Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. Februar 1901 Nr. 7 Interview mit Abg. Biankini. Einer unserer Mitarbeiter hatte eine Unterredung mit dem eroatischen Abgeordneten Biankini, die in Folgendem gipfelte: Das neue Parlament ist noch ärger als das alte. Die nationalen Leidenschaften sind gesteigert, die neuen Elemente find noch national-radicaler, als die früheren alten Deputierten. Ein arbeitsfähiges Parlament wäre nur möglich, wenn alle Gruppen sich mit dem Principe der nationalen Gleichberechtigung befreunden würden. Die Linke steht unter dem Drucke der »Altdeutschen", und um ihre Position nicht zu verlieren, macht sie denselben alle Concessionen. Dasselbe gilt, wenn auch nicht in gleichem Maße, für die Katholische Volkspartei. Es ist auch bei den Jungczechen der Fall, die unter der Zuchtruthe Klofac und Consortcn stehen. Dadurch wird die nationale Versöhnung erschwert zum Nutzen der Budapester Machthaber. Der einzige Ausweg ist eine autonomistische Verfassnngsrevision und ein G e s e tz zum Schutze der nationalen Minoritäten, welches derselben vorausgehen müsste. Die I u d e n f r a g e existiert in Dalmatien und Croatien nicht, ist meiner Meinung nach in erster Linie eine wirtschaftliche und ist nur mit dieser zusammen zu lösen. Die Sache liegt anders in Ungarn, wo die Juden die Magyarisierung fördern und auf diese Weise den Antisemitismus züchten unter den «ichtmagyarischen Völkern. Wenn in allen Ländern die Juden sich bescheiden halten und die Regierungen sociale Gesetze schaffen würden gegen die Concentration des Kapitals in deren Händen, dann ist in diesem Sinne die Judenfrage zu lösen. Es ist ein Fehler, wenn die Juden gegen ichwächere Nationalitäten auf Seite der stärkeren stehen und «ls Gegner ihrer Bestrebungen auf Erreichung ihrer nationalen Rechte sich stemmen. Bow Tage. Schneider'sche Gemeinheiten. In edlem Wettstreite überbieten sich „Volkliche", „Völkische" und „Völkerhafte" an Anrempelungen der Juden. Damit die Christlich-Socialen nicht hinter Schönerer Zurückbleiben, hat der Stampigüen-Fälscher Schneider eine Interpellation im „hohen Hause" eingebrachl, die sich mit der „Uebcrwucherung des jüdischen Elements" im Staatsdienste befasst. Du lieber Gott! Ucberwuchern! Beim »Blechkragen" ja hört bekanntlich in Oesterreich der Jude auf. Da heißt es entweder taufen oder sitzen bleiben. Wie blutiger Hohn klingt es, wenn in der Interpellation die Anstellung einiger galizischer Bahnbeamteu der Regierung zum Vorwurf erhoben wird. Und voll jesuitischer Niedertracht ist die Denunciation, in welcher diese Interpellation ausklingt: „Ganz besonders bedenklich erscheint uns die Liste der Ernennungen in Brody und Podwoloczyska, den Einbruchsstationen für den Verkehr aus Russland, in welchem Lande bekanntlich dank der Weisheit und Vorsicht der Regierung keine Juden auf so außerordentlich wichtige Posten gesetzt werden, weil man auf Grund jahrhundertelanger Erfahrungen den Juden ein ganz besonderes Misstrauen mit Recht entgegenbringt. Wir Unterzeichnete weisen aus die unangenehmen Erfahrungen hin, die wir in Oesterreich mit jüdischen Bediensteten gemacht haben und glauben daher, dass es sehr bedenklich erscheint, wenn von Seite des Eisenbahnministeriums Juden überhaupt angestellt werden, und wenn solche insbesondere in Grenzstationen verwendet werden, wo sich der Schmuggel immer sehr ausbreitet. Der bekannte Dichter und Philosoph Herder schreibt in seinen „Ideen zur Geschichte der Menschheit": „Ein Ministerium, bei dem der Jude alles gilt, eine Haushaltung, in der ein Jude die Schlüssel zur Garderobe und zur Casse führt, ein Departement oder Eommissariat, in welchem Juden die Hauptgeschäfte treiben, eine Universität, auf welcher Juden als Mäkler und Geldverleiher der Studierenden geduldet werden, das sind auszutrocknende pontinische Sümpfe; nach dem alten Sprichwörter Wo ein Aas liegt, da sammeln sich die Geier, und wo Fäulnis ist, hecken Jnsecten und Würmer." So spricht ein Schneider! Der sich mit seiner Moral einen Sohn erzogen hat, den er öffentlich brandmarken muss. Vielleicht stellt die Regierung diesen hoffnungsvollen jungen Mann als Zoll-Oberamts-Director an... * * * Die Verlegenheit der antisemitische« Presse. Die Verlogenheit der antisemitischen Presse zeigte sich wieder an einem classischen Beispiele. Spanien, das judenreine Spanien, wird von fortwährenden politischen Fieberschauern erschüttert; die clericale Wirtschaft hat es an den Rand des Abgrundes gebracht. Das ist dasselbe Spanien, daS zur Zeit der semitischen Herrschaft unter Mauren und Juden nach dem Zeugnisse aller Geschichtsforscher von Reichthum, allgemeiner Wohlfahrt und geistigem Leben strotzte. Spanien war damals ein großer, bunter Garten. Rach der Vertreibung der Mauren und Juden verfiel es allmählich, bis es den heutigen Tiefpunkt erreichte. Die Vertreibung der Juden ist sicher nicht die einzige Ursache seines Niederganges; aber die ganze Verlogenheit und Gewissenlosigkeit der Antisemiten gehört dazu, jetzt, wo seit Jahrhunderten in Spanien kein Jude existiert, den Niedergang Spaniens „semitischen Einflüssen" zuzuschreiben. Vergani hat sich dadurch als Meister der Fälschung der Geschichte bewiesen (womit wir seine Meisterschaft auf anderen Gebieten nicht bezweifeln wollen). Die romanischen Staaten Frankreich, Italien und Spanien, die insgesammt von einer Handvoll Juden bewohnt werden, leiden an einem Uebel, dem Jesuitismus; einer der ergebensten Handlanger des Jesuitismus ist die Wiener christlich-sociale Partei. Es ist in den eingeweihten Kreisen bekannt, dass Dr. Lueger in der Partei eigentlich nicht die Rolle spielt, die ihm allerseits zugedacht wird; — der eigentliche Inspirator der christlich-socialen Partei ist der?. Abel vom Orden der Jesuiten; sein getreuester ist S t r o b a ch, der Intimus des Kalksburgers Convicts.?. A b e l ist es auch, dem die christlich-sociale Partei ihre Hoffähigkeit zu verdanken hat. Gelingt es wirklich einmal der christlich-socialen Sippe, die Herrschaft Oesterreichs an sich zu reißen, so wartet Oesterreichs das Schicksal — Spaniens. * * * »Ich begrüße die Parteigenosse« fremden Glaubens" Ein Parteiführer begrüßte seinen Club mit folgenden Worten: „Wir sind treue Söhne unseres angestammten Glaubens, wir lieben unsere Kirche mit treuem Herzen, aber begrüßt seien in unserer Mitte unsere Parteigenossen fremden Glaubens. Dieser darf kein Hindernis für die stäatsbürgerlichen Rechte bilden." So sprach I a w o r s k i im Polen-Club und nicht Doctor Funke im Fortschritts-Club. Nieder mit den Clericalen, hoch die Deutschfortschrittlichen! rufen die Leopoldstädter Wahlmacher. V * * Antisemitische Gemeinbürgschaft. Als wir in unserem „Epilog zu den Wahlen" die Inden vor Siegesrausch warnten, wie wurden wir angcferndet. „Jüdische Antisemiten", „jüdisch-national-antisemitische Coalitiou" schrieen die um ihre Unsterblichkeit besorgten Wahl- und Wahlausgabknmacher. Unwillkürlich dachten wir an die englischen Siegesberichte betreffend die Kämpfe mit den Boeren. Das Facit war : Viel Proviant, gar keine Erfolge. Biel Geld für die Wahlmacher und falsche Eroberungsgerüchte. Und wer die Wahrheit aufdeckte, war ein Vaterlaudsverräther. Allein noch nie ist einer Behauptung der Beweis so rasch auf dem Fuße gefolgt, wie diesmal. Unser Epilog prophezeite eine antisemitische Gemeinbürgschaft. Schon in den ersten Sitzungen erfüllte sich unsere Voraussagung. Wolf und Schönerer stellen den Antrag auf Ausschließung der Juden vom Staatsdienste, Schneider und Genosien interpellieren wegen Ernennung jüdischer Eisenbahnbeamten, P e r g e l t bekommt »alldeutsche" Blähungen, seine Indisposition rührt von der Aufnahme jüdischer Mitglieder in den FortschrittS-Club her. Aber die Fortschrittspartei hat — Gott sei Dank — diese Krise zu lösen gewusst. Sie machten Herrn Dr. P e r g e l t zum VorstandSmitgliede. Der Vvrstandseollege P e r g e l t S ist jedoch Dr. Ludwig V o g l e r, der von »allen" Juden erwählte Abgeordnete der »Leopoldstadt". ES geht doch nichts über die politische Homogenität und Charakterfestigkeit der Fortschrittspartei. Die Amtslhiitigkeit eines galWen Kezirkshsuptmililes. „Interpellation des AbgeordnetenErnst T. Breiter tt u b Genossen an Seine Excellenz den Herrn Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber als Leiter des Ministeriums de» Innern. In Galizien, wo man sich bereits daran gewöhnen musste, dass die Bezirkspaschas, genannt Bezirkshauptleute, sich über die für alle anderen Staatsbürger geltenden Gesetze hinwegsetzen, kommen mitunter Dinge vor, die denn doch das i Maß dessen, was in Galizien dank den Uebergriffen der Schlachta und deren Werkzeuge, der Bezirkshanptleute, üblich wurde, überschreiten. So fand am 31. October v. I. eine äußerst interessante Gerichtsverhandlung vor dem Kreisgerichte in Zloczow statt, in deren Mittelpunkt der durch seine Wahlpraktiken berüchtigte Bezirkshauptmann von Zloczow, Herr Dr. Franz Roder, stand. Der Anlass zu dieser Gerichtsverhandlung war folgender: In Zborow, einem Städtchen bei Zloczow, betreibt Herr Schnlim Schwadron ein Gemischtwarengeschäft. In diesem wollte er auch Liqueure in versiegelten Flaschen verkaufen. Da er dazu eine Licenz benöthigte, wandte er sich an Herrn Advocaten Dr. Kulaczkowski in Zloczow, den Schwiegersohn des Bezirkshauptmannes Roder, mit der Bitte, für ihn ein diesbezügliches Gesuch bei der Bezirkshanptmannschaft zu überreichen. An diesen Advocaten wandte sich Herr Schwadron deshalb, weil, wie Herr Bezirkshauptmann Roder später bei der Gerichtsverhandlung ausdrücklich zugeben musste, deffen Schwiegersohn der einzige Advocat in Zloczow ist, der als Rechtsvertreter zur Bezirkshauptmannschaft zugelassen wird und weil alle Referate über die Gesuche des Herrn Dr. K u l a c zkowski dessen Schwiegerpapa Herr Roder sich selbst Vorbehalten hat. Herr Schwadron hat nun mit dem Advocaten Dr. Kulaczkowski ein Honorar von 50 fl. vereinbart, wovon er 10 fl. sofort erlegte, während der Rest nach Erlangung der Licenz zu bezahlen war. ' Schwadron begann auch auf Grund eines Rubrums über seine Eingabe sofort den Verkauf der Liqueure. Doch nur für kurze Zeit. Bald wandte sich das Blatt, und der Client des Dr. Kulaczkowski wurde von der Bezirkshauptmannschaft verfolgt und sofort mit größeren Strafen in der u n g e w v h u t en H öhe v o n 100 v i s 200 fl., über die selbst die Recursinstanz, die.Statthalterei, ihr Erstaunen ansdrückte, belegt. Was war nun geschehen? Der Advocat Kulaezkvwski, Schwiegersohn des Herrn Bezirkshauptmannes Roder, hat einfach den Schwadron als Revolver gegen die Propinationspächter von Zborow, denen der Schwadron mit seinem Liqueurverkaufe Concurrenz machte, benutzt. Denn als Schwadron zum Dr. Zulaczkowski kam und ihm die 40 fl. gehen wollte, mit der Bitte, sich seiner anzunehmen, da erklärte Herr Dr. Kulaczkowski: „Ich kann für Sie nichts mehr thun, die Propinationspächter haben mir bereits das Fünf-und Sechsfache gegeben." Nietzsche als Erzieher. Bon Leo Sofer. III Ich liebe die großen Verachtenden, denn sie sind die großen Verehrenden, Pfeil und Sehnsucht nach dem anderen Ufer. Jedes Unglück birgt ein Glück; das ist eine Weisheit, die sich unsere Vorfahren zurechtlegtsn, wenn ihnen der Becher des LeiddS gar zu oft und gar zu voll credenzt wurde. Beim Hören dieses Spruches tauchen unwillkürlich vor unserem geistigen Auge ihre sorgendurchfurchten Gesichter auf, die, von einem harten Schickjalsschlage betroffen, sich einen noch härteren erdachten, dem sie entgangen waren. Ein solches Glück im Unglück ist die Folge, dass innerhalb der ewigen Anfeindungen, der ewigen Angriffe, inmitten der immer mehr anschwellenden Schwierigkeiten sich durchzusetzen, die manchmal über ihre Häupter zusammenzuschlagen drohen — im Gemüthe der Inden selten die Frage nach der Herkunft und dein Zwecke des Lebens auftaucht, eine Frage, die der eigentliche Kern der deutschen und flavischen Pessimismus ist. AuS dieser Stimmung heraus bemühten wir uns auch nicht, für eine jüdische Politik eine wissenschaftliche Grundlage zu suchen. Wir wehren ab, was uns bedroht; und bauen Neues, damit ist unsere Philosophie erschöpft. Das ist sicher falsch. Eine Volksbewegung muss wie ein ans der Tiefe kommender Sturm beginnen, die Jnstincte, die lange gebändigt waren, müssen sich gewalsam und eruptiv Bahn brechen — aber dann muss die wissenschaftliche Fundierung in ihr Recht treten, sonst verroht oder verflacht die Bewegung. Einer der größten Lehrer für eine wissenschaftliche Politik ist Nietzsche. Erstens durch seine individualistische Richtung. Vs ist noch nicht lange her, dass selbst Führer in Inda gegenüber den Theorien von der allgemeinen Menschheitsbeglücknng nichts anderes vorzubringru wussten, als dass dieses ideale Ziel erst in unabsehbarer Zeit erreichbar sei; in der Zwischeneit müsse man dann an dem Zionismus arbeiten. Dem gegenüber sagt Nietzsche, dieser Menschen-Mischinasch sei gar kein Ideal; die Kraft der Menschheit bestehe in der Verschiedenheit der Individuen. Durch diese Verschiedenheit werde die Menschheit immer größer und höher. Diese Verschiedenheit anfheben, eiße die Menschheit einem allgemeinen Chinesenthum zuführen. Er macht also unser nationales Princip zu einer idealen Forderung, während es früher von feindlicher Seite für etwas Reactionäres, von benachbarter Seite für etwas Nothgedrungenes, Erzwungenes hingestellt wurde. Die Nation atitäten sind die ranzenden Blüten am Baume der Menschheit. Soll dieser Baum einmal goldene Früchte tragen — so muss mau die Blüteic hegen und nicht ein Blatt nach dem anderen, eine Blüte nach der anderen abzupfen. Als im Beginne der Wiener Bewegung der Kamps der jüdischnationalen Studenten mit den socialistischen begann, da fühlten wir die Lehre Nietzsches im Herzen, ohne ihn selbst recht zu kennen. Damals blühte ein verschämter Anti- Nationalismus unter den Wiener Socialdemokraten. Man suchte nach dem Recepte Dr. Adlers die nationale Frage dadurch zu lösen, dass man einen Zustand anstrebte, der die Nationalitäten aufhöbe. Das Wie war allerdings schwierig zu beantworten, aber der Zukunftsstaat musste neben anderen Kunststückchen auch dieses leisten. Die heißesten Kämpfer für diese Heilslehre waren die jüdischen Socialisten: den in diesem farblosen, trüben Znknnftsmeere konnten sie am besten aufgehen, ich will nicht sagen, fischen. ES enthob sie auch der Antwort, warum sie sich denn um alles, nur nicht um die Lage der Juden kümmerten. In ihrer Gedankenwelt gab es eben keine Juden, Deutsche oder Slaven, sondern nur »Menschen", eine ungeheure Cvlonne von Nullen, vor die sie die Einser zu setzen hofften. Aber sie hatten die Rechnung ohne beitj Wirt gemacht, besser gesagt, ohne das Wirtsvolk. Bor allein durch daS Drängeil der czechischen Socialisten, denn durch da» Wirken von DaSzynSki und Pernerstorfer, wurde immer schärfer die nationale Gliederung der österreichischen Soeialdemokratie durchgeführt. Dr. Adler fiel zur rechten Zeit um und verficht mit demselben rhetorischen Schwünge das nationale Princip, wie seinerzeit das antinationale; aber Principieneitcr, wie Doetor Brest!, schwangen noch lange, freilich ohne Erfolg, das alte kosmopolitische Banner. In dieser Frage haben wir Studenten die nationalen Gedanken vertreten. Es ergreift mich immer ein Gefühl der Rührung, wenn ich mich daran erinnere, wie wir, ein Häuflein von Jünglingen, hinter denen niemand stand und denen eS an jedem Rückhalt mangelte, ausharrten; man könnte unS den Vorwurf des ChauvillismuS, so oft man wollte, zwischen die Füße werfen, so oft man wollte mit Schlagworten, lote Internationalismus und Kosmopoliismus, mit Marx und Engels, auf uns einstürmen — verhöhnt und verspottet, raten wir für den nationalen Gedanken ein, erfüllt von der Aufgabe der Wiedergeburt des jüdischen Volkes, als einzige Kämpen der nationalen Idee, da die Deutschen und Slaven die DiScnffion mit den Socialisten mieden. Wahrlich, ein ungleicher Kampf, und doch halten wir die Genugthuung., wie Schritt für Schritt nufere Ideen siegten. Denen aber, die eine Selbstbestimmung des Individuums oder eines Volkes leugnen und alles Geschehen blind wirkenden Factoren untervrdnen, ruft Nietzsche zu: Ja, es gibt keinen freien Willen, aber der Wille befreit. Auf dass ein Wille entstehe, braucht es viel Arbeit und viel Zeit, bis sich die SchicksalSsäden iit der nöthigen Stärke und in der »öthigen Ordnung kreuzen, bis aus dem bunten Gewirre des Chaos der harmonische Teppich des schaffenden Geistes hervvrtritt. Ist aber der Wille geboren, so erlöst er die Vergangenheit und schasst die Zukunft. Die Vergangenheit ist mächtiger als der Wille; denn die kann der Wille nicht ändern. Er hat sie auch seinerzeit nicht geändert, denn die Geschichte der Vergangenheit ist ein Spiel blinder Kräfte, deren Werkzeug der Mensch war. Gleich, einem Koloss liegt sie vor dem Menschen