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Jüdisches Volksblatt · 1900-12-07 · 49 (7.12.1900) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
49 (7.12.1900)
Date
1900-12-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Krdttrlion: VIH/1, KLtzlWLlgasse Ü« Gprechstnnbenr An Wochentagen von 10 bis 18 Uhr vormittags; an Sonntagen von 11 bis 18 Ntzr vormittags. postadr.fi»! Jüdisch«- «ollSblatt, Löten, VIII,i. Beschwerden toegen verspäteter oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. — Mmmsertvte werben nicht zurtikkg «stellt. Bostsparcassen-Conto L47N37. In das Abonnement kann man täglich eintretcn. 4,-..., — ' .. >-> 1 . ui——...4 ' v ■ ’ 1 <i unter Mttwirlmng der fcom fiidMren dolks Verein erwählten Prefs> uumni ston. Inserate übernehmen die Airmen: I. Danneberg, M. DukeS, Haasen« stein & Bögler. Rudolf Masse, iss. Oppelik, M. Pozsonyi, «. Schale! In Wien, ferner alle rlnnonttn-Lrpeditioiicn im AuSlande. . Mr-zel-Nummer iu Wien IS Heller. Avmtmstralwn: VIII/ Abonnem« Für Wie« «. Oesterreich-Ungarn sammt Francozustellung. «anzjährtg . . Kr. 8.— Halbjährig.„4.- Vierteljährig.„ »•— ----- _* 1, Kchlötzelgasse 11. mtSyreiS: Für daS gesammte Ausland sammt Francozustellung. »unzjährig.Kr. 0.- Halbjährig.» 4.50 Vierteljährig.. 56.585 ««weg* . 49 Wien, 7. Deeeurlrer 1900. i l'Whf ROtlC» rtvftrttt Qithtfrit-CYlrtltrifttrtYfm f^en bloß auf das zeitungslesende Publicum eine momen iVXt CTflCII ZllolW-NllNlIUKlkll tane Wirkung aus, im Parlamente selbst jedoch wer sie nicht ernst genommen. Die Reden, die dabei ge werden, werden bloß durchs Fenster hinaus gespr und das Ganze bildet nur einen Sport einzelner Partei- II. Jahrgang. Der Mandatsschwindel in Galizien im Wiener Cultusvorstand. Bei der am 2. d. M. stattgehabten Stichwahl wurden Herr Hermann Eltbogen, Präsident des „Jüdischen Volksvereins" auf 6 Jahre und Herr Isidor Gewitsch auf 4 Jahre in den Cultusvorstand gewählt. Die von einer festgeschlossenen Clique verrammelt gehaltene Thüre der jüdischen Gemeindestube ist damit gesprengt, und siegreich halten die ersten Jüdisch-Nationalen ihren Einzug durch dieselbe. Sie haben nicht um Einlass gebettelt, sie haben ihn mit eigener Kraft erzwungen. Hinter ihnen steht eine bewusste Judenschaft, die ihnen, den wahren Vertretern des jüdischen Volkes, vertraut und die zu ihnen stehen wird, wenn die Privilegierten und Ernannten die frei Gewählten zu erdrücken drohen. Hinter jenen die Indolenten, hinter diesen die Aufrechten: das ist das Schlussbild dieses Wahlkampfes. Auf welcher Seite das Recht, das hat die Wählerschaft entschieden. Den unermüdlichen und erfolgreichen Kämpfern aber nochmals Dank im Namen der guten Sache! Juden im Reichsralhe. Die Wahlen für den Reichsrath stehen vor der Thür. Alle Parteien in Oesterreich haben bereits ihre Wahlcomites gebildet, ihre Wahlaufrufe erlassen und ihre Candidaten nominiert. Wie aus den Berichten zu entnehmen ist, werden im künftigen Parlamente sogar noch weniger Juden ihre Sitze haben, als im vorigen. — Soll dies uns verstimmen? Wer das parlamentarische Leben in Oesterreich kennt, wer die Vorgänge im Reichsralhe, selbst in den normalen Zeiten vor Ausbruch der Obstruetion, sich ins Gedächtnis zurückruft, der wird dem eventuellen Fehlen einiger jüdischer Abgeordneter gewiss keine Thräne nachweinen. Wesentliche Aenderungen der Staatsgrundgesetze betreffs der Juden werden — wie man bereits jetzt mit Bestinnntheit Voraussagen kann — im künftigen Parlamente nicht vorgenommen werden. Unsere auf oem Papier stehende Gleichberechtigung wird nicht besser, aber auch nicht schlechter werden. Die sogenannten Judendebatten Juden vor I960 Jahren — Juden von heute. (Ein historisches Bild.) ‘ (Schluss.) »Das verstehst Du nicht, Mutter", unterbrach sie Tiber, „Und auch dieser da versteht es nicht. Was nützt es mir, dass in Rom eine vernichtende Kritik über Apion gefällt wird; hier in Alexandria wird er bewundert, hier wirkt seine hinreißende Beredtsamkeit Wunder, hat jedes seiner Worte das Gewicht eines Orakels, schwört man auf jede seiner grässlichen Beschuldigungen, die er gegen das Judenvolk erhebtich will aber nicht einem Volke angehören, das solcher Ungeheuerlichkeiten beschuldigt wird, beschuldigt werden darf!" Diese Worte brachten eine stürmische Bewegung in Triphons Gemüth hervor. Doch der trostlose Anblick der Alabarchin hieß ihn den aufwallenden Zorn Niederkämpfen. Nun war es ihm klar geworden, dass sein Vetter sich mit dem Gedanken, vom Judenthum sich loszusagen, vollständig vertraut gemacht habe, und dass er nur eine günstige Gelegenheit abwarte, um ihn auszuführen. Daher auch die Verzweiflung der Alabarchm. — Obgleich es ihm schon fast zu spät dünkte, wollte Tryphon dennoch den Versuch wagen, diesen Abfall zu verhüten. Er zwang sich zur Mäßigung und erwiderte: »Die Schmähungen eines zu trauriger Berühmtheit gelangten Apion, eines niedrigen, nur auf die wilden Leidenschaften des Pöbels speculierenden Gewaltschreiers, diese sind es also, welche Dich zu solcher Wuth gegen Deine Mutter und gegen Dein Volk erhitzen konnten?" „Du kennst diese Schmähungen nicht*, gab Tiber zurück. »Du wärst sonst so ruhig nichts »Ich kenne sie und kannte sie früher als Du. Denn sie sind nicht neu. Fast schäme ich mich zu gestehen, dass ich sämmtliche Schriften diese- Mannegelesen, Ich will Dir redner und einen Kitzel für die übrigen Abgeordneten. Noch im Anfänge der Neunzigerjahre anlässlich eines Geplänkels zwischen Schneider und Bloch hat der damalige Präsident Dr. S m o l k a unter stürmischer Heiterkeit des ganzen Hauses den streitenden Abgeordneten die denkwürdigen Worte zugerufen: „Meine Herren, vorher das Geschäft, dann das Vergnügen!" ... Ja, gewöhnlich bloß zum Vergnügen, zur Unterhaltung nach einer wichtigen Debatte, ist eine »Judendebatte" zur Erholung der Abgeordneten heraufbeschworen worden. Wesentliche Verordnungen oder tiefeingreifende Gesetze sind aus ihnen nie hervorgegangen. Freilich, wenn die Juden Oesterreichs sich als besondere Nation organisiert hätten, wenn die jüdischen Abgeordneten aller Kronländer im Parlamente einen jüdischen Club angehört hätten, dann wäre allerdings um jeden einzelnen Mann jammerschade, dann wäre es Pflicht und Schuldigkeit eines jeden jüdischen Wählers für die Wahl eines jüdischen Candidaten mit Leib und Seele einzutreten, um den Club: zu stärken und dessen Ansehen in den Augen der Parteien und Regierung zu heben, dann wüsste jeder Jude, dass ix für seine nationalen Interessen eingetreten ist, und dass er für ein Ideal gekämpft habe. Ganz anders liegt aber die Sacke gegenwärtig. Welches Interesse sollten wir Juden darall haben, ob ein Jude mehr oder ein weniger im Polen-Club, bei den Sociäldemokraten, beiden Deutschfortschrittlichen oder bei den Jungczechen sitzen'wird? Wir haben es zur Genüge wahrnehmen können, dass bei den jüdischen Abgeordneten das Interesse der Partei vor das Interesse ihrer Nation gieng, dass sie, wenn es sich um Vortheile ihrer Partei handelte, für diese, eintraten, selbst wenn hieraus für ihr Volk empfindliche Nachtheile erwuchsen. Wir wollen jetzt gegen keinen früheren jüdischen Abgeordneten irgendwelche Vorwürfe erheben, wir wollen hier niemandem die begangenen Sünden aufzählen; uns handelt es sich momentan bloß um das Princip, um das System. So lange wir nicht eine große jüdisch-nationale Organisation besitzen, so lange die jüdischen Abgeordneten nicht specifisch jüdische Vertreter sind, so lange haben wir keinen besonderen Grund, uns darüber zu echauffieren, ob ein Jude mehr oder ein Jude weniger ins Parlament konunt. auch sagen, wie ich dazu kam. Vor einigen Jahren hat er eine »Geschichte nach Völkern" veröfferltlicht, in welcher er sich auch über unser Volk verbreitet und es in den Koth zerrt. Diese Schrift übte damals nicht die geringste Wirkung, denn das stramme Regiment des Kaisers Tiberius war solchen Wühlereien nicht günstig. — Ich wollte mir nun den Mann näher ansehen, wollte erfahren, wie er über andere Dinge urtheilt, und so las ich denu alle seine Schriften. Welche Ueberwindung mich das gekostet, vermag ich kaum zu schildern. Sie strotzen alle von pöbelhaften Lügen und von Selbstvergötterung. Er zählt Socrates, Zeuon, Kleanthes, und ähnliche Namen auf und setzt seinen höchst eigenen Namen hinzu, Alexandria glücklich preisend, dass es einen Bürger, wie ihn, besitze. — Das Unglaublichste hat er mit eigenen Augen gesehen, und man weiß nicht, ob man mehr über seine Lügen, oder über die Stirne, mit der er sie vorbringt, staunen soll. Er hat Fischarten gesehen, die grunzen, wenn man sie fängt und Hirsche, die vier Geweihe haben. Er weiß von Strömen zu berichten, in denen die schwersten Gegenstände nicht untertauchen und hat die Inseln der Seligen in einem ägyptischen Binnenlande entdeckt ... — Er hat den Schatten Homers heranfbeschworen, um von ihm zu erfahren, welches seine eigentliche Vaterstadt sei... Und nach allem dem", so schloss Tryphon, „sollte ich mich wundern, ween dieser Mensch — die Welttrommel, wie ihn Kaiser Tiberius spottweise nannte — über unser Volk und unsere heilige Schrift, deren mächtigen Einfluss auf die fortschreitende Menschenveredlung er gern brechen möchte, boshafte Fabeln erdichtet und verbreitet?" „Ich widerhole", erwiderte Tiber, „Du kennst diese haarsträubenden gegen das jüdische Volk erhobenen Beschuldigungen nicht." „Ich kenne sie zur Genüge! Es ist der alte Kohl, den er jetzt wieder aufwärmt, wo ihm dafür der Boden empfänglich erscheint. Er beschmutzt mit seinem Geifer den reinen Ursprung unseres Volkes und berichtet unter vielen anderen (Original-Correspondenz des »Jüd. Volksblatt".) Lemberg, den 5 Dece mber. Kanm eine Woche trennt uns nur noch von den Wahlen in der fünften Curie und vierzehn Tage von den Wahlen in' der Städtecurie. In der allgemeinen Curie sind bereits die Wahlmännerwahlen unter unglaublichem Drucke Wes polnischen Central-Wahlcomites und seiner Werkzeuge erfolgt — in Ostgalizien speciell unter der Parole, nur keine unabhängigen ruthenischen Volksmänner, sondern lediglich Polen oder ruthenische Creaturen aufkommen zu lasten. In >den Städten sind noch nicht überall die Verhältnisse geklärt, aber so viel ist überall bekannt, dass gewisse Persönlichkeiten dem Herrn Bezirkshauptmann genehm sind. - --- - Uns gehen in erster Linie die jüd is chen Mandate an. Wie man weiß, gab es bisher 6 »Hausjuden"' nü' Polenclub: drei aus den Handelskammern und drei aus den Städten. Bezüglich der ersteren tritt keine Aenderung eE 'denn wenn auch in der Brodyer Handelskammer im letzten Augenblicke, dank verschiedenen Argumenten Herr Dr. L ö w e n st e i n aus Lemberg oder der Trotzcandidat Kammersecretär Dr. Rittl statt des bisherigen Dr. R o s en sto ck'chervorgehen sollte, so ist dies für die gesammte galizische Judenschaft ganz nebensächlich, denn alle drei Herren gleichen einander in Bezug auf ihr verschämtes Judenthum und unverschämtes assimilatorisches Streberthum. Von den Handelskammer - Abgeordneten vom Schlage eines Dr. Rapoport von Porada (Krakau), Piepes-Poratynski (Lemberg) haben die galizischen Juden nie etwas erwartet, geschweige denn erlangt. .. Herr von Rapoport hat während der 21 Jahre, die er im Parlamente verbringt, sehr viel für sich gethan und hatte selbstverständlich keine Zeit, etwas für das Judenthnm zu thun. Er und seine jüdischen Collegen waren außerdem auch der Ansicht: Clubdienst geht vor Judendicnst. Die drei Mandate, die bisher in der Städtecurie Juden inne hatten, kommen lange nicht den Ansprüchen gleich, welche die Juden, die in fünf städtischen Wahlbezirken Ne Majorität haben, mit Recht stellen könnten. Allein die Juden haben wenigstens das Recht diese drei Stadtmandate (Przemysl-Grodek, Brody-Zloczüw und Kolomea-Buczac-Sniaty») mit'unabdängigen Männern, mit I n d e n zu besetzen, mit Juden nicht blyßdem Namen, sondern der Gesinnung und dem Empfinde n 'nach, aber das taugt nicht den clericalen Staczykten, das taugt nicht den antisemitischen Schlachzizen. - . albernen Dingen, dass wir in unserem HeiligthÄm den Kopf eines Esels aufgestellt haben, den wir anbeten Und dem allein der ganze Gottesdienst gilt! Ferner, dass wir 'einen fremden Griechen auffangen, ihn ein Jahrlang mästen, dann in einen nahen Wald führen, ihn tödten und seinen Leib unter großen Feierlichkeiten opfern, worauf wir etwas von seinen Eingeweiden genießen und einen Eid schwören, die Griechen zu hassen." „Und diese entsetzlichen Beschuldigungen", fiel Tiber ein, „nennst Du alberne Dinge? Widerlege sie denn!" „Widerlegen? Emen Marktschreier widerlegen? Beweisen, dass wir keine Menschenschlächter und keine Menschenfresser sind? Wenn Dich ein Bube einen Mörder schielt, wirst Du ihn widerlegen? Nein! Du wirst ihn züchtigen..." „Aber ganz Alexandria wiederholt bereits diese Schmähungen". „Nein, nur der fanatisierte Pöbel, der gern alles glaubt, uud mit Freuden jede Gelegenheit zu Ausschreitungen ergreift, und darnach lechzt, plündernd über unsere Glaubensgenossen herzufallen.—Gibt es aber auch unter den gebildeten Ständen der Stadt Menschen, deren Urtheil durch das wilde, verwirrende Geschrei der Judenhasser getrübt ist. so magst Du ihnen nur unsere heilige Schrift zeigen, um sie eines Besser» zu belehren." „Und was steht denn in dieser Deiner heiligen Schrift, das jene haarsträubenden Anklagen Lügen strafen könnte fragte Tiber. „Und das fragt mich ein Jude?" gab der entrüstete Tryphon zurück. Das fragt mich deß jüdischen Alabarchen Sohn? . .. Schlage doch nur unsere Bibel auf, und schon die ersten Seilen liefern Dir die untrüglichsten Waffen wider unsere Hasser. Zeige ihnen doch, wie unsere G esetze schon in jenen uralten Zeiten, wo die Welt noch voll von Gewaltthat war, selbst den Genuss von Thierblut streng verboten, um uns den größten Abscheu gegen jede Art von Blutvergieße». einzuflößen. Zeige ihnen die zahllosen Gesetze, welche nichts als die reinste

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