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Jüdisches Volksblatt · 1901-02-08 · 6 (8.2.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
6 (8.2.1901)
Date
1901-02-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 8. Februar 1901 Seite 3 letzte Kampfesmittel, sie immer mehr entwickeln und vertiefen und so den Abgrund vergrößern, der uns von den umgebenden Völkern trennt. Und so entsteht der verhängnisvolle circulus vitiosus: Wir spekulieren, weil wir nicht anders leben können, wir können nicht leben, weil wir speculieren. Denn nun tritt gegen uns, die unglücklichen Speculanten, die „freisinnige" Socialpolitik auf und ruft: „Fort mit der Speculation!" „Fort mit dem Principe des Laisser aller!" während der Antisemitismus ruft: „Fort mit den Juden!" Ein feines Ohr hört da und dort dasselbe. Der jüdische Factor (Makler) zum Beispiel ist zum Tode verurtheilt, sowohl durch die Socialpolitik als durch den Antisemitismus, und ich zweifle, ob dieser ansehnliche Bruchtheil unseres Volkes lieber wegen seines Maklerthnms, als wegen seiner Angehörigkeit zum Judenthum zugrunde gehen will. Wir leben in der Epoche des Cultus und der Verehrung der menschlichen Arbeit, einzig mächtig wie der Natur, der Schöpferin der Cultur des 19. Jahrhundertes. Alles, was eine Dissonanz mit der positiven Arbeit hervorruft, alles, was sie negiert und was aus schlechtem Willen oder aus Unfähigkeit an den Früchten fremder Arbeit zehrt, ist uns aus tiefster Seele verhasst. Als Juden schmerzt uns das Unglück der Brüder, schmerzt uns das unverdiente Los der Schiffbrüchigen des Schicksals, über die brechend und niedertretend das geschichtliche Fatum geht, aber wir verstehen jene Psychologie der Antisemiten und der „freisinnigen" Reformatoren, die mit dem Lärm von Gassenjungen oder mit der kühlen Gleichgiltigkeit der Männer der Wissenschaft die Invaliden des Lebens, weil sie die Harmonie des Fortschrittes stören, in den Abgrund zu stoßen uud jene Lazarusse der Menschheit, welche das Gefühl des Arisch-Schönen verletzen, zur Seite schieben im Namen des ewig beobachteten Grundsatzes Nietzsches: „Wenn etwas fällt, so versetz' ihm noch einen Fußtritt." Es gibt zwei Auffasiungen über die Judenfrage. Die eine, welche uns als überflüssig oder schädlich betrachtet, verzichtet gänzlich auf unsere Existenz und schiebt uns mit mehr oder weniger Brutalität überall zur Seite. Das ist die allgemeine Anschauung. Auf entgegengesetztem Standpunkte stehen wir, die Juden selbst, die wir auf Grund der Blutbande das Judenthum, unsere kranke Mutter, trotz all ihrer Fehler und Schwächen niemals aufgehört haben zu lieben. Wir wollen das Judenthum erhalten, wir wollen es aufrütteln aus seiner Ohnmacht und Lethargie, wir wollen es. von seinem physischen und moralischen Verfalle retten, es verjüngen und wiederbeleben durch unsere Liebe. Wir Kinder glauben, dass die Mutter heilbar ist und gesunden kann, dass Israel einem Felde gleicht, das der künftige Frühling mit neuem, lebendigem Grün bedecken wird, und nicht einer morschen Eiche, die auch unter den Strahlen keine Blätter mehr treibt. Dieses Feld zu pflegen und zu bearbeiten, ist die Aufgabe der jüdischen Socialpolitik. WiL. durch Mangels an Bewegung und, Arbeit unser Organismus erstarrte und erstarb, so vermögen wir nhn nur wiederzubeleben durch Bewegung und Arbeit. In der positiven Arbeit liegt unsere Zukunft, unser Heil, unser Zion. Wer zuerst die parasitische Masse der „schwarzen Börse" von den Lemberger Wällen*) in Arbeiter, Straßenkehrer und Hausknechte verwandelt, ist der größte Pionnier und Reformator des Judenthums. Ohne diese Umwandlung, ohne diese organische Entwicklung kann es weder Europa noch Palästina etwas nützen. Arbeit und nur Arbeit kann uns noch retten! Chronik des Judenthums, Inland. Wien. (Aus der Plenarsitzung der Cultusgemeinde vom 3. Februar 1901 unter Vorsitz des Präsidenten Commercialrathes Klinger.) Aus dem Einlaufe wird bekanntgegeben an Spenden: Von den Kindern des seligen Herrn Max Kann anlässlich des Ablebens desselben für verschiedene Wohlthätigkeits-Anstalten.. .Kr. 10.700.— Von Frl. Henriette Dawidsohn und Schwestern zum Andenken an Herrn Moriz Dawidsohn, und zwar für Spitalszwecke .. „ 3.600.— für den Mädchen-Nnterstützungsverein.„ 450.— Von Frau Friederike Strisower als Legat ihres Gatten, des Herrn Bernhard Strisower, M das Siechenhaus .. 2.000.— für den Verein für unentgeltlichen Arbeisnachweis ... 500.— für die Brigittenauer Schulküche.„ 500.— „Zionist Kaiserdorf" für zwei arme, religiös gesinnte Gewerbetreibende.... 200.— Von Frau Amalie Nirenstein, geb. v. Kallir für das Siechenhaus.„ 100.— Bon der Firma Kohn u. Bondy, für Arme, anlässlich eines günstig entschiedenen Rechtsstreites „ 80.— Bon F. Gombrich Kr. 50, und zwar: -für das Altersversorgungshaus. 20.— für das Siechenhaus ....... 20.— für das Taubstummen-Jnstitut. 10.— Von Heinrich Husserl für arme Wöchnerinnen „ 10.— Von Marie Stern anlässlich des Todestages ihres Gatten Siegmund Stern, für die Chewra- Kadischa.„ 5.— für das Siechenhaus. 5.— Von Bertha Zeilinger und Ernestine Spitzstein für die arnien Brigittenauer Schulkinder . . . „ 7.— Bon N. N. für den Armenfonds der Cultusgemeinde. 2.— Von Sammelbüchsen im Stadttempel: für die Armenanstalt. „ 232 10 für die Chewra-Kadischa.„ 237.40 für die Armen in Palästina..„ 09.82 Von Sammelbüchsen im Leopoldstädter Tempel für die Armen in Palästina.„ 2.65 Vom „Neuen Wiener Tagblatt", Sammelstelle für die Brigittenauer Schulkinder.„ 77.— *) Die Wälle sind in Lemberg Anlagen, wo sich die jüdischen Lnflmenschen, Makler und Wucherer versammeln. Diese Ansammlungen heißen „schwarze Börse". Zur Vergrößerung des Capitals der Rabbiner Dr. Adolf Schmied! - Stiftung wurden bisher gespendet : Von Herrn Präsidenten Heinrich Klinger. . . . „ 300.— „ „ kaiserl. Rath'Moriz Hirsch. 300.— „ „ Philipp Bondy. 200.— „ „ Rector Dr. Adolf Schwarz. 50.— „ „ Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann „ 50.— „ „ Rudolf Kohn. 50.— „ „ Ignaz Fluß ..„ 50.— „ „ Eduard Beer.„ 20.— Den Spendern wird der Dank votiert. Zur Verlesung gelangen : Erlass der Statthalterei, betreffend die Kenntnisnahme der Berichte über die erfolgten Neuwahlen und die Constituierung des Vorstandes. Eine Einladung der Chewra-Kaoischa zur General-Versammlung am 3. März 1901, und eine Eingabe des Vereines zur Hebung der Gewerbe, betreffend die von demselben am 25. December 1900 abgehaltene Expertise, in welcher die derzeitige triste Lage des Gewerbestandes und insbesondere der jüdischen Gewerbetreibenden zur Erörterung gelangte. Im Präsidialberichte gibt der Präsident Kenntnis von dem würdevollen Verlaufe der am Samstag den 26. Jänner anlässlich des 80. Geburtstages Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmied! stattgefundenen Feier und berichtet, dass terr Rabbiner Dr. Schmied! den Zweck der anlässlich dieser eier vom Vorstande mit einem Betrage von 4000 Kr. begründeten, für immerwährende Zeiten den Namen „Rabbiner Dr. Adolf Schmied!" führenden Widmung dahin bestimmt habe, dass die Zinsenerträanisse jährlich einem Gymnasialschüler, welcher Talmudstudien obnegt, zuzuweisrn seien, zur Kenntnis und wird die Ausarbeitung der Widmungsurkunde der Rechtssection zugewiesen; weiters berichtet der Präsident über die bisherige Thätigkeit mehrerer Comites und macht Mittheilungen über Steuereingänge und den Cassastand der Gemeinde. Herr Vicepräsident Dr. Stern berichtet über die erfolgte Constituierung des Curatoriums der M. L. Biedermann-Waisenstiftung, wobei Herr Präsident Commercialrath Klinger zum Obmann und Herr Seetionsrath Dr. Alfred Ritter v. Pfeiffer zum Obmann.Stellvertreter gewählt wurden. Den vom Curatorium gefassten Beschlüssen wird die Zustimmung ertheilt und ist stiftbnesgemäß die Genehmigung der Statthalterei einzuholen. Es wurden ferner nachfolgende Stiftungsangelegenheiten der Erledigung zugeführt: Die Cohen da Sylva-Stiftung im Betrage von 800 Kr. wird im Sinne des Antrages des Referenten Herrn Baurathes S t i a ß n y an einen vom Handwerkervereine vorgcschlagenen Handwerker, die ^Oberrabbinerin Fanny Güdemann- Stistung" gemäß Vorschlag des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines nach Antrag des Herrn Dr. Berger an zwei arme weibliche Kranke verliehen, endlich werden gemäß den Anträgen der Rechtssection und unter den von dieser aufgestellten Modalitäten auf Grund der Referate der Herren Vicepräsident Dr. Stern und Oberfinanzrath Dr. Nappaport die Leopold Herschmann'sche Graberhaltungs-Widmung, die Samuel Kolisch'sche Familien- und Armenstrftung und die Ignaz und Eleonore Fluß'sche Techniker-Widmung ,in die Verwaltung der Cultusgemeinde übernommen. Zu eingehenden Berathünaen gab der dem Plenum vorliegende Statuten-Entwurf der Proponenten des „Vereines zur Wahrung der Interessen desu orthodoxen Judenthums" Anlass. Der Vorfitzende: kais. Rath Klinger verweist darauf, dass der Gegenstand bereits Im Vorjahre wiederholt auf der Tagesordnung stand, aber, wie mehrere andere wichtigere Berathungsgegenstände, mit Rücksicht auf die erfolgten Neuwahlen dem verstärkten Cuttusvorstandezur Beschlussfassung Vorbehalten wurde. . -v Herr Dr. Spitzer stsllt namens der Rechtssection den Antrag, sein Entwürfe unter Annahme einzelner Aenderungen seitens der Cultusgemeinde die Genehmigung zu ertheilen. Herr erster Vicepräsident Dr. Stern befürwortet diesen Antrag wärmstens unter eingehender Begründung. An der Debatte betheiligen sich die Herren Vicepräsident Dr. S t e r n, Wilhelm K u s f n e r, Dr. B e r g e r, R. v. T a u f s i g, Eltbogen, Oberfinanzrath Dr. R a p p a p o r t. Der Antrag des Herrn v. Tausfig, zu dem Zwecke, um auch den neu eingetretenen Vorstandsmitgliedern Gelegenheit zu geben, sich in der Angelegenheit genauer zu informieren, die Beschlussfassung zu vertagen, wird angenommen, und verfügt der Präsident, dass der in Rede stehende Entwurf vervielfältigt und sämmtlichen Vorstandsmitgliedern zugcsendet werde, um die Erledigung dieser Angelegenheit in der nächsten Plenarsitzung zu ermöglichen. In einem Referate der Rechtssection werden tre vielfachen,, den Gegenstand von Beschwerden bildenden Missstände, welche durch Sammlungen einiger jüdisch-confessioneller Vereine, durch Aussendung von Sammelbüchsen, sogar in öffentlichen Localen, hervorgerusen wurden, des Näheren besprochen und wird der Antrag der Rechtssection (Referent Herr Dr. Berger) angenommen, Maßnahmen zu treffen, welche geeignet sind, den geschilderten Uebelständen möglichst abzuhelsen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung geschloffen. Wien. (Adolf Gelber im „Jüdischen V o l ks verei ne.") Am Mittwoch den 6. d. M. hielt Ncdacteur Dr. Gelber im Festsaale des „Jüdischen Volksvereines" vor einem Auditorium, das den Saal bis auf den letzten Platz füllte, einen Vortrag über , Shakespeare unddasShylock-Problem".Jn formvollendeter, farbenprächtiger Weise malt der Vortragende die Zeit, in der das Stück spielt. Es ist Pflicht eines jeden Juden, wenn er dieses Stück Literatur in die Hand nimmt, welches scheinbar für ihn eine blutige Schande bedeute, auf das peinlichste und genaueste zu untersuchen, wo, unter welchen Umständen in der Seele des Shylock die Absicht entstanden sein könne, diese That zu begehen, von der wir wissen, dass sie nicht ihresgleichen hat. Und da kommt man zu dem Schlüsse, dass die unmenschliche Behandlung, die Shylock widerfahren, der Raub seiner Tochter, der ihm nur Spott und Hohn, von keiner Seite aber ein liebes, tröstendes Wort bringt, vor allem aber der Umstand, dass man ihn jener Ungeheuerlichkeit für fähig hält, zusammenwirken, um ihn auf seinem Scheine bestehen zu lasten. Wie weit Shakespeare entfernt war, den geld- und blutgierigen Juden malen zu wollen, ersieht man daraus, dass er diesem, der angeklagt ist, um des Geldes willen eine Greuelthat vollführen zu wollen, die Blüte der christlichen Tugend gegenüberstellt, welche nur des Geldes wegen um die Hand der reichen Erbin wirbt, und welche um des Geldes willen mit allem, was Menschenrecht und Menschenblut, ganz fürchterlich umgeht. „Wenn Sie also", schloss der Vortragende, »jemals hören, dass Shakespeare auf Seite des Antisemitismus gestanden und das schwarze Bild eines Juden aufgerichtet hätte, dann sagen Sie nicht: Nein, denn bloß manches konnte ich Ihnen klären, antworten Sie aber: Ich muss mindestens daran zweifeln. Wenn die Annahme zulässig wäre, dass einer der leuchtendsten Geister, der immer und überall frei und groß, in diesem einen Punkte, im Judenpunkte, unfrei gewesen sein sollte, dann müssen wir mit Shylock sagen: „Wie, Du auch? Dann allerdings wäre die Welt kaum noch des Lebens wert." Stürmischer minutenlanger Beifall lohnte den Redner für seine glänzenden, überaus geistvollen Ausführungen. Wien. (Schriftsteller Chiavacci in der Leseuud Nedehalle jüdischer Hochschüler.) Montag den 4. d. las der Schriftsteller V. Chiavacci einige seiner Skizzen in der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler einem dichtgedrängten Auditorium vor. „Wann i' net war", das »Pepperl", der „Strohwitwer", faseinierten geradezu das Publicum, welches nach jeder dieser wunderbar in Ernst und Humor getauchten Plaudereien rauschenden Beifall spendete. Die Halle kann diesen Abend mit Recht die gelungenste Veranstaltung dieses Semesters nennen. Wie«. (Jüdische Toynbee-Halle.) P r o g r a m m vom 8. bis zum 14. Februar 1901: Freitagden 8. Februar: Bibelerklärung des Herrn H. Berliner. Samstag den 9. Februar: Herr stuck, zur. Josef Steiner: „Die Civilehe". Coneert: Frau Taub. Sonntag den 10. Februar: Maler L i ch t g a r n: „Malerei und Architektur des jüdischen Volkes", mit Bildern. Montag den II. Februar: Herr stuck, xhil. Rübenstein: Astronomie. Concert: Gebrüder Szamek. Dienstag den 12.Februar: Schriftsteller Jork-Steiner: Discussion über das Benehmen gegen Damen. Mittwoch den 13. Februar: Nsck.-vootor Fifchl: „Das Blut", mit Demonstrationen. Concert: Herr Hoch st ein. Donnerstag den 14. Februar: stuck, zur. Krampfliöek: „Alexander der Große". Concert: Herr Ernst Müller. Wie«. (Leopold st ädter Bethau svere in „M o n t e f i o r e.") In dem blumengeschmückten und in den kaiserlichen Farben decorierten Gotteshause des Leopoldstädter Bethausvereines „Montefiore", .II., Taborstraße 38, fand Samstag den 2. Februar unter außerordentlich starker Betheiligung die feierliche Einweihung der mit allerhöchster Genehmigung den Namen des Monarchen tragenden Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Thora statt. Die Einführung der mit einer prachtvollen Silberkrone geschmückten Thora — einer Spende des Herrn Lewin-Freis — geschah durch Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner S. Fürst, der dieselbe am Portale des Gotteshauses entgegennahm. Nach Vortrag eines der Feier angemessenen Psalmes durch Herrn Obercantor W i t t m a n n und seinen trefflich geschulten Chor erfolgte die Vorlesung aus der Thora, an welche sich die Absingung der Volkshymne schloss. Hierauf bestieg Herr Rabbiner Dr. M. R o s e n fe l d die Kanzel, um in der großangelegten, meisterhaften Festpredigt die Bedeutung dieser zugleich religiösen und patriotischen Feier zu würdigen. Die mit ungetheittem Beifall aufgenommene eindrucksvolle Rede weckte wahrhafte Begeisterung. Unter den zahlreichen Ehrengästen bemerkten wir Herrn Dr. Alfred Berger als Delegierten der israelitischen Cultusgemeinde, Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Kramer, viele Deputationen der Bethausvereine, so Herrn Dr. Straffer und Herrn Dr. Markus für den Bethausverein im III. Bezirke, Herrn Beck für den Bethäusverein „Am Volkert", die Herren kaiserl. Rath Dr. Theodor L i e b e n, Amtsvorstand G u st a v W i e n e r, Dr. Emil A d i e r, Obercantor Bauer, der Vorstand des Bethauses, II., Große Schissgasse 8, vertreten durch die Herren Leopold Kohn, JguazLu uze r, Wolf Papp enh e i m, B e r n f e l d, Kritzlern, a.. Nach dem Muffaf- Gebete erreichte die erhebende Feier um 1 Uhr mittags ihr Ende. Das aus gleichem Anlasse ami 3. Februar abends im Prachtsaale des „Jüdischen Volksvereines" stattgefundene Festbankett verlief in ebenso würdiger als fröhlicher Weise. Nachdem der Präsident Herr I a c o b Weiß die Gäste aufs herzlichste begrüßt hatte, wünschte Herr Dr. Rappaport namens des.Jüdischen Volksvereines in geistvollen Worten als Hausherr allen Festtheilnehmern einen gemüthlichen Abend in den gastlichen Räumen seines Vereines. Herr Dr. Leopold Brady brachte nun den begeistert aufgenommenen Kaisertoast aus, worauf ein Huldigungstelegramm an Se. Majestät den Kaiser abgesandt wurde. Die zwanglose Gemüthlichkeit, ebenso wie der herzliche Ton der vielen geistsprühenden Tischreden, von welchen wir die der Herren Jacob Weiß, D r. R o s e n f e l d auf den Bethausverein „Montefiore", Dr. Lifschitz, Wolf P a p p e n h e i m, B e ck, Doctor O. Müller, Armenrathes I o f e f P o l l a k, Armenrathes Edmund H o f f m a n u nicht unerwähnt lassen dürfen, haben bewiesen, dass die um das so überaus gelungene Arrangement sehr verdienten Herren Elias W e iß, I a c o b Spitz und Adolf H ir s ch l e r ihre schwierige Aufgabe glänzend gelöst hatten. Dass in solch illustrem, echt jüdischem Kreise die Wohlthätigkeit nicht vergessen sein darf, bewiesen die zahlreichen bei Tisch erfolgten Spenden für die verschiedensten Vereine, für Arme, Kranke, Witwen und Waisen, wie auch der Umstand, dass ein großes Barches und viele Flaschen Wein an die Insassen des israelitischen Versorgungshauses geschickt wurden. Das um 2 Uhr nachts beendete, in allen seinen Theilen wohlgelungene Fest hat dem wackeren Bethausvereine „Montefiore" sicherlich viele neue Freunde geworben. Wien. (Todesfall.) Donnerstag den 5. d. M. verschied der im IV. Bezirke wohnhafte Univ. Med. Dr. PH. Reis mann nach 28 jähriger segensreicher Thätigkeil im 52. Lebensjahre. Der Verblichene, ehemaliger I. Secundararzt des Wiedener Krankenhauses und emer. k. k. Regimentsarzt, bekleidete im Bezirke durch lanye Jahre die Stelle eines Obmannes des Ortsschulrathes und Bezirksausschusses und war Ehrenmilglied vieler humanitärer Vereine. Dr. Reismann erfreute sich nicht minder als Menschen-

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