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Jüdisches Volksblatt · 1900-11-16 · 46 (16.11.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
46 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblfttt Ifi. November 1000 Nr. 46 Ausland. Berlin. Professor Koner, der so früh aus einer glänzenden Laufbahn dahingeschiedene Maler, gehört einer Familie an, deren Mitglieder größtentheils auf den verschiedensten Gebieten sich einen hervorragenden Namen gemacht hohen. Die Großmutter Max Koners war die Schwester eines Herrn Lemmellssohn, der als Lützower Jäger in den Befreiungskriegen n.itkämpfte; seine einzige Tochter heiratete den durch die Erfindung der Panzerplatten berühmt gewordenen verstorbenen Geheimer Commerzienrath Gruson. Der Großvater Max Koners, Geheimer Medicinalrath, Professor Koner war Leibarzt des Prinzen Georg von Preußen. Die Mutter dieses Medicinalraths war eine geborene Sanders in Strelitz, des Vaters des berühmten Sprachforschers Dr. Daniel Sanders. Ein Vetter Max Koners, Dr. Hans Goldschmidt in Essen, hat sich durch die Erfindung des Thermit, das auf kalteur Wege Eisen schmilzt, ebenfalls einen Namen geschaffen. Berlin. (Beschuldigungen gegen jüdische Gelehrte.) Gegen zwei jüdische Gelehrte von Ruf, den Chirurgen Professor James Israel und den Physiologen Professor Immanuel M unk erhebt Professor P f l ü g e r in Bonn den schweren Vorwurf, fie hätten „physiologische Vivisectionen am Menschen" vorgenommen. Der Thatbestand ist folgender: Im Jahre 1889 lag im hiesigen jüdischen Krankenhause ein Mädchen, das an Elephantiasis des linken Beins, einer Erkrankung der Haut und des Unterhautbindegewebes, die mit Erweiterung der Lymphgefäße verbunden ist, litt. Am Unterschenkel der Kranken fand sich eine Oeffnung aus der spontan Lymphe ausfloss. Es schien Professor Munk und dem damaligen Assistenten Israels Dr. 2l. R o s e n st e i n, wissenschaftlich von Interesse, an der Kranken den Einfluss verschiedener Nahrungsmittel auf die Zusammensetzung der Lymphe zu studieren. Dr. Israel gab die von ihm erbetene Einwilligung zu den Untersuchungen, die in einer Zeit vorgenommen wurde, in welcher Dr. Israel den Operatwnsplan für die Heilung der Fistelöffnung bei sich ausarbeitete, Professor P f ü g e r fasst seine Klage gegen die Professoren Israel und Munk und Dr. Rosenstein dahin zusammen: „Der dirigierende Arzt Herr Dr. I. Israel überließ „in entgegenkommendster Weise" das arme Mädchen dem Herrn I. Munk und dessen Mitarbeiter A. Rosen st ein „zur Anstellung von Untersuchungen". Es war ein Judenmädchen, wie aus der Angabe hervorgeht, das sich „aus religiösem Anlass einem Fasttage unterzogen". Als sich das kranke Mädchen in das jüdische Krankenhaus doch zur Heilung aufnehmen ließ, hat es gewiss nicht vorausgesetzt, dass es von seinen Stammesgenossen wie ein Hund zu physiologischen Versuchen missbraucht werden würde. Obwohl die Kranke so gelagert werden konnte, dass der Ausfluss und Säfteverlust aus der Fistel aufhörte, oder doch sehr gering war, wurden derselben Chylusmengen literweise entzogen, ebenso Blut zu Analysen abgezapft, nachdem die Kranke entweder widerwärtige chemische Präparate zu essen oder auch umgekehrt lange zu fasten veranlasst worden war. Professor Israel hat nun als Antwort in der neuesten Nummer der „Berliner Klinischen Wochenschrift einen offenen Brief an Professor Pflüger veröffentlicht, der dessen Anklagen treffend Punkt für Punkt widerlegt und die Bezeichnung der Versuche als Vivisection, die unerhörte Anschuldigung, dass die Patientin „wie ein Hund zu physiologischen Versuchen missbraucht" worden sei, als den Thatsachen widersprechend auf das energischste zurückweist. Die Hauptsache ist, „dass die Patientin hierdurch keinen Schaden -gelitten, vielmehr im blühenden Zustande mit geheilter Fistel das Krankenhaus verlassen hat". Da die antisemitischen Zeitungen sich des Stoffes bereits als willkommener Beute bemächtigt, haben wir es für nützlich erachtet, diese Abfuhr hier ausdrücklich hervorzuheben. Brrtow. (Verein zur Abwehr jüdischer U e b e r g r i f f e.) In einer Volksversammlung ist hier die Gründung eines „Schutzvereines zur Abwehr jüdischer Uebergriffe" beschlossen worden. 100 Mitglieder zählt der neue Verein. Odessa. (I u d e n k r a w a l l e.) Die jüngsten Judenkrawalle dürften unseren griechischen Antisemiten doch noch theuerer zu stehen kommen, als diese nach den Erfahrungen früherer Jahre wohl vermuthet haben. Nachdem die kleinen Raufbolde von der Polizei summarisch zu mehrmonatlicher Haft, die „schweren Jungens" von dem Einzelrichter zu drei bis sechs Monaten Kerkers verurtheilt worden sind, sollen demnächst 40 Anstifter und Rädelsführer an die Reihe kommen, die vor den Geschworenen erscheinen sollen. Man vermuthet hier nicht mit Unrecht, dass diese ungewohnte Strenge auf einen dir ecten Eingriff des Czaren zurückzuführen sei, der über die Heldenthaten unserer Boxer sehr ungehalten gewesen sein soll. Zu dem bevorstehenden Processe werden zahlreiche Juden als Nebenkläger zugelasscn werden, da diese an die Angeklagten Schadenersatz-Ansprüche stellen. Den Privatklägern werden gefeierte Advocaten zur Seite stehen, so dass der Process interessant zu werden verspricht. Die Creditnoth des jüdischen Halidnierkers «nd Kleingemrbktmbknden. Von Dr. Arnold Ascher. Kampf gegen die angebliche Allmacht jüdischen Großcapitals und Beseitigung des Einflusses jüdischen Geldes ist, wenn nicht der erste, so doch jedenfalls einer der wichtigsten Programmpunkte der antisemitischen Parteien, und sicher ist es, dass bei der wirtschaftlichen Nothlage und dem fast überall darniederliegenden Handel und Gewerbe dieses Schlagwort die größte agitatorische Kraft bewiesen hat. Die gedankenfaule Masse, welche bei dem Worte „Jude* immer nur an einen Millionär denkt, sieht, oder vielmehr will nicht sehen, dass alle wirtschaftlichen Nachtheile und schwierigen Erwerbsverhültnisse seit jeher der weitaus überwiegenden Mehrheit der Judenschaft viel empfindlicher werden, als der übrigen Bevölkerung.- Es gibt in Oesterreich einige hundert reiche Juden, wenn auch sicherlich nicht immer Millionäre, aber der Glanz in den Palais der Banquiers und die Eleganz in den Häusern der Fabrikanten nützen dem kleinen jüdischen Handwerker und Gewerbsmanne nicht, der schwer den Kampf ums Dasein führt und durch den immer mehr überhandnehmenden Antisemitismus in seiner Existenz bedroht ist. Dass die finanzielle Depression und die allgemeinen Creditverhältnisse gerade für den jüdischen Kleingewerbetreibenden die empfindlichsten Nachtheile mit sich bringt und alles, was die übrigen bedrückt, ihn doppelt bedrängt, kann für niemand zweifelhaft sein, der auch nur einigermaßen Objectivität sich in dieser Frage bewahrt hat. Man muss nicht erst an jene kleinen jüdischen Geschäftsleute und Handwerker denken, die auf dem flachen Lande zerstreut, seit 20, 30 Jahren friedlich und im besten Einvernehmen mit der übrigen Bevölkerung ihrem Erwerbe redlich und ehrlich nachgiengen, jetzt durch künstliche Erregung der Menge, wie nun in der Umgebung von Polna, auszuwandern und sich in fremder Gegend niederzulassen gezwungen sind, wo sie natürlich schon wegen der unausweichlichen Concurrenz —^ und irgend etwas müssen sie schließlich ja doch thun — neue Feinde.sich schaffen. Wir können in Wien bleiben, wo jüdische Kleingewerbetreibende in größerer Zahl vorhanden, nicht allein infolge des immer stärker werdenden Boycotts von Seite der Antisemiten, sondern auch in gleicher Weise unter der mangelnden Unterstützung der Juden zu leiden haben. Wenn im allgemeinen der berechtigten Klage über den desolaten Zustand der Creditverhältnisse Ausdruck gegeben wird, so wird niemand verkennen dürfen, dass beispielsweise die Schwierigkeit bei der Eintreibung offener Forderungen für den kleinen jüdischen Geschäftsmann, der doppelte Rücksichten zu nehmen hat, noch unverhältnismäßig größer wird. Keinem wird es einfallen, einer noch größeren Creditgewährung an leichtsinnige, schlecht fundirte Geschäftsbegründer das Wort zu reden, und die Juden selbst würden eine scharfe Handhabung der Gesetze gegen fraudulose Cridatare ohne Unterschied der Confession mit Freude begrüßen. Wesentlich verschieden aber von der Unterstützung unbedachter Etablirungen oder passiver Geschäfte ist die Hilfe, welche dem Handwerker oder dem kleinen Gewerbsmanne zutheil werden müsste, wenn er die Probe der Concurrenzfähigkeit gegenüber größeren Betrieben bestehen soll. Es gilt als ausgemachte Thalsache, dass die Aufhebung der freien Gewerbe, die Einführung des Befähigungsnachweises, die Errichtung von Genossenschaften eine Besserung der Verhältnisse nicht mit sich gebracht hat, und auch die beabsichtigten Reformen, wie das Verbot des Detailreisens, die Beschränkung der Verkaufszeiten, wie in Berlin rc., eine Besserung der Verhältnisse nicht mit sich bringen werden. Nur eine gründliche Kenntnis seines Faches und die verhältnismäßig hiezu erforderlichen Fonds können den schon etablirten oder bereits bestehenden kleinen Geschäftsmann concurrenzsähig machen; es ist aber bekannt, dass gerade in Oesterreich und speciell.in Wien, eine oft ganz überflüssige, aus Nachlässigkeit gewohnheitsmäßige Creditgewährung üblich ist, die den Kleingewerbetreibenden, auch wenn er mit genügenden Mitteln^ begonnen hat, oft in ernste Gefahr bringt. Der SchMder, der das Glück hat, gleich' bei der Geschäftsgründung-feine große Zahl reicherer und besser situirter Kunden zu erhalten, wird theilweise schlechter daran sein, als wenn er minder gut situirte Käufer findet; denn letzteren wird er nur gegen bare Bezahlung verkaufen, den elfteren wird er sich wohl hüten, vor Ablauf des Jahres die Rechnung zu schicken. Der kleine Fabrikant, der sich etablirt hat, wird neue Kunden nicht allein durch billigere Preise und schönere Arbeit, sondern auch durch längere Creditgewährung zu erlangen trachten und Bedenken tragen, den Begleich der Rechnung energisch zu fordern, auch wenn die vereinbarte 3 oder 6 monatliche Frist zu Ende ist; selbst der Geschäftsmann, der für die gelieferte Ware Accepte erhalten hat, wird, wenn er nicht Verbindungen und Bankcredit besitzt, Mühe haben, ur diese oft sehr guten Wechsel Barzahlung ohne allzu empfindlichen Verlust, zu erlangen. In allen diesen Fällen wird der kleine Geschäftsmann, wenn er nicht über weit mehr Mittel verfügt, als er bei glatter Abwickelung benöthigte, in die Nothmendigkeit kommen, seine Einkäufe mit nicht unansehnlichem Aufschläge zu besorgen oder Geld mit schwer zu erschwingenden Zinsen aufzunehmen; und in diesem Sinne muss von einer Creditnoth des jüdischen Handwerkers und Kleingewerbetreibenden gesprochen werden. In letzter Zeit ist ja seitens der ersten österreichischen Bankinstitute der Versuch mit der nichtacceptierten Tratte und dem Escompte offener Forderungen gemacht worden; es wird wohl noch lange dauern, bis diese Verkehrssorm sich einleben und auf die kleinen Leute sich erstrecken wird; sehen wir ja, wie wenig in Wien von der gesetzlich in Aussicht genommenen Errichtung von gemeinsamen Institutionen zur Förderung gewerblicher Interessen Gebrauch gemachl wurde. Nach § 114 der Gewerbeordnung besteht der Zweck der Genossenschaften, welchen natürlich auch die jüdischen Handwerker angehören u. A. in der Förderung der gemeinsamen gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder und Angehörigen durch Errichtung von Vorschusseassen, Rohstofflagern, Verkaufshallen, durch Einführung des gemeinschaftlichen Maschinenbetriebes und anderer Eczeugungsmethoden u. s. w. Auf Grund dieser Bestimmung haben blos fünf gewerbliche Genossenschaften Erwerbs¬ und Wirtschaftsgenossenschaften mit beschränkter Haftung nach dem Gesetze vorn 9. April 1873, R. G. Bl. Nr. 70 ins Leben gerufen und zwar die Korbflechter (den Rohstoffverein), die Tapezierer (die Teppich-Reinigungsanstalt), die Tischler (die I. Genossenschaftliche Warenhalle der Tischlermeister), die Uhrmacher (die Uhren- und Fourniturenhandlung) und die Wäscher und Wäscheputzer (die Merkgenossenschaften). Eine gewerbliche Geschäftsunternehmung ans gemeinschaftliche Rechnung besteht bei der Genossenschaft der Schuhmacher. Diese verwaltet ein Darlehen von 20.000 Gulden von der Kaiser Franz Josefsstiftung zur Unterstützung des Kleingewerbes in Wien behufs gemeinsamer Uebernahme von Lieferungen für das k. u. k. Militärärar. Es braucht wohl nicht erst des Eingehenderen untersucht zu werden, ob und was für einen Vortheil jüdische Handwerker bei diesen Institutionen hatten, wie schließlich auch noch bei allen übrigen gemeinsamen Anlagen: es sind dies die von den Fleischhauern im Jahre 1896 im St. Marxer Schlachthause getroffenen Einrichtungen zur Verwertung des Düngers; die gemeinsame Betheiligung von 130 Sattlern bei einer Armeelieferung; der von den Sauerkräuttern besorgte gemeinsame Einkauf von Kraut und Rüben; die Bestellanstalt der Buch-, Kunst- und Musikalienhändler; das Austauschlocal für Bierflaschen und Syphons; die Vorkehrungen der Kürschner zum Reinigen der Felle; das Einsetzlocal der Gärtner im Keller des Hauses I., Naglergasse 21; das Zeugs- und Materialiendepot der Schilder- und Schriftenmaler. So zweckmäßig jede einzelne Anlage sein mag, wird man zugeben müssen, dass eine Crediterleichterung beim Geschäftsbetriebe damit keineswegs geschaffen ist. Von Einfluss sind in dieser Richtung lediglich die Vereine und Genoffenschaften, welche sich mit der Darlehensgewährung und dem Escompte befassen; diesbezüglich seien zunächst jene jüdischen Vereine hervorgehoben, welche gewiss in außerordentlich anerkennenswerter und verdienstvoller Weise nach Maßgabe der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel wirken; allen voran die von Baron Hirsch gegründete Wohlthätigkeits - Jubiläumsstiftung, der Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender und der Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender. Schon die Zinsenfrelheit der gewährten Darlehen, die lange Zufristung und die kleinen Abstattungen lassen den überwiegend philantropischen Charakter dieser Institutionen, deren Wirkungskreis natürlich auch nur ein beschränkter sein kann, erkennen; von ausschlaggebender wirtschaftlicher, das Erwerbsleben und Creditwesen größerer Kreise wesentlich beeinflussender Bedeutung können jedenfalls nur jene specifischen Creditinstitute sein, die, losgelöst von Humanitären Momenten, aus rein geschäftlichen Gründen Credit gewähren, also Genossenschaften mit beschränkter oder unbeschränkter Haftung, Creditinstitute, Vorschussoereine, Rohstoff-, Magazin- und Productiogenossenschaften. Es ist nun gewiss für die wirtschaftliche Lage von Handel und Gewerbe in Oesterreich charakteristisch, dass, im Gegensätze zu Deutschland, wo die Anzahl der Genossenschaften in steter Zunahme begriffen ist. bei uns solche Jnstitntionen nicht recht Wurzel fassen können. In Wien gelangten bis Ende 1897 211 Vorschussoereine zur Errichtung. und zwar 77 als Vereine vor dem Jnslebentreten des Genoffenschaftsgesetzes vom 9. April 1873 und 134 als registrierte Genoffenschaften im Sinne dieses Gesetzes. 'Von den älteren Vereinen kamen bisher 31 zur Auflösung und 39 zur Umwandlung in registrierte Genossenschaften. Von den gebildeten 173 registrierten Vorschussvereinen gelangten 86 in Abfall, und zwar 11 durch > Concurseröffnung (6 davon nach bereits beschloffener Auflösung), 74 freiwillig und einer durch Verlegung de§ Sitzes. Diese Ende 1897 bestandenen 87 Vorschussvereine hatten wohl 29.229 Mitglieder (darunter natürlich auch zahlreiche jüdische, deren Anzahl bei dem Mangel einer Statistik nicht erhoben werden kann), es wurden 42,016.233 Gulden Credite gewährt. 252.438 Gulden Hypotheken, 146.212 Gulden auf Pfänder, 20,289.784 Gulden Außenstände in Wechseln und Schuldscheinen rc., zusammen 22,734.840 Gulden, bildeten ihre Activen. So bedeutend aber auch dieseZiffern auf den ersten Blick scheinen mögen, so kann doch nicht übersehen werden, dass damit noch immer nicht den specifischen Bedürfnissen jenes kleinen, wenig bemittelten, aber creditwürdigen jüdischen Handwerkers oder kleinen Geschäftsmannes entsprochen werden kann, der nicht die oft ziemlich bedeutende Geschüftseinlage, die kostspielige Administration, die zahlreichen Nebenspesen zu tragen vermag und dessen Aufnahmsgesuch, geschweige denn Creditanspruch oft von Männern erledigt wird, die den Juden schon als solchen der Berücksichtigung nicht würdig erachten. Es wäre lächerlich, zu glauben, dass die unsichtbare Scheidung, die mit dem Anwachsen des Antisemitismus immer deutl icher geworden, im Ballsaate, in Turnvereinen und ähnlichen Geselligkeitsvereinen Halt gemacht; empfindlicher und die Existenz zahlloser Familien bedrohender ist sie auf wirtschaftlichem Gebiete vorwärtsgeschritten, und es ist hoch an der Zeit, dass unseren schwer bedrängten Volksgenossen hilfreich beigesprungen wird, so lange es noch Zeit ist. Ein auf streng rechtlicher Grundlage begründetes Creditinstitut für jüdische Handwerker und Kleingewerbetreibende, an dessen Spitze Männer treten, die mit Gewissenhaftigkeit und Strenge, aber doch mit Wohlwollen und Einst cht ihres Amles walten, würde ein volkswirtschaftlich emin ent wohlthätiges Werk sein, dem sicherlich auch die Unt erstütznng jener Juden zutheil werden müsste, die nicht y erade erst auf dieses Institut angewiesen sind. EinmihillMfest des neuen Heimes des Mischen Dolksvereines. Donnerstag den 8. November fand die Einweihnng des neuen Locales des Jüdischen Volksvereines statt. Mitten im zweiten Bezirke, in der Jndenbnrg, hat der Verein sein Heim aufgeschlagen. Durch die Finsternis leuchtete dessen Schild in flammenden Buchstaben: Jüdischer Bolksverein, damit jeder, der da vorübergehe, unsere Gegner nicht am letzten, erkenne und sich sage: die sich da versammeln, müssen auf-

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