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Jüdisches Volksblatt · 1901-02-15 · 7 (15.2.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. Februar 1901 Nr. 7 gekleidet sind, und während deS feierlichen Tages des Leichenbegängnisses Ihrer Majestät der Königin Victoria waren die Fenster der ärmlichsten Wohnhäuser mit dunklen Vorhängen bedeckt, und in allen kleineren Synagogen wurde, ebenso wie in den großen aller Stadttheile, nach Sabbath- Lusgang TranergotteSdieust veranstaltet. Ein Maggid bemerkte, dass am heutigen ]"D*r '881V die HD70 im buchßäblichen Sinne ausgeführt werde, indem wir unsere leider dahingeschiedene Königin mit Klageliedern und Gebeten ins Jenseits hinüberbegleiten. Auch wurden in voriger Woche von den Arme» Pfennige gesammelt, um einen Kranz aus das Grab der Königin als Tribut der Huldigung und letzten Ehre von de» armen Israeliten des Easteud zu legen. Die angeheftete Karte trug die Inschrift: From tlie Shopkeepers, Stallkeepers and Street Vendors in London Jewish Poorest Quartet A Tribut of profound sorrow and Respect their Beloved Queen. son nöipo by (Bon den Läden- und Kiosk-Inhabern und Straßen- »erkänferu in Londons ärmstem jüdischen Stadttheile als Tribut flefsten Leidwesens und Ehrerbietung für ihre geliebte Königin. „Möge ihre Seele in Frieden ruhen!") Der Haupt-GotteSdienst fand nach Sabbath-Ausgang in der Haupt-Synvgoge — DukeZ Place — statt, deren Inneres »it kostbaren schwarzen, violett und weißen Draperien umhäugt war; die Leuchter und Lampen waren mit Crepe umschlungen, und die heilige Lade hatte, wie am Versöhnungslage, einen weißen Vorhang, so dass die elektrisch beleuchtete Synagoge «it den anwesenden schwarz gekleideten Herren und Damen, einen höchst imposanten, aber Wehmuth erzeugenden Eindruck Jewähne. Nachdem das Mariw-Gebet vorgetragrn wurde, sang der Chor den Psalm 16, nach einer speciell von dem Obercantor Herrri M. H a st componierten Melodie. Der Herr Obercantor trug alsdann in ergreifender Weise das )bys D'ttfl vor; dann folgte die Predigt des Chief-Rabbi Dr. Adler. Der Siebiter wählte den Text aris den Sprüchen 3.t, 28, und bemerkte, dass, nachdem er bereits in der vorigen Predigt über die wohlwollenden Gesinnungen Ihrer Majestät zil uns Israeliten Englands während ihrer 63jährigen glorreichen Regierung eingehend gesprochen batte, er heute eine allgemeine Betrachtung als englischer Bürger der Königin widmen wolle. Die geistvolle und Gefühl erweckende Predigt fand ein zetrenes Echo in den Herzen aller Anwesenden. Sonntag nachmittags wurde ein Special-TraucrgoDeSdienft für Kinder in der Dukes-Place--Synagoge abgehalten. Der Rev. Singer hielt eine sehr eindrucksvolle Ansprache und erzählte den Kindern die Leidensgeschichte unserer hochseligen Monarchin. In der Westend-Synagoge der Portugiesen wurde unter anderem rühmlichst erwähnt, dass die Königin Victoria sogleich nach ihrer Thronbesteigung den seligen Sir Moses Montefiore in den Adelsstand erhob und dieser der erste von Ihrer Majestät Geadelte war. Im Herzen aller, gleichviel welcher Confession angehö-'ig, bleibt das Andenken dieser edlen Monarchin unverlöschlich, wie es heißt: DaS Andenken der Gerechten verbleibt zum ewigen Hegen! Petersburg. (Jüdische Helden in China.) Vom fernen Osten nach Russland zurückgekehrte Schützen und Artilleristen erzählten, oass in ostsibinschen Schützen- «gimentern einzelne Soldaten bei besonderen Gelegenheiten Wunder der Tapferkeit bewiesen haben. Unter anderen »ahmen die Odessaer Schützen zusammen mit dem 9. Ost- Hbirischen Regiments Mukden ein. Die Soldaten dieses Regimentes waren die ersten, die in diese Festung eindrangen. Mehrere von den Zurückgekehrten erzählten Folgendes: Ihr Regiments-Commandcur rief ihnen zu: „Brüder, wenn einer von Euch die Festung besteigen und >ie russische Fahne aushissen wird, dann wird die Festung unser sein/' In einem Momente stürzten sich einige Leute auf die Wälle, aber die chinesischen Kugrln streckten die Tapferen nieder. Rur ein Schütze, ein Jude aus dem Warschauer Gouvernement, blieb oben. Eine chinesische Kugel verwundete ihn an der Hand. Rasch zerriss er mit der" anderen Hand das Hemd, steckte dasselbe aus das Bajonnet und begann damit zu wehen. Der Commandeur umarmte und küsste den Helden und schlug ihn zürn Orden vor. Im 9. Ostsibirischen Schützenregimente erhielten nenn jüdische Schützen für verschiedene Heldenthaten den Militärororn des St. Georgs-Kt-n^'s. Stiller Anlisemitismus. (Brief aus Deutschland.) Breslau, den 12. Februar 1901. Sehr geehrter H crr Redacteur! Ich muss Sie an eine unserer prmeipiellen Auseinanderfetzungen, wie wir sie oft bis tief in die Nacht hinein in einer gemnthlichen Ecke des „Cafe Residenz" pflegten, erinnern. Es mar nach einer jüdischer Versammlung, in der Sie uns einiges vorn Jndenthum im allgemeineil und von der österreichischen Indenheit im besonderen erzählten. Was Sie da sagten, klang wenig tröstlich, und von manchem von uns wollte öer Gedanke nicht weichen, dass die übergroßen Dcmüthiguugeu und Zurücksetzungen, denen der Jude in Oesterreich ausgesetzt Ft, Ihre Empfindlichkeit in Judensachen bis zu einer Höhe gesteigert haben mag, wie wir sie kaum versteheu konnten. War ooch die Judcnfrage gänzlich aus unserem politischen Leben grschwundcn! Wenn auch Ehre n-Ahl warbt noch immer ferne Possen »iss, der Dreschgraf Pückler ungestraft seine Hetzreden hielt m»d Zimmermann in warmen Lueger-Lauten um das Herz »es Spießers warb, fiel es doch keinem von uns ei», das Treiben dieser Herren in anderem als in humoristischem Lichte zu sehen. Bei den Wahlen und in den Parlamenten hat der Antisemitismus, so calculierten wir, gänzlich abgewirtschaftet, und so gebe es nichts, das unser Frohgefühl, vollberechtigte Staatsbürger und Deutsche zu sein, stören konnte. Zu unsere« Erstaunen priesen Sie die Verhältnisse, unter denen die österreichische Judenschaft lebt, und stellten die, wie uns damals schien, paradoxe Behauptung auf, dass der deutsche Jude, sobald er als Jude intensiver zu fühlen beginne, ungleich mehr leiden müsse als der österreichische. In Oesterreich gebe es keine Partei, in der nicht über den Judenpunkt discutiert würde, ganz gleich, ob in freundlichem oder in feindlichem Sinne; in Deutschland hingegeir habe eine Art selbstverständlichen „stillen Antisemitismus" alle Parteien und Behördeir ergriffen, der darum viel gefährlicher sei, weil er, gleich dem Schatten, nicht bekämpft werden könne. Und dieser nnansgesprochene Antisemitismus müsic das Gefühl des höher organisierten Inden, der sein Leben nicht im Gelderwerb erschöpfe, viel tiefer berühren und viel schwerer drücken, als der Schimpf der Gasse. Sie führten damals für ihre Behauptung manchen Beweis, denn wir als vollberechtigte , deutsche Staatsbürger jüdischer Confession" zu entkräften suchten. Unterdessen aber haben die Ereignisse ihnen recht gegeben. Es gibt in unserem öffentlichen Leben Dinge und Verhältnisse, die jeder kennt, die mit der Verfassung, zumindest mit ihrem Geiste, nicht vereinbar sind, über die man nicht gerne spricht, selbst nicht in unseren Parlamenten, in denen so viel unnützes und kleinliches Zeug gesprochen wirb. Vor einigen Tagen kamen im preußischen Parlamente die Grundsatz", nach denen der stille Antisemitismus daö öffentliche Leben leitet, zur Sprache. Landgerichtsrath P e l t a s o h n, ein Jude, der einzigim Hause, brachte beim Justiz-Etat zur Sprache, dass jüdische Rechtsanwälte viel länger als christliche zu warten haben, bis sie vom Minister zu Notaren ernannt werden. Er fragte de» Minister, nach welchen Grundsätzen er dabei verfahre, und erwähnte noch, dass Juden nicht zu Staatsanwälten berufen und auch seit Jahren nicht mehr OberlandgerichtSräthe werden, obwohl das Reichsgesetz von: Jahre 1860 dir öffrntlichen Aemter allen hierzu Befähigten ohne Unterschied der Confession in gleicher Weise zugänglich sein sollen. Der Justizmiinstec gab daraus eine Antwort, die wir ahnten und die wir doch fürchteten, da sie brutal znm Ausdrucke brachte, was wir vor uns selbst verbargen, worüber wir unS oft mit schönen Worten hinwegzutäuschen wussten. Er sagte: „Der Vorredner geht von dem falschen Gesichtspunkte au?, dass bei der Ernennung zu Notaren das Bedürfnis der coneurrierenden Rechtsanwälte entscheide, nicht aber das der Bevölkerung. Die Justizverwaltung hat aber die Pflicht, die Interessen der juristischen Rath suchenden Bevölkerung wahrzunehmen. In Berlin sind 851 Rechtsanwälte, davon sind 526 jüdische, also drei Fünftel aller. (Hört, hört! rechts.) Unter den 176 Notaren sind 65 jüdisch, also etwas über ein Drittel! Der Procentsatz der jüdischen Bevölkerung in Berlin beträgt nur 5,14! (Hört, hört, rechts.) Maßgebend rst zunächst das Interesse der Bevölkerung. Ich kann eS nicht verantworten, wenn zum Beispiel in Berlin die jüdischen Notare etwa nach dem Proeentsatze der jüdischen Rechtsanwälte angestellt würden; das würd? entschiedenen Anstoß in weiten Kreisen d er B e r t i u e r B e u ö l k e r n n g erregen. Gerade bei den Geschäften eines Notars handelt eS sich mehr oder weniger um die Geschäfte eines Vertrauensmannes. Ich bestreite gar nicht die Tüchtigkeit, die Ehrenhaftigkeit, die Vertrauenswürdigkeit jüdischer Notare; aber gerade dir Geschäfte eines Notars sind solche, welche ein großes persönliche» Zutrauen voraussetzen. Es handelt sich vielfach um innere F a in il in - Auge l e g e n h e i t e u, um biScrete S ach c n, über die nian nur mit einem Manne seines Vertrauens verhandeln mag, die ein großer Theil unserer Bevölkerung einem j ü d i s ch e n Beamten nicht a n v e r t r a u e n m ö ch t e." Für alle diese Offenheiten, so schmerzlich sie auch sind, verdient der Niiüster besonderen Dank. Denn das, was alle wissen, soll endlich einmal ausgesprochen werden. Nun, da das eine mit einer Deutlichkeit gesagt war, die nichts zu eriaihen übrig ließ, stieg auch alles andere vor unseren Augen erschreckend empor, was wir seit Jahren schweigend geduldet und woran wir geflissentlich vvrbeigegangeu waren. Seit langrm wird bei uns kei" Jude Neserveofficier, mag er auch über die glänzendste Qualificativu verfügen. Ein jüdischer Ordinarius an deutschen Universitäten gehört zu den größten Sellenheiten. und nun sollen, wie heute gemeldet wird, auch die jüdischen Aerzte ans den Kliniken gedrängt werden. Gesellschaftlich ist die Scheidung längst ausgesprochen. Dass die erste gesellschaftliche Vereinignug unserer St>ck)t am Thvre ihres VcreinshauseS die Tafel trägt: „Juden ist der Eintritt verboten/ das hielten wir für eine sporadische Erscheinung und war doch nichts als der öffentliche Ausdruck eines allgemeinen Uebereinkommens, welches nun von Minister Schönstedt ganz ohne Srutiw.enial'tät als „selbstverständlich und völlig undiSeulnbcD hingestellt wurde. Die Berliner Judenschast hat sich angesichts dieses ihr gewaltsam anfgezwungenen, so überaus schmerzlichen CrkenntuisscS zu einem geharnischten Proteste ausgernffl. Im großen Saale der Victoria-Brauerei fand eine Versammlung jüdischer Bürger statt, welche folgende Resolution beschloss: „Die versammelten jüdischen Viirger Berlins legen nachdrücklich Verwahrung ein gegen die aus den Reden deS preußische» I u st i i m i nt»i ft 11 $ vom 31. Jänner und 8. und 9. Februar a. c. ersichtlicheu Verwaltung!»- grundsätze, welche mit aller Deutlichkeit ergeben, dass unsere Glaubensgenossen wegen ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Religion die Gleichberechtigung im preußischen Staatsdienste nicht genießen." Die jüdischen Laienrichter haben meiterS »lit einer Einhelligkeit, die sie ehrt, ihr Amt zur Disposition der Regierung gestellt. Der Anfang ist gemacht. Nun soll die Organisation der deutschen Juden kräftig in die Hand genommen «erden. Der „Judentag", der nun von der Tagesordnung nicht mehr schwinden wird, wird allein imstande sein, unsere bedrohten Staalsbürgcrrechle zu wahren, unser Zusnmniei'gebörigkeits- Geftthl, daß in den Jahren der Affimilation in bedenklicher Weise gelitten hatte, neu zu beleben, und unser durch unausgesetzte Verachtung und Zurücksetzung geschwächtes Selbstbewusstsein zu heben. Mit löblichem Eifer nimmt sich der Cartell-Berband der Vereine jüdischer Studenten der Sache an. Ich werde Ihnen, geehrter Herr Redacteur, über die Fortschritte dieser Bewegung, die uns alle mit sich reißt, berichten. Nun erst mit „nationaljüdischem" Gruße Dr. H. Zur Lage in Rumänien?) (Bon unserem Special-Correspondenten.) Bukarest, Ende Jänner 190t. ES hat den Anschein, dass unsere gegenwärtige Negierung thatsächlich doch den ernsten Willen habe, die Judenfrage zum mindesten ans den Weg der Lösung zu bringen. Und diese Aufgabe ist keine leichte. Seit circa 40 Jahren hat sich jede Regierung, ob sie nun von der conservativen oder sogenannten liberalen Partei war, bemüht, dem Volke plausibel zu machen, dass an den Nebeln und Missständen des Landes die Juden, und nur die Inden, schuld seien. Diese Meinung hat nunmehr im rumänischen Volke derartig feste 'Wurzeln gefasst, ist demselben so in Fleisch und Blut übergegangen, dass selbst ein Ministerium C a r p es nicht wagt, in die Kammer einen directen, auf die Gleichberechtigung der Juden hinzielenden Gesetzentwurf einzubringen. Aber der gute Wille scheint doch da zu sein. In den Ministerien wird gegenwärtig an Verordnungen gearbeitet, die gleichsam den Weg zur Lösung der Judeufrage bahnen sollen. In drei Refforts wird gleichzeitig in diesem Sinne gearbeitet. Der Cnltus - Minister Aron wird, wie Ministerpräsident C a r p neulich versicherte, demnächst einen Gesetzentwurf in die Kammer einbringen, laut welchem i« Lande jüdische Cnltusgemeinden organisiert und mitonomisirrt werden sollen. Dieselben sollen Schulen, Spitäler und diverse WohlthätigkeitS- Jnstitntionen selbständig verwalten. Dies wäre der erste Schritt zur Heimatsberechtignng der Juden, die bis nun vom Staate als „Fremde^ betrachtet und als solche ignoriert worden sind. Die Heimatsberechtigung würde dann, nach der Landesverfassung, zahlreiche andere günstige Eonsequenzen für die Juden mit sich bringen. Buch der Krieg-minister soll einen wichtigen Schritt in dieser Richtung gemacht haben. Wie „Addeverul" berichtet, hat der Krieg-minister an sämmtlrche militärischen Behörden einen Erlasergehen lassen, nach welchem alle dem Heere activ angehörenden Personen, von der niedrigsten Charge bis hinauf zum General, die Angehörigkeit zu einem antisemitischen. Vereine verboten sei. Wenn sich diese Meldung deübrigengewöhnlich gut informierten Blattes bestätigen sollte, so wäre dies selbstverständlich von großer Tragweite. Die militärische Autorität, die bis nun zahlreichen antisemitischen Vereinen durch die Mitgliedschaft van Officicren Achtung verliehen hat, wird nun entfallen, und es wird hierdurch die gänzliche Auflösung vieler Vereine erfolgen müssen. ES soll hier noch die Meldung einiger Blätter verzeichnet werden, wonach der Domänenminister von sämmtlichrn Präfecten ein genaue- Verzeichnis der im ganzen Lande wohnenden Handwerker und HnuSindustrietreibenden gefordert habe. Diese Listen enthalten: Narionaüllit und Confession der Angeführten: ferner, wie viele Arbeiter jeder beschäftigt und endlich die Höhe ihres durchschnittlichen, jährlichen Verdienste». Diese 'Nachricht wird von den hiesigen Journalen seltsamerweise wenig commentiert. ES wird nicht angegeben, zu welchem Behufs daS Dvmiiuenministerium diese statistische» Daten benüthige. Wir glauben nicht fehlzugehen. wenn wir annehmen. dass auch hier die Jnbenfrage die treibende Ursache geivesen ist. Es sollte durch diese Liften mit Ziffern der NachwecS gfführr »erden, das« die Inden ihr Brot durch rechtschaffene Arbeit alr Handwerker und Arbeiter sich erwerben, im Gegensätze zu den Behauptungen der antisemitischen Agitatoren und Zeitungen, die sie als Schmarotzer hinstellen. Wenn die Daten dieser Listen von autoritativer Seite sodann im Volke verbreitet werden. so wird dieses nicht verfehlen, die bisher den Juden gegenüber bestandenen Voruriheilc zu entkräften, das Volk für sie günstiger zu stimmen und dem Ministerin!» die Arbeit zu erleichtern. Wie gesagt, vorläufig ist dies alles noch im Werden. Wir begreifen auch die Schwierigkeit der Aufgabe des Ministerium- C a r p s, wenn es sich ernstlich diese Aufgabe gestellt hat . . . Allenfalls ist nun ein leiser Hoffnungsschimmer in die verdüsterten Gemüitzer der Juden Rumäniengezogen. Möge die Hoffnung sich bewähren und wir nicht eine neue schmerzliche Enttäuschung erleben! Dr. S. Zur Frage des israelitischen Religions-Unterrichte« auf dem Tande. Van Bezirkl-Religion-lehrer Mari» Ma»dl, PurgstaA. Die Anregung zur Begründung eines jüdischen Religions- SchulvereineS für Nirderösterrrich durch Ghcw. Herrn Doetae Rachmuttz in Nr. 3 dieses BlatteS verdient in der That, von Seite unserer Tultusgemeinden und Humanitären Vereine ernstlich gewürdigt zu werden. Die Nottzwendigkeit einer solchen Institution ergibt sich aus den eigenartigen Verhältnissen, wie sie hierzulande in fast allen Tultu-armeinden mit Ausnahme von Wien vorherrschen. Dringende Abhilfe ist hier nothwendig, soll die künftige Veneration dem Jndenthum erhalten bleiben. Dass aber oben erwähnte Anregung keine utopistische Idee zur Grundlage hat, sondern deren Verwirklichung vielmehr daeinzige Mittel bietet, die hier obwaltenden traurigen Zustände auf religiösem Gebiete aufzuheden, dass es weiters — bei einigem guten Millen — auch gar nicht schwer siele, pädagogisch geleitete *) Dieser Brief kannte wegen Raummangels erst heule gebracht werden, hat jedbch an Actualitüt nichtverloren. Angesichts der Gchwierigkeiten, welch« die Finanzsrage mit sich brachte, reichte Garp seine Demissian ein, zog dieselbe jedach aus die desandere Fürbitte des Königs wieder zurück.

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