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Jüdisches Volksblatt · 1901-03-22 · 12 (22.3.1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
12 (22.3.1901)
Date
1901-03-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. März 1901 Seite 5 Geschlecht noch weiter vermehrt. Hier in Paris allein gibt es etliche zwanzig Familien Rothschild. Seit einem Jahrhundert halten die Rothschild, wo sie auch sitzen mögen, eng und eifrig zusammen, arbeiten sich in die Hände. Deshalb wurde schon der erste Rothschild mit seinen fünf'Söhnen eine Großmacht in der Geldwelt. Das ganze Geheimnis des Einparkommens und des Fortbestandes der Rothschild liegt in diesem Zusammenwirken, in der beständigen Arbeit. Der Beginn des Rochschild'schen unverbrüchlichen Zusammenhaltens fällt dabei gerade in die Zeit der Zersplitterung, Zerreißung und Vergeudung, als die alten weltlichen und geistlichen Genossenschaften, Körperschaften vernichtet, ihr Besitz aurgetheilt, verschleudert wurde. Was vermochte diese in ihre ersten Bestandtheile aufgelöste Genossenschaft von uneinigen Kleinbesitzern und Besitzlosen gegen die in einer Hand vereinigte Goldmacht? Die Dinge liegen meist einfacher als man glaubt. Es bedarf keiner außerordentlichen Ursachen, um das Emporkommen der Rothschild zu erklären. In Frankfurt besonders hatten die Rothschild viele Kunstschätze gesammelt, die allmählich hierher und nach London gebracht wurden. Der letzte Rest soll nun.nach London kommen. Besonders viele Gold- und Silberarbeiten, kostbare alte Schmucksachen befinden sich darunter, namentlich auch die größte Sammlung von Werken des berühmtesten Nürnberger Goldschmiedes Jamnitzer. Kirchliche Gefäße, Reliquienschreine, Leuchter, Altarschmuck befinden sich zahlreich darunter. Auf der Weltausstellung im Petit Palais war Rothschild u. a. durch sieben oder acht Stück Porzellan vertreten, die allein 4—500.000 Frcs. kosteten. Als Haupt des ganzen Geschlechtes gilt Gustave v. Rothschild, welcher am Platze de la Concorde, in dem Palaste Talleyrands wohnt. Im Faubourg Saint-Honorö und in der Rue Laffitte sitzen je vier oder fünf Rothschild, ein anderer hat seinen Palast gegenüber dem Elysüe. Die Jüdisch-Nationalen in Mähren. (Orig.-Corr. des „Jüd. Volksblatt.") Brünn, den 12. März 1001. Es ist eine allbekannte, unbestrittene Thatsache, dass die Juden im politischen Leben Mährens eine sehr wichtige Rolle spielen, dass insbesonders von ihrem Verhalten das Wohl und Wehe der Deutschen abhängt. — Die Zustände innerhalb der mährischen Judenschaft haben in den letzten Jahren tiefeingreisende Veränderungen erfahren, und inwieferne diese' auf das Politische Leben in Mähren von Einfluss sind, möge hier angedeutet werden. Der erwachte czechische Nationalismus rüttelte die Juden ans einem verhältnismäßig ruhigen Leben auf. Die Czechen, die bisher im Inden den Vertreter der überlegenen deutschen Intelligenz geachtet hatten, erkannten bald in ihm den schädlichsten Feind ihres aufstrebenden nationalen Lebens. Einerseits dadurch, dass er, in größeren Orten das Zünglein an der Wage bildend, diese stets zugunsten der Deutschen sich neigen ließ, und daun, dass er am flachen Lande draußen nahezu der alleinige Vertreter des Deutschthums war. Hand in Hand mit dem Erstarken des czechischen Nationalismus gieng daher eine fröhliche Judenhetze, die in der Jnscenierung und intensivsten Ausnützung des Polnaer „R-tualmordes" und den Holleschauer Excessen erhebenden Ausdruck fand und jetzt den ruhigeren Weg der Organisierung eines wirtschaftlichen Boycotts wandelt. Dieser Kampf gegen die Inden wird von zwei verschiedenen Parteien geführt, die sich gegenseitig selbst aufs heftigste bekämpfen. Von den vom niederen Clerus geführten czechisch-clericalen Antisemiten und von der „freisinnigen" Volkspartei. Diese Gegnerschaft, die an Verleumdungskraft und Niedrigkeit der czechisch-clericalen in nichts nachsteht, entbehrt nicht eines interessanten Beigeschmackes. Der Führer der „Freisinnigen" ist ein getaufter Jude, der trotzdem in der jungczechischen Partei eine große Rolle spielt, und er glaubt es seiner Objectivität gegenüber dem Judenthum schuldig zu sein, in seinem Organe stramm die antisemitische Trommel zu rühren. Während nun auf der einen Seite aus einem indifferenten Dritten ein höchst gefährlicher Feind wurde, gieng andererseits ein großer Theil der liberalen Herrlichkeit flöten. Diese Thatsachen ließen in einem Theile der mährischen Judenschaft die Idee einer politischen jüdischen Organisation auf nationaler Grundlage reifen, die durch die zionistische Agitation vorbereitet wurde. Der Terrorismus der Czechen, sowie die ganz besondere Roheit ihres Antisemitismus, wie sie sich in der noch immer andauernden Ausnützung der Polnaer Affaire zeigten und zeigen, machen es den Juden derzeit unmöglich, in Orten deutschen Regimes sich den Czechen anzuschließen, oder die Deutschen durch Wahlenthaltung zu stürzen, was vor Erwachen dcS czechischen Antisemitismus ein Act politischer Klugheit gewesen wäre. In dem weiteren Verhalten der Juden zum Deutschthum tritt aber eine tiefgreifende Aendcrung ein, die geeignet erscheint, auch in dem Verhalten der deutschen Parteien untereinander nachzuwirke». Es ist dies das Aufgeben der nationalen Assimilations-Bestrebungen. Der Cardiualpunkt der Forderungen der Juden an eine liberale Partei war: Anerkennung der deutschen Nationalität. Nun wächst aber eine Generation heran, zum Theile tritt sie schon ins öffentliche Leben ein, in der deutscher und ezechischer Antisemitismus das Bewusstsein der eigenen Nationalität gezeitigt hat. Was von deur Alten entwicklungsfähig und nicht im österreichischen Liberalismus der Siebzigerjahre stecken geblieben ist, oder sich der liberalen Partei mit Haut und Haar verschrieben hat. machte oder macht jetzt diese Wandlung von Assimilation zum jüdischen Nationalismus durch. Wie verhalten sich nun die Deutschliberalen dem Nationalismus gegenüber? In einer gänzlich falschen Toleranz „verstehe» sie diese Betvegung nicht", erkennen „auch" im Juden einen Deutschen, schweigen aber für gewöhnlich, besonders der großen Oeffentlichkeit gegenüber, diese Bewegung todt, obzwar sie von den jüdischen Stimmen größten Nutzen ziehen, ja nahezu den Juden ihre Existenz verdanken. Damit zeigt die liberale Partei nur wieder ihre bekannte Kurzsichtigkeit, den Mangel einer weitansschauenden Politik. Die Juden sind einmal in Mähren ein sehr wichtiger Factor, für die Deutschliberalen der wichtigste. Es ist nun für den jüdischen Handels- und Gewerbestand in Mähren von vitalstem Interesse, das Deutschlhuni, die Angehörigkeit zur deutschen Nation, insoweit sie in seinen Augen noch bestanden hat, abzulegen, und seine eigene Nativnalirät zu betonen. Damit wird der Jude dem berechtigten Verlangen der czechischen Bevölkerung, auf die er in seinem Erwerbsleben hauptsächlich angewiesen ist, gerecht. Die liberale Partei aber könnte uns sehr dankbar sein dafür, dass wir für sie die heikle Jndenfrage lösen: wenn dies in diesem einzig möglichen Sinne geschehen ist, kann Herr Wolf mit Herrn Schneider eine eigene antisemitischeFraction bilden. DieJüdisch-Nationalenverlangenvom deutschen politischen Bundesgenossen keineGnade, kein Vergessen und Uebersehen des Judenthums, sondern Achtung und Gleichschätzung, wie sie Menschen von Menschen entgegengebracht werden sollen. Wir brauchen keine fremde Nationalität mehr, weil wir unsere iegene haben. — Wenn sich die liberale Partei in Mähren in gewissen Orten, in denen ein Zusammengehen mit ihr nicht gegen unser Lebensintcresse ist, einen wertvollen Bundesgenossen erhalten und diesen stärken will, wird sie gut thun, sich mit dem kräftig aufsprießenden jüdischen Nationalismus zu befassen, und sich von dein, im Punkte der Judenfrage thatsächlich bestehenden schädlichen jüdischen Einflüsse gewisser Kreise zu befreien. Es erübrigt noch, über das Verhalten dieser gewissen Kreise einige Worte zu verlieren. Es gibt so viele Juden, die sich eine Judeuschaft als solche nur hinter Gbettomanern denken können, die sich eine national umgrenzte Jndenschaft nur als Folge eines äußeren Zwanges, wie er eben früher die Juden ins Ghetto stieß, vorstellen, und die demgemäß in einem freiwilligen Lossagcn von fremder Nationalität und unaufgeforderter Bekeunung der eigenen jüdischen Nationalität, freiwillige Rückkehr ins Ghetto sehen. Wie eingangs des Satzes erwähnt, sind diese Worte verloren, insoweit sie Polemik bezwecken würden. Die gewissen jüdischen Kreise sind die Abkömmlinge jener Juden, die in der Wanderung unter Moses' Führung nur den Weg von den Fleischtöpfen ins Elend sahen. Diese „Deutschen mosaischer Confession" sehen im jüdischen Nationalismus, der ja von Assimilanten thatsächlich Opfer verlangt, nur dieses Opfer, nicht aber die einzige Möglichkeit zur Erreichung einer sicheren Zukunft für das jüdische Volk. Das lässt uns aber froh in die Zukunft sehen, dass die Generation, die die Fleischtöpfe des Liberalismus nur vom Hörensagen kennt, bereits heranwächst. N. S. Für diese Rubrik übernimmt die Nedaction keine Verantwortug. Indischer Schulverein im X. Wiener Gemeindebezirke X. Bezirk, H a se n g as s e Nr. 7. Wien, am 19. Marz 1901. Löbliche Redaction! Sie werden uns verbinden, wenn Sie Nachstehendem in Ihrem geschätzten Blatte Räum geben: Der jüdische Schulvereiu im X. Bezirke, der sich die hehre Aufgabe gestellt hat, jüdische Geschichte und Literatur zu lehren und zu pflegen, was er auch durch unentgeltlichen Unterricht an 250 Kinder bethätigt, hat es auch versucht, während der Wintersaison einmal im Monate populär-wissenschaftlich gehaltene Vortragsabende für Erwachsene abzuhalten. Mit Befriedigung kann der Verein constatiren, dass speciell in dieser Saison der Besuch ein besonders guter war. uud sieht sich der Vorstand verpflichtet, die Vorträge der Herren Rabbiner D. L öwy, Dr. A. L. Mandel, Dr. Julius Max Bach, Dr. E. H. Kaufmann, Virovitica (Slavonien), welche sich in uneigennützigster Weise unseren Bestrebungen zur Verfügung stellten, rühmlich hervorzuheben und ihnen auf diesem Wege unseren Dank abzustatten. Für den Vorstand: S. Knöpfelmacher Jacob S. Straßberg Schriftführer Obmann Wien. (D o r,V er e i n z i o n ist i s ch e r F r a u e n u n d Mädchen in Fünfh au§“) hielt am 16. ö. M. in den Saallocalitäten des Restaurant Herlinger eine Purim-Feier ab, die überaus zahlreich besucht war und einen erfreulichen Beweis für die Rührigkeit und Popularität dieses Vereines erbrachte. Der Neigen der Vorträge wurde duch einen einactigen Schwank „Im dritten Stock" eröffnet, bei welchem die Damen Frl. Kafka, Rittner und Wirth, sowie die Herren K ir s ch n e r, O lz e r und Blatt in lobenswerter Weise mitwirkten, eröffnet. Hierauf folgten einige Opern- und Operetten-Arien, welche von der Concertsängerm Frl. Bertha Knopf mit schöner und melodiöser Stimme vorgetragen wurden, ferner ein ernster Bortrag von Herrn Blatt, Gesangsvorträge der Herren K i r s ch n e r, Sa m e k und Wilhelm Hoch stein. In besonders lobenswerter Weise verdienen die dramatischen Declamationen des Frl. Josefine Rothziegel genannt zu werden, welche, mit tiefer, seelischer Empfindung vorvorgetragen. eine wahre herzbewegende Wirkung erzielten. Das schöne Fest, nur dessen Gelingen sich die rührige Vereinspräsidentin Frau B a a r t/.Fr. Dr. R o s e n f e l d sowie Frau Frieda Wittmann hervoragend bemüht baden, schloss in sehr vorgerückter Stunde mit einem animierten Tanzkränzchen. Wien. (Erste Jüdische T o y n b e e - H a l l e.) Programm vom 32. bis zum 36. März 1901: Freitag den 32. März: Bibelerklärung. Samstag den 23. März: Herr Leo Lichtgarn: „Jüdische Künstler". Sonntag den 24. März: Herr Dr. S a d g e r: „Nervosität". M o n t a g den 25. März: Herr Berliner: Vorlesung, Dienstag den 26. März: Herr Dr. Kahn: „Ratenhandel". Sonntag den 24. März: Kinder-Nachmittag. Wien. (Z u g un st en der T o y n b e e - H a ll e in Wien) veranstaltet ein Comito von Hochschülern im'Prachtsaale des „Weiland-Hofes", XX., Klosterneuburgerstraße 33, am 16. März (Samstag) einen Vortragsabend, verbunden mit T a n z kr ä'nz ch e n. Da hervorragende Knnstkräfte ihre Mitwirkung zugesagt haben, verspricht der Abend ein äußerst schöner zu werden. Karten im Vorverkaufe ü 1 Kr., Familienkarten (vier Personen) ü 3 Kr. sind in der Administration der „Welt', IX., Türkenstraße 9, und in der Toynbee-Halle, XX., Webergasse 13, zu haben. Wien. („Un itas".) Der am 16. März l. I. abgehaltene Wahl-Convent der jüd. akad. Verbindung „Nnitas" hatte folgendes Resultat: earnl. jur. Walther ' Nagelstock X, canck. jur. Elias Schönfeld XX, cand. jur. Arthur Winter XXX- Wien. (Der Kranken- und W itw en- Un terst ü tz u n g s v e r a i n „Chesed schel eines") begieng am Sonntag den 10. d. M. im Fugbach-Tempel des II. Bezirkes das dritte Requiem nach seinem sel. Präses Herrn Leopold Fried in besonders weihevoller Weise. In Anwesenheit des Gesammtvorstandes und eines den Tempel bis auf den letzten Platz füllenden andächtigen Publicums zündete der derzeitige Obmann Herr Jacob Mittler nach vorhergegangener kurzer Gedenkrede das Jahrzeitlicht an, worauf der Cantor unter Chorbegleitung die bezüglichen Psalmen in herzergreifender Weise executierte. Um 7 Uhr war die Feier zu Ende, worauf die Zinsen der vom Vereine gegründeten Leopold Fried-Stiftung an zwei arme, würdige Glaubensgenossen vertheilt wurden. Prag. („B a r - K o ch b a", Verein jüdischer Hochschüler.) Am 24. Februar fand die ordentliche General- Versammlung des ' Vereines jüdischer Hochschüler „Bar-Kochba" in Prag statt. MUC. Alfred Löwy erstattete als Obmann des Vereines den Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit des Ausschusses. Nach diesen: Berichte war diese Thätigkeit eine sehr rege. Allwöchentlich fand ein Vortragsabend statt, an dem von Seiten der Mitglieder meist zionistische oder wissenschaftliche Vorträge, respective Vorlesungen aus der jüdischen Geschichte gehalten wurden. Außerdem wurde ein Cyklus. literarischer und Unterhaltungs-Abende eingeführt, von welchem bereits zwei Abende mit Vorträgen des Schriftstellers Herrn Adolf Donath aus Wien und des Mitgliedes Herrn MUC. Hugo Stransky mit anschließendem Programme stattfanden. Am 19. Jänner fand ein Kränzchen statt, dessen Neinerträgnis im Betrage von 1200 Kr. zum Theile der Bibliothek, zum Theile aber dem Unterstützungsfonds zufloss. In letzter Zeit wurde eine Schachabtheilnng gegründet und die Gründung einer Radfahr- und Turnabtheilung beschlossen. Schließlich dankt der Bericht allen denen, die durch ihre Mitwirkung die Veranstaltungen des Vereines gefördert haben, und den Zeitschriften, welche Vereinsnotizen ausgenommen, und allen Redactionen, die dem Vereine Freiexemplare zur Verfügung gestellt haben. Dem abtretenden Ausschüsse wurde hiernach das Absolutorium ertheilt. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Obmann: MUC. Alfred Lowy (wiedergewühlt); Obmann-Stellvertreter: JUDr. Alfred Kral,' I. Schriftführer: JUC. David Teller; II. Schriftführer: stud. mech. Heinrich Kleiner; Cassier: stuck, jur. Arthur Berg mann; Bibliothekar: stuck, rucck. Arthur Hahn; Zeitungsverweser: stuck, :nsck. Alfred Capek; Revisoren: MUDr. Jacob Eckstein, MUDr. Alexander Boudy; Ersatzmänner: ing. cand. Klein, JUC. Kleinzeller, jur. Fuchs. Lemberg. (Vortrag.) Im Vereine „Dorsche Schelom Zion" las Herr Jofef Perlberger am 17. d. M. über „körperliche Hebung der Juden" mit besonderer Rücksicht auf Galizien. Der Vortragende wies aus die erbärmlichen physischen Zustände unter der galizischen Judenheit hin, wobei derselbe an die größeren jüdischen Gemeinden behufs Berücksichtigung des Turnwesens in den jüdischen Schulen appellierte. Vucher-Einlauf. „Jüdisches Gefühl". Zeitschrift für die Jugend. Erscheint alle 14 Tage. Bezugspreise: Mit Postzusendung 4 Kr. jährlich, 2 Kr. halbjährig. Deutschland 4 Mk. jährlich, 2 Mk. halbjährig. — Russland 2 Rubel jährlich. Balkanstaaten 5 Frcs. jährlich. Einzelttumaieru 15 Heller. Redaction : Smeekagasse 7, 1. St. — Administration: Myslikgasse 14 n. Inhalt S. Angel. — Der Hofmeister und sein Zögling. — Das Fest: der Lose. — Der kleine Friedensstifter. — Purimlied. Purim. — Räthsel. — Räthsel-Auflösungen. — Uebersetzungs-Aufgabe. — Briefkasten. Mittheilnngen des Is r. Landes -,L ehrerbe r e i n e s i n B ö h m e n. Inhalt: *T W nbsm ITH ♦inx DlpÖÖ Dm.T1? — Zur Methodik des hebräischen Unterrichtes. — Aehnlichkeiten in der Behandlungsweise der Juden seitens der Nichtjuden und der Behandlungsweise der jüdischen Lehrer von ihren Glaubensgenossen. — Aufgegeben??? — Verschiedenes. — Geschäftliches. — Sprechsaal. — Bücherschau. — Briefkasten. —• Inserate. Zusammengestellt von Rabbiner M. Fr e u n d, Bodenbach. Administration und Expedition: Siegmund Springer, Prag. Jungmannstraße 25/11. * * * Mcherschau. Rabb. Dr. Ad. Frankl-Grün: „Geschichte der Juden in Kremsier mit Rücksicht ans die Rachbarmeinden." Nach Original-Urkunden dargestellt. III. Theil. Nachträge, Archivalien, die Gegenwart. 'Coaim Verlag von Kaufmann, Frankfurt a. M. 1901. Das mit vielem Fleiße gearbeitete Werk einer „Geschichte der Juden" liegt nun, da sein III. Band erschienen, abgeschlossen vor uns. Führte uns der I. Band in die ältesten Zeiten, der II. bis in die denkwürdigen Tage, da im Kremsierer fürsterzbischöflichen Schlosse der erste österreichische Reichstag seine Sitzungen abhielt, so macht uns der III. Band zunächst in einem Nachtrage mit dem Landes-Rabbumte in Kremsier am Ende des 17. Jahrhunderts bekannt. Interessant auch für die den Dingen fernstehenden ist die Schilderung der socialen Zustände in der 'Gemeinde in unserem Jahrhundert. Dieser Kampf der „Aristokraten mit den Demokraten", in welchem es sich gewöhnlich um ein paar Gulden Cnltussteuer handelte, diese Wirtschaft der Gemeindepaschas, welche den arg bedrängten Rabbi wie einen Domemestiken (Meschnbod) behandelten, ist mit einer gewissen Realistik behandelt, welche freilich kein erfreuliches Bild von den Zuständen in den alten Gemeinden entwirft. Denn so wie in Kremsier. dieser seit dem 14. Jahrhundert urkundlich bestehenden Judengemeinde, ist es sicherlich in der „guten alten Zeit" auch anderwärts zugegangen. Und nur in der alten Zeit? — Es ist ein Stück Culturgeschichte, das der fleißige, fast hätten wir gesagt, nur allzu fleißige Bearbeiter der Vergangenheit der Juden in Kremsier vor unserem Auge entrollt. Die Juden in Kremsier hatten in vergangener und balbvergangener Zeit, man könnte sagen, für alle 'Juden Mährens, eine gewisse tonangebende Bedeutung. Das kam so:

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