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Jüdisches Volksblatt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. Jänner 1901 Nr. 2 Hofbauer in eifrigster Weise dafür ein, dass diese unterbleibe, was Herrn Hofban er auch thatsüchlich gelang. Die Leiche wurde sodann nach Ungarisch-Alteuburg befördert. Wien. (Makkabäer-Feier.) Die von den zionistischen Corporationen Wiens veranstaltet Makkabäer-Feier findet am 15. d. M. im Sofiensaale statt. Karten sind im Congress- Bnreau, IX., Türkenstraße 9 nnd in der Bnchdruckerei „Industrie", VIII., Schlvsselgasse 11, erhältlich. Wien. (Der verstorbene Dichter Adolf Pichler über die Jude n.) Der Antisemitismus war für Pichler einerseits ziemlich gegenstandslos, denn „in Tirol sind wenig Juden; den Wucher besorgen, wie die gerichtlichen Bernrtheilungen beweisen, ausgiebig unsere katholischen Brüder." Anderseits war er für ihn ganz gegenstandslos, denn er unterschied die Menschen nicht nach Confessionen. „Ich frage niemanden, was er ist. Ob er Jude oder Christ ist. das geht mich gar nichts an." Die jüngsten Schandthaten in Böhmen und Mähren haben ihn noch tiefschinerztich berührt, und ihm die Klage abgeängstigr: „Wenn ich all die Zeitereignisse cmschane, ist mir manchmal, als ob ich wie Dante durch die Hölle wanderte." Prag. (Verein jüdischer H o ch s ch ü l e r.) Der Verein jüdischer Hochschüler veranstaltet am Samstag den 19. Jänner in Heines Wintergarten (Kgl. Weinberge) ein Tanzkränzchen. Die Damen-Legitimationskarten können täglich von 2—4 Uhr nachmittags im Vereinshause Wenzelsplatz 22 gegen Erlag von 5 Kronen behoben werden. Krakau. (Juden in antisemitischen Sommerfrischen.) Rubin Neu selb und seine Familie, ruhige rechtschaffene Bürger unserer Stadt, hatten in diesem Jahre in dem vier Meilen von hier entfernten Dorfe Kscheschowize Sommeraufenthalt genommen. Judenfeindliche Bauern beschimpften die Neufelds, warfen manchmal auch Steine und Koth durchs Fenster in ihr Zimmer. In einer Nacht wurde sogar das Fenster ganz mit Morast beschmutzt, so dass es auch am Morgen finster blieb; bas ließ der junge Schwiegersohn des Herrn Neufeld nicht mehr auf sich beruhen; und er begann den Bauern Vorwürfe über die Sache zu machen. Tags darauf erschien ein Gendarm und verhaftete den jungen Mann, weil die Bauern behaupteten, er habe die ch r i st! i ch e N e l i g i o n beschimpft. (!) Mit schwerer Mühe gelang es Herrn Neufeld, ibn nach Hinterlegung einer Cauttou aus dem Gefängnisse des Krakauer Strafgerichtes provisorisch freizubekommen. Neufeld und Frau und ^achter, welche bei dem Wortwechsel zugegen waren, meldeten t»ch als Zeugen und wollten beeiden, dass der Angeklagte die christliche Religion gar nicht erwähnt habe, allein sechs kleine Bauernburschen behaupteten das Gegentheil, und dies genügte dem Staatsanwalt, um Vater, Mutter und Tochter der lZllchen Zeugenschast anzuklagen. Am 11. d. war gegen sie die L-chlussverhandlung, wobei Neufelds Schwiegersohn zu vier Monaten, Neufeld selbst, ein 70jähriger Greis, und seine Gattin zu je sechs Wochen, seine Tochter zu zwei Monaten schweren Kerkers v er urt heilt wurden. Ist schon dieses Resultat betrübend genug, so ist es ein Nebenumstand nicht minder; der Redacteur der antisemitischen „Glos Narodu", hat nämlich die meisten christlichen Advocaten durch Drohungen davon abgehalten, die Vertheidigung der Familie zu übernehmen. Ein hervorragender christlicher Rechtsanwalt, namens Roman ^akubowski, der sich anfangs nicht terrorisieren ließ, ist kurz vor der Verhandlung von der Vertheidigung zurückgetreten. Endlich in letzter Stunde hat sich ein armer christlicher Aovocat herbeigelassen, die Vertheidigung der jüdischen Familie zu führen. Gegen das verblüffende Urtheil hat die unschuldige Familie die Nichtigkertsbe sch werde eingereicht. Budapest. (Ein i n t er es s an ter Proee s s) hat sich hier abgespielt. Der katholische Geistliche Andreas 1 <Sföri übergab dem Redacteur der „Ungar. Wochenschrift" einen judenfreundlichen Aufsatz zum Abdruck. Da aber in diesem Artikel mehrere stylistische Veränderungen vorgenommen werden mussten, sah sich Redacteur Gabel veranlasst, Herrn Csori auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Csori bat Herrn Gabel diese Umänderung selbst vorzunehmen,- unterschrieb den Artikel, nachdem er ihn neuerlich gelesen, find sogar für die Mühewaltung des Correctors gedankt,' mit seinem Namen und fügte die ausdrückliche Bemerkung, hinzu: „Die stylistischen Umänderungen geschahen Bit meiner Einwilligung." Der clericale, judenfeindliche „Alkotmäny" griff nach Erscheinen des Artikels,'den^menschenfreundltchen, gutmüthigen Verfasser aufs Heftigste an und polterte dagegen, dass ein katholischer Geistlicher „die Juden noch zu beloben wagt." Die Folge -dieser Angriffe war, dass Csori seines Postens als hauptstädtiicher Katechet emhoben wurde. Die Geistlichkeit der Komorner Diöcese gieng sogar so weit, die Excommunicierung des braven Csori zu verlangen. Dies geschah auch, und die Folge dieser peinigenden Lage war, dass der > Gemaßregelle nach vier Monaten im „Alkotmäny" erklärte, dass er besagten Artikel für die „Ungar. Wochenschrift" nicht geschrieben habe. Die „Ungar. Wochenschrift" gieng zunächst auf die Angelegenheit nicht ein,^oerln -aus jedem Worte des erzwungen Artikels konnte man ersehery dass dieser derAusflusHeinermartervollen Zwangslage,'-war. „Alkotmäny" machte aber zu der Csori 'schech.Hpklärung eine Randbemerkung, welche in seiner gewohnten Art das ganze Judenthum beschimpfte. Nun kennzeichnete; „Egyenlöseg" das Gebaren des „Alkotmäny". Der Redacteur strengte gegen Max Sz a b o lc s i einen Presspröcess an, welcher am 21. v. M. damit endigte, dass der Staatsanwalt gegen S z a b o l c s i die Anklage wegen Verleumdung fallen ließ, da sich thatsächlich herausstellte, dass Csori den Artikel geschrieben habe. Karapezm a. Tereth. (Die W a h rh e it über' d'as Blutmärchen.) Wir erhalten folgendes Schreibend An die Redactivn des „Jüdischen Volksblattes" in Wien, VIII., Schlöffelgässe 11. Mit Bezug auf das in Ihrem Blatte Nr. 49 von, 7. December 1900 — welches mir erst jetzt zu-' gekommen 'ist —- in der Rubrik „Vom Tage" Unter -deck Titel „Die Wahrheit Über das Blutmärchen" veröffentlichte Schreiben eined „E. G.", fvryere ich Sie gemäß § 19 des P'ressgesetzH auf, folgende Berichtigung in der gesetzlich vorgeschriebenen Art und Weise in der nächst erscheinenden Nummer Ihres Blattes zu veröffentlichen: Es ist unwahr, dass ich von der Haltlosigkeit des Blutmärcheus nicht genügend überzeugt bin und auf eigene Faust „scharfsinnige" Nachforschungen in der Richtung meiner würdigen Vorgänger nnternehme, dabei von dem bewährten Sprüchlein „Kinder und Narren sprechen die Wahrheit" ansgehe und mich einfach „kraft meines Amtes" während der tlnterrichtsstunden zu informieren suche. Es ist weiters unwahr, dass ich während des Unterrichtes an ein armes, jüdisches Mädchen der dritten Classe der hierortigen communalen Volksschule laut die Frage stellte: „Zu welchen ihrer Feiertage die Inden denn eigentlich Christenblnt gebrauchten -—", worauf das unerfahrene, weil armer Leute Kind, schüchtern zur Antwort gab: „Ich weiß es nicht". Ebenso unwahr ist es, dass ich die Frage in gleicher Weise der neunjährigen Toni F . . ., Tochter eines wohlhabenden Pächters wiederholte, und diese ziemlich scharf antwortete: „Man behauptet, dass zu Ostern, aber — es ist eine freche Lüge", woraus ich angeblich „begreiflicherweise verblüfft" selbstgefällig lächelnd replicierte: „Auch ich glaube es nicht". Wahr ist vielmehr folgendes: Gelegentlich der Geschichtsstunde in der dritten Classe bchandelte ich rumänische Lesestücke geschichtlichen Inhaltes über „Popoarele Anstriei in timpurile vechi“ („Die Völker Oesterreichs in alten Zeiten"). Da heißt es von den Magyaren, dass bei denselben in alten Zeiten kein Handel für g ltig anerkannt wurde, wenn nach Abschluss desselben nicht getrunken wurde; kein Eid wurde für verbindlich anerkannt, wenn der Schwörende nicht einige Blutstropfen vom eigenem Blute ins Glas gemischt hatte n. dgl. Daran knüpfte ich die Bemerkung, dass auch in unserer Zeit bei verschiedenen Völkern, verschiedene Gebräuche herrschen, worauf ein Mädchen israelitischen Glaubens unaufgefordert sagte: „Man sagt, dass auch bei den Inden zum Osterbrot Christenblut verwendet wird". Ich entgegnete hierauf: „So etwas können nur ungebildete Leute sagen und glauben". Dies der wahre Sachverhalt. Die von dem wissbegierigen Einsender der oberwähnten Correspondenz Herrn „E. G. an mich gestellten Fragen, werde ich demselben an einem anderen Orte beantworten. Karcipczin a. Sereth, am 30. December 1900. I l a r i o n I u k u b v w i c z, Oberlehrer an der Volksschule in Karapcziu a. Sereth. Ausland. Berlin. (Die Erlösung des „ I u d e n t h n ttl s" und die „Jüdischen Presse".) Von unterrichteter Seite wird geschrieben: „Tant de bruit pour une Omelette! Ich theile vollkommen Ihre Ansicht, dass erst durch die ernsthaften Zurückweisungen, derer man ihn gewürdigt, der Aufsatz, den der Pseudonymus „Benediktus Levita" unter der Marke „Die Erlösung des . J-udenthums" in den „Preußischen Jahrbüchern" verübt hat, eine Folie erhalten hat, die er an sich durchaus nicht verdiente. Abgesehen davon, dass die Darlegungen selbst von einer elementaren Unkenntnis der jüdischen Religion und Geschichte zeugen, bedarf die Schlussforderung, dass die jüdischen Eltern ihre Kinder der Taufe zuführen sollen, selbst aber, wenn sie nicht gewissenlos handeln wollen, im Judenthum verbleiben müssen, bei den Ehrlichen aller Bekenntnisse keiner Kennzeichnung. Man mag diese Ueberschätzung bedauern, aber es ist nun einmal Thatsache, dass mehrfache Entgegnungen erschienen sind, dass sogar die Repräsentanten-Versammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde einen feierlichen Protest erließ. Dadurch hat sich das Interesse auch der Person des Verfassers zugewandt, über den allerlei Vermuthungen laut wurden. Ich bin in der Lage, den Schleier zu lüften: unter dem Pseudonym „Benediktus Levita" verbirgt sich der aus Leobschütz stammende Rechtsanwalt W e i s l e r in Halle, der selber Jude geblieben ist, aber seine Kinder zum Taufbecken geführt hat und in seinen Mußestunden nicht nur juristische Schriften verfasste, sondern auch noch Zeit fand, jenen „erlösenden" Artikel vom Stapel zu lassen. Diese „Enthüllung" dürste noch weitere Kreise zu der Erkenntnis bringen, dass das Aufsehen wirklich unverdient war." Könitz. Seit 1. Jänner erscheint hier ein liberales Blatt, die „Ostdeutsche Tageszeitung (Konitzer Anzeiger)", der weiteste Verbreitung zu wünschen wäre. Der Abonnementspreis beträgt nur 1.60 Mk. vierteljährlich. Die Bestellung kann bei allen Postanstalten erfolgen. — Die Unterzeichner des Aufrufs zu Gunsten der „Bereinigung zur Aufklärung des Konitzer Mordes" haben (eine Vorladung vor den Untersuchungsrichter erhalten, um sich, wie verlautet, darüber zu äußern, was sie mit ihrer Nebenuntersuchung eigentlich bezwecken. (Orig.-Cörr. des „Jüdischen Volksblatt".) (Die Juden und die Wahlen..- — Eine resultatlose Versammlung. — Jüdische Kaufleute gegen den Boycott. — Eine Hilfe für den kleinen Mann.) Alle Gemütber nehmen die Wählen in den Reichsrath gefangen, die Parteien rüsten sich zum Kampfe um ihre Prtncipien, und nur die Juden, svferne es sich nicht um Wahrung fremder Interessen handelt, lassen die kommendem Dinge herankommen, sie werden bloß den deutschen, den socialdemokratischen und czechischen Standpunkt wahren, den jüdischen, 'töelchtir ihnen ^föemd ist, ÜbrtläDi'steten.-Aritiferrüten zur Fructlficierüng gegen sich; denk alle die öbjjenaMen Parteien werden nach deil Wählen sich bemühen, dem Juden seinen Ort änzuwe-isen, ist ihrer Mitte'wstd dieser Ort nicht-sein. Es wurden Bemühungen geckächt, in dieser Be^iebinig Wandlung zü schaffen, es 'kam auch eine vertrauliche Versammlung der Wähler zustande. Diese hatte über, infolge der Ungeschicklichkeit des ^damaligen Vorsitzenden, keine nachhaltige Wirkung, und das Resultat^blieb gleich Null. Es ist nur eine einzige Richtung, die imstande wäre, die Wahlen in Prag im jüdischen Sinne in Fluss zu bringen, diese hat aber, wenn sie nur zum Theile die Schäden, welche die Misswirtschaft, Indolenz und Nachlässigkeit der jüdischen Sache zugefügt hat, wettmachcn will, so viel zu thun, dass es jenem Häuflein nicht möglich ist, thatkräftig einzugreifcn; und so werden die Wahlen an den Prager jüdischen Verhältnissen nichts ändern, es wäre aber jedem Juden anznrathen, der gewiss von allen Parteien harcmgniert wird, jeder derselben ein Stück seines Wahlzettels zu geben. In einer vor kllrzem abgehaltenen Versammlung wllrde der Beschluss gefasst, statistische Behelfe zu sammeln, um endlich die Phrase vom jüdischen Neichthnm ad absurdum zu führen und sicherzustellen, wie viel ganz arme, wie viel kaum lebensfähige Existenzen auf eiueu Reichen kommen; noch ciitcu Zweck hat diese Sicherstellung, es soll endlich mit der Geheimthuerei ein Ende nehmen, welche in Bezug auf jene, die so feige waren, das hartbedrängte jüdische Lager zu verlassen, bisher geübt wird: diese Männer sollen öffentlich bekanntgemacht werden, und ein grelles Licht wird ans jene Zustände fallen, welche solchen Frückten zur Reife verhelfen. Es werden hier mitunter gar gewaltige Anstrengungen der Tanfebedürftigen gemacht, um die stattgehabte Taufe zu verheimlichen; so sind es viele, die eine abgelegene Landpfarre aufsuchen, um dort das Heldenstück dnrchznführen und als Christen zurückkehreu; unerkannt verkehren sie in ihren gewohnten Kreisen noch als Juden, denn was soll sie unterscheiden? Nur der Cultusgemeinde ist es wohl bekannt, die aber hält all das geheim in wohlverstandenem Interesse, denn wo solche Zustände einreißen, ist gewöhnlich die Cnltnsbehörde nicht ganz unschuldig, das trifft in vollem Maße auch hier zu. Ein zweiter Beschluss soll der Ausführung entgegengeführt werden, es ist eine Bereinigung der Handelsnnd Gewerbetreibenden jüdischen Stammes, die zur Wahrung ihrer Interessen selbständig eingreifen soll, auf die Art, wie es unlängst der , jüdische Volksvcrein in Prag that, der, sobald es bekannt wurde, dass die antisemitische Partei eine Agitation einleiten will, eine Eingabe mit mehr denn 800 Unterschriften jüdischer Kaufleute versehen, an die Polizei richtete, welche, froh, eine Handhabe gegen die Baxa'schen Treibereien §u haben, auch ihres Amtes waltete; dies ein Beispiel für viele, dass Einigkeit denn auch etwas vermag. Gott helfe weiter! Weiters bitte ich Sie, einer auf den ersten Blick merkwürdigen Idee gefälligst Raum geben zu wollen, vielleicht werden sich ihrer manche der Herren Leser annehmeu und zum gedeilichem Ende führen. Seit einem Decennium sind in Prag viele Hunderte jüdischer Familien auf den Bettelstab gekommen; die Stadtgemeinde sorgte dafür, dass es auf rein gesetzlicher Basis geschehe, sie demolierte nämlich den jüdischen Tandelmarkt, wo die schwächsten jüdischen Elemente Erwerb fanden, auf Grund der Baugesetzgebung, sie demolierte einen großen Theil der Judenstadt, wo jetzt wie auf einem Dvrfplatze sich Ringelspiele, Scheibenschießstätten, Schaukeln rc. rc. befinden, deren Ertrag die Zinsen der Zinsen des Anlagecapitals decken dürfte, auf Grund des Assanationsgesetzes, und so brachte sie (die Stadtgemeinde nämlich) es glücklich zu Stande, die Principicn Baxas durchzuführen, ohne hohle Phrasen; sie griff zur That, und dcese hatte Erfolg, wie immer die muthige rücksichtslose That, sie hatte einer großen Zahl von Juden das Brot vom Munde genommen. Nun aber kann eine große Stadt wie Prag, und wenn ie auch einem großem Dorfe gleichen würde, wie seinerzeit ein Stadtverordneter behauptete, sich ohne einem Trödelmarkt nicht leicht behelfen; zu diesem Behufe stelle ich folgenden Plan zur gefälligen Nutzanwendung: Aus jener Stelle, wo die Judenstadt 'tand, soll sich ein neuer Stadttheil erheben. Sollte es nicht erstrebenswert sein, einen Theil dieses Bodens seiner alten Bestimmung zuzuführen, nämlich dem jüdischen kleinen Mann? Es gienge doch wohl an, ein großes Haus aufzubauen, welches mittels eines Durchganges zwei frequente Straßen verbinden würde. Aus diesem Durchhause so ecne Art Bazar zu schaffen, wäre etwas ganz leichtes, hier könnte Stand an Stand gegen eine ganz kleine Miethe an Trödler abgegeben, und so meiner Berechnung nach an 300 armen Familien Brot verschafft werden; nicht Almosen, sondern ehrlicher Erwerb 'oll ihnen geboten werden. Zweierlei kann dagegen eingewendet werden, erstens die Stadt erlaubt es nicht; nun ist es bekannt, dass es außer der Stadtbehörde noch Oberbehörden gibt, die einer wohlbegründeten Eingabe und einer ivarmen Fürsprache nicht taube Ohren entgegensetzen würden. Zweitens, kein Gelb; dieser Plan möchte ein Capital von ecner Million Kronen reichlich verzinsen, das heißt 6 Percent. Bedenkt man, dass unsere Wvhlthätigkeitsvereine ein beiweitem größeres Capital liegen haben, deren Verzinsung nie 4 Percent erreicht, gar oft aber auf 3 Perccnt zurückgeht, mitunter auch Coursverlusteu ausgesetzt.ist, bedenkt mau weiter, dass eine solche Anlage denn doch mehr der jüdischen Sache nützen könnte als Nvidbahn- oder andere Actien, so wird ein jeder, dem die jüdischen tristen Zustände nicht ganz gleichgültig sind, keinen Moment in Zweifel sein, welche Anlage vorzuziehen wäre. Ich bemerke nebenbei, dass dieses Haus nebst billigen Wohnungen auch einen großen Raum für jüdische Beraifftaltungen enthalten könnte, und man iü gegebenen Fällen nicht iü Verlegenheit wäre, zwischen einem ultradeutsche» öder ultroböhmischen Local zu wählen. Dass es «lies derartigen Locales thatsüchlich bedarf, hat die letzte Mäkkäbäer- Feitlr bewiesen, auch einer billigen jüdischen Restauration bedarf es, de'lltr die begehenden zu besuchen, ist der kleine Mann »licht imstande, ihrer Theüirrnng Harber. Das Weitere überlasse ich Ihre»! Prager Lesern, vielleicht fallt diese Anregung auf fruchtbaren Boden. L.'

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