wie folgt: »Infolge der Missernte, sowie durch die Stockung in Handel und Gewerbe sind die jüdischen Handwerker, Arbeiter und Kleinhändler in den Städten, Städtchen und Dörfern Südrusslands ohne Arbeit und Verdienst. Die Leiden während der vorjährigen Missernte haben die jüdische Bevölkerung des Gouvernements Cherson und Bessarabien derart entkräftet, dass sie gegen die Wiederholung der vorjährigen Katastrophe ganz widerstandsunfähig geworden sind. Viele Leute, die im Vorjahre noch zu den Wohlhabenden zählten, sehen sich jetzt selbst gegenüber der bittersten Noth. Die localen Hilfsmittel wurden bereits im vorigen Jahre erschöpft; die Regierung hilft ausschließlich den Bauern, und die von der Gesellschaft zum „Rothen Kreuz" in den Städten eröffneten Volksküchen nehmen auf die religiösen Vorschriften unserer Speisegesetze keine Rücksicht, so dass sie von den jüdischen Volksmassen nicht benützt werden können." Leider haben die Hilfs-Comitcs, welche im vorigen Jahre in Odessa und Kischenew so vorzüglich functionierten, sich vorzeitig aufgelöst und sind bis jetzt nicht wieder in Aktion getreten, obgleich die Hungersnoth nunmehr seit zehn Wochen in Südrussland wüthet. Offenbar muss es noch weit schlimmer kommen, wenn die leitenden jüdischen Kreise Südrusslands sich zu einer größeren gemeinsamen Action aufraffen sollen. Aber dieses Schlimmste ist bereits eingetreten: in manchen Städten des Gouvernements Cherson ist die furchtbarste Begleiterscheinung des Hungers — der Hungertyphus — unter den ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung ausgebrochen. Auf eine diesbezügliche Mittheilung der jüdischen Wohltätigkeits-Gesellschaft in Cherson, deren Mittel vollständig erschöpft sind, hat der Magistrat Baracken aufgeschlagen, um speciell die an Hungertyphus Erkrankten aufzunehmen. Es wäre aufrichtigst zu wünschen, dass diese gräßlichen Zustände das Erbarmen auch der Brüder im Auslände wecken und dieselben zu Gaben für die Bejammernswerten anspornen mögen. Ein wohlthuendes Beispiel warmherzigen Mitgefühles hat in den letzten Tagen abermals der Gouverneur von Cherson, F ü r st O b o l e n s k i, gegeben. Der Kreisarzt Dr. B j e g u n erhielt von dem Rabbiner des Städtchen Neu- Woronzowka folgendes dringende Telegramm: »Schaffen Sie um Himmelswillen rasche Hilfe! Meine Gemeinde stirbt Hungers. Die Lage ist verzweifelt." Mit dieser Depesche eilte Dr. Bjegun zum Gouverneur, und dieser sandte sofort die telegraphische Ordre nach Neu-Woronzowka, der jüdischen Gemeinde aus den Beständen der Karobka-Gelder 830 Rubel auszuzahlen. Zwei Stunden nach der Absendung seiner Depesche war der Rabbiner bereits im Besitze des Geldes, und der jüdischen Bevölkerung von Neu-Woronzowka war für einige Zeit geholfen. Juden in den süd!. ruthenischen Landen. Geschichtliche Abhandlung von Jrinej Zyteckij.*) In den Vierzigerjahren des XIX. Jahrhunderts wurden in vielen Ortschaften der Krim-Halbinsel zahlreiche Grabdenkmäler und Handschriften gefunden, welche schließen laffcu, dass im VI. Jahrhundert dort schon Juden wohnten. Es kann sogar angenommen werden, dass um dieselbe Zeit Juden auch in den griechischen Colonien am nördlichen Ufer der Asow-See und Schwarzen des Meeres sesshaft waren. Drei Jahrhunderte später waren Juden — nach historischen Denkmälern — außerhalb der Grenzen Krims im Norden und im Nordosten angesiedelt. Im IX. Jahrhundert unterliegt ihrem Einflüsse das weite Chazarenreich, in welchem der jüdische Stamm und die jüdische Religion herrschen und deren Anhänger der Chazarenchan und theilweise auch die Chazarenstädter sind. In derselben Zeit kommen auch Juden in die Lande ruthenischer, Slaven nach Kiew. Ursprünglich waren die Grenzen des freien Ruthenenlandes allen ruhigen Fremdlingen unverschlossen, und auf diese Thatsache ist zurückzuführen, dass im X. Jahrhundert die Juden dort mit cultur-religiösen Bestreben auftreten konnten, worüber die Annalisten — die Taufe des heiligen Wolodymir beschreibend — berichten. Der jüdischen cultur-religiösen Rolle nach im Chazarenreiche und Kiew, der Topographie nach damaliger Ansiedelung der Juden kann angenommen werden, dass die Juden, die in den Annalen des X. Jahrhunderts erwähnt werden, hauptsächlich B i b e l j u d e n waren und hierher unmittelbar aus Asien kamen; ihre Nachkommen, die später mit den verjudeten Tataren sich assimiliert, kennen wir jetzt unter dem Namen Karaiteu. Außer den Bibeljuden erscheinen zu jenen Zeiten in den südlichen ruthenischen Landen auch T a l m u d j u d e n. Wie bekannt, begannen die letzteren sich (in Europa) in Italien anzusiedeln, da verbreiteten sie sich zu Handels- und Gewerbezwecken in den Grenzen des römischen Reiches und kamen hierauf iu die pyrenäische Halbinsel, wo sie — insbesondere im mohammedanischen Zeitabschnitte — eine hervorragende Rolle in der Handels- und Gewerbewelt spielten. In ihrem Baterlande in Klein-Asien bildeten die Juden einen Ackerbaustand. Sogar nach Christum verloren sie diese Eigenschaft nicht. Sv findet man im babylonischen Talmud (verfasst circa 600 nach Chr.) keine Bestimmungen über Handelsangelegenheiten. Es ist in diesen Büchern nur von An- und Verkauf der Ackerbaugeräthe, der Hausthiere, Dünger u. dgl. die Rede. Folglich beschäftigten sich damals jene Juden nicht mit Handel, sondern mit Landmaunsarbeiten. Auch die europäischen Juden waren vor dem XI. Jahrhundert n u r Ackerleute. Die Geschichte verfügt über ganz sichere Documente, dass in Griechenland, in der Lombardei, im nördlichen Italien, im südlichen Frankreich Juden ausschließlich der Landwirtschaft nachgiengen. In anderen Ländern Europas trieben schon Juden Gewerbe und führten Handel, lieber die großen Handels- Unternehmungen der Juden in Spanien und Frankreich schreibt ein Araber im Jahre 880 nach Chr.: „Indem die Juden verschiedene Sprachen kennen und fast überall ihre Glaubensgenossen finden, gehen sie ans ihren Schiffen bis nach Indien und China, hie und da reistet! sie durch die slavischen Länder bis zur Wolga, in das Chazarenreich und sogar in den Turkestan." Jüdischen Quellen nach ist bekannt, dass jüdische Kaufleute in Karawanen große Warenladungen von den Rheinprovinzen in die ruthenischen Lande (wahrscheinlich Nordgalizien) transportierten. Sehr möglich ist's, dass die Juden Westeuropas — Talmudisten — in den südlichen ruthenischen Gegenden schon im IX. Jahrhundert oder noch früher in Handelsangelegenheiten * Erschien im Lernberger „Dilo"; übersetzt aus dem Ruthenischen von Andreas Lehrer.