Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 12 (22.3.1901)
- Date
- 1901-03-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. März 1901 Seite 3 des ihren Wählern gegebenen Wortes gegen die Dringlichkeit der Gewerbereform stimmte. Anstatt klipp und klar zu antworten, verkrochen sie sich in allen möglichen Ausreden, und Liberaler und Socialdemokrat fanden sich einträchtig in der Phrase, das Parlament werde bis zur Berathung des Gesetzes längst aufgelöst sein. Possierliche Kerlchen, die Herren Ellenbogen und Vogler. So lange das Parlament nicht arbeiten konnte, sagten sie: Wir können nichts thun, so lange das Parlament nicht arbeitet. Jetzt, wo das Parlament arbeitet, sagen sie: „Wir können nichts thun, denn das Parlament arbeitet. Unsere einzige Hoffnung ist, dass es arbeitsunfähig wird." Und die Wähler lassen sich alles ruhig bieten. * * **) * Der Herr Theodor v. Binder, seines Zeichens Mitarbeiter des „Deutschen Volksblatt", ist der Verfasser eigenartiger Feuilletons, die seit einiger Zeit in dem Blatte des Ehrenbürgers von Mühldorf erscheinen. Diese Feuilletons besprechen bald in launigen, bald in tragischen Erzählungen die verächtlichen Eigenschaften der Menschen; natürlich sind diese Menschen — Juden. Alle Betrügereien, Gaunereien, Mord. Raub, Schändung werden in erfundenen Novelletten den Juden zugeschrieben; alles Verächtliche, was man auf Menschen häufen kann, wird da, als ans dem Leben geschöpft, den Juden in die Schuhe geschoben. Und diese Brunnenvergiftung wird systematisch besorgt, der Herr Binder scheint eigens für den Zweck engagiert zu sein. Und wer ist dieser Herr v. Binder? Ein g e w e s e n e r Officier, ein Journalist, der sich schon in den verschiedensten Lagen des Lebens befunden hat und offenbar nur in seinem natürlichen Drange, leben zu wollen, diese journalistischen Schandthaten begeht. Denn noch vor wenigen Jahren war der Mann „R e d a c l e u r eines angeblich d e u t sch n a t i o n a l e n, vulgo j u d enliberalen" Blattes in Böhm.-Leipa, nahm vielfach die Gefälligkeiten der Leipaer Juden in Anspruch, verkehrte viel mit Juden und hinterließ, als er ans Leipa weggieng. mehr Schulden, als man einem in der „jüdischen Moral" so bewanderten Romancier zumuthen sollte. Der Mann schreibt über jüdische Moral die haarsträubendsten Verleumdungen, und also sicht die seine aus. Passt er nicht ins „Deutsche Volksblatt"? * Die goldene Jugend in Rumänien. Ein grausiger Vorfall hat den Schleier von der bodenlosen Verworfenheit der süßen Jugend Rumäniens herabgerissen. Der Sohn eines Generals, der in den Befreiungskriegen eine hervorragende, ehrenvolle Rolle spielte, mordete kaltblütig eine ältliche Kokette, um sie zu berauben. Das Grausige daran ist nicht der Einzelfall; Greuelthaten kommen überall vor; man erinnere sich nur an den Diebstahlprocess gegen den Sohn von Crispi in Rom. Nein, das Grausige ist, dass der Fall typisch ist für die jeunesse d'oi 66 von Bukarest. Selbst die „patriotischen" Blätter gestehen, dass eine Jugend aufwachse, die bar sei jedes Idealismus; sie erschöpfe sich in einem gemeinen Genussleben. Die Losung in Rumänien heißt: Französische Cultur. Nun, die feine, französische Civilisation ließ sich nicht so leicht in die Walachei transportieren. Man begnügte sich also bald mit leichteren Errungenschaften: mit einem schlechten Französischsprechen und mit — Absynth und Bordellen. Darin haben es die Rumänen allerdings weit gebracht. Und dieses Volk hat den Mutb, den Juden ihre politischen Rechte vorzuenthalten, entgegen dem feierlich auf dem Berliner Congresse verpfändeten Worte. Wie verschieden ist diese rumänische Jugend von der russischen. Dort eine Jugend, die in niedrigem Sinnenrausche sich betäubt. In Russland eine Jugend, die freudig ihr Leben für seine Ideale opfert. Das Ringen nach Freiheit entfesselt die h e r r l i ch st e n. edelsten I n st i n c t e in der Brust des Menschen. Der Genuss einer zügellosen Freiheit durch ein Volk, wie das rumänische, das noch nicht reif ist für die Freiheit, weckt die gemeinsten Jnstincte. Die wirtschaftliche Seite der Judensrage?) Von Hof- und Gerichts-Advocaten Dr. Jakob Kohn. Wieder einmal hat der Antisemitismus die Judenfrage ins Rollen gebracht. Aus dieser Provenienz ist die Thatsache zu erklären, dass die Erörterung der Judenfrage den Juden die längste Zeit feindselige Absichten zu bergen schien, und dass, um einer solchen Erörterung jede Basis zu entziehen, man das Vorhandensein einer Judenfrage auf jüdischer Seite einfach negierte. Heute wird dieses kindische Unternehmen einer fruchtloscn Vogel Strauß-Politik von keinem ernsten Menschen mehr der Beachtung gewürdigt, und darum bedarf es nunmehr keines weitwendigen Beweises betreffend das Vorhandensein einer Judenfrage. Die Erörterungen der religiösen Seite der Judenfrage füllen die Bände vieler Bibliotheken, die nationale und Raffenfr age ist in vollem Flusse, bloß die wirtschaftliche Seite der Judenfrage wurde bis jetzt schlechter als stiefmütterlich, nämlich gar nicht behandelt. So kommt es, dass, trotztem ich in meiner Schrift über die Judenfrage*') schon vor acht Jahren mir die Behandlung dieser wirtschaftlichen Frage vorbehielt, bis heute dieser platonische Vorbehalt unangetastet blieb. Die Vernachlässigung eines so fruchtbaren Gebietes in unserer, der Behandlung wirtschaftlicher Fragen sehr geneigten Zeit erklärt sich daraus, dass die socialistischen Schriftsteller und die social¬ *) Vortrag, gehalten am KJ. März 1901 im „Jüdischen Volksverein" in Wien. **) „Assimilation, Antisemitismus und National-Judenthum", im Verlage von I. R o s n e r in Wien, 1893. demokratischen Parteimänner, wenn sie überhaupt auf die uns hier beschäftigende Frage zu sprechen kommen, äußersten Falles das Vorhandensein von religiösen, nationalen oder Rassenmomenten in der Judenfrage zugeben, die Existenz einer wirtschaftlichen Judenfrage, gesondert von allen socialen Fragen, leugnen; somit entfällt für sie ein Anlass, sich mit einer nicht vorhandenen Frage zu beschäftigen, da ja in ihrem Sinne die Judenfrage gleichzeitig mit der allgemeinen socialen Frage gelöst werden wird. Was wird nun als Lösung der socialen Frage vom Socialisten verlangt? Die Vertheilung sämmtlicher Arbeitsmittel an alle Arbeitswilligen. — Dass sich mit dieser Lösung der Socialisten die Gesammtheit der Juden gerne zufrieden geben würde, bedarf keines Beweises; denn das heißt nichts weniger, als dass mau den Juden, die vielleicht hie und da leidliche Erwerbsmöglichkeit, jedoch sehr wenig Capital haben, bewegliches und unbewegliches Capital zur Verfügung stellen würde und ihnen überdies als Gesammtheit das ursprünglichste Arbeitsmittel, ein Landgebiet, zur Verfügung stellen müsste. Allein bis es zur Erreichung ihres letzten Zieles kommen kann, entfaltet die socialistische Partei eine ganz andere Tbätigkeit, nämlich sie macht sich vorläufig an die Organisation und Kräftigung der Lohnarbeiter, sie müht sich an der Lösung der Arbeiterfrage ab. Von welcher Bedeutung ist nun die Arbeiterfrage für die Juden? Um das beurtheilen zu können, müssten wir genaue Kenntnis von der wirtschaftlichen Gliederung der Juden haben, und da muss man es mit größten, Bedauern constatieren, dass kein Steinchen bis jetzt für den Ausbau einer jüdischen Wirtschaftsstatistik herbeigeschafft worden ist. Bis auf weiteres sind wir daher auf die etwa mögliche oberflächliche Schätzung angewiesen, nach welcher die Juden somit wirtschaftlich einzutheileu sind. Der Gesichtspunkt dieser Eintheiluug scheint mir in Folgenden, gegeben: Da die Juden insoweit gesonderte wirtschaftliche Fragen haben können, als sie Juden sind, so ist das Maßgebende für eine Eintheilnng die jüdische Marke, mit einem Worte die Frage, ob und inwieweit man den Prodncten der einzelnen jüdischen Arbeitsschichten es ansieht, ob sie jüdische Arbeitsproducte sind. Denn nur darnach richtet sich die verschiedene Behandlung, welche die jüdische Arbeit im Gegensätze zur nichtjüdischen erleidet. Nach dem Grade, als man den Ergebnissen jüdischer Arbeit ihre Provenienz mehr oder weniger ansieht, theile ich daher die Juden ein: in 1. Muskel- oder gewöhnliche Arbeiter (ungelernte Arbeiter), 2. Intelligenz-Arbeiter (insbesonders freie Berufe), 3. die in Handel, Industrie und Production Beschäftigten, wobei ich bemerke, dass die Gruppen 1 und 3 am weitesten auseinanderstehen, wogegen die Gruppe 2 die große Mittelschichte bildet. Die Taglöhnerarbeit und.cheren Producte besitzen gewiss keinerlei individuelles Gepräge.; die Leistungen der Schneeschaufler oder Ziegelschupfer sind trotz größter Volksverschiedenheit der Personen nicht unterscheidbar, und könnte man daher — zumindest im Princip — die Möglichkeit der freien Concurrenz zwischen Juden und Nichtjuden in dieser Classe annehmen. Ungelernte Arbeiter kommen in Massen ausschließlich in Russland vor; wenngleich wir in Galizien, Rumänien, im Orient zahlreiche Lastträger, Kutscher u. s. w. finden können, obwohl auch in westlichen Ländern mancherlei ungelernte Arbeiter zu sehen sind, so sind dies keine Massenercheinungln, welch letztere uns hier einzig beschäftigen sollen. Allein dieses thatsächliche Vorkommen zahlreicher ungelernter Arbeiter in Russland scheint mir auf der Ausnahmslage der russischen Judenheit zu beruhen. Nun kann dort, wo es kein freies Spiel wirtschaftlicher Kräfte gibt, der Nationalökonom kein wirtschaftlich allgemein giltiges Gesetz erblicken, und wenngleich heute iu Russland die Mehrzahl der Juden wohnt, ist es unmöglich, ihre Lage nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu untersuchen. Ein Beispiel soll es erläutern: Wir kennen eine Aerztefrage in Wien. Wollte man jedoch 500 Aerzte in das Universitäts-Gebäude sperren und ihnen jede Lebensmittelzufuhr abschneiden, so würden zwar die 500 Aerzte zugrunde gehen oder sich durch Gewalt zu helfen üchen, von einer wirtschaftlichen Frage der 500 Aerzte könnte man jedoch nickt sprechen. Ich übersehe nicht, dass dessenungeachtet die Lage der russischen Juden einer eingehenden Erörterung wert ist, allein sie scheint mir in diesen Rahmen nicht hineinzupassen. Kehren wir nun zur Thatsache zurück, dass es anderwärts wenig ungelernte jüdische Lohnarbeiter gibt, so müssen wir dies auf den Umstand zurüflführen, dass der Jude in den östlichen Ländern mit dem bedürfnislosen und dabei viel kräftigeren arischen Arbeiter nicht concurrieren kann; im Westen jedoch steigt der Jude, welcher eine kurze oder längere Uebergangszeit hindurch ungelernter Taglöhner war, in den meisten Fällen, nachdem er ein bischen Kenntnis der Ortsverhältnisse erlangt hat, in eine höhere Classe, wie in die der kleinen Händler oder der gelernten Handelsgehilfen u. s. w. auf. Im großen und ganzen kann daher die Lösung der Arbeiterfrage oder die erfolgreiche Thätigkeit der socialdemokratischen Partei überhaupt den Juden nicht allzuviel bringen; das gilt jEdoch bloß für das wirtschaftliche Gebiet. (Fortsetzung folgt.) Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Jüdischer Volksverein.) Am Mittwoch den 27. d. M., 8 Uhr abends, hält Frau Dr. Henriette Weiß, die Witwe des Dichters S. A. Weiß, einen Vortrag über „Jüdische Pflegerinnenschulen". Frau Doctor Henriette Weiß hatte anlässlich eines längeren Aufenthaltes in Deutschland Gelegenheit, diese daselbst bereits bestehende Institution zu studieren, und entfaltet nun eine überaus wirksame Agitation, welche die Heranbildung jüdischer Pflegerinnen und eine zweckmäßige Organisierung des Pflegewesens zur Folge haben soll. Diesem Zwecke dient auch der nächstwöchentliche Vortrag im Jüdischen Volksvercine, welcher namentlich der Damenwelt viel des Interessanten bringen dürfte. Gäste sind sehr willkommen. Wien. (JüdischerVolksverein des VW., IX., XVW. u nd XIX. Bezirkes.) Am Samstag de» 16. d. M. fand im Caf6 Kraus, IX., Rothe Löwengasse, eine äußerst zahlreich besuchte Versammlung von Vertrauensmännern der Bezirke VW., IX., XVIII. und XIX. statt, in welcher die Gründung eines Jüdischen Volksvereines für diese Bezirke beschlossen wurde. In das vorbereitende Comite wurden die Herren m6d. Dr. I. Köllner. Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Jakob Kohn, Ingenieur I. L öw e n b e i n, M. Pappenheim, Josef Steiner und Sigmund K o r n m e h l gewählt. Wien. (Versammlung.) Dienstag den 26. d. M., halb 8 Uhr abends, findet im Saale „Zur schönen Schäferin", IX., Sechsschimmelgasse, eine große allgemein zugängliche Volksversammlung statt, welche von dem neu gegründeten Jüdischen Volksvereine für die Bezirke VW, IX, XVIUI und XIX veranstaltet, und in welcher über die Ziele des neuen Vereines, über die vom Jüdischen Volksvereine eingeleitete Heimütsrecht- Action und über die Gründung einer Credit-Genoffenschaft für jüdische Handwerker und Kleingewerbetreibende gesprochen wird. Wien. (S chr iftste ller Kar lw ei s in der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler.) Am 20. d. M. las Schriftsteller K a r l w e i s, der erfolgreiche Autor der Volksstücke „Der kleine Mann", „Das grobe Hemd"rc., in der Lesehalle eigene Skizzen vor, und fand für seine überaus wirkungsvollen, mit feinem Humor vorgetragenen Dichtungen den stürmischen Beifall eines Auditoriums, das den großen Hörsaal bis auf das letzte Plätzchen füllte. Wien. (B a l l f e st.) Der Josefstädter Fraueu-Woblthätigkeitsverein in Wien, an dessen Spitze die Präsidentin Frau Amalie Beck steht, veranstaltet am 24. März im Ronacher-Saale einen Festball. Die bereits stattgefundenen Comit6-Abende haben erwiesen, dass dieser Verein immer einen großen Anhang besitzt, und verspricht auch dieses Fest einen sehr großen Zuspruch aus den besten Kreisen zu haben. Das Reinerträgnis fließt humanen Zwecken, wie zur Bekleidung armer Schulkinder, zu. Karten sind zu haben bei allen Comit6mitgliedern und bei der Präsidentin Frau Amalie B e ck, VIII., Langegasse 1. Wien. (Kaiser Franz Josephs-Ferienheim.) Der Vorstand des Vereines gedenkt im Juni dieses Jahres das ,Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" in Tischnowitz feierlich einzuweihen. Da zu dieser Zeit die Schützlinge des Vereines noch nicht schulfrei sind, so wird die heurige Vorcolonie aus reconvalescenten Kindern bestehen. Kinder nach überstandener, eventuell schwerer Krankheit werden — ob dieselben zuhause krauk lagen und einer Reconvalescenz bedürfen oder^dem Vereine aus Spitälern zugewiefen werden — zur einmon tlichen Erholung nach Tischnowitz entsendet. Die Eltern solcher Kinder haben ihre Gesuche bis längstens 1. Mai d. I. an das Bureau des Vereines, IX., Berggasse 20, einzusenden. Für den Vorstand: Sofie Grünfeld, Präsidentin. Wien. (S o n n e n t h a l - V o r l e s u n g.) Der Vice- Präsident der „Gesellschaft zur Conservierung jüdischer Alterthümer", kurz des „jüdischen Museums", stellt seine bedeutende Kraft alljährlich in den Dienst der Humanität. Es ist dies kein Geringerer als Adolf Ritter v. Sonnenthal. Er gieng diesmal ab vom Brauche, nur jüdische Themata zum Vortrage zu bringen, er las „Des Kaisers Traum" von Gräfin Thun-Salm. Vor dem Vortrage richtete der Meister der Redekunst an die Anwesenden einige Worte, um seinen Vortrag zu zu erklären; er meinte, die vorerwüh«te Dichtung sollte zum 50. Regierungs-Jubiläum des Kaisers zu Geltung kommen. Das damalige erschütternde Ereignis machte alle Vorbereitungen zunichte, und es wäre sein Wunsch, diese schöne, patriotische Dichtung möge auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden. Sonnenthal las unvergleichlich schön; er führte uns den Traum Rudolfs von Habsburg vor, der geführt von der Zukunft, das Schicksal seiner Dynastie kennen lernen wollte, er entrollte an der Hand der Zukunft Bild um Bild, Spross um Spross, bis zum 50. Regierungstage unseres Kaisers, welcher, umgeben von seinen Landeskindern, umjubelt von seinen Völkern, iu Treue und Liebe den seltenen Tag begieng. Rauschender Beifall lohnte den Meister der Redekunst für seine interessante Interpretation. Ein sehr zahlreiches, distinguiertes Publicum wohnte dem Vortrage bei. E. W. Wien. (Jubiläum e i n e r S y n a g o g e.) Donnerstag den 21. d. begehen der Vorstand und die Mitglieder der Wiener israelitischen Cultusgemeinde die Feier des 75jährigen Bestandes der Synagoge in der Seitenstettengasse. Obwohl die Abhaltung einer besonderen Festlichkeit aus diesem Anlasse nickt in Aussicht genommen ist, so erscheint doch dieser Tag geeigner, derjenigen Persönlichkeiten zu gedenken, die im Jahre 1626 au der Spitze der an Zahl nur kleinen Wiener Gemeinde standen. Es waren dies der Großhändler und Hofjuwelier M. L. Biedermann und der durch sein humanitäres Wirken ausgezeichnete Industrielle Isaak Löw H o f m a n n v. H o f m a n n s t h a l. Die Functionen waren dem 1825 aus Berlin berufenen Prediger I. N. Mannheimer übertragen, während der liturgische Theil dem nachmals zu großem Ruhme gelangten Reorganisator des Synagogen-Gesanges Professor Salomo» S u l z e r, der im Jahre 1826 von Hohenems nach Wien berufen worden ist. anvertraut wurde. An die Zeit der Einweihnng mahnen nur mehr bie Paramente, von welchen das von Baron E s k e l e s gespendete am Jubiläumstage die Synagoge zieren wird; die anderen derartigen Objecte, unter denen sich auch der Pracht-