Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 7. December 1900 Nr. 49 Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht durch Zeichnung! von kleinen Leuten, sondern durch werkthätige Theilnahme wohlhabender Kreise ein größerer Wirkungskreis geschaffen, werden kann und ein Bedenken gegen die Gebarung kann ja umso so leichter zerstreut werden, als nicht allein das Statut, sondern nach § 22, Abs. 31 des Gesetzes bestimmt: Der Vorstand muss spätestens in den ersten sechs Monaten jedes Geschäftsjahres einen Rechnungsabschluss des verflossenen Geschäftsjahres nebst der Bilanz bekanntmachen. Damit erscheinen wohl alle Cautelen gegeben, welche auch den Vorsichtigsten abhalten können, sich an dieser beabsichtigten Gründung zu betheiligen. Dass aber opferwillige, hilfsbereite Männer nothwendig sind, die mit Ausdauer und Unverdrossenheit ihres Amtes walten, die einerseits Theilnahme und Rücksicht, andererseits aber auch Strenge und Gewissenhaftigkeit bezeigen, das kann nicht übersehen werden. Es steht zu erwarten, dass dort, wo es sich um so gewichtige Interessen unserer bei den gegenwärtigen Verhältnissen doppelt schwer bedrängten Volksgenossen handelt, solche Männer gefunden werden. Chronik des Judentums. Anland. Wien. (Jüdischer Volksverein.) Der Erfolg bei den letzten Gemeindewahlen wurde durch das einträchtige Zusammenwirken der Jüdischen Volkspartei mit den Zionisten erzielt. Herr^Dr. L. Sofer hielt nun am 5. d. M. einen Bortrag im Festsaale des Jüdischen Volksvereines, betitelt: „Zionismus oder Nationalismus''. Der Tenor seiner Rede betonte, dass dieses Zusammengehen beider Parteien kein vorübergehendes sein dürfe, sondern im Jnteresie beider und vor allem im Interesse des nationalen Gedankens ein immerwährendes 'sM.müsie; dieses Bündnis sei eine absolute Nothwendigkeit,<jPnter der alles andere zurücktreten müsse. Ein Pasius seines Rede entfesselte eine lebhafte Debatte. Redner führte nämlich aus, dass die Abstinenz von der wirtschaftlichen und politischen Bethätigung im Lande und in der Gemeinde, die von den politischen Zionisten früher als Programmpunkt aufgestellt war, von diesen nun fallen gelassen worden sei und somit überhMpr kein Gegensatz zwischen den beiden Parteien bestehe. EKUge junge Zionisten suchten nun, in den, Bestreben, päpstlicher Äs der Papst zu sein, über diese unleugbare Schwenkung im zionistischen Lager durch absichtliches und unabsichtliches Missverstehen dieses Passus zu streiten. Ein Herr gieng in seiner Fixigkeit sogar so weit, aus den Vortrag zu 'replicicrcn, ohne itm gehört zu haben, und dabei zu betonen, dass die Volkspartei eigentlich gar keine Existenzberechtigung habe, nachdem nun die Zionisten auch ein innerpolitisches Programm zur Ausführung bringen. Zum Glück gieng an der Besonnenheit des Vorsitzenden R. Rappapvrt diese Rabulistik wirkungslos verloren. Er betonte sehr richtig, dass er die heutige Debatte als eine solche unter Zionisten ansehe, die eigentlich besser in eine rein zionistische Versammlung gehöre, dass er über diei'Zeit hinaus sei, in welcher man sich streite, wer etwas zuerst gemacht habe, dass im übrigen die Volkspartei, die sich heute mit keinem ihrer Redner in die Debatte gemischt habe, immer bereit sei, auf die Frage, wer die innere Politik früher propagiert oder in Angriff genommen habe, Antwort zu geben. Dies müsste aber in einer zionistischen Versammlung geschehen. An dem taktvollen Vorgehen des Vorsitzenden scheiterre die Streitlust der jungen Krakehler. Sie nicht ohne entsprechende Aufsicht in Versammlungen ausireten zu lassen, das wäre ein gutes Mittel, um das bestehende gute Verhältnis.-jhN beiden dauernd zu gestalten. Wie». (Jüdischer Volksverei n.) Am Mittwoch den 12. b, |$3njiiibft im großen Festsaale deS „Jüdischen Volksvereins^" eui Vortrag des Hofnnd Gerichts Advocaten Herrn Dr. Aöasid Ascher über „Credit-Genoffenschaften, wie sie sind und wie sie sein sollen" statt. Beginn halb 8 Uhr abends. Gäste, auch Damen, sehr willkommen. Wien. (Israel. Religionsunterricht.) Der Berwaltungsgerichtshof wies die principielle Beschwerde der Commune Wien gegen die Entscheidung des Ministerinms für Cultus und^Änletr'rcht, mit welcher dieses in zweiter Instanz in Berücksichtigung des Ansuchens der Wiener israelitischen Cultusgemeinde um Erweiterung des israelitischen Religionsunterrichtes an der Mädchenbürgerschule in der Zollergasse die wöchentlichen Neligionsstunden von zwei auf drei erhöht hatte, zurück. In der Begründung heißt eS: Die Entscheidung deS Ministeriums war der Ausfluss des demselben gesetzlich zustehendeu freien Ermeflens. Der nach § 5 des Reichs- Volksschulgesetzes zu normierende allgemeine Lehrplan kann auf die Eintheilung des Religionsunterrichtes bei confessionellen Minoritäten nicht angeweudet werden, da die Einrichtung dieses Unterrichtes und die Bestimmung der Lehrstuiidelt in der Competenz der Unterrichtsverwaltung fällt. Die Anwendung deS von der Commune bezogenen § 11 des ReichS-Bvlksfchulgesetzes, welcher von der Organisierung der Schulen spricht, ist hier ausgeschlossen. Wie». (T o y n b e e - H a l l e.) Am 2. d. M. fand im XX. Bezirk, Webergaffe 13 die Eröffnung der ersten jüdischen Toynbee-Halle — so benannt nach einer deartigen Londoner Unternehmung — statt. Ein so zahlreiche- Publicum füllte den Saal, dasviele der später komnienden nicht mehr hineingelaffen werden sonnten. Die Eröffnungsrede hielt Doctor Leon Kellner, be?'^ vor allem die Benennung der Halle rechfertigte. Der Hauptzweck der Halle, so führte er weiter au-, sei, Reichen, die Aristokratie des Geiste-, mit den Armen ittisBerührung treten. Fräulein K o l l m a n n sprach sodann unter stürmischem Jubel einen begeisternden Prolog. Der neugeMhlte Cultn-vorsteher Herr Hermann E l t b o g c n beglnckwünEe 'hierauf die Gründer der Halle und versprach nach besten Kräften, die neue Unternehmung zu fördern. Mit musikalischen Vorträgen schloss der schöne Abends Wie». (Wahl der Vertrauensmänner.) Bei der am 25. d. M. stattgehabten Wahl der Vertrauensmänner für den 16. und 17. Bezirk wurden 170 Stimmen abgegeben. Mit Majorität wurden gewählt die Herren Carl Beer, Adol' K o h n, Samuel K o h n, Dr. Anton L ö w y, Eduard Pollitzer, Sigmund Schickler und Sigmund Weiler. Der bisherige Obmann der Schätzungs-Commission und gewesene Präses der Chewra Kadischa, Herr Bernhard T r n k a, blieb mit 26 Stimmen in der Minorität. Wien. (General-Versammlung des Brigitten au er Bethaus-VereineS.) Am 29. v. M. fand im Saale des Weitand-Hofes im XX. Bezirke die ordentliche General-Versammlung dieses Vereines statt, der man seit mehreren Wochen in der Brigittenau mit Spannung und Interesse entgegensah. War sie doch die Vollversammlung des heurigen Jahres, das durch die Vollendung des herrlichen Gotteshauses, eines wahren Schmuckkästchens von innen und außen, in der Geschichte dieses Vereines immerdar denkwürdig bleiben wird. Diesem Interesse entsprach auch der Besuch; der Saal war in allen seinen Theilen gedrängt voll; unten saßen und standen die Mitglieder, während auf der Gallerte zahlreiche Damen anwesend waren. Herr Obmann Eltbogen begrüßte nach der Eröffnung die zahlreich erschienenen Mitglieder; den Vertreter des Cultusvorstandes Herrn Dr. Alfred Berger und richtete auch einige Worte des Dankes an die erschienenen Damen. Zwischen der letzten General-Versammlung und der heutigen liegen zwei wichtige Ereignisse; zunächst sei der bedeutsame 70. Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers zu erwähnen — zum Zeichen der Zustimmung erheben sich alle von den Sitzen — und der Dank allen abzustatten, die sich um den Tempelbau verdient machten, in erster Linie das Executiv-Comite mit Herrn Weiner an der Spitze. Die Kosten betrugen 60.000 fl. und nnn stehe der Prachtbau fertig da, eine Zierde des Bezirkes; unstreitig gezieme den Männern ungetheilter Dank, deren- Eifer und berechtigter Ehrgeiz dieses gottgefällige Werk zustande brachte. Mit einem Appell an die fernere Opferwilligkeit nnd Friedensliebe der Mitglieder, wie auch der im jüngsten Jahre verstorbenen Herren Dr. Weiß, Kohn und Kumm ermann gedenkend, schloss Herr E l t b o g e n seine von Beifall begleitete Ansprache, indem er noch zum Schluffe zu fleißigem Besuche des schönen Tempels aufforderte und es als heilige Aufgabe hinstellte, das Interesse für Religionsunterricht und Jugend-Gottesdienst rege zu erhalten. Ueber den Bericht des Vorstandes entspann sich eine kurze Debatte, die mit dem Anträge endigte, dem Vorstande das Absolutorium und die wärmste Anerkennung anszusprechen. Hierauf wurde zur Wahl geschritten/- an welcher nicht weniger als 166 Mitglieder theilnahmeü. ^Während des Scrutiniüms wurde über „Personal-Angelegenheiten" bcrathen und nach einem vom Herrn Culusvorstande Dr. Alfred Berger hierzu gesprochenen Entrefilet und nach einer wenn auch regen, so doch maßvollen Debatte dem Vorstände eine Commission von zwölf Vertrauensmännern zur Erledigung dieser Angelegenheit an die Seite gegeben. Schließlich wurden die Herren Dr. Heinrich Schreib er, unter dessen Obmannschaft die Action zur Errichtung eines Tempels kraftvoll eingeleitet. Hermann E l t b o g e n, unter dessen Obmannschaft diese Äction mit Energie und Umsicht weiter und zu Ende geführt wurde, und Herr Heinrich Weiner, welcher als Obmann des Executiv-ComiteS eine sehr verdienstvolle Thätigkeit vor und bei dem Tempelbau entfaltet hatte, einstimmig zu Ehrenmitgliedern des Brigittenauer Belhaus-Ve! eines ernannt. Hierauf beglückivüuschtc Herr Dr. Alfred Berger, lebhaft acclamiert, den Verein t zu dieser Ernennung; die Ehrenmitglieder dankten für die ihnen zutheil gewordene Auszeichnung, woraus das Wahlergebnis mitgetheilt wurde. Gewählt wurden die Herren: Hermann E l t b o g e n, Dr. Ernst R o s e n t h a l, Josef Wünsch, Heinrich Weiner, Dr. Max W e i ß e n st e i», David P o l l a t s ch e k, Adolf Schreiber, Jacob Goldner, Jacob Kohn (Juwelier). Heinrich Mayer, Berthold Kaiser, Jacob O t t e. Während des Scrntirriums der Wahlzettel sprachen noch die Herren Dr. Schreiber und Dr. Josef Kohn. Letzterer macht besonders darauf aufmerksam, dass bezüglich der definitiven Anstellung der Tempelfunctiouäre nach dem Gesetze der Regelung der Rechtsverhältnisse der Juden an den Vorstand der Cultusgemeinde herangetreten werden müsse, da ohne Bestätigung derselbe» nur eine provisorische Aufnahme möglich ist. Prag. (V e r s a m m l u n g.) In Prag beschloss am Mittwoch abends eine vom .Czechischen Franenvereine" einberufene Versammlung den Boycott aller deutschen und jüdischen Geschäft-firmen. Dem Comite gehört auch Frau Bürgermeister S r b an. Ausland. Verkitt. (U n g e t a u f t e C h r i st e n.) Als eine weitere Etappe der hiesigen Juden ins Christenthum mag folgende SchlusSbemerkung deS „Berliner Tagblattes" an einem Bericht über daS christliche Todtenfeft gelten. Dieselbe lautet: „Bemerkt sei noch, dass seit einigen Jahren auch die jüdische Bevölkerung sich dem Brauche, am Todtensonntag die Gräber der verstorbenen Angehörigen zu schmücken, anschließt. Daher war gestern nnd) auf den jüdischen Friedhöfen an der Schönhauser Allee und in Weißeusee der Besuch sehr zahlreich." Ein würdiges Vorspiel für den bald eintreffendeu „Chanukabaum nebst Bescherung." Wie wäre es mit der Verlegung des Jomkippur auf den Buß- und Bettag? Das würde vielleicht eher durchgehen, wie der sabbatliche Sonntagsgottesdienst. Würzburg. (Ein kleiner Spass.) Die „Nene bayerische Landeszeitung * in Würzburg leistete wieder ein schönes Stückchen. Unter der Uebcrschrist »Ein jüdischer Mörder" berichtet sie über den Process Kakuschka in Wien. Kakuschka, der den Spitznamen „Kohn" führt, ist aber bekannter Antisemit, also Gesinnungsgenosse des Herrn Memminger. Könitz. Ein „Verein zur Aufklärung des Konitzer Mordes" ist in der Bildung begriffen. Der Verein will sich von jeder Art der „politischen" Einwirkung fernhalten und ausschließlich den Zweck verfolgen, die Thäter der bestialischen Ermordung Ernst Winters zu ermitteln und hierdurch die Bevölkerung von dem auf ihr lastenden Druck zu befreien. London. (Die Blntbeschuldigung und der Pap st.) Bon einem englischen Protest gegen die Blutbeschnldignng weiß das Journal .The Tablett" zu berichten. Das Blatt schreibt: Die Nachricht, dass in Belgien sich ein Comite gebildet Hot, um beim Papst um den Erlass eines Verdammungsutheils wider den Antisemitismus, speciell aber wider die Blutbeschuldigung zu petitionieren, wird in England alle Diejenigen interessieren, welche vor wenigen Monaten an den Papst eine ähnliche Bitte gerichtet haben. Au der Spitze der Bewegung stand der Oberst-Richter von England, der Lord Russell of Killowen. Dieser edle und ideale Mann, der gleichzeitig der höchste Richter und der gerechteste Mann von England war, nahm ein lebhaftes Interesse au jener Petition, welche auch die einflussreiche Unterschrift des Cardinal-Erzbischofs trug. Der Erfolg der Bittschrift ist nicht bekannt geworden, allein kurz vor seinem Hinscheiden hat Lord Russell vom Cardinal Rampolla ein überaus herzlich gehaltenes Schreiben erhalten, worin dieser ihm versprach, die Bittschrift Papst Leo XIII. persönlich vorlegen zu wollen. Die Mandate der Höchstdestenerten. Am 4. d. M. fanden die Wahlen ans der Curie der Höchstbesteuerten für die Repräsentanz der Wiener israelitischen Cultusgemeinde statt. Zu Cultusvorstehern mit sechsjähriger Amtsdauer wurden gewählt die Herren Rudolf Auspitz, Dr. Josef Breuer, David Ritter von Gutmann, Dr. Felix! Katzau, Moritz Edler v. Kuffner, Wilhelm Kuffner, Dr. Arthur Kuranda, Leopold Edler v. Lieben, Commercialrath Leopold Pollak, k. k. Ober- Baurath Sigmund Taussig, Director Theodor Ritter von Taussig, Commercialrath Jonas Weil. Zu Vertrauensmännern wurden gewählt die Herren kaiserlicher Rath Bernhard Bacher, Director Moriz Bauer, Sigmund Ritter v. Bauer, Dr. Eugen Ritter v. Boschan, Moriz B. Eißler, Commercialrath Alexander Engel de Janosy, David Fanto, Alexander Fischel, Philipp Fletscht, Julius Frankl, Ignaz Gewitsch, Director Eduard Groag, Josef Jerusalem, Theodor Kantor, Salamon Kohnberger, Leopold Langer, Gothlieb Lederer, Alois Lemberger,-Sigmund Mandl, die kaiserlichen Rüthe Bernhard und Friedrich Pollak, Commercialrath Wolf Polaczek, Max von Portheim, Max Quittner, Leopold Sachs, die kaiserlichen Räthe Naumann Schefftel und Max N. Schiff, Commercialrath Karl Schütz, Berthold Schwitzer, Ignaz Setinko, Bernhard Steinhof, Julius Stern, Dr. Alfons Thorsch, kaiserl. Rath Friedrich Vogl, Julius Wolf, Donat Zifferer. An die Adresse des Herrn Dr. Lueger! (Die Christlich-Socialen und die jüdischen Unterleh rer.) „Schönerianer und Socialdemokraten werden nicht an« gestellt" — wer kennt nicht diesen Ausspruch des Bürgermeisters der ersten Stadt des Reiches! Diese Phrase verstößt zwar gegen die StaatSgrundgesetze, gegen die Moral, gegen Anstand und Sitte, gegen die Grundgesetze eines jeden, selbst auf der primitivsten Culturstufe stehenden staatlichen Gebildes, gleichwohl darf eine solche Phrase in unserem lieben Oesterreich nicht nur gesprochen, sondern auch in Thaten nmgesetzt werden und bildet so einen Maßstab, bis zu welchem Grade die Corruption hierzulande öffentlich ungestraft betrieben werden darf. Dieser Grundsatz, nach welchem die erste Stadt de- Reiches verwaltet wird, hat trotzdem noch keinen allzu großen, wenigstens momentan fühlbaren Schaden angerichtet. So ein unglücklicher Schönerianer oder Socialdemokrat braucht bloß dem „christlichen Lehrer-Vereine", dem Verein der ,Lehrer und Schulfreunde^ beizutreten, das heißt .überzntreten", und dem Manne ist geholfen! Ein „Uebergetretener" kann in kilrzer Zeit alles spielend erreichen, wie zahlreiche Beispiele beweisen. .Schönerianer und Socialdemokraten" werden nicht „angestellt"; von Juden wird da nicht gesprochen, nicht etwa ans Furcht vor den gestrengen Hütern der Staatsgrundgesetze, nein! dass Juden nicht angestellt werden, setzt der Herr Bürgermeister als selbstverständlich voraus. .Eindämmung des lebergewichteS des JudenthnmS auf allen Gebieten deS öffentlichen LrbenS". Das ist doch der oberste Programmpunkt der christlich-socialen Partei, und da wagen eS jüdische Unterlehrer und Lehrerinnen, daS christliche Volk auszubeuten und 600 fl. jährlich einzusacken? „Ueberzutreten" sind die jüdischen Unterlehrer vermöge ihrer Confessio» nnd Nationalität auch nicht in der Lage, und o sehen wir den Scan dal, dass alte jüdische Interlehrer mit 10—18Dienstjahren amHnngertuche nagerr und Weib uub zahlreiche Kinder mit ihnen! Diese Behandlung-weise der jüdischen Unterlehrer durch die .Wiener Christen" erscheint geradezu unmenschlich grausam und teuflisch boshaft, wenn man bedenkt, dass Utelit dieser armen Boykottierten gar nicht mehr in der Lage sind, den „Wiener