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Jüdisches Volksblatt · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. März 1001 Nr. 10 Die politische Lage in Oesterreich. Interview mit dem Herrenlrausmitgliede Grafen I. Harrach. Graf Har rach, einer der Führer der „Rechten" des Herrenhauses, welcher vor einigen Monaten die Bildung einer die nationalen, cofessionellen und socialen Gegensätze ansgleichenden österreichischen Volkspartei in der Prager „Politik" vorschlug, hatte die Liebenswürdigkeit, einem unserer Mitarbeiter gegenüber seine Anschauungen über die derzeitige politische Situation der Monarchie, und die bedeutensten Streitfragen auseinanderzusetzen. Dieselben gipfeln im wesentlichsten in Folgendem: Es scheint vorläufig eine Beruhigung der Gemüther im Parlamente eingetreten zu sein, der parlamentarische Apparat functioniert; die Haltung des Herrenhauses dürfte wohl dazu beigetragen haben. Wie lange dieser Zustand andauern wird, ist natürlich ungewiss. Der geringste Anlass, ein unberechenbarer Zwischenfall kann neuerliche parlamentarische Stürme zur Consequenz haben und die Frage der Nothwendigkeit einer Verfassungsänderung wieder acut werden. Die Ursache der Wirren in der österreichischen Monarchie ist nicht in der allerjüngsten Zeit zu suchen, sondern auf das Jahr 1867 zurückzuführen, auf die durch die dualistische December-Verfassung erfolgte Zweitheilung des Reiches. Ebenso begründet wie das ungarische Staatsrecht ist das böhmische, und in der preußischen Proclamation, im Jahre 1866 an das Königreich Böhmen auch anerkannt worden. Die Realisierung des böhmischen Staatsrechtes ist allerdings nur im Einverständnisse mit den Deutschen möglich; es mehren sich ja auch auf deutscher Seite die föderalistischen Stimmen, welche eine Erweiterung der Länder-Autonomie fordern. Was den Ländern zum Wohle gereicht, nützt auch der Einheit und Machtstellung des Reiches. Das wesentlichste Mittel zur Herstellung der Ruhe, des Friedens im Reiche ist die obligatorische Einführung der zweiten Landessprache an den Schulen, die unendlich wichtiger für jeden Bewohner der Monarchie ist, als die Kenntnis der griechischen, englischen Sprache oder diversen anderen Ballastes. Wenn in diesem Sinne die Lösung der Sprachenfrage angebahnt ist, so ist ein Hauptgrund der nationalen Streitigkeiten beseitigt. Die deutsche Sprache wird dabei nichts verlieren und ihre Stellung als österreichische Verständigungssprache, die sie thatsächlich einnimmt, auch ohne Condificierung als deutsche Staatssprache, behaupten. Bei den derzeitigen politischen Verhältnissen müsste die slavische Bevölkerung der österreichischen Monarchie in einer gesetzlichen Anerkennung der deutschen Staatssprache eine Beleidigung erblicken; denn die Anerkennung der deutschen Staatssprache wäre eine Anerkennung des deutschen Charakters Oesterreichs. In Oesterreich muss endlich gerecht regiert werden gerecht gegen alle Bewohner der Monarchie. Innerhalb des Verbandes der einzelnen Länder des Reiches muss die Gleichberechtigung durchgeführt werden, dann werden die centrifngalen Aspirationen auf Zerreißung der Länder und des Reiches verschwinden. Versagt der parlamentarische Apparat neuerlich, dann wird die Frage wieder actnell, ob man nicht wieder den Landtagen die Wahlen in den Reichsrath zurückgcben soll, die ja seinerzeit nur mit einer geringen Stimmenmehrheit entzogen wurden. Die Monarchie der Habsburger ist historisch durch eine Aneinandergliederung gleichberechtigter Königreiche und Länder entstanden, und nur in der ruhigen Weiterentwicklung auf dieser Grundlage, auf der auch das October-Decret basierte, kann das Heil der Monarchie und aller seiner Theile und Völker gefunden werden. Wien aber, als die Capitale des Reiches, die Hauptstadt dieser vielsprachigen Monarchie, muss vor allem gerecht gegen alle Nationen sein. Es werden unter der christlich-socialen Communalverwaltung die Slavrn ebenso ungerecht behandelt, wie unter dem früheren deutsch-liberalen Regime. Czechen und Slovenen werden, wenn sie auch der deutschen Sprache mächtig sind, nicht angestellt. Derselben Quelle der nationalen Unduldsamkeit gegen alle anderen Nationen entspringt auch der Antisemitismus. Di-' Inden haben in Wien ein unduldsames Regime gegen die Slaven gefördert, und die Constquenz davon war, dass ein großer Theil der Czechen sich den Christlich- Socialen zuwandte. Thatsächlich aber ist von einrr Gerechtigkeit bei der derzeitigen Communalverwaltung von Wien gegen die Slaven ebensowenig zu suchen, als bei der früherern. Der Antisemitismus unter den Deutschen entspringt der Furcht vor den Inden, ebenso wie der Antislavismus der Furcht vor' dem Verluste des nur deutschen Charakters der Stadt Wien. Die Juden, die unter den slavischen Völkern der Monarchie leben und von denselben, haben den dort herrschenden Aittlsemitlsmus auf ihre Parteinahme für die deutsche, respcctive magyarische Sache znrückznführen. Zur Beseitigung des Antisemitismus müssen die Judenwelche theilweise ihre Individualität bewahrt, theilweise sich assimiliert haben es vor allem unterlassen, gegen die nationalen Lebensinteressen cher Völker, unter denen sie leben, Stellung zu nehmen, und das gleiche Recht, das sie für sich fordern, auch für alle anderen fördern. Die Verhältnisse werden, wenn sie sich weiter so znspitzen, immer mehr dazu drängen, das Banner einer österreichischen Partei zu entrollen, mit der obersten Devise: Herst» llnng des inneren Friedens auf Grundlage dcs gleichen Rechtes aller Bewohner der Monarchie. $oriölbfittolMtifd)cr' ' '.*) Professor Wagner über die Socialdemokraten. — Eine vorzeitige Decadence. — Jnng-Berkauf. — Jüdische Salonsoeialisteu. — Die Politik der Judenheit und die Socialdemokratie. „Die Socialdemokraten sind weder in Deutschland noch in Oesterreich eine Macht!" Professor Ad. Wagner sprach in der jüngsten Versammlung der Wiener Socialpolitiker, trotz des heftigen Widerspruches der sattsam bekannten Wiener Salon- Socialisten, diese Worte mit großer Gelassenheit aus, und sie machten einen seltsamen Eindruck auf ein Publicum, das gewöhnt ist, sehr viel von clericalen Uebergriffen und agrarischer Begehrlichkeit, sehr wenig aber von socialdemokratischem Hochmutb zu hören. Der Satz selbst enthält, wenn man nur die deutschen Verhältnisse ins Auge fasst, eine starke Uebertreibung. In Preußen-Deutschland, wo die ungeheuren Arbeiter- Bataillone durch zahlreiche disciplinierte Unterofsiciere zusammengehalten werden, wo sich ein starker militärischer Geist in den Reihen der Genossen mit einer freieren und beweglichen Intelligenz der Führer glücklich vereint, dort ist die Socialdemokratie in der That ein riesiger Machtfactor, und nur derjenige kann dies im Ernste übersehen, der stets den Gedanken an Macht mit den Ideen: Kanonen und Bajonnette zu verbinden pflegt. Umso wahrer ist der Satz Wagners für Oesterreich.. Von 14 socialdemokratischen Abgeordneten, an sich sicherlich schon eine geringe Zahl, kehrten bloß zehn ins neue Haus zurück, und den acht Mandaten, die sie in Böhmen und Mähren in reinen Arbeiterkreisen verloren, stehen Siege gegenüber, die fast ausschließlich mit Hilfe „bürgerlicher" Elemente, im Zeichen des Kampfes wider den Clericalismus erfochten wurden. Ungeschickt in der Nationalitäten-Frage, ohne große Führer, wie Bebel und V o l l m a r, politischen Drehköpfen ansgeliefert, beginnt diese kleine, allzu kleine Partei schon jetzt viel von ihrer Werbekraft einzubüßeu. Eine vorzeitige Decadence ist in ihren Reihen zu spüren, und was noch traurig r ist, vergeblich spähen wir nach Anzeichen einer rosigeren Zukunft, nach Möglichkeit eines Besserwerdens. Weder sind Aussichten vorhanden, dass die österreichische Industrie lawinenartig anwachse und unzählige „Genossen" von selbst, der Ungeschicklichkeit der Führer zum Trotz, durch die Logik der Thatsachen etwa, gewonnen werdensollten, noch ist anzunehmen, dass über Nacht der schlimme Nationalitätenhader plötzlich verschwinde, und im Rausche allgemeinen Bölkerfriedens die Socialdemokratie zu unverdienten Triumphen gelangen könne. Weder Parlamentarismus noch § 14, weder das allgemeine Stimmrecht, noch das Zurückgehen der „Lnegerci", könnten hier Hilfe bringen... Jedoch den weisen Männern, die sich jüngst im Ronacher- Saale über agrarische Begehrlichkeit und junkerliche Frechheit nicht genüg entrüsten konnten, dämmerte solche Erkenntnis nicht. Sie begrüßten mit frenetischem Beifall den ehemaligen Kadimahner V e r k a u f, der so that, als ob es für ihn keine verlorene Wahlschlacht gegeben hätte, und mit einer Heftigkeit, die den Nationaljudcn wider Willen verrieth, Drohungen gegen die Agrarier unb die Regierung ansstieß. Ja, es war ein fürchterlicher Anblick, als Verkauf mit erhobenen Händen drohte, die Arbeiter werden zum Aeußersten greifen, werden alles zertrümmern und vernichten, wenn die österreichischen Agrarier je ihre Ziele erreichen sollten. Die Beifullssalve seitens der meisten Anwesenden verrieth allzu deutlich, dass das Publicum die politische Geschmacklosigkeit des Redners, um den wildesten Ausdruck hierfür zu gebrauchen, vollauf theilte. Wie? Man kann als Socialdemokrat in einem reinen Arbeitcrbezirke mit Schimpf und Schande durchfallen, und es ist dennoch gestattet, ja geboten, sich als Machtfactor ersten Ranges aufzuspielen? Ohne den Zuhörern ein Lächeln zu entlocken, die fürchterlichsten Drohungen auszustoßen; so zu thnn, als ob man die Gesamnitbevölkerung Oesterreichs gleich anfmarschieren lassen könnte, wenn man nur wollte? Fürwahr! Ein Zurschautragen der Macht, die ein Bebel dem echten deutschen Proletariat niemals zu bieten wagen würde. Jnng- Berkauf wagt es, unter dem befriedigten Schmunzeln der Talmi-Socialisten des Ronacher-Saales! Uns Juden, die wir schon seit geraumer Zeit uns bemühen. eine specielle Organisation unserer Volksgenossen herbeiznfnhreu, kommt dieser socialdemokratische Hochmuth bereits theuer zu stehen. Was sicht es diese jüdischen Salon-Socialisten an, wenn man sich in ganz Europa über sie lustig Nlacht, wenn selbst der lvahre österreichische Proletarier über rhr Treiben die Achseln zuckt; sie fühlen sich sauwohl dabei und tragen dieselbe selbstgefällige, überlegene Miene zur Schau wie ihre Väter, die Ltbcralen — Gott habe sie selig! Wer hat den Bankerott der liberalen Partei am schwersten gebüßt? Die Juden. Wer wird die Unzufriedenheit ernten, den jener svcialdemvkratische Hochmuth säet? Wiederum die Jaden. Das Auftreten Verkaufs ist keineswegs ein vereinzeltes Symptom. Die Socialdemvkraten treten bei jeder Gelegenheit so protzig auf, und die Socialpolitiker, ihre treue bürgerliche Gesellschaft, plappern ihnen ihre Weisheit bewundernd nach. Diese Socialpolitiker bilden aber das Bindeglied zivischen den Socialdemokraten und den Inden. So verdichtet sich allmählich ihre unbetviesene und vage Idee von der kolossalen Macht der marxistischen Socialdemokcatie in Oesterreich zur Legende, und unbewiesene Sätze werden dergestalt zum nicht mehr zu beweisenden Dogma erhoben. Darunter leidet die g a n z e P o l i t i k d e r I u d e nh e i t. Das erste, bereits erlvähnte politische Dogma gebiert ein ziveites: Weil die österreichische Socialdemokratie allmächtig ist, kann sie selbstverständlich auch alle Aufgaben des österreichischen Staates lösen, sie wird also ebenso selbstverständlich die Judenfcage zum richligen Abschlüsse bringen. Die öster- *) Bon einem hervorragenden Fachmanns erhalten wir den folgenden Artikel, den wir unseren Lesern nicht vorenthalken zu dürfen glauben. reichische Socialdemokratie kann alles — wartet es nur ab! Diese politische Taktik ist überaus verhängnisvoll, deshalb muss ein jeder, der sich ernstlich bemüht, das zweite Dogma zn zerstören, das erste zuvor mit aller Macht zu bekämpfen suchen. Wir bewusste Inden, die m ehr als Steuerzahler der Cultnsgemeinde sein wollen, sind beileibe keine Feinde des Proletariats. Wir haben nicht das Geringste gegen eine Socialreform großeil Stiles einzuwenden, und wir sind auch meinetwegen für das collectivistische Endziel! Wir leben aber in Oesterreich, einem Lande mit relativ geringer Industrie, wo irr ganzen Kronländern der Bauer, derKleinbürger herrscht, in einem Staatswesen mit selbst in glücklicheren Zeiten nur ungeheuer langsam functionierendem parlamentarischen Apparat, in einem Lande, wo die öffentliche Meinung eine quantitc negligeable des politischen Lebens darstellt. Das dürfen wir nie vergessen, und darum ist es Vonnöthen, unseren Volksgenossen zehnmal und hundertmal den Satz zu wiederholen: In Oesterreich ist die Socialdemokratie keine Macht und wird es in absehbarer Zeit auch nicht werden! Vom Tage. Ein Ehremrramt. Natürlich ist Karl Kraus gemeint, der bei der Besprechung der Liguori-Angelegenheit die „Extrapost" als jüdisch-nationales Blatt bezeichnet. Allerdings hatte sie einmal diese Tendenz, gieng jedoch vor geraumer Zeit in. anderen Besitz über und hat seither eine der jüdischnationalen diametral entgegensetzte Tendenz, wie schon aus ihrer Polemik gegen die Jüdisch-Nationalen zu ersehen ist. Da Karl Kraus erst kürzlich eine Berichtigung des Herausgebers und Eigenthümers der „Extrapost" erhielt, musste er wissen, dass sich das Blatt in den Händen eines christlichen Deutschen befindet. Es handelt sich also bei dem sauberen Herrn Kraus nicht etwa um einen Jrrthum, sondern um eine bewusste Lüge. Selbstverständlich wird dieser Ehrenmann seine neueste Erfindung ebensowenig richtig stellen, wie die bisherigen Lügen, die wir ihm nachgewiefen haben. In Unterschlagungen, die er so gerne anderen Journalisten vorwirft, hat er es ja zu einer Fingerfertigkeit gebracht, um die ihn die bewährtesten- Lang—Hände beneiden können. Selbstverständlich hat er die Notiz so abgefasst, dass eine Berichtigung nach dem Gesetze nicht möglich ist. Ein solcher Vorgang war bisher ein beliebtes Mittel der Revolver-Journalistik. * * * Die dieswöchentliche Thätigkert unserer Abgeordneten Die zärtliche Fürsorge des Herrn Dr. Ofner für die Telephonistinnen erstreckt sich nun auch auf die Schauspielerinnen. Verbindet ihn doch mit dem Schauspieler mancherlei Gemeinsames! Spielt man denn bloß auf der Bühne Komödie? Oder ist es nicht eine Tragikomödie, wenn man Dr. Ofner die „Allgemeine Menschheit" vertreten sieht? Seine Wahl ins Parlament ist ja nichts anderes, als ein Contract auf drei Jahre für die Bühne am Frauzensring. — Dr. Vogler ließ sich in die Delegationen wählen, und an Dc. Ellenbogen hätten wir bald vergessen, wenn er nicht — einige Zwischenrufe gemacht hätte. Der „Jüdische Volksverein" bei der Arbeit. (Versa m u. l n n g des „I ü d i s ch e n B o l k s v e r e i n e s" für den VIII., IX., XVIII. und XIX. Bezirk.) M. Als vor wenigen Jahren einige opferfreudige Männer sich zusammenschlossen und durch die Gründung des „Jüdischen Volksvereines" den ersten Schritt zur Schaffung einer Gesammtorganlsation der Inden Oesterreichs thaten, da fehlte es nicht an Nörglern und an Zweiflern, welche dem neuen Beginnen die Existenzmöglichkeit nuterbinden oder abfprechen wollten. Die Finen, welche die Hoffnung hegten, dass die Assim lation der Inden mit der Zeit auch das Jndenthum selbst beseitigen würde, und welche unwillig waren, dass der Verein in neuerer Zeit das alte Lied, das Lied von der Zusammengehörigkeit der Inden anstimmte und ihren Wünschen ein neues ----- und wie sie ahnten —- uiiüberfteigliches Bollwerk entgegeusteiumte, die anderen, welche den Juden die Möglichkeit des Bestehens innerhalb unseres Staates überhaupt bestritten und sie bestimmen wollten, ihre Wohnsitze zn verlassen und den vielen Feinden um uns und in uns das Feld zu räumen. Unbeirrt von beiden gieng der „Jüdische Volksverein" seinen Weg zum Heile des Judeuthilms. Er trotzte den Feinden um uns manchen Erfolg ab, der dann den Armen und Aermsteu unserer Volksgenossen zugute kam, er scheute auch nicht den Kampf mit den Feinden unter uns. die, nnbelehrt von den Schlügen, mit denen Anbecsuationale ihre Annäherung abwiesen, ein rückgratloses „Los vom Jndenthum" und ein rückhaltsloses Aufgehen der Juden in den sie umgebenden Völkerschaften entgegen deren Willen predigten. Schritt für Schritt hat sich der „Jüdische Bolksverein" eine achtunggebietende Stellung im politischen und jüdischen Leben Wiens erkämpft, und es hat in den letzten Jahren kaum eine Wahl, sei es in politische, sei es in jüdische Vertretnngskölper, gegeben, bei der der „Jüdische Volksverein" nicht sein gewichtiges Wort in die Wagichale geworfen hätte. Auch die Zeit zwischen den Wahlen wurde zn kleineren, doch nicht minder gewichtigen Actionen benützt. Wo es eine jüdische Existenz zn retten oder zu erhalten gab, da griff der Verein erfolgreich ein und hat auf diese Weise ganze Berufsgeuossenschasten an sich gekettet. Die jüdischen Kleingewerbetreibenden, 144

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