Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 14 (3.4.1901)
- Date
- 1901-04-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. H Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 3. April 1901 Seite 3 und der ungarische Reichstag nicht unmittelbar vor seiner Auflösung und noch weniger nach derselben die ungarische Delegation wählen könne. Der ungarische Ausgleich im Sinne der Regierungsvorlage dürste wohl kaum vom cisleithauischen Parlamente acceptiert werden, außer den unwaKrscheinlicheu Fall, dass die alte „Rechte" wieder aufersteht. Eine Trennung des gemeinsamen Zollgebietes der Monarchie sei zu verwerfen I und würde in kurzer Zeit Ungarn veranlassen, bald wieder zur Zollunion zurückzukehren. Um einen guten ungarischen Ausgleich zu erzielen, müssen alle Parteien Westösterreichs solidarisch Vorgehen und sich in erster Linie als Oestcrreicher fühlen. Die cisleithanische Nationalitäten-Frage dürfte versumpfen und eine Beruhigung der Gemüther einkehren, wenn die Regierung keine Fehler machte. Die nationale Autonomie, welche vor — 30 Jahren die beste Lösung der österreichischen Nationalitäten- Frage gewesen wäre — ist heute in Oesterreich unmöglich, da „die Königreiche und Länder" so mächtig sind, dass sie bereits die Wahl des — Abgeordnetenhauses für sich reclamieren. An eine neuerliche Ostrnction glaubt Abgeordneter Wrabetz nicht, hält aber eine Aendcrung der Geschäftsordnung für wünschenswert. Abgeordneter W r a b e tz fühlt sich als „W i l d e r" sehr zufrieden und freut sich, der „Deutschen Fortschrittspartei" nicht beigetreten zu sein. In derselben sind die heterogensten Elemente und die verschiedensten Ansichten vertreten. Was die Judcnfrage betrifft, so sei sie, ursprünglich der Roth entsprungen, eine wirtschaftliche gewesen, jetzt sei der Antisemitismus für j viele nur ein Geschäft. Die Christlich-Socialen werden nun langsam an Boden verlieren, weil momentan — die Erben fehlen. Die Bildung einer neuen freiheitlichen P a r t e i sei wünschenswert; aber dazu fehlt vor allem das Geld. Zur Agitation aber gehört Geld, Geld und wieder Geld. Am Samstag den 23. v. M. fand im Festsaale des „Jüdischen Bolksvereines" die Coustituierung des Credit- Jnstitutes für jüdische Gewerbetreibende und Beamte statt; es erscheint wohl überflüssig, die an dieser Stelle wiederholt hervorgehobene Dringlichkeit der Creierung eines solchen Institutes für unsere in mehrfacher Hinsicht unter der Ungunst der Verhältnisse schwer bedrängten kleinen Gewerbsleute nochmals zu begründen. Wer nur ein wenig Einblick in die Verhältnisse zu gewinnen in der Lage war, wird erkennen, dass unter dem immer mehr zunehmenden Boycott auf der einen Seite und der fast unüberwindlichen Gleichgiltigkeit und Hintansetzung auf der anderen Seite zahlose jüdische Existenzen zugrunde gierigen und noch mehr zugrunde zu gehen drohen. Der Vorstand des „Jüdischen Volksvereines", der seit längerem in umsichtiger Weise alle Erhebungen eingeleitet und die Vorarbeiten veranlasste, ist vorsichtig ans Werk gegangen, um nicht in überstürzter, oberflächlicher Art eine Gründung ins Leben zu rufen, und in der That bieten die Persönlichkeiten, welche für diese Sache gewonnen wurden, die Gewähr, dass die Genosienschaft in gewissenhafter und streng kaufmännischer, aber doch auch wohlwollender und rücksichtsvoller Weise geleitet werden und seine socialen Aufgaben voll und ganz erfüllen werde. Der gegenwärtige Zeitpunkt, die Creditverhältnrsse auch für den capitalskräftigeren Gewerbsmann und die bevorstehende Bausaison eröffnen dem neuen Creditvereine ein reiches Gebiet herausgekvmmen, um die Scene mit anznsehen, und da stand neben mir Josef, Kalmens, des Schneiders Sohn. Er war mir nicht ganz unbekannt, denn mehr als einmal beobachtete ich feine strahlenden Angen, sein blühendes Gesicht und seine dunkel glänzenden Locken. Doch hatte ich mit ihm noch nie ein Wort gewechselt. Jetzt also befand er sich an meiner Seite und erzählte mir mit wenigen Worten, dass er bereits die Matura hinter sich habe, und demnächst in eine Universitätsstadt zum Studium der Medicin sich begeben wolle. Seine Stimme klang weich, und mit Lust lauschte ich seinen Worten. Rasch vergieng die Zeit, und ich bemerkte nicht, dass der brennende Stroh- Haufen bereits zu Asche zusammengcsunkcn war, und dass die Leute sich bereits in ihre Stuben zurückgezogen hatten. Ich wäre wahrscheinlich noch recht lange im Hose verblieben, wenn ich nicht plötzlich die strengen Worte meines Vaters vernommen hätte: „Komm' herein!" Und mit dem beiderseitigen Wunsche, dass wir uns noch Wiedersehen wollen, kehrte ich in das Hans zurück. Mein Vater empfieng mich mit den bittersten Vorwürfen, dass ich mit einem Schneiderssvhne öffentlich zusammenkomme. „Es i s a Chumez," schrie mein Vater in heftigem Zorne, „ein Schneiderssohn!" Die Mutter schloss sich der Ansicht des Baters an und erklärte mir, jedoch milderen Tones, dass es der Tochter eines vornehmen Bürgers, eines Jachsen, eines Gemeinde- und Synagogeu-Vorstehers, nicht gezieme, sich öffentlich wie dem Sohne eines simplen Handwerkers zu zeigen. Ich konnte meinen Eltern keine Widerrede leisten, aber während der Feiertage benützte ich die geheime Gelegenheit, um wit ihm zuscmmenzutreffen. Unsere Beziehungen wurden immer inniger, er erklärte, dass ich auf ihn einen unauslöschlichen Eindruck gemacht habe und er mich niemals vergessen werde, und auch ich that einige Versicherungen nicht minder zärtlicher Art, vbfür seine segensvolle Thätigkeit, und es steht wohl zu erwarten, dass er auch aus dem Kreise wohlhabender Volksgenossen, die so oft Tausende „ohne Unterschied der Confession" opfern, jene Förderung erfahren werde, die er verdient. Wir behalten uns vor, aus das Wesen und die Agenden des neuen Instituts noch eingehender zurückzukommen. Chronik des Judenthums. Irriimd. Wien. (Erste jüdische Fr e i le s e h a l l e.) Einem längst gehegten Bedürfnisse Rechnung tragend, hat der „Jüdische Volksverein" in seinen Localitäten, II., Leopoldsgasse 40, eine Freilesehalle errichtet, in der zahlreiche in- und ausländische Journale und Zeitschriften dem Publicum zur Verfügung stehen. Unseren Volksgenossen wird hierdurch Gelegenheit gegeben, ohne irgendwelche Kosten geistige Belehrung und Zerstreuung zu finden. Der Vsrein ladet seine Mitglieder ein, von dieser Freilesehalle den umfassendsten Gebrauch zu machen. Gäste, von Mitgliedern eingeführt, haben freien Zutritt. Die Lesehalle ist an Wochentagen von 12—3 Uhr mittags und von 6—10' Ähr allends, an Sonntagen von 0—2 Uhr, an Samstagen und jüdischen Feiertagen von 10—4 Uhr mittags geöffnet. Wien. (Begräbnis.) Zahlreich war die Menge aufrichtiger Freunde, welche dem Begräbnisse Rosa K o l lni o n n 3 anwohnten, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. An dem offenen Grabe sprachen ihre Freundin, die Präsidentin der „Moria", Natalie Pollak, Primarius Dr. Kornf e l d und Schriftsteller A o r k - S t e i n e r für die Toynbee- Halle, Walter N a g e l st o ck für die „Unitas", Diamant Herr und Fräulein G e l b t u ch für den Schwester-Verein „Hadassa". Wie«. (D a n k s a g u n g.) Der literarische Geselligkeits-Verein „Moria" erlaubt sich allen jenen, welche in den Tagen herben Schmerzes aus Anlass des unerwartet jähen Ablebens ihrer verdienstvollen Vicepräsidentin Rosa Kolliii a n n durch ihre Theilnahme Trost brachten, den innigsten, wärmsten Dank auszusprechen. Natalie Pollak, dzt. Präsidentin. Wien. („Der Stil der Propheten.") Einsehr notabler Gast, Geheimrath Professor Dr.Hermann Cohen von der Marburger Universität, hielt gestern abends, von der „Gesellschaft für Sammlung und Conservierung von Kunst- und historischen Denkniälern des Judenthums" eingeladen, im Festsaale des „Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines" einen Vortrag über den „Stil der Propheten". Dem berühmten Gelehrten kam man augenscheinlich mit gespannter Erwartung entgegen, und dieselbe wurde keineswegs getäuscht. Geheimrath Hermann Cohen ist das anerkannte Haupt der deutschen Neu- Kantianer, und ihm nicht zum wenigsten hat es die Philosophie zu danken, dass sie einen Theil ihrer früheren akademischen Geltung in Deutschland zurückzugewinnen im Begriffe ist. Der nicht ganz mittelgroße Mann mit dem kurzgeschorenen weißen Haupthaar und der blauen Brille, vom Ansehen älter als er ist, betrat schüchtern die Tribüne, aber die Schüchternheit verschwand sofort, als er über die Blätter des Manuscripts hinweg ausdrucksvoll und eindringlich die ersten wohlgefügten Sätze des eineinhalbstündigen Vortrages gesprochen hatte, der bis zum Schluffe durch den fesselnden Reiz der Gedanken wie der Diction die Aufmerksamkeit ununterbrochen gefangen hielt. Den Anfang bildete eine Vergleichung des Stils der Propheten mit dem Stile Platos, das Ende träte fast feierlich, dem Thema entsprechend, in die Synthese aus: „Der Stil der Propheten ist der Stil der Weltgeschichte." Man kann die überquellende Fülle des Gedankeninhaltes dieses Vortrages durch kurze Wiedergabe nicht veranschaulichen, es würde sogar schwer sein, auch nur die einzelnen Perlen zusammenzulesen, die in Gestalt originell geformter Aphorismen der methodischen Durchführung des wohl ich wusste, dass meine Eltern zu einem ernsten Bunde niemals ihre Zustimmung geben würden. •k # * Fünf Jahre waren seitdem vergangen. Die Verhältnisse in unserem Hanse hatten sich zum Schlimmeren gewendet. Einige von den Unternehmungen meines Vaters hatten sehlgeschlagen und unser ganzes Vermögen aufgezehrt. Für die Stadt war dies noch ein Geheimnis, und sein Ansehen und seine Ehre batten noch nicht gelitten. Aber er. selbst machte sich keinen Zweifel über seine Situation. Die Kinder waren größer geworden und mussten versorgt werden, einige kleinere folgten hinter ihnen und mussten erzogen werden, und die Sorgen meiner Eltern mehrten sich von Tag zu Tag. Der Chumez dieses Jahres wurde still in den Hof getragen, die Bedürfnisse für die Feiertage waren mit vieler Mühe gedeckt worden. Der Passah gieng vorüber und eine andere Scene geschah jetzt in unserem Hause. Es war am ersten Tage nach der Festwoche. Der Vater kam von der Synagoge zurück, und die Mutter brachte die Chumezgefäße vom Dachboden herunter. Der Vater saß am Tische, den Kopf in die Hand gestützt, und Trauer lag auf seinem Gesichte, nur die Mutter sah mit feuchten Blicken auf die wieder erschienenen altbekannten Geschirre, als würde sie sich in schnierzlicher Erinnerung fragen, ob sie wiederum wie sonst werden gefüllt werden können. Jetzt wusste sie es: Es war leichter, den Chumez aus dem Hause zu tragen, als neuen hereinzubringen. Die Peßachtage hatten den letzten Heller des Hauses verschlungen und ließen nur Sorge und Kummer hinter sich. Meine jüngeren Schwesterchen und Brüderchen umstanden die Mutter und flehten um Chumez, die Mazze sei ihnen bereits zum Ekel, erklärten sie. Und Schmer!, der Schadchen, erschien im Hause. Themas einen merkwürdigen Glanz verschafften. Gleich zu Anfang die allgemeine Auseinandersetzung über das „Problem des Styls" war eine solche Perle. Die Propheten sind Redner, der platonische Dialog ist das Gegentheil der Redekunst; aber Plato kann der Volksmythen nicht entbehren, er erfindet sogar gelegentlich Mythen, während die Propheten den Volksmythus leidenschaftlich bekämpften. Die platonische Ethik ist die Wissenschaft von der Sittenlehre, aber das Merkmal der prophetischen Rhetorik ist die Sittenlehre selbst. Von dieser Einleitung etwa gieng der Weg des Vortragenden zur Erörterung, Gegeneinanderstellung und Vergleichung tiefsinnigster Antithesen, er streifte den Gegensatz zwischen dem Menschen als Naturwesen und dem Menschen als sittlichem Wesen, den Begriff Gottes als eines „Verhältnisses" zum Menschen und zur Natur, die Beziehungen und Contraste zwischen Ethik und Aesthetik, die verschiedenen Auffassungen von Religion und Kunst, und cs war geradezu beispielgebend, wie es der mit der ganzen Schwere seines Wissenschaftstalars beladene Philosoph zustande brachte, dem massiven Gold seiner Gedanken die leichteste Fassung zu geben. Wie er den „einzigen" Gott, die Transcendenz, begreiflich deutete, wie er aus dem Texte der Propheten die Erhebung vom Einzelmenschen zum Volke und zur Gemeinschaft der Völker erklärte, wie er die Stellung der Propheten zur bildenden Kunst auslegte, wie er endlich von Amos bis Ezechiel die Steigerung der prophetischen Mittel im Dramatischen, Epischen und Lyrischen nachwies — das war in stimmungsvoll abgetöntem Wechsel bald anziehend und farbig wie ein Gemälde, bald ergreifend wie die tragische Beredtsamkeit selber, bic den Propheten von der Zunge quillt. Und nicht etwa vergessen war dabei das politische und socialistische Moment, das plastisch hervortrat in der weiten Perspective von der Zeit des Krieges bis zu der des Friedens, von dem prophetischen Hinweise auf das „Ende der Tage", das nur das Ende der Tage des Krieges zwischen den Völkern bedeutet, von "ein Messias, der nicht ein Heros, sondern der Knecht Gottes, nicht ein strahlender Held, sondern ein Armer ist, von dem tragischen Zwiespalte zwischen dem unaufhaltsamen Untergange des jüdischen Staates und der Wiederauferstehung als Gemeinde. Der Philosoph, der so mit feinster Distinction zugleich die Individualitäten der einzelnen Propheten beschrieb und auseinanderhielt, ward selbst zwar nicht zum Seher, aber zum Dichter. Man verstand den Idealismus, zu dem er als Jünger Kants das philosophische Specialistenthum von heute zurückzuführen beflissen ist, und die Universalität, mit der er sein Thema behandelte, erinnerte an das Wort des antiken Philosophen: Metuo virum unius libri, an dieses Wort, das in den letztverflossenen Jahrzehnten bisweilen seine ganze Bedeutung wieder zu gewinnen schien, weil in diesen Jahrzehnten die Philosophie, von ihrem akademischen Postament herabgedrängt, zur Erkenntnislehre zusammengeschrumpft, wie ein Aschenbrödel an den Universitäten ein kaum noch beachtetes Dasein führte. Wien. (I u b i l ä u in.) Am 29. v. M. feierte in körperlicher und geistiger Frische Herr Architekt Max Fleischer sein 60. Geburtsfest. Der Jubilar errang sich unvergängliche Verdienste um das Juoenthum, er ist eifriger Förderer alles Schönen, Edlen und bekannt und berühmt durch seine modernen Synagogen- Bauten, worunter die architektonisch berühmte, prächtige Synagoge in Budweis. Er gehört dem Curatorium des Jüdischen Museums an, wo er auch durch einen formvollendeten Vortrag über die Wasserleitungen in Jerusalem, welchen er hielt, Aufsehen erregte. Sein Bildnis prangt unter den Mitarbeitern am neuen Rathhause, wodurch er vom Erbauer Meister Schmidt geehrt wurde. E. W . Wien. (Beginn des Gottesdienstes.) Mittwoch, 3. April, 1. Abend Peßach: '/^7 Uhr abends; Donnerstag, 4. April, 2. Abend Peßach: ’3jJ Uhr abends; Freitag, 5. April: :!/47 Uhr abends; Donnerstag, 4. April, Freitag, 5. April, Samstag, 6. April: 8 Uhr früh. Brünn. (Jüdische Lesehalle und Volksbibliothek.) Samstag den 16. März fand im Vereinslocale unter reger Betheiligung der Vereinsmitglieder die Generalversammlung statt. In Abwesenheit des Obmannes Herrn Dr. Em. Löwenstein eröffnete der Obmann-Stellvertreter Dr. L,ig. Wolf die Versammlung, begrüßte die Erschienenen und ertheilte dem Schriftführer Herrn Dr. PH. Schreier zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes das Wort. Dr. Schreier referierte über die Thätigkeit Ich begriff, weshalb er gekommen sei und wer ihn hierher gesandt habe. Für die Feiertage war Josef mit dem Doctordiplom im Koffer, zu seinen Eltern gekommen. Während seiner ganzen Studienzeit hatten wir einander geschrieben, natürlich ohne Wissen meiner Eltern, unser ursprüngliches Verhältnis war zu inniger Liebe entflammt. Ich erzählte ihm alsbald nach seiner Ankunft, dass unsere Situation jetzt eine andere sei, und er schien davon nicht unbefriedigt zu sein. Er leistete auf alle Mitgift Verzicht, die Lage seines Vaters war durch den stetig zunehmenden Kundenkreis eine glänzende geworden. Er hatte bereits seinem Vater von seiner Liebe Mittheilung gemacht, und es befriedigte seinen Ehrgeiz, mit unserer Familie in Verbindung zu treten. „Ich habe eine gute Partie für Ihre Tochter." begann Schmer! zu meinem Vater. Auch die Mutter war aufmerksam geworden und warf dem Vater einen verständnisvollen Blick zu. „Der junge Mann ist Doctor der Medicin und will Ihre Tochter ohne Mitgift nehmen," fuhr Schmerl fort. „Wer ist das?" „Doctor Josef Perlstein." „Der Sohn Kalmen Schneiders?" „Eigener Adel ist mehr wert als ererbter Adel," erwiderte Schmerl. „Perlstein könnte eine Braut mit vielen Tausenden nehmen, aber er liebt Ihre Tochter und verzichtet auf Mitgift." Daher, liebste Freundin, wirst Du jetzt begreifen, warum mir der Tag von Erew Peßach und die Scene des Chumez- Verbrennens in lieber Erinnerung verblieben ist. Es ist ja der Tag, an dem ich meinen lieben M a n n zum erstenmale sah. Er war für mein Vaterhaus im wahren Sinne des Wortes ein Chumez: er brachte Brot in unser Haus! Deine N. N. Konstituierung des Credit- Jnstitutes für jüdische Gewerbetreibende und Beamte.