Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 1 (4.1.1901)
- Date
- 1901-01-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdischei Volksbl&tt 4. Jänner 1901 Seite 3 Nr. 1 eS aber weiter bringen. — Ein anderes Bild. — Der jüdische JuriS Doctor, angeblicher „Führer der hiesigen internationalen Doeialdemokratie", musste eS sich in oer sehr stürmischen Wählerversammlung der V. Curie, welche vorige Woche hier stattfand, zurufen laffen: „Gehen Sie nach Galizien." Und doch hatte er, wie sein wackerer Genosse auch ein Advocat und Vertreter seiner Kanzlei und des Volkes, gemeint das Judenthum gänzlich abgestreift zu Saben! Wie fatal, wenn man schon durch sein AeußereS gar so sehr an das Judenthum, sagen wir, an die Race erinnert! Ja, die beiden Herrn jüdischen Rechtsanwälte und „Führer der hiesigen internationalen Soeialdemokratie", haben jetzt viel, sehr viel zu thun. Denken Sie nur, die hiesigen Deutschen beiderlei Bekenntnisses wollen nicht recht an oen Internationalismus glauben, soweit haben es unsere „Führer" gebracht; die „Clique" behauptet, jeder Soeialdemokrat sei zunächst ein Czeche oder Pole rc. oder gar hören Sie und entsetzen Sie sich, aber eS muss heraus, oder ein — Jude. Die „Cliqueurs", wohl zu unterscheiden von „Claqueurs", halten den ganzen Internationalismus für einen, deutsch gesprochen, Schwindel. Sie wollen nicht mehr einen ezechisch sprechenden Socialdemokraten im Reichsrath als ihren Vertreter sitzen sehen; und so führen sie einen sehr „unschuldigen" Menschen, der in seinen freien Stunden Familienvater und Magazineur einer hiesigen Spinnerei ist, von einer Wahlversammlung in die andere; dort lässt ihn der sehr junge Führer der „Clique". Sohn eines anderen Führers einer älteren „Clique", die bis zur Bewusstlosigkeit eingelernte „Wahlrede" abhaspeln, wie man die berühmten Figuren in einem Panopticum ausdreht; natürlich „frenetischer" Beifall der Germanen verschiedener Confessionen, „Wacht am Rhein", dieses Moaus" Zur" der Deutsch-Rationalen, brausende Heilrufe, der Magazineur wird zum Candidaten erklärt, der Führer der jungen „Clique" küsst ihn vor lauter Rührung, die jüdischen Internationalen fluchen oder kneifen aus, man verwünscht sie nach Galizien — der Eine von ihnen stammt übrigens aus der Hannakei — und die strammen teutschen Rechtsanwälte, der mit dem czechischen Namen und der Friedensmann geben ihren Segen dazu. Was sagen Sie zu unserer Wahlbewegung? Diese Juden erkennen nicht, dass man sie nicht will, sondern ihretwegen aus Vereinen austritt, und sie nach der Pollakei verwünscht, dass „Fortschrittliche" und Nationale, sie abzuschütteln trachten und ihretwegen Christlich-Sociale sogar Compromiffe mit der Gottsei-bei-uns Internationalen schließen, sie lassen sich lieber hundertmal zu einer Thüre hinauswerfen, ehe sie ihre ewig blinden Augen öffnen, und kehren bei anderen Thüren wieder zurück. Und so wird man denn bei den kommenden Wahlen die Nachkommen unserer Makkabäer wieder international oder aber stramm teutschnational wählen sehen. Dies wird aber unser internationales Blättchen nicht hindern, gelegentlich eine recht unsäuberliche antisemitische Schiwpfouie von sich zu geben, unsere Deutschen aber wird es nicht abhalten, nachdem der Jude seine Schuldigkeit gethan, ihm zuzurusen: „Gehen Sie nach Galizien." Lo-Noda. Chronik des Judenthums. Inland. Wir«. <Aus der Plenarsitzung des Vorstandes d er Israelitischen Cultusgemeinde vom 3 0. D ee e m d e r 19 0 0) In der vertraulichen Plenarsitzung des Vorstandes der Israelitischen Cultusgemeinde am 30. December 1800 ich auch Christengebete sagte, vergaß ich doch nichts. Es war immer, wie wenn ich meine Geschwister todt sähe. Auch den Garten sah ich und die Lichter beim Chanuka-Fest und am Neujahrstag, wie vir zum Flusse gienge» und unsere Sünden hineinwarfen.' Sie ist die Zukunstsbraut des falschen Messias. Der fremde Jude, ZachariaS Naar, tritt auf sie zu und spricht mit ihr einige Morte und wandert dann zur Synagoge, wo die Inden den Vorabend de- VersöhnungStageS feiern. Der Heilte Nanm war dicht gedrängt von frommen Juden; er glich eher einer Büßerklause für Asketen, denn nichts von Lebensfreude Mar hier zu finden. Nachdem daletzte Kaddisch beendet war, trat ZachariaS Naar zum Altar und begann zu reden. Er sprach von den Christen. „Haben sie uns nicht beschuldet: ihr vergiftet unsere Brunnen! Haben sie nicht unsere Brüder hingeschlachtet zu Tausenden? Haben sie nicht geschrieen: ihr nehmt da- Blut unserer Kinder zum Passahfeste? Ihr nehmt daS Blut und braucht es für euere schwangere Weiber 7 Haben sie uns nicht auSgewiesen auS ihren Städten und unsere Häuser verbrannt und «risere Güter geraubt? Müssen wir nicht vogelfrei dahin wandern, und viele finden keine Hütte, wie Kain, der seinen Bruder erschlug? Haben sie uns nicht aufs Rad geflochten und den Henkern im Lande preisgegeben, wie kranke-Vieh? Nicht unsere Kinder verbrannt, nicht unsere Weiber geschändet, und schlimmer unter uns gewüthet, a!S die Pest? ... Doch endlich ist der Messias gekommen und euch winken die Herrlichkeiten Libanon- und die Pracht de- Karmel." Zum ersteumale seit langer Zeit klang eS wie ein Trompetenstoß in die Ohren der Juden. Ewurde leuchtend »m ihre Augen, ringsherum wurde e- Tag, die lange Nacht der Unterdrückung schien ihrem Ende nahe. Sonne, Frecheit, göttliches Auserwähltsein zu großen Dingen, Glanz und Freudigbeit schien ihrer zu warten. Knaben sahen sich zu Männern geworden, die Männer ballten ihre Fäuste und es rieselte ihnen kalt und heiß über den Rücken, da- Jahr 1S6S sollte den Juden eine neue Herrlichkeit wurden nachstehende Stiftungen (Referenten die Herren Baurath v. Goldschmidt, Bieeprästdent Dr.Kohn und Dr. Steiner) der Berathung und Beschlussfassung im Sinne der vorliegenden SeetionSanträge zugeführt: Die Adam Verzfeld'fche AuSstattuvgSstistuna mit einem Betrage von Kr. 240.—, die Therese Wertheim'sche AuSstattunasstiftung mit einem Betrage von Kr. 330.—, die Ignaz Klepetaschsche Stiftung mit einem Betrage von Kr. 230.— an je eine arme Braut; die Abel Rappaporl'sche Stiftung mit einem Betrage von jährlich Kr. 1000.— an einen Hörer der technischen Hochschule Wien für die gesetzliche Studienzeit; die Widmung des Comttäs der aufgelösten Abendbörse mit einem Betrage von Kr. 93.— an einen Hörer der philosophischen Faeultät. Borsteher Herr Salo Cohn berichtet über die durch ihn erfolgte Vertretung des Cultusvorstandes bei der General-Berammlung des Mariahilfer Tempelvereines. Dieser mustergiltige Üerein habe den Tempel herrlich renoviert und fasse für die Zukunft eine Erweiterung des Gotteshauses ins Auge, für welche Herr Architekt Fleischer, der Obmann deS Vereines, bereits die Pläne auSgearbeitet habe. Die Versammlung nimmt diesen Bericht mit Beftiedigung zur Kenntnis. Herr Ob.-Jng. v. M i s e s referiert namens der 3. Section über Ausnahmen in das Versorgungshaus. Bon 193 derzeit vorliegenden Gesuchen verdienen 140 Berücksichtigung. Unter diesen linv 23 Petenten, welche sich für das zu eröffnende Siechenhaus eignen würden. Ueber Antrag der 3. Section werden zunächst 16 Männer, 15 Frauen und 5 Ehepaare, sämmtliche in hohem Greisenalter stehend, zur Aufnahme vorgemerkt. 81 berücksichtigungswerte Gesuche müssen wegen Raummangels bis auf weiteres unerledigt bleiben. Herr Bieeprästdent Dr. K o h n referiert namens der Unterrichtsseetion: Die beantragte Verleihung des Destnitivums an einen Religionslehrer im Sinne des bestehenden Normalewird beschlossen. Ueber Referat der Herren Dr. Steiner und Director Simon wird entsprechend dem Anträge der Unterrichtsseetion den Herren Religionsschulinspector Moriz K an itz und Religionslehrer Moriz A n t s ch e r l für ihr ersprießliches Wirken beim Jugendgottesdienste die Anerkennung ausgesprochen. An den Tempelverein in Simmering wird über Antrag des Vertreter-Collegiums ein Theil der pro 1901 budgetierten Subvention für anfangs Jänner zur Auszahlung angewiesen. Herr Baurath Theodor Ritter v. Goldschmidt referiert namens der 3. Section über die Verleihung von Subventionen an humanitäre Vereine und Corporationen im Gesammtbetrage von Kr. 11.798 Die Anträge werden genehmigt. Der Nonette Schlesinger'schen Stiftung wird zur Deckung des Desicits pro 1900 außer der budgetierlen Subvention ein außerordentlicher Beitrag von Kr. 400.— bewilligt. Dem ersten öffentlichen Kinderkrankeninstitute in Wien wird gleichfalls über Antrag der 3. Section pro 1900 eine Subvention von Kr. 300.— gewährt. Endlich werden Steuerangelegenheiten und Personalien der Beschlussfassung zugeführt. Wie». (Jüdischer Bolksverein.) Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Carl Lifezis wird am Mittwoch den 9. Jänner a. c. im großen Festsaale des Jüdischen Bolksvereines einen Vortrag über daS „neue Heimat-- gefetz" halten. Bei der großen Wichtigkeit, die dieses Gesetz für die große Masse der jüdischen Bevö.kerung besitzt, ist eS notwendig, dass ein jeder über dasselbe genau unterrichtet wird. Wir laden daher alle unsere Mitglieder ein, diesem Bortrage anzuwohnen. Gäste, auch Damen, willkommen. Wie». (KönigSwarter-Stiftung zur Errichtung eines städtischen Kinderspitals.) Stadtrath K r e n n referierte namens der Berwaltmng der Josefine v. Königswarter'schen Stiftung zur Errichtung eines st ä d t i s ch e n KinderspitaleS, deren Cassastand dermalen auf 978.290 Kronen sich beläuft. Sobald der Fond die erforderliche Höhe hat, soll zur Errichtung dieses Spitales geschritten werden. Wie«. (Jüdischer F ra u e n-W o h l t h ä tig k e it sverein „Z u f l u ch t".) Dieser neue Verein, der schon durch seinen Namen bezeugt, dass er den Muth hat, sich auf eine rein jüdische Basis zu stellen, hält am S o n nt ag den 6. d. M. bringen und sie sollten nach Zion zurückkehren. Räthselbaft ist die Nolle, die der Dichter ZachariaS Naar spielen lässt. Zacharias Naar ist von der Erfolglosigkeit des ZugeS überzeugt; er weiß, dass cr für die meisten Noth oder Tod bedeutet. Aber er denkt, dass ein Augenblick des Glückes nicht zu theuer bezahlt werden kann. Der Zug misslang, wie die ganze Bewegung der Sabatianer. Sie waren der Stimme eines falschen Propheten gefolgt, und ihre Lage war nach dem Auszüge nur noch schlimmer, ihre Stimmung nur noch trostloser. Dre Summe von Idealismus, die dajüdische Volk hegte, war für nichts verschwendet worden. „Die Juden sind ein starke- und störrisches Volk, doch sind sie nur groß, wenn ein wenig Gelingen ihrer, wartet, und sie sind nicht lange groß, denn sie brechen leicht in dem Erstaunen über ihre eigene Größe. Auch Sabatei Zewi war ein Jude, vielleicht das klarste Bild der Juden, ein Judenschicksal: Macht oder Sklaverei." So bauten die Juden wieder ihre Hütten auf, und die Zeit vergieng. „Und der Jude anfänglich nur Knecht, wert genug, den Fußtritt deS übelgelaunten Herrn zu empfangen, that seine Augen auf und erspähte die Schwächen und errieth die Geheimnisse des Herrn. Da griff er mit beiden Händen hinein in die Maschinerie der Völker und in ihre Gerichte und ihre Kriege und ihre Thaten und verrichtete ungesehen wahrhaft kaiserliche Dinge, wenn die Monarchen schliefen und die Minister schwach waren. Sabatai wurde Moslem und manche sagen, nur zum Schein. Der Jude wurde ein Culturmensch, und manche sagen nur zum Schein. Manche sehen in ihm den Verderber, den Verführer, den Schauspieler, der die Bühne der Welt besser versteht, als ihr Erbauer. Das ist sicher, ein Schauspieler oder ei« gütiger Mensch, voll innerer Schönheit und doch hässlich, lüstern und asketisch, ein Charlatan oder ein Würfelspieler, ein Fanatiker oder ein seiger Selave, alle» da» ist der Jude. So schließt der erste Theil. (Schluss folgt.) um 6 Uhr abends im großen Festsaale deS jüdischen BolkSvereineS, II., Leopoldsgasse 49, seine erste eonstituierende General-Versammlung ab. Alle jüdischen Frauen, die sich der Einsicht nicht verschließen können, dass das jüdische Geld in erster Linie berufen ist, jüdisches Elend zu lindern, werden hiermit aufgefordert, der General-Versammlung beizuwohnen und dem Vereine beizutreten. Der Jahresbeitrag ist ein geringer. Wie«. (Personalnachrichten.) Univ.-Med. Dr. Gustav Gö tz l, emerit. Assistent deS k. k. Rudolf-SpitaleS wohnt vom 1. Jänner 1901 an Wien, III., Hauptstraße 122 (Ecke Eslarngasse) und ordiniert daselbst an Wochentagen von 1—3 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10—12 Uhr. Wie«. (Israelitische Cultusgemeinde.) Sonntag den 6. Jänner 1901, präcise halb 11 Uhr vormittag-, findet eine öffentliche Plenarsitzung de- Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien statt. Tagesordnung : Constituierung des neuen Vorstandes. Brün». (Verbreitung des Ritualmordmär ch e n s.) Die Staatsanwaltschaft versetzte Mathias Schoepel in Kostl wegen Verbreitung des Märchens vom Ritualmord und wegen Aufreizung gegen die Juden und Verspottung der Religionsgebräuche derselben in den Anklagestand. Priwoz. (F e st.) Sonntag dem 16. December v. I., veranstaltete der hiesige Tempelbauvereir ein Jahrmarktsfest. Im Prächtig dekorierten Saale waren ebensolche Zelte errichtet, worunter sich besonders das Blumenzelt durch Schönheit abhob. Im Hintergründe des Saales hatte eine lustige Sängergesellschaft Posto gefasst. In den Zelten hatten jüdische Frauen und Mädchen ihre Ware» feilgeboten. Ein sattes Tanzkränzchen beschloss daS Fest, das allen Theilnehmern «och lange in seliger Erinnerung schweben wird. Um das in allen Detailgelungene Fest haben sich besondere Verdienste erworben die Damen: Frau Kapp, Wechsberg, Spatz, Lang und Weidmann, sowie die Herren: allen voran die Herren L. K ö n i g st e i n, ferucr A. Grünb.erger, Polak und F ö r st e r. Das Reinerträgnis, 3000 -fl., kommt dem Fonds zum Baue eines Tempels in Privoz zugute. M. Michalkowitz. (Makkabäer-Feier.) Auch unser kleines Dorf hatte am verflossenen Sonntag schon seine erste Makkabäer-Feier. Vorderhand allerdings nur unter der Jugend. Unter der Leitung des tüchtigen Religionslehrers Jsak Seelenfreund wurden von jedem Schüler auf dieses Fest bezughabende Vorträge recitiert. Hoffen wir, dass die Alten dem Beispiele der Jungen, d. h. sich national betätigen, bald folgen werden. M. Lemberg. (Zur Wahl des Dr. Pientak.) Wir erhalten folgendes Schreiben: Sehr geehrte Reduetion! In der Nummer vom 28. December 1900 Ihres sehr geschätzten Blattes befindet sich auf Seite 4 in einem Berichte aus Lemberg ein Passus über den Großeisenhändler B. Nachdem hier kein einziger Eisenhändler, dessen Name mit B. ansängt, außer mir vorhanden ist, können die in dieser Notiz angegebenen verwerflichen Handluimen, wenn sie wahr wären, nur mir zugemuthet sein. In der Voraussetzung, dass Sie, geschätzte Redaetion, irrthümlich berichtet wurden, ersuche ich Sie höflichst, zur gefällige« Kenntnis zu nehmen: Ich bin weder mit dem Klempnerverein, noch mit jemandem überhaupt wegen der Wahlen in Fühlung gewesen und habe mit Rücksicht auf mein Alter — 79 Jahre — nicht einmal mein eigenes Wahlrecht ausgeübt. Ohne hier auf meine politische Gesinnung eingehen zu wollen, will ich nur bemerken, dass ich eine derartige Corruption, wie sie in Ihrem werten Blatte mir zugemuthet wird, selbst — abgesehen von den Strafgesetzen — für so verwerflich halte, dass sie nach meiner Ansicht nur der Kuppelei gleichgestellt werden kann. Dass ich solch niedriger Handlungsweise nicht fähig bin, dürfte Ihnen jedes unparteiische Mitglied der hiesigen Gemeinde bestätigen. Nicht auf Grund des 8 19, nur auf Ihre Loyalität rechnend, ersuche ich Sie höflichst, in der nächsten Nummer Ihres werten Blattes in einer Ihnen beliebigen und bequemen Form eine Richtigstellung der aus den Großeisenhändler B. bezüglichen Notiz abdrucken lassen zu wollen. Mit der Versicherung meiner besonderen Hochachtung empfehle ich mich bestens Saul Birnbaum. Nagy-Surauy. (Die israelitische Gemeinde und die P f a r r e.) Am 26. d. M. erschien, wie uns ausNagy- Surmiy geschrieben wird, die Repräsentanz der dortigen orthodoxen israelitischen Gemeinde bei dem neuernannten katholischen Pfarrer Horvath, um ihn anlässlich seines AmtsantritteS zu begrüßen. Der Sprecher der Deputation, Lehrer Ignaz Priesner begrüßte den Pfarrer in kurzen und herzlichen Worten, betonte, dass ein unlösbares Band der Nächstenliebe die Bürger von Nagy-Surany aneinander knüpfe, und gedachte in warmen Worten des verstorbenen Pfarrers, der der berufenste Pfleger und Lehrer der Nächstenliebe war. Der neuernannte Pfarrer Horvath dankte tief gerührt von der Aufmerksamkett der israelitischen Gemeinde mit folgenden Worten: „Tief in meinem Herzen wurzelt die Liebe, die mich meine Eltern lehrten, in der sie mich erzogen haben, und Liebe lehrt mich meine Religion. Ich werde trachten, mir die Liebe meiner Nächste» zu erringen, denn auch ich liebe sie Alle. Die wahre Liebe kann man nicht analysieren; sie ist eine Einheit, unparteiisch und uneigennützig; so Eins, wie Gott Einer ist und wie wir Alle Eines Gottes Kinder sind. Bewahren sie mir auch ferner Ihre Liebe." Die Worte des Pfarrerwurden von der Deputatton mit lebhaften Eljenrufen ausgenommen. Lemberg. (Gemeindebibliothek.) Nach ebens» landgjähriger als langwieriger Unterhandlungen entschloss sich unsere jüdische Gemeinde endlich zur Realisierung deS allgnuein empfundenen Bedürfnisses nach Errichtung einer öffentlichen jüdischen Bücherei zu schreiten. Wahrlich! ES war längst höchste Zeit, dieser eminent jüdischen Institution daS Leben zu schenken. Die Anregung hiefür wurde schon vor zwei Decennien geböte«, leider stieß man auf tobten Grund und eS gebrach an dem guten Willen. Denn wäre die gute Idee seinerzeit verwirklicht worden, unsere Gemeinde besäße heilte nicht allein eine stattliche Zahl jüdischer Werke, vielmehr wäre unserer Jugend heute die jüdische Literatur nicht ein Buch mit sieben Siegeln. — Hoffe» wir, dass egelinge, das Versäumte wieder in ausgiebige« Masse nachzuholen und möge die Anstalt der Hort jüdischen Wissenwerden. Um da- Zustandekommen dieser edlen Jnsti- 5