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Jüdisches Volksblatt · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 8. März 1901 Seite o Nr. 10 Eine Rettungsliction für die galizischen Juden. (Originalbericht des „Jüdischen Volksblatt".) Die Ueberzeugnttg, dass das Massenelend unter der galizischen Jndenschaft mit jedem Tage größer wird und dass eine Hilssaction in großem Maßstabe notwendig sei, wird heute von der ganzen jüdischen öffentlichen Meinung getheilt. Allein es drangt sich in erster Linie die Frage ans, wer diese Aetion in die Hände nehmen soll. Die Großjuden von Galizien, mögen sie nur in Galizien selbst oder gar in Wien wohnen — bekanntlich gibt cs in Wien zahlreiche ans Galizien stammende Millionäre — ebenso die sonstigen jüdischen Millionäre in Wien, stehen ihren galizischen Brüdern herzlos und ohne Mitgefühl gegenüber: von dieser Seite ist also nichts zu erwarten und auch nichts geschehen. Die im Jahre 1897 von den Hausjuden des Polen-Clubs B Y k und R a p o p v r t eingeleitete Action wurde bald eingestellt, denn sie war nur eine Wahlkomödie. Würden die Inden Galiziens so lange warten müssen, bis irgendwelche jüdische Corporation oder ein Kreis von begüterten Personen ans Oesterreich ihnen zuhilfe käme — sie müssten elend zugrunde gehen. Das aufrichtige und warme Interesse sowie die Initiative zu einer umfassenden Hilssaction für die galizischen Juden haben ihre Quelle in — Deutschland . .. Die deutschen „B'nei- B'rith"-Logen haben, zum großen Theile durch Hildesheimers „Jüdische Presse" angesvornt, den Gedanken einer Hilssaction propagiert; sie haben durch den Special-Abgesandten Herrn B e r g l aus Berlin die amerikanischen Logen hierfür gewonnen und schließlich durch Zusicherung materieller Hilfe die österreichischen „B'nei-B'cith"-Logen bewogen, behufs Einleitung einer Hilssaction für die nothleidcnden Juden in Galizien einen österreichischen Reichsvercin zu gründen. Die Statuten desselben sind bereits genehmigt, und so fand am letzten Sonntag im Kaufmännischen Saale die coust i t n i e r e n d e Versammlung statt. Dieselbe wurde vom Mitgliede des Gründungs-Comites Dr. Leopold Kohn eröffnet, welcher unter den Anwesenden besonders Herrn B e r g l aus Berlin begrüßte. Zum Rechenschaftsberichte des Gründungs- Comites sprach Dr. Gustav L a n g st e i ly welcher besonders darauf hinwies, dass es gelungen sei, die deutschen und amerikanischen „B'nei-B'rith"-Logen für die Action zu gewinnen. Wie sich das Gründungs-Comite die Arbeit des Vereines vorstellt, wurde nicht erwähnt. Hierauf wurde an die Wahl des Vorstandes geschritten, welcher statutengemäß aus 30 Mitgliedern bestehen muss, von denen sechs in Galizien ihren Wohnsitz haben müssen. Es war eine druckreife Liste fertiggestellt, und wurden aus Galizien unter anderem vorgeschlagen : Dr. H o r v w i tz, Präsident des Cultusvorstandes in Krakau, der bekannte Doctor B y k und Herr Schmelke v. H o r o w i tz aus Lemberg, welche beide letzteren bekanntlich als Mitglieder des polnischen Central-Wahlcomites für mehrere galizische Bezirke antisemitische Reichsraths-Candidaten nominiert haben. Zu diesem Punkte der Tagesordnung ergriff das Wort der Reichsraths-Abgeordnete der Lemberger Handelskammer Herr Piepes-Poratynski, welcher sich für diese Rettungsaction, von der er sich bisher ganz fernhielt, plötzlich begeisterte und der Versammlung den Dank der galizischen Judenschaft, die sich für solche Vertreter, wie Herr Piepes- Poratynski, sehr schön bedankt, aussprach. Hieraus sprach Dr. S. R. L a n d a u, der es als seine Aufgabe betrachtete, die Versammlung von zumeist Wiener, dem Kauffnannsstande angehörigen Juden, über den Charakter der vorgeschlagenen galizischen „Vertrauensniänner" aufzuklären. Dr. Landau sagte, das Werk des Vereines sei wirklich groß, epochal. Allein um dasselbe verwirklichen zu können, müsste der Verein in den Ausschuss aus Galizien Männer berufen, welche das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung genießen. Die Männer, die vorgeschlagen erscheinen, genießen jedoch das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung nicht. Sie sind auch nicht genügend u n a b h ä » g i g, um etwas für die galizische Jndenschaft Ersprießliches leisten zu können. (Rufe aus der Versammlung: „Von wem sind sie denn abhängig?") Dr. Landau gab denjenigen, welche noch immer nicht wissen, dass die Großjuden und Kahal-Leiter in Galizien das ganze Jndenthnm für einen Händedruck eines Schlachzizen zu verkaufen oder für ein Mandat zu verschachern jeden Augenblick bereit sind, sofort die Antwort. Er sagte: „Sie sind abhängig von der S ch l a ch t a, die bekanntlich Galizien beherrscht und alle Bemühungen behufs Verbesserung der socialen Lage der jüdischen Massen hintertreibt." Dr. Landau ersucht den zu wählenden Ausschuss, die Verwaltung des Vereines nach dem Muster anderer Stiftungen für Galizien nur streng c e n t r a l i st i s ch zu führen und den galizischen Vertrauensmännern nur nichts a n z u v e r t r a u e n, denn die hier vorgeschlagen sind, stehen jetzt in Galizien zumeist an der Spitze der C o r r u p t i o n. Diese Worte entfesselten auf der einen Seite Beifall und auf der anderen Seite, es waren dies galizische Herren, Widerspruch. Es meldete sich eine größere Anzahl von Rednern zum Worte, von denen zuerst Advocat Dr. 5k l e i n ans Krakan sprach. Dieser Herr versuchte Dr. Landau zn widerlegen und seine angegriffenen Landsleute in Schutz zu nehmen. Dr. Landau bemerkte zn ihm: „Sie sinv Mitglied des Krakauer Kahals, und das genügt." Die Rede des Dr. Klein fand auch von anderer Seite entschieden Widerspruch, so dass der Redner schließen musste. Das Bezeichnendste ist aber, dass Dr. Klein nach Schluss der Versammlung sich an Doctor Landau wandte und ihm sagte, dass er (Dr. Lanvan) wohl in der Sache recht habe, aber er (Dr. Klein) habe so sprechen müssen, denn es seien doch im M ai d ie Gemeinderaths-Wahlen in Krakan!... Die nach der Rede Dr. Kleins entstandene lebhafte Bewegung veranlasst« den Vorsitzenden, ganz eigenmächtig die Debatte als nicht geschäftsordnungsmäßig (?) zu schließen, was die Versammlung, wenn auch unter Widerspruch, über sich ergehen ließ. Sohin wurde die vorgeschlagene Liste mit Majorität en bloc angenommen, wobei die meisten Anwesenden sich auch äußerten, dass ohnehin in Wien alles gemacht werden wird. Wir behalten uns vor, diese Hilssaction, der unsere volle Sympathie gehört, nicht aus den Augen zn lassen, und wir hoffen, dass der neugegründete Verein nicht im mystischen Dunkel der Loge verbleiben, sondern im Interesse seiner Bestrebungen in die große Oefferrtlichkeit hervortreten wird. Vorläufig aber eine Frage: „Wie kommt es, dass die „B'nei- B'rith"-Logen, die so genau den Charakter und die Vergangenheit aller ihrer Mitglieder analysieren, den W—echsler Schmelke v. Horowitz an die Spitze ihrer Lemberger Filiale gestellt haben?" U. A. w. g. Die dieswöchentliche Thütigkeit unserer Abgeordneten. Herr Dr. Vogler interpellierte den Minister des Innern wegen Belästigung und Misshandlung — einer Französin in Wien. Herr Dr. Ofner hielt in Mariahilf einen Vortrag über die Aufhebung der Theatercensur. Da unsere Abgeordneten sonst kerne Schmerzen zu haben scheinen, so erlauben wir rrns, sie erstens zu erinnern, dass , sie die offene Aufrage in der vorwöchentlichen Nummer noch immer nicht beantwortet haben. Wir werden nicht müde werden, diese Frage immer von neuem aufzuwerfen, bis entweder die verehrten Herren Abgeordneten oder — die Wähler die Antwort finden werden. Zweitens richten wir an Herrn Dr. Vogler folgende Interpellation: Ist es dem jüngst gewählten Abgeordneten der Leopoldstadt bekannt, dass hunderte arme, ehrliche Hausierer sowohl von Seiten der löblichen Polizei als auch von Selten arischer Mastbürger allerlei Chicanen und Beschimpfungen bei ihrem kärglichen Erwerbe ausgesetzt sind? Nimmt sich vielleicht der Herr Abgeordnete deshalb nicht ihrer an, weil sie Juden und keine — Franzosen sind? Weshalb nimmt dann der Herr Abgeordnete aus ihren Händen ein Mandat und bewirbt sich nicht vielmehr um die Stelle eines französischen Consuls, für die er sicher mehr Befähigung hätte, als für die eines Abgeordneten des zweiten Bezirkes? An den Abgeordneten Herrn Dr. Ofner richten wir folgende Interpellation: Ist es dem Herrn Abgeordneten bekannt, dass über eine ganze Classe von Staatsbürgern eine strenge Censur in der Richtung verhängt ist, dass sie von einer ganzen Reihe von öffentlichen Aemtern ausgeschlossen sind? Glaubt der Herr Abgeordnete nicht, dass diese Angelegenheit viel wichtiger ist, als die dramatischen Schmerzen der Herrn Scheu, S t ü ß l o tuLli <|iumti? Oder existiert für den Herrn Abgeordneten diese Angelegenheit deshalb nicht, weil diese Classe von Staatsbürgern aus seinen Stammesgenossen und Wählern besteht? Ist es ferner richtig, dass der verehrte Herr Avgeordnete an einer krankhaften Scheu vor allem Jüdischen leidet und es seinem Scharfsinne gelang, sogar zum Beispiel im Falle A raten nichts „Indisches" zu finden? Wäre es daher im Interesse einer ersprießlichen Ausübung seines Mandates für den Herrn Abgeordneten nicht angezeigt, zuerst in einer Nervenheilanstalt sich von dieser krankhaften Antipathie heilen zu lassen und inzwischen auf fein Mandat zu verzichten? Wir erwarten auf diese offene Frage eine offene Antwort. * Der Karpfen-Club. Ignatius Donellys utopistische Mittel der Zeitungs- Berichterstattung beginnen, wenn anch in anderer Form und Allwendung, schon Umrisse wirklicher Gestaltung zn erlangen. Jemand war mehrere Wochen m Uganda, ferne von seiner Hauptstadt, in einem Bergwerke, wo kein einziges Organ seiner Stadt, nicht einmal die „Unschlittkerze" von Carl Wirr, Zutritt hat. Er kehrt in seine heimatliche Hauptstadt zurück und will sich über die parlamentarischen Verhältnisse seiner Vaterstadt erkundigen. Was macht er nach Ignatius Donelly? Ec begibt sich in den „Wienfluss-Ctitb", einen in nicht üblem Gerüche stehenden politischen, einige Karpfen und Stockfische enthaltenden Verein, drückt an den Taster, und schwups! erscheinen mit minutiöser Pünktlichkeit die letzten parlamentarischen Berichte auf der Wand des Locales in leuchtenden Lettern. Diese Vorrichtung ist aber in Wien noch nicht ganz ausgebildet. Statt der elektrischen Drahtziehvorrichtung erscheint ein Wesen, das sich Abgeordneter nennt, in der Clubsprache das erwählte „Oberhaupt" genannt. Er ist ein unbezahlter „Observer.", rmd liest monoton sämmtlrche Zeitungsausschnitte aus allen Vierkreuzer- oder Sechskreuzer-Blättern herunter. Das nennt mail im politischen Jargon „Rechenschaftsbericht". Dieser Name rührt daher, dass die Leute dabei auf ihre „Rechnung", d. i. Nachtmahlrechnung, kommen. Sie rufen: „Kellner, zahlen!'' und reimen in wilder Flucht davon. Ein Pfefferkarpserr. Er heißt — die Namensänderung ist ihm noch nich^ gelungen — Zolles, ward in Lemberg geboren, also ein „polnischer" Pfefferkarpsen. Auf dem Wege einer durch denWasserstraßen-Ausschnss noch nicht registrierten Wasser-Comunicarion kam er aus der Gegend des „Belten" nach Wien, er ward Deutscher und Sprecher des „Wienflnss-Club". Große Verdienste erwarb er sich um sein „deutsches Volk". Hoftuch Kareis, orr diesem aus Galizien stammenden echten Deutschen nicht entsprach, winde von ihm als derjenige entlarvt, welcher die „nationalen" Fragen znrückstelle und wirtschaftliche Arbeit wollte. Er erhielt von ihm ein Misstrauensvotum. Wie hat er recht behalten? Hofrath Kareis wurde nicht wieder aufgestellt. Dieser feine Zusammenhang zwischen Gegenwart mid Vergangenheit, zivischen Kunst der Gegenwart und Stammestradition, ist zuerst in seiner ganzen Größe von Richard Wagner erfasst worden. Sein Kunst- und Lebenslverk ist das Product einer einzigen großen (Stimmung, in der ihm das Verhältnis zivischen Natur, K u u ft u n d N atio n klar geworden war, und was in ihm feste Gestalt gewonnen, das hat er eifernd und rücksichtslos gepredigt. Vielleicht allzu rücksichslos. Aber wir müssen ihm Dank dafür wissen; denn an ihm haben wir gelernt, wie innig verbunden Kunstgefühl und Natioualgefühl, wie jenes durch dieses erst den Zug ins Unendliche erhält. Man könnte meinen, es bedürfe nicht erst einer Mahnung an die Künstler, national zu schaffen, da sie ja nur ihrer Natur zu folgen brauchten. Doch dem ist nicht so. Biele werden sich dieser ihrer innersten Natur nie bewusst, sie arbeiten mechanisch und ohne jene Concentration, jenes „Sichanfsichselbstbesinnen", das wir oben als höchste Stufe ber Verinnerlichung bezeichneteu, oder aber sie finden kein Entgegenkommen bei ihren Stammesgenossen. Nietzsche sagt: „Damit ein Ereignis Größe habe, muss zweierlei zusammenkommen : der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, oie es erleben." Nun, uns fehlt es jetzt so ziemlich noch an beidem; doch wäre e? tböricht, deswegen allen Muth zu verlieren. Betrachten „umhier lieber einen Künstler, der, was künstlerischen Ernst uni) Begabung anlangt, nicht hoch genug zu werten ist: Ich meine Carl G o l d m a r k. Für unsere heutige Betrachtung muss ich es mir versagen, auf seine Werke näher einzugehen. Nur sein Hauptwerk, die Oper „Die Königin von Saba", will ich hier erwähnen. Es soll uns die Frage lösen helfen, inwieweit uns ein Verständnis des Kunstschaffens anderer Nationen möglich ist, ob wir überhaupt ein solches Verständnis besitzen? Auf den ersten Blick und im gewöhnlichen Sinne gestellt, muss diese Frage entschieden bejaht werden. Viele unter uns würden sich sehr bedanken, wenn man ihnen das Verständnis der n e u u S y m p h o n i e n abspräche; viele haben es zu genauerer Kenntnis des W a g n e r’j chen Mnsikdramas gebracht; unsere Kunstschulen werden mit Stolz als Stätten gepriesen, in denen das Talent allein geschätzt und über nationale Bedenken großmüthig hinweggesehen werde. (Dieses summarische Verfahren wollen wir hier nicht weiter bemäkeln, da der Wert solcher Anstalten ohnehin fraglich, andererseits bei der Menge des rein Formalen ein einheitlicher Drill nicht zu unterschützen ist.) Bei näherem Zusehen aber müssen wir uns sagen, dass dieses „Verstehen" eine Grenze habe, die wir nicht überschreiten können. Dies wird uns klar werden, wenn wir uns sagen, dass künstlerisches V e r st e h e n vom V e r st e h e n im gewöhnlichen Sinne zn scheiden sei. Ich verstehe alles, was in deutlichen Begriffen oder Bildern ztl mir spricht, aber ich verstehe vieles nicht so, dass ich es künstlerisch verwerten könnte (Wagner!); ich verstehe eben nur das, was jene innere Resonanz in mir weckc, die ich (Stimmung nannte, und mir ans einer solchen Stimmung heraus kann ich als Künstler prvducceren. Das stärkste Gefühl der Menschheit: die Liebe, hat sich im Verlaufe der Zeiten bei den verschiedenen Völkern in ihren Aeußeruugen differenziert, sie hat zu dem herrlichsten Kunstschaffen angeregt, und in allen ihre» Aeußerungeu gibt sie uns das Innerste liub Eigenthümlichste der Volksseele. Und wie die Liebe, so finden sich alle große» Gefühle der Menschheit im einzelnen Vvlksstamme modisiciert, aber nicht verschlechtert wieder. Und da tvir nach dem Obigen nie m e h r Kinder unseres Volkes sind, als im Momente des Knnstgenießen und Kunstschaffens, so ist der enge Zusammenhang zwischen Kunstwerk und Volkheit organisch begründet. Jene Grenzen des Verstehens aber, von der ich oben sprach, sollen uns nicht bange machen. Ist es uns auch verwehrt, Siegfrieds und Brün Hildes Liebe in jenem höchsten Sinne des Wortes zn „v e r si e h e n", so können wir uns doch neidlos der großen Werke des Meisters erfreuen, davon genießen, was uns zugänglich ist, und die gewonnenen Eindrücke künstlerisch, d. i. national verarbeiten. Das hat Carl Goldmark gethanchmd jene wenigen, die ihn schlechtweg als N a ch a h tu e x Wagners bezeichnen, beweisen damit, wie oberflächlich im Grunde ihr Urtheil ist. Was er von Wagner nahm, ob freiwillig oder unfreiwillig, ist hier gleichgiltig, konnte nie den Kern der Sache treffen. Assad und Snlamith sind zn den herrlichsten Gestalten zn rechnen, die je der Stimmung eines Künstlers entsprossen, und wir können uns ebenso tveuig G o l d m a r k als Schöpfer des „S i e g f r i e d" denken, wie Wagner als Schöpfer der „Königin". Was müssen wir also thun, um national zu schaffen? Wir müssen vor allem national denken und fühlen und dürfen nicht vergessen, dass e i n Band die Künstler der gauzeu Menschheit umschlingt, wir dürfen uns nicht abschließen, müssen mitlernen und, wenn es darauf cmkvmmt, mltkümpfen, immer die Vervollkommnung unserer Art im Auge. Der jüdische Künstler z. B.. der aus naheliegenden Grüildeu darartf verzichtet, Wagner näher kennen zu lernen, sündigt an seiner Entwicklung. Wir müsse» endlich begrerfen, dass nur nationales Schaffen wirkliches Schassen ist, dass wir uns des herrlichsten Factors im Momente der künstlerischen Perception begeben, wenn wir ans jenes Gefühl der Stammestraditivn kein Gelvicht legen, und müssen, da wir aus unserer Art null einmal nicht heraus können, endlich unsangen, auf unsere Art stolz zn sein. Wien. K a r l G r o ß.

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