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Jüdisches Volksblatt · 1901-01-25 · 4 (25.1.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 25. Jänner 1901 Seite 3 Dr. Porzer einer ist. Wann endlich wird die antise«itische Tagespresse so ehrlich sein, zuzngestehen, dass Tage-literatur nnd Jndenthum nichts miteinander gemein haben, als jene Journalisten, die als Juden zur Welt kamen, und deren Nasen, die sie leider so weit vorstrecken, dass die gesammte Judenheit darunter leiden muss. Das Judenthum an sich hasst Byzantinismus und Kriecherei den Mächtigen gegenüber, auch wenn sie tvdt sind. Was hat es mit jenen Federhelden zu thun, die im Dienste deutscher Journalistik grau und unverschämt geworden sind? Vielleicht kann die „Ostd. Rundschau" darauf eine Antwort geben? Die Finanzlage Rumäniens und die Jndensrage. Von einem angesehenen Bankhause in Norddeutschland erhält die „Franks. Ztg." folgende Zuschrift: „Die ausführlichen Berichte, welche die „Franks. Ztg." vor einigen Monaten über die Lage der rumänischen Juden brachte, haben nicht nur das mitleidige Interesse für diese Unglücklichen wachgerufen, sondern auch demjenigen, der an rumänischen Staatspapieren finanziell betheiligt ist, klar gemacht, wie schädlich die Austreibung dieser arbeitsamen Elemente für die finanzielle Lage Rumäniens ist. Haben sich die Uebernehmer rumänischer Anleihen bisher um diese Judenverfolgung nicht gekümmert, so dürfte es jetzt wohl in ihrem eigensten Interesse liegen, behufs Wiederhebung des rumänischen Credits diesen barbarischen Zuständen ein Ende zu machen. Wartet doch der gewissenhafte Banquier jetzt nur auf einigermassen bessere Conrse, um seine Kundschaft vom Risico rumänischer Papiere durch deren Verkauf zu befreien und denkt nicht daran, davon weiter unterzubringen, solange die Judenverfolgungen andauern. Die augenblickliche Anwesenheit des rumänischen Finanz- Ministers Carp in Berlin könnte nun der Berliner haut finance die nicht leicht wiederkehrende Gelegenheit geben, anlässlich der finanziellen Besprechungen mit demselben, ihm die Gewährung civilisierter Lebensbedingungen für die rumänischen Juden und deren Gleichstellung mit den Andersgläubigen zur conditio sine qua non zu machen. Hat auch auk Concurrenzrücksichteu die Berliner Finanzwelt bei ihren Geschäften weniger auf ethische Momente Rücksicht genommen, so fallen diesmal die Concurrenzrücksichten doch fort, denn die Sucht nach Uebernahme rumänischer Staatspapiere dürfte wohl eine sehr minimale sein. Hätte ich gewusst, an welche Berliner Finanzadresse ich mich mit dieser Anregung hätte wenden sollen, so würde ich Sie damit nicht behelligt haben. Aber, da ich annehme, dass meine Zeilen vielleicht Ihren Anschauungen entsprechen, so erlaube ich mir, Sie zu bitten, in geeigneter Form die Sache durch die „Franks. Ztg." in die Oeffentlichkeit zu bringen und somit durch dieses wichtige Organ einen Druck auf die betreffenden Herren auszuüben." Dazu bemerkt das genannte Blatt: Indem wir diesen! Wunsche durch den völligen Abdruck des Schreibens entsprechen, müssen wir freilich hinzufügen, dass, so überaus berechtigt der darin gegebene Hinweis ist, sein Erfolg doch nicht lediglich durch den guten Willen der Berliner Finanzkreise bedingt wird, nicht einnral durch den des Herrn Carp allein, sondern dadurch, dass endlich einer größeren Zahl von rumänischen Staatsbürgern und allmählich auch dem rumänischen Volke klar werde, in wie hohem Maße Volk und Land sich selbst schädigen, wenn und solange sie an der bisher so kurzsichtigen Behandlung der Jndensrage festhalten. Herr Carp hat bekanntlich gleich nach Uebernahme der Negierung einen Schritt gethan, der den rumänischen Juden durch Bejener Generationen eingestanden werden, dass in ihren Häusern Friede und Eintracht herrschte, dass die Frauen es verstanden haben, ihre Männer an das Heim zu feffeln, und damit den Grund zu einem Familienglücke legten, um das uns die anderen Nationen beneiden. Dank diesen Traditionen ist.daS jüdische Haus auch jetzt noch ein Gegenstand der Bewunderung. Leider hält man sich — wie erwähnt — noch hie und da an dem schlechteren Theile der Ueberlieferung, am Protzenthum. Unsere sich vornehm dünkenden jüdischen Frauen möchten gerne die Rococozeit riachholeir, an deren Freuden uian sie damals nicht theilnehmen ließ. Sie sind charakterschwach, wahre Schmetterlingsnaturen, deren staubförmigen Schmuck schon die leiseste Berührung vernichtet. ' Mit aufgeblähten Nüstern schnüffeln sie mit Vorliebe in den Gesellschaften umher, in denen man sie wegen ihres Geldes duldet, was sie wohl empfinden, aber sich nicht eingestehen wollen. Sie leiden an einem Größenwahne, der sie erniedrigt, ihr Borstellungsvcrmögen zeigt bedenkliche Lücken; denn sie jubeln, wenn ihnen die Sonne im Osten aufgeht nnd vergessen, dass sie sich in wenigen Stunden ich Westen wieder senkt. Diese entarteten Kreise schädigen die jüdische Ehre, für die sie irn übrigen keinerlei Interesse besitzen. Natürlich ist das Selbstgefühl den Männern jener Gesellschaft nicht weniger fremd als den Frauen, die ganze Clasie steht mit einigen Ausnahmen auf einer ziemlich hohen Stufe der moralischen Verkommenheit. Angesichts dieser betrübenden Erscheinung wird man mit Freude wahrnehmen, dass die Frauen der ethisch besseren jüdischen Kreise wieder wie einst mithelfen in der gemeinsamen Werkstätte des Judenthums. Ihre Mitarbeit ist darum unentbehrlich, weil sie als Mütter nnd Gattinnen den besten Einfluss im Sinne des gesunden JudenthnmS ausüben können. Man wird es daher mit Genugthuung begrüßen, dass immer neue Frauenvereine entstehen, die eS sich zur Aufgabe machen, die Ehre der jüdischen Nation zu vertheidigen. Mögen künftige Geschlechter der jüdischen Frauen unserer Zeit mit demselben Stolze gedenken, mit dem wir uns an die herrlichen Gestalten dkS Alterhums erinnern! seitigung einer besonders schreienden Unbill gerecht werden will; aber auch damit bleibt in vielen anderen Beziehungen der maßlose Druck fortbestehen, unter dem Rumänien seine jüdischen Staatsangehörigen hält. Anderseits vermag Herr Carp seine Jntensionen nicht leicht durchzusetzen, da er ja bekanntlich selbst seine Finanzprojecte theilweise fallen lassen musste, weil die liberale Opposition, geführt von seinem Schwager S t u r d z a, durch Scandalmeetings rc. ihn daran verhinderte. Eine Auslassung, wie die obige jedoch, die offenbar sowohl zutreffend ist für den deutschen Markt, als auch wohlgesinnt für Rumänien, sollte von den Interessenten, in Berlin wie Bukarest, ernstlich berücksichtigt werden; vielleicht gelingt es dann doch, in Rumänien durch eindringliche Aufklärung und entschlossenes Vorangehen endlich Zustände zu schaffen, die jenen fcandalösen Ungerechtigkeiten ein Ende machen, und so allmählich das Vertrauen des ausländischen Marktes zurückkehren zu lassen, dass in Rumänien Gewaltmaßnahmen und Unterdrückung endgiltig beseitigt werden, und dass deshalb auch das nichtrumänische Capital dort auf Recht und Billigkeit rechnen dürfe. Chronik des Judentums. Inland. Wien. (Zum Dr. Sch mied l-Jubiläum.) Aus Anlass der Vollendung des 80. Lebensjahres Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Adolf Schmied! findet Samstag den 26. Jänner um halb 10 Uhr vormittzrgs im Leopoldstädter Tempel ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. (Jüdischer Volksverein.) Gestern hielt Rabbiner Dr. Kaminka im großen Festsaale des kaufmännischen Vereines einen Vortrag über „Talmudische Legenden." Ju ebenso unterhaltender als belehrender Weise brachte der Vortragende eine große Anzahl derselben zur Kenntnis seiner Hörer und fand für seine anregenden Aeußerungen stürmischen Beifall. Wien. (Zum Vortrage über den hebräischen Sir ach) Zu unserem vorwöchentlichen Berichte über diesen Vortrag ist noch Folgendes nachzutragen. Der Vortragende Herr Dr. C h a j e s theilt in Kürze, nachdem er den Namen Sirach philosophisch zu fixieren suchte. Biographisches über den Verfasser des Spruchbuches mit. Sodann wendet er sich der Schrift selbst und ihren uns bislang vorgelegenen drei Uebersetzungen (Septuaginta, Peschita und Vulgata) zu. Er bespricht hierauf die Citate in der jüdischen Literatur (Talmud bis Saadia, resp. Gabirol) und eingehend die Stellung des Rabbinismus zum apokryphen Spruchbuche. Zum eigentlichen Thema übergehend, führt er die hebräischen Fragmente vor, die hauptsächlich der Kairener „Geniza" entstammen, deren erster Theil 1887 von Neubauer und Cowley (The origin of a Portion of Eccleaiasticus) und deren Fortsetzung 1899 von Schechter und Taylor (The Wisdora of Ben Lira) publieiert wurden. Es werden noch die nachträglichen-: Veröffentlichungen in „The Jewish Quart. Review", Oct. 1899 und „Revue des 6tu<ies juives“ Nr. 795, erwähnt und schließlich die Frage der Echtheit dieser Fragmente behandelt. Referent bespricht die Einwände egen die Echtheit dieser aus oem 10. bis 12. Jahrhundert ammenden Manuscripte an der Hand der Aufsätze Bickell's, Levi'S und des von ihm selbst in der Revue (Janvier-Mars 1900) veröffentlichten Artikels. Er kommt, unter Anführung neuer Beweise, zum Ergebnisse, dass wir dem neuaufgefundenen hebräischen Texte mit größter Skeptis gegenäberstehen müssen; das gan^e Fragment als echt anerkennen wollen, hiße eine Leiche galvanisieren. Er berücksichtigt die für die Ursprünglichkeit angeführten Stellen (gesammelt von Dr. Ed. König „Die Originalität des . . . hebr. Sirachtextes", Freiburg 1899), kann ihnen jedoch nicht genügende Beweiskraft zur Rettung des ganzen Textes abgewinneu. Wie«. (Feier.) Wie uns mitgethcilt wi;d, veranstaltet der Bethausverein „Moutefiore" am 2. Februar 10 Uhr vormittags in seinem Betlocale II., Taborstraße 38 eine solenne Feier zur Einweihung der Kaiser Franz Josefs Jubilännrs- Thora. Es war eine gute Idee dieses jungen strebsamen Vereines, das dem Juden angeborene und anerzogene Gefühl der Anhänglichkeit und Treue für den Thron, das in Oesterreich durch die gütige Person des Kaisers noch potenziert wird, in der Widmung des dem Inden Heiligsten, der Thora, zum Ausdrucke zu bringen. In dieser Zeit, wo sich der Judenhass so pöbelhaft breit macht, ist der überaus gnädige Empfang, den Se. Majestät der Deputation z u t h e i l werden l i e ß, ein Ereignis, das als Symptom gelten mag, dass die judenfeindliche Strömung in Oesterreich nie übermächtig werden kann. Dem Vereinsvorstande, an deffen Spitze der opferwillige Herr Jacob Weiß steht, gebürt da- Verdienst, die Veranlassung zu dieser tröstlichen Feststellung gegeben zu haben. Wie«. (Vortrag). Die Vietoriaschwester, die heute in Deutschland meist anerkannte und geschätzte weltliche Krankenpflegerin wurde Montag, den 21. d. M. von Frau Henriette Weiß, der Witwe des Dichters S. A. Weiß, die als Vorkämpfern: für Errichtung von Bolksheilstätten und für Heranziehung intelligenter und gebildeter Frauen zum Berufe der Krankenpflegerin bekannt, nach eigenen Beobachtungen geschildert. Frau Dr. A. Weiß hat im letzten Sommer eine Studienreise durch Deutschland unternommen zu dem Zwecke, die bestehenden Lungenheilstätten, sowie die Organisation der weiblichen Krankenpflege zu studieren. Unr recht gründlich zu Werke zu gehen, leistete sie cm Berliner städtischen Krankenhause Friedrichshain, die Pfianzschule der „Vietoriaschwestern", praktischen Krankenpflegerinnendienst, indem sie eine erkrankte Schwester in ihrem Berufe vertrat. So lernte sie das Leben nnd Walten, das Wirken nnd Schaffen der „Victoriaschwester" kennen und mit der Lebendigkeit, wie sie nur die eigene Anschauung ermöglicht, entwirft sie ein Bild von dem Leben im Krankenhause und im Schwesterheim; sie führt uns die Victoriaschwester in ihrem Berufe vor Augen als verständnisvolle Gehilfin des Arztes, die nicht nur seine Anordnungen pünktlich und gewissenhaft ausführt, sondern auch ihn in der Beobachlung der Kranken ergänzt, alle Vorfälle im Krankheitsverlaufe sorgsam registrirt, alle Vorbereitungen zu den vorzunehmenden Operationen selbständig trifft und einen großen Theil des administrativen nnd ökonomischen Dienstes, wie Wäschegebarung, die Verwahrung des Instrumentariums und dergleichen besorgt. Wir lernen aber auch die Vietoriaschwester als milde Helferm der Kranken kennen, die denselben Muth und Kraft -»spricht, ihnen ihre Leiden erträglicher macht und durch sorgsame und hingebungsvolle Pflege manche^ dem Tode nahe Menschenleben rettet; wir sehen sie endlich durch ihr Beispiel das niedere Pflegepersonal zu Ordnung, Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Menschenliebe erziehen, den ganzen, die Athmosphäre des Krankenpavillons erfüllenden Geist beherrschen, ( damit auch auf die Kranken eine erziehliche Thätigkeit üben. Zu all diesen Leistungen wird die Victoriaschwefter durch ihre Intelligenz befähigt, die ihr Pflichtgefühl schärft und so das Bewußtsein von der wahren Bedeutung und Würde ihres Berufes giebt. Kein Wunder, daß die ärztlichen Kreise und die Bevölkerung Deutschlands, soweit dieselben das Wirken der Vietoriaschwester kennen zu lernen Gelegenheit hatten, ihres Lobes voll find und daß das Vertrauen in ihre Thätigkeit und die Nachfrage nach derselben stetig wächst. Zu gleicher Zeit mit dem Nudolfinerhaus in Wien gegründet, hat das Victoriahaus in Berlin einen Stand von 260 Schwestern, während das erstere über einen solchen von 24 verfügt. Die Victoriaschwestern find heute in 22 Anstalten thätig, außerdem an Privatkliniken und in der Privatkrankenpflege. Die Erfolge, auf die der Verein Hinweisen kann, sind hauptsächlich der energischen zielbewußten Thätigkeit der ersten Oberin, Louise Fuhrmann, zu danken, die mit sicherem Blick geeignete Kräfte heranzog, ungeeignete abwies und die Grundlage schuf zur Heranbildung der Schwestern zu Organisation des Dienstes und deren edler und starker Geist in der ganzen Institution dauernd herrschend blieb. Die Vortragende zeigt uns, wie dieser Geist die Schwestern beseelt, wie er deren Beruf adelt, wie er die Krankenpflege auf ein höheres Niveau gehoben und zu einer vornehmen Kunst gestaltet hat, wie er die Berufsfreude erweckt nnd den Schwestern nicht nur ein gesichertes, sondern auch ein zufriedenes, harmonisches Dasein verschafft hat, das sie vor Verkümmerung doS Geistes und des Gemüthes schützt und bei aller Hingabe an den Betüf doch davor bewahrt, dem Leben fremd zu werden ftmd für die eigene Familie verloren zu gehen. In warmen, begeisterten Worten tritt Frau Dr. A. Weiß dafür ein, daß auch bei uns in Oesterreich weltliche Krankenpflegerinen aus gebildeten Kreisen hetangebildet werden, die durch Zusammenschluß in Vereine den nöthigen Halt gewinnen und ihren Mitgliedern Alters- und Jnvalidrtätsversorgung zu bieten im Stande sind, damit wäre nicht nur ein Stück der Frauenfrage gelöst, indem er zahlreichen gebildeten trauen und Mädchen einen ehrenhaften Beruf eröffnet, der ihr eben zu erfüllen und zu versorgen im Stande ist, sondern auch eine allgemeine sociale Ausgabe erfüllt, indem die Volksgesundheit gefördert und zur Verbreitung wichtiger hygienischer Anschauungen gesorgt würde. Reichlicher Beifall lohnte der Vortragenden. Es waren erschienen Statthalter Excellenz Graf K i e l m a n s e g g, die Statthaltereirüthe Netolitzky und Roretz, der ehemalige serbische Ministerpräsident Excellenz Vladan Georgowitsch, Hofrath Prof. S ch a u t a, Dr. Josef Breuer, kaiserl. Rath Lieben, Hosrath K a r e i s, Salo K o h n, Primararzt P f leger, Arthur Edler von Mises und viele Aerzte. Wien. (Ein großes Werk über dasJudenthum.) Jüngst ist mir aus New Jork die Ankündigung eines neuen encyclopädischen Werkes überdas Judenthum zugekommen, welches, wenn es allen Anforderungen, die man an dasselbe stellen darf, gerecht werden wird, wirklich als ein epochales bezeichnet zu werden verdient. Nach dieser Richtung ist es vorerst nöthig, die der Ankündigung beigegebene Liste der Mitarbeiter zu prüfen, um beurtheilen zu können, ob dieselben durch ihre wissenschaftliche Bedeutung, durch ihre fachmännischen Kenntnisse und ihre Objectivität die Gewähr dafür zu bieten, daß die Encyelopädie in allen Fächern, deren Berücksichtigung sie sich zur Aufgabe gestellt hat, auf der Höhe der Zeit stehen wird. Sofern es sich um Oesterreich handelt, das für uns in erster Reihe in Betracht kommt, können wir die Wahl der Mitarbeiter nicht als eine glückliche betrachten, halten dieselbe vielmehr für eine ganz einseitige und unvollständige. Wir finden unter dreizehn Mitarbeitern zehn Berufstheologen, einentalmudischenFachmann in Lemberg, einen Feuilleton-Redaeteur und einen italienischen Professor in Triest. Wenn es nun in der Ankündigung heißt, daß die Encyelopädie u. A. auch die Anthropologie, die socialen Verhältnisse, die Statistik, die Eriminalität, den Handelsverkehr und die finanzielle Bedeutung der Juden in den einzelnen Staaten besprechen wird, so ist schwer zu beurtheilen, wer von den Herren Theologen und den beiden anderen Mitarbeitern in der Lage wäre, diese Themata fachmännisch zu behandeln. Es muß auffallen, daß in der Mitarbeiter-Liste für Oesterreich, das doch nächst Rußland die größte Zahl von Juden beherbergt, das ferner, wie kein anderes Land eine Verschiedenheit der Gebräuche, Sitten und Anschauungen der Juden untereinander ausweist, Schriftsteller, die das jüdische Leben wirklich kennen, indem sie es beobachten und mitten darin arbeiien, vollständig fehlen. Ich wäre auch neugierig, wer von den genannten Mitarbeitern in der Lage ist, z. B, die Bedeutung eines Grün Hut für die Rechtswissenschaft, eines Fisch Hof für die drnivkratische Bewegung in Oesterreich, eines Neuwirth für das österreichische Parlament, eines Neu man für die Dermatologie, eines Zuckerkand! für die Anatomie, einen Sulzer für denSynagogengesang, oder wer den politischen Emaneipations- Kanipf der Juden m Oesterreich sachkundig schildern könnte. In der Mitarbeiter-Liste, in der sich auch erst jungst aus dem Seminar entlassene Herren befinden, vermissen wir z. B. Männer wie Prof. David H. Mülle r, Dr. Moriz F r i e d l ä n d e r, Rabbiner Abrah. S ch m i d l, Ober-Cantor Singer, Dr. Marcus Land au, deren Namen vielzusehr bekannt sind, als daß, sch ihre Bedeutung erst näher darzusteüen brauchte. Die Herausgeber der Encyelopädie werden vielleicht erwidern, das sie dass Verzeichnis der Mitarbeiter als ein „theilweises" bezeichnet haben. Nun ist es-zwar bedauerlich, daß in diesem Verzeichnisse, in dem doch jedenfalls die besten Kräfte hätten Platz finden sollen, sich neben bedeutenden Theologen, deren Competenz für gewisse Gebiete zweifellos ist, auch herzlich unbedeutende Männer befinden. Jedenfalls aber geben wir der Redaction Gelegenheit, ihre Theil-Liste -nach der von uns angegebenen Richtung zu vervollstündigeß. Hs ftväre aufrichtig zu bedauern, wenn ein so großes Unternehmen - von Rücksichten der Kameradschaft geleitet werden wüxde. : 2 -' Dr. L. Klatta«, 21. Jänner. sO.-E.j (Aus der Gemeinde.) Di« hiesig« isr. Eultusgemeinde, an deren Spitze Herr Josef Treichlinger steht, und die in stetem Wachsthume begriffen ist, darf in jeder Beziehung als Mustergemeinde gelten. Der Tempel ist bei jeder Gelegenheit von Andächtigen gefüllt; denn der Gottesdienst wird in äußerst würdiger Weise qbgehalten. Das Hauptverdieust gebürt dem ausgezeichneten Säüger Herrn ObercantorLev Körnitz er, wie nicht mn. er drrn s-e.^^ ^cknKanzelredner Herrn Dr. L. M. Wolf. Ehorgesang un>, Orgelspiet tragen nicht wenig zur Hebung der Andacht bei. Die Gemeinde erhält ferner eine zweiclassige isr. Privat-Volksschule, mit dem Rechte der Oeffentlichkeit, an der fünf Lehrkräfte wirken.' Die genannte Anstalt zählt gegenwärtig siebzig Zöglinge und ward bereits Heuer zweimal von dem k. k. Bezirksschulinfpector Herrn Pros. I. Tteinitz inspiciert, der sich über die Leistungen der Lehrer wie Schüler lobend ausgesprochen; auch der hohe Landesausschuss des Königreiches Böhmen hat die Schule mit einer Subvention bedacht. In segensreicher Weise wirkt die hiesige Ehewra-Kadischa. Dieselbe zählt 64 Mitglieder und verfügt über ein Vermögen von Kronen 18.260-55. Bei der am 20. d. M. abgehaltenen Generalversammlung wurden in den Ausschuss die Herren I. F e i g l, S. Hahu, S. I. K r a u s k o p f, I. Lederer, L. S ch l e i ß n e r, I. U. Dr. I. Steiner und Jonas Steiner gewählt. Bei der am selben Tage im k. k. Gasthause ,)zur Rose" veranstalteten Tafel wurden 200 Kronen für wohlthätige Zwecke gesammelt. Wir Huben durch 17 Jahre «inen,isr. Geselligteitsuerein, dem Herr Rudolf Fleischer als Obmann, Herr M. U. Dr.

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