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Jüdisches Volksblatt · 1901-03-15 · 11 (15.3.1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
11 (15.3.1901)
Date
1901-03-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, Frei Sag Warschau und Bia ly hol, jüdischa.- Schülern iig unbeschränkter Anzahl Aufnahme ge.Zähren soll. Aid die zu diesem Zwecke eingesetzte Commission die zur Erlangung der vom Gesetze vorgeschriebenen Goucession. nöthiaen Schritte thun wollte, stellte eü sich heraus, dass die Wilnacr Inden ihre Rechnung ohne Herrn Witte gemacht haben. Obgleich nämlich die gesanrmten, zur Unterhaltung der Schule erforderlichen Mittel ausschließlich von Juden aufgebracht ivorden sind, forderte der Finanzminister dennoch, das§ die Zahl der in der neuen Handelsschule anfztmehmenden Juden auf 50 Percent beschränkc werde. Glücklicherweise gelang es der Comnüssion noch, die Negierung in Petersburg davon zu überzeugen, dass diese Forderung den Juden nur schaden wurde, ohne dem Staate den vermeintlichen Nutzen zu bringen. Oie Forderung der Negierung würde nicht den Nüssen, deren Zahl in Wilna kaum drei Percent übersteigt, sondern den hier ohnehin übermächtigen Polen zugute kommen. Beide Parteien einigten sich nun auf die Formel, welche lautet: Die Schule nimmt fpecieU Kinder griechisch-orthodoxer, dem Kausmannsstande angehörender Eltern aus, und^zwar so lange, bis deren Zahl 50 Percent aller freien Plätze erreicht hat. Sollten sich zufälligerweise nicht so viel Schüler dieser Kategorie zur Aufnahme in der Schule melden, so können andersgläubige Schüler an ihrer Stelle ausgenommen werden. März 100,. Mit Versammlungen und Vorschlägen zur Linderung der Rolh der galizischen Juden sind wir zur Genüge gesegnet, vom Julaude sowohl als auch vom Auslande. Fast immer sind cs dieselben Personen und dieselben Redensarten, die wir in den Versammlungen antreffen, dieselben Cultnsvorsteher a la B y k, R a p a p o r t und Consorten, dieselben langathmigen Reden, ohne jede positive, reale Grundlage, nur um in der Außenwelt den Anschein zu erwecken, als ob etwas gethan wird. Aber in Wirklichkeit geschieht so wenig, dass es kaum der Mühe wert ist zu erwähnen, es werden eben Reden gehalten. In dieses ewige, monotone Einerlei brachte ein Vorschlag. der in den letzten Tagen in Galizien aufgetaucht ist, einige Abwechslung. Zwei Rabbiner galizischer Städtchen haben ein Circular verschickt, welches zumindest in unseren orthodoxen Kreisen einiges Aufsehen verursacht hat. Rabbiner S. M. Kvhn in Brzezan und D. B. Rapapvrt rn Rawa, haben, unterstützt vom „Chassidisch - orthodoxen Verein" „Machsike Hadas" in Lemberg, eine Action eingeleitet ü.'huss Emoerufung einer galizischen. L a n d e s - R a b b i n e n- V e r s a m nt l u tt g. Gegenstand derselben soll jedoch nicht die allgemeine sociale Lage der galizischen Jndenheit sein, nicht die beispiellose Armut und. Erwerbslosigkeit, welche tausende von Fanalen dem Hnngertode preisgibt, sondern die Stellungnahme gegen das Gesetz, welches von jedem Rabbiner Galiziens Mittelschulbildung verlangt. Dieses Gesetz ist nämlich „der Krebsschaden, welches an dem Mark der galizischen Judenschaft zehrt". Das Circular ist in hebräischer Sprache abgefasst intb enthält neben zahlreichen Citaten aus der Bibel einige hübsche Phrasen, die sich die Rabbiner selbst geleistet haben wie: „Dieses Gesetz verlangt, dass auch die Rabbiner vom Giftbecher trinken sollen, die Fluten der giftigen Gewässer überschwemmen die höchsten Berge, um die Säulen der wahren Religiosität bis ans den Grund uiederzureißen," und schließt mit den Worten: „Im Namen Gottes wollen wir uns vereinigen, und Er wird seinen Engel schicken, um uns auf den rechten Weg zu führen." So zeigt sich also, dass es in Galizien Männer gibt, welche die wahre Ursache unserer Noth erkannt haben und eine Olganisation ins Leben rufen wollen, die den Weg gehen will, den ihr der Engel Gottes zeigen wird!!! In der That ist die Rabbinerfrage in Galizien keine quantite negligeable, eine Reform zur Beseitigung der gegenwärtigen zwitterhaften Zustände thut uns wahrlich noth, allerdings in ganz anderem Sinne, als es die beiden Rabbiner in Brzezan und Rawa herbeisehuen. Immerhin mag man wünschen, dass die geplante Versammlung zustande kommt, denn in jedem vrganisatorischen Thun liegt ciu Keim, der günstige 'Saat schaffen kann. B. (Orig.-Carr. des „Jüd. Volksbl".) BoryZlaw den 12. März 1901. In Boryslaw herrscht sei: mehreren Wochen eine starke Flecktyphus-Epidemie, welche sich immer mehr verbreitet, und zwar — was eben das Charakteristische dabei ist — am ineisten unter jüdischen Familien. Die Schulen hat man sperren müssen, nachdem auch außerdem mehrere Scharlachfälle cvnstaliert wurden. Das Elend der hiesigen jüdischen Arbeiterschaft haben die vielen Unterstützungen der letzten Jahre nach lange nicht beseitigt; viele haben zwar Boryslaw verlassen, um in fremden Länder n Brot zu suchen, sehr viele aber finb geblieben, die arbeitslos herumgehen und, ohne eine Aussicht auf nne bessere Zukunft zu haben, buchstäblich dem Hunger ausgeliefert sind; und wenn man nach all den schönen üud großen Actionen zugunsten der Boryslawer Bergselaven an dieselben in der Welt vergessen hat, so wird eben die jetzige Typhus-Epidemie wieder allen zeigen, wie elend und unglücklich die Boryslawer Arbeiter sind; denn der Typhus hat seine Entstehung und Verbreitung nur.den» Hunger zu verdanken, es ist ein Hungertyphus. Die m menKranken müssen noch außerdem befurchten, dass man sie ins Spital aufninunt, denn sie wissen, dass' das Boryslawer Eyital für ansteckende Krankheiten ein Loch ist, das jeder Schilderung spottet ynd aus dem die Kranken wirklich nur mit Hilfe überirdischer Münder lebendig heräuskommen. Aus dem Grunde eben finden die Armen für entsprechend, ihre Krankheit geheim zu hatten, um sich auf Befehl des Arztes nicht gleich ins Spital transportieren zu lassen. Die Aerzre müssen also, von Haus zu Hans gehend,, die Volksljln.lt Kranken einfach anfsnchen. Der Geimeindearzt Doctor M. Kapelluer erzählt mir. dass er auf einer ähnlichen Suche eine ganze Familie gesunden hat, welche schon, sehr krank w a r und keinen Arzt rufen wollte. Es waren natürlich Inden, welche Hunger im entsetzlichsten Sinne des Wortes leiden. Diese Lerne geben wahrlich die beste Erklärung dafür was Judenelend heißt. — — — — Seinerzeit hat die Firma Grnnfeld aus Beuthen zusammen mit der „Zca" eine Puvpenfabrik errichten wollen, um auf diese Weise den hiesigen Inden Arbeit zu verschaffen. Fast die ganze dazu nöihige Summe hat Herr Grünfetd gespendet. Die ganze Leitung hat die Hirsch'sche Stiftung übernommen. Leider hat man nur den kleinsten Theil des Planes verwirklicht, indem man ein Gebäude ansgestellt hat, welches so lange dastand, bis es endlich vor vier Monaten einem Brande zum Opfer siel. Das Gebäude war assecuriert, und das Hirsch'sche Curalorinm hat das Geld (5000 Kronen) eincassiert. Jetzt wäre es eben an der Zeit, sich der Boryslawer Armen wieder anzunehmen, und das Curatorium soll auch diesbezüglich den ersten Schritt machen; für Boryslaw wäre z. B. die Errichtung einer Tischlerei, Schnitzerei und Drechslerei eine große Wohlthat, wo Kinder, welche die Schule absolvieren und dann müssig hernmgehen, weil sie meistens zu jung sind, um von einem Handwerker ausgenommen zu werden, sofort Arbeit finden und Geld verdienen können. Dre ersten Proben, die man diesbezüglich gemacht hat, sind ja sehr befriedigend, kann doch die Stanislauer Tischlerei, Schnitzerei und Drechslerei, welche das Curatorium gestiftet hat. als das beste Muster dienen. Wenn auch diese Einrichtung viel Geld in Anspruch nehmen müsste, so hat man doch die oben erwähnten und noch vor vier Monaten anlässlich des Br a nd e s e i n c a s si e rt e n 5000 K tone n, und diese werden doch für den allerersten Anfang genügen. Wir wollen hoffen, dass das Curatorium diese Anregung beherzigen wird, denn in Boryslaw warten Leute, die arbeiten wollen, aber nichts zu essen haben. I. L. „Ou'IIs gardent l’argent!“ „Mögen sie ihr Geld behalten!" Das ist das letzte Wort, das Zola in der durch die Amnestie finalisierten Affaire Dreyfus spricht. Die „sie" sind erstens der Chefredacteur des nationalistischen „Petit Journal", I u b e t, der verurtheilt ist, Zola 5000 Frcs. Schadenersatz wegen der bekannten verleumderischen Angriffe gegen das Andenken seines Vaters zn zahlen; zweitens die Schriftsachverständigen B e l h o m m e, C o u a r d und V a r i n a r d, die von Zola durch Verkauf seiner Möbel und Kanstgegenstände 30.000 Frcs. Schadenersatz eingetrieben haben, die ihnen das Gericht dafür zugesprochen hattn, dass Zola ihre Gutachten als lügnerisch und betrügerisch erklärt hatte; drittens der Fiscus, der von Zola 7555 Frcs. an Gerichtskosten für das gegen ihn in Versailles gefällte Urtheil eingetrieben hat. Da die Amnestie die Verfolgung der ans Anlass des Dreyfns-Handels anhängigen oder möglichen Civilklagen frei gelassen hat, so stünde es Zola frei, nicht nur die endgiltig ihm zuerkannten 5000 Frcs. Judets zu fordern, sondern auch auf Herausgabe der von ihm gezahlten Beträge den Rechtsweg zu beschreiten. Zola verzichtet auf beides. Aus welchen Gründen, erklärt er in einem Briefe an seinen Vertheidiger L a b o r i. „Soll ich — fragt er — die Amnestie, dies von mir so sehr bekämpfte Gesetz der Schwäche und der S ch m a ch, in seinen Folgerungen aunehmen und anerkennen? Nein, ich will nicht, dass unsere so edle tutb von allem selbstsüchtigen Interesse so reine Sache in niedrigen, jämmerlichen Geldfragen ihr Ende finde. Man hat unser Werk der Gerechtigkeit und Menschlichkeit zerbrochen und besudelt, und wir wollen es nicht in engherzige Processe um persönliche Interessen hinabziehen. Daraus könnte die Wahrheit nicht hervorgehen, die doch noch kommen wird." Also — „mögen sie alle ihr Geld behalten!" Die Geschickte wird Zola das Zeugnis ausstellen, dass er mit diesem Worte sich bis znm Schluffe in seinem edlen Kampfe treu geblieben ist. „W. T." Der Bischof von Winggrätz über den Mtnalmord. Aus K ö n i g g r ä tz, den 11. d. M.. wird uns telegraphiert: Der hiesige Bischof Dr. Brynych hat beim Schöffengerichte in Mainz gegen den verantwortlichen Redacteur der Frankfurter „Kleinen Presse" und der Wiesbadener Zeitung „Der Freidenker" eine Verleumdungsklage eingebracht, die folgende mir dem Hilsner-Processe zusammenhängende Vorgeschichte hat: In einigen reichsdeutschen Zeitungen, darunter in den genannten Blättern, erschienen vor kurzer Zeit Artikel, die den Polnaer Mord behandelten. Unter anderem wurde in den Artikeln ansgeführt, dass der Bischof von Königrätz >Dr. B r y n y ch von der Kanzel herab gepredigt habe, es liege im Falle Polna ein erwiesener Ritualmord vor. Dr. Brynych beauftragte den Centrums- Abgeordneten Dr. S ch nt i tz in Mainz, gegen die erwähnten zwei Blätter einen Strafantrag zu stellen. . , Die Klage, welche vorgestern beim Schöffengerichte in Mainz eingebracht wurde, enthält wörtlich folgende Stellen: ..Der Privatkläger ist seit dem Jahre 1891 in der Kirche von Polna überhaupt nicht gewesen, und hytweder in Polna, noch in K ö n i g g r ä tz über den Ritualmord gepredigt. Die Beschuldigung. des Judenthums, als ob in seinem Ritus irgendwelche Vorschriften bestünden, welche den Gebrauch von Christenblut verlangen, ist, seit jeher von den Juden bestritten worden, ist von h o h e n Antoritäten der W issenschaft nnd den höchsten 'Würdenträgern der k a t h o l i s ch e n Kirche als unwahr bezeichnet worden. Sicherlich hat noch niemand eine Vorschrift d e S j ü d i s ch e n Ritus n ach w e i s e tt könne n, in d er a tt ch n u r d i e g e r i n g st e A n denk u tt <j für das 15. März 10ol Seite 5 Vorhandensein e i tt e s solchett barbarisch e tt (Y> eb r n tt ch e S gefunden werden könnte. Weint deshalb selbst in einem einzelnen Falle nachgewiesen werden könnte, dass eilt einzelner fanatischer Jtlde im religiösett Wahnsinne oder insolge irgendeiner anderen geistigen Verirrung ein so schensüiches Verbrechen begangen haben sollte, so hat damit Pas Judeiithrun alS solches mit) der jüdische RituS absolut tt i ch t S zu lhun." Die Klage führt dann tveiter atts, dass die Beleidigung, die in der Insinuation liegt, ein katholischer Bischof könne eilte derartige Aeufterung gethan haben, eine schivere ist, da er damit die ihm anvertrauten Gläubigen in betvnsster Weise täuschen und Bürger gegen Bürger aufreizen würde, was eine abscheuliche Handlung wäre. Für diese Rubrik übernimtnt die Redaction keine Verantwortung. Jüdische Abitnrretttett! Nitr ungern folgert wir dem allgemeinen Brauche und richten au Euch, so lauge Ihr noch ru der Mittelschule seid, einige beherzigenswerte Worte. Hier in Prag au deu deutschen und böhmischen Hochschulen, wie au allen Hochschulen Oesterreichs und Dentscht lauds besteht eine scharfe Scheidung zwischen jüdischen und nichtjüdischeu Studenten. Trotzdem die elfteren überall beslrebwaren, im Deutschthum, respective Slaventhum ganz anfzugehen, dem nationalen Chauvinismus huldigten und von ihrem eigenen Volke, den Juden, nichts wissen wollten, wurden sie doch mit Hohn und Spott von den Nichtjuden abzewiesen und aus den Vereinen, deren Begründer sie oft waren, ansgeschloffen. Die Juden sind keine Deutschen, keine Slaveu, sie sind ein Volk für sich. Darin waren alle einig, bis ans die Juden, die weiter fortfuhren, den fremden Nationen Lakaiendienste zu leisten, um für ihre lächerliche und schmähliche Zudringlichkeit die gebüreude Verachtung einzuheimsen. Statt offen und ehrlich für ihr verschmähtes und zurückgcsetzws Volk zu kämpfen, steckten sie gleich dem Vogel Strauß de>t Kopf itt beit Sand, sobald man ihnen „Jude" zurief, und glaubten, indem sie unter dem Namen Liberalismus ihre Kämpfe austrugen, unerkannt zu bleiben. Doch das Maß der Erniedrigung ist voll. Sollen wir uns einer Gesellschaft aufdräugen, die uns in ihrer Mitte nicht dulden will? Sind wir denn wirklich so tief gesunken, dass wir uns nicht auf eigene Füße stellen können? Sind wir vielleicht nicht deshalb so verachtet, weil wir uns selbst als Juden nicht achten. Der stetig anwachsende Antisemitismus macht die Beantwortung dieser Fragen leicht. Auf dem Grundsätze fußend: „Die Juden waren nnd bleiben ein Volk für sich, vermöge ihrer Abstammung, ihrer Geschichte, ihres Denkens und Empfindens", besteht schon seit Jahren in Prag der Verein jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle jüdischen Studenten, gleichviel welcher Muttersprache, in seiner Mitte zu vereinen. Man wird versuchen, Euch durch materielle Vortheile Eurem Volke abwendig zu machen. Euch durch schöne Versprechungen für irgendeine Prrtei zn ködern. Indische Abiturienten! Wahret Eure Ehre, zeiget, dass Jjr selbst- und ehrbewnsst für Euer Volk zu kämpfen gewillt seid. Der Verein jüdischer Hochschnler „Bar Kochba" bietet Euch Gelegenheit, Euer Wissen durch eine wohl ausgestaltete Bibliothek, durch Zeitschriften und Journale auf allen Gebieten zu bereichern, Knust, Musik, Rhetorik, literarische Bestrebungen, alles wird bei uns gepflegt, und so schwach wir vorläufig noch sind, wir haben es doch schon zu einem Unterstützungsfvnds für unbemittelte Collegen gebracht; auch Zuweisung von Lectionen ist uns möglich, da viele unserer Freunde sich bei Besetzung von Hauslehrerposten an uns wenden. Brüder! Ueberlegt und besprechet den Inhalt dieses Aufrufes; nicht Phrasen sind es, nicht leere Worte, sondern unverfälschte Worte aus Freundesmund. Wäget sie — und waget es dann, mit uns zu gehen. Anmeldungen nimmt entgegen und nähere Auskünfte ertheilt: Der Ausschuss des Vereines jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" in Prag, Wenzelsplatz Nr. 22. * <?iu Hilferuf. A tt dis l ö b l i ch c N e d a c 11 o n d e S „ I ü d i s ch e n V o l k s b l a t l" i tt W i e tt, VIII., S ch l ö s s e l g a s s e I l. Am 22. August n. p. um 5 Uhr nachmittags brach in dem Bezirlsstädtchen Jechnitz ein Feuer anS. das elf Scheuern in der Rethenfolge einäscherte. Der einzige Jude unter den Abbrändlern ist Herr Joachim Klauber, ein 03jähriger Mann, der ttach dem buchstäblichen Sinne des Wortes der heiligen Schrift im Schweiße seines Angesichtes als Hausierer und Dorfgehec in des Sommers Hitze und des Winters Kälte für sich und seine gichtleidende Gattin das kärgliche Brod verdienen muss. Im Frühjahre läuft die Frist ab, in der die Scheuern wieder erbaut oder wenigstens der Platz eingezäunt werden muss. Bei der eingeleiteten Sammlung liefen in der politischen Gemeinde 180 fl. ein, dem einzigen jüdischen Abbrändler gab man 2 Kr. 99 H. Damit soll er nun bauen. Es ergeht nun an die mildthätigen Menschenherzen die ergebenste Bitte nach Kräften zur Linderung und Abhilfe der Noth dieser armen Familie beizutrageu. Das vergelte der Allbelohuer im Himmel! Die Wahrheit des Obgesagten bestätigt: Der Vorstand der C u l t u s g e ttt e i tt b e I e ch tt i tz. Jechnitz, am 8. März 190l. Dr. M a x Ko h n, Cultusvorsteh er. Dttkittg- und NttjuNiuluugsbknihte. Wien. (Kränzchen.) Der Fraueu-Wohlthätigkcitsverem des VIII. Bezirkes der Stadt Wien veranstaltet, am 21. März 1901 im Ballsaale Ronacher, I., Schellinggasse, ein Tanzkränzchen. Familienkarre, gütig für drei Personen, 10 Kr., Eintrittskarte, giltig für eine Person, 4 Kr. — Karten sind zu haben bei der

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