Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 8 (22.2.1901)
- Date
- 1901-02-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. Februar 1901 Seite 3 Strichen ins Gesicht zu schreiben. Aber das kneift ja aus unter schäbrgem Vorwände und schimpft dann von der sicheren Redactionsstube aus. Fürwahr, der Geschichts-Professor Fournier mag nicht so unrecht haben. Wenn man sieht, wie die Herren Alldeutschen alles verfehmen, was ihrem nownotbingthum nicht den verlangten Tribut zollt, dann kann man wohl glauben, dass sich auch die „teutonischen" Studenten vor dem Lerneifer und vor dem Fleiße wie vor der Nüchternheit der jüdischen Studenten fürchten! Der deutsche, der ehrliche, nur deutsche Student fürchtet sich nicht, denn er lernt selber. Aus ihren Reihen aber beziehen die Alldeutschen auch ihre „Commilitonen" nicht. Die lesen sie aus den Kneipen auf, welche für eine Art Studenten der Hörsal sind, und mit ihnen vollführen sie dann jene Kunstsiückchen, welchen sie den schönen Namen „alldeutsche Propaganda" gegeben haben. Offenbar meint Professor Fournier diese Sorte Studenten. Denn wenn er die ehrliche deutsche Studentenschaft also kritisieren wollte, müsste er ja sich mitbeschimpfen; diese Studentenschaft ist auch nicht radauantisemitisch. Die Studenten, die sich um die „Ostdeutsche Rundschau" scharen, die fürchten in der That das Wissen, die Nüchternheit und den Lerneifer der Juden. Darum machen sie schlauerweise aus der Furcht den Hass und die Verachtung und cultiviren aus der „Volksseele" heraus den Bacillus, der die gefährliche Concurrenz umbringen soll. Die Nüchternheit und der Fleiß der jüdischen Studentenschaft wird aber auch diese Pest überstehen! Vom Tage. Jüdische Wohlthätigkeit. Die „Arbeiter - Zeilung" nimmt einen Fall von Lehrlingsausnützung zum Anlasse, um die Thätigkeit der Baron Hirsch-Stiftung und damit die jüdische Wohlthätigkeit überhaupt einer Kritik zu unterziehen, wobei natürlich diese jüdische Wohlthätigkeit sehr schlecht wegkommt. Wenn man nicht wüsste, dass die Schreiber solcher Notizen in der „Arbeiter-Zeitung^ Juden sind, würden wir über solch eine alberne Unwissenheit stillschweigend hinweggehen. Eine Frechheit aber, eine doppelte Frechheit ist es, wenn die Juden der „Arbeiter-Zeitung" die jüdische Wohlthätigkeit negieren wollen. Diese Wohlthätigkeit hat sich die Anerkennung der ganzen civilisierten Welt errungen, sie ist sozusagen sprichwörtlich geworden, und nur die Keckheit eines national geschlechtslosen Renegaten ist imstande, sie ableugnen zu wollen. Möglich, dass es auch unter jüdischen Handwerkern einen oder den anderen gibt, der seine Lehrlinge überanstrengt, möglich, dass die Verwaltung der Hirsch-Stiftung keine Handhabe zum Einschreiten fand; bie Wahrheit der ganzen Mittheilung ist ja auch noch nicht erwiesen; so viel aber steht fest: die jüdische Wohlthätigkeit kommt bei diesem Anlasse gar nicht in Frage und ist so echt und wahrhaftig, dass die hämische Kritik eines Neberläufers gar nicht an sie heranreicht. Dafür könnten wir selbst an der Socialdemokratie so viele Beispiele Nachweisen, dass auch die Notizenschreiber von der „Arbeiter-Zeitung" kleinlaut verstummen würden; nicht umsonst schickt die Socialdemokratie bei Wahlen und sonstigen Sammlungen stets Juden zu den Juden. Aber wir Juden sind es ja gewöhnt, das Schlimmste stets von den Abtrünnigen unseres Volkes zu erfahren; dass ein Meschumed von der „Arbeiter-Zeitung" die jüdische Wohlthätigkeit verhöhnt, ist nur natürlich. Ein christlicher Zeitungsschreiber thäte so was nicht .... * * * Unfreiwillige Geständnisse. Das antisemitische Theater mit dem langen Titel an der Währinger Linie hatte zum Fasching neben dem üblichen auch ein besonderes Lustspiel. Da draußen wird nämlich miserabel Komödie gespielt; die Stadtbühne von Buches, und der Verfasser oder Urheber desselben erscheint uns als eine durch seine Geistesgaben und ideale Auffassungen weit über seine und die folgende Zeit hervorragende Individualität. Während JesaiaS in feinen Reden und im Deuteronomium die humansten Vorschriften des socialen Lebens vertritt, finden wir nm dieselbe Zeit in Griechenland die blutige Gesetzgebung Drakons in ihrer ganzen unerbittlichen Schärfe herrschen. Welch ein Unterschied zwischen dem Geiste Palästinas und der Stadt am Piraens, beide an der Küste des Mittelländischen Meeres so nahe gelegen — und doch so weit entfernt. In keiner Stadt jener Zeit wurde so gegen die Unterdrückung des Armen, die Verfolgung des Schwachen und Verlassenen geeifert, wie in Jerusalem — hier in dieser jüdischen Stadt wurde der Kampf der Humanität siegreich ansgefochten. Wir gehen zu den weiteren historischen Ereignissen über, mit denen das Leben Jeremias eng verknüpft ist. Um das Jahr 605 tritt auf die Bühne der Weltereignisse ein Kriegsmann von Weltruf auf. Nebnkadnrzar, in dem Jeremias den Diener und die Geisel Gottes erblickt, Nebukadnezar, der die über Israel wegen seiner Treulosigkeit verhängte Strafe vollziehen soll, bildet von nun an den Refrain seiner traurigen Prophezeiungen. Fürchterliche Visionen steigen vor seinem seherischen Blicke auf, sein GotteSauge durchdringt die Zukunft, und schweres, unheilverkündendes Gewölk sieht er über dem geschichtlichen Horizont Israels sich zusammenballen, während seine Genossen und Brüder sorgenlos den Tag mit Gelagen zubringen. Die traurigen Prophezeiungen trafen nun bald ein. Nebukadnezar, dieses Vorbild eines Attila und Tamerlan, zwang den König Jojakim zur Anerkennung seiner Souveränität. Vier Jahre dauerte dieser Zustand. Jeremias wiederholte während dieser Zeit seine Kassandrarufe. Der zweite Feldzug des feindlichen Heeres gegen Jerusalem trifft zu, wie ihn Jeremias vorausgeseheu; Jerusalem wird belagert und genommen. Der St. Pölten oder Leitmeritz ist ein Hof-Theater gegen dieses Ensemble. Die obligate Coulissenreißerei war nun auch den in puncto Kunstverständnis keineswegs reichbegabten Kritikern der antisemitischen Zeitungen zn dumm, und weil sie doch ihre „nationale" Kunst nicht so verreißen wollten, fanden sie einen guten Ausweg. Es sind schlechte Schauspieler am Theater, sagten sie, und das sind Juden. Denn nur Juden spielen schlecht, einer, Norini heißt er, mauschelt sogar! Welcher Schreck mag aber in die Tintenculis vom Antisemitenhof gefahren sein, als am anderen Tage derselbe Norini seinen beglaubigten Taufschein präsentierte und der andere Schauspieler seine arische Kunst nachzuweisen sich erbot! Holland war zwar nicht in Noth, denn ein richtiger antisemitischer Journalist ist immer gefasst darauf, morgen abschwören zu müssen, was er heute geschrieben hat, aber etwas gewunden hat man sich doch, als man sich „freuen" musste, sich „geirrt" zu haben. Nun bleidt nur noch das Mauscheln des Herrn Norini. Wenn er kein Jud' ist und doch mauschelt, was ist mit ihm? Hat er's im Jubiläumsheater gelernt? Herr Müller- Guttenbrunn soll in diesem Idiom während seiner Raimundtheaterzeit hinreichende Gewandtheit erworben haben. Vielleicht will er diese besondere Schule einführen, um für Shylocks und ähnliche Lumpen stets das nöthige Personal zu haben? Es „zuzelt" ja auch der Herr Bauer, der Darsteller aller jüdischen Chargen, und so manches andere Mitglied des Theaters. Die Sache muss untersucht werden und das „Deutsche Volksblatt" thäte gut daran, jenen Redacteur seines Blattes hinauszusenden, der das Mauscheln mit der „Muttermilch" eingesogen hat! Es ist Gefahr im Verzüge, dem Jubiläumtheater kann es so gehen, wie jener Schule, die einen Judenknaben aufnahm, damit er das Mauscheln verlerne. In einem Jahre mauschelt das ganze Theater! * * * Die „Arbeiter-Zeitung", das Leib- und Lieblingsorgan des Schottenringes, betrieb bis jetzt nur einen verschämten Antisemitismus. Nun sind die Wahlen vorüber, die Gelder der Juden eingesackelt, und sie kann nun in unverschämtem Antisemitismus machen. Diese Angriffe sind umso verächtlicher, als sie von den getauften und noch nicht getauften Juden der Redaction der „Arbeiter-Zeitung" ausgehen. So musste sogar Herr Bonn als Mephisto herhalten, um dem Referenten Gelegenheit zu geben, seine literarische Ignoranz und rohe Arroganz zu beweisen. Er findet nämlich, dass Bonn den Mephisto zu jüdisch gegeben habe, das heißt nach dem Jargon der „Arbeiter-Zeitung": voll Cynismus und frechen Witzes. Diese Eigenschaften zieren aber die nur die jüdische Decadence, diejenigen Juden, die sich ihres Judenthums schämen und mit Speichelleckerei und Liebedienerei an fremde Völker sich anbiedern wollen, Figuren von dem Genre, wie sie in den Redactionen socialistischer Blätter sitzen, dem eigentlichen Judenthum sind sie fremd. Die neueste Errungenschaft ist der Antisemitismus unter dem Strich. Es erscheint nämlich ein Roman von Iwan Franko. Wir wollen nun sicher keinem Autor verwehren, Juden alle möglichen Gemeinheiten anzuhängen, wenn er solche Figuren in seinem Romane braucht; er kann auch solche im Gefolge der Schlachta in Lebensgröße finden. Protestieren müssen wir aber dagegen, solche Gestalten als Typen des Judenthums auszugeben, zu behaupten, dass es im Judenthum „wenige Träumer und Denker" gebe. Wir fürchten überhaupt, dass man mit dem Iwan Franko dieselbe Erfahrung machen wird, wie mit Stojalowski. Dieser wurde von den verbohrten und bornierten liberalen und socialistischen Journalen als Märtyrer der Freiheit und der Wahrheit dargestellt. Er ließ sich auch diese Unterstützung so lange gefallen, bis er sein Mandat ergattert hatte, dann König, seine Familie, der Adel werden als Geisel nach Babylon transportiert, und an die Stelle des Königs Jojakim wird sein Onkel Zidkija gesetzt, der aber nach kurzer Zeit trotz der Warnung Jeremias von Babylon abgefallen ist und dadurch eine zweite Belagerung Jerusalems herbeigeführt hat. Am neunten Ab 586 wurde Jerusalem genommen. Der Besieger Judäas wollte dem Propheten, den er wegen der eingetroffenen Prophezeiungen für seinen Parteigänger angesehen hatte, ein Ehrenamt übergeben; Jesaias zog es aber vor, als Tröster bei den Armen seines Volkes zurückzubleiben und anf den Ruinen der gefallenen Stadt seine unsterblichen Klagelieder zu singen. In ergreifenden Worten gibt er seinem herzzerreißenden Schmerze über das schreckliche Schicksal der Stadt und ihrer Einwohner einen wehmüthigen und tiefempfundenen Ausdruck. Das Ende Jeremias ist unbekannt; nach einer uralten jüdischen Ueberlieferung wurde er in der ägyptischen Grenz festung Taphins von seinen eigenen StammeSgenossen wegen seiner Strafpredigten gesteinigt. Der römische Heiligenkalender hat den 1. Mai, an dem die Steinigung erfolgt sein sollte, als Gedächtnistag für den Propheten eingesetzt. Wenn wir nach dieser flüchtigen Skizze auf das Leben dieses großen Propheten zurückblicken, so sehen wir, dass er, unbeirrt von des Pöbels Geschrei und Anfeindungen, auf seinem Wege fortschreitet, einer höheren und idealeren Lebensauffassung die Menschheit zuführend. Einsam, ohne Weib und Kind, erscheint er uns als eine eiserne Säule, eine eherne Mauer, unerschüttert im Sturme und furchtlos in den Tagen, da eine Welt über ihm zusammenstürzte. Er begann den Streit zwischen Macht und Unterdrückung, Reich und Arm. Es gereicht Israel zum Ruhme, einen solchen Kämpfer ans seiner Mitte hervorgebracht zu haben. ließ er die Maske fallen und zeigte sich als der wahre Lump, der er war. Wir sind neugierig, wann Franko seine Maske fallen lassen wird. * * * Ein antisemitischer Ehrenmann. Die Verhandlungen im Proc ess Lewy in Könitz haben ein scharfes Schlaglicht auf die antisemitischen Machenschaften geworfen. Eine der traurigsten Rollen spielte dabei der Bürgermeister und Amtsanwalt a. D. Zimmer, der als Berichterstatter der „StaatSbürger-Zeitung" und des „Konitzer Tageblatt" nahezu tagtäglich durch unwahre Behauptungen oder gehässige Angriffe die Erregung gegen die jüdische Bevölkerung in Könitz schürte und gleichzeitig nicht verschmähte, den Juden seine Dienste anzubieten. „Mit der rechten Hand schreibt er antisemitische Angriffe gegen die Behörden, die linke Hand streckt er nach dem jüdischen Gelde aus," so charakterisiert der Staatsanwalt treffend diesen Herrn. Man sollte nun meinen, dass Herr Zimmer, nachdem er in voller Oeffentlichkeit in so beschämender Weise an den Pranger gestellt wurde, bestrebt sein müsste, den Schauplatz seiner wenig ehrenvollen Thätigkeit schleunigst zn verlassen. Das ist keineswegs der Fall. Im Gegentheil; Herr Zimmer macht sogar den Versuch, sein Verhalten den Antisemiten gegenüber zu rechtfertigen. Das „Konitzer Tageblatt" veröffentlicht eine Zuschrift von ihm, in der er unter Bezugnahme auf eine Ehrenerklärung, die ihm der Fleischermeister Hoffmann am Tage nach der Urtheilsverlündrgung im Proeess Lewy ausgestellt, den Nachweis zu führen sucht, dass er nicht von dem Rechten abgewichen sei, und zur Erklärung für seine Doppelrolle folgendes Motiv angibt: „Mein Tric, scheinbar eine kurze Zeit lang mit den Juden Hand in Hand zu gehen, hat zunächst insofern einen Erfolg für die gute Sache gehabt, als jetzt klar und deutlich vor der breiten deutschen Oeffentlichkeit bekannt geworden ist, welche Persönlichkeiten zn dem allgemeinen jüdischen Vertuschungs- und Verdunklungs-Comite in Beziehung stehen und welche unlauteren Dinge zur Erreichung dieses Zweckes angewendet worden sind; es ist ferner offenbar klargelegt worden, welche Elemente dazu benützt worden sind. Möglich, dieses alles zu entdecken, war es uns nur dadurch, dass ich es wagte, die Vorgänge im Lager drüben aus eigener Anschauung zu beobachten. Ich glaube, mich schützt mein gutes Gewissen (!) und der Spruch: „Das Mittel heiligt den Zweck", — nachentlich in einer so wichtigen Sache." Die Erklärung scheint auch dem „Konitzer Tageblatt" völlig zu genügen; es überlässt seinen Lesern das Urtheil über die Handlungsweise ihres Correspondenten, ohne sich selbst hierüber näher zn äußern. Der Ehrenmann Zimmer wird also wahrscheinlich auch weiterhin für das Konitzer Antisemitenblatt schreiben. Inland. Wien. (Regierungsrath Dr. Stegerim „Jüdischen V o l ks v e rein".) Am Mittwoch den 26. d. M. hält Hof- und Gerichts-Advocat Dr. I. Sieger im großen Festsaale des „Jüdischen Volksvereines" einen Vortrag über „Redefreiheit im Gerichtssaale". Mit Rücksicht darauf, dass bei den bisherigen Vortragsabenden nur streng jüdische Themata zur Behandlung kamen, glaubte der Verein, auch einmal ein Referat von allgemeinem Interesse ansetzen zu müssen. Bei dem glänzenden Rufe, dessen sich Regierungsrath Dr. Sieger als Redner erfreut, darf man einen äußerst genussreichen Abend erwarten. Gäste, auch Damen, sehr willkommen. Wien. (Jüdisches Muse u m.) Samstag den 23. d. M. findet ein von der „Gesellschaft für Sammlung und Conservierung von Kunstdenkmälern des Judenthums" veranstalteter Vortrag des Herrn Josef Beck statt, welcher mittelst Skioptikvns die von ihm selbst aufgenommenen Bilder von seiner Orientreise vorführen wird. Karten im Museum, I., Rathhausstraße 13, 2—4 Uhr nachmittags. Anfangs März liest der Vieepräses, Herr Hofschauspieler Adolf Ritter von S o n n e n t h a l. Mitte März findet eine Feier aus Anlass des 80. Geburtstages Hieronymus L o r i u s, statt. Anmeldungen um Karten im Museum. Wien. (Frauen - Wohlthätigkeitsverein des VIII, Bezirkes.) Am 24. März hält der Frauen- Wohlthätigkeitsverein vom VIII. Bezirke seine General-Bersammlung ab, und zwar im „Hotel de France", I., Schottenring, wozu die verehrlichen Mitglieder eingeladen werden, und wird um zahlreiches Erscheinen ersucht. Gleichzeitig machen wir die Mittheilung, dass in der letzten Sitzung der Beschluss gcfasst wurde, ein Kränzchen abznhalten, welches am 24. März im Rvnacher-Saale stattfinden wird. Wien. (T r a u e r a n d a ch t.) Am 17. Februar hielt Herr Rabbiner S. Fürst vor einem dichtgedrängten Auditorium iu der Schiffschul eine ergreifende Trauerrede nach dem verblichenen Baron Wilhelm von Rothschild. Redner schilderte, selbst tief ergriffen, die Leistungen dieses Förderers aller echtt jüdischen Bestrebungen auf den Gebieten der Lehre, der Frömmigkeit und der Wohlthätigkeit. Obwohl auf den höchsten Gipfeln socialer Stellung, übte er seine Wohlthaten persönlich in einer so liebenswürdigen Weise, dass der Beschenkte, besonders wo es sich unr Talmudgelehrte handelte, glauben musste, der Baron sei der Empfänger. (Im Talmud heißt es ja, mehr als der Reiche dem Armen, gibt der Arme dem Schenker: er gibt ihm sittliche Erhebung und das Wonnegefühl des Wohlthuns.) Jede freie Minute widmete er dem Talmudstudium, sein tägliches Gebet war von ergreifender Herzinnigkeit. Sein lebhaftes Interesse für alles Jüdische auf dem ganzen Erdenrund war beispiellos, und nach vielen Tausenden zählen die Annen, die Kranken, die Witwen und Waisen, die er regelmäßig unterstützte. Wir sahen viele Vertreter von Bethaus-Vereinen, die gekommen waren, einen Fürsten zu beweinen. Wien. (Nach deutschem Muster.) Unter ausdrücklicher Berufung auf die jüngsten Erklärungen des preußischen Justizministers Schönstedt über die „Nichtzulassung