Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 11 (15.3.1901)
- Date
- 1901-03-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. März 1001 Nr. 11 Vereinspräsidentin Frau Amalie Beck, VIII., Langegasse 1, und bei sämmtlichen Comitornitgliedern. Geldsendungen werden nur an den Cassier Herrn Moriz Pollaczek, IV., Bclvederegasse 6, erbeten. Wien. („B a r - K o ch b a", Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien.) Die Neuwahlen für das Sommersemester 1901 haben folgendes Nesultat ergeben: Präses: cand. jur. Fische! Waschitz; Vice-Präses: ennd. med. A. Glanz; I, Schriftführer: oand. msoü. techn. Hermann Berger; II. Schriftführer: sind. ineeh. A. Hnlpern; Cassier: sind, mech. I. Reich; Ersatzmann: aand. Ing. L. Wachtel; Bibliothekar : stud. rneoh. I. Platz m a n n. Prag. s„F r a t e r n i t a §", Tafelrunde jüdisches Studenten.) Am 16. März 1901 findet ein Kränzchen in Heines Wintergarten statt. Entröe 5 Kr. Damen der P. T. Subscribenten können gegen Vorweisung der Einladung ihre Legitimationen für das Kränzchen im Locale Heinrichsgasse 9, Parterre, beheben lassen. Der Schlüssel. Erzählung von Eduard Kulke (Fortsetzung.) Zu Mittag wurde von der ganzen „Khille" geschenkt, und nachmittags gieng es mit dem Zu,pichen wieder recht lustig her. Diesmal vergoss Jentel jedeSmal Thränen, so oft man sagte: „Mit Lieb' soll Ihnen Ihr Gast sein," es waren Thränen der Freude, den geliebten Sohn als einen schönen, in voller Kraft blühenden, wohlgebildeten Mann wiederkehren zu sehen, zugleich aber sagte sie auch das übliche: „Bei Ihnen in grüße.en F euden" mit einem Nachdruck, der die Wehmuth nicht verkennen ließ über ein gewisses Etwas, worüber sie ihren Felix zu fragen nicht den Muth hatte, und das sie sich selbst zu erklären nicht imstande war. Felix dankte freundlich den Kommenden, die ihn, jeder in stiner Weise, ganz wie vor fünfzehn Zähren den Herrn Blunenthal, begrüßten, und man wunderte sich, wie „gemein" er sei und wis wenig stolz. Als Bärl Lederer mit seinem Rösele eintrat — denn wenn Bär! Lederer auch von Felix nicht die beste Meinung hatte, so blieb er doch nicht aus; dies durfte er ja Löb und Jentel Frank nicht anthun — da stand Felix auf und sagte ihm auf sein ^Schalem lechem" (Friede mit Euch) ein aus dem Herzen kommendes „Schalem" (Friede); er sagte es mit einem so innigen Ausdruck, wie man ihn zu vernehmen pflegt, wenn zwei auseinandergekommene Freunde sich wieder versöhnen; darauf wendete er sich rasch zu Rösele, dankte ihc für ihren Gruß und sagte: „Aus dem Röslein ist eine Rose geworden." Rösele wurde über und über roth, wie mit Feuer übergossen; Felix drängte sich näher an sie und flüsterte ihr so leise, dass keiner der Umstehenden es hören konnte, ins Ohr: „Ich habe das Geschenk nicht vergessen, welches Sie mir vor fünfzehn Jahren mit auf den Weg geg ben hab?n." In demselben Momente, als Felix dies flüsterte, trat Gnmpel ein. Felix eilte auf ihn zu, umarmte ihn mit Feuer, Gumpel war aber so verleben, dass er die Umarmung kaum erwiderte, und benahm sich gegen den ehemaligen Jugendfreund mit auffallender Kälte. Kaum, dass er ihn gefragt, wie es ihm geht und was er die ganze Zeit gemacht hat, und was dergleichen Redensarten mehr sind, die gar nichts bedeuten, und wie sie im Leben zwischen Personen gewechselt werden, die einander ganz fernstehen und eigentlich nichts angehen, nicht aber zwischen Jugendfreunden, welche die goldene Zeit der unbewussten Freiheit miteinander verlebt und nach langjähriger Trennung plötzlich wieder einander gegenüberstehen. Von solchen glaubt man, dass sie sich etwas ganz anderes werden zu sagen haben. Gumpels Kälte machte aus Felix einen unangenehmen Eindruck, doch er hatte Lebensart genug — halte er sich doch in der Stadt in den vornehmsten Kreisen, wie bei Schauenstein und Compagnie, bewegen müssen — um der versammelten Gesellschaft das Unangenehme seiner Stimmung nicht fühlen zu lassen. Im Gegentheil, je mehr Gäste ankamen, desto mehr war Felix der freundliche Gastwirt, und nachdem auch Gawriele Stuffer und Machel Wemfass gekommen waren, ohne welche keine „Simche" (Freude) für voll gedacht wurde, und einander an launigen Einfällen und Witzen zu überbieten suchten, ließ auch Felix seiner Laune die vollen Zügel schießen und versetzte die Gesellschaft in eine so heilere Stimmung, dass die Leute beim Weggehen sagten, „so eine „Gewureh" (Stärke) haben sie in ihrem Leben gar nicht gesehen; das ist ein Kopf, Gawriele Stuffer ist ein reiner Hund gegen ihn, und wenn der „Row* diesem den „Chower" dafür gegeben hat, dass er so spassig ist. so verdiente Löb Franks Sohn die„Morene", wenn er sie als Doctor nicht ohnehin schon hätte". Je lustiger Felix war-, desto verschlossener und kälter wurde Gumpel. Es hatte sich ein hässlicher Wurm in sein Herz hineingeschlichen, der ihn nun fortwährend quälte und ihm keine ruhige Stunde ließ. Gumpel liebte Rösele mit der vollen Kraft der ersten Liebe und der vollen Glut eines jugendlichen, unverdorbenen Gemüths. Er wusste, dass er ein beneideter Mensch sei, hat aber mit Rösele selbst von seiner Liebe nie gesprochen. Er zweifelte gar nicht daran, dass er von ihr geliebt werde; er hielt dies für eine ausgemachte, selbstverständliche Sache, wie jedermann in der Gasse, und genoss ruhig sein stilles Glück, welches bis jetzt von keinem flturm erschüttert worden war. Der Moment, da er elix seinem Rösele etwas ins Ohr flüstern sah, veränderte die Lage plötzlich! Er sah sich aus seinem Himmel herausgeworfen, aus seinem Heiligthum verdrängt, und Felix. fein Freund, war der Engel mit dem flammenden Schwert, der ihn aus seinem Paradies verjagt hatte. — So endete traurig der schöne Tag. Die Meinungen über den jungen Doctor,. der sich hier nun nudergelässen hatte, wären geiheilt. Mechol Pradenik meinte: „Es ist doch sehr schön, dass ein heimisches Kind es so weit gebracht hat. und das gereicht der ganzen Gemeinde zur Ehre." Schloime Klatschkopf war der Ansicht: „Wenn einer schon vierzehn bis fünfzehn Jahre gestudiert hat, so hätt' cr's können weiter bringen und in Wien drinnen etwas Großes werden. Das heißt bei ihm gar nicht so weit gebracht, dass sich einer jetzt da als Doctor heraussetzt und um zwölfe bei Nacht aufstehen muss und laufen, wenn „chodsche" (zum Beispiel) Zirele Orkesverkäuferin im Bauch eine Leidenschaft hat. Nur aber, wie ihm scheint, ist die Sache so, in Wien drinne gibt es genug geschickte Menschen, und da braucht man nicht erst auf Löb Franks Sohn „aufgedieh" zu sein (zu warten), und wenn der sich da heraussetzt, weiß er „e wade" (gewiss) bei sich, dass er für etwas Größeres nicht passen thut." Salme Gloscr verwies ihm aber solche Schmähungen und meinte, Jentel Frank hat eine große „Szchie" (Erlebnis), einen solchen Sohn zu haben; wenn er die „Szchie" hält', dass sein Kind wär' ein Doctor geworden, so hält' er ihm die Händ' untergelegt auf dem Weg. dass er darüber geh'a soll. „Du aber", wendete er sich an Schloime Klatschkopf, „bist so ein Schreier, dass kein Mensch auf der Welt vor Dir „Menuche" (Ruhe) hat, und Du verdienst, dass man den Weg wegschaufeln solle, wo Du gehst, dass kein anderer mehr darauf zu treten brauch'.". Chawele Spazierstock stimmte, wie immer auch diesmal ihrem Mann bei, und Reb Sawel, den es freute, dass Salme und sein Weib Chawele die Partei von Felix ergriffen haben, sagte: „Mehr wiealles freut mich aber eins. Dass er ein geschickter Mensch sein muss, das versteht sich von selbst, denn umsonst machen sie in Wien einen nicht zum Doctor, aber dass er als ein Jüd' zurückgekommen ist, das ist eine große Sach' und mehr wert wie alles, weil man bei dem Studieren viel Gelegenheit hat, ein „Goi" (Christ) zu werden." Hierbei sah er Bärt Lederer wieder mit triumphierender Miene an, welche dieser als eine Herausforderung ansah, denn er schwieg dazu nicht still, sondern sagte: „Und muss sich denn einer g'rad' „koifer" sein (taufen)? (Fortsetzung folgt.) MitthrUungen aus dem Publicum. (Für jüdische Fleischhauer!) In einer schönen Stadt Niederösterreich wäre eine gute Existenz für einen jüdischen Fleischhauer, der über einiges Capital verfügt. Die Cultusgemeinde würde ihn fördern und ihm die Concession auch für Nicht- Koscherfleisch zu verschaffen. Chicanen, denen die Mitglieder der Cultusgemeinde seitens der antisemitischen Fleischer ausgesetzt sind, haben den allgemeinen Wunsch nach Ansiedlung eines jüdischen Fleischhauers erweckt. Anfragen sind an die Redaction dieses Blattes zu richten, jedoch mit entsprechenden Belegen. („The Gresham".) „The Gresham", Lebensversicherungs- Gesellschaft in London, Wiener Filiale: Stadt, Giselastraße Nr. 1., publiciert folgenden Ausweis: Activa der Gesellschaft am 31. December 1899 177,060.451 Kr., Jahreseinnahme an Prämien und Zinsen im Jahre 1899 34,259.092 Kr., Auszahlungen für Versicherungs- und Rentenverträge und für Rückkäufe rc. seit Bestehen der Gesellschaft (1848) 383,793.888 Kr. Während des Jahres 1899 wurden von der Gesellschaft 5838 Polizzen über ein Capital von 56,097.103 Kr. ausgestellt. Zur speciellen Sicherstellung der österreichischen Versicherten hat „The Gresham" bis zum 31. December 1899^ bereits Wertpapiere im Betrage von Nom. 20,359.600 Kr. bei dem k. k. Ministerial-Zahlamte in Wien hinterlegt. Prospekte und Tarife, auf Grund welcher die Gesellschaft Polizzen aufstellt, sowie Antragsformulare werden unentgeltlich ausgefolgt durch die Herren Agenten in allen größeren Städten der österreichisch-ungarischen Monarchie und durch die Filiale für Oe st erreich. Tüchtiger Reisender der Herren- und Damen-Confectionsbranche, der bereits in Mähren, Schlesien und Böhmen mit Erfolg gereist hat, wird ausgenommen unter „S. P.". Lehrerin (Jüdin, Zionistin bevorzugt), der deutschen und französischen Sprache mächtig, die auch Piano unterrichtet, wird gesucht unter „A. B.". Comptoirist für Essig- und Liqueur-Fabrik, über 20 Jahre alt, womöglich militärfrei, wird acceptiert unter „Hoschmann". Stellerr-Gesuche. Tüchtiger Fleischergehilfe, der deutschen und böhmischen Sprache mächtig, sucht passende Stellung. Anträge unter „Levitus". Cornmis der Spezerei-, Eisen-, Colonial- und Farbwarcnbranche, 17'/, Jahre alt, deutsch, böhmisch, mit schöner Ha>. dschrist, in sämmtichen Comptoir-Arbeiten versiert, sucht passenden Posten. Gütige Anträge unter „Schön". Connnis der Manufaetur- und Kurzwarenbranche, beider Landessprachen mächtig. Gütige Anträge unter „Tandler". Buchhalter oder Commis unter „I. F.". Comptoirist, junger Mann mit schöner Handschrift, sucht Posten in beliebiger Branche in dieser Eigenschaft unter „B. S.". Commis der Colonial-, Eisennnd Liqueurbranche sucht Stellung. Gütige Anträge unter „Pollack". Tüchtiger Spengler, der in der Montage von elektrischen Leitungen und in der Eindeckung complicierterer Art (Kirchendächer, Thurmdächer, Kuppeln) bewandert ist, sucht Posten. Geneigte Anträge unter „Zausner". Comptoirist, deutsch-böhmisch, 17 Jahre alt, sucht Posten unter „Löwenthal". Comptoirist, absolvierter Handelsschüler, sprachenkundig, Stenograph, guter Correspondeut, mit vorzüglichen Referenzen, sucht per sofort Stelle bei bescheidenen Ansprüchen. Anträge unter „Selbständiger Arbeiter". Commis der Tuchbranche sucht Posten für Reise und Lager. „G. 9". Kurzwareu-Commis sucht Posten unter „Gubath". Tüchtiger Comptoirist, absolvierter Schüler der höheren Handelsschule, sucht Posten. Als Comptoirist sucht absolvierter Schüler der höheren Handelsschule Stelle unter „H. Munt". Galanterie- und Kurzwareu-Commis sucht Posten unter „Schlesinger". Commis der Manufacturwarenbranche, tüchtiger Verkäufer sucht Stelle unter „Fiedler". Elektrotechniker, der bereits 4jährige Praxis hat, sucht Stelle unter „Hahm". Kurz-, Mode- und Manusacturwaren-Branche, tüchtiger Verkäufer, sucht Slelle, Stein. Tüchtiger Uhrmacher sucht Stelle unter „Opla". Comptoirist, 20 Jahre alt, selbständiger Arbeiter, sucht Stelle unter „Lampl". Comniis der Spezereibranche, tüchtiger Verkäufer, sucht Stelle unter „Löwy". Briefkasten. Wir ersuchen alle auswärtigen Leser unseres Blattes, uns Nachrichten aus dem Gemeinde- und Bereinöleben der dortigen Judenschaft zu geben. Besonders erwünscht ist die Einsendung antisemitischer Localblätter, welche Angriffe gegen die Juden enthalten. Jüdisch-nationaler Gymnasiast. Die Zeitschrift für die Jugend „Jüdisches Gefühl" erscheint alle 14 Tage, kostet 4 Kr. jährlich, Einzelnummern 15 H. Redaction: Prag, Smeökagasse 7. S. K. in Seleiin. Wir haben den Act unserem Rechtsanwalt übergeben. M. A. in Lunden bürg. Brünn, Krautmarkt I I. Jgn. B. in Wien. Wollen Sie sich persönlich an den „Jüdischen Bolksoerein" wenden, der in allen Heimatsrechts- Angelegenheiten weitgehendsten Rath ertheilt. Mischer Volksmein in Men. Der „Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die pülitischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend einzngreifen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung wirtschaftlichen Boycotts und gesellschaftlicher Missachtung, unter denen wir Juden zu leiden haben, hat, muss eiusehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisten vermag, wenn in unseren Reihen das gesammte jüdische Volk steht. Es ist daher nothwendig, dass ein jeder Jude dem jüdische» Nolksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird dem eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheimgestellt. Anmeldungen werden im Vereinslocal II., Leopoldsgasse 4Ä entgegengenommen. iliifiitlirltliiJlf MllkiimmllllW des Haudelsangestellten-Bereines „Emnnah" in Brünn. (Den P. T, Chefs steht diese Rubrik unentgeltlich zur Verfügung) Neueste Vacauzerr-Aste: ITünnntliche Offerte sind an den Verein zn richten.) Die Bewerber werden ersucht, jedem Offert eine 10 h. Marke, behufs Weiterbeförderung bcizuschlietzen. Commis, Seide, Wien. Commis, Manufactur^ Lundenburg. Mehrere Comptoiristinnen, deutsch, böhmisch. Commis, Spezerei, Pardubitz. Commis, Galanterie, Wien. „Als Stütze der Hausfrau" wird ein anständiges Mädchen (kann auch aus Rumänien sein), der deutschen und französischen Sprache mächtig, für Eger gesucht. Comms der Spezereibranche für Mistek gesucht. Mehrere jüdische Goldarbeiter werden gesucht. Commis, Specerei, nach der Auslebre, Ungar.-Hradisch. Zwei Praktikanten . der Spezeretbranche werden ausgenommen. Anträge unter „A. H. 3u". Praktikant der Lederhränche wird ausgenommen. Anträgo unter „E. N." I Israelitischer Bethaus-Verein Brigittenau. DO Trauungstaxen. H I. Classe .... Kronen 200.— II. , 130.- Bi III- . > . 80.-M IV. 40.-M Anmeldungen bei dem Vereins-Obmanne Herrn Herman Ellbogen, XX., Rafaelgasse 12. KRANKENFAHRSTÜHLE solid gebaut und in eleganter Ausführung v. fl. 3.60 aufwXna Bisenmöbelu. Kinderwagenfabrik feeopold YV a 11 e f, Wien V/„ Diehlgasse Nr. 19 (nächst dem Hundsthurmerplato): Illustrierte Preisoourante gratis und franco.