Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2432763-2432864-2432869--0867-2434562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 Wien, Freitag Jiidisclins Volksblall 1. Februar 1901 Seite 5 allgemeinen Culturwelt seinen Platz räumen müsse. Weder ist die jüdische Sittenlehre irgend einer anderen inferior, noch kann der Lebrinhalt der jüdischen Religion, der der denkbar einfachste und philosophischeste unter allen Religionen ist, von einer anderen übertroffen werden; im Judenthum lagern die ältesten Wurzeln des Monotheismus, während im Christenthum, wie hervorragende christliche Gelehrte zugegeben haben, noch zahlreiche polytheistische Elemente sich befinden. Der Hauptgrund für die Häufigkeit der Judentaufen in der Gegenwart ist der religiöse Jndlfferentismus, der allerdings eine nothwendige Folge der menschheitlichen Entwicklung ist. Ein fernerer Grund ist der Mangel einer jeden Organisation der jüdischen Religionsgemeinschaft, und endlich, und nicht in letzter Linie, führt das Motiv der Selbstsucht und der Eitelkeit zur Taufe. Eine solche Folge ist immer eine schwere sittliche Verirrung. Die Pietät gegen Ahnen und Eltern, die selbst bei den rohesten Naturvölkern den Hauptgrund alles religiösen Empfindens bildet, wird mit Füßen getreten; es ist ferner eine Feigheit sondergleichen, wenn der Kämpfer, der in der Schlacht die eigenen Reihen bedrängt sieht, die Fahne verlässt itnb geraden Weges zu dem Unterdrücker übergeht. Es ist ferner eine wissentliche Unwahrheit, ein Bekenntnis öffentlich abzugeben, das der eigenen Ueberzeugung durchaus widerstreitet, und endlich ist ein solcher Uebertritt eine Verstärkung des Dogmatismus der Kirche, der Intoleranz, da der Austretende sich zum Genossen des Unrechtes macht, das seit Jahrtausenden aufseinen Stammesgeoossen lastet. Das Verfahren der neuesten Zeit, dass die Eltern der Taufe fern bleiben, aber ihre uninündigen Kinder taufen lassen, ist noch gewissenloser als der eigene Uebertritt. Ist es nicht Affenliebe für die Kinder, denen man äußerlich den Weg ebnet, die man für den äußeren Erfolg erzieht und der inneren Zufriedenheit des Zusammenhanges "mit den Eltern beraubt, so ist das Motiv der noch viel häufigere Wunsch, bei den christlichen Freunden sich einzuschmeicheln. Von der Taufe hat die Kirche die geringsten Vortheile, und eine Zersetzung derselben ist die unausbleibliche Folge. Jeder Taufaet ist ein Tanz um das goldene Kalb, und den größten Schaden haben diejenigen, welche ihre Wahrhaftigkeit verleugnen und, während sie mit ihrer Aufklärung prahlen, sich der Reaction und Intoleranz unterwerfen. Als Gegenmittel gegen die Taufe kommt hauptsächlich in Frage genügende Kenntnis der jüdischen Religion und Lehre, damit ein jeder imstande ist, die Wahrheit, die Vorzüge und die tiefe Bedeutung der väterlichen Religion zu würdigen und sich eins zu fühlen mit den zahllosen Generationen, die für ihre Religion gekämpft und gelitten haben. Ein ferneres Gegenmittel besteht noch darin, mit der Zersplitterung m Judenthmn anfzuräunren, zum Kampfe gegen den äußeren Feind und zum Kampfe gegen den Abfall im eigenen Lager muss gerüstet werden. Erst wenn wir der ganzen Welt als Juden gegenübertreten, erst dann werden die Schwachen unter uns gekräftigt und auch die Starken ermuthigt werden gegen Schwachheit und Vorurtheile, erst dann werden wir Achtung nach außen und Anhänglichkeit nach innen finden Wiederholter, lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine trefflichen und interessanten Ausführungen. Berlrrr. (Verein jüdischer S t u b c* u t e it.) Die Vereine jüdischer Studierender in Berlin, Breslau und München haben sich zu einem Cartellverbande zur Förderung der gemeinsamen Interessen vereinigt. Die Verhandlungen haben in den ersten Tagen dieser Woche in Berlin stattgefnndeu. Zn Ehren der auswärtigen Delegierten veranstaltete der hiesige Verein einen Festcommers, der einen ivohlgelnugenen Verlauf nahm. Neben den activen und ehemaligen Mitgliedern hatte sich eine imposante Zahl von Damen und Herren eingefundeu. Nachdem der Präside, Herr cand, med. I. Zwir n, das Hoch auf den Kaiser mit dern üblichen Salamander ausgebracht, entwickelte Herr Rabbinats-Candivat E. C o h n in feuriger Rede die hohen Aufgaben des Vereins, worauf die auswärtigen Delegierten die Grüße ihrer Commilitonen überbrachten. Dazwischen wurden launige Lieder und zwe: Theaterstücke aufgeführt, deren erstes in derber Zeichnung die Theorien des Herrn „Benedictas Levita" carikwrte, während das zweite, eine burleske Studenten-„Miinik", wahre Lachstürme entfesselte. Erst in vorgerückter Stunde wurde der Commecs geschlossen, worauf die junge Welt sich beim Tanze vergnügte. Hamburg. (Ein Juden stück.) Der „Franks. Ztg." wird geschrieben: „Die goldene Brücke", Schauspiel in drei Acten von R. Skowronnek, das am 16. d. M. im Thalia- Theater zum erstenmale aufgeführt wurde, spielt in jüdischen Kreisen. Doch behandelt der Verfasser nicht eigentlich die Judenfrage, sondern nur einen ihrer Theile, nämlich den Kampf um die Gleichberechtigung in der sogenannten feinen Welt, den manche reiche jüdische Kreise namentlich in Berlin führen. Herr N. Guhrauer, heimatsberechtigt in Nakel, ist als armer Junge nach Berlin gekommen und hat es durch geschäftliche Qualitäten, wie sie ähnlich August Sternberg entwickelt haben mag, zu einem Riesenvermögen gebracht. Er ist Christ geworden, hat ein Rittergut bei Berlin, hält einen Rennstall, und sein Ideal ist, mit der Garde zu verkehren unb seine Tochter an einen Hochgeborenen zu verheiraten. Helene, die Tochter, hat dagegen keinen Sinn für die vornehmen Passionen von Papa und Bruder Referendar. Sie empfindet einen gesunden Widerwille,i gegen die krampfhafte Feudalisierung des Hauses Guhrauer und ist sechsundzwanzig geworden, ohne mit ihrer Mitgift von dreieinhalb Millionen an den Mann gebracht zu sein. Die Scenen der beiden ersten Acte nun, in denen dieses halt' c-rmt-Milieu geschildert wird, sind gelungen. Unglücklicherweise hat der Verfasser, um etwas für die schönen Gefühle des Publicums zu thun, einen Herzensroman ältester Bühnenmache hineingeflickt. Helene liebt — wie nicht anders zu erwarten — den Privatseeretär des Vaters, der Christ, Ostpreuße, arm, edel, Philosophie-Dvetor und begabter Schriftsteller ist. So konunt es, dass der dritte Act, der die Auseinandersetzung und Verlobung bringt, stark abfällt. Der Doetor ist entlassen worden; Guhrauer hat nämlich eine liberale Zeitung gekauft und will sie sofort in eine eonservative umwandeln, worüber ihn, der Doetor die Meinung sagt, wie nicht nnnder ein zwar jüdischer, aber gemüßigter Rechtsanwalt. Ein Graf soll sich nnt Helene verloben, nachdem ihr über den heimlich Geliebten schwarze Mären zugeraunt worden sind. Drin im Saale wird getanzt und die Effeetscene der Verlobung vorbereitet, unterdessen aber sitzt der alte Großvater Guhrauer, den man vor den feinen Gästen verstecken muss, betrübt auf der Terrasse. Nun konunt auch der Doetor, und eben als der Graf Helenen die Erklärung knachen will, löst sich alles auf u. s. w. Der Großvater, obckeich aus Rakel gekommen, segnet diesen Bund zwischen Christ und Jüdin, weil die Liebe und nicht der Reichthum die goldene Brücke u. s. w. Das Unglück liegt bei diesem Stücke darin, dass der Verfasser, um nicht in den Verdacht des Antistmitismus zu kommen, Personen einführt und Hieben halten lässt, die mit dem Drama nichts zu thun haben. So muss namentlich Helenens Doetor immer bereit sein, einen kleinen Leiter über echte und falsche Germanisierung oder so etwas loszulassen. Das Stück fand Beifall. Marburg. (Eine antisemitische 9! o h e i t). Eine antisemitische Rohheit, die durch die merkwürdige Person des Thäters besonderes Interesse beansprucht, fand am 15. d. vorder hiesigen Strafkammer ihre wohlverdiente Strafe. Die Anklage lautete gegen einen Bauernknecht aus Rossdors wegen gefährlicher .Körperverletzung, begangen an dem jüdischen Viehhändler Ehrlich von dort. Es dürfte dieser Bauernknecht aber wohl ein Unicum sein, denn er besitzt thatsächlich akademische Bildung. Sein Name ist Ludwig Hof. Er hatte das Gymnasium zu Fulda absolviert und auch bereits vier Semester Universität hinter sich, worauf er sein Einjähriges in hiesiger Garnison abdienen wollte. Wegen angeblich schlechter Behandlung wurde er jedoch bald fahnenflüchtig, stellte sich dann aber wieder, verbüßte, nachdem er zu Ende gedient, ein halbes Jahr Festung uub suchte und fand hierauf in seinem Heimatsorte Rossdorf Anstellung als „Bauernknecht". Hier glaubte er seine höhere Intelligenz im October vorigen Jahres dadurch doeumentieren zu müssen, dass er den Viehhändler Ehrlich zu nächtlicher Stunde durch Klopfen am Fenster auf die Straße lockte und ihn hier mit einem Mistgabelstiel niederschlug. Ehrlich trug eine Gehirnerschütterung davon, die ihn dem Tode nahe brachte und an deren Folgen er noch heute leiden muss. 4 er Gerichtshof dictierte dem rohen Patron eine Gefängnisstrafe von 22 Monaten. Frankfurt. (D a s H a u s R o t h s ch i l d). Der Tod des Barons Willy v. Rothschild gibt der „Frkf. Ztg." Veranlassung zu einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Hauses M. A. v. Rothschild u. Söhn e. Der Gründer des Hauses war Mayer Anselm Rothschild, geboren 17 0, zu Frankfurt a. M. Ec besuchte die Religionsschule in Fürth und trat dann als Gehilfe in ein Bankhaus zu Hannover. Nach einigen Jahren kehrte er nach Frankfurt zurück und fieng mit einem kleinen Vermögen ein eigenes Geschäft an. Von wesentlichem Einflüsse für den Aufschwung seiner Firma war das Geschäfts- Verhältnis, in das er zu dem damaligen Landgrafen von Hessen, seit 180!', Kurfürsten Wilhelm I., trat. Als Kurhesse» 5806 von den französischen Truppen annectiert wurde, der Kurfürst aus dem Lande flüchten musste und sich nach Böhmen begab, vertraute dieser sein ganzes Vermögen der Obhut Rothschilds an. Nur mit großer versönlicher Gefahr für sich und seine Söhne vermochte R. diese Schätze vor dein Angriffe der französischen Polizei, die bis zur Haussuchung schritt, zu retten. Im nämlichen Jahr wurde Karl von Dalberg, Fürstprimas des Rheinischen Bundes, Besitzer von Frankfurt, er wendete R. gleichfalls seine Geneigtheit und Anerkennung zu. Als Großherzog verlieh er den Israeliten Frankfurts die volle bürgerliche und politische Rechtsgleichheit und ernailnte (2. Juli 1812) R. zum Mitglieds des Wahlcollegiums des damaligen Departements Frankfurt. R. starb am 10. September 1812 und hinterließ zehn .Kinder, darunter fünf Söhne, die seine Bankgeschäfte übernah,nen. Im Jahr 1815 ivurde die Familie Rothschild vom Kaiser von Oesterreich geadelt, im Jahre 1882 ihr der Freiherrnstand zutheil. Die Söhne waren: 1. Amseln Mayer Freiherr von R., geb 12. Juni 1773, Chef des Stammhauses (M. A. von Rothschild u. S ö h n e) zu Frankfurt, gestorben 6. December 1855 kinderlos. 2. Salomon Mayer, Freiherr von R., geb. 0. September 1774, Chef des Bankhauses S. M. von Rothschild in Wien, hatte seinen Wohnsitz abwechselnd in Wien, Paris und Frankfurt und starb 27. Juli 1855 in Paris. Sein einziger Sohn, Freiherr Anselm Salomon von R., geb. 20. Jänner 1803, übernahm nach des Vaters Tode die Leitung des Wiener Bankhauses. Er war Mitglied des österreichischen Herrenhauses und starb 27. Juli 1874 zu Ober-Döbling bei Wien. Nach seinem Tode übernahm sein Sohn Freiherr Albert von R. (geb. 29. October 1844) die Leitung des Wiener Bankhauses. Ein älterer Bruder des letzteren, Baron Ferdinand von R. (geb. 17. December 1830), lebt in London als Privatmann und beschäftigt sich schriftstellerisch (eine Novelle „Vroni", Leipzig 1878). Er lies; sich in England naturalisieren und wurde daraus Mitglied des englischen Parlamentes für Aylesbury. 3. Nathan Mayer von N., geb. 16. September 1777, errichtete 1708 eine Handlung in Manchester, die er fünf Jahre später unter der Firma N. M. Rothschild nach London verlegte. Er starb am 28. Juli 1836 in Frankfurt, worauf seine Söhne, deren ältester, Lionel Nathan von R., geb. 22. November 1808, gestorben з. Juni 1870, Mitglied des englischen Unterhauses war, das Londoner Bankhaus unter der Firma N. M. Rothschild и. Söhne fortführten. Der Sohn Lionel Nathans, Lord Nathaniel von R., geb. 8. November 1840, wurde im Juni 1885 zum Peer erhoben 4. Freiherr Karl Mayer von R., geb. 24. April 1788, wurde Chef des Bankhauses in Neapel und starb daselbst 10. März 1855. 5. Freiherr Jakob (James) von R., geb. 15. Mai 1702, seit 1812 Chef des Hauses Gebrüder von R. in Paris, starb 15. November 1868 zu Paris und hinterließ die Leitung des Geschäftes seinem Sohne, dem Baron Alfons von R. (geb. 1. Februar 1827). Das Frankfurter Bankhaus (M. A von Rothschild u. Söhne) wurde seit dem Ableben des Freiherr,: Anselm Mayer von R. von den beiden Söhnen Karl Mayer von R.'s, den Freiherren Mayer Karl von N. (geb. 5. August 1820, gest. 16. October 1886) und Wilhelm Karl von R., seit 1886 von dem letzteren allein geleitet. Ersterer war Abgeordneter für Frankfurt a. M. im constituierenden und im ordentlichen Reichstage des Norddeutschen Bundes, darauf lebenslängliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Petersburg. (Jüdische Schauspieler.) Die jüdischen Schauspieler in Russland versuchen, wie uns aus Petersburg geschrieben wird, eine auch in cultureller Hinsicht sehr interessante Bewegung einznleiten. Dieselben sind bisher in den jüdischen Ansiedlungsrayon eingesponnen, über den sie nicht hinans können, selbst wenn sie das Talent eines Svunenthal besitzen. Dieselben sind also schlechter daran, wie ein jüdischer Schuster oder Schneider, da nach dem rnssischen Gesetze nicht nur die Inden, welche einen gelehrten Grad besitzen, sondern auch alle jüdischen Handwerker das Recht besitzen, sich im großen Reiche ihren Wohnsitz frei zu wählen. Die jüdischen Schauspieler in Süd-Russland haben sich nun an die R:sidenzgrößen der rnssischen Schauspielkunst mit der Bitte gewandt, dieselben möchten auf dem in Moskau bevorstehenden allrussischen Schauspieler-Congresse dafür eintreten, dass der Congress an die Regierung das Gesuch richte, den jüdischen Schauspielern möge das Anfenthaltsrecht in ganz Russland verliehen werden. Einzelne Schauspieler haben sich bereit erklärt, bei dem Congresse diesen Antrag zu stellen, indessen steht noch nicht einmal fest, ob die Regierung, welcher das Berhandlnngsprogramm des Congresses vorher zur Genehmigung eiugereichc werden muss, die Deoatten über die jüdische Schanspielerfrage überhaupt znlassen wird. Petersburg. (Nene Städte im A n si ed l un g sr n y o n). Das Wirthschafls-Departement des Ministeriums des Innern hat beschlossen, in zahlreichen großen Dörfern und Ansiedlungen in den Gouvernements an der Westgrenze des Reiches und in Snornssland, und zwar vor allem in allen denjenigen Gouvernements, die zum sogenannten Ansiedlungsrayon der Inden gehören, die städtische Verwaltung einzuführen. Es soll das nach und nach geschehen. Die Inden dürfen bekanntlich nur in den Städten und Flecken des Ansiedelnngsrayons leben, haben jedoch nicht das Recht, ihren ständigen Wohnort in den Dörfern und Ansiedlnngen zu nehlnen. Nun sind aber die Städte von Juden schon so überfüllt, dass deren Existenzbedingungen sehr schwere geworden sind. Um diesen: Uebelstande abznhelsvn und die traurige Lage der jüdischen Bevölkerung zu erleichtern, hat daher die Regierung jetzt beschlossen, die erwähnte Maßregel zu ergreifen. Das Wirtschafts-Departement hat die betreffenden Gouverneure kürzlich angewiesen, eine Liste der Dörfer und Ansiedelungen aus - znstellen, die zu Städten erhoben werden könnten. Das Ministerium des Innern will die Zahl der Städte ans dem angeführten Grunde unter allen Umständen bedeutend vermehren. Daher soll auch in denjenigen Ansiedlungen oder Ortschaften städtische Berivalcun g eingeführt werden, in denen sich keine Personen finden, die geeignet und befähigt wären, Mitgliederder Stadtverwaltungen zu werden, und zwar soll in diesen Fällen ein Polizeibeamter zum Stadt- Haupte ernannt werde::, beziehungsweise die Rechte eines solchen erhalten. Ihn: werden einige Stadtverordnete zur Seite stehen, die ans der Zahl der Ortsansässigen gewählt werden inüssen. Nom. (D i e I u b e it i n Italien und a n d e r s w o.) Bon italienischen Ortschaften sind es nur 75, die im beschränkten Sinne eine jüdische Bevölkerung aufweisen. Die Hauvtstadt des Reiches geht allen anderen voran. Rom zählt 7800 Inden. Dann folgt Turin mit 4700, Livorno mit 4100, Venedig mit 2780, Florenz mit 2000, Mailand mit 1900, Ferrara mit 1720, Ancona mit 1700 Inden. Die größte Stadt des Reiches (Neapel) zählt deren, ähnlich Mantua, nur 1000, und in Genua sinkt deren Zahl sogar ans 580 herab. Es ist darum nicht zn verwundern, dass in ganz Italien sich überhaupt nur 40.915 Jaden befinden. Gleichwohl senden diese 40.000 fünfzehn Stammesgenossen in die italienische Zweite Kammer. Die anderen großen Staaten Europas beherbergen weit mehr Inden als Italien. Allen voran Russland mit 2,050.000; Oesterreich- Ungarn mit 1,869.000; Deutschland mit 597.000; die Türkei mit 350.000; Rnmänien mit 300.000; F ankreich (Algerien mit einbegriffen) hat deren 170.000; England 150.000; Belgien und Holland 100.000; Bulgarien 25.000; Serbien 15.000. All die übrigen europäischen Staaten halten sich bescheiden unter 10.000; Spanien verzeichnet sogar nur 25 00 Juden. Unter den Ecdtheilen steht natürlich Europa obenan : es zählt 6,400.000 Inden. Daun folgt Asien und Amerika mit je 800.000; Afrika mit 660.000; Australien mit 19.0 00. Die größte jüdische Gemeinde der Welt besitzt New-Iork: sie ist rund 350.000 Seelen stack. Auf New-Awk folgt sogleich Warschau, das bei der letzten Zählung 231.678 Juden verzeichnete. In der ganzen Welt leben mithin 8,679.000 Juden. London. (Ich leihe den Reichen und gebe den Armen.) Der vor einigen Tagen in seinem Palais am Grosvenor-Square verstorbene Geldleiher Sam Lewis hat ein Vermögen von 90 bis 100 Millionen Mark hinterlassen, und sein Testament erbringt jetzt den Beweis, daß er es ernst meinte, wenn er, wie behauptet wird, sich das Motto: „Ich leihe den Reichen und gebe den Armen" zur Richtschnur und zum Princip gemacht hatte. Soweit bis jetzt bekannt ist, wird der größte Theil seines rissigen Vermögens den Wohlthätigk e i t s - A n st a l t e n Englands zugute kommen, während seine Verwandten, wahrscheinlich zu ihrer großen Enttäuschung, jeweilig mit einigen hunderttausend Mark abzefunden werden. Unteranderem hat Mr. Lewis die Summe von 10 Millionen Mark dafür bestimmt, daß große Heimstätten für die Armen Londons begründet werden, in'denen die letzteren Unterkunft, Nahrung und — Arbeit finden sollen. Zweieinhalb Millionen Mark sind der Armen-Commission (Board of Guardians) der jüdischen Gemeinde der Metropole zu beliebiger Verwendung hinterlassen worden, während verschiedene weitere Millionen bestimmten jüdischen Wohltätigkeits-Anstalten Zufällen. Ganz besonders reichlich ist auch der Prinz von Wales bedacht worden, d. h. soweit seine Wohlthäthigkeits-Bestrebungen in Betracht kommen. Lewis hat nämlich die runde Summe von 5 M i l l i v n e u Mark für den sogenannten Hospitalfonds des Prinzen Wales gestiftet, der sämmtlichen Londoner Hospitälern die nöthige Unterstützung bietet, und auch eine ganze Reihe anderer christlicher Institute werden dem jüdischen Manne eine stattliche Bereicherung ihrer Hilfsfonds zu verdanken haben. Shanghai. (Die Inden in China). Der in: August vorigen Jahres von Shcmghaier „Verein zur Hilfe der eingeborenen Inden in China" nach Kai-fung-fi abgeschickte Bote ist^nach glücklicher Ausführung seiner Mission Ende Oerober nach Shanghai zurückgekehrt und hat das folgende, an ihn adressierte chinesische schreiben mitgebracht: „Wir haben nnt Ihnen in Kai-fnng-fi verabredet, au:" 25. September nach Takang zu kommen, um in Ihrer Begleitung nach Shanghai zu gehen, wo wir unsere Glaubensgenossen treffen sollen. Aber die ans den: Norden kommenden Kriegsnachrichten sind sehr beunruhigend. Beständig passieren Truppen durch Kai-fung-fi. Jederinann ist sehr beunruhigt, und die Regierung wankt in ihren Entschlüssen. Gegenwärtig kann weder eine Synagoge errichtet werden, noch können wir unsere Wohnungen aus längere Zeit verlassen. Daher^ziehen wir es vor. Ihnen diesen Bcief zn schreiben. Warten Sie nicht ans uns, wenn wichtige Geschäfte Sie nach Shanghai rufen sollen. Gehen Sie uns voraus, und wenn Sie unsere Brüder in der Religion Israels sehen, so sagen Sie ihnen, dass wir es für besser finden, zu warten, bis das Land sich beruhigt haben wird. Wir werden uns dann gewiss nach Shanghai in Bewegung setzen, um mit ihnen über alles persönlich uns zn unterhalten. Die Lage der Synagoge ist dieselbe wie früher, aber unser Volk ist zn sehr zerstreut. Zum Schlüsse wünschen wir Ihnen eine glückliche Reise." Darauf hat die Gesellschaft durch denselben zuverlässigen Boten an die Juden von Kai-fnng-fi folgenden vom 17. Novemhsr datierten Brief gerichtet: „An unsere Glaubensgenossen in Kai-snng-fi! Wir haben Euch voc einigen Monaten einen von den Mitgliedern unserer Gemeinde Unterzeichneten hebräischen Brief nebst einer chinesischen Uebersetzung desselben geschrieben. Brief und Uebersetzung sind aber verloren gegangen. Als wir davon erfuhren, sandten wir Euch eine Abschrift des Brieses, und der Bote, dem wir das Schreiben anvertraut haben, kehrte vor zwei Wochen zurück und brachte einen an ihn adressierten Brief, in dem einige Mitglieder Eurer Gerneinde ihn bitten, zu uns zu gehen und uns zu sagen, dass sie, sobald die in einem Theile des Landes herrschenden Unruhen etwas nachgelassen haben werden, zu uns kommen wollen, um uns zn sehen. Ihr könnt Euch kaum denken, wie uns diese Nachricht erfreut hat. Wir schreiben Euch diesen Brief, um Euch zu melden, dass sich hier eine Gesellschaft gebildet hat zn vem Zwecke, die Religion unserer Ahnen und Eurer Gemeinde neu zu beleben. Die Mitglieder dieser Gesellschaft warten ungeduldig auf die Ankunft einiger Mitglieder Eurer Gemeinde, um mit ihnen die geeignetsten Mittel zu besprechen, das erwähnte Ziel zu erreichen. Um die kostbare Zeit nicht zu verlieren, bitten wir Euch nochmals, sofort und ohne den mindesten Aufschub zwei bis drei Männer Eurer Gemeinde nach Shanghai zu senden, um sofort Schritte zu Eurer Befreiung von Eurer gegenwärtigen Unkenntnis unserer Religion unternehmen zu können."