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Jüdisches Volksblatt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. Jänner 1901 Seiie 5 Nr. 2 ZUM üt RklWMNllkMlhte auf dkm Faude. Wir erhalten zu unserem vorwöchentlichen Artikel folgendes Schreiben: Unter isch jehudi denke ich mir gewöhnlich einen Mann, der so festen Charakters ist wie Mordechai, der daher alles ganz gründlich bespricht, wie es eben für einen Mordechai sich geziemt, was ich von dein in der letzten Nummer enthaltenen Artikel nicht behaupten kann. Der Herr Autor wirft einige längst bekannte Phrasen hin, ohne gründlich in die Behauptungen einzudringen, ohne auch nur ein einziges Mittel zur Abhilfe anzugeben. Um an nichts zu vergessen, will ich vor allem dem Herrn Isch jehudi die Frage stellen^ wie so das jüdische Bewusstsein geweckt ist, wie so das Zusammengehörigkeitsgefühl gekräftigt ist? Meint er vielleicht, dass das Schimpfen der Antisemiten unsere Juden gebessert hat? Entweder ist der Schreiber ein Optimist, oder er spricht über Sachen, wie der Blinde von den Farben. Nichtig ist nur das eine, was der Religionsunterricht anstreben soll, und wie die Eltern gegen diesen Unterricht sich benehmen. Der Autor klagt, dass manche Kinder in den Landschulen wöchentlich höchstens 1—2 Stunden Religionsunterricht erhalten. Auch das ist wahr, es gibt in Böhmen sogar Schulen, an denen nur I Stunde in 14 Tagen oder 3 Wochen bewilligt ist. Um über diese Verhältnisse ausführlicher sprechen zu können, müsste ich mehr Raum zur Verfügung haben; da sind leider so viele Factoreu mitentscheidend, dass man nicht den Stab so leicht über die Gemeinde oder den Lehrer brechen kann. Es gibt Schulen, an denen oft nur 2 oder 3 jüdische Schüler sind, die aber von der Hauptgemeinde so weit entfernt liegen, dass man von den Kindern nicht verlangen kann, sie sollen den weiten Weg zur Schule, wo der Unterricht ertheilt wird, der oft 2—3 Stunden und noch mehr beträgt, zurücklegen, von der Gemeinde kann man ebensowenig verlangen, sie soll die Kosten für einen solchen Unterricht tragen, sie ist froh, wenn sie das Budget für das Ordinarium erschwingt. Dass bei so mangelhaftem Unterrichte und bei schlechter, unreligiöser Erziehung feine festen Juden heranwachsen, ist klar. Hier könnte nur dann Abhilfe geschaffen werden, wenn der allgemeine Gemeindebund oder die Alliance die Gemeinden, die selbst nicht die Mittel haben, um den auswärtigen Religionsunterricht ertheilen zu lassen, subventionieren würden. Was den Passus über die Mittelschule anbelangt, erkläre ich denselben als ganz falsch; denn die Anzahl von 20 Schülern ist nur entscheidend für eine Remuneration an den Religionslehrer,micht aber für dessen Bestätigung, ich habe noch nie 20 Schüler gehabt, bin aber dennoch vom Ministerium - bestätigt, ich habe in den Conferenzen dieselben Rechte wie jebeö 1 andere Mitglied, unterschreibe jedes Protokoll, die Schüler werden mit derselben Strenge zum Gottesdienste angehalten, wie die Katholischen. Den Fehler, warum unsere Jugend dennoch nicht so fromm ist, hat eben darin seinen Grund, dass die katholische Eltern gewiss darauf schauen, dass ihre Kinder täglich ihr Vater unser aufsagen und ihr Kreuz vor dein Essen oder Schlafengehen inachen, wahrend die jüdischen Eltern sich über die Gebräuche ihrer Religin lustig machen. Diese Krankheit der jüdischen Eltern scheint leider sehr alt zu sein; denn schon Moses spricht den Wunsch aus, „rni jiten kol am adonai neviim“; Gebet uns andere Eltern, die uns unterstützen, oder bearbeitet sie, dass sie, wenn auch nicht orthodoxe Juden, so doch wenigstens Juden seien, die die Grundgesetze des Judenthums Hochhalten und nicht öffentlich dieselben mit Füßen treten. Und so lange dies nicht geschieht, kann ich auch nicht behaupten, dass dem Judenthume Heil erwachsen werde. Rabbiner Dr. Abeies. Geiste. Später kaufte er das Tagblatt „Novosti", welche damals nur eine kleine Abonnentenzohl hatte und brachte das selbe zu eiuem solchen Aufschwünge, dass es eines der hervorragendsten und verbreitetsten Blätter Russlands und das Organ der russischen liberalen Partei geworden ist. Die Jubiläumsfeier N o t o v i tz' fiel ungemein imposant aus. Die berühmtesten Literaten und Gelehrten Russlands nahmen an ihr theil und ans sämmtlichen Reden, die dabei gehalten wurden, klang der Wunsch, dass die liberale Idee, die Notovitz verkörpert, ehestens zum Durchbruche gelange und dass die Judenfrage im Sinne derselben gelöst werde. Zn den Anzeichen einer beginnenden liberalen Bewegung in Russland ist auch em vor kurzem erschienener, Aufsehen erregender Artikel des berühmten Schriftstellers Mordavczeff zu zählen. Er behandelt in demselben die nationale Bewegung im Schoße des Jndenthums und nimmt ihr gegenüber eine sehr wohlwollende Stellung ein. Mordavczeff bemerkt unter anderem, dass, wenn die civilisierte Welt den Griechen für die FuNdameutlegung der Wissenschaft und Kunst dankvar ist, so habe sie in größerem Maße die Pflicht, dies den Juden für die Begründung des Monotheismus zu sein. Die Griechen ließen uns zurück die Werke Platvs und Aristoteles, die Juden die Bibel. In diesem Sinne appelliert Mordavczeff für die vollständige Gleichberechtigung in Russland. Seine Aeußerungen werden in vielen hiesigen Tagesblättern citiert und lebhaft, meistens in günstigem Sinne, besprochen. Mögen diese Ideen auch in maßgebenden politischen Kreisen Echo finden und möge für uns baldigst eine neueAera Hereinbrechen! Die Türkei und die Juden. Aus Constantinopel wird unterm 3. Jänner berichtet: Ein Special-Jrade des Sultans gestattet von jetzt ab den Juden, die sich rechtmäßig in P a l äst i n a niedergelassen haben, G r u n d e i g e n t h u m, sowo h l „M r r i" (Ackerland, E i g e n t hum des Sultan s), als auch „M u l k" (Stadtland) zu erwerben Zugleich wird das Au f e n t h a lt s re ch t von Juden, die Palästina bereisen, auf drei Monnte ausgedehnt. Mit besonderem N a ch d r u ck e w i r d b et o n t, dass die türkische R e g i e r u n g ke iuer lei Gl a u b e n s u n t e r s ch i e d macht und d e u I u d e n dieselben 9! echte und Privilegien einräumt, wie der» Angehörigen anderer Conf e s s i o n e n. EiuzeseudeL. (Für diese Rubrik übernimmt die Redaction keine Verantwortung.) Irr eigener Sache. Dem Berichte der „Welt" über die Vorgänge im Einzelvereiue „Mariahils-Neubau" gegenüber gilt das Wort: Alles, was darin steht, ist wahr, aber nicht alles, was wahr ist, steht darin. Wenn auch nicht die Anwesenden meine Ansichten in ihrer ganzen Schärfe billigten, so machte sich doch eine tiefgehende Opposition gegen das Actions-Comite geltend, die in einem Anträge des Herrn Dr. Weist gipfelte, eine allgemeine Vertraueusmänner-Bersammlung ein^uberufen, um die oppositionellen Bedenken darzulegen. Nur meine Erklärung, dass ich dem Actions-Comite gegenüber auf dem Boden der Negation und nicht der Opposition stehe, vereitelte die Annahme dieses Vorschlages. Ich will eben nicht mit halben Mitteln wirken und erwarte die völlige Anerkennung meiner Ansichten ruhig von der Zeit. Dr. Leo S o f e r. Kunstreiterin". Das Znsammenspiel war ein vortreffliches. Sehr gute Leistungen boten darin Herr ing. cand. Klein, Herr Camill P o l l a k und Herr Otto W o h r y z e k und eine wahrhaft künstlerische Leistung Frl. Paula Goldberger aus Czaslau. Nach der Akademe wurde bis in die frühen Morgenstunden flott getanzt. Das Damen-Comitö, dem außer den Mitwirkendrn noch Frl. Dolly und Camilla B o u d y, Vally Klein, Hedwig Bech ititö Schiff angehörten, kann mit dem Erfolge dieser Veranstaltung vollständig zufrieden sein. Mit Stolz können aber wir Knttenberger Juden auf diesen Abend znrückblicken, denn er erbrachte den für gewisse „Anch-Jnden" sehr nothwendigen Beweis, dass wir es durchaus nicht nöthig haben, uns in arische Kreise einzndrängen, wo man uns mit scheelen Augen ansieht, sondern dass wir im Gegentheil uns geistig iveit höher stehende Genüsse bieten können, als in diesen Gesellschaften. die Jugend. Einzelnummer Brief aus Petersburg. (Orig.-Corresp. des „Jüd. Volksblatt".) Ende December 1900. Wieder spürt man hier einen liberalen Hauch wehen — wenigstens in den Kreisen der Journalisten und Schriftsteller. Und das scheint ein günstiges Syniptom zu sein. Diese Kreise sind ja stets die Vorposten von Bewegungen, die sich im Volke zu entwickeln beginnen. Und wie zu allen Zeiten, beginnt auch jetzt hier die liberale Bewegung mit der „Judenfrage". Der Scandal. der sich bei der Aufführung des antisemitischen Spectakelstückes „Die Schmuggler" im hiesigen kleinen Theater abspicltc, hat den besten Beweis geliefert, dass das hiesige intelligentere Publicum die Hetzereien gegen die Juden nicht billige. Andererseits bewiesen die maßgebenden russischen Schriftsteller ihre liberale Gesinnung durch ihre Haltung anlässlich des 30jährigen Schriftsteller-Jubiläums des Redacteurs der „Rvvosti", I. Notvtvitz. Dieser, der Sohn eines orthsdoxen Rabbiners in Bessarabien, vollendete seine juridischen Studien in Petersburg und wählte die Journalistik zu seinem Fache. Ende des Jahres 1870 erschien sein erstes literarisches Werk „Heirat und Scheidung", Schauspiel aus de'm jüdischen Leben, welches Aufsehen erregte und ihn in der literarischen Welt bekannt machte. Zu derselben Zeit erschien von dem jüdischen Renegaten B r'a f m a n « das Buch „Kahal", das von Schmähungen und Verleumdungen gegen die Inden strotzte. Notovitz unterzog nun dieses Buch im „Dijatluost" enter vevnkchtendell Kritik, - in welcher feine glühende Liebe zu seinem angestammten Volke zum Ausdrucke kam. Aufsehen erregte« auch seine Aufsätze über das Verhältnis der Juden züm Militärdienste. Im Jahre 1873. übernahm Notovitz die Rehaction der zu jener-Zeit noch wenig verbreiteten „Nowoje Wrernja" und leitete sie drei Jahee in echt liberalem Wien. (Allgemeiner Jüdischer Arbeiterverein.) Sonntag den 13. Jänner a. c. findet im Saale des Vereines „Zion", Ii., Schwarz mg erg affe 2 (Ecke Leopoldsgasse 27), die c o n st i t u i e r e n d e Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Ansprache des Proponenten Coll. Groß. 2. Referat des Gesinnungsgenossen Salomon Rubin st ein: „Warum müssen sich die jüdischen Arbeiter auf national-socialer Basis organisieren?" 3. Mitglieder-Aufncchme und Wahlen. 4. Eventuelles. Beginn präcise 2 Uhr nachmittags. College«, erscheint zahlreich und pünktlich! Die Proponenten. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e.) Programm vom 11.—17. Jänner 1901: Freitag 11.: Herr M. A. Fürst: Bibelerklärung. Samstag 12.: Herr stud. Suchestow : „Jehuda Halewy" (mit Recitationen). Concert: Fräulein S w e d r o w s k y, Herr Deutsch. Sonntag 13.: Concert: Fräulein Gisela Bass, Herr Spiegel. Montag 14..- Herr Fi schl: „lieber das Sehen". Musik von Goldbaum. Dienstag 15.: Herr H. Jork- Steiner: „Jüdische Chuzpe". Mittwoch 16.: Dr. Bernstein: „Strafprocejs". Donnerstag 17.: Dr. Benedict: „Was ist ein Process?" Wien. (H um anit är erV er ei n„Marpe Laue fe s ch".) Wir erhalten folgendes Schreiben: Be r ehrliche 9le daction! „Der gefertigte Vorstand ersucht höflichst um Aufnahme nachstehender Zeiten: Die Bezeichnung „Orthodoxer Bethans-Verein" und die im Zusammenhänge damit verbundenen Rechte ist eine Errungenschaft, die bisher in Oesterreich vereinzelt dasteht. Schon der Umstand, nach welchem vor einigen Jahren gelegentlich der Ausarbeitung des neuen Statuts der Cultusgemeinde die Statthalterei an einen bekannten Bethaus-Verein die Anfrage richtete, ob dieser bereit wäre, sich officiell „orthodox" nennen zu wollen, und derselbe ablehnend beschied, beweist zur Genüge, dass von Seite der competenten Behörden das orthodoxe Jndenthum bloß dem Namen nach gekannt war. Herr E. B. befindet sich im Jrrthum, wenn er glaubt, den „Hochdeutsch-orthodoxen Verein" des IX. Bezirkes mit dem gesetzestreuen, beziehungsweise orthodoxen Jndenthum identisicieren zu können. Unseres Wissens hat dort an den letzten hohen Festtagen der bekannte, enragierte Reform-Rabbinex Dr. Kgminka, der. wegen seiner.radiealen Resormbestrebungen an der Prager Synagoge in der Geistgasse, die gewiss nicht im Verdachte steht, „orthodox" zu sein, den dortigen Posten ansgeben musste, die Festpredigt abgehalten. Ein solches Gebaren kann in einem orthodoxen Vereine niemals geduldet werden, und kann derselbe in diesem Falle keineswegs den bezeichneten Titel für sich . in Anspruch nehmen. Mit besonderer Hochachtung für den Vorstand des humanitären und orthodoxen Bethans-Bereines „Marpe Lanesesch": Wilhelm M o r g e n st e r n, Schriftführer." Kntteubqrg, (A k a d e.m i e,) Am 6. d. M. fand eine von hiesigen, jüdischen Mädchen veranstaltete Akademie statt, welche einen wahrhaft erhebenden Verlauf nahm. Nach Begrüßung der Gäste seitens der Präsidentin des Damen-Comitös Frl. Jda L »l st i g bestieg Frl. Elsa A b e l e s das Podium, um zwei Lieder meisterhaft vorzuträgerr.« Die. hierauf folgende, geradezu künstlerische Reeitation des Gedichtes „Rabbi Esra" vom czechischen Dichter Kutscher«, wiedergegeben von Frl. Irma Wohryzek, ries geradezu stürmischen Beifall hervor. Frl. Irma Weinb erg.er gab mit ihrer wohlklingenden jugendlichen Stimme in ihrer bekannten schlichten, anmuthigen Werse zwei Lieder zum Besten, während Herr Robert Pollak durch sein virtuoses Biolinfpiel die Zuhörer entzückte. Mitstürmischem Beisalle begrüßt, trug der Liebling des hiesigen Publikums, Herr lug. ounä. Arthur.Klein. ein .von ihm selbst verfasstes Eauplet,Unsere^ Akademie/ vor, das einen wahren Beifallssturm entfesselte. '.Als tüchtige Clavierspielerin bewährte sich Frl. Rosa P i ck. De«' Schluss der Akademie bildete der Einakter von Pohl „Die KLtchereiiüauf. M. S ch e r l a g: Einsamkeit. Gedich te. Dresden, 1901. Brrlag E. Pierson. Preis 1 Mark. Jrrfahvte». Ein jütusches Epos von Mix Jungm a n n. Leipzig, 1901. M. W. Kauf m a it n. Jüdisches Gefühl. Zeitschrift für Erscheint alle 14 Tage. 4 Kronen jährlich, 15 Heller. Prag, Smeckagasse 7. Dokumente dev Frauen Nr. 19. Halbmonatsschrift. Herausgegeben von Marie Lang, Wien, VI. Bezirk, Magdalenenstraße 12. Bö rr ies F r e i h er r v. M ü n ch h a u s e n: Ballade». Mit Buchschmuck von R. Engels. Verlegt bei B r e snucr & Meye r, Berlin 1901. Bolksthümliches Handbuch des OeftevVeichrchett Rechtes. Von Dr. I. I n g w e r und Dr. I. Rosner. Ein Rathgeber und Wegweiser für jeden Staatsbürger in allen Fragen des öffentlichen und privaten Rechtes, mit besonderer Berücksichtigung der im Berufs- und Geschäftsleben vorkommenden Rechtsfälle. Mit mehreren 100 Formularien für Verträge, Eingaben, Gesuchs, Klagen in Civilsachen, in Strafsachen, in Verwaltnngs- und politischen Angelegenheiten. Verlag Ignaz Brau d, Wien, VI. Vollständig in 25 Heften ä 25 Heller. Bücherschlm. der Berühmte israel. Männer u. Frauen in Culturgeschichte der Menschheit. Von Dr. Adolph K v h n t. Das von Herrn Dr. Adolph Kohut im Verlag des Herrn A. H. Payne in Leipzig herausgegebene Werk: „Berühmte israelitiche Männer und Frauen in der Culturgeschichte der Menschheit" verdient nach jeder Richtung hin die größte Anerkennung und die allgemeinste Verbreitung. Es ist ein bedeutendes Werk, das der Welt die Augen öffnet über das, was Juden und Jüdinnen auf allen Gebieten der Wissenschaft, Literatur, Kunst, Philosophie, des Welthandels, des Gewerbes und der Industrie geleistet haben. Ein großes Stück Weltgeschichte zieht hier an unserm Geiste vorüber und manche Lücke des Wissens wird durch dieses Buch ausgefüllt. Das Werk hat aber auch eine culturgeschichtliche Bedeutung und ist berufen, endlich einmal die Lästerzunge verstummen zu machen, die da glaubt, die jüdische Geschichte zu kennen, wenn sie die Juden begeifert. In diesem Werk wird aller Welt klar und deutlich nachgewiesen, daß, sowie der Jude sich nach seiner eigenthümlichen psychischen und physischen Anlage überall akklimatisiert, ebenso auch der jüdische Geist in der ganzen Welt und ans allen Gebieten geistiger und moralischer Thäligkeit Bedeutendes zu leisten im Stande ist. Darum soll das Buch erster Stelle an Nichtjuden empfohlen sein, damit die Vorurtheile schwinden und an deren Stelle gerechte Anerkennung trere. Meinen Glaubensgenossen, vor allen den jüdischen Familienvätern möchte ich rnthey, in dem Buche mit allen Mitgliedern der Familie jede Woche ein Capitel zu studiren und den Inhalt sich einzuprägen. Dann sammelt man sich Rüstzeuge gegen erwaige ungerechte Angriffe von außen, aber auch Mulh, Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen ans bessere Zeiten werden in die zu leicht verbitterte Seele einziehen. Möge dieses bedeutende Werk zur Aufklärung, zur Belehrung, aber auch zur Versöhnung der aufgeregten Geister und beunruhigten Gemüther beitragen. , , Dr. Fr. Die Medieru im Alten Testament. Dr. Wilhelm Ebstein. Stuttgart 1901. Verlag Enke,/.. Der Verfasser bietet in seinem Werke eine fleißige Studie über den Stand der Hygiene und über die Lehre'vH« den Krankheiten und deren Behandlung, wie sie uns im Alken Testamente und in seinen Apokryphen entgegentreten. Er kommt dabei in Uebereinstimmung mit anderen Autoren zu dem. Schluffe, dass die Hygiene auf einer überraschend hohen Stufe hm den alten Juden stand, während die Medicin gegenüber ihrem 'Stande bei den Griechen zu gleicher Zeit nicht so hoch entwickelt-war. Wir begrüßen diese Schrift als ein Zeichen des wiedererwächten/Verständnisses für die alten Lfteratnrdenkmäler über die Judssv. Di/ Ij. ,B. G. Einsamkeit. Eine Sammlung lyrischer Gedichte von M. Sch erlagt bei Pierson in Leipzig erschienen. Die ierste Musengabe eines fimgen Poeten, voll aymuchiger Stimmungenmit reichem Stimmungswechsel, der zwischen, optimistischem Lebensgefnhl und pessimistischer Welt- und Selbstbetrachtung sich bewegt. Man erkennt den jüdischen.Dichter,- auch wenn es noch nicht bekannt wäre, dass demnächst eine Sammlung „Judenlieder" von ihm erscheinen wird. .) . n... Abr. Map»: Sem Leben und feine- Werke, Von R. Brainin, Verlag. „Tuschia^. Warschau,;;49,QQk Welchem Leser der nenhebräischen Literatur ist d.er Romancier Mapu fremd? Aber ist selbst einer kleinen Zahl Plapu, der Mensch, sein Entwicklungsgang und seine Persönlichkeit'bekannt? Ich wage dies zu bezweifeln. Die hebräische LileMkür hat bisnun dem größten ihrer Förderer die gebärende.-Würdigung nicht gezollt. Außer einer kurzen, trockenen Biographie von A. Kaplan, wurde über Mapu nichts von Bedeutung geschrieben. Um diese Lücke auszufüllen, unterzog sich der rühmlichst bekannte Schriftsteller R. Brainin einer mühevollen Arbeit und als Resultat ergab sich die vorliegende überaus gelungene Biographie. In dem Bestreben, das Bild Mapus vollkommen zu entwerfen, unterließ -er nicht die kleinsten Pinselstriche, -'dre zur Vervollständigung des Ganzen dienen könnten Die eingezogenen Erkundigungen über Mapu, seinen Charakter und das ihn umgebende Nicken ergaben eine Fülle von schmeichelnden und günstigen Urtheilen. Aus ihnen, wie ans Mapus Werken verstand-es Brainin durch seine meisterhafte Darstellung eine sokck ans ziehende lräumerffche, dunkel in die Weit blickende Gestalt zu schaffen, daß wir mit Recht behaupten können, Mapu sei die sympathischeste Erscheinung der allen Haskalaperiode. Je weiter wir den Wer.degäng Mapus verfolgen, desto mehr steigert sich das Interesse-, denn Mapu verdient umsomehr Beachrung,.als er seinerzeit vorausging. Der Samen, den er ausgestreut Hatz zeitigt noch

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