Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 13 (29.3.1901)
- Date
- 1901-03-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 29. März 1901 Seite 3 Agenten, Hausierer, die jüdischen Lehrer und Fleischhauer wissen davon manches zu erzählen. Als die Vertretung des II. Bezirkes im Gemeinderathe, im Bezirks-Ausschusse und im Parlamente in antisemitische Hände zu gelangen drohte, da entfaltete der „Jüdische Volksverein" seine ganze Kraft, um das zu verhindern, und hat auch in der That bei den bezüglichen Wahlen den Ausschlag gegeben. Von der Erkenntnis ausgehend, dass zahlreiche kleine jüdische Existenzen bei dem immer stärker werdenden Boycott von Seite der Antisemiten einerseits und bei der mangelnden Untersiützung der Juden andererseits zugrunde gehen müssen, hat der Verein ein auf streng rechtlicher Grundlage begründetes Creditinstitut ins Leben gerufen, über dessen bereits erfolgte Constituierung wir nächstens berichten werden. Und so könnten wir die Thätigkeit des „Jüdischen Volksvereines" Gebiete großer Politik herab bis tief in das Kleinleben der jüdischen Masse hinein verfolgen. Genug an dem, der „Jüdische Volksverein" hat sein Lebensrecht und seine Lebenskraft zur Genüge erwiesen, und ist zu einem mächtigen Factor in allen Fragen der Judenschaft her angewachsen. Innerlich gefestigt, geht der „Jüdische Volksverein" nun daran, in den Bezirken Wiens und späterhin in allen größeren Provinzstädten Einzelvereine zu gründen, welche den Zwecken einer Gesammt-Organisation der Juden Oesterreichs dienen sollen. Am 26. d. M. fand die erste Versammlung des neugegründeten Volksvereines für den VIII., IX., XVIII. und XIX. Bezirk statt, welche einen über alle Erwartungen glänzenden Verlauf nahm. Die angesehensten jüdischen Bürger obgenannter Bezirke ' waren anwesend und gaben durch ihren Beitritt zu dem neuen Vereine zu erkennen, dass die von den Rednern ausgegebene Parole „Juden, organisiert Euch!" begeisterten Anklang gesunden hatte. Der Verein zählt heute, dank der unermüdlichen Arbeit seines im IX. Bezirke bestbekannten und bestgeachteten Vorsitzenden Med.-Dr. Zöllner, den die Herren Med.- Dr. Eduard Beer, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Jakob Kohn, Ingenieur I. Löwen bein, M. P app en h eim, I. Steiner und S. K o r n m e h l thatkräftig unterstützten, 150 Mitglieder. Vivant sequentes! Nachstehend der Bericht: Msd.-Or. I. K ö l l n e r begrüßt die Anwesenden und fährt dann fort: „Ihr Erscheinen liefert den Beweis, dass unsere Bestrebungen in Ihrem Herzen Anklang gefunden haben. Sie sind berufen, bei dem Werke, das im Entstehen begriffen ist, mitzuhelfen und mitzuwirken. Ich bin überzeugt, dass jeder Jude, wer immer er auch sei, mit dem Herzen bei uns sein wird. Die heutige Versammlung ist ein Verdienst des „Jüdischen Völksvereins", dem ich schon heute für sein segensreiches Wirken unser aller Dank abstatte." Med.-Dr. Ludwig Beer entwarf hierauf in fesselnder Weise ein Bild von der Lage der Juden in Wien. Er zeigte den Boycott aus allen Gebieten, in wirtschaftlicher und in gesellschaftlicher Hinsicht, und zog den Schluss, dass wir Juden lernen müssen, uns unter Juden auszuleben. Bis wir selbst genügend gekräftigt sind, dann können wir auch unter die Leute um uns gehen, wo man uns als vollwertige und nicht minderwertige, nicht als Ausnahmsmenschen ansieht. Der Einzelne zählt nicht, nur die Gesammtheit wirkt, darum schließen wir uns zusammen, darum gründen wir in unserem Bezirke einen Verein, der zum Sammelpunkte seiner Judenschast werden soll. Treten Sie alle b'e i, jeder l e i st e t d a m i t für sein Volk etwas' Gutes: Er wirkt mit zum Zusammenschlüsse einer Organisation, welche uns fähig machen soll, unsere Feinde a b z u w e h r e n. (Lebhafter Beifall.) Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Jacob Kohn spricht über das Verhältnis der Inden zu den Liberalen und setzt dann fort: „Die Fahne, die von ven Liberalen verlassen wurde, hielten die Juden krampfhaft fest. Sie nützten damit weder sich, noch der Fahne. Die Fahne wurde erobert, und es blieben nur Leichen, unsere Leichen. Der Ursprung der Krankheit, unter der das Judenthum leidet, scheint mir darin gelegen zu sein, dass die Juden iu ihrem Alltagsgewande sich selbst so verachten, wie sie von keinem anderen Volke verachtet werden. Bei der Selbstachtung müssen wir beginnen. Wir müssen einsehen, dass es nicht nur um unsere innere Zufriedenheit geht, dass es sich um die Möglichkeit eines Zusammenlebens mit unseren Kindern handelt, dass verhütet werde, dass diese sagen: „Unser Vater ist noch Jude, wir sind Christen, hoffentlich werden unsere Kinder Antisemiten sein." Wer kann dafür bürgen, dass unsere Kinder nicht das verachten, rvas wir achten, das achten, was wir missachten, dass sie herabblicken auf das verschrobene unmoderne Wesen der Eltern, dass sie sagen: „Wie glücklich wären wir, wenn wir mit diesen nichts zu thun hätten." Da gibt es nur ein Mittel: Lassen Sie sich inficieren von uns, die wir den Weg zurück zum Judenthum bereits gesunden h aben. Sie werden dann einstimmen mit uns in den Chorus: „Die Juden müssen anders werden." Sie werden sich achten, und dann werden die anderen Sie achten. Mit der Achtung der anderen werden Sie auch Ihr Recht finden: Das ist, was wir erstreben." (Langanhaltender Beifall.) Hof- und Gerichts-Advoeat Dr. Carl Lifczis besprach hierauf die Heimatsaelion des „Jüdischen Volksvereines" : „Ueber den großen Zielen darf man die kleinen Aufgaben nicht vergessen. Collen wir die Juden an uns fesseln, so müssen wir sie auf allen ihren Wegen helfend begleiten. Wer immer sich an uns wandte, um Rath oder Hilfe, er hat sie bei uns gefunden. Da wir einsahen, dass es namentlich für die ärmeren Schichten von Bedeutung sei, in Wien heimatsberechtigt zu werden, haben wir ein Rechtsschutz-Bureau errichtet, das allen jenen beistehen soll, welche um die Zuständigkeit nach Wien einkommen wollen." Redner schildert das Wirken desselben und schließt, lebhaft acclamiert, mit der Aufforderung, den „Jüdischen Volksverein" und sein Organ, das »Jüdische Volksblatt" nach Kräften zu fördern. Als letzter Redner sprach der Bicepräsident des „Jüdischen Volksvereines" Herr Richard Nappaport über die „Gesammtorganisation": „Es müsste eine Organisation geschaffen werden, mit der man im politischen Leben rechnen muss, die nicht darauf ausgeht, uns fremden Interessen zu opfern, die unsere jüdischen Interessen mit Glück und Erfolg vertreten könnte. Ein jeder Bau besteht aus Bausteinen. Dieser Verein ist ein Bau st ein zur gewaltigen Organisation der I u d e n O e st erreich s. Wer diesen legt, der erfüllt seine Pflicht gegen die Gesammtheit, und wenn jeder seine Pflicht erfüllt, dann ist mir ums Indent hum nicht bange. I m Z e i ch e n der E i n i g u n g werden wir siege n." (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Der Vorsitzende Herr Dr. Köllner forderte nochmals zu reger Betheiligung an dem Vereine aus und schloss hierauf die Versammlung. In eigener Sache. Wir erhalten folgendes Schreiben: An die oerehrliche Redaction der Zeitschrift „Jüdisches Volksblatt" in Wien. Unter Bezugnahme auf das an meine Adresse gerichtete offene Schreiben in Nr. 12 Ihres Blattes vom 22. März 1901 beehre ich mich, Ihnen mitzutheilen, dass ich mit den Worten: „Man ist sogar so weit gegangen, die gegen meine Person gerichteten Angriffe durch Zusendung jener Zeitungsexemplare zur Kenntnis meines Amtsoorstandes zu bringen" weder gesagt habe, noch dass ich mit denselben, habe andeuten wollen, dass diese Zusendung von der Redaction oder Administration Ihres Blattes ausgegangen ist oder veranlasst wurde. Ich bitte, diese Erklärung im nächsten Blatte zum Abdrucke zu bringen, und zeichne Hochachtungsvoll Dr. R a p p a p o r t k. k. Oberfinanzrath. Ans der Sitzung des DorstnudesderMitm israelitischen Cnltnsgeumnde vom 24. März 1901 unter dem Vorsitze des Ersten Vieepräsidenten Herrn Dr. Alsred Stern. Beginn der Sitzung '/-ll vormittags. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung und gibt seinem Bedauern Ausdruck, infolge seiner Abwesenheit von Wien der letzten Plenarsitzung, in welcher die Reform der inneren Verwaltung beschlossen wurde, nicht beigewohnt zu haben und daher verhindert gewesen sei, seinem oppositionellen Standpunkte gegen die geplante Statuten-Revision, gleichwie er denselben in den vorausgegangenen Comite-Sitzungen geltend machte und begründete, auch in öffentlicher Plenarsitzung Ausdruck zu geben. Hieran anschließend führt Redner weiter aus: Der Kritik sei der Vorstand selbstverständlich unterworfen; eine sachliche Kritik seiner Beschlüsse sei nicht nur gerechtfertigt, sondern auch zu begrüßen. Wenn aber die Grenzen einer sachlichen Kritik überschritten werden, wenn in der Oeffentlichkeit, in Versammlungen oder in der jüdischen Presse aus Anlass unserer Berathungen und Beschlüsse persönliche Angriffe gegen einzelne Vorstandsmitglieder erfolgen, so sei dies bedauerlich, entziehe sich jedoch der Jngerenz des Vorstandes. Wohl aber sehe er sich veranlasst, der Ueberzeugung Ausdruck zu geben, dass derartige persönlich gehässige Angriffe auf Vorstandsmitglieder nicht von Vorstandscollegen ausgegangen oder inspiriert worden seien. Es sei eine gute Tradition des Wiener Cultusvorstandes, sowohl in den Sitzungen als auch außerhalb derselben gegenseitig die üblichen Umgangsformen zu wahren und — möge die Meinungsverschiedenheit welche immer sein — den guten Glauben in der Vertretung der verschiedenen Standpunkte anzunehmen, er gebe seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass der Cultusvorstand diese seine altbewährte Tradition auch ferner einhalten werde. Zu diesen Ausführungen des Herrn Dr. Stern, der — nebenbei gesagt — seinerzeit zu den Gegnern des jetzigen Wahlstatuts gehörte, nun aber conscquenterweise bedauert, „nicht in der Lage gewesen zu sein, seinem oppositionellen Standpunkte gegen die geplante Statutenrevision Ausdruck zu geben", können wir nur bemerken, dass Herr Dr. Stern vorerst für seine Person „den guten Glauben in der Vertretung verschiedener Standpunkte" annehmen müsste, bevor er ihn von anderen zu fordern berechtigt ist. Er hätte es dann unterlassen, unsere Angriffe auf das Mitglied des Cultusvorstandes Herrn von Taus sig gehässige zu nennen, der es für gut fand, die Wähler der allgemeinen Curie — und das sind auch die Wähler des Herrn Dr. Stern — iu ganz unqualificierbarer Weise zu brüskieren. Aus diesem Grunde müssen wir es gleichfalls bedauern, dass Herr Dr. S t e r n der letzten Plenarsitzung des Cultusvorstandes nicht beiwohnte. Denn er hätte nicht umhin können, gehässige Angriffe auf seine Wähler, die von Herrn von Taussig verächtlich „Elemente" genannt werden, energisch zurückzuweisen. Auf das allereutschiedenste aber müssen wir uns gegen die Behauptung verwahren, dass die Leitung dieses Blattes von einem Mitgliede des Cultusvorstandes inspiriert oder gar abhängig sei. Das „Jüdische Volksblatt" hat, wie wir erst letzthin Gelegenheit hatten zu erklären, die Bestimmung, die Interessen des jüdischen Volkes wahrZunehuren, und unabhängig nach oben und nach unten für die Entrechteten unseres Volkes einzutreten. In Erfüllung dieser Aufgabe ist es nicht in der Lage, von irgendjemand D i r e c t i v e n c n t g e g e u z n n e h m e n. Das erhellt übrigens auch aus dem folgendeu Schreiben, das wir von Herrn Cultus- Vvrsteher Hermann E l t b o g e n, dem wir nur w e g e n s e i n e r m a n n h a f t e n Haltung volle Anerkennung zollen, erhalten: Löbliche Redactiott! Mit Bezug auf die Erklärungen, die der Herr Vieepräsident der Cultusgemeinde in der letzten Plenarsitzung abgab, bitte ich Sie, zu eonstatieren, dass ich auf die Redaction Ihres Blattes nicht die mindeste Jngerenz ausübe. Ich habe mich, getreu den Principien, die ich während der Wahleampagne verfocht, veranlasst gesehen, für eine Revision des derzeitigen Wahlstatuts, das ich ungerecht und unjüdisch nannte, einzutreten, und lege Wert darauf, zu betonen, dass ich diesen Kampf itm? im Cultusvorstande und da in sachlicher Weise zu führen bemüffigt bin. Von persönlich gehässigen Angriffen meinerseits kann demnach nicht die Rede sein. Mit vorzüglicher Hochachtung Hermann Eltbogen. Wir fahren in dem Berichte über die Sitzung fort: An Spenden werden bekanntgegeben: Als Legat des seligen Herrn Josef Marco Altschech zur Vertheilung an Arme am Beerdigungstage . . K 290'— Von Frau AmalieHerrnstadt anlässlich der Beerdigung ihrer seligen Mutter Frau Ernestine Bandmann für Arme . . .k Von Frau Katharina Brunner zur Vertheilung an 20 Pfründner des Versorgungshauses.K Von Herrn Moriz Traube für die Brigittenauer Schulküche.K Von Herrn Leopold Ehrlich anlässlich des einjährigen Bestandes seines Geschäftes für Arme.K Von F. Boskowitz für Arme.IC Von Frau Rosa Abeles für arme WöchnerAßnen für arme Waisenkinder. K C. ß. für Waisen.IC Von der Redaction des „Neuen Wiener Tagblatt" für die Brigittenauer Schulküche . . -.• . Von Herrn Eduard Berger für den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen . . Von Herrn Dr. Dagobert Rybaczewski als Buße in einem Ehrenbeleidigungsproceffe für Arme .... Von Regine Arnstein für arme Waisenkinder .... Von „Anonymus" für Arme.K Von Herrn Leopold Keppich für den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. . Von Herrn Adelmar Heimtherw für den Armenfonds Aus den Sammelbüchsen im Währinger Tempel für die Chewra-Kadischa und den Frauen-Verein . . . Von Herrn Ludwig Friedmann Bücher.für das Versorgungshaus. Von Frau Katharina Fleischmann ein Elektrisir-Apparat für das Versorgungshaus. Gegenstand der Tagesordnung bildet die Erledigung von Personalien. (Schluss der Sitzung V-2 Uhr nachmittags.) IC I 0 o G* IC 100 — IC 20'— IC 20'— IC 20'— IC 10-— IC 10.— IC 20'— IC 24'— IC 10 — IC 10'— IC 10 — IC 4*48 IC 4 — IC 2'— IC 176-16 Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Vortrag im „Jüdischen Volksvereine".) Im Festsaale des „Jüdischen Volksvereines" hielt an Stelle der plötzlich erkrankten Frau Dr. Weiß der bekannte Nationalökonom Dr. Paul Weisengrün einen Vortrag über das Thema: „Wer macht den Antisemitismus?" Treffend wies er auf das bornierte Treiben der liberalen Presse, der liberalen Politiker und ihrer jüdischen Schleppträger hin. Mit dem Hinweise, dass ein Bruch mit dieser Clique den Judenthum sofort mehr Achtung verschaffe, schloss er seinen interessanten Vortrag. Wien. (Nachruf.) In der Blüte ihres Lebens, eines Lebens reich an Wärme und innerem Drange, sich überall nützlich zu erweisen, verschied plötzlich und unerwartet am 27. d. M. die verdienstvolle Vicepräsidentin des Jüdischen Mädchen-Vereines „Moria", Fräulein Rosa K o l l m a n n. Wir alle, welche dieses liebe Wesen gekannt, werden ihm ein ehrendes, treues Andenken bewahren und uns dem Willen desjenigen beugen, dessen unerforscht licher Rathschluss unergründlich ist. Friede ihrer Asche. Die Erde sei ihr leicht. Ernestine Wilhelm. Wien. (Ausgezeichnete K ü n st l e r.) Die beiden Künstler David Kohn und Adolf Kaufmann in Wien wurden durch den Besuch der Erzherzoge Rainer und LudwigVictor ausgezeichnet. Die hohen Herren besichtigten eingehend jede einzelne der ausgestellten Arbeiten und drückten in anerkennendster Weise ihre Befriedigung aus. Die vom Maler David K o h n im Künstlerhause ausgestellten beiden Studienköpfe wurden angekauft.. Wien. (Personalnachricht.) Hof- und Gerichts- Advoeat Dr. Severin Landesberger hat seine Kanzlei I., Maria Theresienstraße Nr. 32 eröffnet. Wien. (I ü d i s ch e s M u s e u m.) Sonntag den 3l. d. M., halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse Nr. 9, eine Vorlesung des Herrn Geheimen Negierungsrathes Professor Dr. Hermann Cohen (Marburg): „Der Stil der Propheten" statt. Karten im Jüdischen Museum Samstag von 11—1 Uhr zu beheben. Bodenbach. (T e m p e l - B e r e i n.) Bei der am 24. d. M. stattgehabten constituierenden Versammlung des Tempelbau- Vereines, an welcher Herren und Damen unserer Gemeinde in reicher Zahl theilnahmen, wurden die ersten Wahlen in den Ausschuss dieses Vereines vorgenommen. In der anschließend stattgefundenen constituierenden Ausschusssitzung wurden gewählt: Als Obmann S. Brauner (Tetschen), als Cassier M. Frankl (Bodenbach), als Schriftführer Alsred Pächter (Bodenbach), als dessen Stellvertreter Rabbiner M. Freund, ferner die Herren C. Heller (Tetschen) und Th. Welleminsky (Bodenbach). Der neugewählte Obmann nahm Gelegenheit,' noch vor dem Plenum das Programm der zukünftigen Thätigkeit in trefflichen, markanten Worten zu entwerfen, und fand allgemeinen Anklang und Beifall. Eine am Orte in der zu dem Zwecke gespendeten Büchse eingeleitete Sammlung ergab eine namhafte Summe für den neuen Verein. Möge er wachsen, blühen und gedeihen und sein hehres Ziel m absehbarer Zeit erreichen. Lemberg. (Dr. Bernhard G o l d m a n n gestorben. Mit Dr. G o l d m a n n, der vor einigen Tagen, kaum 59 Jahre alt, in Lemberg verschied, ist eine typische Persönlichkeit der galizischen Judenschaft geschwunden. Dr. Gold mann war der Hauptrepräsentant der jüdischen Assimilations-Bestrebungen in Galizien, deren vollständiges Fiasco er auch miterleben musste. Allein Dr. G o l d m a n n war ein Mann von reinem Charakter und von einem gewissen ideellen Schwung, wie er im Jahre 1863 die gesammte Judenschaft Warschaus durchdrungen hat. Dieser Zug ist selbst heute noch den meisten Assimilanten in Russisch- Polen gemein und zeichnet sie in besonderem Maße gegenüber den Geschäfts- Assimilanten Galiziens aus. Zu Warschau im Jahre 1842 geboren und dort erzogen, stand G o l d m a n n als junger Student unter dem Eindrücke der revolutionären Bewegung im Jahre 1861, oie die Juden Warschaus begeisterte und zu gemeinsamen Kampfe mit den Polen gegen die russische Unterdrückung entflammte. In der Folge kam G o l d m a n n nach Sibirien, wurde jedoch begnadigt und ließ sich später in Lemberg nieder, wo er als Doctor der Rechte und politischer Märtyrer bei einer galizischen Bank angestellt wurde. Von da an beginnt er gemeinsam mit einigen Advacaten den Kampf für die polnische Assimilation der Juden. Als Organ hiefür gründete er oen Verein „Agudas Achim" und die Zeitschrift „Ojczyzna“. Der Kampf richtete sich zuerst gegen die deutsch-centralfftischen Bestrebungen des „Schomer Israel", an dessen Spitze damals der Germane, heute Mitglied des Polenelubs, Herr Dr. B y k, stand. Dieser Kamps war ein leichter, er verlief auch ohne heftigere Bewegung im Sande, denn die Führer des „Schomer Israel" 'treckten, nachdem das Deutschlhum in Galizien nicht mehr feinen Mann nährte, ihre Waffen und giengen in das polnische assimilatorische Lager über, wo ihnen Sinecuren und Mandate wirkten. Dr. Gold m a n n hatte nun das Häuflein Streber um sich, und mit ihrer Unterstützung brachte er es nach mehrjähriger Agitation glücklich dahin, dass der Verein „Agudas Achim" aufgelöst und die .Ojczyzna“ eingestellt wurde. Das Fiasco war fertig. Die