Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 1 (4.1.1901)
- Date
- 1901-01-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 4. Jänner 1901 Nr. 1 Eile thut da noth — soforiiges Handeln, nachdem die Möglichkeit klar erwiesen ist. Außer der all ge m ei n e n Möglichkeit einer sofortigen Colonisation in den oben angeführten Gebieten wären wir — im Falle von CyPern — auch schon in der Lage, ans der großen vorhandenen Literatur, den Regier nngsberichten und persönlicher Kenntnisnahme s p e c i e l l e Möglichkeiten nachzuweisen. Der Verein „Scha'are Zionwill aber Specialpläne erst vorlegen, nachdem eine officielle Commission von Fachleuten die einschlägigen Fragen an Ort und Stelle studiert haben wird. Die Entsendung einer solchen Commission und die zur Verbreitung seiner Ideen uvthige Propaganda betrachtet der Verein als seine erste und dringendste Aufgabe. Um dieselbe zu ermöglichen, wendet er sich an die große jüdische Oeffentlichteit. Wird sie die Sache aufgreifen? Wenn das Mitgefühl, welches die fortwährenden jüdischen Katastrophen geweckt haben, und wenn das Bedauern über das Fehlen von M ö g l i ch k e i t e n einer Hilfe nicht gewesen sind, so dürfen wir den schwierigsten Thcil des jüdischen Problems als gelöst ansehen und einer neuen Zeit entgegengehen — e iner Z e i t voll Arbeit und voll Erfolg! 1 ii m'i y*i iy.*ri■>■>*>• v *1»«...^ Wien. (Orthodoxer Bethausverein.) Wirerhalten folgende Zuschrift: In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes wird die Genehmigung des Titels eines Bethauses «orthodoxer Bethausverein" dahin ausgelegt, es sei dies der erste Fall, dass die Behörden vom orthodoxen Judenthum als solches" Kenntnis nehmen und es in dieser Qualität anerkennen. Im Namen der historischen Wahrheit sei bemerkt: 1. Die Genehmigung des Titels involviert weder eine Kenntnisnahme, noch eine Anerkennung. 2. Unser „hochdeutsch-orthodoxer Verein" im IX. Bezirke existiert seit mehreren Jahren, ohne sich dre Erfindung des'., amtlich anerkannten orthodoxen Judenthums zu vindicieren. 3. Seit Decennien kannten die Behörden amtlich ein orthodoxes Judenthum und dessen berufene Vertreter; zu einer Zeit, wo weder der betreffende Verein noch auch dessen ältestes Mitglied existierten. Für die Ausnahme dieser Zeilen bestens dankend, zeichnet hochachtungsvoll E. B. -es Harrdelsarrgestellten Vereines „Crrrrrnah" in Brünn. (Den JP. T. Chefs steht diese Rubrik unentgeltlich zur Verfügung. Urirrste Uacarizen-Lister (Sarrimtliche Offerte sind an den Verein zu richten.) Mehrere jüdische Mädchen werden als Kindermädchen und Dienstboten gesucht. Mehrere jüdische Lehrburschen für verschiedene Handwerker gesucht. Mehrere jüdischeGoldarbeiter werden gesucht. Comptoirist, deutsch, böhmisch, Stenograph, für Mähren. Comptoirist, deutsch, böhmisch, Prag. Comptoir ist, deutsch, böhmisch, Stenograph, für Böhmen. Comptoir-Praktikant, absolvierter Handelsschüler, mit schöner Schrift, Stenograph, Brünn. Commis, Spezerei, nach der Auslehre, Ung.-Hradisch. Commis, Spezerei, deutsch, böhmisch, mit 20 Gulden Anfangsgehalt und freier Station, Mistek. Uhrmacher, mit 60 Gulden Monatsgehalt, selbständiger Arbeiter und Verkäufer, .Mistek. Praktikant, Uhrengeschäft, Mistek. Commis, Spezerei, Hullein. Commis, Manufactur, Wagstadt. Praktikant, deutsch, böhmisch, Modewaren, Göding. Comptoirist, deutsch, böhmisch, Wischau. Maschinenschlosser findet in einer Maschinen- und Eisenconstructions-Wcrlstätte in Prag Aufnahme. Offerte unter „A. N.", Prag. Mehrere Schuhmachergehilfen werden für Brünn gesucht. Commis, Seide, Wien. Commis, Manufactur, Lundenburg. C o m p t o i r i st, Stenograph, Mähren. Auslage-Arrangeur, Mode, Manufactur, Vielih. Mehrere Comptoirist innen, deutich, böhmisch. Commis der Leder-, Eisen-, Kurz- und Specereibranche «ird sür Luhatschowitz gesucht. Commis, Spezerei, Pardubitz. Commis, Galanterie, Wien. C o m p t o i r i st, deutsch, ungarisch, Neutra. SleUen-Grsnche. Commis der Spezereibranche, deutsch, böhmisch, sucht Popen. Gütige Anträge unter „Lindler". Commis der Spezerei-, Eisen-, Colonial- und Färbwarenbranche, 17'/, Jahre alt, deutsch, böhmisch, mit schöner Handschrift, in sämmtlichen Comptoir-Arbeiten versiert, sucht paffenden Posten. Gütige Anträge unter „Schön". Commis, 18'/, Jahre alt, der Galanterie- und Wirk- «arenbranche, beider Landessprachen mächtig, wünscht seinen Posten zu verändern. Anträge unter „Bondy". Commis der Eisen- und Materialwarenhandlung sucht Posten. Anträge unter „Hartmann". Commis der Spezereibranche, 19 Jahre alt, deutsch, böhmisch, sucht Stelle. Anträge unter „Kohn"' Commis der Manufactur- und Kurzwarenbranche, beider Handessprachen mächtig. Gütige Anträge unter „Tandler". Commis der Wirkwarenbranche, sucht Posten. Anträge unter „Friedmann". Co m mi s der. Manusacturbranche, sucht Stelle. Anträge unter „Tschaßny". Bureaubeamter, Absolvent voll 8 Classen Gymnasium, 45 Jahre alt, deutsch, böhmisch, sucht Posten in dieser «genschaft unter „A. P". Buchhalter oder C o m p t o! r i st unter „I. F." C o m p t o i r i st, junger Mcum mit schöner Handschrift, sucht Posten in beliebiger Branche in dieser Eigenschaft unter *». S." CommiS der Lederbranche, im Lederausschnitte besonders tüchtig, deutsch, ungarisch, sucht Posten. Anfragen unter „Adolf Donnath." Comptoirist der Mehlbranche sucht Posten. Anfragen Snter „Israel Quartner". Buchhalter, der viele Jahre in einer größeren Petro« beum-Rasfinerie und Dampfmühle thätig ist, wünscht seinen Posten zu verändern. Geneigte Anträge unter „Moritz Haber". Comptoirist, deutsch und böhmisch in Wort und Schrift, Stenograph, sucht passenden Posten. Anfrage unter „Johann Lampe!". Tüchtiger Goldarbeiter sucht Posten. Gefällige Anträge unter „I. Kleinmann". Commis der Colonial-, Eisen- und Liqueurbranche sucht Stellung. Gütige Anträge unter „Pollack". Tüchtiger Spengler, der in der Montage von elektrischen Leitungen und in der Eindeckung complicrerterer Art (Kirchendächer, Thurmdächer, Kuppeln) bewandert ist, sucht Posten. Geneigte Anträge unter „Zausner". Junger Mann mit schöner Handschrift, sucht als Comptoirist Stellung. Anträge unter „Seidenstein". C o m p t o i r i st, deutsch, böhmisch, 17 Jahre alt, sucht Posten. Anträge unter „Löwenthal." CommiS der Lederbranche, 19 Jahre alt, der deutschen und böhmischen Sprache in Wort und Schrift mächtig, in der zweifachen Buchführung bewandert, wünscht seinen Posten zu verändern. Gütige Anträge unter „Baumgarten". C o m p t o i r i st, absolvierter Handelsschüler, sprachenkundig, Stenograph, guter Korrespondent, mit vorzüglichen Referenzen, sucht per sofort Stelle bei bescheidenen Ansprüchen. Anträge unter „selbständiger Arbeiter". Tüchtiger Kellner mit mehrjähriger Praxis sucht in einem größeren Restaurant oder Kaffeehaus unterzukommen. Anträge unter „Schneider". Commis, 18 Jahre alt, deutsch, böhmisch, der Tuch- und Modewarenbranche sucht Posten. Anträge unter „Eugen Weiner". C o m p t o i r i st, 23 Jahre alt, beider Landessprachen mächtig, Stenograph, sucht Stelle. Anträge unter „Pollak". Briefkasten. I. in PloSka. Es genügt vollständig: Professor M. L. in B. H. W. in Budapest. Die gewünschten Nummern sind leider vergriffen. Für ihre Mühe besten Dank. Die nölhigen Informationen werden Ihnen in den nächsten Tagen zugehen. A. I. in Kolomea. Die beiden Nummern wurden bereits nachgeschickt. Die gewünschten Adressen sind: Für Schreibwaren en gros Julius Weiß, I., Rathhausstraße 19, für Stahlfedern Mendel LLöwy, I., Wollzeüe, sür Papierwaren L a ß n e r & Ascher, VI., Windmühlgasse 49, Brüder Rosenbaum, VIII., Josefstädterstraße 31, Firma C. K. L Co. am Stephansplatz ist ebenso leistungsfähig als theuer. — Sind Sie also jetzt mit Ihrem Corpscommandanten zufrieden? Besten Gruß! Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Freilich entgieng es ihm nicht, dass der gute Vetter sich seinerseits bisher ebensowenig um ihn gekümmert und dass die Vernachlässigung eine gegenseitige war, freilich fiel es ihm ein, dass der entfernte Verwandte ebensowohl wie er die Pflicht hätte, einen Schritt zu thun, um die Familienbeziehungen wieder herzustellen, und wenn er dasselbe doch nicht that, so ist dies ein Beweis, dass ihm vermuthlich an seinem Verwandten, den er ja persönlich nicht kannte, auch niä)t viel gelegen sei; allein diese Ueberlegung, wie gegründet sie auch an sich sein mag, war doch keineswegs hinreichend, in diesem Momente bei dem Gutspächter die Stimme des erwachten Gewissens zu betäuben. Weich, wie er durch diese Erinnerung wurde, vereinsamt, wie er sich in der augenblicklichen Lage fühlte, wurde er von einer mehr vorübergehenden Sehnsucht nach dem Blutsverwandten ergriffen und so sagte er sich denn, dass doch auf alle Fälle von einer Seite der erste Schritt gethan werden müsse und dass, wenn keiner von Beiden den ersten Schritt thun wolle, sie doch in alle Ewigkeit nicht zusammenkommen, sondern ohne einander auch nur gesehen zu haben, aus dem Leben scheiden würden. „Ja!- — rief er deshalb, von seinem Stuhle aufspringend, wie Einer thut, wenn er plötzlich einen entschiedenen Entschluss gefasst hat und einen entscheidenden Schritt zu thun gesonnen ist — „ja! ich will mich an ihn wenden, ich will ihm schreiben! Aber nicht aus Eigennutz soll esgeschehen, nein, reine Liebe und Neigung soll er erfabren. Nicht als ein Bettler will ich vor ihm erscheinen! Nein, als sein Vetter, der zu ihm kommt, um ihm vor Freude, dass er einen Verwandten gefunden, in die Arme zu fallen!" Er hatte sich in der edlen Aufwallung seines Herzens in diese Stimmung so hineingeredet und hineingesühlt, dass er fast gänzlich an die unglückselige Ursache vergaß, die ihn zuerst veranlasst hatte, des Vetters sich zu erinnern. Nasch gieng er einigemal durchs Zimmer auf und ab, dann setzte er sich an den Schreibtisch, um an den Vetter zu schreiben. Er sieng einigemale an, strich das Geschriebene wieder durch, er war von dem Anfang nicht befriedigt, die Worte waren ihm zu kalt, nicht beredt genug; dasw, as er innerlich fühlte, schienen sie ihm keineswegs auszudrücken, die Sprache, deren er mächtig war, erwies sich ihm als viel zu arm für den Ausbruch der in ihm entzündeten heiligen Flamme, von der sein Herz verzehrt wurde Wieder sieng er an, und wieder strich er das Geschriebene durch; in seinem Gehirn hämmerte und pochte es wie von gewaltigen Hammerschlägen. Er kannte nicht trotz seiner Belesenheit den schönen und wahren Satz von Hippel, der arme Gutspächter, den schönen und wählen Satz: Die Hand die vom Fieber zittert, kann das Fieber niht malen — den schönen und wahren Satz, der ihn darüber belehrt haben würde, dass seine innere Aufregung erst in etwas vorüber, dass der Enthusiasmus, mit dem er sich der rasch erfassten Idee hingab, ein wenig abgekühlt sein müsse, wenn er die Fähigkeit erlangen solle, das in einfachen Worten aufs Papier hinzusetzen, wovon ihm das Herz so voll war. Nachdenklich saß er da an seinem Schreibtisch, nachdem er bereits wieder einigemale von seinem Sitze aufgesprungen und durch das Zimmer gerannt war, nachdenklich saß er da, auf einen passenden Anfang sinnend, da pochte es an seine Thüre. Mechanisch rief er das einladende „Herein!- Und zu seinem nicht geringen Schrecken trat — Löb Frank in die Stube. .„Sie erweisen mir selbst die Ehre?" fragte der Gutspächter, der durch den unvermutheten Besuch plötzlich aus der gehobenen Stimmung herausgerissen und wieder in das klägliche Elend des Erdendaseins herabgezogen wurde, und derjenige, an den die Frage gerichtet war, brauchte nicht viel Anstrengung, um das Höhnische und Ironische, das in derselben lag, herauszuhören. „Sie kommen selber zu mir" — fuhr der Gutspächter in demselben Tone fort — „in einer Geschäftsangelegenheit, die man unter Männern meines Gleichen, wenigstens in der Regel einem Sachwalter, einem Solicitator überlässt. - „Ich bin weit von der Anmassung, wissen zu wollen, wie sich Männer Ihres Gleichen, Herr von Birkenfeld in verschiedenen Angelegenheiten benehmen; ich meinerseits pflege meine Geschäftsangelegenheiten, so weit es sich thun lässt, persönlich zu besorgen." „Entschuldigen Sie meine Ungeschicklichkeit; ich habe vergessen, dass Ihr Gott ein Gott der Rache ist, und dass ein Mensch, der den Gott der Rache anbetet, gewiss auch die Stunde nicht erwarten kann, über seinen gefallenen Gegner zu triumphiren." „Sie scheinen aber auch zu vergessen. Sie verzeihen, dass ich mir die Bemerkung erlaube, denn Sie sind es ja selbst, der mich an das Buch der Bücher erinnert, Sie scheinen auch zu vergessen, dass es in dem Buche heisst: Es sollen nicht sterben die Väter wegen der Kinder, und die Kinder sollen nicht sterben wegen der Väter, denn nur jedermann für seine eigene Sünde sott sterben." „In der That!" — sagte der GutZpächter und schlug sich dabei mit der Hand auf die Stirne, wie Einer, der sich plötzlich an etwas erinnert, oder dem etwas einfällt, was er lange gesucht und nicht finden konnte, „in der That, eine herrliche Stelle, wollen Sie nicht einen Augenblick entschuldigen, ich bin sogleich wieder zu Ihren Diensten!- Mit diesen Worten begab sich der Gutspächter an den Schreibtisch und warf flüchtig einige Worte aufs Papier! „So, Herr Frank!- — sagte er dann, da er zu seinem Besuch wieder zurückkehrte, und die Heiterkeit, die auf seinem Gesichte zu lesen war, zeigte deutlich, dass jener ironische Zug, der noch vor wenigen Secunden um dessen Mundwinkel gelagert, gänzlich gewichen sei. „Sind Sie ein Raucher? — fragte er ganz unbefangen. — „Ich bitte! Wollen Sie nicht eine Cigarre anzünden? Nehmen Sie doch Platz, Herr Frank." — Hiebei hielt er ihm ein Cigarrenkästchen, das er vom Schreibtische nahm, hin, und zündete eine Kerze an. Die beiden Männer rauchten ihre Cigarren an und setzten sich nieder. Die Kerze blieb brennend auf dem Tische stehen. „Muss doch ein capitaler Mann gewesen sein!" — sagte der Gutspächter, indem er eine mächtige Rauchwolke, die er eben ausgeblasen hatte, vergnügt anzuschauen schien. — „Ein ganz capitaler Mann, der Moses! Eine herrrliche Stelle das! Die Väter nicht wegen der Kinder und die Kinder nicht wegen der Väter. Jeder soll sür sich selber büßen, wie zum Beispiel-doch kommen wir zur Sache, Herr Frank!" „Wie Schade, dass Sie mich an den eigentlichen Zweck meines Besuches erinnern!" „Wieso—fragte der Gutspächter und schaute den Mann mit großen Augen an. „Weil, ich muss es Ihnen gestehen, nach der so plötzlichen Aenderung Ihres ganzen Wesens, welche die zufälligerweise von mir citierte Bibelstelle in Ihnen bewirkte, ich mir eingebildet habe, Sie würden auch von den Bekennern der Lehre Moses eine günstigere Meinung in sich aufnehmen, als Sie zu haben scheinen, und würden mich beispielsweise für fähig halten, an den eigentlichen Zweck meines Besuches zu vergessen, um mit einem Manne wie Sie lieber ein Stündchen über wichtigere Dinge, als die leidigen Geldangelegenheiten mich zu unterhalten. - „Und welche Dinge wären Ihnen wichtiger, als die leidigen Geldangelegenheiten?" — fragte der Gutspächter, und wieder ließ sich jener ironische Zug in seiner Miene finden. „Es wäre mir zum Beispiel viel wichtiger" — antwortete Löb Frank ruhig, „wenn ich einen Mann, wie Sie, einem Manne, der in dem Ruf einer großen Belesenheit steht-" „Danke verbindlichst!" „-und der leider nur in einem einzigen Punkte von dem Vorurtheil der großen Masse nicht srei zu sein scheint, den Beweis oder vielmehr Ueberzengung verschaffen könnte, dass die Angelegenheiten des Gewissens, der Sittlichkeit unabhängig sind von diesem oder jenem Glaubensbekenntnis." „Pardon, mein Herr! Vor Moses und seiner Lehre alle Achtung! Sie werden aber zugeben, dass diese seine Lehre durch die heutigen Juden nicht mehr in ihrer ursprünglichen Reinheit dargestellt wird.- „Sehr gerne" — sagte Löb Frank — „ebenso wie Sie eingestehen werden, dass die heutigen Christen, mögen es nun Katholiken oder Protestanten sein, sehr weit davon entfernt sind, die Lehre des gekreuzigten Rabbi von Nazareth in ihrer ursprünglichen Reinheit darzustellen." ,,Was wollen Sie damit sagen?" Nichts anderes, als dass jede Religion ihren Bekennern die Gesetze der Sittlichkeit auferlegt und ihre Ausübung ihnen zur Pflicht macht, und dass die Religion nicht dafür verantwortlich zu machen ist, wenn sich ihre Bekenner von diesen Gesetzen entfernen. Reden wir offen! Man hält die Juden für Betrüger!"