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Jüdisches Volksblatt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seito 2 Wirn, Freitag Jüdisches Volkshlalt 11. Jänner 1901 Nr. 2 Juden Oesterreichs entbehren in ihrem schweren Kampfe dieser gewichtigen Waffe. Wer heute etwas über die Berufs- und Erwerbsverhältnisse der österreichischen Jndenschaft erfahren will, muss sich dies mühsam ans den verschiedenen statistischen Beröffcntlichnngen der Centralcommission, der Ministerien, der Städte .'e. znsammensttchen; nnd wird oft das Gesuchte nicht einmal finden. Denn da behördlicherseits eine besondere jüdische Statistik nicht geführt wird, so sind auch nur ganz allgemeine Ergebnisse festgestellt,die vor allem denBolkszählnngsresnltaten ent stauimen. Und doch sind die Nachtheile dieses Mangels in die Augen springend. Ich will dies, da zu größeren Ausführungen hier der Raum mangelt, nur an einigen Beispielen zeigen, die zugleich den praktischen Wert einer Statistik feststellen sollen. Bis zu ihrer völligen Emancipation bildeten die Juden nicht nur eine nationale und historische, sondern im Großen und Ganzen auch eine sociale Einheit. Es gab wohl Abstufungen in Einkonrmensverhültnissen, doch keine sociale Verschiedenheit in den Erwerbsverhältnissen. Die erdrückende Majorität des Volkes gehörte dem Erwerbszweige des Zwischenhandels an: sei es als reicher Banquier oder als armer „Dorfgeher". Seitdem sind Jahrzehnte verflossen,; die nationale und historische Einheit ist geblieben, aber die sociale Strnctur des Volkes hat sich in sehr großem Maße geändert. Die Juden sind in alle Erwerbs- und Berufszweige, die ihnen nicht nur auf dem Papiere, sondern auch realiter geöffnet wurden, abgeströmt: sie find Gelehrte ebenso gut geworden, wie Rechtsanwälte und Aerzte, Staatsbeamte nicht minder wie Handelsangestellte, Industrielle ebenso wie Handwerker. W i r wissen das wohl. Auf Schritt und Tritt begegnen wir in Oesterreich Juden, die als Lohnarbeiter oder Handwerker unter der gleichen Classennoth leiden, wie ihre arischen Berufsgenossen, jüdischen Intelligenz- Proletariern, die als Hauslehrer sich Jahre durchfretten, um ihr Ziel zu erreichen, Juden, die alles eher sind denn reich, alles eher denn Zwischenhändler und Capitalisten. Trotzdem hört man Tag für Tag das alte Lied — und es wird geglaubt: die Juden seien das Verderbnis der christlichen Gesellschaft, denn sie hätten das Capital in Händen und beuteten das Volk durch den Zwischenhandel aus. Und diesem ebenso unsinnigen wie lästigen Geschrei stehen die Juden nahezu machtlos gegenüber. Sie können mit keiner sorgfältigen Statistik kommen und der Oeffentlichkeit zeigen: Seht! Wir haben soundsoviel Arbeiter, Handwerker, Beamte rc. Das ist in Bezug auf unsere Bevölkerungsziffer percentuell soundsoviel, im Verhältnis zu der der anderen Nationen soundsoviel. Man ist nicht in der Lage, klipp und klar uachzuweisen: Seit dem Jahre 1895 etwa hat die Abströmung der Juden in die verschiedensten Erwerbs- und Beruftzweige folgenden Verlauf genommen: Man ist nicht oder nur schwer in der Lage, nachzuweisen, dass den uns offenstehenden Berufen, in denen sich wenig oder keine Juden finden, auch ebenso wenig oder noch weniger Arier zuströmen, wie etwa dem Professorenstande für Mittelschulen, dessen Personalnoih der Staat durch allerlei Mittelchen zu beheben sucht. Wäre eine jüdische Statistik vorhanden — man wäre ungleich stärker im Kampfe denn jetzt, und das Wort vom „jüdischen Reichthum" würde im Verhältnis zum Vermögen der „todten Hand" oder der feudalen Aristokratie sich als elende Phrase erweisen, deren lügenhafte Borniertheit man schwarz auf weiß Nachweisen könnte. Ein anderes Beispiel für die Nothwendigkeit der Statistik hinsichtlich der inneren nationalen Stärkung, dem zugleich eine besondere fatale Bedeutung für Wien zukommt. Der „Volksverein" hat in sein Programm auch eine Reihe socialer Forderungen ausgenommen, deren wichtigste ungefähr sind: Unterstützung des jüdischen Arbeiter- und Handwerkerstandes durch Credit-, Consumgenossenschaften rc., Förderung aller Maßregeln, die geeignet erscheinen, die Auftheilung der Juden in den Berufs- und Erwerbszweigen zu fördern, 'Wiens. All diese Punkte, zumal der letzte, sind heute von sämmtlichen führenden jüdischen Kreisen anerkannt und es unterliegt keinem Zweifel, dass der „Volksvereiu", falls er an ihre praktische Durchfiihrung ■ schreiten wollte, sich der Unterstützuug auch der uffirictlcn und der „liberalen-' Kreise erfreuen würde. Allein selbst der „Bolksverein", dem eü doch an jungen und energischen Kräften nicht mangelt, ist über das bloße Thevretisiereu dieser Bedürfnisse noch nicht hinweggelangt. Der Grund ist klar. Wie ist es z. B. möglich, durch Creditgenosseuschaften energisch cinzugreifen, da wir doch über Zahl, Lage und territoriale Concentration unserer Handwerker und Arbeiter in einem ewigen Halbdunkel uns befinden! Wie wäre es möglich, die sociale Auftheilung der Juden durch zweckdienliche Maßregeln zu fördern, da nur doch sehr ungewiss darüber sind, auf welchen Gebieten sich die Juden am meisten zusammendrängen, welche ihnen erschlossen werden mussten n. s. w. Und gar erst die Armenpflege! Mau weiß: Der Krebsschaden der Finanzgebarung der Cultusgemeinde ist die Armenunterstützung. Es ist traurig, cvnstatiereu zu müssen, dass die Gemeinde all ihren hohen culturellen und politischen Aufgaben nicht gerecht werden kann, weil sie rein zu einer Armenversorgungs-Anstalt herabgesunken ist. Ihr Armenbudget steigert sich von Jahr zu Jahr, es beträgt nahezu die Hälfte der ordentlichen Ausgaben. Man bedenke ferner die beträchtliche Anzahl von jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen, von denen einige jahraus jahrein an Barmitteln zwischen fl. 10.000 bis 20.000 allein vertheilen. Ich schätze — nach meinen Aufnahmen — die Summe dieser öffentlichen Armenunterstützung, die der Gemeinde miteingerechuet, auf mindestens 500.000 fl. bei einer Seelenziffer von rund 150.000 und einer steuertragenden Wähleranzahl von rund 14.000, auf die man sehr gut 70.000 Seelen rechnen kann. Dazu rechne man endlich die rein privaten, stillen Unterstützungen, deren Summe sich natürlich jeder Berechnung entzieht, aber sicher nicht klein ist. Wohin fließen diese Summen? Kein Zweifel, dass hier schreiende Missstände verborgen liegen. Alle Versuche, denselben abzuhelfen — wie z. B. der unter der Aegide des „Politischen Volksverein" — sind bisher gescheitert; anscheinend aus kleinlichen Anlässen, in Wahrhdt aus dem Mangel derjenigen Basis, die jeder socialpolitischen Maßregel zugrunde liegen muss; der genauen Kenntnis der Verhältnisse und der Bevölkerung. Hätten wir eine jüdische Statistik, das Uebel wäre sicher und nicht einmal langsam zu heilen! In zweifacher Beziehung. Man wäre einerseits über die Zahl der Arbeitslosen und Kranken z. B. genau orientiert, könnte dieselben bei der verhältnismäßig geringen Bevvlkerungsziffer leicht in Evidenz halten, sie den Bezirks-Armenausschüssen zur weiteren Amtshandlung überweisen, sie vorerst der Unterstützung seitens der Vereine und erst bei mangelnden Mitteln der Gemeinde zuführen. Ein Missbrauch wäre, hier gänzlich ausgeschlossen. Andererseits wäre man in der Lage, Arbeitslosen etwa durch Beschaffung von Arbeit einfür allemal anfzuhelfen, was entschieden wohlthätiger, wirksamer und finanzpolitisch richtiger ist, als eine vielleicht regelmäßige, aber im einzelnen doch unzulängliche Geldunterstützung. Nur drei Jahre Statistik und drei Jahre auf ihr beruhender Arbeit — uno das Gemeindebudget msüste nach dieser Richtung allein sich um mindestens 60.000 bis 80.000 fl. entlastet haben, die anderweitig vielleicht besser verwendet werden könnten. Der „Volks- Verein" nicht minder wie die Gemeinde und die mit Wvhlthätigkeitspflege sich befassenden Kreise müssen sich darüber klar werden: Eine Regelung aller dieser Fragen ist insolange einfach unmöglich, solange nicht eine gründliche, sorgfältige Statistik vorliegt. Zum Schluffe endlich ein Beispiel, das zumindest für die Wiener Cultusgemeinde von der größten politischen Bedeutung ist. Es bezieht sich auf die Steuerbemessung. Nach zwei Richtungen hin bewegen sich die berechtigten Klagen der und insbesondere Reorganisation der Armenpflege, vor allem Steuerzahler. Man ist einerseits über die fortgesetzte Erhöhung Der Held selbst ist dem Judenthum entfremdet; zum Christenthum zieht ihn eine geheime Sympathie, aber es ist ihm zu jüdisch. So will er denn jenseits von Judenthum und Christenthum auf Erden ein Reich gründen, leidet aber kläglich Sch-.ffbruch mit seinen Plänen. Schließlich nimmt er eine Jüdin ans den Armen eines Christen und gründet mit ihr ein glückliches jüdisches" Familienleben. Das ist der Weisheit letzter Schluss. Die -Zukunft Jacob Wassermanns aber hängt davon ab, ob--er des Confl'.ctes in seiner Seele Herr lverden kann oder nicht. Der Zmüügesetzte. (E i n G h e t t o b i l d.) Eigentlich .könnte man ihn auch das „verkannte Genie" des Ghettos nenne». Er ist aber vor allem ein Gelehrter, ein Psadpfinder in. dem Labyrinthe des Talmud, neben welchem alle Weisheit eitel Thorheit ist. Dass man im Ghetto ihn nicht zu schätzen weiß, ist auf folgende Gründe znrückznführen: einmal ist dies der Am-Ha-Arez (der Ignorant) nicht imstande; nnd wer wäre neben unserem verkannten Lamdon (Talmudgelehrten) kein Am-Ha-Arez? Dann können sich diejenigen, die sich sozusagen auch mit der Wissenschaft beschäftigen, sei sie nun eine profane oder heilige, zu der Höhe unseres Gelehrten nicht emporschwingen; und so blickt unser Lamdon von der schwindeligen Höhe seiner talmndischen Weisheit spöttisch lächelnd hernieder auf all das Gewürm, das zu seinen Füßen kreucht und fleucht; sie lverden ihn ja doch nie verstehen, die niedrigeil Seelen, und er wird also immer der von ihnen Zurückgesetzte bleiben. — Sv wandelt er einsam dahin auf seinen kahlen Höhen, denn dort oben ist es einsam. Er ist aber auch ein Mann von ganz außerordentlicher Frömmigkeit, ein Heros der Gottesfurcht. Von den 613 Geboten lässt er Dir auch kein I-Tüpfelchen nach. Er ist ein Künstler im Jrommsein, ewig auf der Spur, bei Anderen Fehler und Mängel zu entdecken, während er sich täglich, ja stündlich neue Gebote und religiöse Pflichten schafft. Wie könnte auch, so ruft j er auS, ein Ignorant ein wahrhaft Frommer sein? Er i lächelt nur spöttisch, wenn er sieht, wie es ihm Andere am! Frominthun gleichmachen wollen. Narren und Ignoranten, zu i dem Gipfelpunkte des Gerechtseins, auf dem unser Frommer! steht, werdet Ihr nie emporklimmen, darum wandelt nur! weiter in Eueren finsteren Niederungen, nnd bleibet, lvas Ihr! seid: Unfromme Ignoranten. Was aber kann man von solchen Individuen anderes erwarten, als dass sie den von ihnen Unverstandenen auch immer znrücksetzen? Wie weit übrigens auf! diesem Gebiete eie Unwissenheit der Vertreter der Gemeinde! gehe, das hat unser „Znrückgesetztcr" an den heiligen Tagen, j insonderheit am Versöhnungstage, so recht zu erkennen Gelegenheit gehabt. Wer ist berufen, den Schofar zu blasen, wenn nicht er, der Gelehrte nnd Fromme, wenn nicht er, der Gelehrteste und Frömrnste der Gemeinde? Und da wagt es der Vorsteher der Gemeinde, welcher, nebenbei bemerkt, heimlich ani Sabbath eine Cubacigarre raucht, und dem auch der Genuss des Schinkens nicht ganz unbekannt sein soll, zu beschließen : Zu blasen hat Reb Moscheh Hinterdörfer, ein Mensch, welcher angeblich in dieser frommen Kunst Großes leistet, von dem aber unserem Lamdon bekannt ist, dass er in der Wissenschaft des Talmud ein Stümper sei, da sich der rohe Häutehandel mit der talmndischen Gelehrsamkeit schwer verträgt. Uebrigens hat der benamste Moscheh Hinterdörfer als Vorbeter einmal seine eclatante Unwissenheit gezeigt, indem er eine Setichah (ein Bußgebet) au ganz unpassender Stelle recitierte, und man höre und entsetze sich, am Nenmondstnge zur Erheiterung aller Frommen und Gerechten, das „Tachamuu" ‘) sagte; ein Mensch, welcher solche Proben seiner grenzenlosen Unwissenheit gegeben, wurde als Schvfarbläser unserem Lamdon vorgezogen, der allein berufen ist, die geheimnisvollen Töne emporznsendkn für die wirklich sündhafte Gemeine. — l der Stenern erbittert und beschwert sich andererseits über den I vollständigen Mangel irgendwelchen Systems der Bemessung, wodurch es geschehen kann, dass ein Wühler im zehnten Bezirk etwa 50 fl. Steuer entrichtet, während ein anderer mit nahezu gleichen Vermögensverhältnissen im zweite» Bezirk auf nur 10 st. eingeschätzt wird. Die Institution der ernannten Schätzuugs-Conmnssivncn kann daran so viel wie nichts ändern; dies hat die Erfahrung bereits gelehrt. Auch die Gemeinde sicht dies ein. Aber der Forderung nach einer systematischen Stenerbemessnttg, etwa der Personal-Einkommensteuer, setzt sie die stereotype Antwort entgegen : Die Einführung der Personal- Einkomnienstener sei unmöglich, weil der Staat in die Steuerbekenntnisse keine Einsicht gewähre. Als ob dies der einzige Ausweg wäre. Stände der Gemeinde eine Statistik zur Verfügung, sie wäre in der Lage, durch Effcctnierung eines Berufs- Steuersystems mit progressiver Tendenz nicht nur die heutigen Mängel zu beseitigen, sondern auch durch bloße Heranziehung tausender von Steuerträgern eine beträchtliche Erhöhung ihrer ordentlichen Einnahmen zu erzielen! Jeder mit Socialpolitik Vertraute — und ich vermuthe mit Recht, auch der Chef der Steuerabtheilung, Herr Wiener — weiß, wie leicht es ist, das Einkommen der nach einer Berufsstatistik geordneten Gesellschaftsclassen mit geradezu unheimlicher Genauig-> keit abzuschätzen. Festzustellen, wie hoch sich etwa das Einkommen der Handwerker, die mit 1—3 Gehilfen arbeiten, belaufe, wie hoch das der Gemischtwarenhändler, das der größeren Consumgeschäfte rc., zumal, wenn zu der Berufsstatistik noch eine der Wohnnngsverhältnisse hinzutritt, worüber später gesprochen werden soll. Die Vortheile, die eine Statistik nach dieser Richtung gewähren würde, sind derzeit nicht abzuschätzen; schon deshalb nicht, weil die Gemeinde bis heute nicht einmal im Besitze eines vollständigen Zählcatasters der Wiener Judenschaft sich befindet, was allerdings nur Schuld der Gemeinde ist.' Denn nach einer ganz zuverlässigen Mittheilung wurde bei der letzten Volkszählung (1891) der Gemeinde das Material zur Anlegung eines Catasters überlassen; dasselbe soll aber heute noch wohlversiegelt und verwahrt in den Kästen der Seiten-, stettengasse ruhen. Allein man kann nach einer annähernden Berechnung*) die Erhöhung der ordentlichen Gemeinde-Einnahmen auf 120.000—200.000 fl. einschätzen, ohne bedeutendere, der Nennung überhaupt werte Steigerung der Ausgaben. Die Gemeinde wird sich, woferne sie überhaupt darauf Anspruch erhebt, ernst genommen zu werden nnd die Wünsche der Steuerzahler berücksichtigen zu wollen, der Erkenntnis nicht länger verschließen dürfen: Eine Gesundung ihrer tristen materiellen und auch moralischen Lage ist nur durch systematische, ans Grund einer sorgsamen Statistik dnrchgeführte Neueinrichtungen möglich. Wie nun eine derartige Statistik durch ein statistisches Amt gewonnen werden kann, wie dieses eingerichtet werden muss, um ein getreues Bild der Wirklichkeit zu geben, will ich im nächsten Artikel zü zeigen versuchen. - (Fortsetzung folgt.) das neue Hofrath Kareis im Jüdischen Volksverein. In der richtigen Erkenntnis, dass die Ausnützung des neuen Heimatsrechtes von eminenter Bedeutung für die Judenschaft sei, hat der Jüdische Volksverein beschlossen, ein Bureau zu errichten, in welchem allen jenen, welche um die Heimatsberechtigung einkommen wollen, unentgeltlich die erforderliche Unterstützung zutheil werden soll. 'Da nun anzunehmen war, dass die breiten Massen *) Dieselbe gründet sich auf die Kenntnis der Verhältnisse der jüdischen Wohlthätigkeits-, Kranken- und Leichenbestattungs- Vereine, deren geringster Monatsbeitrag 30 kr. beträgt. TUftTiy I' ■»— ') Der 0. Psalm. Am Versöhnungstage lässt der Sabbathentweiher und Trefesesser von einem Vorsteher, den Doctor, Ignoranten und Prediger der Gemeinde, das „Nellahgebet" (Schlussgebet) verrichten. Der Mann ist Dvetor einer gottlosen Philosophie, spielt sich auf den großen Redner heraus, und citiert Talmudstellen in seinen Predigten ganz falsch, wie ihm dies „unser Znrückgesetzter" nachgewiesen har. Und ein solcher Mensch, welcher vom Talmud soviel versteht, wie ein Esel von der Wasserbaukunde, wagt es, „Nellah" zu beten! Man sieht, wie weit die Verruchtheit unserer Zeit reicht, wie wenig Gottesfurcht in ihr zu finden ist. Kann es uns da wundern, wenn sich der „Znrückgesetzte" immer mehr in seine Gerechtigkeit einspinnt, wie die Spinne in ihr Gewebe, »venu er sich immer mehr in den Mantel seiner Frömmigkeit hüllt, wie die Schnecke in ihr Gehäuse? Und dieser Dvetor, Ignorant und Prediger wagte es — Gipfelpunkt des Uebermnthes und der Frevelhaftigkeit — sich am „Freudenfeste der Thora" als „Bräutigam der Thora" aufrnfen zu lassen. Jetzt steht die Welt auf keinen Fall mehr lang. Stolz lehnte es „der Znrückgesetzte" ab, sich neben den Am-Ha-Arez, welcher Talmndstelleu falsch citiert, zur Thora zu stellen; mau hat auch ein Selbstbewusstsein und darf sich nicht selbst herabsetzen. Wer aber wird, wenn er von solchen Tatsachen schaudernd hört, noch behaupten wollen, dass es Gerechtigkeit auf dieser Erde gibt? Verworfen ist das Menschengeschlecht, welches es wagt in eine m Athem Philosophie und Talmud zu neunen nnd zn behaupten, dass es neben dem talmudischem Wissen sozusagen noch eine andere Wissenschaft gebe. Sv ganz einsam ist übrigens „unser Znrückgesetzter" denn doch nicht. Er hat eine kleine Gemeine, welche auf ihn schwört und ihn wie einen, wenn auch etioas verkannten, Heiligen verehrt. Das sind vor allem die „Stänkerer", die Unzufriedenen, welche dem am Sabbath Cigarren rauchenden Vorsteher, her auch vor einem Schweinebraten »licht zurückscheut und ebenso beut Ignoranten, Doctor und Prediger gerne eins am Zeage

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