Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Date
- 1900-12-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. Dccember 1900 Seite 3 oder Eisenbahn ist für die jüdischen Bewerber in dem Maße, in dem sich bei den Banken und Bahnen die antisemitische Strömung geltend macht, immer schwieriger. Das Niveau des Standes beginnt zu sinken, da das Kaffeehaus oft eine größere. Nolle spielt als das Bureau. Dieser immer mehr wachsende Widerstreit der Interessen, die steigende Concurrenz macht es verständlich, wenn auch nicht entschuldbar, dass sich jüdische Advocateu finden, die für den numems clausus im Advocateustände eintreteu! Sehen denn diese Verblendeten nicht ein, dass sie um eine momentane Besserung ihrer Lage ihren Nachk vmmen den Ast abschneiden, ans dem diese sitzen könnten : dass ste um ein Linsengericht die Zukunft ihrer Enkel verkaufen? Tenn jedem Einsichtigen ist es klar, dass die Advocatenkammer sich mit der Zeit, den numerus clausus vorausgesetzt, jüdischen Bewerbern ganz verschließen würde. Zwei Umstände stehen dem jüdischen Advocateu förderlich z ur Seite; seine angeborene Rednergabe und sein angeborener Scharfblick, die ihm ein natürliches Uebergewichi gegenüber dem arischen Collegen verschaffen, und zweitens der Umstand, dass eine unerschöpfliche Quelle der Einnahmen die Streitigkeiten d er Kaufleute sind, für die größtentheils antisemitische Motive wegfallen. Tie Lage der jüdischen Aerzte und Lehrer ist bereits erschöpfend in diesem Blatte behandelt worden. Bevor wir nun die Schlüsse ziehen, müssen wir uus, wenn auch widerwillig, mit der hässlichsten Erscheinung im österreichischen Judenthum beschäftigen, nämlich mit der Vorliebe der jüdischen Bourgeois für arische Aerzte, Advocateu und Lehrer. Wabrljch, kein Pinsel wäre scharf genug, um diese Farce entsprechend zu caricieren, kein Stift genug ätzend, um sie gebüreud zu brandmarken. Im Verein mit der Abneigung der jüdischen Chefs gegen jüdische Angestellte stellt sie die wirkliche Gefahr für die Zukunft Judas vor; sie ist die Gefahr kat exoclien. Denn das wirksamste Heilmittel für diese Krise in den akademischen Berufen ist das solidarische Eintreten des Volkes für seine bedrohte Intelligenz. Diese Solidarität ist möglich und fruchtbringend. Im mercantilen Fache konnte man d ieses Heilmittel nicht empfehlen, weil hier die Zahl der Producenten die Zahl der Consumentcn bei weitem übersteigt; dies ist in den akademischen Berufen nicht der Fall. Wenn in einem nationalen Körper Capital und Intelligenz sich feindlich gegenübersteheu, so leidet vor allem die Ktäft der Nation, in zweiter Linie das Capital, und am wenigsten, aber doch empfindlich, die Intelligenz. Die jüdische Bourgeoisie sollte also einehen, dass sie sich selbst nützt, wenn sie der Intelligenz hilft. Chronik des Judenthums. Inland. Wie«. (Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der Israel. Cultusgemeinde) vom 23. Deeember 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Kling er. Beginn der Sitzung IO Uhr vormittags. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Präsidenten kaiserl. Rath Kling er Kr. 200, welche derselbe als Präsenzgebür für die am 20. December 1900 stattgefundene Sitzung des Curatoriums der A. M. Poll ak Ritter v. Rudin'schen Familienstifinng empfangen hat, und dem Armenamt der Cultusgemeinde überwies. Von Frau Isidor S ch n e k, 8 Bände Kompert's Werke für die Bibliothek des israel. Altersversorgungshauses. Für die Ausspeisung armer israel. Schulkinder in der Brigittenau sind eingelaufen: Von Frau Emilie P i cf. Kr. 5. Von Herrn Josef Flesch, Kr. 40; weiters für denselben Zweck zu Händen des Herrn Dr. Alfred Berger: Anonym, Kr. 6, von Frau Sophie S t e i n g r a be r, Kr. 5, von Frau Sarah v. Stern, Kr. 20, von Herrn Jsidoro Reifs, Kr. IO, von Herrn I. R. Berger, (Sammlung), Kr. 40, von Herrn Ludwig Gerstner, Kr. IO, N. N., Kr. 20. Den Spendern wird der Dank votiert. Im Einlaufe befindet sich eine Einladung des israel. Tempelvereines für den VI. und VII. Bezirk zu der anr 27. d. M. stattfinden Generalversannnlung und eine Einladung des israel. raschende Wirkungen der Künstler durch die Contrastierung dieser beiden Farben, also mit so schlichten Mitteln hervorzuzaubern weiß. Dafür hat Lilien seine ganze gestaltende Phantasie und seine Freude am Naturschönen spielen lassen beim Schmücken der drei „Gesänge des Jehuda". Man könnte die Gedichte auch „Lieben und Leiden in Zion" nennen. Das „Sehnsnchtslied", in welchem Töne aus dem Hohenliede wiederklingen, ist in glutvollen Farben gehalten, voll morgenländischer, süßer Träumerei. Eine gedämpfte Sinnlichkeit weht uns an aus dem »Stillen Lied", welches in kurzen, heißen Versen das beseligende Glück der Hingebung besingt. Dann folgt die ergreifende Trauerklage um den Tod der Geliebten: »Ich dehne meine Arme aus, Channah, Meine suchenden Arme finden Dich nicht!" „Warum giengst Du fort und ließest mich ganz allein Welch eine Harmonie in den drei Zeichnungen Liliens zu diesen Gedichten in der Anmuth ihrer Bewegungen, in der finnigen Symbolik bei allem Realismus der Figuren. Welch ein Gegensatz zu der Herbheit und Strenge im Jesajas!- »Und Mosis Schwester fasste die Pauken mit weißer Hand, Wie wehten Mirjams Flechten, wie flatterte ihr Gewand!" Das ist die Introduktion zu dem vorletzten Gedichte »Mose!" Aus den drei, vier Versen der Bibel heraus baut der Dichter in herrlichen Klängen die ganze Geschichte von der wunderbaren Erlösung aus der Knechtschaft auf. Wie ein Tanz- Tempelvereines für den X. Bezirk zu der am 30. d. M. ftattsiudenden 25. Generalversammlung. Die Vertretung des Vorstandes bei der ersteren Generalversammlung übernimmt Herr Salo Cohn, während für die letztere die Herren Vice-Präsident Dr. K o h n, Ober-Ingenieur von Mises und Dr. Grünseld ihre Anwesenheit in Aussicht stellen. Der Präsident bringt den vor längerer Zeit von der I. Seetion eingebrachten Antrag wegen Aufnahme der durch ihr philanthropisches Wirken hochverdienten Baron Moriz Hirsch de Gereuth und seiner Gattin Baronin Clara H i r sch de Gereuth in die Haskara zur Abstimmung und verweist auf das rücksichtlich solcher Aufnahme geltende Normale, wonach die Anwesenheit von 18 Vorstandsmitglieoern erforderlich und eine Debatte ausgeschlossen ist. Die sohin bei Anwesenheit von l8 Vorstandsmitgliedern vorgenommene schriftliche Abstimmung ergibt die Annahme des vorgenannten Antrages der I. Seetion. Herr Viee-Präsident Dr. Gustav K o h n referiert über die Verleihung zweier Stiftplatze im Betrage von je Kr. 945 aus der Jonas Freiherr v. Königswarter'schen Theologenstiftung. Ueber Vorschlag des Professoren-Collegiums der israel. theolog. Lehranstalt und über Beschluss des Stiftungs-Curatoriurns wird die Verleihung an 2 Nabbinats-Candidaten genehmigt. Herr Doeent Dr. Grünfeld referiert namens der III. Seetion über Personalangelegenheiten des israel. Spitales. Im Sinne der Seetions-Anträge wird das Moriz Freiherr v. K ö n i g s w a r t e r'sche Stipendium im Betrage jährlicher Kr. 840 für einen Hilssarzt im israelischen Spitale dem derzeitigen Stipendisten 'für ein weiteres Jahr verliehen und die Anstellung eines zweiten Hilfsarztes beschlossen. Nach Erledigung einer größeren Anzahl von Currentien und Personalien wird die Sitzung um 2 Uhr nachmittags geschlossen. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde vom 19. December 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserlicher Rath K l i n g e r. An Spenden find eingelaufen : von Frau Moriz I a k o b y für das israelische Altersversorgungshaus 5 Kronen 33 Heller; von Herrn Dr. Alexander M a r f ch i k behufs Vertheilung an jüdische Arme 30 Kronen als Sühne eines wegen Ehrenbeleidigung Geklagten für die durch denselben dem Judenthume zugefügte Unbill mit dem Wunsche des Einsenders, dass der von ihm als Vertreter des Klägers bei Erzielung eines Vergleiches eingeschlagene Vorgang Nachahmung finde. Der Vorschlag des Vorstandes der Chewra Kadischa, Herrn Aron Bondy, Gesellschafter der Firma Jakob Neurath, in den Vorstand dieses Vereines zu eooptieren, wird einhellig genehmigt. Anlässlich der Fertigstellung des Siechenhauses wird die III. Seetion beauftragt, Vorkehrungen, betreffend die innere Einrichtung des Siechenhauses vorläufig für 2 Stockwerke zu treffen. Die für das Jahr 1900 noch zur Verfügung stehenden Zinsen des Dr. S. H. G o l d sch m i d t'schen Legates gelangen im Sinne der testamentarischen Bestimmungen zur Verleihung. Oberfinanzrath Dr. Rappaport referiert namens der Rechtsseetion betreffs einer Aenderung der Systemisierungsbestimmungen für die Diener der Cultusgemeinde. Die Anträge gelangen nach längerer Debatte, an welcher sich insbesondere die Herren kaiserlicher Rath Hirsch, kaiserlicher Rath Pollak, Dr. Spitzerund Hoffmann betheiligen, zur Annahme. Schließlich werden Steuerangelegenheiten in Berathung gezogen. Wien. (Das „Jüdische Museum".) Laut Ankündigung sollte das jüdische Museum Dienstag den 25. und Mittwoch den 26. d. M. für das Publicum geöffnet sein. Die Museumverwaltung scheint es jedoch für ganz ausgeschlossen zu halten, dass sich wirklich jemand hinverlaufen könnte. Sie wird vielleicht enttäuscht sein über die Mittheilung, dass sich thatsächlich drei jüdische Seelen gefunden haben, welche sich diesen Genuss leisten wollten. Als ich Dienstag den 25. d. M. um '^12 Uhr vormittags hinkam, warteten dort bereits ein Herr und eine Dame. Wer aber dort nicht war, das ist — Herr Iellinek. Den Namen verdanke ich der Hausbesorgerin in der Rathhausstraße Nr. 13. Sie verwunderte sich, dass Herr Jellinek nicht schon um 11 Uhr, wie er doch sollte, gekommen ist, und hatte die Einsicht, dass es doch nicht angeht, die Leute kommen zu lassen, ohne dafür zu sorgen, dass das Museum geöffnet wird. Wir warteten bis gegen Mittag, mussten aber schließlich unverrichteter Dinge abziehen. Der Herr meinte sogar, das sei eine Frechheit, er müsse dies dem Bergani anzeigen, damit es in die Oeffeutlichkeit lied, wie ein Gesang beim Reigen fließt es dahin, in majestätischem und doch zugleich leicht hüpfendem Rhythmus. »Ta wehten die Winde der Höhe wie nie zuvor, »Da brüllten die Wogen der Tiefe und stiegen emor!" Bei Baal Zephon standen die Stämme Israels, das Lager dehnte sich über das Thal; plötzlich erhebt sich ein Schrei, die Wache flieht, Barns naht an der Spitze seines Heeres, um die Heimkehrenden einzufangen: „Und Mose trat zum Meere, den Stab in der Hand!" „Und wir zogen die Furt, die Jehova den Seinen gesetzt, Und an keiner Sandale wurde die Sohle genetzt!" Dieser Vision des Uranfanges schließt sich dicht die Verheißung für die Zukunft an. „Sabbath der Sabbathe" heißt das Gedicht, welches gleichsam als Finale die Gesänge von Juda beschließt: „Es ruhet der Tag der Tage, Nach Streben und Sterben und Leid Nach Lieben und Lehren und Leid. Nahet die Ernte der Saat." An dieses Sinngedicht schmiegt sich L i l i e n s Apotheose Judäas. Im Hintergründe erblickt man die Contvuren einer orientalischen Landschaft. Innerhalb eines Rahmens von Paradiesäpfelbäumen sitzt eine weibliche Jdealgestalt mit feinen, lieblichen, aber ernsten Zügen auf einem Thron. Ihr schönes Haupt schmückt eine Krone, achtzackig verziert mit den gottesdienstlichen Symbolen. Durch ihre herrlichen Flechten winden sich komme. Ich konnte diesem etwas specifisch wienerischen Gedankengang nicht recht folgen, versicherte aber dem in seinem gerechten Zorn zu weitgehenden Herrn, die Sache könnte auch noch auf andere Weise den Weg in die Oeffentlichkeit finden. Die Dame war etwas nachsichtiger, sie meinte, dem Herrn Jellinek könne doch etwas Menschliches passiert sein. Ist dem Herrn Jellinek wirklich etwas Menschliches zngestoßen? Dies wäre aber doch schon — „allzumenschlich". Ein Durchreisender. Wien. (K i nd e r b e k l e id n n g.) Anlässlich des Chanuka-Festes fand Sonntag den 16. d. M. im Simmeringer Tempel ein vom Vorstände veranstalteter Festgottesdienst, verbunden mit Bekleidung armer Kinder, in besonders feierlicher Weise statt. Für 3 Uhr nachmittags war die Kinderbekleidung festgesetzt, und es fanden sich zn derselben der Gesammtvorstand des Tempelvereines, der Vorstand des Frauenvereines mit der Präsidentin Fran kais. Rath Netty Vogel, der k. k. Polizei- Arzt Herr Dr. I. Wen graf und der als Förderer unserer Wohlthätigkeits-Anstalten allbekannte und hochverehrte Gultusvorsteher Herr kais. Rath Friedrich B o g e l nebst einer großen Anzahl von Festgästen ein. Ueber Ersuchen des Tempelvorstandes hielt unter geehrter Religionslehrer Herr Eduard Brüll eine gediegene Festrede, worauf die wegen ihrer Herzensgute und Mildlhätigkeit hochvereh-te Präsideptln des Frauenvereines mit unvergleichlicher Liebenswürdigkeit' eigenhändig sowohl die Anstheilung der Geschenke, als auch die Bewirtung der Kinder itt der Vereinskanzlsi , vornahm. In gehobener Stimmung kehrten dann die Festgäste in das schöne, hellbcleuchtete Gotteshaus zurück. Mit einem Orgel-Präludium wurde das Channkalicht-Auzünden eingeleitet, bei welchem sich unser Cantor Herr Adolf Schäfer in gewohnter Weise auszeichnete. Zum Schluffe wurde Sulz er s „Adon olom" in D-dur sehr schön gesungen. — Um das Zustandekommen der Kinderbekleidung haben sich besonders verdient gemacht die Herren Vorstandsmitglieder Franz Tauber und Siegmuud B u t s ch o w i tz, welche sich der Mühe der Einsammlung von Spenden unterzogen, endlich der Obmann-Stellvertreter Herr Jacob Hausner, welcher diesen Act der Humanität und Nächstenliebe mit Umsicht geleitet und kein Opfer an Geld und Zeit gescheut hat. —r* Wien. (Orthodoxer Bethausverein.) Dem humanitären Verein „Marpe Lanefesch" II. Glockengüsse 4, wurde mittelst Erlass der höhen k. k. n. ö. Statthalterei die Bewilligung ertheilt, den Namen „Orth. Bethausverein" führen zu dürfen und als solchen die darauf bezughabenden Statuten in alter Form genehmigt. Es ist dies in Oesterreich der erste Fall, dass von offieieller Seite das orth. Jndenthnm als solches anerkannt und zur Kenntnis genommen wurde. Wien. (Th er esien-Kreuz er-Verein zur Unter stützung armer israeli tisch er Schulkind er.) Mm woch, den 19. December 1900, um 5 Uhr nachmittags fand xm. Vereinshause: II., Untere Augartenstraße Nr. 35, eine Verkeilung von Winterkleidern an die Zöglinge des Vereines sowie eme Besichtigung der Mädchen-Arbeitsschule und der Arbeitsräume des Knabenhortes statt. Wieu. (P e r s o n a l n a ch r i ch t.) Am Sonntag den 6. Jänner 1901 findet im Leopöldstädter Tempel die Trauung von Fräulein Martha E l t b o g e n mit Herrn Dr. m ed. Isidor Braun statt. Prag. (Jüdischer Volksverein.) Der 22. December d. I. wird vielen Juden Prags in angenehmer Erinnerung bleiben. Mehr als 1500 Personen drängten und schoben sich in den Räumen des Wintergartens im Grand Hotel. Selbst aus Kreisen, die noch vor kurzem einer rein jüdischen Veranstaltung weit aus dem Wege giengen, betheiligten sich an der Makkabäer- Feier des Volksv'ereines, und, was noch mehr gilt, ihre Er-. Wartungen in dieselbe wurde weit übertroffen und keiner der Anwesenden wird mehr daran zweifeln, dass wir Juden uns ganz gut ohne arische Gesellschaft behelfen können. Begrüßt wurde die Versammlung von dem Obmanne, worauf Herr Dr. K o h n einen tief empfundenen Prolog herrlich vortrug. Dann betrat Herr Rabbiner Dr. Aladar Deutsch die Tribüne, um eine gut durchdachte Festrede zu halten. Er sagte unter anderem: „Wer hälte es noch vor einigen Jahren gedacht, dass sich so viele Besucher zu einer rein jüdischen Feier einfinden würden; es macht Perlenschnüre. Ihr Kleid ist aus den Buchstaben der hebräischen Sprache gewoben, und ihr rechter Arm schlingt sich mit unbeschreiblich liebevoller Bewegung um eftiösThorarolle, die sie wie ein Palladium an das Herz drückt. Iw ihren Zügen malt sich ruhige, ernste Zuversicht: . „Traue dem Gotte der Väter: 1" 9;;. Aus Zeiten voll Schande und Spott Führt Dich Dein heiliger Gott' ■ - Mit unerforschlichen Rath: Der Sabbath der Sabbathe naht!"; -i- * Noch ein Wort über die äußere Ausstattung .des Buches. Da verdient zunächst die Einheit des zdicHnerischen Stils in dem Zierleisten, Vignetten und besonders Vie Umrahmungen gehalten sind, volles Lob. Welch eine strenye Konsequenz in der Mannigfaltigkeit der Motive: stilisierte Ranken, Mohn'^ Passionsblumen, Margarethen, Feigen, Lotus, Rosen ufi^ Dornen. Welch eine Anmuth und Zierlichkeit bei aller Strenge und Schlichrheit der Linie, welch eine Mäßigung bei aller Ueppißkeit und Pracht. Besonders originell sind die Umrahmungen, die,,aus segnenden Kohanim-Händen und aus entfalteten Thorqrollen oder aus Engelköofchen gebildet sind. Die Einbanddecke, ebenfalls nach Liliens Zeichnung entworfen, ist geschmackvoll und von ernster Pracht. Das tapetenartig stilisierte Vorsahpapier mit dem siebenarmigen Leuchter entspricht dem Stile des Ganzen. Das Schlussblatt zeigt das aus dem XII. oder XIII. Jahrhunderte stammende Wappen des Freiherr» v. Münchhausen mit dem Namen des Dichters in hebräischen Schriftzügen und dem Bibelverse: „Der Fremde, der in diesen Thoren weilt." Ach, es gibt so wenig solcher Fremde in unseren Thoren! 8—1.