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Jüdisches Volksblatt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ÄxtzaEon: VIiI/1, SchlStzLlsrrffe 11. Eprechftmrdenr 8n Woü>enta,icn von 10 bis is vhr vorinittagS; an Sonntagen von 11 bis Uhr vorinittagS. psfiadresie: Jüdisches Meimiatt, Wie«, VIU|1. Vr1ch!vsrdrn wegen verspäteter oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns bringend. — MamrsertLte werde» nicht znrüSaestellt. Vostsparcassen-Conto S47i>87. In das Mbonnement kann man täglich eintreten. «rüer Mitwirkung der vom jüdikchen Volks- Verein erwählten Prefsrommisston. Inserate übernehmen die Firmm: I. Danneberg, M. DukeS, Haasenstein & Bögler, Rudolf Masse, St. Oppelik, M. Pozsonyi, kl. Schale! in Wien, ferner alle Nnnoncen-Expedttionen im Ausland?. GiuzeL-Nummer irr Wie« IG Heller. NvMimstratwn: VIII/1» SchlöhelgEe 11. Abonnementspreis: Mir Wien n. L)efterreich-Ungarn sammt Arancozustellung. Ganzjährig . . Kr. 8.— talbjährig.„ 4.— lertelsährig.. 2.— Für daS nesammte AnSland sammt Franeo,Zustellung. Tunzsährig . Halbjährig . Vierteljährig - Kr. 4.50 , 2.2S?. 2 Die Wahlen in der v. Cmie. Bei Beurtheilung der Wahlen in der 5. Curie muss man sich sowohl von der Ueberschätzung als Unterschätzung chrer Bedeutung gleichmäßig hüten. Man darf sie insbesonders licht von dem einseitigen Standpunkte aus betrachten, wie es Die Organe der einzelnen Parteien zu thun belieben. Eigentlich hat mit Ausnahme der radical-deutschnationalen gar keine Partei Ursache, über den Ausgang der Wahlen besonders zu triumphieren, wohl aber sind, wie die bisherigen Wahlen beweis en, die Positionen aller übrigen Parteien erschüttert. Was die! Verhältnisse in Dentschösterreich betrifft, so kommen die Libe ralen überhaupt nicht mehr in Betracht, sondern büßen den Rest ihres Einflusses zugunsten der Deutschnationalen ein, soweit sie nicht sich mit den Deutschnationalen verbünden. Da aber diese Coalition nur um den Preis des offenen oder sacultiven Antisemitismus möglich ist, so ei wachsen daraus keineswegs für die Juden rosige Consequenzen, besonders in den gemischtsprachigen Ländern Böhmen und Mähren, wo das Vordringen des radicalen Nationalismus bei Deutschen und Czechen parallel mit dem Nassenantisemitismus sich bemerkbar macht. An dieser traurigen Thatsache ändern die socialdemokratischen Wahlsiege in Wien nichts, umsomehr, als die Socialdemokraten in Böhmen sechs Mandate an die Deutsch- und Czechisch-Radicalen verloren. Wohl aber beweist der theilweise Wahlsieg der Socialdemokraten in Wien, dass die Position der Christlich-Socialen in Wien erschüttert ist und Lueger cmfgehört hat, alleiniger Herr von Wien und Niederösterreich zu sein. Wenn die pseudoliberalen Blätter und das assimilatorische Judenthum aus der christlich-socialen Niederlage auf ein Wiedererwachen ihrer traurigen Aera schließen, dann verstehen sie schlecht oder wollen mit Absicht die Bedeutung der Statistik missverstehen, die sich in dem Wiener Wahlresultat wiederspiegelt. Von den 1 4.0 0 0 Stimmen, welche die christlichsociale Partei verlor, profitierte kaum die Hälfte die socialdemvkratische. Wenn man weiter erwägt, dass der Wahlsieg Di. Ellenbogens nur mit 1000 Stimmen erfolgte, wobei insbesondere das jüdische Wählercontitigent in der Leopvldstadt ausschlaggebend war und zum Wahlsiege Schuh meiers, der keineswegs allzugroßer P h i l o s e m i t ist, die langandauernde Zerklüftung im christlichsocialen Lager in Ottakring beitrug und man schließlich berücksichtigt, dass der größte Theil der Czechen, verbittert über die deutschthümelnde Haltung der Christlich-Socialen, sowie nahezu die gesammte Judenschaft Wiens, sowie alle Liberalen, Demokraten und Socialpolitiker ihre Stimmen auf die socialdemokratischen Candidaten vereinigten, so ändert dies wohl nichts an der Bedentnng der Erschütterung der christlich-socialen Herrschaft, aber es bewahrt vor der Ueberschätzung der socialdemokratischen Wahlsiege und der christlich-socialen Niederlage. Die Kraft der christlich-socialen Partei besteht ja eben darin. Jüdische Künstler. Von Dr. Leo Gofer. (Schluss.) Im zweiten Theile will uns der Dichter ein Spiegelbild der Seele der modernen Inden geben. Der Spiegel selbst aber zeigt einen Sprun» daher ist das Bild verzerrt und unkenntlich. Wassers. a-A n gräbt tief und findet manchmal Gold, oft ist es aber Katzengold. Aber in einem Gedanken hat er Recht, der das Buch wie ein rother Faden durchzieht. Es gibt zwei Typen unter den Juden. Der eine ist der idealistische, altruistische; der andere der geldgierige, egoistische. Alles Gute und Schöne, das vom Judenthum kam, kam vom ersten Typus, alles Hässliche und Feindselige vom zweiten. Die Typen sind so alt tüte das Judenthum und aus beiden entspringt seine Macht, die ans zwei Säulen' fusst: Geist und 'Geld. Es gibt solche Juden und solche. Die einen scheinen auserlesen,"für alles was gut, groß, poetisch ist. Die anderen, die meisten, sind Würmer, Schlangen. Die anderen schildert er folgendermaßen: „Es war eine ziemlich ungemischte Gesellschaft. Jüdische Kaufleute mit den üblichen Formen der Bärte nnb dem glatten pomadisierten Haar. Juden von der Presse mit dem spitzfindigen, alles hinnehmettden, alles entschuldigenden Lächeln, der schmalen Tournüre und tänzelndem Schritte. Juden vom niederen Beamtendienste mit dieser überhvbenen Wichtigkeit und unerschütterlichem Ernste. Jüdische Aerzte und Advocaten mit gleichsam stechenden Manieren, yoll Höflichkeit und Gesuchtheit. Alle Gesichter verriethen Intelligenz, aber nur jene Intelligenz, welche von den verborgenen Werten dyr Dinge nichts weiß, die an der Stunde festklebt, mit der stunde rechnet, und die Augen schließt, weil» die Nacht kommt. Gesichter hatten etwas Ueberlebtes, etwas von dem Ahtien, 11. Immer 1901. dass sie vorläufig noch keinen Erben besitzt. Es ist vielmehr die Gefahr vorhanden, dass bei einer weiteren Abbröckelung der Christlich-Socialen die lachenden Erben derselben die Deutsch-Radicalen sein werden, die die Erbschaft der Alt-Liberalen in Böhmen und Mähren an sich rissen und noch immer an sich reißen. Möge immerhin die deutsch-radicale Partei, wo sie — wie in Böhmen und Mähren die jüdischen Stimmen gegen die Czechen oder Socialdemokraten braucht — ihr antisemitisches Glaubensbekenntnis in den Hintergrund drängen, im geeigneten Momente wird es dem Juden gegenüber heißen: „Der Mohr hat seine Arbeit gkthau, der er kann gehn", und der zurückgedrängte oder geschlagene christlich-sociale Antisemitismus wird im deutsch-radicalen Gewände zur Verblüffung jener Juden seine Auferstehung feiern, welche aus den bisherigen Lehren des österreichischen Partei•• lebens alles vergessen haben. Ueberhaupt ändern die bisherigen Wahlen nichts an dem alten Jammer des österreichischen Parteiwesens, das in der Trias, „nationaler Chauvinismus, Clericalismus und Antisemitismus" gipfelt. Nicht allein unter den Deutschen, sondern auch unter allen übrigen Nationalitäten der österreichischen Monarchie, machen sich diese Erscheinungen bemerkbar. Die Position, der Jungczechen ist ins Wanken gerathen, Czechischnotional--Sociale, czechische Clericale und czechische National-Radicale (alle mit antisemitischem Anstriche) wurden gewählt, oder erhielten bedeutende Minoritäten. So bekam z. B. in Brünn in per V. Curie der czechisch-christlichsociale Candidat Rybnieek fast ebensoviel Stimmen, wie der Jungczeche A d a m i r a. Selbst in Galizien, wo man doch annehmen sollte, dass kein besonderer Anlass zum nationalen Chauvinismus vorhanden wäre, entrollte derOolenclub die Fahne der „nationalen Solidarität" und siegte ypter diesem Banner gegen alle oppositionellen Elemente. Auch in Galizien ist, wie in Böhmen und Mähren, der Rückgang der Socialdemokratie bemerkbar. D a s z i n s k y vereinigte diesmal bedeutend weniger' Stimmen, als bei der Wahl im Jahre 1897 ans sich. Sowie Böhmen deutsch- und czechisch-nationale Socialisten in den Reichsrath entsendet, so wurde in der V. Curie in Lemberg der unabhängige Socialist Breiter gewählt, den die jüdische und ruthrnische Wählerschaft dem social-demokratischen Candidaten vorzog. Auch ist die Erscheinung keineswegs erfreulich, dass die antisemitisch angehauchte Stojalowski-Fraction relativ die meisten Erfolge gegenüber den Schlachzizen davontrug, andererseits macht sich in zahlreichen ruthenischen Kreisen eine Erbitterung bemerkbar, dass in vielen galizischen Bezirken die jüdischen Stimmen zugunsten der polnischen Candidaten, gegenüber den ruthenischen den Ausschlag gaben. * * * So ist denn die Bilanz der bisherigen Reichsrathswahlen — und der Rest der ausstehenden wird an dieser Thatsache nichts ändern — von einein höheren Gesichtspunkte, geglühtsein, wie es das gemeine Leben mit sich bringt; alles Edlere war verwischt. Die Kaufleute hatten das Uebergewicht. Das war klar, sie fühlten das Geld in ihren Taschen klimpern, und sie waren überzeugt von den höchsten Eigenschaften dieser Macht, wie Sklaven, die heuchlerisch ihre Gewalt versteckeit und sich auf die Stunde freuen, wo sie ihre Krallen zeigen dürfen. Alles zeugte von gemeinen Freuden und Genüssen, von der Verachtung des wahren Ernstes, von Frivolität und der Sucht, den Tag leicht zu nehmen. Die Idealisten schildert er folgendermaßen: Bei ihnen gibt es manchmal Individuen von wunderlicher Kraft. Besonders in der Jugend. Daran mag es liegen. Wenn sie jung sind, ist ihre Seele von einem reinlichen, unbeschmutzten Feuer erfüllt. Sie sind starke Träumer, mochten die Welt aus den Angeln heben und wissen doch nichts von der Welt. Wenn sie doch wüssten! Gehen sie hin, Agalhon, wecken sie ihr Volk auf. Sagen sie: „Wach' auf mein Volk!" wie die Propheten in der Bibel ... Es ist mir, als ob gerade aus den Juden noch einmal ein großer Prophet aufstehen müsste, der alles wieder zusammenleimt. Es ist selten, aber bisweilen trifft man einen Juden, der das herrlichste Menschenexemplar ist, das man finden kann um und um.' Alle reinen Glieder der Rasse scheinen sich vereinigt zu haben, ihn hervorznbringen, ihn mit allen köstlichen Eigenschaften auszustatten, die die Nation je besessen hat: Kraft und Tiefe, sittliche Größe und Freiheit, alles ausgenommen den Humor. In seinem Kopfe sitzen ein paar Augen voll Mildheit und Güte, feurig und doch wieder schüchtern, phantasievoll und nach keiner Seite hin borniert, wundervoll. Mit besonderer Ausführlichkeit behandelt der Dichter die jüdischen Künstler. Dass sie Handel und Presse an sich gerissen haben, das ist nothwendig und nützlich. Aber dass sie in die eindringen, macht ihm viele Sorgen. Aber nun nehmen sie Theil an der reichen und feinen HL Jahrgang. als dem der Clique betrachtet, ungemein,irckurig. Praurig für Oesterreich und seine Völker im allgemeinen, uyd für die Inden im besonderen. Auch das neue östexr^ichsfche Parlament, in welches die verschiedenen nationalen EbanymisteN verstärk! einziehen, wird Oesterreich keineswegs eineZeit ges,unseren Friedens, des politischen Fortschrittes, der wirtschaftlichen Reform bringen, sondern erneuerte Ausbrüche der Nationülitatenhetze und des antisemitischen Racenhasses. ,. Bald wird das neugewählte Parlament, zusammentreten, und bald wird es vielleicht wieder aufgelöst werden. Pie parlamentarische Komödie kann dann von frischem beginnen. Dr. IC. Dr. H. Seit Jahr und Tag wird in den intimeren Kreisen des „Jüd. Volksverein" die Idee der Errichtung eines jüdisch-statistischen Amtes erwogen; allein über das Stadium der Besprechung zwischen einzelnen, wenngleich führenden Personen, ist die Frage nicht hinausgekonnyen. Man hat das dringende Bedürfnis nach ihrer Realisation nicht nur in diesen Kreisen, sondern auch in den der höheren Beamtenschaft der Cultusgemeinde anerkannt, gegebenenfalls allezeit nnd jedenorts die lebhaftesten Wünsche nach der endlichen Effectuierung geäußert, allein trotz alledem keine lebhaftere Action oder Agitation eingeleitet. Wenn aber jemals ein günstiger Zeitpunkt für die Ausführung dieses schönen Planes gekommen war, dann ist cs der Beginn des Jahres, das mit der Volkszählung e i n s e tz t. Aus welchen Gründen dies so ist, werde ich im anderen Theil des Artikels, über die praktische Durchführbarkeit, der Idee zeigen. Vorerst will ich Einiges theoretisch über die unbedingte Nothwendigkeit einer jüdischen Statistik sagen. In sämmtlichen politischen und socialen Kämpfen der Gegenwart ist die Statistik eines der wichtigsten Kampfesmittel geworden. Für die Beurtheilung und das Zustandekommen von Handelsverträgen ist sie ebenso ausschlaggebend, wie etwa fiir die Abschätzung der nationalen Verhältnisse Oesterreichs, wie ferner für den Kampf der organisierten Arbeiterschaft um ihre Classenemancipation. Es gibt keinen Cultnrstaat mehr, der ihre Bedeutung nicht längst anerkannt hätte, die meisten haben ihr durch Errichtung allgemeiner und specieller statistischer Aemter Ausdruck verliehen. Auch von privater Seite wird die Statistik in sehr großem Maßstabe gepflegt. So hat sich — um nur ein Beispiel qnzuführen — die organisierte Arbeiterschaft in ihr^n Gewerkschafts- und Arbeitersecretariaten statistische Institutionen geschaffen, die so Vorzügliches leisten, dass sich namhafte Gelehrte aller Cultnrstaaten ihrer Resultate oft und gerne zu wissenschaftlichen Zwecken bedienen, dies weiß jeder, mit den Socialwiffenschaften nur halbwegs Vertraute. Nur die Cultur, die sie selbst mit schufen, und wachsenin die Kunst hinein. Jetzt sehen sie überall jüdische Künstler, erschreckend viele, erschreckend gute. , :. Es sind echte Künstler, daran ist nicht zu zweifeln. Aber sie richten die Deutschen zugrunde. Alles, was, wir erworben haben, lange und mühselig, damit können sie . hantieren, alles, wonach wir ringen, das haben sie, wann wir.unser Blut hingeben würden für eine Sache, stecken sie die Sache schon in die Tasche. Es fließt ihnen zu, sie haben keinerlei Kampf damit zu besteben. Und ich will ihnen sagen, woran es liegt, dass sie uns überall das Brot w.egnphmen, sie hab.en kein? Tieft. Sie kommen ja aus dem Schoße eines wunderbaren Volkes. Welche Verfolgungen, welche Unterdrückungen. Aber wie ein Wurm krümmt sich dieser Körper durch die Zeiten unerschöpflich an Lebenskraft. Aber jetzt naht die Krisis. Sie nehmen uns die Wahrheit in der Kunst und die Aufrichtigkeit. Sie ersetzen es unbewusst mit dem Scheine von Wahrheit, mit dem Scheitle von Aufrichtigkeit. Sie bringen uns eine neue Art von Sentimentalität, die sich als Naivität gibt und mit grüblerischer Weymuth nach dem Grunde der Dinge sucht. Darum muffen die Juden fort. Das sind die falschen Voraussetzungen des Dichters, von denen ich sprach. Die jüdischen Künstler springen nicht mit affenmäßiger Geschwindigkeit m die Kunst hinein, noch zaubern sie Blendwerke hervor. Nein, sie schöpfen nur aus dem überreichen Reservoire der jüdischen Rasse, aus dem lange anfgesparten Speicher von Gestaltungskraft. Es fehlt ihnen auch nicht an Tiefe, noch an Wahrheit, sondern sie leiden, wie Waffe rm a n n selbst, an dem Cottflicte von Jnstinct und Verstand, wie ich ihn in der Einleitung schilderte. So gewandt und fein der Autor Thesen zu vertheidigen weiß, man mag mit ihm übereinstimmen oder nicht, so verschwommen zeichnet er die Figuren. Lauter dekadente Typen, die nicht wissen, was sie wollen.

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