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Jüdisches Volksblatt · 1901-02-01 · 5 (1.2.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 1. Februar 1901 Nr. 5 Zur Srlchrrfrage. Wien, 31. Jänner 1901. Von einem hiesigen jüdischen Fleischselcher werden wir um die Aufnahme folgenden Schreibens gebeten: Geehrte Redaction! Schon länger als 30 Jahre üben die hiesigen jüdischen Fleischselcher ihr Gewerbe und ihre Fabrication zur besten Zufriedenheit der jüdischen Consumenten, ungestört und unbehindert aus. Seit jeher pragnt auf ihren Schildern das Wort ohne dass es je dem jeweiligen orthodoxen Rabbiner oder dem hiesigen Oberrabbinate eingefallen wäre, irgendwelche Einwendung zu erheben, oder gegen die Verabreichung der Erzeugnisse als Koscher, Bedenken zu tragen. Nun kommt Herr Rabbiner M e i e r s o h n aus Botoschani und bringt eine Selcherfrage ins Rollen- Er findet nämlich mit einemmale nicht die nöthige Gewähr hierfür, ob die jüdischen Selcher wirklich das Wnrstzeug streng koscher und aus koscherem Fleische zubereiten. Demzufolge forderte das Oberrabbinat die Selcher auf, entweder ihr Gewerbe einzustellen oder den neuen Anordnungen des Rabbinates sich zu fügen. Was das Rabbinat aber von ihnen fordert und ihnen aufdürden will, ist von den Selchern ganz einfach nicht acceptabel. Jedem einzelnen Selcher soll unter anderem auch ein sogenannter „Maschgiach", der noch dazu von ihm selbst anstandsmähig erhalten werden sollte, zur Seite gestellt werden. Würde es sich einzig und allein bloß um materielle Opfer handeln, ließe sich darüber noch diskutieren, zumal die Selcher zu Geldopfern bereit sind. Anders verhält es sich aber mit der permanenten Aussicht. Welcher Geschäslsmann wird es sich gefallen lassen, einen Aufpasser, welcher Einsicht in die Geschafrsgebarnng und Fabrication nehmen kann, sich ausstcllen zu lasten? Las ist absolut unmöglich. Eine Forderung, die nur der Wahnwitz reifen kann. Und hat man schon bei Ausstellung eines Ai a j ch g i a ch die sichere Gewähr für streng Koscher? Kann derselbe vom Selcher, wenn er gerade will, rricht umgangen werden? Und wer bürgt sür den Maschgiach selbst? Heißt es nicht in unserer Heiligen Echrrsr: „Haschccl.od jcawur Anei Zadukim?" Auch mit dem Maschgiasch richtet man nicht viel aus, wenn der Selcher aus „Tresa" sich keine Scrupel macht. Die Selcher haben dies aber durchaus nicht nothwendig, weil sie beim Einkäufe von Tresa-Fleijch gar keinen Vortherl finden, weil sie dieses Fleisch nicht um ernen Pfennig billiger als das koschere zu kaufen bekommen. Eure zeitweilige Controls wollen ja die Selcher selbst haben, und sind auch gerne bereit, sich über die Einkaufsquellen auszuweisen, überdies noch größere Beiträge an die Cultusgemeinde zur Erhaltung der Schächter abzuführen, damit sie ja zu jeder Zeit hrnreichend mit koscherem Fleische versehen sein können. Heute sind es die Selcher, morgen werden es die jüdischen Gasthäuser, Ganse- und Geflügelhändler sein, die mit einem Maschgiach beglückt werden sollen; da sich dieses aber mit dem Charakter und mit den Geschästsverhälnissen der Großstadt absolut nicht verträgt, wird das Rabbinat selbst es sein, welches das Koscher verbannt hat.! Unsere Selcher sind anständige Juden; sie bieten als- Juden ihre Waren an, daher kann sie jeder Jude als Koscher! genießen, ohne die Provinienz der Waren zu kennen. j Wenn das Rabbinat aber aus seiner Forderung beharrt, > dann wird unter dem Niedergange des Selchergewerbes auch! die arme jüdische Bevölkerung zu leiden haben, welche gezwungen sein wird, ihren Bedarf an billiger Selchware beim christlichen Selcher zu decken. Das geben wir dem Rabbinate zu bedenken. Hochachtungsvoll M. B. Staatbürger sind. Es ist das gleiche Recht, das Jn- und Ausländer erlangen. Bei letzteren hat man von altersher den Ausdruck „Zusicherung der Aufnahme" für die provisorische Aufnahme in den Heimatsverband, die erst wirksam wird nach erlangter Staatsbürgerschaft. Der Ausländer wird also nicht erst spater ausgenommen, sondern erwirbt durch zehnjährigen Aufenthalt gleich dem Inländer den Anspruch, allerdings unter der Bedingung, dass er Oesterreicher wird. Er braucht kein neues Gesuch um die Aufnahme in den Heimatsverband, vielmehr wird diese erst »wirksam", wenn er Staatsbürger geworden ist. Eingesendet. Für diese Rubrik übernimmt die Redaction keine Verantwortung. Aufruf! Der »Verein jüdischer Handelsallgestellter" in Prag hat beschlossen, seiner Bibliothek die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden, weil die Hebung des geistigen Horizonts, die eben durch eine zielbewusst geleitete Bibliothek am ehesten erreicht wird, eine unserer Hauptaufgaben, nicht nur in moralischer und ethischer, sondern vor allem auch in socialer Hinsicht ist. — Wissen ist die beste Waffe im Kampfe um die Existenz, und sich dieses Wissen anzueignen, das müssen wir nicht nur dem jüdischen Haudelsangestellten ermöglichen, sondern auch jenen durch den antisemitischen Boycott Declassierten, die sich dem Handelsaugestelltenstande znwenden, und die eben, weil sie nicht die nöthige Erfahrung, das nöthige Wissen haben, zur drückendsten Cvncurrenz des jüdischen Handelsangestellten werden. . Jene, die sich klar sind über die gegenwärtige Lage und die sich aus derselben mit eiserner Consequenz ergebende zukünftige Lage des jüdischen Volkes, werden der Erziehung, der Selbsterziehung der Jugend, der Aufklärung der Declassierten, der fachmännischen und allgemeinen Bildung der jüdischen Handelsangestellten das nöthige Verständnis entgegenbringen. Wir wenden uns an alle diese mit der Bitte, uns durch Einsendung von Büchern, Zeitungen und Geldspenden unterstützen zu wollen. Für den Ausschuss des Vereines jüdischer Handels an ge st ellterPrag: Emil Jelinek R. Hermann dzt. Obmann-Stellvertreter dzt. Schriftführer Nähere Adresse: Prag, Heinrichsgasse 9. Maschinenschlosser findet in einer Maschinen- und Eisenconstructions-Werkstätte in Prag Aufnahme. Offerte unter „A. N.", Prag. „Als Stütze der H aus fra u" wird ein anständiges Mädchen (kann auch ans Rumänien sein), der deutschen und französischen Sprache mächtig, für Eger gesucht. Commis der Specereibranche für Mistel gesucht. E o rn p t o i r i st i n, die stenographieren, französisch lesen und schreibeii kann, wird für ein Haus in Brünn gesucht. C o ni p t o i r i st i n, der Stenographie mächtig und im Schreibiiiaschinenfach gut bewandert, für eine Advoeaturskanzlei in Brünn gesucht. A l s C a s s i e r i n wird ein anständiges, junges Müdchen für ein Cafe ersten Ranges in Brünn gesucht. Als Stütze der H a u s f r a a wird besseres jüdisches Fräulein für Trebitsch, Mähren, gesucht. Stellen-Gesrrche. A e l t e r e r Mann der E i s e n b r a n ch e, gewesener Kaufmann, sucht dauernden Posten als Magazineur oder ähnlich in dieser Brauche. Anträge unter „Vogel". Tüchtiger Fleischergehilfe, der deutschen und böhmischen Sprache mächtig, sucht passende Stellung. Anträge unter „Levitus". Als Stütze des Web meisters oder Dessinateurs sucht junger Mann Stellung bei mäßigen Gehaltsansprüchen. Offerte unter „Czlenov". Q nt mini Wr Wien. (Verlosung.) Die ursprünglich für den 10. December vorigen Jahres bestimmt gewesene Verlosung zugunsten des Vereines „Kinderheim", Verein zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten sür verkrüppelte, schwache und reconvalescente Kinder jüdischer Consession, findet erst am 8. Mai d. I. statt. Wien. (Israel. Bethaus-Verein „B r i g i t t e n a u".) Der Vorstand des Bethaus-Vereines „Brigittenarr" erlaubt sich hiermit bekannt zu geben, dass von Freitag abends, den 1. Februar a. c. begonnen, bis auf Weiteres jeden Freitag abends und Samstag früh Probcvorträge von Eantoren statlfinden. Prag. (I ü d i s ch e r G e s a n g- und Musik-Verein.) Ter Vorstand ini zweiten Vereinsjahre constituierte sich folgendermaßen: Obmann: Herr MUDr. M. K ohn; I. Obmann- Stellvertreter : Herr Siegfried Wolf; 11. ObmanwStellvertreter: ^etr MUDr. A. B o n d i); I. Cassier: Herr Hernrich Fischt; IL Cassier: Herr Arthur Wollner; 1. Schriftführer: Herr Victor G u l h; II. Schristsührcr: Herr Alfred Freud; Archivar : Herr Carl Freud; Cassa-Revisoren: Herren Horvitz und Carl Wollner; Beirälhe: Herren L ö w y und R e d i s ch. Erster Wiener Jüdischer Turnverein --. WIEN. =r^== finden statt: für Herren: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 7Va—9; für Damen: Mittwoch, Samstag von 6'/,—8'/,. X’-zs.'astij&jiZA'iAJkitgjasiTr'.-i-.’iv.-xxtepr'Lzrjjkcvatszv-ua (gebürtiger Russe), wäre bereit, Lectionen in der russischen Sprache gegen massiges Honorar zu ertheilen. Gell. Zuschriften wolle man richten an Samson Quasc iia, IX., MicheJbeuerngasse 2, Th. 6. jignBewaiwarimin xm»urttwaj»u*r*mzicj3r* §ckft«stkn sm Lus Kkimalöllcht. Wir errichten hiermit für unsere auswärtigen Leser, die in ihren Wohnsitzen um das Heimatsrecht einkommen wollen und sollen, soferne sie noch nicht daselbst zuständig sind, eine besondere Rubrik, in welcher alle in Sachen des Heimatsrechtes einlangenden Anfragen beantwortet »erden sollen. Jgn. Br. in R. Wenn Sie I. österreichischer Staatsbürger sind. 2. durch zehn Jahre seit erlangter Volljährigkeit in R. wohnen, 3. wenn Sie Ihren Aufenthalt in R. während dieser Zeit nicht unterbrochen haben, dann steht Ihrer Aufnahme in den dortigen Heimatsverband nichts im Wege. Reichen Sie also bei Ihrer Gemeinde ein stempelfreies Gesuch ein, welchem der Heimatschein und die Bestätigung über den zehnjährigen Aufenthalt beiliegen müssen. Rud. W in K. Die Eingaben zur Erlangung des Heimatsrechtes sind st e m p e l f r e i, ebenso alle Beilagen des Gesuches. Es verstößt gegen die ausdrücklichen, nicht misszuvcrstehenden Bestimmungen des Gesetzes, wenn Ihre Behörde gestempelte Gesuche verlangt. Nur Ausländer, die das Staatsbürgerrecht erlangen wollen, haben das betreffende Gesuch mit einem 4Kronen-Stempel zu versehen. „Ausländer", Lemberg. Bei Ausländern wird die Zuständigkeit erst wirksam, wenn sie Wir ersuchen alle auöwürligen Leser unseres Blattes, «us Nachrichten aus dein Gemeinde- und Bcrciuslcbcn der dortigen Judenschoft zu geben. Besonders erwünscht ist die Einsendung antisemitischer Lokalblätter, welche Angriffe gegen die Juden enthalten. — k, Brünn. Dos also war des Pudels Kern. Der Wechsel der Gesinnung ist prüsenliert und mit einer guten Stelle eingelöst worden. Bis die Nachricht bestätigt ist, werden wir diesem Gesinnnngslümpchen sein trauriges Lichtlein Vorhalten. Man soll nicht sagen, dass wir voreilig urtheilen, andererseits werden wir aber mit einem gerechten Urlheile nicht zurückhalten. Vorläufig besten Gruß! „Jüdische Realpolitik", Czernowitz. Für diejenigen, welche die Juden fremden Interessen dienstbar machen, ist es allerdings ein bequemer Vorgang, sich auf den Zionismus und die angebliche Aussichtslosigkeit einer inländischen Politik zu berufen. Wir glauben aber, dass das zionistische Hauptorgan bei besserer Information sich dafür bedanken dürfte, die Mauer für deutschliberale Cliquen-Juteressen zu machen. des Haudeisangeftelltett Vereines „Ermmah" hs Brünn. i Ten P. T. Chefs steht diese Rubrik unentgeltlich zur Verfügung. Uemste Uacaitzrn-Kstrr (Eämmtliche Offerte find an den Verein zu richten.) M e h r e r e j ü d i s ch e M ä d ch e u werden als Kindermädchen und Dienstboten gesucht. Mehrere jüdische Lehrburschen sür verschiedene Handwerker gesucht. Mehrere jüdischeGoldarbeiter werden gesucht. C o rn p t o i r i st, deutsch, böhmisch, Stenograph, für Mähren. C o m p t o i r i st, deutsch, böhmisch, Stenograph, für Böhmen. Comptoir-Praktikant, absolvierter Handelsschüler, mit schöner Schrift, Stenograph, Brünn. Com m i s, Spezerei, nach der Auslehre, Ung.-Hradisch. Uhrmacher, mit 00 Gulden Monatsgehalt, selbständiger Arbeiter und Verkäufer, Mistel. Praktikant, Uhrengeschäft, Mistet. C o m p t o i r i st, deutsch, böhmisch, Wischau. Der „Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend einzugreifen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung, wirtschaftlichen Boycotts und gesellschaftlicher Missachtung, unter denen wir Juden zu leiden haben, hat, muss einsehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisten vermag, wenn in unseren Reihen das gesammte jüdische Volk steht. Es ist daher nothwendig, dass ein jeder Jude dem jüdischen Volksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird dem eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheimgestellt. Anmeldungen werden im Vereinslocal II., Leopoldsgasse 49 entgegengenommen. Erzählung von Eduard K u l k e. (Fortsetzung.) „Nennen Sie mich, wie Sie wollen, Madame Cheile", entgegnele der ehemalige Lehrer, welcher, seitdem er verheiratet war und ein Haus in der Gemeinde hatte, in der Regel mit seinem wirklichen Namen Reb Sawel Kornmehl genannt wurde. „Wie lang kann das schon sein, seit Ihrer „Chaffene" (Hochzeit), Herr Lehrer?" fragte Cheile Schlumpersack weiter, obwohl sie es ebenso gut wusste wie er selbst; sie that die Frage aber nur, weil ihr gerade nichts anderes einfiel und sie Mechol Pradenik zeigen wollte, dass sie mit Reb Sawel Kornmehl auf ganz gutem Fuß stehe. „Das wird jetzt bald vierzehn Jahr' werden; es war grad ein Jahr nach der Barmitzweh von Reb Löb Frank's Sohn" antwortete der Gefragte. „Begierig bin ich", sagte Schloime Klatschkopf, „was aus diesem Felix geworden ist. Mir scheint, Löb Frank hält' auch gescheiter speculiert, wenn er ihn zu sich in Geschäft genommen hält'." „Warum?" sagte Mechol Pradenik, „du meinst, weil du in Dorf gehst, darf kein anderer etwas anderes speculieren." „Den Unterschied soll ich mein Eigenes haben", sagte Salme Gloser, „ich denk' noch an die Barmitzweh, wie wenn es gestern gewesen wär'. „Helwajeh" (Gott wolle) mein Jzeg hält' so ein Kops gehabt, ich hätt' ihn auch kein Dorfgeher werden lassen." „Warum?" sagte Bär Lederer und sah ihn dabei mit zürnenden Blicken an, „damit er auch ein „Posche Jisrol" (Sünder) werden soll wie Feiwele." „Was bringt Ihr dem Menschen ein „Schenrrah" (bösen Ruf) auf, Reb Bür?" fragte Sawel Kornmehl, sich seines ehemaligen Schülers annehmend. „Habt Ihr von ihm etwas Schlechtes gesehen oder gehört? Was wisst Ihr ihm nachzusagen?" „Was werd' ich wissen? Nichts andres, als was ich schon gewusst Hab', wie er noch ein Kind war und den Gallech mit'n Glöckel gegrüßt hat. Und wenn es nicht wahr ist, was ich mein', und was ich nicht laut sagen will, warum kommt er gar nicht heraus? Schickt sich das von ein Kind, so lange Jahr' in der Fremd' herumzugehen und nicht ein einzig mal die Eltern zu besuchen? Geht hinauf zu Löb Frank, wenn ihr „Krasche" 11621874

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