Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 7 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt Infolge dessen sah sich Herr Schwadron veranlasst, «in da- Statthaltcrei-Prästdium in Lemberg eine Anzeige zu erstatten, in welcher er sowohl dem Bezirkshauptmanne Roder als dem Bezirkscommissär, Missbrauch der Amtsgewalt zum Vorrvurfe machte, und insbesondere das eigenartige Verhältnis zwischen Herrn Bezirkshauptmann Roder als Schwiegervater, «nd Dr. KulaczkowSki als Schwiegersohn beleuchtete. Diese Anzeige wurde dem Beschuldigten, dem Herrn Bezirkshauptmann selbst, zur Aeußerung übergeben. Nun ereignete sich Folgendes: Der Herr Bezirkshauptmann war von Zloczow abwesend, und sein Stellvertreter, der Herr Bezirkseommissär, hat in seinem Eifer die Anzeige der Staatsanwaltschaft abgetreten, was Herr Roder selbst wohlweislich unterlassen hätte. Diese leitete sofort gegen Schwadron als intellectuellen Urheber, gegen Benjamin Feldmann als Verfasser und gegen die 15jährige Ryfke Schwadron als Schreiberin der Anzeige die Strafuntersuchung ein und erhob auch am 16. Juni 1900 die Anklage wegen Verbrechens der Verleumdung, begangen durch Borwurf des Amtsmissbrauches gegen den Bezirkshauptmann und seinen Commissär. Auf Grund dieser Anklage fand die Verhandlung vor dem Kreisgerichte in Zloczow am 31. October 1900 statt. Das Resultat der Verhandlung war, dass alle drei Angeklagten freigesprochen wurden. Damit ist festgestellt, dass die in der Anzeige an die Statthalterei angeführten Beschuldigungen auf Wahrheit beruhen und der Gerichtshof in diesen Beschuldigungen den Thatbestand der Verleumdung nicht gcfunden hat. Angesichts dessen richten die Gefertigten an Eure Exeellenz folgende Anfrage: „„I. Ist es Eurer Excellenz bekannt, dass Herr Bezirkshauptmann Dr. Franz Roder in Zloczow zu gunsten der Clienten seines SchiviegersohneS, Advocaten Dr. Kulaczkowski, parteiisch vorgeht? II. Halten es Eure Excellenz für zulässig, dass ein BezirkShauptmann sich das Referat über die Eingaben seines Schwiegersohnes vorbehält? III. In welcher Weise gedenken Euere Excellenz für die Zukunft dieser corrupten und in den weitesten Kreisen Aergernis erregenden Amtsthätigkeit des BezirkshauptmanneS Roder ein Ende zu bereiten?^ Hybes. Breiter. Nomanczuk. Krempa. Szajer. Olszewski. Dr. KoZ. Cingr. Jaworski Basil. Hannich. Bombo. Fijük. Wassilko Nikolaus. Knbik. Dr. Korol. romk des Judenthums Hrrisntz. Wie«. (Jüdischer V o l k S v e r e i n). Im Festsaale des Jüdischen Volksoereines hielt Hof- und Gerichtsadvocat Dr. A. Wagner vor einem sehr zahlreichen Auditorium einen Vortrag über den Talmud. In der Einleitung bemerkte der Vorsitzende, dass mail überall auf ein neuerwachtes Interesse für den Talmud stoße; auch dies sei ein Erfolg der nationalen Agitation. Hierauf erörtert der Vortragende die Fragen, was der Talmud bedeute, welche Werke ihm zugrunde liegen, und welche Werke er in sich ausgenommen hat. Der Talmud sei eine Sammlung tausendjährigen Denkens und Fühlens, eine Fundgrube von Tröstungen und Verheißungen, aber auch eine Quelle von ergötzlichen Erzählungen, Parabeln da, durch keine Menschenhand geschaffen, sondern aus Nacht nnd Nebel emporgestiegen. Aber selbst diesen Koloss kann der Wille besiegen, indem er ihn zum Grunde macht, auf dem er die Zukunft baut, als ein vom Menschen erdachtes und construiertes HauS. Dadurch, dass der Mensch zum Herrn der Zukunft wird, entrinnt er der Sclaverei der Vergangenheit. So triumphiert der Wille über seinen mächtigsten Gegner. So musste auch viel geschehen, viel Leid und viel Schmach, auf dass ein jüdischer Volkswille entstünde. Tiefstehende Völker mussten ringum uns aufstehen und uns zeigen, wie der nationale Wille ein Volk aus dem Elend zum Glück führt. Propheten mussten wieder in Juda aufstehen, um, zuerst kaum gehört, dann verhöhnt, und doch immer unbeirrt dem Volke Israel die Wahrheit zu predigen. Hat Juda aber einmal den Gedanken, den Willen erfasst, so vermag ihn nichts aufznhalten. Dann schafft Juda auS bem finsteren Chaos, dem Mittelalter, in dem eS der Spielball aller Mächtigen war, das Fundament, auf dem es das HauS der Zukunft baut. Bisher schlief Juda; seine Feinde bestimmten sein Schicksal, und Juda gehorchte. Nun ist eS erwacht; eS nimmt sein Schicksal selbst in die Hand. So erlöst eS die Vergangenheit und schafft die Zukunft. Gegenüber der im Golus entstandenen »RachmoneS"- Politik predigt Nietzsche den alten biblischen Satz: Aug' um A»g', Zahn um Zahn. Liebe Deinen Freund und hasse Deinen Feind. Man begreift die Bedeutung dieser Gesinnung, wenn nian liest, dass im Laufe des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts an hunderttausend Juden unter den wahnwitzigsten Beschuldigungen auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder hingemetzelt wurden, ohne den geringsten Widerstand zu leisten. Hätten sie sich gewehrt und ihren Feinden vergolten, so wären ihre Verluste auch nicht größer gewesen. Die Philosophie Nietzsches gibt also den jetzigen Kämpfern für die nationale Idee die nöthige Autorität und eine wahre Fundgrube an Lehren. und Hyperbeln. Was der Talmud für die Wissenschaft j bedeute, zeigte der Vortragende an einigen Beispielen aus der Rechtswissenschaft. Aber er citierte auch einige ergreifende Geschichten, die für den Glauben der Juden an ein Leben im Jenseits beweisend sind. Mit der Erklärung, dass kein Satz im Talmud vorkomme, dessen wir uns schämen müssten, aber sehr vieles, worauf wir stolz sein müssten, schloss der Vortragende seinen Vortrag unter lebhaftem Beifall. Der Vorsitzende Herr Cultusvorstand E l t b o g e n dankte ihm Namen des Vereines. Prag. (Versammlung.) Am 31. Jänner fand hier eine zahlreich besuchte Versammlung der Handels- und Gewerbetreibenden statt. (SS war unsere- Wissenzum erstenmale, dass sämmtliche Richtungen, in welche da- Prager Judenthum zerfällt, sich zu einer gemeinsamen Berathung zusammenfanden; wenn es auch manchen von den Anwesenden nicht an dem guten Willen gebrach, die Versammlung zu stören oder sie resultatlos verlaufen zu lassen durch gehaltlose Wortvergeudung, so muss doch anerkannt werden, dass von einer Leite, von der man eS am wenigsten zu erwarten berechtigt war, diesem frevelhaften Bestreben «in Riegel vorgeschoben wurde, und ist es diesem Manne zu verdanken, dass daS Erstrebte in absehbarer Zeit zur fertigen Thatsache sich verdichten wird. Aus die Einzelheiten hier einzugehen, ist weder Raum noch Zeit, nur jenes erfreuliche Moment möchte ich hervorheben, dass endlich sich das Judenthum, wen« auch allmählich, so doch umso sicherer zu rühren beginnt. Die Resultate werden und können nur erfreuliche sein. Einigkeit macht auch die Schwachen stark. L. Prag. (Kostenloser Arbeitsnachweis.) Am 20. Jämler fand die constitnierende General-Versammlung des von den „Benei Berith" gegründeten Vereines für den kostenlosen Arbeitsnachweis statt; dieser Verein ist ein merkliches Product jener Strömung, welche die unteren Schichten der jüdischen Bevölkerung ergriffen und von ihnen bereits zum großen Theile Besitz genommen hat, es" sind nicht mehr Bettler, die an den Pforten der Neichen klopfen, es sind arbeitsuchende Hände, die die eherne Klingel erfassen und Einlass begehren und das Recht auf Arbeit reklamieren; wenn ihnen nicht mehrtaube Ohren oder erniedrigende Almosengeber begegnen, so ist eS rin erfreuliches Zeichen einer besseren Zeit unter uns Juden. ES sagte einer der anwesenden Jüdisch-Nationalen, dass diese Kreise doch wohl schon eingesehen haben mögen, dass mit Almosen einem Volke nicht geholfen werden kann und der Jude verpflichtet sei, dem Juden At best zu geben. Die jüdischen Arbeitgeber mögen es endlich aufgeben, den Juden ans ihren Diensten auszuschalten, denn er ist gewiss nicht schlechter, bestimmt aber gar oft viel besser als drr arische Angestellte. DaS steht außer Frage, dass diese Organisation gut geleitet — sehr vortheilhaft und segensreich wirken kön»:.'. Cs verfällt aber leider bei unS alles in das ausgefahrene Ge leis:', in die alle Versumpfung; der erste Schritt ins Leben geschah damit, dass eine gut dotierte Beaniteiistelle und eine ebensolche Diencrstelle ausgeschrieben wurde, welche ProtectionSkindern zufalleu, und das Misstrauen gegen .derartige Schöpfungen nur zu reichlich nähren wird; es lässt sich mit Bestimmtheit vorauSfehen, dass das wieder eine reine Wohlthätigkcits-Ansrait werden wird. Mähr.-Oftrau. (Goethe und die Juden.) Sonntag den 6. d. M. hielt Herr Universitäts-Professor Dr. Ludwig Geiger einen Vortrag über obiger Thema. Der Vortragende erklärt« einleitend, er wolle dem Worte deS französischen Moralisten gemäß «nicht kritisieren, sondern nur erzählen". Im weiteren behandelte er die Beziehungen Goethezu den jüdischen Persönlichkeiten seiner Zeit und citierte viele, auf das Thema bezughabende Stellen auden poetischen und prosaischen Werken des Dichterfürsten. Peinlich berührte es jedoch, dass der Professor Geiger von den Juden nur als „Glaubensgemeinschaft" sprach und sich zum Schluffe darichtig gesprochene Wort „Volk" mit „besser gesagt Glaubensgemeinschaft" schnell verbesserte. Im übrigen mag dieS auch nur auf hiesige Informationen hin geschehen sein. Dann umso schlimmer, als Goethe selbst — wie Dr. Geiger richtig citierte — von einem „Volt von I n d i v i d u a I i t ä t c n" sprach. — Der Vortrag war von der hiesigen Intelligenz sehr stark besucht. kil. Olmütz. (Christlich-socialer Anfang.) Zu den vielen alldeutsch-judenfeindlichen Vereinen unserer altliberalen Hochburg kam jüngst ein christlich-socialer hinzu. Die liberalen Localblütter, voran die „Neue Welt", die nie den Muth gehabt hatten, gegen die oft maßlosen Frechheiten der hiesigen Deutsch-Nadicalen und ihrer Sudelblätter aufzuireten, fallen nun über den unschuldigen Verein «Zion" her; er allein habe die christlich-sociale Bewegung hier ansgelöst. Thatfächlich tragen daran einen großen Theil der Schuld jene jüdischen Assimilanten, die vor lauter Deutschthum mit der «Los von Rom"-Bewegung kokettieren. Im „Deutschen Turnverein" wurde der Antrag auf Hinauswurf der Juden derzeit noch aus Zweckmäßigkeits-Gründen (Geld) abgelehnt. — Bei den Cnltuswahlen unterlagen die hier zum erstenmale anstürmenden Zionisten. Proßmtz. (Antisemitische Frauen- Versammlung) Am 10. d. M. wnr'ee hier in euirm! czechischen Locale eine Frauen-Bersammluiig abgehalten, an der eine sehr große Zahl von hier und vom Lande einberufener j Frauen theilnahmen, wobei drei Rednerinnen ans Brünn und > der slavischssociale ReichSrathS-Abgeordnete Reichs st ädter ihre Brandreden hielten. Schließlich wurde beschlossen, beim •> Juden nichts zn kaufen, sondern sie gänzlich zu vernichten und sie ans der Stadt zu vertreiben. Der Bezirkscommissär ließ sie den ganzen Schmutz ihrer Reden auf die Inden ausschütten,! ohe sie daran zn verhindern. Nach Schluss dieser Versammlung! zogen sie in großen Scharen singend und schreiend durch die , Straßen, und erst als sie sich anschickten, mit Zuhilfenahme, eines großen Pöbelhaufens das Deutsche Hans zu erftürmrn, rückte die Gendarmerie aus, um sie daran zu verhindern. Es ist schon sehr dringend, dass sich endlich sämmtliche Juden! zusammenraffen, um durch Gründung eines jüdischen Volks-' Vereines eine Schntzwehr gegen die Räuberhvrdeu aufzurichten, - denn die Lage fängt an ernst zu werden. Nur die Vereinigung aller Juden kann dem Sturme Einhalt gebieten und geordnete Verhältnisse wieder einführen. 1ü. Februar 1001 Leite % Ätiruiölaii. (Iu d e n - E h r i st e n.) Bei uns lebt ein Mann, der die hebräische, deutsche, polnische und einige fremde Gprächen beherrscht und sich beschäftigt, Juden in Juden-Ekjristeirßn verwandeln. Sein Geburtsname ist „Chaim Wolf", aber seine Verdienste gaben ihm den Namen „Lucky". Er hat auch Verbindungen mit den ausländischen Missionsheimen. Auch bei uns hat er viele Schüler, welche den christlichen Glauben (evangelisch) angenommen und sich jede Woche bei seinem Mithelfer, Pastor Z e k l e r, zum christlichen Religions-Unterrichte versammeln. Merkwürdig aber ist, dass fast die Mehrheit seiner Verführten Talmudschüler frommer Eltern sind. Ausland. Berlin. (S o i st's rech t.) Die vielen an preußischen Gerichten wirkenden jüdischen Handelsrichter, die ihr Amt als Ehrenamt ausüben, fühlen sich, wie die „Montagzeitung" meldet, durch die Erklärung des preußischen Justizministers S ch o e n st e d t über die Grundsätze, die für die Verwendung jüdischer Justizbeamten maßgebend sind, verletzt und leiten deshalb eine Bewegung ein, nach Beendigung ihrer übernommenen Verpflichtungen grundsätzlich auf die Ehre zu verzichten, dem,, Staate Dienste zu leisten. Berlin. (Zum Mädchenmorde in Polna.) Geradezu abenteuerliche Geschichten hört man aus Oesterreich über den Madchenmord in Polna. Deutsche Blätter bringen jetzt die einzelnen Details jener Vorgänge, die aber, wie gesagt, so haarsträubend sind, dass w i r noch Anstand nehmen müssen, sie mitzutheilen. Und doch sind diese Aufklärungen, wie von verschiedenen Seiten und von Männern, die mit den Verhältnissen in Böhmen genau vertraut sind, mitgetheilt wird, so gut wie authentisch und unanfechtbar. Wir sind neugierig, ob sie irgendwelchen begründeten Widerspruch finden werden. Sollte dies aber nicht der Fall sein, so wird die gesammtr liberale Presse aller Länder sich der Sache bemächtigen und im Interesse der Humanität den Fall vor die Assisen der Culturwelt bringen müssen. Oesterreich ist doch nicht China. Und solche Vorkommnisse, wie sie dieser Pcocess H ü l s n e r gezeitigt, dürfen nicht vertuscht werden. Breslau. (Unsere Gleichberechtigung!)! Bisher konnten in Preußen Inden bekanntlich Unrversitüls- 1 Docenten werden, wenn sie auch recht lange auf den Titel eines Extraordinarius warten mussten. Jüdische ordentliche Professoren gibt es in Preußen nur sehr wenige, und die stammen aus längstoerklungenen Zeiten. Es scheint, als solle das anders werden. Wir erfahren, dass in Zukunft die medicinischen Facultäten nur noch Docenten zulassen wollen, die zuvor Assistenten in einer königlichen Klinik gewesen sind. Es soll im Zusammenhänge damit an die Leiter der königlichen Kliniken die Aufforderung ergangen sein, in Zukunft jüdische Assistenten nicht mehr a n z u st e l l e n. — Die Zukunft wird lehren, ob diese uns eigentlich ja nicht überraschende Mittheilung auf Wahrheit beruht. Breslau. (Zum Juden tag.) Die Mittwoch halb 9 Uhr abends in den Handelskammer - Saal von einem zionistischen Comite einberufene «öffentliche Versammlung" nahm nach einem Referate des Rechtsanwalt Schwarz, der die Angriffe der Herren Rabbiner Dr.Gut tmann und Landgerichtsrath Wo l lst ein gegen den Zionismus in scharfen Worten zurückwies, eine Resolution für einen Indent schloß gegen ebenso lrbhafte, wie interessante Debatte schloss gegen 12 Uhr. Die Resolution lautet: „Die heute vov Zionisten einberufene, im Börsensaale zu Breslau tagende, zahlreich besuchte öffentliche jüdische Versammlung erklärt die Berufung eines Allgemeinen Deutschen Judentages für eine Nothwendigkeit, In der Erwartung, dass derselbe zur Wahrung unserer bedrohtan staatsbürgerlichen Rechte, zur Neubelebung des Zusammengehörigkeits-Gefühls uud zur Hebung des berechtigten Selbstbewusstseins beitragen wird, verlangt sie. dass die Delegierten durch allgemeine, gleiche, birecte und geheime Wahlen aller deutschen Juden bestimmt werden." Hamburg. (Der „H a m b n r g i s ch r V e r e i u zur B ef ö r d e r u n g n ü tz 1 i ch e r G e w e r b e unter den I s r a ejiten") hielt seine General-Versammlung im Patriotischen Gebäude unter Vorsitz des Herrn Dr. F. G o b e r t ab. Der Verein bezweckt die Erwerbsstihigkeit der jüdischen Bevölkerung im Hamburgischen Staate auf dem Gebiete der Gewerbe, einschließlich solcher Gewerbe, für deren Erlernung besondere Studien nöthig sind, zu befördern. Er unterstützt zu diesem Zwecke die der jüdischen Confession angehörenden jungen Leute bei Erlernung eines Gewerbes, indem er dieselben bei geeigneten Lehrherren unterbringt, während der Lehrzeit beaufsichtigt und erforderlichenfalls für ihren Lebensunterhalt bis zur geschehenen Ausbildung Sorge trägt. Ebenso trägt er für die Ausbildung der Zöglinge Sorge, welche für die Erlernung des Gewerbes besonderer Studien bedürfen, und deren Fähigkeiten die Wahl eines solchen Gewerbes! rechtfertigen. Allerdings waren die Mittel in den letzten Jahren beschränkt, so dass es sich nothwenvig zeigte, eine große Zahl der sich Meldenden zurückznweisen. Bei Beginn der letzten Berichtszeit hatte der Verein 37 Zöglinge, neu anfgenommene 25, während in de-selben Zeit 43 entlassen wurden. Die sonach unterstützten Zöglcnge vertheilen sich ans die verschiedenen Gewerbe folgendermaßen: 5 Barbiere und Friseure, 5 Buchbinder, 14 Buch- und Steiildracker, 0 Feinmechaniker und Elektriker, 1 Gelbgießer, 2 Glaser, 2 Goldarbeiter, 2 Graveure, 1 Waffenschmiev, 3 Klempner und Mechaniker, 1 Kürschner, 4 Maler und Lackierer, 1 Photograph, 2 Posamentierer, 1 Schlachter, 2 Schneider, 0 Tapezierer, 2 Tischler, 2 Uhrmacher. Die 'Ausgaben für die Zöglinge betrugen in der letzten Berichtszeit 7800 Mark. Das Vereinsvermögen beträgt ca. 40.000 Mark. — S a l 1 y E s ch e w e g e, der langjühre Inspektor der neuen Beerdigungs-Gesellschaft, ist im 83. Lebensjahre sanft entschlafen. Der Verblichene war außerdem fast fünfzig Jahre Ehordiriqent in der Tempelgemeinde. Lie Bestattung fand unter großer Äethestigung vom Tranerhanse ans statt. Herr Prediger Dr. Leimvörffer hielt eine zn Herzen gehende Gedenkrede, in welcher er namentlich die Verdienste des Dehingtschiedenen um die Tempelgemeinde hervorhob. London. (Z il i» Tode d e r K ü n i g in.) Di National-Trauer macht sich auch in dem von eulgcwanderle russischen jüdischen Glandensbrüderlt bewohnten östltchen Stadr theile bemerkbar, da sämmtliche jüdische Ladenmädchen schwär