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Jüdisches Volksblatt · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 8. März 1901 Seite 3 — Es gab noch nie in der Geschichte Sprachenwirrnisse, rief der alldeutsche Pfefferkarpf aus. — Es kam der Arier Riichka und sprach zu dem Sohne des israelitischen Cultusvorstandes: „Vergessen Sie nicht an den Thurm Babel." Der Arier ertheilt dem Juden Unterricht in der Bibel. * * * Ein Urtentone. Der Urteutone — wer lacht denn da — schäumt wie ein echtes Sodowasserfabrikanteukind wuthentbrannt in teutonischem Ingrimm. „Landesgerichtsrath Pantouschek, der Präsident des Prager Oberlandesgerichtcs — ruft er aus — ist gegangen, man hat uns Germanen einen deutschen Präsidialisten versprochen? Wo ist er?" Hier ein unpassender Zwischenruf. Jemand wurde nicht zum Auscultanten ernannt, weil er Jude ish Was touchiert dies den wackeren Germanen aus Lemberg? * * * Juden einige Mitglieder. Neben „der individuell bestimmten Classe der menschlichen Gesellschaft" ist die Terminologie in Ansehung der Juden bereichert worden. Der neue Ausdruck heißt „einige Mitglieder". Tie Geschichte des Eintrittes in den Fortschritts-Club legte der Abgeordnete des 2. Bezirkes einleitend, wie folgt, dar: „Es ist Ihnen bekannt, dass „einige Mitglieder" in den Fortschritts- Club nicht aufgenommen wurden. Ich habe aber den „Wählern" versprochen, dem Fortschritts-Club beizutrcten, ich habe mein Wort gehalten." — „Bravo"rufen der aus ungarischen, mährischen und galizischeu Jndengemeinden kommenden Deutschen. Sie lächeln verständnisinnig. „Warum sagen Sie nicht Juden," ruft ein vorlauter Zwischenrufen. Böse Blicke bohren diesen Naiven in den Grund. durch diesen Kampf einzig und allein in Mitleidenschaft gezogen wird. Es sind beileibe nicht die Gott sei Dank nahezu drei Viertheile oder noch mehr der hiesigen jüdischen Bevölkerung bildenden r e i ch e n oder gut situierten, in sicheren Stellungen sich befindenden Juden — nein, di e Aermsten der Armen sind es, welche die Wirkungen dieser deshalb umso verwerflicheren Agitationen verspüren. Der kleine Handels- und Gewerbetreibende und der Hausierer, die K r ä m e r i n und G ä n s l e r i n, Menschen, die aus Scheu an die Mildthätigkeit guter Seelen zu appellieren, mit den kärglichsten, ihnen anvertrauten Mitteln ihr Dasein fristen, die im harten Kampfe um das Leben nothdürftig sich und ihre Familie ernähren, das cllein sind die Opfer des wirtschaftlichen Kampfes. Fürwahr nicht wert, dass durch sie die Ehre des czechischen Volkes beschmutzt, der gute Name einer im großen und ganzen edel veranlagten, demokratischen und freiheitsliebenden Nation geschändet werde. Gesetzt auch den Fall, all die kleinen, widerstandsnnfähigen Existenzen der Juden wären bereits vernichtet, oder mit anderen Worten, der arme Krämer, die sich mühende Gänslerin, der sich rackernde Hausierer und Dorfgeher wären genöthigt, sich als Bettler zu declarieren, ist dem czechischen Volke dann so sein Recht in Oesterreich geworden, haben sie damit die angestrebte Gleichberechtigung im Staate errungen? Nein, wohl aber werden sie sich mit dem gewiss nicht erhebenden Gefühle abfinden müssen, einige Arme zu Bettlern gemacht zu haben, wobei sie überdies nicht einmal die allerdings traurige Genugthuung haben werden, dass diese Bettler vor ihren Tbüren um ein Almosen flehen werden. Denn die Herren wissen es und mögen es sich auch für alle Zukunft gesagt sein lassen, der Jude verlässt den armen Volks- und Glaubensgenossen nicht, und wie diese bei uns nienials noch gezwungen waren, milde Gaben Der czechische Boykott in seinen Folgewirkungen. (Brief aus Proßnitz.)^ Seit der letzten Reichsrathswahl üben die Führer der hiesige n Czechen gegenüber den Inden eine Politik, die sich an ihnen, wenn nicht bald darin ein Wechsel eintreten sollte, über kurz oder lang bitter rächen muss. In der Presse, in den allwöchentlich in den Dörfern der Umgebung stattfindenden Versammlungen, in die durch Einpeitscher Männer, Frauen, ja selbst die Kinder getrieben werden, mittelst Flugschriften und Pamphleten, die in tausenden von Exemplaren unter das Volk verbreitet werden, wird gegen die Juden geschürt, und unter dem Schlagworte „Svuj k svemu“ ein wirtschaftlicher Kampf organisiert, in dem man vor den niedrigsten Mitteln der Gewalt und des Terrorismus nicht zurückschrcckt, nur um an den angeblichen Feinden der Nation für deren politische Haltung Rache zu üben. Wir wollen nicht darauf Hinweisen, wie unendlich niedrig, wie verwerflich ein solches, an die finsteren Zeiten des Mittelalters^ gemahnende s Treiben ist, bei dem es sich darum handelt, Mitmenschen nur Leid zuzufügen, weil diese den Muth der U e b e r z eu g un g unter den sch wi eri g st e n Ve r h ä ltnissen bethätigt haben. Wenn aber die Juden auch nur einen Moment gewankt hatten, ob sie eines materiellen Vorth eiles wegen diese ihre Ueberzeugung verleugnen sollten, so konnten und dürften sie dies nicht thun, als man sie mit der H i l s n e r - H e tz e i it ihren heiligsten, nationalen und religiösen Gefühlen verletzte, und überdies Wochen, ja Monde vor den Wahltagen in den czechischen Blättern ihnen gegenüber ein Ton angeschlagen wurde, wie es etwa der Sclave uh älter seinen Sclaven gegenüber, nicht aber eine Partei thun darf, die uns Juden, speciell in Proßnitz, schon als einen Factor anerkennen muss, der vermöge seiner — wir dürfen dies, ohne unbescheiden zu erscheinen, schon sagen — Intelligenz, seiner culturellen Entwicklung und seines B e si tz e s nicht verwechselt werden, darf mit unseren Volkgeuossen aus jener längst entschwundenen Epoche, in welcher der Jude einen Schutz Herrn hatte und diesem naturgemäß a u ch a u f d e n b l o ß e n Wink hin parieren musste. Die einzelnen Nationen, unter denen wir leben, und nicht zumindest die Czechen, werden es uns schon erlauben müssen, dass wir in den von ihnen hervorgerusenen Kämpfen es endlich auch gelernt haben, u n s unserer n a t i o n a l e u E i g e u a r t zu erinnern und dieselbe zu bethätigen. Dass wir iu dieser Bethätigung bei der letzten Reichsrathswahl nicht aus Feindschaft gegen das czechische Volk und nicht a u s Liebe z u m D e u s ch t h u m an d e r S e i t e des letzteren m i t d e m M u t h e, d e n nur die Ueberzeugung geben k a n n, z u f i n d en waren, daran trägt nur die verblendete Politik einiger n a ch P o p u l a r i t ä t und Macht lüsterner Demagogen die Schuld. Mit Hilfe derselben Politik wird nunmehr in Verfolgung rein geschäftlicher Interessen von eben denselben Leuten gegen die Juden weiter geschürt und gehetzt — in der Bevölkerung der Sinn für Wohlanständigkeit, für Moral und Recht depraviert. Indem man den wirtschaftlichen Kampf gegen die Juden predigt, und auch thatsächlich mit allen erlaubten, mehr als unerlaubten Mitteln führt, wird man niemals den angestrebten Zweck erreichen, die gehasst eil Juden, gleich den römischen Triumphatoren, vor den czechischen Siegeswagen zu spannen — diese sind es vielmehr, welche in ihrer übergroßen Majorität vor derartigen Bestrebungen etwa jene Haltung eiuuehmen können, wie sie dem Monde zugeschrieben wird, der mitleidig lächelnd ruhig seine Bahnen nmherzieht, wenn ihn auch mitunter ein kleines Schoßhündchen oder gar, was noch öfter sich ereignet, irgend ein bissiger Fleischhauerhund anbellt. Wir sagen mit Bedacht „mitleidig", denn nur Mitleid erregt es, wenn man erwägt, wer eigentlich von Haus zu Haus sammeln zu müssen, so wird es uns auch in der Zukunft bei unserem Wohlthätigkeitssinne und den bestehenden jüdischen Humanitäts-Anstalten auf die Erhaltung und Unterstützung dieser Opfer eines chauvinistischen Wahnsinns nicht ankommen. Man möge aber in den Kreisen, denen die Wohlfahrt der Stadt am Herzen liegt, und die diese Verhetzungen bisher, der Roth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, geduldet haben, nicht vergessen, dass die übrigen Juden, die ungleich mehr eine wirtschaftliche Macht bilden, als jene Hetzer, von denen der Boycott gepredigt wird, die industriellen und Großhandel treibenden Juden, bei denen tausende und tausende fleißiger Bewohner unserer Stadt Arbeit und Verdien st finde n, nicht etwa Unschuldige darunter werden leiden lassen, indem sie ihnen Arbeit und Verdienst entziehen, vielmehr, angeekelt und angewidert von derartigen Verhältnissen, ihre Betriebs st ä t t e n auf einen gastlicherenBoden verlegen werden, woselbst sie davor bewahrt sein werden, nach zwei Seiten hin den Kampf zu führen, in dem sie einerseits dem Socialisten als Ausbeuter und dem Czechen als sein är gster nationalerWidersacher erschein en. Arg wv d aber auch der Schade sein auf jene« Gebieten, auf denen der Jude stets zu finden war, wenn es gegolten hat, all das zu fördern und zu unterstützen, das der Wohlfahrt der Stadt gilt und ihrer gedeihlichen Entwicklung förderlich ist. So depraviert wird doch der Czeche nicht erscheinen wollen, dass es von ihm, ein bekanntes Citat variierend, heißen soll: „Der Czeche mag d e n I u d e n nicht, doch s e i n e G e l d e r n i m m t e r gern!" Darum, ehe es zu spät wird, rufen wir denen, die die Macht in Händen haben und bisher diesem selbstmörderischen Treiben ruhig zusehen, ein „Gaveant consules!“ zu, mit dem Bewusstsein, im Interesse derjenigen Stadt, in der wir leben und deren Wohlfahrt uns nicht minder am Herzen liegt, ein beherzigenswertes Wort zur rechten Zeit gesprochen zu haben. Möge dasselbe einen guten Ort finden. Wenn nicht — so werden, das mögen sich alle gesagt sein lassen, wir Juden, die . wir hier gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich einen Factor bilden, der noch jeder Richtung hin sich die Selbständigkeit wahren kann, zuletzt nicht den Schaden haben. Bisher haben wir selbst unsere Stärke nicht gefühlt und sie auch niemanden fühlen lassen, mögen andere nur alles unterlassen, damit wir nicht zur Erkenntnis kommen, wie stark wir sind, wenn wir wollen. Und da cs nunmehr fortab auch unser Wille ist, unserer eigenen nationalen Entwicklung zu leben und in den nationalen Kämpfen unserer Mitbürger eine v v l l k o m m e n neutrale Stellung e i n z n n e h m e n, so hoffen und wünschen wir, dass die frivole Hetze einiger nach trauriger Berühmtheit lüsterner Volksverführer an dem gesunden Sinne der czechischen Bevölkerung zuschanden werde, uns aber auch der N ot hw e n d igk e i t entheben wird, an dem Kampfe aller gegen alle a c t i v theilznnehmen. L . . . . Chronik des Judenkhums. Inland. Wien. (Jüdischer Volksverein.) Mittwoch den 13. d. M., 8 Uhr abends, spricht Hof- und Gerichls- Advocat Dr. Jacob K o h n im großen Festsaale des „Jüdischen Volksvereines" über „Die w i r t s ch a f tl i ch e Seite d e r I u d e n f r a g e". Gäste, auch Damen sehr willkommen. Wien. (Zugunsten der Toynbee-Halle in Wien) veranstaltet ein Comitö am 10. d. M. (Samstag) im Prachtsaale des „Weilandhofes", XX., Klosterneuburgerstraße 33, einen Vortragsabend, verbunden mit T a n zk r ä n z ch e n. Da hervorragende Kunstkräfte ihre Mitwirkung zugesagt haben, verspricht der Abend ein äußerst schöner zu werden. Karten im Vorverkäufe ä 1 Krone, ^Familienkarten (4 Personen) ä 3 Kronen, sind in der Administration der „Welt", IX., Türkenstraße 9 und in der Tonynbee-Halle, XX., Webergasse 13, zu haben. Wien. (HermannBahr in derLese- und Redehalle jüdischer Hochschüler.) Montag den 11. März findet ein Vortrag des Herrn Schriftstellers Hermann Bahr statt, welcher einige seiner Novellen lesen wird. Hörsaal 33 der k. k. Universität, präcise halb 8 Uhr. Gäste willkommen. Wien. (Talmud-Thora). Der Beth-Hamidrasch-Verein „Talmud-Thora", II., Malzgasse 16, hielt Sonntag den 3. d. M. seine III. ordentliche General-Versammlung ab. Fast sämmtliche Mitglieder des Vereines hatten sich eingefnnden, und auch viele Ehrengäste, darunter die Obmänner und Delegierten vieler Vereine waren über Einladung des Vorstandes erschienen. Nachdem Vereinsobmann Herr S. B u ch w a l d die Anwesenden aufs herzlichste begrüßt hätte, hieltSe. Ehrw. HerrVereinsrabbinner M. Kramer die übliche Eröffnungsrede. In der ihm eigenen schwungvollen Sprache illustrierte der begeisterte Redner die hehren Tendenzen und Agenden des Vereines, entwickelte er als geistiges Oberhaupt desselben sein eigenes Programm, das darin gipfelte, durch strammes, unentwegtes Ausharren auf streng gesetzestreuem und traditionellem Boden das Forschen und Verbreiten unserer Thora Hakdauscho zu fördern und nur der äußeren Form der Vorträge ein den Zeitverhältnissen entsprechendes, ein dem Zertgerste anpaffendes Relief zu verleihen. Hierauf ergriff der Veremsobmann das Wort, um dem stürmisch acclamierten Vorredner für seine eminenten Leistungen als geistiger Vertreter des Veremes namens desselben die wohlverdiente Anerkennung auszudrucken. Auf das dermalige Entwicklungsstadium des Vereines übergehend, schilderte der Redner in seiner gewohnten, schlichten, aber markanten Ausdrucksweise die materiellen Kämpfe, dre der Verein um seme Existenz seit jeher durchzukämpfen hatte, und bittet, demselben m Würdigung seiner ersprießlichen Thätigkeit fürderhin eine regere Theilnahme zuzuwenden. Sodann wurde, da der Rechenschaftsbericht allgemeine Befriedigung hervorrief, dem Vorstande das Avsolutorium ertheilt und in denselben folgende Herren mrt Acclamation wiedergewählt: S. Buchwald, Obmann; Doctor S. K o r r e i n, Obmann-Stellvertreter; L. H i r s ch, Casster; M. L. K o h n, Controlor; M. H o f b a u e r, Schriftführer und Profeffor M. Anrscherl, M. Löwy, M. Mensch, A. Singer, M. T a u b e r und I. W a r k a n y als Ausschüsse. Möge dem Vereme, der einen edlen, gemeinnützigen Zweck verfolgt und der unter so tüchtiger, bewährter Leitung steht, in Hinkunft das würdige Interesse und die wohlverdiente Theilnahme zutheil werden. Wien. (B a l l f e st.) Am Donnerstag den 28. v. M. fand im Festsaale des „Hotel Continental" der Ball der jüdisch-akademischen Verbindung „Bar-Kochba" statt, der einen glänzenden Verlauf nahm. Frl. Olga Manfred und die Herren Pianist Roderich Bass, Violinvirtuose Carl S a b o t i n und Schauspieler R. G r o ß m a n n (Raimund-Theater) entzückten durch ihre ausgezeichneten Vortage die Anwesenden, unter welchen man Vertreter aller jüdischen Vereine und Corporationen bemerken konnte. Getanzt wurde flott bis in den Morgen. Das Comitö darf mit dem Erfolge des Abends vollauf zufrieden fein. Prag. (Die einzige Sorge.) Von allen Weltgegenden langen Berichte ein über Maßnahmen der Juden gegenüber der schreckhaft um sich greifenden Judennoth. Um aber diesern allgemein fühlbaren und schier unerträglichen Uebel abzuhelfen, schlägt die „Geska zidovska Jednota" einen ganz eigenthümlichen Weg ein. Dieser „auchjüdische" Verein veranstaltete am 23. Februar einen Vortrag über — — — die touristischen Eindrücke am Strande Dalmatiens und der Bocche di Gattaro, gehalten von Vratislav P a s o v s k y, Obmann des Touristen-Clubs. Wenn diese That den böhmischen Juden nicht hilft, dann kann ihnen nicht mehr geholfen werden, trotz der Mühe, die sich die „Jednota" gibt. Ein Commentar zu dieser Geschichte ist wohl nicht nöthig, sie ist ein Beweis mehr, oass diese Jndcn weder Herz noch Muth haben, an der Verbesserung der Lage ihrer Stammesgenossen Hand anzulegen. Es charakterisiert ihren Niedergang in abschreckender Weise. Difficile est satiram non scribere. Prag. (E i n jüdischer W o h l t h ä t e r.) Am 18. Februar wurde einer der verdienstvollsten jüdischen Männer Prags zu Grabe getragen. Samuel A n g e l war der Wohlthäter tausender armer Studenten, die gewiss ihm ein treues und ehrendes Angedenken bewahren werden, auch dann, wenn sie in geachtete Stellungen und Aemter gelaugt sind; denn er war es, der ihnen ein leichteres Fortkommen verschaffte. Er war der Begründer und der eifrigste Förderer des Freitisches, nur seinem unermüdlichen Eifer ist es zu danken, dass dieser Verein einzig in seiner Art dasteht. Nicht weniger als 250 Kostnehmer hat er täglich, und das ist der Erfolg einer jahrelangen mühevollen Arbeit des Verewigten. Er war kein nach äußeren Ehren strebender Mann, bescheiden trat er zurück, wo es galt, an die Oeffentlichkeit zu treten. Mit ihm ist entschieden der beste Jude Prags heimgegangen, sein Andenken wird unvergänglich bleiben, und der Marmor auf seinem Grabe wird längst verwittert sein, wenn seiner noch unter Segenswünschen dankbar gedacht wird. Teplitz („Christliche Nächstenliebe". — Purim - Feie r.) Nicht geringes Aufsehen erregte hier und in der Umgebung die Auflösung zweier „humanitärer" Vereine. Die Behörde hat nämlich den BeerdigungS- und Begräbnis- Verein „Bruderhand" und den Beerdigungs-Verein „Christliche Nächstenliebe", zu dem nur „Arier" Zutritt hatten, aufgelöst und die weitere Thätigkeit dieser „judenreinen" Vereine eingestellt. Die beiden Vereine, welche ihren Sitz in Teplitz hatten und unter der Direction eines unverfälschten Ariers und Radical-Nationalen namens Franz Josef Fritsch standen, zäblten eine außerordentlich große Anzahl von Mitgliedern, welche sich ans ganz Oesterreich vertheilen und fast durchgehends derärmeren antisemitischen Bevölkerung angehören. Der angebliche Zweck dieser antisemitischen Vereine bildete die Versicherung seiner Mitglieder zum Behufe der Deckung der Kosten im Falle der Erkrankung und Beerdigung. Wiederholte Anstände und Misshelligkeiten bei Gelegenheit einzelner von Mitgliedern erhobenen Ansprüche veranlassten die Behörde, der Thätigkeit dieser „Humanitären" Vereine ein schärferes Augen

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