Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 9 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 1. März 1901 Seite 3 Karlchen hatte folgendermaßen calculiert: Die Geschwornenbank ist, Dank Lueger, hauptjächlich mit verlässlichen Christlich-Socialen besetzt; man muss sich also keck diesen anbiedern. Rasch entschlossen, wandte er den Socialdemokraten, seinen bisherigen Götzen, den Rücken und brachte jene berüchtigten Artikel, die in einer Verherrlichung der — Jesuiten und in einer Apotheose — Bielohlaweks gipfelten. Nicht genug, an dem, suchte er Dr. P a t t a i zu bewegen, seine Vertheidigung zu übernehmen, er erlebte aber hier einen gelinden Hinauswurf, bei Dr. P o r z e r einen zweiten. Endlich gerieth er auf seiner Suche auf Dr. Kienböck, einen vielversprechenden Sprössling der christlich-socialen Partei, der für sehr viel Geld und einige gute Worte sich zur Uebernahme der Vertheidigung bereit erklärte. So gerüstet betrat er den Gerichtssaal. Doch alles dies sollte ihm nichts nützen; in diesem verzerrten, verkniffenen Gesichte war mit deutlichen Letter» das „Schuldig" geschrieben, bevor es die Geschwornen sprachen. Ich habe ihn gesehen; ich habe gehört, wie dieser entartete Sohn Judas mit den gemeinsten Mitteln die antisemitischen Jnstincte der Geschworenen zu wecken suchte, weil die Kläger bekannte Liberale waren. Wahrlich, wir brechen keine Lanze für diese liberale Clique, verfolgt sie doch die jüdischnationalen Regungen mit demselben Grimme, wie die antisemitischen. Aber mit umso gerechterem Zorne müssen wir diese Renegaten a lä Kraus, Dr. Anton L ö w stäupen, die zur Befriedigung ihrer Eitelkeit, ihrer Schmähsucht, ihrer Rachsucht sich nicht scheuen, an den Erbhass des Ariers gegen die Semiten zu appellieren. Zwei Beispiele statt vieler. Karlchen zählte alle Kritiker auf, die zugleich auf den betreffenden Theatern ihre Stücke aufführen lassen, nur zwei ließ er aus, den Hans Arnold Schwer, Specialisten für Blutlüge und Jubiläumstheater, Verfasser des Stückes: Der Dorflump von Dellach und der Stadtlump von Wien und Theodor Hrdlicka alias Taube^vom „Figaro", Verfasser einiger verbesserten Nestroy'schen Stücke. Karlchen musste eben auf die zarten Beziehungen zur christlich-socialen Partei Rücksicht nehmen. Das i st C o rr u p t i o n der s ch l i m m st e n Art. Oder Karlchen citierte die „Deutsche Zeitung". Vor allem erzählt er er aber, zu den Geschwornen gewendet, dass diese Zeitung damals, als Bah r ihr Theaterreferent war, judenliberale Tendenzen hatte und unter Anspitzers Führung stand, und dass Bahr in dem Augenblicke, als die Zeitung antisemitische Allüren annahm, sie verließ; natürlich nicht um Bahr wegen seiner Gesinnungstreue ein Compliment zu machen, sondern um den schlummernden Judenhass der Geschwornen zu wecken. Wie knickte aber, wenn ihm Dr. H a r p n e r eine wuchtige Abfuhr versetzte, Karlchen zusammen, das getreue Conterfei Karlchen M i e s n i k s, des fünfzehnjährigen Gymnasiasten im „Kladderadatsch", wenn ihn sein Lehrer beim Schwindeln ertappt. Man muß Karlchen M i e s n i k gehört haben, wie er schamlos Stimmung zu machen suchte. Vor ihm lag ein gelber Band, die gesammelten Interviews B a h r s über den Antisemitismus. Diesen hielt er den Geschwornen hin, so dass die guten Leute, die das Buch nicht kennen, rein glauben mussten, es enthalte lauter Verurthcilungen des Antisemitismus, während in Wirklichkeit manches böses Wort über die Juden darin steht. Man muss ihn gesehen haben, wie er die Worte Freimaurer, Concordia, Börsianer-Gesellschaft, liberales Tendenzstück, unter die Geschwornen warf, wie oft er den Dr. Harpn er wegen seiner Beziehung zu den Socialdemokraten und der „Arbeiter-Zeitung" anrempelte, dieser Socialdemokratie, an die Karlchen sonst nur Lob- und Fleißzettel austheilte, man muss in der letzten „Fackel", der Processnummer, die bei den Ohren herbeigezogenen Beschimpfungen der jüdischen Nation lesen, um sich ein Bild von der Corruption der Rasseuinstincte, die sich in Karlchen M i e s n i k verkörpert, zu machen. Aber Karlchen M i e s n i k ist nur der erste unter seinesgleichen. Jbm vollkommen gleichwertig, in mancher Hinsicht überlegen, in mancher Hinsicht von Karlchen Miesnik ausgebeutet ist der schlaue glatte Jesuit Jacques Frankl. Es war ein erhebender Moment, als Jacques ans die Frage des Präsidenten nach seiner Eonfessiou: „Evangelisch" antwortete und mit erhobener Hand vor dem Crucifixe schwor; die Taufe des Juden, sonst nur eine Tragikomödie, führt bei solchen Anläßen zur Farce. Ist Herr Jacques, der böse Engel Karlchens, evangelisch, so sind dafür die Herren W e n g r a f. Scheu und S t ö ß l in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche ausgenommen; so baut Jung-Wien an der Kirche der Zukunft. Mit welchem moralischen Rechte zieht denn Herr Kraus gegen dieses Börsianer- und Premioren-Publicum los? Ist er doch mit diesen aufs engste verwandt, verschwägert und versippt; aus diesen Kreisen allein recrutieren sich seine Anhänger und Leser, hinzugerechnet einige frühreife Gymuasiastkn und Handelsakademiker. Aus diesen Kreisen holt er seine Informationen; ist doch die „Fackel" die verlässlichste Quelle für den schmutzigsten Börsentratsch. Wir begreifen die Abneigung des Herrn Kraus gegen das jüdische Volk; denn die Repräsentanten des Judenthums, die er um sich hat und die seinen ausschließlichen Verkehr ausmachen, können in ihm, aber nicht nur in ihm, nur das Gefühl des Eckels erregen. Wir kennen ein anderes Judenthum. Juden und Deutsche, Juden und Czechen. (Brief aus P r o ß n i tz.) Was vielen vor noch ganz kurzer Zeit ein Ding der Unmöglichkeit schien — cs ist zur Thatsache geworden. Die Gründung eines jüdischen Volksvereines wurde von einigen wackeren Männern in Angriff genonimen, und nicht mehr lange' wird es dauern, bis der Verein nach Herabgelangen der gcnehmigten Statuten seine hoffentlich segensreiche Thätigkeit wird entfalten können. So mancher unserer Volksgenossen wird vielleicht darob verwundert sein Haupt schütteln, indem er sich die Frage vorlegen dürfte: „Ist diese Vereinsgründung überhaupt nothwendig, zumal wir unsere Interessen und politischen Rechte mittelst der bestehenden Vereine oder mindestens ebenso wirksam mit Hilfe der jüdisch-autonomen Vertretungskörper wahren und schützen können? Bei einer nüchternen, leidenschaftslosen, von jedem Parteigeiste freien Betrachtung der Verhältnisse, wie selbe derzeit bei uns liegen, kommen wir zu folgenden Schlüssen : Die Juden, obgleich bisher eine feste Stütze des Deutschthums, wurden von diesem hilflos, im Stiche gelassen, gerade in einem Momente, indem sie der Unterstützung bei der Abwehr des in wüthendem Hasse ergrimmten czechisch-nationalen Gegners mehr denn je bedurft hätten. Haben uns so die Erwartungen, die wir von dem Eingreifen einer wahrhaften deutschen Fortschrittspartei gehegt, getäuscht, sind wir in diesen unseren Hoffnungen betrogen worden, indem die Partei, für welche wir mit unserem Herzblute gekämpft und gestritten, für die wir Opfer um Opfer gebracht, nicht den Muth finden kann, gegen unsere Verfolgungen und die systematische Vernichtung zahlloser Existenzen, abgesehen vnn werkthätiger Hilfe, wenigstens ein mannhaftes Wort an entscheidender Stelle zu sprechen, so machen wir leider auch die traurige Erfahrung, dass unsere jüdisch-autonomen Verwaltungskörper gegenüber diesen traurigen Thatsachen über die Vogel Strauß-Politik nicht hinanskommen und sich mit dein Gedanken trösten, dass das Judenthum schon ärgeren .Bedrängnissen ausgesetzt war und trotzdem dieselben überstanden hat. Es ist nicht zu leugnen, dass wir Juden dem Deutschthum sowohl in cultureller als auch politischer Hinsicht manches, ja sogar vieles zu danken haben, wir sind jedoch nach den Ereignissen der letzten Jahre und der retrograden Entwicklung, welche die deutsche Partei in Oesterreich in freiheitlicher und fortschrittlicher Richtung mitgemacht, endlich zu der Erkenntnis gekommen, dass wir Juden diese Dankesschuld nicht nur bereits mehr als getilgt haben, dass vielmehr das deutsche Volk in Oesterreich, berücksichtigend die Ergebnisse der letzten Reichsrathswahleu, bei uns Juden ein Schuldenconto eröffnet hat, welches wir aller Voraussicht nach zu den Contis dubioser Forderungen werden zählen müssen. Frei von dem Vorwurfe also, als ob wir Juden unsere allfälligen Verpflichtungen nicht voll und ganz erfüllt hätten, fällt uns die Constituierung als selbständige politische Partei umso leichter, als wir fürder wohl nicht mehr hem billigen Agitationsmittel, das gegen uns mit Erfolg angewendet wird, begegnen wollen, als ob wir Inden, in gemischtsprachigen Ländern wohnend, durch unser Eingreifen den nationalen Kampf schüren, die Majorisieruttg der einen durch Parteinahme für die anderen ermöglichen. Unsere bisherige deutsch-nationale, wie 'nicht minder c z e ch i sch - n at i o n a l e Politik muss e n d g i l t i g ausgelassen werden, wollen wir nicht, wie die Ereignisse es uns lehren, zwischen zwei M ü h l st e i n e n zerrieben werden. Die Vertreter dieser beiden Richtungen unter den Juden sind mit ihrem Latein zu Ende, sie haben gründlich abgewirtschaftet, und so lange es noch möglich, so lange wir uns noch im Besitze und Vollgennsse der staatsbürgerlichen Rechte befinden, muss daran gegangen werden, mit Hilfe eben dieser Rechte eine politische Organisation der Juden in Oesterreich zu schaffen, die, frei von jeder Stellungnahme im nationalen Kampfe, der heute in unserem Vaterlande gekämpft wird, dort helfend nnd schützend einzugreifen hat, wo die politischen und wirtschaftlichen Rechte und Interessen der Juden von wem immer angegriffen und geschädigt werden. Als Grundprincip leuchtet uns bei diesem unserem Streben der Gedanke voran, dass wir bei aller Objectivität in nationalen Fragen bei unseren Actionen auch auf die g e s a m m t st a a t l i ch e n Interessen, wie nicht minder darauf Rücksicht zu nehmen haben, dass wir Juden als eine demokratisch angelegte Nation stets in erster Reihe dort zu finden waren, wo es galt, für wahrhaften Freisinn eine Lanze zu brechen. Was speciell uns Juden in Proßnitz betrifft, so erhoffen wir, dass, nachdem endlich in klarer und unzweideutiger Weise der Beweis erbracht sein dürfte, dass wir Juden uns mit den Verhältnissen, wie sie thatsächlich beste hen, abgefunden und in Zukunft niemandes Wege mehr kreuzen wollen, sich in den Kreisen der czechischen Intelligenz, wie auch bei dem ehrlich, anständig und rechtlich denkenden Theile der czechischen Mitbürger die Erkenntnis Bahn brechen wird, es könne der bisherigen Politik, die schließlich und endlich die Wohlfahrt der Stadt schädigt und den Sinn einträchtigen Wirkens zum Schaden unseres Gemeinwesens nicht auskommen lässt, nicht weiter Raum gelassen werden. So nur wird und kann es möglich werden, das Be stehen d e a u f d em G e bi e te d es B i ldu n g snnd H um a n itätswesens zu erhalten und auszuge st alten, denn es wird dann nicht der nationale Furor, sondern es wird die Erkenntnis v o n d e m praktischen Bedürfnisse in ihre Rechte treten und einen Vandalismus verhüten, dem leider schon manch Gutes und Schönes zum Opfer gefallen ist. Soweit erhoffen wir von der eingeleiteten Action eine Gesundung der bestehenden traurigen Verhältnisse und werden nicht anstehen, Auswüchse und Schädlinge unserer Jntereffen damit wirksamst zu bekämpfen, indem wir fallweise in in der Sprache der Bevölkerung verfassten Druckschriften die dunklen Ehrenmänner und ihre eigentlichen Ziele des nationalen Mäntelchens entkleiden und die egoistischen Triebfedern klarlegen wollen, von denen sie bei ihren Handlungen geleitet sind. Wir glauben aber auch ferner wohlthätig zu wirken, wenn von nun ab ein etwas frischerer, freierer Zug in die Verwaltungen der jüdischautonomen Körperschaften gebracht werden soll, in denen bei aller Anerkennung ihrer gewissenhaften und ersprieß lichen Thätigkeit ans manchem Gebiete der Gemeinde das Leben zu wenig pulsiert, ja mitunter zu stagnieren droht. Das Interesse des jungen Nachwuchses soll wieder erwachen nnd sich in ihm und mit ihm allenthalben die Erkenntnis Bahn brechen, dass unsere politische, wie auch die Cultnsbertretungen nicht reine Verwaltungsausgaben zu lösen haben, sondern dass sie auch Pflegestätten jüdischen Geisteslebens und Centren regen jüdischen Nationalgefühles sein sollen. Nicht mindere Arbeit harrt des Vereines auf wirtschaftlichem Gebiete, indem der kleine, minder bemittelte jüdische Gewerbetreibende eines billigen, leicht erhältlichen Credites entbehren muss, und deshalb umso schwerer den Kampf um seine Existenz kämpfen muss, als ihm hierfür die wichtigste Waffe abgeht. Es ist daher Pflicht eines jeden Juden, der ein Herz im Leibe hat, seine Kräfte in den Dienst einer Sache zu stellen, der jeder aggressive Charakter mangelt und die nur den Zweck hat, einen wirksamen Schutz zu schaffen gegen alle Widerwärtigkeiten, unter denen wir Juden bisher leiden und denen wir für die Zukunft ausgesetzt sind. Als Realpolitiker wollen wir keineswegs bisherige uns als wahre und aufrichtig bekannte Freunde, die uns durch ihr maßvolles Wesen sympathisch und lieb geworden, von uns abstoßen, wir wollen aber auch in ihren Kreisen derartige Freunde suchen und hoffentlich auch finden, die bishergewöhntwaren, in unsJuden nichts anderes zu erblicken, als die energischesten Verfechter jener Politik, die das Vorherrschen des Deutschthums und dieMajorisierungder slavischen Völker zum Gegenstände hat. Simm cuique — Jedem das Seine, sei unsere Parole, wobei wir dieselbe aber auch von jedermann im Staate auf uns Juden angewendet wissen wollen. Und-so mögen wir uns alle oder doch wenigstens der größte Theil der hiesigen Juden indem neuen Vereine finden, geleitet von dem Wunsche, derselbe gestalte sich zu einer festen Schutzwehr unserer politischen und wirtschaftlichen Interessen. Dr. L. Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Wiener israelitisch enCultusvor st an des vom 24. Februar 1901 unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath K l i n g e r.) Aus dem Einlaufe wird zur Kentnis gebracht: An Spenden: Von Herrn Leopold Sachs zum Andenken an seine Eltern Jacob und Anna Sachs für das „Wölflerheim" Kr. 400-—; vom israelitischen Bethausvereine „Montefiore" Naturalien für die Insassen des israelitischen Altersversorgungshauses; , aus den Sammelbüchsen im Fünfhauser Tempel für Arme Kr. 364-74; aus den Sammelbüchsen im Ottakringer Tempel für Arme Kr. 205-84; Sammelspende des „Neuen Wiener Tagblatt" für die Brigittenauer Schulkinder Kr. 7-—. Weiters gelangt zur Verlesung eine Einladung des Verbandes der israelitischen Humanitäts-Vereine „V'nai B'rith" für Oesterreich zur constituierenden General-Versammlung des Hilfsvereines für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, sowie zum Beitritte der Cultusgemeinde zu diesem Vereine. Der Präsident erklärt, daß er der General-Versammlung namens des Cultusvorstandes beiwohnen werde, die Frage des Beitrittes wird, nachdem die Einladung erst wenige Tage vor der Plenar- Versammlung anlangte, dem Vorstande zur Beschlussfassung vorgelegt werden; ein Antwortschreiben des Kuratoriums der israelitischtheologischen Lehranstalt, betreffend die vom Vorstände der Cultusgemeinde angestrebte Creierung einer Religionslehrer-Bildungsanstalt am Seminar, wird der Unterrichtsseclion zur weiteren Behandlung zugewiesen. In Abwesenheit des Herrn Moriz Edlen v. K u f f n e r, des Obmannes des Comites für die Berufung von Vertrauensmännern, betreffend die Anstellung eines Hilsspredigers, referiert der Obmann-Stellvertreter Herr Direetor Simon über die Vorschläge dieses Comit^s. Die vorgelegle Liste, deren Zusammensetzung im Sinne des § 41 des Statutes unler^Rücksichtnahme auf die den verschiedenen rituellen Richtungen angehörenden Bethausvereine erfolgt ist, wird on bioa angenommen. terr Wilhelm K u s f n e r referiert namens des Comitös erufung von 120 Vertrauensmännern im Sinne des § 36 des Statutes und des tz 2 des Cultussteuer-Regulativs. Zu den aus Wahlen hervorgegangenen 120 Vertrauensmännern seien im Sinne des tz 4 des Cultussteuer-Regulativs weitere 120 Vertrauensmänner zu berufen und zwar in der Weise,, dass 84 aus den einzelnen Wahlbezirken in der im Statut festgesetzten Anzahl und 36 aus der Gruppe der Höherbesteuerten ernannt werden. Aus diesen Vertrauensmännern, welche bisher die Aufgabe hatten, bei der Cultussteuer-Bemessung mitzuwirken, sind in der Folge im Sinne des Statutes auch Bezirks- Commissionen zu bilden, welchen gewisse Agenden des Cultusvorstandes zugewiesen werden können. Die Vorschläge des Comiös werden im Sinne des Referates des Herr Wilhelm Kufsner einstimmig angenommen. Herr kaiserl. Rath Dr. Lieben referiert über eine Angelegenheit des Tempelvereines Simmering. Die Auszahlung eines die Subvention dieses Vereines um circa Kr. 200 — übersteigenden Betrages wird zur Kenntnis genommen. lieber Antrag des Vertreter-Collegiums wird zur Herstellung eines Grabdenkmals für einen verdienten Funclionär der Cultusgemeinde eine Beitragsleistung beschlossen. Herr Dr. Spitzer referiert namens der Rechtssection über die Statuten des Vereines zur Wahiung der Interessen des orthodoxen Judenthums in Wien und Niederösterreich. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Wilhelm Kufsner, Vicepräses Dr. Stern, Theodor Ritterv. Taussi.g, Director Simon, Dr. Steg er, Dr. Grünfeld, Dr. Berger und kaiserl. Rath Weil betheiligen, wird der Antrag der Rechtsfcction angenopnnen, dahingehend, dass vom Standpunkte der Cultusgemeind/ mit Rücksicht aus ihren statutarischen Wirkungskreis gegen die vorgelegten Statuten nnter den von der Rechtssection beantragten Modificationen ein Einwand nicht erhoben werde. An Stelle des in den Cultusvorstand gewählten Herrn Wilhelm Kufsner wird Herr Heinrich Te l t s ch e r zu einem der sechs Obmänner des statutarisch vorgesehenen ständigen Schiedsgerichtes gewählt. , Entsprechend dem Referate der III. Section (Referent Herr Obmann-Stellvertreter Salo Cohn) gelangen zur Verleihung: Die Joses Spitze r'sche Armenstiftung mit einem Zinsenerträgnisse von Kr. 240-— an 4 Arme; die Ignaz Baum'sche Armenstiftung mit dem Zinsenbetrage von Kr. 410-— an 10 Arme; die David N e u m a n n'sche Familienstiftung mit dem Zinsen erträgnisse von Kr. 420-— an 27 verarmte Verwandte des Stifters