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Jüdisches Volksblatt · 1901-01-25 · 4 (25.1.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 25. Jänner 1901 Nr. 4 Nathan Reiser als Verqnüaungspräses, Herr Leo Körnitz er Aufstellung genommen hatte, .begrüßte der zweite Vorsitzende als Präses und Herr Jacob Lederer als Bibliothekar vorstehen, [ Herr M. Frie d l ei n b_e r die ©rtjtc^ mit kernigen Worten, tit Die Unterhaltungen, die dieser Verein des öfteren veranstaltet, sind so zahlreich besucht, dass sich immer der Mangel an Raum fühlbar macht. Am 3. Februar wird der Verein einen Maskenball veranstalten. Eine Zweigabtheilung des Geselligkeitsvereines bildet die Chanukagruppe, welcher der durch seinen Wohlthätigkeitssinn und seine echte Humanität bekannte Wäschefabrikant Herr Adolf W i e u e r präsidiert. Diese Gruppe hat schon hunderte armen isr. Kindern mit Kleider, Wäsche und Schulmitteln versehen. Von dem ersprießlichen Wirken des hiesigen isr. Frauenververeines werden wir demnächst referieren. Solche schöne Erfolge lassen sich in einer Gemeinde nur dann verwirklichen, wenn dieselbe von von einem zielbewussten Vorstande geleitet wird, und dies ist eben bei uns der Fall. Lemberg. (Mädchenraub.) Ein origineller Vorfall brachte die jüdischen Einwohner von Zniesienie, einem belebten Vororte von Lemberg, in Aufregung. Am 24. d. M. schickte ein gewisser Samuel R e i s l e r, von Profession Bürstenmacher, wohnhaft in Zniesienie, seine 10jährige Tochter „Golde" um Schnaps, sie kam aber nicht bald zurück, und erst am Abend benachrichtigte die Gendarmerie den Vater, dass seine Tochter in Lesienice im Dorfwirtshause sich befinde, er könne sie von dort abholen. Als das Mädchen nämlich vom Hause hiuaüsgieng, begegnete sie eine Frau, welche mit ihr ein Gespräch anknüpfte und sie auch durch Versprechungen vom Hauptwege ablenkte. Als dann das Mädchen sah, dass sie sich in weiter Entfernung vom Hause befinde, wollte sie schon znrückkehren, die Frau ließ sie aber nicht, sie zog sie gewaltsam bei der Hand. Erst im Dorfe Lesienice riss sich das Mädchen von ihr los und fieng an zu schreien. Die Frau wurde infolgedessen angehalten und mit dem Mädchen in die Dorfschenke geführt. Dort bekannte die Frau offen, dass sie das Kind dem Benediktiner-Kloster habe übergeben wollen.. In Anbetracht dessen, dass sich in Lesienice wirklich ein Kloster der Benediktiner befindet, erregt dieser Vorfall allgemeine Sensation. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass diese Frau, mit Namen Anna L o z i n s k a, auf eigene Faust handelte. M. J. Stauisla«. (T emp e l w ei h e.) Freitag, den 11. d. M. fand hier die Einwühung der von den Ehelruten K a s s i e l und Schemde! K i e s l e r zum Andenken ihrer ihnen in der Blüte des Lebens entrissenen Söhne, Drd. med. Jakob und absolvierten Pharaonen er kurz auf die Tendenz nnd die erfreuliche Entwicklung des jetzt über 200 Mitglieder starken Vereines eingieng und nuttheilte, dass die Gründung einer zweiten Männerabtheilung m die Wege geleitet sei. Die Männerabtheilung turnte zuerst m vier Riegen am Doppelbock, Barren, Ringen und Freispringen, wobei besonders die Leistungen der ersten Riege am Doppoelbock den enthusiastischen Beifall aller Zuschauer entfesselten. ©ettn darauffolgenden Kürturnen, das ein reich bewegtes und interessantes Bild darbot, fiel vor allem die Musterriege am Reck auf. Den Abschluss bildete ein Tauziehen. Abends vereinigten sich die unermüdlichen Turnerinnen und Turner zu einem Tanzkränzchen, das die Theilnehmer in bester Stimmung bis in die frühen Morgenstunden hinein zusammenhielt. Der allgemein befriedigende Verlauf des Tages hat dem Vereine alte Sympathien erneuert und neue hinzugewonnen. Eine große Anzahl neuer Mitglieder wird der Haupterfolg sein. Paris. (Dreyfus als Verfasser einer Bros ch ü r e). Wie aus Paris berichtet wird, befindet sich der ehemalige Gefangene von der Teufelsinsel seit ungefähr vier Wochen im Hause seines Schwagers. Er hat dort kürzlich eine Broschüre beendet, die in ergreifender Weise die Leiden schildert, die der unglückliche Mann während seines Aufenthalts in Guayana ermaceuten Josef errichteten Gotteshauses statt. Der im vornehmen i M/. --. esw o r p m h «>« h i r rt c*n ßWntih Fnmmt bie mauritanischen Stile errichtete, imposante Prachtbau enthält 100 > ^ndon. (D i e F r e m d e n b i l I.) ^n England kommt die Sitze für Männer, 85 für Frauen, einen Berathungssaal für! 6 e d e r „F r e m d e n b r l? rnuner wieder aufs Tapet. So zu einander zu Krieg; in Kunst und Literatur, zur Zerstörung aller Formen und Regeln. Der Fortschritt ist ein Product des gesellschaftlichen Zusammenwirkens; der Individualismus, wie ihn N i tz s ch e fordert, und der jetzt allgemein zur Mode geworden ist, ist geeignet, die Menschheit wieder zur Barbarei zurückzuführen". Der Schriftsteller I. Zangwil antwortete: „Zu befürchten steht die Rückkehr zu der aristokratischen Weltanschauung des Mittelalters, welche noch gegenwärtig im Herzen unserer Aristokraten lebt". „Daily Expreß" in London formuliert die Frage: „Womit empfangen wir das neue Jahrhundert?" Und Dr. N o r d au antwortete: »Das verflossene Jahrhundert war ein feierlicher Protest gegen diejenigen, welche der Ansicht sind, das mit dem Fortschritt auf technischem und wissenschaftlichem Gebiete, auch der auf ethischem gleichen Schritt halten werde. Das neunzehnte Jahrhundert hat gegenüber dem achzehnten, in erster Hinsicht große Fortschritte, in letzterer aber ebensolche Rückschritte gemacht. Das zwanzigste Jahrhundert müßte zur Erziehung der dulden musste. Diese Flugschrift soll jetzt in Tausendett von Menschen zurückkehren, wenn dieselben nicht auf das Niveau Exemplaren durch ganz Frankreich gratis zur Vertheilung ge- . 0 “ . ... i. - ' langen, wodurch das bereits etwas eingeschlafene Interesse an dem Fall Dreyfus unzweifelhaft von neuem wachgerufen werden wird. Bewunderer des vielgenannten Rechtsanwalts Maitre Labori, der in den Verhandlungen von Rennes seinen Clienten so energisch vertheidigte, dürften mit Bedauern hören, dass es zwischen dem tapferen Advokaten und Oberst Picquart auf einer Seite und Dreyfus sowie seiner Familie andererseits vor kurzem zu einem ernsten Missverständnis gekommen ist. Die Angelegenheit wird nicht so leicht wieder in Ordnung zu bringen sem. Ueber die Ursache zu dem Conflict weiß man mchts Genaues. Der bekanntlich zur Zeit in der Seinestadt weilende Björnstjerne Björnson hat dieser Tage die persönliche Bekanntschaft des „Begnadigten" gemacht. Norwegens berühmter Dichter erklärt, dass er selten mit einem interessanteeren Mann gesprochen habe. Die hohe Intelligenz des Märtyrers von der Teufelsinsel, von dessen völliger Unschuld er jetzt mehr denn je überzeugt ist, hat ihn geradezu in Erstaunen gesetzt. Keine Grenzen aber kennt seine Bewunderung für die Ergebenheit, die Mnre. Dreyfus ihrem vom Schicksal so hart mitgenommenen Gatten bezeigt. Als er das Haus verließ, äußerte Björnson zu dem ihn begleitenden Freunde: „Niemals ist ein Mann so von seinem Weibe geliebt worden, wie dieser Dreyfus!" wohlthätige Gesellschaften und die Wohnung des Verwalters. Es kommt wohl nicht häufig vor, dass ein Privatmann eine ähnliche Stiftung ins Leben.ruft. — Herr Banquier K i e s l e r, der seit dem Ableben des Hochs. H. H a l p e r n die Würde des ersten Cultusvorstehers bekleidet, trat schon vor 45 Jahren für die Einführung zeitmäßer Institutionen in der Gemeinde ein, und wirkt jetzt im Vereine mit seinenAmtscollegen, dem Herrn A. H.Weishau s und L. H o r o w i tz für die Linderung der Parteigegensätze und die Erhaltung des Friedens in der Gemeinde. Stanislau. (W oh lt h ätig keit sa c t.) Gestern wurden hier vom Cultusvorstande im Vereine mit einem ad hoc gewählten Unterstützungs-Comite einige tausend Centner Holz zu 40 Heller an arme Juden vertheilt. Das rührige Cornite gab Anweisungen auf dieses Holz zu obigem ermäßigtem Preise auf je 3—5 Centner per Woche. Die Armen werden mittelst dieser Anweisungen durch 12 Wochen hindurch von dieser Wohlthat Gebrauch machen können. Der Andrang der Bedürftigen war ein enormer. Scenen bei der herrschenden Kälte wöchentlich wiederholen. Dr. R. hat der Abgeordnete von Sheffield Central, Mr. Howard Vincent, im Unterhause die Negierung abermals aufgefordert, ein Fremdengesetz einzubringen. Vom 1. Jänner 1897 bis zum 30. November 1900 hätten sich 190.000 Fremde in England niedergelassen, behauptete er, von denen die größere Hälfte russische Juden seien. Falls die Negierung bis zur nächsten Session kein die Einwanderung von fremden „paupers“ erschwerendes Gesetz einbringe, werde er, Howard Vincent, die Einbringung! eines solchen Gesetzes bei der Adress-Debatte anregen. (Gelächter! bei der Opposition.) Der Staatssecretär Mr. B a lf o u r erwiderte,! dass erstens in den letzten drei Jahren keine 190.000 Fremden in England sich niedergelassen haben/ vielmehr sei ein großer Theil von ihnen nach kurzem vorübergehenden Aufenthalte in England weitergemandert, zweitens, dass die in England zurückgebliebenen Fremden keineswegs zu den „paupers" gerechnet werden dürfen. Wahrscheinlich werde» sich diese Mr^ Balfaur hat vergesse,. hmznzufügen, dass drittens seit vm.wrwJ, i brei Saf)rcn bie 3^1 der armen Juden m England, speciell aber I in East'London eher in Abnahme als in Zunahme begriffen ist. . . .. ,n, , . . r. r, .. j Dieses beweisen die von allen Seiten einlausenden Polizeiberichte Budapest. (Vortrag.) Am 22. d. hielt die „isr. lite-I,,.t m .. 1 r 0 ' rarische Gesellschaft" unter Vorsitz des H. Ad. Agai eine Vortrags-!unb statistischen Erhebungen zur Genüge. sitzung, welcher ein zahlreiches gewühltes Publicum beiwohnte. Odessa. (Zum Capitel „Jüdische Feigheit".) Herr Oberrabbiuer Dr. Alexander Rosen b erg hielt über Tie Schützen und Artilleristen die vom seriien Osten „Nathan der Weise» eine sehr interessante Vorlesung, in! £\ ®8 ” r 7 11 „ „ J ~,ten welche die Beziehungen dichterische Werke zum Judenthunre in j h^rher zuruckgekehrt sind, erzählen, dass in oft sibirischen Schützenanziehender Weise erörtert wurden. Dr. Eornel H e v e s brachte ein! reginrentern einzelne Soldaten bei besonderen Gelegenheiten von ihm verfasstes Gedicht „D a s G l ü ck" zum Vortrag. Nachher Wunder der Tapferkeit bewiesen haben. Unter anderen nahmen Wench if Schätzen zusammen mit dem 9. ostsibirisch-» Regiment- Frauen imheiligenLand e". Um diesen dem großen Audi-! Mulden ein. Die Soldaten dieses Regimentes waren bie ersten, torium verständlich zu machen verdolmetschte, Herr Redacteur 1 die in diese Festung eindrangen. Einer von den hier Angelangten Max Szobolcsi in ungarischer Sprache. Das Auditorium! erzählte Folgendes : Ihr Regiments-Commandeur rief ihnen zu: W wenn Einer non Ench die Festnng besteigen nnd die Bttdaiiest (^ur Ue bertrittsbeweauna) ^„.!"Nsische Fahne aufhissen wird, dann wird die Festung unser abgelauftnen Joh» war - wie grt/ meldet - « N c!"i9lSe“te ««' »I« oJf* . ’ . . ' c. . rat t. L f fr i Walle, aber die chinefi chen Kugeln streckten die Tapferen nieder. Zahl derjenigen, die den indischen Glauben verlaßen haben. ™,tY, „• ‘ V V,.fß.r , Nur ein Schuhe, e r n I u d e aus dem Warschauer Gouvernement, eine grotz^. Beim Rabbiner Dr. Samuel Ko h n haben namliar!ur,iU ß r J; .f . * . i/.a rc k jc ■(■ or ....... 7; luceu oben. Eine chine ische riuael verwundete ihn an der Hand. 144 Erwachsene ihren Austrut ans dem Verbände der Tubncbeit. m rr .. /. v .. ,L z ' ‘ rc..C/.CC* c ck-c . . -r 'J .! Rasch zerrt j er Mit der anderen Hand das Hemd, steckte dasselbe Confes ston angezelgt, welche Ziffer die Hohe von zweihundert j \ ' ,, . , . y x- _ ' ' erreicht, «e„n auch die minder-ihrige» Kir.dee hinzugerechnet ""l da. Baionne t und begonn da.»,t,n wehen Der Commandeur werden. Unter den u-bertretend-n befinden sich zumeist “ „I", w "in zum Orden vor. Minis,-riolb-nmte. L°hr°n,tscandid°,°u und Stndierende. »4;2’ J' “f" ^« «Wte« neun iud,schunter den poluischen Juden sind viele, die znu- Christenthnm!^^^ ' "" °-r!ch-°d°u° Heldenthnien den M.l.tarorden des übergetreten find. w°s vorwiegend der Thütigkeit der englisch.,'^ G-orgen.s-reuze-,. Durch d.e - Thnlsnche» wnrde w.edernm Mission zuzuschreiben ist. Nur eine» geringen Bruch,heil der s d'° -rbnrml-ch- Lug«. dn s d,e r.ch.schen Sud.» auf de« Schlucht, obigen Ziffer» bilden jene, die keiner Consesston sich ansch-offen.! ttnb "" "">'f,nb' «m**b rolbcc[8flt' sondern als confessionslos sich erklärten. Letztere rccrutierten \ sich zumeist aus der Classe der kleinen Kansleute und Gelverbci treibenden. der Wilden zurückfallen sollen. Neue Erfindungen thun uns beiweitem nicht so noth, wie gute Sitten und eine reine Moral." Zangwil antwortete: „Ueber den Jahrhundertwechsel, siehe Koheleth Cap. I." (Bekanntlich befindet sich dort der Satz : „Ein Geschlecht geht, ein anderes kommt,. .. Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel/) Auf die Frage des Journal „Morning Leader" in London, äußerte Zangwil sich folgendermaßen: „Ich wurde von Ihnen aufgefordert, einige Worte an die jüdische Jugend zu richten. Die Aufforderung war klug: Die alten Juden benöthigen meinen Rath nicht. Ich weiß nicht, wieviele von der jüdischen Jugend in England am ersten Tage des neuen Jahrhunderts, der an denselben Tag fiel, an welchem einst die Römer Jerusalem belagerten (Aßara betebeth) gefastet haben. Vielleicht einer von hundert. Wenn ich wüsste, daß diese Erscheinung eine Folge des Umstandes sei, dass die Juden zum Geist und nicht zur Ceremonie der Religion neigen, hätte ich dies keineswegs bedauert, allein ich glaube allzusehr, dass dies eine Folge der Gleichgiltigkeit der neunzehnhundertjährigen Heldentrauer gegenüber sei. Ich will damit nicht gesagt haben, dass es etwa eine löbliche Sitte sei, zu jammern über längst verflossenes Unglück, aber die früheren Geschlechter wussten für diese pietätvollen Erinnerungen auch Opfer zu bringen. Der Jude des zwanzigsten Jahrhunderts lebt nicht mehr in der Weise, wie der der früheren Jahrhunderte, aber um weiter sich erhalten zu können muß er seine Traditionen Hochhalten und bereit sein, für die heiligen Hoffnungen seines Volkes auch Opfer zu bringen." (Eine interessante Rundfrage.) die vou den Jahrhundert Ausland. Berlin. (Jüdisches S ch ct u t u v u e n.) Am Sonntag, j den 13. Jänner d. I. veranstaltete der Jüdische T u r n-: verein „Bar K o ch b a" in Berlin sein z w e i t e s S ch n u-! „ , « ,, m f turnen, welches von dem ständigen Gedeihen und der wachsen-;' „ . Unter Den zahlreichen Prophezeiungen, den Beliebtheit dieses seit zwei Jahren bestehenden Vereines j Zeltungen Mit Bezug aus das begonnene wiederum Zeugnis nblegte. Schon lange vor Beginn der fest-: gemacht wurden, dürsten manche Antworten, bie auf dies- 8$Äs Rbkienm °ing°fnnd°n)",°°lchks VMÄI ".«MUche ^'^fragen ammknnis-h-r und Londoner Blätter merksamkeit und unter yäusigem 2lusbruche lauter Beifalls-! eingelaufen sind, von besonderem Interesse sein, bezeugungen den zwei Stundenwähren den Vorführungen beiwohnte. „New Jork Herald", sormulirte die Frage: „Was Das Schauturnen wurde eröffnet durch die erst vor kurzem ge-j haben wir vOIN zwanzigsten Jahrhundert zu befürchten gründete und schon über zwanzig Mitglieder zählende Lehrlings-! antwortete der Chif-Rabbi von London Dr. Adler: Hantelübungen ausführte, an die sich ein flottes Barlaufspiel >^der Kluft ^ilnd des Hasses zwlschen schloss. Es folgte die sehr zahlreich erschienene Dcnnenabtheilung, ' ' welche unter Gesang einen sehr schwierigen Aiifmarsch mit vorzüglicher Sicherheit vollzog und dann eine tltcihe vov Stabubungen machte. Nach einem graziösen Neigen marschierten die Damen unter dem ivohlverdienten Beifalle des Publieurns ab um der Männerabtheilung das Feld zu räumen. Sobald diese den Nationen". Dr. Max Äl o rd a u antwortete: „Meiner Ansicht nach, ist es^ der Egoismus, deu die modernen Philosophen „Jlldividualism'us" nennen. In gesellschaftlichem Leben führt er zur Anarchie; in der Politik zur Zerstörung aller Parteien; im Verhältnisse der Staaten Ein MtuMord-Proeess. Wilna, 9. Jänner 1901. Der Process gegen den Pernckenmacher Blondes, welcher von antisemitischer Seite, namentlich aber von der „Nowoje Wremja", dem bekannten Organ des geriebenen Geschäftsantisemitkn Suworin zu einem „Ritnalmord-Process" gestempelt wurde, begann am 29. December vor den Wilnaer Geschwornen und dauerte volle 7 Tage. Die Verhandlungen wurden von Herrn Bulaisel geleitet, als öffentlicher Ankläger fungierte Staatsanwaltsgehilfe S n b v w s k i, dem Rechtsanwalt W r u b l o w s k i als Privatkläger zur Seite stand. Die Herren Antisemiten, welche diesen Prvcess zu einer cause colohrc machen zu können hofften, stifteten das Dienstmädchen Grudzinska, gegen die das Attentat des Blondes sich gerichtet hat, an, von dem Angerlagten Schadenersatz zu fordern und stellten ihr einen kundigen Advocaten zur Seite, damit dieser dann Gelegenheit finde, eine fulminante Rede zum Fenster hinaus zu halten. Aber der Vorsitzende hat alle diese schönen Pläne durchkreuzt, indem er während der ganzen Dauer der Verhandlung die Oeffentlichkeit ausschloss. Die Voruntersuchung ergab nämlich nicht den geringsten Anhalt dafür, dass der lose Bursche Blondes, welcher sich um sein Judeuthnm nie einen Pfifferling gekümmert und ans Leichtsinn und Genusssucht sämmtliche Gebote der Thora und des Talmuds leichten Herzens überschritten hat, sich in große Gefahr begeben könnte, mit zum Passafeste, an dem er flott Chometz aß, sich Christeublut zu verschaffen. (!!) Dagegen ergab die Untersuchung, dass die Grudzinska Blondes Geliebte war, mit welcher er sich aber entzweit hat nnd der er nun einen bösen Streich spielen wollte. Es handelte sich also um eine ziemlich schmutzige Geschichte, bei deren Erledigung zum großen Aerger unserer Antisemiten die Oeffentlichkeit ausgeschlossen tverden musste. Zn der Verhandlung selbst wurden nicht weniger als sechzig Zeugen nebst drei ärztlichen Sachverstündigen zugezogen. Am zweiten Berhaudlungstage stellte sich die Nothwendigkeit ein r Localmspection heraus w.d der ganze Gerichtshof zog unter kolossalem Zulauf der Wilnaer Bevölkerung durch die von Polizisten und Gendarmen abgejperrten Straßen nach der in der Tatarskajerstraße belegenen früheren Wohnung des Angeklagten. Die Besichtigung des Thatvrres währte volle zwei Stunden, worauf der Gerichtshof durch die immer noch abgesperrten Straßen zum Sitzuugslocal zurückkehrte. Diese Localinspeetion war das Einzige, was man in Wilna von dem allseitig mit großer Spannung entgegengeseheuen „Prucess Blondes" zu sehen bekam. Alles Uebrige spielte sich hinter hermetisch verschlossenen Thüren ab. Am 4. Jänner jedoch gieng die Thür des Berhandluugssaales auf, die Oeffentlichkeit wurde wieder hergestellt und der Vorsitzende verkündete das Urtheil. Danach wurde Blondes für schuldig befunden, das Dienstmädchen Gruzinska mit Absicht verwundet zu haben, ohne sie jedoch tödten zu wollen. Für diesen bösen Spass erhielt Blondes ein Jahr und vier Monate Gefängnis.

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