Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 51 (21.12.1900)
- Date
- 1900-12-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2432763-2432811-2432862--0812-2434502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr* 51 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 21. December 1900 Seite 5 mi in ia>i>~>iaiiiinwm — — „„ »»»,„ m I-Lr . - r ... Wählerlisten eingetragenen algierischen Juden. Die Commission beschloss, die Streichung der Juden aus den Wählerlisten zu verwerfen, die Aushebung der Emancipation ohne rückwirkende Kraft aber der Kammer zur Aufnahme zu empfehlen. Im Anschluss daran soll beantragt werden, das Natnralisatiousgesetz von 1889, wonach alle Fremde, deren Ahnen einmal französische Bürger waren, ohne weiters in Frankreich zur Naturalisation zugelassen werden müssen, in Bezug auf die Inden in Algier außer Kraft zu setzen. Dass diese antisemitischen Gelüste in der Deputirteukammer eine Mehrheit finden werden, ist ausgeschlossen. Petersburg. (Juden in der Dänischen Protz i n z.) Die Verpachtung fiscalischer Terrains an einen Juden hat in Taganrog zu einem interessanten Conflict zwischen der Militär- und der Civilbehörde geführt. Ecstere forderte die Staatsanwaltschaft auf, einen Juden in den Anklagezustand zu versetzen, weil dieser es „gewagt" hat, von dem Eisenbahnfiscus ein Terrain zu einem Kohlenlager zu pachten, obgleich er als Jude in dem unter militärischer Verwaltung stehenden Territorium der Donischen Kosaken kein Anfenthaltsrecht habe. Da der Staatsanwalt sich weigerte, diesem Ansinnen der Militärbehörde stattzugeben, wandte sich dieselbe an das Berwaltungsgericht. Inzwischen hat aber das Verkehrsministerium Veranlassung genommen, diese Frage auf gesetzgeberischem Wege zu regeln, indem es sie zunächst der Entscheidung des Gesammtministeriums unterbreitete. ZW'-' . .’J*“/, WltillM der Iniucrfität cherillmh. Die akcrd. Verbindung „Hasmonaea" veranstaltete Samstag, den 8. d. M. in der großen Turnhalle einen F e st a b e n d anläßlich der 25jährigen Gründungsfeier unserer Alma mater. Die Feier nahm einen glänzenden, ja herrlichen Verlauf und bekundete die aufrichtigsten Sympathien der gesummten jüdischen Bevölkerung ihren wackeren Hasmonaeern gegenüber. Aus allen Kreisen waren Vertreter erschienen, um der Hasmaneaea zu ihrem schönen Feste ihre Glückwünsche zu überbringen. An der Honoratiorentafel sahen wir als Verkreter der Universität: Se Magnificenz den Rector Prof. Dr. Hauke, Se. Spectabilität den Decan der theol. Facultät Prof. Dr. Tarnawski. Se. Spectabilität den Decan der juridischen Facultät Prof. Hörmann v. Hörbach, Se. Spectabilität den Decan der philosophischen Facultät Prof. Dr. Herzberg-F r ä n k e l, Hofrath Prof. Dr. K l e i n w ä ch t e r, Prof. Dr. Han dl und den Obmann des Festausschusses Prof. Dr. v. Halb an. Als Vertreter der Stadt waren erschienen: Vicebürgermeister Regierungsrath Dr. R e i ß, Landtagsabgeordneter Dr. S t r a u ch e r und die Gemeinderäthe: Pros. Dr. W e nd e r und Kammerrath Picke r. Ferner hatten sich zahlreiche Advoeaten, Aerzte, Beamte, sämmtliche Mitglieder der jüd. akad. Lesehalle „Humanitas", Vertreter des Vereines, „Zion" und viele „Wilde" eingefunden. Ihr Fernbleiben entschuldigten Se. Excellenz der Herr Landespräsident Frhr. v. Bourguignon, Bürgermeister Freiherr v. K o ch a n o w s ki, Oberrab. Dr. Rosenfeld, Skabbiner Weiß, Prof. Dr. Wahle und Prof. Dr. Ehrlich. Nach Absingung des „Gaudeamus“ begrüßte der derzeitige Senior stud. jur. Kovler. in herzlicher Weise die erschienenen Festgäste, worauf der von der „Hasmonaea" gegründete „Chor jüdischer Studenten" das Farbenlied der Verbindung vortrug. Unter den Rednern ergriff stud. jur. Kastner als erster das Wort zum Kaisertoast. Mit begeisterten u. begeisternden Worten pries er Se. Majestät unfern erhabenen Monarchen. Der treffliche Redner gedachte dann des Patriotismus und der Loyalität der Bukowinaer Bevölkerung unter dem Banner der Wissenschaft und schloß seinen Toast unter stürmischen Prositrufen mit einem dreimaligen Hoch auf den erhabenen Stifter unserer Universität. Stramm commandierte darauf der Senior das „exercitium Salntnandri“ aus den Landesfürsten. Die Festrede (Rede auf die Alma in ater) hielt Mud. jur. Klüger. In ausgezeichneter Weise beronte Redner in der Einleitung die Bedeutung des Festes, pr-.es die Alma mater als wahre Stätte des Segens für das Bachenland, dem sie in einer kleinen Spanne Zeit einen so bedeutenden culturellen Aufschwung verliehen hat und beleuchtete insbesondere das innige Verhältnis dos Judenthums zur Wissenschaft. Nach längeren Ausführungen sagt der begeisterte Redner: „Mit dem Verluste der materiellen Güter wurden die geistigen Schätze die theuersten Kleinoden des Juden. Sie förderten seine nationale Entwicklung und bildeten den Hauptbestandtheit seines Lebens. Alles ließ sich daher der Jude nehmen, opferte seine besten Söhne dem Frieden, ließ alle seine Güter auf der Wanderung zurück und rettete aus allen Gefahren nur seine Lehre mit sich. Wenn Tod uno Verderben von außen wütheten, wenn die Ghettomauern mit Gewalt hinter ihm sich schloßen, saß der Jude darbend und frierend mit der Forschermiene auf den verdüsterten Gesichtszügen über den Folianten gebückt. Er wusste, was sein Lebenselement sei, er wusste das Forschen und Wandern, Denken und Dulden, Lernen und Leiden, die Diaspora ausfulleu müssen, dass das Wissen der Hauch seiner Volksseele sei. Immer sah der Jude lechzend nach den Schätzen der Weltweisheit hinüber, die ihm verschlossen waren und als die Tantalusqualen endeten, als die Posaune der Freiheit erscholl und er sich mit Heißhunger auf die iüßen Früchte der Civilisation stürzte, da lernte er erst den wahren Wert der Aufklärung kennen. Denn in der hassgetränkton Aera des Nationalitätenhasses bekämpfte das.kleine jüdische Häuflein seinen überlegenen Feind siegreich mit den Waffen des Geistes. Die Universität ist ein Höre, eine Zufluchtsstätte für die Gedrückten. Denn vor ihrem Lichte der Aufklärung zerstieben und zerstreuen sich die finsteren Giebel des Fanatismus, der allein den Rassenhass entfacht; die Universität ist es, die das wahre Ideal der Freiheit und des ewigen Völkersriedens schafft. Unter stürmischem Beifall schloß der Redner mit dem Wunsche: Vivat, lloroat, eroscat almu mator Frunoisco-Josephina! Aus diese Worte erwiederte Sei Magn. Rector Dr. Hauke: „Meine verehrten Herren! Ich brauche nicht zu .'versichern, dass ich als akademischer Lehrer jederzeit mich freue, wenn unserer Alma mater in so herzlicher Weise daS Wort gesprochen wird. Nachdem ich infolge des gütigen Vertrauens meiner verehrten Collegen in diesem Jahre die besondere Ehre habe, als Reetor zu erscheinen, bin ich in der Lage, im Manien unserer Alma mator Ihnen den wärmsten und tiefempfundenen Dank zum Ausdrucke zu bringen. Der Zweck, die Grundlage Ihrer Verbindung ist die Wahrung der Stammeseigenthümlichkeiten und ich muss sagen, dass ich Sie beglückwünsche zur muthigen Mannesüberzeugung, welche Sie auf diese Weise zum Ansdrucke bringen, und dass ich sie doppelt anerkenne in einer Zeit, in welcher die Verschiedenheiten der Gesinnung so groß ist. Es kommt darauf an, mit welchen Mitteln ein wichtiger guter Zweck verfolgt wird, und ich kann Sie auch zur Wahl der Mittel wärmstens beglückwünschen. Denn das ist durchaus richtig, dass Sie die Pflege der Literatur als Mittel zur Erreichung ihrer Zwecke in's Auge fassten, weil gerade diese eine der wesentlichsten Eigenthümlichkeiten Ihres Stammes gewesen ist, wie sa in der Pflege und Entwicklung der Literatur die kostbarste Seite eines jeden Nationalgefühles erblickt wird. Und so freue ich mich vom Herzen, mein Glas erheben zu können, mit dem Wunsche, die akad. Verbindung „Hasmonaea" blühe, wachse und gedeihe. Stürmischer Jubel begleitete die Worte des Rectors. Dann sang der Chor das Lied „Dort wo die Ceder", das vierstimmig Prof. Kuzela jetzt gesetzt und der „Hasmonaea" gewidmet hat, unter bewährter' Leitung des Chormeisters Herrn Schulz. Einen mächtigen, stürmische Begeisterung entfesselnden Eindruck machte die Tendenzrede des stud. jur. Kovler. In markanten Zügen entrollte er das traurige Bild der Vergangenheit des jüdischen Volkes, beleuchtete die gegenwärtige Lage und eröffnete glänzende Perspectiven für die Zukunft. (Die vortreffliche Rede erscheint übrigens demnächst vollinhaltlich in Druck.) Nach Absingung des Bundeslieder sprach stud. jur. Schorr auf die Stadt, worauf Vicebürgermeister Regierungsrath Dr. Reiß antwortete und in schönen Worten die „Hasmonaeer" als stramme, charakterfeste Burschen und Verfechter edler Tendenzen, die die Sympathien aller gebildeten Kreise der Stadt auf ihrer Seite haben, feierte. Es sprachen noch Magister der Pharmacie E. S ch e ch t namens der alten H e r r n und namens der „Humanitas" stud. jur. Fischer. Mit einem heiteren Liede schloss der ofsicielle Theil, worauf Gemeinderath Prof. Dr. Neuman Wender das Hospizpräsidium übernahm und einen gelungenen heiteren Vortrag hielt. Eine Kneipzeitung wurde noch verlesen und bis zum frühen Morgen saß man noch beisammen. Es war ein schönes Fest, das den Hasmonaeern Ehre macht. dass durch diese Auseinandersetzungen irgend eine Besserung erzielt werden könne, und die Geschichte aller Zeiten gebe ihm dafür Beweise an die Hand. Das liege in der menschlichen Natur, und auch Andersgläubige in anderen Ländern seien zu dem vorherrschenden Glauben des Landes übergetreten, wenn sie darin Vortheile für ihre Stellung zu sehen vermeinten. Nichtsdestoweniger habe die Repräsentanz die heiligste Verpflichtung, auf diese Dinge einzugehen und bei manchen anderen Angelegenheiten hätte in erster Reihe vom Vorstande der Gemeinde das Wort zur Abwehr bereits ergriffen werden müssen, will die jüdische Gemeinde zu Berlin vorbildlich für ganz Deutschland und noch weit darüber hinaus sei. Das Wort „Rühr mich nicht an" könne hierbei keine Geltung haben, denn je weniger man daran rühre, umsomehr bekommen die feindlichen Gewalten die Oberhand. Wenn der Verfasser sage, dass die sittlichen Ideale der Juden gering seien, so kenne entweder der betreffende Scribent diese Ideale nicht, oder aber er begehe eine Verleumdung. Zu Gunsten des Verfassers wolle er annehmen, dass Dieser sie nicht kenne. Wo in einer anderen Religion sei das Maß der persönlichen Mühewaltung in der Pflege der Kranken, in der Bestattung der Todten und in allem anderen noch so groß wie in Israel! Jede gegentheilige Behauptung sei eine Bosheit für die jüdische Religion, in der sämmtliche sociale Forderungen unserer Zeit in bester Weise zur Ausführung gelangen. Dass diese Behauptung, die selbst von Christen nicht getheilt würde, heute ein Jude aufzustellen wage, sei wohl der Gipfel dessen, was man zur Beurtheilung der Ausführungen Levitas an den Pranger stellen müsse. Noch weit unangenehmer seien die Beschimpfungen des Judenthums. Dass die jüdischen Feste in burleske Späße ausarten, sei eine Beschimpfung der gröbsten Art, und Protest hiergegen müsse so scharf wie möglich erhoben werden. Der Herausgeber der Jahrbücher betrachte diese Dinge von seinem eonservativ-christlichem Standpunkte; aber er hätte eine solche Beschimpfung der jüdischen Religion nicht zulassen dürfen, die über alles gehe wenn man denke, dass eine derartige Verhöhnung einer anderen Religion eine sehr nahe Berührung mit dem Strafrecht bringen würde; die Repräsentanz müsse es weit von sich weisen, sich mit der Gesinnung des Verfassers identisch zu erklären und ihre Missbilligung aussprechen, dass der Herausgeber der Jahrbücher den 'Aufsatz ohne genaue Prüfung ausgenommen habe. Durch die Discussion dieses Themas werde dis Situation in weitesten Kreisen geklärt werde. (Lebhafter Beifall.) V o r st e h e r Martin Simon gibt die Erklärung ab, dass der Gemeiudevorstnnd sich voll und ganz den Ausführungen beider Redner anschließe und den Artikel durchaus vernrtheile, es aber nicht für angemessen erachte, gegen den anonymen Artikelschreiber, selbst wenn der Aufsatz in den „Preußischen Jahrbüchern" erschienen sei, Stellung zu nehmen. Das würde zu der Consequenz führen, dass die jüdische Gemeinde sich gegen jeden Zeitungsartikel, in denen die Juden so vielfachen Verunglimpfungen ausgesetzt seien, wehren müsste. Die gegen den Vorstand gerichteten Vorwürfe müsse er zurückweisen; der Vorstand habe jederzeit der Repräsentanz in der Abwehr aller Angriffe zur Seite gestanden, wie in der Frage der jüdischen Lehrerinnen, in der Unterstützung des Vereins zur Abwehr antisemitischer Angriffe. Die heutige Debatte werde vollkommen zur Aufklärung weiterer Kreise ausreichen. Alk RkMkkttttkMcknmluns in ßttlin contra Aknedictus Fevita. Der in einer früheren Nummer unseres Blattes besprochene Artikel im Ocloberheft der „Preußischen Jahrbücher", betitelt „die Erlösung (!) des Judenthums" war Gegenstand eines Antrages in der Versammlung des jüdischen Gemeinderepräsentanten am 2. December. Der Antrag lautet: Die Nepräsentantenversammlung weist die im Octoberheft der „Preußischen Jahrbücher" anonym erschienenen Ausführungen gegen die jüdische Religion und den jüdischen Gottesdienst als unzutreffend zurück und bezeichnet es als widerspruchsvoll und nicht ehrenhaft, dass Eltern ihre Kinder einem Glauben zuführen, denn sie selbst als nicht annehmbar erachten, In der Discussion geht L an d g e'r i ch t s r at h Loewe davon aus, dass der Percentsatz jüdischer Schüler an den höheren Schulen in auffälligem Maße zurückgegangen sei und findet die Erklärung darin, dass häufig die jüdischen Eltern ihre Kinder dem Christenthuine zuführen. An dieser Strömung, die, wie man es nicht leugnen könne, in Berlin weit verbreitet sei, und zu deren Anwalt sich jetzt ein Anonymus aufgeworfen hätte, dürfe man nicht achtlos vorübergehen. Die Berechtigung, dass sich die Repräsentanz noch mit dem Artikel befasse, obwohl derselbe bereits in mehreren Zeitschriften eine Entgegnung erfahren, sei daraus herzuleiten, dass die Versammlung immerhin ein Fünftel der deutschen Juden repräsentiere, dass der Artikel in Berlin in einer angesehenen Zeitschrift erschienen sei, und dass endlich auch die Nothwrndigkeit vorliege, das gekennzeichnete Uebel zum Gegenstände einer Besprechung zu machen, die seiner Ansicht nach nur von Nutzen sein könne und einen Widerhall in der deutschen Judenheit siudsn werde. Die gegen die Besprechung möglichen Einwände, dass dem Artikel dadurch eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet würde, und dass viele Eltern deshalb vom Judenthume sich abwenden könnten, seien nicht stichhaltig. Die jüdische Gemeinde verliere durch die Abkehr dieser Eltern recht wenig, wenn sie auch numerisch und finanziell dadurch geschwächt würde. Der Redner wendet sich zunächst gegen die Empfehlung, die der Herausgeber der Jahrbücher dem Artikel mit auf den Weg gegeben hat, und bedauert es, dass der( Artikel nur deshalb von der Redaction gekabelt werde, weil er! Angriffe gegen das Christenthum enthalte, während es nur ein! Act der Öbjeetivität gewesen sein würde, wenn auch gegen die Angriffe, die gegen das Judenthum erhoben seien, ein Wort der Verwahrung eingelegt worden wäre. Das Wesentliche sei jedoch, dass der'Herausgeber in seiner Empfehlungsnote fordere, dass die Juden schlechtweg Deutsche werden sollen. Meine er etwa damit, dass man, um Deutscher zu sein, ein Christ sein müsse? Die Juden seien längst nach Sprache, Sitten und Cultur Deutsche, und es gebe keine einzige Seite deutsch-nationalen Lebens, an der sich die Juden nicht betheiligten. In Frieden bethatigen sie sich an der Literatur, der Wissenschaft und Kunst, im Kriege nehmen sie ebenso freudig und willig wie die Anders-! gläubigen die Verpflichtungen auf sich. Gegen eine derartige j Mahnung müsse er im Namen Aller als ganz überflüssig pro- ' testieren. Durch die Gesetzgebung sei schon ein großer Tieil des Vorurtheils gegen die Juden beseitigt, das in Zukunft hoffentlich noch weiter schwinden wird. Gegen die Ansicht des Anonymus, dass die Juden ihr sittliches Ideal nicht mehr als bindend erachten können, habe sich in anerkennenswerter Weise bereits Dr. May bäum gewendet. Er wollte nur hinzufügen, dass in der Erfüllung der Wohlthäcigkoit die Juden den Christen nicht nachstehen, und es sei noch nie von christlicher Seitein dieser Beziehung den Juden ein.Borwurf gemacht worden. Die Juden, welche das Ceremoniali gesetz nicht beachten, seien deshalb noch gute Juden und würden! auch von Anderen dafür gehalten. Energisch müsse Protest gegen! die Ansicht des Verfassers erhoben werden, wenn er sage, die j jüdischen Feste arteten in burleske Späße aus. Der sonderbare! Schluss, den der Verfasser ziehe, dass er sage, katholisch können! die Juden nicht werden, aber evangelisch, führe doch dazu, die! Religion, wie den Rock zu wechseln. In Frankreich hätte derZ Verfasser wahrscheinlich zum Nebertritt zum Katholicismus, in! der Türkei zum Islam, in Rußland zur griechisch-katholischeu j Kirche ausgefordert. Es brauche darüber kein Wort verloren zu werden, dass es nicht ehrenhaft sei, Kinder zu einem Glauben hinüberzuführen, den man selbst nicht annehmen könne. Ans den Ausführungen lasse sich jedoch etwas Gutes entnehmen. Der Artikel beweise, dass der Anonymus zu einer Zeit ausgewachsen sei, wo man es nicht für nöthig erachtet habe, die Simbev mit jüdisch-religiösem Wissen zu erfüllen. Einer solchen Strömung müsse die jüdische Gemeinde ontgegeutreteu, und es seien bereits gute Anfänge in dieser Beziehung gemacht worden. Man werde damit fortfahren müssen, Religionsschnlon zu errichten, und man werde zu einem gedeihlichen Ziele gelangen, wenn auch die Rabbiner mit dem 'ihnen eigenen Rüstzeug dieser Bestrebung ihre Unterstützung leihen würden. (Lebhafter Beifall.) P r o s e s s o r L e w i n ist der Meinung, dass die L o e w ej schon Ausführungen Jedem aus dem Herzen heraus gesprochen j , fein sollten, nur wünscht er den einen oder anderen Punkt noch- Wir bitten unsere Glaubensgenossen: N.hmtt Euch dieser schärfer hervorgehoben zu wissen, als es geschehen sei. Die Ehre avmeu zarten Kinder an, und helfet nach Euren Kräften, damit der Besprechung, oie man dem Artckel widerfahren taffe, taffe,.. - « , w «-A •„ «■ <n < - - - 1 ' ' die u» Loeale XX., Demsgasse Nr. 12 bereits begönne ne Ansspeisung im iwthwendigen Umfange fortgesührt werben könne. Spenden nimmt entgegen: Das gefertigte Comitö für Ausspeistmg jüdischer Schulkinder in der Brigittenau und die Cassi der israelitischen Cultnsgemeinde in Wien, I. Seitenstettengasse 4. Dr. Alfred Berge r, Heinrich W eine r, I. Jndenplatz 8. Armenrath, XX. Wintergasse 29. (Für diese Rubrik übernimmt die Redaction keine Verantwortung.) Wien, 19. December 1900. Geehrte Redaction.! In Ihrer letzten Nummer vom 14. d. M. erschien ein offener Brief des Herrn Dr. Leopold K a h n, welcher eine Reihe von Angriffen gegen diejenigen Mstglie'ver des Vorstandes der „Israelitischen Allianz", welche im Sommer d. I. die Action für die rumänischen Inden geleitet haben, enthielt. Wir sehen uns bemüssigt, die in diesem Briefe erhobenen Beschuldigungen als gänzlich ans der Lnft gegriffen entschiedenst zurückznweiseu. Es ist unwahr, dass die Behandlung der rumänischen Auswanderer eine „nnjübisch:" und „unmenschlich c" g ewesen ist und es beruhen insbesondere die in dem Artikel an geführten Jllnstraiionsfacteu ans unrichtigen Informationen. Es ist ferner unwahr, dass den Auswanderern Tr es e- Conserven vorgesetzt wurden nuo dass mm Inden „tagelang in der Nähe des Glutofens einer Dampfmaschine gehalten hat". Wie handgreiflich unwahr die dein Berfisser des Artikels zur Verfügung gestandenen Informationen sti). geht ans dieser letzteren Beschuldigung deutlich hervor; die Schleppschiffe, auf denen die hier gemeinten Auswanderer nntergebracht waren, enthielten weder eine Dampfmaschine noch irgend eine andere Vorrichtung, die man als Glntofen bezeichnen könnte. Es ist ferner eine gänzlich unwahre und m.t den erweislichen Thatsacheu in entschiedenstem Widerspruch stehende Behauptung, dass „Greise, erschöpfte Fcanen nno nach Erfrischung lechzende Mütter mit unschuldigen Säuglingen aus den Händen von Früh bis Nachmittag an einem heißen Sommertage ohne Labsal und Erfrischung" gelassen wurden. Wir erklären gegenüber dieser Znmnlhung auf das Bestimmteste, dass für die regelmäßige und ausgiebige Beköstigung aller rumänischen Emigranten, welch: auf die Unterstütznu; oec „Israelitischen Allianz" angewiesen waren, wahrend der ganzen Dauer der Action in gewissenhaftester Weise Vorsorge getroffen war. Hochachtungsvoll F ü r de a V o r st a u d d e r „I s r a e l i t i s ch r u A l l i n n z" z n Wien: Dr. K n r a n d a. Dr. K a tz a u. Aufruf! Biele hunderte israelitische Kinder in der Brigittenau sind der bittersten Noth preisgegeben. Sie leiden Hunger und man ganz bestimmt nicht dem Anonymus zukommen auch nicht! dem Herausgeber der Jahrbücher, sondern ausschließlich dem j Gegenstände an sich, das heiße der Abwehr, die die Inden gegen i ungerechtfertigte Angriffe üben sollen. Nie und nimmer werde sich eine Geineinschaft, nie auch ein Mann der Wissenschaft dazu hergeben, gegen einen Anonymus zu eifern. Der Verfasser müsse! seine Sache sehr schlecht vertreten können, wennn er anonym, schreibe und nicht mit vollem Namen für das eintreten zu können glaube, was er unter einem ganz alten Fremdnamen wiedergebe. Für die treffliche und maßvolle Art der Entgegnung könne man dem 1 Vorredner nur dankbar sein. Ec sei jedoch nicht der Ansicht,! 0??