Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Wien, Freitag Jüdisches Volksblnl.f Februar 1001 Seile 7 (Courage) habt, und fragt ihn, oder sein Weib nach Feiwele, und Ihr werdet sehen, ob sie Euch werden eine „Tschuweh" (Antwort) geben." „Ihr seid ein merkwürdiger Mensch, Reb Bär, seid mir „moichel" (verzeiht), ich weiß nicht, wie Ihr mir vorkommt!" sagte entrüstet Sawel Kornmehl. „Habt Ihr denn Reb Löb oder Jentel schon einmal nach Felix gefragt, dass Ihr so bestimmt sprecht?" „Was brauch' ich viel zu fragen?" sagte Bär Lederer, „fragt man viel, „pschat" (antwortet) man viel, und ich thu nicht gern einen in Verlegenheit bringen, besonders Reb Löben; aber man kann es ja den Leuten vom „Ponim" (Gesicht) herunterlesen, was drauf geschrieben steht. All' mein' Tag' Hab' ich gehört und gesehen, dass, wenn die Kinder gut gerathen sind, wie's Gott und die Welt will haben, dass die Eltern nicht stumm dabei bleiben wie ein Fisch. Habt Ihr schon einmal gehört, dass Löb und Ientel Frank sich mit dem Sohn gerühmt haben wie andere Eltern? Haben sie schon einmal von ihm ein' Brief in der Khille herumgewiesen, was er nach Haus schreibt? Man hört nix, man sieht nix; das ist kein guter „Simen" (Zeichen). „Ihr red't, wie Jhr's versteht", sagte Sawel Kornmehl. „Weil Reb Löb und Ientel Frank keine Prahlhänse sind, deshalb muss Felix gleich ein schlechter Mensch sein? Was sollen sie thun? Sollen sie sich von Löbele Polizei die Pauk" nehmen und sollen auspauken, was Felix nach Haus geschrieben hat? Ich kann Euch sagen, ich Hab' schon mehr als einen solchen Brief von ihm gelesen; denn ich erkundige mich nach Felix, so oft ich mit Reb Löb oder Ientel Frank spreche, und sie haben mir noch kein einzig mal eine ausweichende Antwort gegeben. Felix ist ein Doctor. Dass er nicht nach Haus kommt? Was braucht er herzukommen? Reb Löb selbst ist genug oft in Wien.- Und Ientel fahrt, seitdem Felix hat angefangen zu studieren, auch alle Jahr einmal hinein. Und was soll er hier machen? Soll er „efscher" (vielleicht) zu Euch herauskommen, um zu hören, wie schlecht ihr von ihm denkt?" „Meinetwegen", sagte Bär Lederer, „kann er bleiben, wo er ist. Und wenn ich mich „tote" bin (irre), so ist es mir lieber. Aber ich bleib' bei meiner Red', wie ich's versteh'. Wenn's ein anderer besser versteht, ist mir auch recht. Wir werden schon sehen, wer ein besser Aug' hat, ob ich oder ein anderer". „Der kann einem die Gall' herum rühren", sagte Schloime Klatschkopf, „und wenn einer das „Bestemm" kriegt, Bär hört nit aus, er muss alleweil das letzte Wort haben." „Es ist auch nicht nöthig, dass Sie sich weiter darüber ereifern", sagte Mechol Prademik, „man weiß sehr gut, dass Reb Löb Frank's Sohn in Wien keine „Rebene Tam's Tfillim" legt..." „Leget' er nur die gewöhnlichen", warf Schloime Klatschkopf rasch hinein. „Aber", setzte Mechol Pradenik fort, „man weiß auch, dass das, was Bär Lederer meint, nicht wahr ist, denn so etwas laßt sich nicht verbergen. Auch kennen wir ja Ientel Frank gut genug; wenn sie eine „Makeh" (Wunde) hält', so möcht' sie sie frei tragen." Bär Lederer war eben daran, dieser Argumentation entgegenzutreten, als ein Schwarm junger Männer und Mädchen, feiertäglich gekleidet, über die Brücke daherkam und die Aufmerksamkeit des Rä'dels aus sich lenkte. „Die Jungen und die Maden kommen schon vom Spazierengehen zurück", sagte Ruche Plauscherin. „Seht ihr, Reb Bär", sagte Schloime Klatschkops, „die legen auch keine Rebene Tam's Tfillim; anstatt den „Perek" zu sagen, gehen sie den ganzen Nachmittag mit den Maden herum." „Efscher" (vielleicht) hast Du's anders gemacht, wie Du noch ledig warst", sagte Cheile Schlumpersack. „Was hast du voll seine Red'", sagte Ruche i Plauscherin weiter, „wenn ihm einer zuhört, meint man, er ist der größte „Choßid" (fromme Mann)." „Weil ich werd' leben", sagte Gawriele Stuffer. „wie er den ganzen Tag über der „Gemore" sitzt. Er kann ganz „Schaß" außenwenig." „Außenwenig", sagte Mechol Pradenik, „und innen gar nichts." „Ah nein", sagte Gawriele, „er hat, wenn er mit Dir spielt, alle vier „Meßachtes": Roth und Grün und Schell und Achel im Kopf." „Besser, inan kann etwas, als man kann gar nix. All's soll man kennen, nix soll man brauchen", sagte Schloime Klatschkopf. „Wenn ich lieber das Geld auf ein „Häufele" beisammen hält', was die alle Maden dort „Redan" (Mitgift) kriegen werden, wär' mir lieber wie „entere" (eure) Red'." „Wer ist das dort in dem Rosakleid, die neben Gumpel'n Schames geht?" fragte Ruche Plauscherin. „Die kennst Du nicht?" sagte Cheile Schlumpersack, „Bärls Tochter Rösele." i „Das heißt eine Grüß', was die Mad bekommen hat, nicht zu erkennen, wie die alle Tag' daher wachsen thut; über alle Maden ragt sie schon hinaus, und wie alt ist sie denn ganz und gar?" „Wie alt wird sie sein," sagte Mechol Pradenik, „noch keine zwanzig Jahr. Nicht wahr, Reb Bär?" „Ohne „Schaboßim und Jontoiwim" (Sabbathe und Festtage)/' sagte Schloime Klatschkopf ironisch. „Ihr müsst rathen und ich weiß es," gab Bär Lederer darauf zur Antwort. Denn sie war in Wahrheit schon älter als zwanzig; aber als kluger Geschäftsmann, wollte er die bessere Meinung von seiner Ware nicht zerstören. (Fortsetzung folgt.) JENNY Specialistin in Haarfarben und Nagelpflege VI., Mariahilferstrasse Id. 1. stock, Casa picola. -Billigste Preise. £=■■===•-- Solideste feinste Bedienung. Englische und französische C'onvcrsation. früh bis 5 Uhr abends. - Von 9 Uhr Lehmann's Jud. Volksbücherei. Den llm-en Buchhändlern beehren wir uns hierdurch milzulhoilcn, dass wir in'Leipzig bei floniinissioniir E. E. STEINAGKEB, liossplulz l(i, ein EM- Auslieferungs-Lager "WE errichte! Indien. — Dis jetzt sind erschienen: Band 1. M. LEHMANN, lies Königs Eidam. « 2. „ „ Graf oder Jude, r i>- n „ Rabbi Hlchanan. Die Verlassene. * 4. „ „ Das Lieht der Diaspora. * 5. „ „ Bostanai. 1. 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