Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2432763-2432811-2432860--0791-2434479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 7. December 1900 Nr. 49 Es bleibt mm dabei, dass in Kolonien ein „Jude" des ärgsten Kalibers candidiert wird, ein höherer Eisenbahnbeamter, Dr. S e i n f e l d, der nie in seinen Leben für Inden oder Judentlmm das mindeste Interesse bewiesen hat, der aber dank den Millionen seines Schwiegervaters zweifellos das Recht erkaufen wird, als Abgeordneter einer jüdischen Majorität die Zahl der Marionetten im Polenclub zu vermehren; es bleibt in Przemysl bei der Candidatur des Dr. Ko lisch er, eines in jüdischen Dingen trotz seines äußerst charakteristischen Sen.iten-Typns total indifferenten Mannes, was seine bisherige dreijährige Thätigkeit im Parlamente bewiesen hat. Nun kommen wir an Brody-Zloczow. Und auch hier candidiert trotz des Widerwillens aller jüdischen und christlichen Wähler, gestützt auf den Statthalter und die Bezirkshanptleute der sattsam bekannte Dr. Byk. Was dieser Herr, der sich zuerst zu jüdisch-nationalen, dann zn germanisatorischen und schließlich zn polnisch-assimilatorischen Gesinnnngen bekannt hat, während seiner neunjährigen Thätigkeit im Parlamente der galizischen Judenschaft angethan hat, ist bekannt. Ohne sich jemals für die gerechten Interessen seiner Wähler und seiner Glaubensgenossen einzusetzen, gab er sich stets dazu her, die Polen gegen den Vorwurf des Antisemitismus zu schützen, selbst zur Zeit, als die Schlachzizen mit ihrem Kölka rolnicze die Juden würgten; er trat jedesmal auf, wenn es galt, eine schändliche Maßregel des Polen-Clubs im Parlamente zu vertreten, die kein Pole zu vertheidigen wagte; und das einzigemal, als er den Adel angriff, hat er sich unter dem Drucke des antisemitischen Prinzen L i e ch t en st ei n herbeigelassen, alles feige zurückzurnfen. Dass der unglückliche Israel A r a t e n zu den Abgeordneten der Leopoldsladt und von Czernowitz um Hilfe rennen musste, aber bei keinem jüdischen Abgeordneten aus Galizien Hilfe fanden, das ist eine unglaubliche Schmach, die gesühnt werden muss. Die Stimmung in Brody-Zloczow hat sich am besten bei der gestrigen Wählerversammlung in Brody kundgegeben, bei der Dr. Byk, der seinen Rechenschaftsbericht erstattete, von allen Seiten in der heftigsten Weise interpelliert wurde, dann nicht mehr antworten durfte, sondern mit den Rufen: »Hoch Landau! Nieder mit Byk! Nieder mit dem Polen-Club!" überschrien wurde. Das war eine vollständige Niederlage, die dem B Y k deutlich die Gesinnungen der Wählerscha't kundgab. Dass gerade der ch r i st l i ch - s o c i a l e (!) Wähler W a s ilewski den Antrag stellte, dem Dr. Byk ein Vertrauens« vatum auszusprechen, beweist, wer heute in Brody die Anhänger B Y k s sind. Allein dieses Votum bekam B Y k nicht, «nd er musste unter allgemeinem Hohngelächter und Pereatrufen fortziehen. Er reiste auch sofort nach Zloczow ab, wo ihm gewiss kein besserer Empfang zutheil werden wird. Dr. B y k rechnet nur noch auf die Unterstützung der Behörden und des Cultusvorstandes. Wie tveit diese nun gehen werden, wollen wir sehen. Die Candidatur des Dr. Saul Rafael Landau entspricht dem Willen der breiten Schichten der Bevölkerung. Wir können nicht annehmen, dass die Bezirkshauptleute zu ungesetzlichen Mitteln greifen würden, denn es gibt auch Repressalien, es gibt noch höhere Instanzen, und es würde sich im Parlamente noch die Gelegenheit geben, diese Ungesetzlichkeiten und Gewaltacte, falls solche Vorkommen sollten, gehörig zu beleuchten. Wir können aber auch nicht annehmen, dass, wie Dr. Byk verbreitet, der Cultusvorstand für ihn arbeiten wird. Die Herren sind zwar Wähler und können nach Belieben stimmen, aber sie werden sich hüten, gegen den Willen der jüdischen Wählerschaft für einen Protoiyp des ärgsten Servilismus und der niedrigsten Kriecherei zn agitieren. Die Herren würden dadurch den Unwillen ihrer immer mehr politisch reifen Mitbürger erregen, der für die Dauer auch in der Stadt selbst zu unangenehmen Zwistigkeiten führen könnte. Die Männer, die au der Spitze des Brodyer Cultusvorstandes stehen, wie Lazor Bloch, der Sohn des hervorragenden Seminardirectors Menschenliebe predigen. Belehre sie, dass unsere Religion uns gebietet, den Nebenmenschen wie sich selbst zu lieben, sich des Fremden anzunehmen und ihm Bruderliebe zu erweisen, dass es uns verbietet, selbst die Aegypter, welche doch unser Volk durch Jahrhunderte geistig und körperlich geknechtet und gefoltert, zu hassen, dass es uns sogar gegen Thiere und Pflanzen die zarteste Schonung und Rücksicht einprägt, damit wir dadurch gewöhnt werden, mit umso größerem Eifer Menschenliebe zu üben, jedes Unrecht zu fliehen und unser Gut zum Nutzen unserer Nebenmenschen zu verwenden ... Zeige ihnen dieses und Aehnliches — und dann mögen sie hingehen und unserem Volke Lieblosigkeit und unseren Gesetzen Härte vorwerfen! Gesetze, von denen selbst die Thiere und Pflanzen so sanft und liebevoll behandelt nnd die Menschen von frühester Jugend auf Milde und Liebe zu üben angeleitet werden! Dann mögen sie den Muth haben, uns Menschenschlächter zu nennen." „Ich will aber nicht mit alten Schriften bewaffnet umhergehen!" erwiderte Tiber zornig. „Ich will nicht meine Zeit mit müßigen und nutzlosen Widerlegungen vergeuden. Ich spür in mir weder Lust noch Beruf, eine verlorene Sache zu vertheidigen, eine Religion in Schutz zu nehmen, die so viel angefeindet und mir nichts als Qualen bereitet, die wie die Rachegöttin sich an meine Sohlen heftet und jedes Borwärtskommen hemmt. Du bist überrascht 7 Bist entrüstet 7 Nm^ lass Dir nur wiederholen, tvas ich vor Deinem Erscheinen hier meiner Mutter eröffnet habe. Ich leide in letzter Zeit unsäglich .. . Jahre lang schreite ich stolz erhobenen Hauptes als Bürger Alexandrias einher, verkehre auf daS Freundschaftlichste in den vornehmsten Kreisen der Gesellschaft, die mir überaus gewogen sind und mir den Weg zu den höchsten Staatsämtern bahnen. Schon sehe ich mich ganz nahe dem sehnsüchtig herbeigewünschten Ziele — da erscheinen jene judenfeindlichen Schriften. Geschäftige Hände sind thätig, ihnen nicht nur in die elenden Hütten der Noth und der Ber- Moses B l o ch in Budapest, und Moriz Landau, ein Nachkomme des berühmten Prager Oberrabbiners und Verwandter des Dr. Saul Rafael Landau, sind ein Gewähr, dass die Brodyer Cullnsvorsteher sich nicht hergeben werden zu Mameluken der Schlachzizen und zu Bütteln des Central-Wahlcomites. Gerade der Cultusvorstand muss es empfinden, welche unerhörte P r v v o c a t i o n darin steckt, dass dieses Central- Wahlcomitö für die Brodyer allgemeine Curie den Fürsten Paul S apieha aufstellt, der vor drei Jahren in einem Aufrufe an seine Wähler von Jaslo, die nunmehr auf ihn verzichtet haben, einen, selbst in Galizien, unglaublich rohen antisemitischen Ton angeschlagen hat. Dieser junge Mann, der nichts ist, als der Sohn eines Fürsten, hat in seiner herostratischen Eitelkeit als galizischer L i e ch t e« st e i n zu gelten, folgenden Appell an seine Wähler gerichtet: „Die Inden sind die Vertreter des Materialismus, Communismus, des Umsturzes auf der ganzen Linie, der Gleichmacherei von Allem und Jedem; sie wollen an Stelle des Individuums und seiner Gesetze, die Zahl oder den-Staat und seine Omnipvtenz setzen. Da die Inden einen angeborenen ewigen traditionellen Widertvillen zur Arbeit „im Schweiße des Angesichtes" und gewaltige Fähigkeiten in der Richtung, die man in weiterer Bedeutung „Speculation" zu nennen pflegt, haben, so gehen sie mit einem Siegesgefühl in den Kampf nnd nachdem sie den Armen die Religion und Sittlichkeit geraubt, Hetzen sie gegen Alles, was göttlich ist und was laut göttlicher Ordnung lebt und strebt. Eine große, alles Uebrige überragende, der Frage der Autonomie gegen den Cetralismus gleichkommende Sache, ist der Kampf gegen die Semiten. Wenn die Völker nicht in der Richtung schreiten werden, welche die Christlich- Socialen vorzeichnen, so wartet ihrer die Barbarei, das Heidenthum, die Ersctznug des menschlichen Namens durch die Zahl." Und diesen Mann hat das Centralcomite, in dem als »jüdische Vertreter" (!) die Herren Samuel von H o r o v i tz und Dr. Emil B y k sitzen, als Candidaten für die allgemeine Curie von Brody-Zloczow nominiert. Wie tief sind die galizischen Juden gesunken, wenn sie solche elende V e r xäj, her an ihrer Spitze dulden. v/lnt 20. d. M. wird der Wahltag in der Städtecurie fecund an diesem Tage wird Gericht gehalten werden. Die iübtjcfht Wähler werden zu entscheiden haben, ob sie die bisherige schamlose Corruption fortgesetzt wissen, ob sie als Mameluken und Stimmvieh des Polen-Clubs moralisch und materiell ganz zugrunde gehen wollen oder ob sie den bisherigen Verhältnissen ein Ende bereiten und endlich, endlich Menschen sein wollen, die auf sich nicht treten lassen, sondern ihre Rechtevertheidigeu. Wem alles Bisherige gefällt, die Noth, das Elend, die Unterdrückung, die wirtschaftliche Erdrosselung, die moralische Erniedrigung der galizischen Inden, der stimme für Dr. Byk; wer aber glaubt, dass die Million enterbter, unterdrückter, verfolgter galizischer Juden einen energischen, unabhängigen, rücksichtslosen Kä ui p f e r im Parlamente haben m u f 5, der wird für Dr. Saul Rafael Laudau st i m m e n. Dr. Landau wird aber nicht bloß für die Juden, sondern für alle Unterdrückten und darum für die gleich den Inder: unglücklichen R u t h e n c n eintreteu, und darum sind wir überzeugt, dass alle R u t h e n e u w de e in M a n u für D r. Landau e i n t r e t e n werde n. Nur Muth! Die Reichsrathswahl fällt in d'.e Ma^äer- Woche. Mögen die Juden daran denken, wie ihre Ahnen einst gegen ihre Feinde gekämpft haben. zweiflung, sondern auch in die Paläste Eingang zu verschaffen, Das Gift wirkt mir uttglaublicher Schnelle, es versetzt die ohnehin nnzufriedenerl Massen in Raserei, macht den intelligenten Theil der Bevötkerung stutzig und nachdenklich, und erinnert marr sich sogar in den Hoheit Kreisen, in denen ich verkehre, dass ich ein Jude sei. .. Man wird zurückhaltender, kälter, luimer fremder — und es fehlt nicht viel, dass man mir geradezu den Rücken kehrt. Ha, soll rch solche Schmach ertrage»! Soll ich für ein Volk, das mir fremd, dessen Vergangenheit ich fast nur ans den Darstellungen seiner Gegner kenne, meine ganze Zukurift in die Schanze Magen? Soll ich Märtyrer einer Religion sein, die mir nichts gilt? Nein, ich rvill's nicht dulden, dass mir der Jude auf Schritt und Tritt als Knüttel vor die Füße geworfen wird! Ich sage mich los von diesem Volke, dessen Tage ohnehin gezählt sind!" Tryphon war bei dieser cynischen Eröffnung seines' Vetters m so heftige Erregung geratheu, dass er anfangs kein Wort der Erwiderung hervorzubringen vermochte. Nach einer kurzen Pause, während welcher ntiheimliche Stille jm Gemache herrschte, die nur durch das heftige Schluchzen der trostlosen Alabarchiu unterbrochen wurde, erwiderte Trypho» mit gepresster Stimme: »Wer sein Volk in den Zeiten der Noth verlässt, ist ein feiger Verräther! Wer sich von seiner göttlichen, durch hohes Alter und glorreiche Ahnen geheiligte» Religion loSfagt — ist.. .". »Ein mchtswürdiger Bube!" fiel eine mächtige Stimme ein. Es war die des Alabarchen, der tiefes erregte Gespräch an der Thür belauscht hatte und jetzt ungestüm hereintrat. Tiber zuckle beim Anblick seines gor Aufregung bleichen und am ganzen Körper zitternden Vaters zusammen. So hatte er ihn nvch nie gesehen. Die edlen und sanften Züge des Alabarchen waren verzerrt, in feinen Angen brannte ein wildes Feuer, seine Stimme glich dem unheimlichen Grollen des DonilerS. Vom Tage. Die Wahrheit über das Blntmärchen. Wir erhalten folgendes Schreiben: Löbliche Redaction! Es dürfte für die Oeffentlichkeit von Interesse sein, welcher Mittel sich Antisemiten zu bedienen nicht scheuen, nm Lorbeeren zweifelhafter Art auf dem Gebiete des Nächstenhasses zn erringen: Der Herr Oberlehrer I a k u b o v i c i in Karapcziu am Sereth in unserer schönen »Bukowina" scheint von der Haltlosigkeit des BlutmärchenS nicht genügend überzengt zu sein und unternimmt ans eigene Fanst »scharfsinnige" Nachforschnngen in der Richtung seiner würdigen Vorgänger.-Dabei geht er von dem bewährten Sprüchlein, „Kinder und Narren sprechen die Wahrheit", aus und sucht sich einfach, „kraft seines Amtes", während der Unterrichtsstunden zu informieren! —■ Vor circa acht Tagen — ich zögerte bis heute mit der Mittheilung, weil ich es anfangs nicht recht glaubte — richtete der genannte Herr in der dritten Claffe der hierortigen comnmnalen Volksschule an ein armes, jüdisches Mädchen in dev von g rö ß t e n t he i ls rumänischen B a u ernkin dern frequentierten Claffe in rumänischer Sprache laut die Frage: »Zu welchen ihrer Feiertage die Juden denn eigentlich C h r i st e n b l u t gebrauchten-—" worauf das unerfahrene, weil armer Leute Kind, schüchtern zur Antwort gab: »Ich weiß es nicht!" — Daran hatte der wissbegierige »Herr Oberlehrer" aber nicht genug, denn er wollte die »Wahrheit" wissen — und wiederholte die Frage in der gleichen Weise der neunjährigen Toni F. .., Tochter eines wohlhabenden Pächters, in dessen Hause der Gang des Piseker Processes verfolgt und infolge dessen mit Entrüstnng von der unerhörten Berlcumdung des Jndenthums gesprochen wurde. Die infolge dessen aufgewecktere Toni F . . . antwortete dem begreiflicherweise verblüfften Herrn Jaku bovici ziemlich scharf: „Man behauptet, dass zu Ostern, aber — es ist eine freche Lüge!" Darauf beliebten „Seine Gestrengen", der Herr Schulmeister, selbstgefällig lächelnd zu replicieren : „A u ch i ch glarrbe eS nicht!-" Die Frage und die Antwort, sowie das ganze Vorgehen des Herrn Jakubovici bedarf eigentlich keiner Commentars!-Wenn es gestattet ist, möchte ich an den „Herrn Oberlehrer", jedoch im Namen der beleidigten Menschheit und hierauf der — Judenschaft speciell, die ihm gewiss nichts zuleide gethan hat, einige Fragen richten: Zunächst: Wenn Sie »eS wirklich auch nicht glauben", wie kommt eS dann, dass Sie doch fragten? Zweitens: Schämen Sie sich nicht, als alter Mann — Herr Jakubovici ist nämlich schon grau — von Kindern »belehrt" sein zu wollen? Drittens: „War es wirklich bloße »Wissbegierde", die Sie zum »Fragen" bewog? Mussten Sie das Kind denn gerade im Schulz i m m e r, l a u t und in der allen anderen Kindern geläufigen Sprache fragen? Welche Absicht verfolgten Sie damit? Fiel es Ihnen, trotz Ihres schon ergrauten Kopfes wirklich denn nicht ein, dcü's solche Reden, wenn sie dazu noch vom „domnul invatu'oria", dem Herrn Lehrer, dein Abgott der Kleinen, geführt werden, bei diesen nur böses Blut zn machen geeignet sind — indem sie zumindest die Gedanken der Kinder auf Abwege lenken?-- — Und so hätte ich noch manche Frage an Sie, Herr Jakubovici, aber ich glaube — Sie werden auch diese nicht beantworten können, wie Sic es zn Ihrer Ehre sollten —■ und so sei es denn genng! — Aber daS Eine muss ich Ihnen zu Ihrer Daruachachtung sagell: Wenn S i e ein Antisemit sind — tu Gottes Namen, die Juden brauchen Ihre Freundschaft nicht und bitten auch nicht darum — aber hüten Sie sich, daS Gift d e S »Ein nichtswürdiger Bube!" wiederholte er, »ein mattgeherzier Schurke, der Schande und Schmach über sein Volk bringt! Ein feiler Knecht, der seinen Gott, seine Eltern und sein Volk für daS Lächeln eines flachköpfigrn Höflings verkauft! O Gott! musste ich'S erleben, in meinem Hause, von meinem Fleisch und Blut ruchlose Reden anzuhören, wie sie nur der Answurf unseres Volkes, der nichts zu verliereil und durch Verrath nur zu gewinnen hat, im Munde führt? Sind das," so fuhr er zn seiner Gattin gewendet, fort — „die Früchte Deiner vornehmen Erziehung? Sieh her, was Deine Hoffart, Deine blinde Eitelkeit..." »Halt' ein, guter Oheim!" unterbrach ihn Tryphon mit flehender Geberde. Sieh', wie sie verzweifelnd mit ihrem Schmerze ringt! schone sie, und beschwichtige Dein empörte- Gemüth. Ein ernstes Wort in Ruhe kann noch vieles gut machen, der Zorn alles verderben!" »Du hast Recht", erwiderte der Alabarch dumpf, nachdem er einen Blick auf seine Gattin geworfen. „Du hast Recht, die Sache will mit ruhigem Blute behandelt sein, meine» aber ist in wildem Aufruhr. Komm', begleite mich zum Statthalter, denn dort gibt es wichtige Dinge zu verhandeln." — Er wankte zur Thür hinaus, Tryphon mit sich ziehend. Dieser machte sich sanft von seinem Oheim loS, um der zerknirschten Alabarchiu noch beim Abschied einige Worte de- Trostes znzusprechen. Hierauf trat er vor seinen wie versteinert dastehenden Vetter und flüsterte ihm zu: »Kehre um, Tiber, noch ist es Zeit. Siehe den Gram deines Vaters, die Verzweiflung Deine« Mutter und kehre um l" Aber TiberiuS kehrte nicht um. Sein Herz blieb versteinert. — Er ließ feine Eltern und sein Volk fahren unb trat zum Heidenthum über. Nun stand ihm die Carriöre offen. Er wurde später Statthalter von Judäa und als solcher eine Geisel de- Volke-, audem er hervorgegangen.