Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1901-01-04 · 1 (4.1.1901) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2432763-2432864-2432865--0833-2434524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wien, Freitag Jüdisr’ Volksblatt 4-, Jänner 11)01 Seife 7 'Nr. 1 Das Gesicht des Gutspächters verfinsterte sich bei diesem Worte. — „O!" — sagte er — „es kann immerhin auch Ausnahmen geben! Vielleicht Hab' ich selbst mit diesem Vorwurf einen Mann gekränkt, der denselben ganz und gar nicht verdient/' „Verzeihen Sie, nicht von den Ausnahmen, von der Regel will ich sprechen. Man hält die Juden für Betrüger!" „Und gibt es keine unter ihnen?" „Jedenfalls mehr, als genug; aber sie sind es nicht darum, weil sie Juden, sie sind es darum, weil sie Menschen, mit Leidenschaft behaftete Menschen sind." Das will so viel sagen, als das es auch unter den Christen —-" „Ganz richtig, dass es auch unter den Christen an Betrügern nicht fehlt, und dass der Betrug nicht ein specifisch jüdisches Laster sei." „Ich muss Ihnen gestehen Herr Frank, dass ich die Heiterkeit, in welche ich vorhin durch einen ganz merkwürdigen Zusammenhang bei der von Ihnen citierten Vibelstelle plötzlich versetzt wurde, gern unterdrückt hätte, wäre ich nur fähig gewesen, die Freudigkeit meines Herzens zu beherrschen; denn es siel mir ein, dass Sie meine Freundlichkeit und die Zuvorkommenheit, mit der ich Ihnen entgegenkam missdeuten würden." „Ich bitte lassen wir das!" — fiel ihm Löb Frank in die Rede. „Nein, Herr Frank" — sagte der Gutspächter — „ich sehe, dass ich mit einem Manne spreche, dem ich Offenheit schuldig bin. Sie könnten meinen, dacht' ich mir, dass ich nun, nachdem ich den Process verloren, das Bestreben zeige, mich durch kleine Aufmerksamkeiten bei Ihnen in Gunst zu setzen, um den ungestümen Gläubiger zu besänftigen. Indessen aber, ich muss es sagen, ich freue mich sehr darüber, meiner Stimmung weniger Herr gewesen zu sein, als ich gewünscht hatte, denn die Wendung, welche unsere Unterredung hiedurch genommen hat, war für mich wirklich von großem Nutzen, und ich habe Ursache Ihnen sehr dankbar zu sein. Ich habe die Sache niemals von diesem Gesichtspunkte betrachtet. Aber — Sie rauchen ja nicht! Ich bitte!" — Und der Gutspächter hielt dem Manne die brennende Kerze hin. Löb Frank zündete seine Cigarre an, und sagte: „Gewiß, es ließen sich die meisten Differenzpunkte der Menschen, worüber sie miteinander nicht einig werden können, worüber sie im Kleinen einander in den Haaren liegen und im Großen miteinander langwierige Kriege führen, auf sehr einfache Weise schlichten, wnen sie einander nur so ruhig anhören würden, wie Sie mich anzuhören die Güte hatten. Doch es scheint das Schicksal und oft gerade der besten Menschen zu sein, dass sie denjenigen, der sich so gerne erklären und offen sein Herz darlegen möchte, weit von sich wegstoßen und so verurtheilt sind, sich alle Zeit ihres Lebens mit ihren Missverständnissen und daher auch mit ihrem Gram im Herzen durch die Welt zu schleppen! Oder ist es nicht so'?" „Und verstehe ich Sie recht?" — sagte hieraus der Gutspächter, indem er hastig die Hand des Mannes ergriff — „wollen Sie für mich der rettende Freund sein, der das nun eben so schön begonnene Werk fortzusetzen die Mühe nicht scheuen würde?" \ „O, Herr von Birkenfeld! Wenn Sie mich — den J Juden, Ihrer Freundschaft für würdig halten, mich geniert, Ihr Christenthum nicht!" , „Ob ich Sie für würdig halte!" — rief der Guts-! Pächter in jener Begeisterung, deren er in so hohem Grade j fähig war — „ich habe nie eine aufrichtigere Sprache vernommen, als die aus Ihrem Munde. Ja, glauben j Sie mirs, ich war blind bis auf diesen Tag!" WWr Msverciil in Wim. Der „Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend einzugreifen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung, wirtschaftlichen Boycotts und gesellschaftlicher Missachtung, unter denen wir Juden zu leiden haben, hat, muss einsehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisten vermag, wenn in unseren Reihen das gesammte jüdische Volk steht. Es ist daher nothwevdig, dass ein jeder Jude dem jüdischen Volksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird den» eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheimgestettt. Anmeldungen werden im Vereinslocal II., Leopoldsgasse 49 entgegengenommen. Öaacirs-ÄBSscbreibuRi Bei der Israel. Culiusgemeinde in Karlsbad ist die Stelle des Obercanfors vacant und soll spätestens am I. Juli 1901 wieder besetzt werden. Musikalisch gebildete Bewerber, nicht über 35 Jahre alt, mit guten Stimmmitteln und der Fähigkeit, den Synagogenchor zu unterrichten, wollen ihre mit Zeugnissen belegten Gesuche bis Ende Januar 1901 an den Unterzeichneten Vorstand einsenden. Fixer Gehalt 3600 K und nicht unbedeutendes Nebeneinkommen. Bevorzugt werden jene Bewerber, welche auch die Befähigung besitzen, Religionsunterricht zu ertheilen. Alle näheren Bedingungen sind beim gefertigten Vorstande einzusehen. Karlsbad, den 85. December 1900. Der Vorstand der isr. Culiusgemeinde. imuw«TffmuuLjriHirMir«a KRANKENFÄHRSTÜHLE solid gebaut und in eleganter Ausführung v. fl. 3.60 aufwärts Eisenmöbel“ u. Kfnderwagenfabnk beopel d WsItrr, Wisy V/8, Dieäigasse Kr. 13 (nächst dem Hundsthurmerplatz). Illustrierte Preisoourante gratis und franco. Israelitischer Belhaus-Verein Brigittenau. Kronen 200. 130.— 80. 40. I. Classe . Anmeldungen bei dem Vereins-Obmanne Herrn Herman Ellbogen, XX., Raiaelgasse i2. Bests n. billigste Manfsqnelle von guten und hübschen Brautausstattungen, VUlen- und Hotel-Einrichtungen nur im Möbelhaus CSefsi Wien, XVIL, Elterleinplatz ----—= beim R&thhaus ‘eis ■:!> Lc-, I W a?. u. UM tostaurant Guth Prachtvoll geräumige Zille. Wien,!!., Stefaniestrasse Nr. 6 u, 8 für Dinci -, i-Ioclizei.ten 11. festliche Veranstaltungen. Bestrenommicrto Küche, grosse Speise-Säle und elegante Passagierzimmer. Elektrisch beleuchtet. Grosse Auswahl bester Gattungen Oesterreich., Ungar, und Ausländer Weine, Schwechater und Pilsner Biere. Trotz höchster Eleganz decente Preise. Ressyyierto Locale für Vereine n. geschlossene Gesellschaften. + i > rf ■ -itrr'- in~r i-,r--(irrTrmr^ii-~i i hu im wwm DV Schönste und billigste "PU Grabsteine... Marmorplatten in grosser Auswahl bei Jos@fSf.ojan, Steinmetz, Wien, Vf, Sonrienhofg. 8 bei der Margarethenicirche. Stadtb&hnstation: Pilgrarngasse. oatüM; MNWWMW f i iS! 'U'. - 3T5.MPE ehfir!'PVVRX*iN'isj! oo Typon n. 1 VSrSftÄ Pt-LSSMIM.« 130 „ .. 1.62 188 Eine Typondracker®!?.nsi Mtpt'imtsn klelnor Bfueksorhs in elej-sntw loci, forbpolsttr «fa kostot mit 233 Typen ff. 2.40 313 .t- (t3.— 3!?3 „ , „' 3.60 i| Prospccte gratis «. franco* M— JENNY Specialisxin in Haarfarben und Nagelpflege VI., Mariahilferstrasse Id, i. stock, Casa picola. Billigste Preise. -- Solideste feinste Bedienung. Englische und französische Conversation. früh bis 5 Uhr abends. Von 9 Uhr RESTAURANT Als Snecialitäi: Ein completos Schlafzimmer, altdeutsch, mit Schnitzerei: 2 Kasten, 2 Betien, 2 Waschkastl, I Waschtisch, I Spiegel fl. 175—. Speisezimmer, altdeutsch: I kredenz, I Trumsau, I Spiegel, I Auszugtisch, 6 Sessel fl. 175.—. Politierto Einrichtung von fl 75.— an. Reiche Auswahl von tapezierten Möbeln nur eigener Erzeugung. — Preisliste gratis. MM- Zn haben in allen Papierhandlungen, | wenn nicht, liefern wir direct. Bürgerhof“ vornehmstes, elegantestes, jüdisches WIEN — II, , Praterstrasse II. Speisesäle fih Diners, Hochzeiten, Vereine etc. Bestrenommierte JCitche Rendezvous der Haute volde. — Nach dem- Theater stets warme Küche. beste Briefordner r~i "■"II ii iirin iiKiiii»iniinnii<iiiiuiiniinujiMu»»iinijiiujLm_ der Welt! Durch einen leisen Fingerdruck öffnet man den .,Qo»CK“ an jeder beliebige» Stell s durch einfaches Zukl ippcn schlosst man ihn. Das einfache Verfahren erfordert die Hälfte der Zeit als bei allen anderen bereits existierenden Sy steinen. Wssy, MU. eci(pi)on;ts.u5. HcblösselZssse 11 empfiehlt sich zu rascher Herstellung aller vorkommenden Druck-Mellen bei geschmackvollster Ausführung und billigsten Preisen. Eigene Buchbinderei im Hause. Grosser Saal 400 Personen fassend, im Clentrum der Leopoldstadt gelegen, sehr elegant ausgestaltet, ist noch für einen Tag der Woche zu vergeben. Anfragen: 11., Leopoldsgasse Nr. 49.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.