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Jüdisches Volksblatt · 1900-12-28 · 52 (28.12.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
52 (28.12.1900)
Date
1900-12-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblafct 28. December 1900 Nr. 52 sich eben eine Bewegung bemerkbar, welche die historische Continuität Herstellen wird, so wie es jene des makkabäischen Zeitalters that. So wie damals der hellenistischen Assimilation sich der gesunde Volkskern entgegenstellre, so ist es die heutige Bewegung, welche einen entschiedenen Protest gegen die von den hohen jüdischen Kreisen propagierte Assimilation erhebt. So wie damals die Makkabäer nach Verrichtung großer Heldenthaten den Tempel von neuem einweihten und der Religion hiermit einen hervorragenden Platz im nationalen Leben anwiesen, so schließt auch die heutige Bewegung dieselbe nicht aus und ist gleichsam die Tribüne zur Kanzel geworden, von wo ans auf das jüdische Volk eingewirkt werden muss u. s. tu. " Diese Ausführungen fanden stürmischen Beifall. Hernach ergriff das Wort Herr Jacob Wertheim er zu einer zionistischen Tendenzrede, welche reichen Beifall erntete. Frau R o b i t s ch e k trug das Gedicht „Der Wiedergefuudene" von L. A. Frankel, sehr schön vor. Herr Ing. Cand. Klein reeitierte das böhmische Gedicht „Rabbi Esra" und der jüdische Gesangverein trug sehr schöne Gesangspiecen vor, wovon das „Moos zur jeschuosi" besonder« Ankläng fand. Nach Schluss des Programmes wurde bis in die späten Morgenstunden dem Tanze gehuldigt. Ein jeder verließ das Fest mit dem Wunsche, es möge Aehnliches sich sobald als möglich wiederholen. Für den jüdischen Volksverein jedoch bildet der Verlauf des Festes einen Erfolg, dessen Wirkung nachhaltig sein wird. L. Wottitz. (C h a nu ka - F e i e r.) lieber Anregung des Tempelvorstehers Herrn Emil Gans veranstaltete die hiesige Gemeinde am 23. December eine Chanuka-Schulfeier. Die Durchführung derselben lag in den bewährten Händen unseres verehrten Herrn Rabbiners Oberlehrer M. N e u m a n n und verbürgte darum schon im Vorhinein einen vollen Erfolg. Nach Absingung eines Chanuka-Liedes durch die Schtlljngend legte derselbe in trefflicher Rede die Bedeutung des Lichtweihfestes dar, worauf Declamationen der Schüler folgten. Dieselben befriedigten die Erwartungen der zahlreich erschienenen Gäste in vollstem Maße und führten uns so recht den Wert der von gegnerischer Seite verlästerten confessionellen Schule vor. Mehrere arme Schulkinder wurden mit warmen Kleidungsstücken beschenkt, die übrigen erhielten Aepfel, Nüsse u. s. w. Auch unsere Chordamen fanden durch Ueberreichung sinniger Geschenke Anerkennung ihrer Leistungen. Mit einem warmen Appell zu Frönimigkeit, zum Zusammenhalten in so ernster Zeit schloss der Herr Oberlehrer die erhebende Feier. Lobosttz (Verschiedenes.) Bei der vor Kurzen hier stattgefundenen Wahl der V. Curie zeigten sich die hiesigen Antisemiten im vollen Glanze. Am Wahltage war das Rathhaus von Neugierigen förmlich umlagert und am Abend noch bevor das Scrutinium bekannt war, durchzogen halbwüchsige Burschen die Stadt mit dem Rufe: Hoch Schreiter, nieder mit den Juden! Solche Vorkommnisse sind um so mehr bedauerlich zu nennen, weil sie von vernünftig und gebildet sein sollenden Bürgern unserer Stadt genährt und unterstützt werden. — Die Antisemiten wollten eben haben, dass die hiesige jüdische Wählerschaft ihre Stimme für die weltbeglückenden Radtkalen abgebe. Zu einer solchen Zumuthung gehört faktisch eine große Portion Frechheit! — Während des gestrigen Maariw-Gottesdienstes wurden mehrere Fensterscheiben im Frauentempel von bisher unbekannten Thätern zertrümmert. Es wurde von diesem Vorfälle der Gendarmerie die Anzeige erstattet, welcher es hoffentlich gelingen wird, den oder die Thäter zu eruieren. — Vorige Woche wurde im hiesigen Tempel der Sohn des hiesigen allgemein beliebten und hochgeachteten Districtsarztes Herrn Med. U. Dr. Heinrich Ritter confirmiert. Der hiesige Gemeinderabbiner hielt an den Confirmanden eine Ansprache, welche auf die versammelten Tempelbesucher einen großen Eindruck machte. Der Confirmand trug auch in exacter Weise die Haftorah vor. Eltern und Confirmand wurden allseits beglückwünscht. Wcrll.-Meseritsch. (Zu den antisemitischen Excessen.) Am 7. Juni 1900 fand beim k. k. Kreisgerichte in Neutitschein die Verhandlung gegen Max Klein, Schlossergehilfe aus Wall.-Meseritsch, wegen Verbrechens der Verleumdung und des Betruges statt, in welcher der Angeklagte vom Verbrechen der Verleumdung und des Betruges freigesprochen, dagegen wegen der Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre zu sechs Wochen Arrest, verschärft durch einen Fasttag wöchentlich, und zum Ersätze der Gerichtskosten verurtheilt wurde. Sowohl der k. k. Staatsanwalt, als auch der Angeklagte durch seinen Bcrtheidiger Herrn Dr. Sal. Heller meldeten gegen dieses Urtheil die Nichtigkeitsbeschwerde an. Der k. k. Cassationshof hat der Nichtigkeitsbeschwerde stattgegeben und eine neuerliche Verhandlung auf den 1 .December 1900 anberaumt, in welcher Max Klein gänzlich freigesprochen wurde. Das Verbrechen, welches dem Max Klein zur Schuld gelegt wurde, bestand darin, dass er im October 1899 zur Zeit der antisemitischen Excesse in Wall.-Mesentsch, als die excedicrenoe Menge die Wohnung seines Vaters demolierte, einige Bürgerssöhne unter den Excedierellden erkannte und natürlich selbe auch angezeigt hatte. Die Bürgerssöhne erbrachten aber ihr Alibi, indem sie Zeugen vorführten, welche unter Eid aussagten, dass sie circa 100—150 Schritte vom Thatorte entfernt waren. Tysmienitz. (Jüdische A n t i s e m i t e n.) Ein neuer antisemitischer Plan trat hier aus dem Keime. Die Herren Schullehrer gaben den christlichen, sowie den jüdischen Kindern Befehl, Theken und Federn nicht mehr in den jüdischen Handlungen, foubsrrt in der sogenannten „Kötka rolnicze“ zu kaufen. Die Kinder aber kauften auch am folgenden Tage in den jüdischen Handlungen. Als sie in die Schule kamen, unternahmen die Herren Schullehrer eine Untersuchung. Jedes Kind, bei dem das Heft nicht mit dem Siegel der „Kötka rolnicze“ versehen war, musste noch wahrend der Unterrichtsstunde zum jüdischen Kaufmann gehen und bitten, dass er bei ihm das Heft zurückllehme. Nach der Unterrichtsstunde wurden die Kinder außerdem bestraft. I. Olmütz (Eine verweigerte Subvention i»nd ihre Folgen.) Die jüngst gemeldete Abweisung des hiesigen »Zion", der den Cultusvorstand um Subventionierung seiner jüdischen Volksbibliothek gebeten, hatte zur Folge, dass die vom „Zion" am 16. d. M. veranstaltete Makkabäer-Feier seitens der Judenschaft gleichsam als Protest stärker als je besucht war. Die Worte Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Oppenheim, der nach dem Zünden des Chanuka-Lichtes betonte, dass die nationale Geschichte das einzige allumfassende Band der Juvenheit sei, sowie die Tendenzrede des Herrn Ingenieurs F i s ch l e r fanden demonstrativen Beifall. Der Reinertrag des Festes, der für die Ausgestaltung der Bibliothek bestimmt ist, übersteigt die Höhe der verweigerten Subvention um ein Vielfaches. Lemberg. (Zur Wahl des Dr. Pientak.) Das durch die Bläster zur Genüge bekannt gewordene Wahlresultat des heutigen Tages, und auch der Wahlsieg des Dr. Leonard Pientak, der vom Berufe polnischer Minister, und von Gesinnung clerikal-antisemitisch ist, ist es nicht, welches ich den geehrten Lesern dieses Blattes bekanntgeben will. Es ist vielmehr für uns Juden in Lemberg ein viel traurigeres Resultat, welches diese Wahl zutage förderte, dieses lautet: Corruption der Führer unserer Gemeinde, und dieser, welche es werden wollen; Aber nicht allein als corrupt verdienen sie gekennzeichnet zu werden, sie übten auch Verrath an der jüdischen Gemeinde hier, und das muss öffentlich gebrandmarkt werden. Ja, wir hätten vielleicht nichts dagegen, wenn sie allein nur ihre Stimme dem klerikalen Candidaten abgegeben hätten, sie entfalteten aber eine Agitation sondergleichen für diesen. Der hiesige Kahal setzte alles in Bewegung, sogar seinen Cassier W., um Stimmen für Dr. Pientak aufzufangen, auch der Rabbi Schmelkes, der Nachfolger des Torei Zuhow hier, gab seinen Namen her für Agitations-Zwecke. Wie weit diese verrätherische Agitation gieng, möge hier ein Beispiel aus den Vielen bieten. Der Großeisenhändler B. hier, begab sich zu dem hiesigen jüdischen Klempner-Verein und stellte ihnen den ehrenwerten Antrag, dass er bereit sei, ihnen den fehlenden Betrag zum Ankauf eines min "122 zu ersetzen, falls sämmtliche Mitglieder dieses Vereines ihm ihre Wahl- Legitimationen geben werden, damit er dieselben zugunsten des De. Pientak weiterbefördert. Aber eines ist es, das uns trotz dieses Verrathes an uns noch freut, dass die hiesigen polnisch-demokratischen Blätter, wie der „Slowa Polski" und der „Kurjer lwowski", welche gerechterweise ihren Zorn durch Brandartikel über unseren Kahal, Rabbiner Schmelkes rc. auslassen, einen Unterschied zwischen Kahal und der jüdischen Gemeinde im Allgemeinen machen. J. R. Budapest. (Inbiläu nt.) Eine erhebende Feier veranstaltete die hiesige israelitische Religionsgemeinde am 23. d. M. aus Anlass der fünfzigsten Jahreswende der Lehrerthätigkeit ihres seit 30 Jahren an der Mädchen-Elementar- und Bürgerschule wirkenden Director Nathan Halasch. Am erwähnten Tage, U Uhr Vormittags, versammelten sich die zahlreichen Verehrer, Freunde und Schülerinnen des Jubilars im Prunksaale der israelitischen Religionsgemeinde. Die Feierlichkeit begann mit der Absingung eines Chorals, vorgetragen von den Schülerinnen. Dann wurde der Jubilar von einer Deputation abgeholt. Der Präses der Religionsgemeinde Herr Sigmund Kohner, begleitet von den Vorstandsmitgliedern, beglückwünschte den Gefeierten, Martin Schweiger, Präses der Schul- Commission, verdolmetschte den Dank der Gemeinde für das erspriessliche Wirken auf dem religiösen Gebiete der Mädchenerziehung; sodann sprach Worte der Anerkennung der Schuldireetor, königl. Rath Dr. Karl Veredy, als Vertreter des königl. Cultus-Ministers Dr. Julius Wlassics, der^ den Jubilar mit einem Handschreiben beehrte. Hierauf sprach Schulinspector Dr. Bernhard Munkacsi, ttach diesem Herr- Bar d, im Namen der College«. Es sprachen mehrere Abgeordnete ver vaterländischen pädagogischen Vereine. Auch die einstigen Schülerinnen ließen sich durch die hochgeachtete Frau Dr. O rmai Jos. vertreten und verdolmetschte diese den tiefgefühlten Dank derselben durch warme Worte und stifteten die Schülerinnen eine 2000 Kronen-Stiftung auf den Namen ihres so theuern und geliebten Lehrers. Aitch eine Schülerin der höheren Töchterschule, Elisabeth-Schule, dankte mit herzlichen Worten im Namen ihrer Colleginnen und hob die seltene Beliebtheit hervor, welcher ihr Lehrer sich zu erfreuen hat, denn aber nur er vermag so die Disciplin beim Religionsunterrichte zu handhaben durch seine Sanftmuth, wie er seine Zöglinge behandelt. Auch seine jetzigen Schülerinnen sandten ihr heißes Gebet für das Wohl ihres hochgeschätzten Lehrers durch eine Schülerin. Nach den vielen Wünschen stattete der ergriffene Jubilar den gebührenden Dank für die erwiesene Ehre jedem einzeln ab. Möge es dem Gefeierten gegönnt sein, noch lange Jahre in ungeschwächter Kraft seiner Familie, seinen Schülerinnen und seiner Gemeinde loben zu können. Budapest. (Mit einem Inden wird nicht verhandelt.) Das gemeinsame Kriegsministerium will die Cadetenschule von Nazyvarad nach Debreczen versetzen. Die Nagyvarader Commune beschloss in dieser Angelegenheit an Sr. Excellenz den Herrn Kriegsminister v. K r i e g b a m m e r eine Deputation abzusenden, um die Abänderuitg des Beschlusses zu erbeten. Ein großes Hindernis legte sich aber da in den Weg: die Nagyvarader können nicht so viel deutsch, als dass sie ihre Bitte dem Minister vorlegen könnten. Was thml? Jtt der Verzweiflung bietet sich ihnen in der Person eines Juden eine Rettung. Der Nagyvarader Oberstadthauptmann Gerö, der vorzüglich Deutsch spricht, entschloss sich sehr gerne das Ansuchen seiner Stadt zu verdolmetschen. Aber, ach, im letzten Momente schwand auch dieser Hoffnungsschimmer, denn in einer vertraulichen Verständigung wurde den Nagyvarader» mitgetheilt, dass S e. Excellenz mit einem Juden nicht d i s c u t i e r e tt will. Wenn unser Nagyvarader Korrespondent gut unterrichtet ist, so haben die Juden bei diesem k l e i tt e tt Jneidenzfall eine große Ohrfeige bekommen. Agram. (Antisemitismus und — Defraudativ tt.) Wie berichtet wird, wurde durch die Nedaction des hiesigen antisemitischen Blattes „Hrvaeka Domovina" eine bedeutende Summe Sammelgelder unterschlagen und an 1600 Kronen zur Deckung der Herstellung des sauberen Blattes benützt. Zu diesem Zwecke hat der Redaetcur selbst 600 Kronen fremden Geldes ausgefolgt. Ausland. Berlin. (Aerzte-Proletariat.) Die Berliner Zeitung hatte sich in einem Artikel über das „Aerzte-Proletariat" mit der traurigen Lage eines großen Theiles ver jungen Aerzte beschäftigt und darauf hingewiesen, dass es von den Hunderten in Charlottenbnrg ansässigen Aerzten nachgewiesenermaßen nur 50 Aerzten gelänge, nach lOjähriger Praxis ein Jahreseinkommen über 600 Mark zu erreichen. Jetzt wird mitgetheilt, dass bei der Berliner jüdischen Gemeinde mehr als 50 Unterstützungsgesuche von nothleidenden Aerzten in der letzten Zeit eingegangen sind, und dass fast ausnahmslos den Gesuchen nach Maßgabe des einzelnen Falles und der hierfür flüssigen Barmittel entsprochen worden ist. München. (M akkabäer-Feier des „V e r e i n e s jüdischer Stndeuten".) Der „Verein jüdischer Studenten" in München veranstaltete Samstag, den 16. December 1900, seine erste große Feier seit Bestand des Vereines, eine Makkabäer- Feier, deren glänzender Verlauf Zeugnis von dem Aufblühen des erst 2 Semester bestehenden Vereines und von dessen Beliebtheit in der Münchener Bürgerschaft gab. War schon die Betheiligung von Seiten der jüdischen Studentenschaft Münchens eine zahlreiche, so zeigte die große Anzahl angesehener Bürger der Stadt, dass der junge Verein in der Bürgerschaft bereits festen Fuß gefasst hat. So erschienen die beiden Rabbiner der Stadt, von denen besonders Herr Dr. Werner dem Vereine seine thatkräftigste Unterstützung angedeihen lässt. Ferner sah man mehrere Mitglieder des Cultnsvorstandes, den bekannten Zionisten Herrn Dr. Wolfskohl und viele andere. Der Verlauf der Feier gestaltete sich zu einer mächtigen nationalen Kundgebung der Münchener jüdischen Studentenschaft. Aus den Reden leuchtete eine solche Begeisterung für jüdisches Volksthum hervor, der Appell, einzelner Bürger und des Herrn Rabbiners selbst an eine Einigung des Judenthums und eine Wiederkehr zu jüdischem Leben entfesselte einen so stürmischen Beifall, dass man die Gewissheit hegen kann, der Verein bedeute den Sammelpunkt der wahrhaft jüdischen Jugend Münchens. In schwungvoller, begeisterungsglühender Rede feierte der Festredner med. Julius Citron, die Bedeutung des Festes, indem er die damalige Assimilation mit derjenigen der Neuzeit verglich und in zündenden Worten dte Makkabäer als Vorbilder anrief. Der Dritlchargierte med. Sally B o s ch w i tz toastierte auf die Gäste, darunter auf die Delegierten der jüdischen akademischen Verbindung „Unitas" aus Wien, die der Einladung des befreundeten Vereines gefolgt waren. Im Namen der Verbindung „Unitas" überbrachte ing. Julius Für st, der Erstchargierte, die Grüße feiner Verbindung und wünschte dem Freundschaftsbündnisse, in welchem beide Corporationen stehen, dauernden Bestand. In längerer Rede entwickelte dann med. Gabriel Wolf (Unitas) die Ziele und Zwecke des Zionismus. Den officiellen Theil der Feier beschlossen musikalische und deelamatorische Borträge, unter welchen besonders das von einem jungen Violinvirtuose meisterhaft vorgetragene „Kol Nidre" stürmischen Beifall erweckte. Die Feier beschloss eine fröhliche „Fidulitos", welche die Theilnehmer noch lange in bester Stimmung vereinigte. Der „Verein jüdischer Studenten'' kann mit Stolz auf seine Thätigkeit zurückblicken; seine Veranstaltung war die erste nationale Makkabäer-Feier in München. W. Brüssel. (Ein belgisches Protest Meeting gegen b a § Urtheil im Hilsner-Processe.) Unter dem Vorsitze des radicaleu Abgeordneten I a n s o n fand am 13. December Abends im „Cour d'Angleterre" ein öffentliches Protesttneeting gegen das Todesnrtheil im Hilsner-Proceffe statt. Liberale Universitätsprofessoren, liberale und soeialistische Abgeordnete und Priester D h e n s brandmarkten in beredten Worten den fanatischen Antisemitismus und die Legende vom Ritualmord. Dce überaus zahlreiche Versammlung nahm eine Resolution an, in welcher der Wunsch ausgedrückt wird, es mögen olle Recursfvrmen erschöpft werden, um die Durchführung des Todesurtheils zn verhindern. Die Vorstandsmitglieder des Meetings wurden beauftragt, in diesem Sinne ein Gesuch an das österreichische Abgeordnetenhaus und au den österreichischen Justizminister zu richten. Petersburg. (W o z u Ehrt st e n blnt noch gut i st.) In dem Dorfe K u l a s ch i verschwand vor einigen Wochen ein christlicher Knabe. Sofort hieß es, dass derselbe von den Juden, welche das Christenblnt bedürfen, u m d e m von ihnetr gekelterten Weine ein besseres Aroma z n geben (?), ermordet worden sei. Die Bauern rotteten sich in Knlaschi zusammen, wo die Inden gerade einen Knaben beerdigten. Die Leiche wurde von der Bahre hernntergeholt, um festznstellen, dass der Tvdte nicht der Vermisste sei. Erfreulicherweise gelang es der Polizei, den verschwundenen Knaben in einem Nachbardorfe aufznfindeu und heil und gesund seinen Eltern zuzuführen. I». ih'iliiiiiiislim des „Verbillldks der ist. Relismslkhm iw den östemiWeil Mittelschule«". Am 26. Deeember faild der Verbandstag der isr. Neligionslebrer in der Seitenstettengasse 2 (NeligionSschnle) statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Thätigkeit des Ausschusses. 2. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl des Ausschusses und der Revisoren, eventuell Beschlnssfassung über. die Auflösung des Verbandes. 4. Euentnelle Vorträge und Discnssionen. 5. Eventuelle Anträge. Die eventuelle Beschlussfassung über die Auflösung des Verbandes ans die Tagesordnung zn setzen, iviir, tme. es scheint, beim doch etwas übereilt. Es liefen, außer einigen und zwanzig Zustimmungskundgednugen, 17 Beitrittserklärungen von neuen Mitgliedern ein. Der Verein ist also existenzberechtigt und lebensfähig, und seine bisherigen Erfolge, worunter vorzüglich die Ernennung einiger Religionslehrer zu wirklichen Lehrern zu verzeichnen ist, sichern dem Verbände eine gedeihliche Zukunft und der Leitung desselben den Dank und die Anerkennung aller Kreise, die für die Ausgestaltung des jüd. Religionsunterrichtes an den österreichischen Schulen wirkliches Interesse haben. Besondere Anerkennung verdient der Obmann des Verbandes der k. k. Professor, Herr Dr. Adolf Weiß für seine umsichtige Leitung der Verhandlungen. Nur hätte er nicht einen Antrag, der überhaupt außerhalb der Interessensphäre des Verbandes liegt,

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