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Jüdisches Volksblatt · 1900-11-09 · 45 (9.11.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
45 (9.11.1900)
Date
1900-11-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien. Freitag Jüdisches Volksblatt 9. November 1900 Nr. 45 Im Laufe der dieswöchentlichen Verhandlungen nahm der Vertheiviger Dr. A u r e d n i c z e k Gelegenheit, den Vertretern der Civilpartri, Dr. B a x a und Dr. P e v n y, die MaSke vom Gesichte zu reißen und das klar auszusprechen, was diese nur verschleiert andeuteten, nämlich, dass eS ihnen nicht um die Eruierung des Thäters, sondern um Feststellung des Ritualmordes als Motiv der That. Sodann dürfen wir hier nicht einen Antrag der Vertheidignng unerwähnt lassen, welche beweisen soll, dass der Angeklagte sich am Tage der Ermordung der Klima nicht an dem von verschiedenen Zeugen angegebenen Orte befinden konnte, weil er sich zur Zeit tvirklich in Jglau befand. Interessant waren auch die Aussagen der Zellengenossen H ü l s n e r s über die Art und Weise, wie dcffen berüchtigtes Geständnis zustande gekonimen ist. H ü l S n e r ist in der scheußlichsten Weise gepeinigt worden, man erzählte ihm immerfort vom Galgen, man machte hinter ihm die Bewegung des Gehenktwrrdens, man redete ihm ein, dass, falls er ein Geständnis ablege, seine Strafe herabgesetzt werden würde, ja der eine Zellengenosse schlug und würgte ihn, damit er ja Enthüllungen mache und einen „polnischen Juden" als Mitschuldigen nenne. Rührend war auch die Begegnung H ü l S n e r s mit Wassermann, den ersterer als Mitschuldigen angegeben batte. Wassermann erklärte, er verzeihe dem Angeklagten und wollte ihm sogar eine Krone zustecken, damit er sich seine Kost aufbessern könne. „Fürchte Dich nicht und halte zu Gott", sagte Wassermann demjenigen, der ihn einer solchen ungeheuerlichen That beschuldigt hatte. Dies rührte selbst die im Saale anwesenden Antisemiten, und so mancher gutgläubige Christ, der noch nicht das Denken verlernt hat, konnte sich bei dieser Gelegenheit überzeugen, dass Juden öfters die Lehren der christlichen Religion, der Nächstenliebe, praktisch durchführen, als Mancher, der nur so von Christenthum trieft. Eine bewegte Scene spielte sich auch ab, als die Bertheidiger den Antrag auf Vorladung einiger Zeugen stellten, deren Aussagen die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen Lang ins richtige Licht stellen sollen. Der Vorgang war folgender:, Dr. P e v n y : Es ist Sache der Geschwornen, wem sie mehr Glaubwürdigkeit beimessen. Dr. Auredniczek bemerkt dagegen, dass die Anklage sich auf den Zeugen Lang beruft, wenngleich sie selbst sagen muss, dass er nicht sehr glaubwürdig ist. Darum ist es unbedingt nöthig, dass die Glaubwürdigkeit Längs in das rechte Licht gerückt werde. Ich weiß, dass hier die Zeugenschaft eines Juden nicht so viel wert ist, wie die eines Christen. (Große Bewegung im Auditorium und auf der Geschwornenbank.) Dr. Auredniczek fährt mit lauter Stimme, das Gemurmel übertönend, fort: Ich bestehe» darum auf der Vorladung, die Glaubwürdigkeit des Zeugen Anton Lang soll charakterisiert werden. Präs.: Ich bitte, der Veurtheilung des Processmaterials nicht jetzt schon vorzugreifen. (Gemurmel auf der Geschwornenbank. Die Geschwornen haben, wie es scheint, die Worte des Bertheidigers als Vorwurf empfunden.) Dr. A u r e d n i c z e k: Ich meine nicht die Herren Geschwornen, sondern die große, breite Oeffentlichkeit. Rufe von der Geschwornenbank: Die entscheidet hier nicht. Dr. B a x a: Hier wird nicht die Oeffentlichkeit richten, sondern die Geschwornen. (Zustimmung bei den Geschwornen.) Schließlich steht hier nicht ein Jude gegen einen Christen, sondern zehn Juden gegen einen Christen. Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Einweihung der Ve re i ns-Localitäten des „Jüdischen V o l ks v e r e i n s".) Gestern fand das Einweihungsfest des neuen Locales des „Jüdischen Volksvereins" bei Anwesenheit sehr vieler Ehrengäste und eines zahlreichen Publikums statt. Die Einweihungsrede des Rabbiners Dr. Taglicht, sowie die Festrede des Herrn RichardNappaport weckten stürmische Begeisterung. lieber das Fest, sowie über die Akademie werden wir in der nächsten Nummer ausführlich berichten. Wien. (Aus der P len ar si tz un q des Cultus- Vorstandes v o in 4-. November 1900 unter d e m Vorsitze des Präsidenten Herrn kaiserl. Nath H. K lin g e r.) Beginn 10 Uhr vormittags. Als eingelangte Spende wird bekanntgegeben der von Herrn Adolf W i n t e r b e r g als Ergebnis einer Sammlung für jüdische Waisenknaben erlegte Betrag voll Kr. 80. Im Einlaufe gelangen zur Verlesung mehrere Zuschriften von Bethausvereinen mit der Mittheilung, dass im Sinne des Ersuchens des Cultnsvorstandes die Kanzleilocalitäten für die bei den bevorstehenden Neurcnd Ergänzungswahlen in den Cultusvrstand arntirenden Comillission zur Verfügung gestellt werden. Herr Dr. Maximilian Steiner urgiert die Durchführung des Plenarbeschlusses betreffend die Abänderung der Concursmodalitäten der Dr. Adolf Sack s'schen Stiftung für Herjmrd Aortakranke. Der Obmann der V'. Section, erster Vicepräsident Herr Dr. A. Stern, macht in längerer Auseinandersetzung rücksichtlich dieser Angelegenheit eine Reihe von Bedenken geltend und beantragt die Neassumierung des citierten Plenarbeschlusses. Nach eingehender Debatte, an welcher sich der Antragsteller Herr Dr. Stern, ferner die Herren Dr. Steiner, Regierungsrath Dr. S t e g e r, Dr. Berger, Docent Dr. Grünfeld und Baurath von G o l d s ch m i d t betheiligen, wird im Sinne der Ausführungen des Herrn erste»! Vicevräsidenten Dr. Stern und in Reassumieruny des Plenarbeschlusses vom 19. Juli l. I. beschlossen, die bisherigen Concursmodalitäten rückstchtlich der Dr. Adolf Sack s'schen Stiftung für Herz- und Aortakranke beizubehallen. Herr Architekt Fleischer referiert namenS der I. Section über die behufs Herstellung und Verkauf der von der Wiener israelischen Cultusgemeinde unter besonderer Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates bereitzustellenben Mazzoth erforderlichen Vorkehrungen und beantragt, diesbezüglich eine öffentliche Offertausschreibung einzuleiten. Der Antrag wird angenommen. Herr Dr Berger berichtet über den von einigen Mitgliedern des israelitischen Bethausvereines .Adahs Jeschianu,, gegen die Abhaltung der Generalversammlung dieses Vereines vom 25. März t900 bei dein CultuSvorstande Angebrachten Protest. Nach längerer Debatte wird entgegen dein Neferenten- Antrag beschlossen, die Petenten dahin zu bescheiden, dass selbe wegen Austragung der Angelegenheit an das in dem Statute dieses Vereines vorgesehene Schiedsgericht sich wenden mögen. Herr I. Vicepräsident Dr. Alfred Stern referiert namens der V. Section über die Activierung neuer Stiftungen. Conform den Sectionsanträgen wird die Uebernahme der „Selig und Arnold Neicher'schen Scelengebet-Stistung" mit einem Eapitale von No»n. Kr. 10.000 und der „Notar Emanuel Schiffmann'schen Studenten-Unterstühnngs-Stiftung" mit einem Eapitale von Nom. Kr. 1000 beschlossen. Nach Erledigung von Personalien lvird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Wien. (Lesennd R e d eh alle jüdischerHvchs ch ü l e r.) Denr uns zugesandten Jahresberichte der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler entuehmeu wir Folgendes: Die Anfänge der reorganisierten „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler" oder, was dasselbe ist, das Ende der „Jüdischen akademischen Lesehalle" dem Dunkel der Vergangenheit zu entreißen, hieße „infandurn renovaro dolorem“. Wir sind zu versöhnlich gestimmt, um die Umstände (und die Personen) näher zu beleuchten, die an dem Niedergange des kurz vorher so blühenden Institutes die Schuld trugen. Ter Karren war so gründlich verfahren, dass es undenkbar schien, den neuen Ausschuss vor daS alte Vehikel zu spannen. Ein Neubau von Grund auf war unbedingt »öthig. So gründlich musste reorganisiert werden, dass sich das vergangene Vereins-- jahr von vornherein als Provisorium qualificierte. Und wenn es nicht schlechter ausgefallen ist, als manches Jahr der verflossenen „Jüdischen akademischen Lesehalle", so ist das dem neuen Geiste znzuschreiben, der in den Verein seinen Einzug hielt. Aeußerlich kennzeichnete sich die neue Periode durch die vollzogene Namensänderung. Mitte Jänner wurden die modificierten Vereinsstatuten von der Behörde bestätigt, und damit trat die „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler" in die neue Aera ihres Bestandes. Als im Monate Mai die Mitglieder der katholischen Verbindungen von den deutschnationalen Burschenschaften regelmäßig aus der Aula herausgedrängt wurden, so oft sie in Kappe und Band daselbst erschienen, und infolge dieser täglichen Keilereien die Schließung der Universität angedroht wurde, so dass der Verlust eines Semesters ernstlich zu befürchten war, entsendete die „Lese- und Redehalle" als Vertreterin der jüdischen Studentenschaft eine Deputation in das Rectorat, um Sr. Magnificenz eine Erklärung zu überreichen. C a s s a b e r i ch t. Der vorliegende Caffabericht zeigt sich nicht in dem günstigen Lichte früherer Jahre. Die Förderer, mit der Leitung des Vereines in den letzten Semestern durchaus nicht zufrieden, waren im Begriffe, ihre fernere Unterstützung zu versagen, die Mitgliedsbeiträge konnten infolge der verzögerten Eröffnung der Lesehalle nicht im vollen Betrage eingehoben werden. Heute, wo die Lesehalle auf gesunder Basis reorganisiert ist, wo ein neuer Geist des Fortschrittes in den Verein eingezogen ist, ist auf das Bestimmteste zu erwarten, dass es gelingen werde, seinen Bestand und seine Blüte auch materiell dauernd zu sichern. Bibliothek. Die Vereinsbücherei hat im heurigen Jahre wertvolle Bereicherung erfahren. Die löbliche „Israelitische Allianz" hatte eine Subvention von 200 Kr. mit der Widmung für Bibliothekszwecke bewilligt, welcher Betrag in seiner Gänze für Neuanschaffungen verwendet wurde. Außerdem haben einzelne Vereinsmitglieder in dankenswerter Weise ihr Interesse für den Verein durch Bücherspenden bethätigt. Die Veröffentlichung eines vollständigen, nach Disciplinen geordneten Kataloges ist für den nächsten Jahresbericht in Aussicht genommen. Der nengewählte Ausschuss besteht aus den Herren: Präses: Siegfried D a n k o w i tz, cand. jur. I. Vicepräses: Max Horniger, cand. med. II. Vicepräses: Ernst Löw, cand. jur. Ausschussmitglieder: cand. med. Arthur Bader, stud. jur. Michael Herez, cand. jur. Albert Grabscheid, stud. med. Wilhelm Landau, cand. med. Heinrich Löwy, stud. phil. Ernst Müller, stud. med. Saul Pistol. Wien. (Versammlung.) Am 3. d. M. hielt die Oesterreichische israelitische Union eine Versammlung ab, auf deren Tagesordnung die Reichsraths- und Cultuswahlen standen. Doch kamen bloß letztere zur Sprache. Gegen den Vorschlag, die Wahlreform als unabänderliche Thatsache hinzunehmen und sie aus der Diseussion zu lassen, sprach Advocat Dr. I. Lifczis: „Da die Neuwahlerl in den Cultusvorstand auch Personalfragen sind, so ist es unurngänglich nöthig, die Vergangenheit der neu candidierenden Cultusvorstäude zu kritisieren. Die beste Kritik aber, die man übt, ist eben die Stellung jener zum neuen Wahlstatut. Zu einer Zeit, da liberale Abgeordnete zum Ministerpräsidenten giengen, um die reactionärste Wahlresorm zu bekämpfen, schafft inan in der Cultusgemeinde eine Wahlreform, die ein getreuer Abklatsch derselben genannt werden muss. Die Antisemiten haben aber etwas voraus: Sie haben ein Intelligenz- Wahlrecht, die Juden nicht. Die „Union" veranstaltete seinerzeit eine Versammlung, die eine große Demonstration hätte abgeven können. Der Vorstand der „Union" aber ließ nicht abstimmen, sondern begnügte (sich, ein Memoranduin zu überreichen, ohne dass die Mitglieder von seinem Inhalte Kenntnis hatten." Es sprachen weiters kaiserl. Rath Pollak, der für die Wahl nach Bezirken eintritt, Architekt Oscar M a r m o r e k, Dr. Elias, Dr. Sieger, der den Cultusvorstand vertheidigt, dessen Rede aber zur Anklage für diesen wird, Dr. Richard Rappaport, der einige Angaben des Dr. S t e g e r bezüglich der Aktion des „Jüdischen Volksvereines" in Sachen der jüdischen Lehrer berichtigt, Director S i rn o n, dessen Aeufterungen an anderer Stelle besprochen ,verden, Dr. Ascher und Herr Sigmund Mayer. Ein Beschluss wurde nicht gefasst. Ung.-Brod, Mähren Nach zehnjähriger Abwesenheit von der Heimat besuchte unser geschätzter LandSmann Herr Prediger Grün ans Wien seinen nahezu 90jährigen in Ehren ergrauten Vater und aus diesem Anlasse hatten wir die erfreuliche Gelegenheit, über Anregung des hochw. Herrn Rabbiner Dr. Jung emen tiefdurchdachten, auf philosophischer Höhe stehenden Vortrag über religiösen und politischen Zionismus zu hören, der allgemeine Zustimmung und Anerkennung fand. Redner stellte die drei verschiedenen Richtungen im heutigen Judenthum in Parallele mit den Parteien zur Zeit der Zerstörung deS 2. Tempels zu Jerusalem und gelangte hierbei zu der logischen Schlussfolgerung, dass eine einseitige Verfolgung nationaler Ziele durchaus nicht zum Heile unseres Volkes gereichen könne, wenn nicht gleichzeitig eine innere, geistige Neugeburt, eine ethische Regeneration mit der politischen Renaissance Hand in Hand harmonisch sich verbindet und diesen hochidealen Zweck mögen die beiden hiesigen literarischen Vereine „Choreb" und „Aguda* jederzeit in edlem Wetteifer verfolgen und bethätigen, daun wird der Baum der religiösen Erkenntnis, wie auch der deS uationalen Lebens blühen, gedeihen und herrliche Früchte tragen! Lemberg. (Mord w e g e n eines TrunkeS Wasser.) In dem Dorfe Manaster, im Lemberger Bezirke gelegen, wurde ein allseits beliebter jüdischer Bürger und Gemeinderath ans Komarno namens Jacob Israel S i tz in a n n wegen eines TrunkeS Wasser von einem Bauern erschlagen. Im genannten Dorfe werden einigemale im Jahre Jahrmärkte abgehalten und mangelt es dort sehr an Trinkwaffer, weshalb die Besucher des Marktes, um den Durst zu stillen, gezwungen sind, sich in den nächstgelegenen Meierhof zu begeben, dies tl,at auch der Sitz m a n n; als er bereits das Wasser in den Händen hatte, da sprang auf ihn der Bauer, namens Michael Wercholak, zu und versetzte ihm (Sitzmann) mit einem scharfen Instrumente wuchtige Hiebe über den Kopf und gegen die Rippengegend. Trotzdem S i tz rn a it it von Blut überströmt war. hatte er noch soviel Besinnung, zu bitten, dass man ihn in das naheliegende Städtchen Szczerzce führen soll, um Hilfe bei einem dortigen Arzte zu suchen. Seinem Wunsche wurde auch entsprochen. Der dortige Arzt Dr. A ck e r vehauptete, dass die Verletzung eine leichtgradige ist. Die Begleiter gaben sich damit zufrieden und setzten die Reise nach Komarno mit S i tz m a n n fort. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Komarno verlor er die Sprache und fiel bewusstlos zusammen, den darauffolgenden Tag hauchte er den Geist aus. Bei - der im Beisein einer Gerichtscommissiou von den Aerzten Dr. I akl i n s k i und Dr. Blauer vorgenommenen Obduction der Leiche constatierten dieselben, dass der Schädel zertrümmert und die Haut des Gehirns durchgeschnitten waren, weshalb der Tod unbedingt eintreten musste. Der Bauer W e r ch o l a k wurde verhaftet. Als die Eigenthümerin des Meierhofes namens Marie Stefan owicz befragt wurde, weshalb ihr Diener W e r ch o l a k einen Menschen tödtete, so antwortete sie mit einer drohenden Geberde, dass sie alle Juden, die um Wasser in ihren Hof kommen, werde tobten lassen. So was geschieht bei uns in Galizien. J. G. Jaryezöw. (R aub jüdischer KinderinGali-; i e n.) Abermals liegt ein Fall vor, dass man in Galizien einem Juden seine Tochter raubte, um sie zu taufen. Und trotz aller Strafdrohungen seitens des Justizministers gegen solche Vergehen, haben die unglücklichen Väter, wie: Araten, Weiß, Kornreich u. s. w. noch einen Leidensgenossen erhalten. Am 29. v. M. ist die 13jährige Mina Kupfermann, Tochter des jüdischen Schlossers Leib K u p f e r m a n n, aus Alt-Jaryczow vom Elternhanse verschwunden und soll in ein Kloster geführt worden sein. Alle Bestrebungen deS armen Vaters, sein Kind zu sehen und zu sprechen, sind erfolglos geblieben. M. B. Oste r m a n n. Budapest. Der' Oberstlieutenant Salomon Gabriel Steiner in Debreczin ist zum Co rp s - C o m m a nd a n te n in Trencsin ernannt worden. Temesvar. (B e rn rt h e i l t.) Der griechisch-orthodoxe Geistliche Th. K o m p i a n u, ein wüthiger antisemitischer Hetzredner, ist ivegen Wechselfälsch ung und Unterschlagung vom hiesigen Gerichtshöfe zu elf Jahren Z u ch t h aus verurtheilt worden. Ausland. Berlin. (Freispruch des Dreschgrafe n.) Graf Pückler und seine Flegelgenossen sind, wie bekannt, wieder einmal freigesprochen worden. Es soll alles nicht so schlimnl gemeint sein, dachte der Gerichtshof, und wenn Graf P ü ck l e r den Inden alle Knochen im Leibe zerschlagen will, dann sind das nur bildliche Redensarten, die nicht ernst zu nehmen sind. Offenbar kann sich ein preußisches Gericht immer noch nicht zu der Auffassung bequemen, dass ein Aufrührer keine Baffermann'sche Gestalt zu sein braucht, sondern sehr wohl auch ein Mann, der im Sommer einen feinen Paletot und im Winter einen kostbaren Pelz trägt. Graf Pückler hatte seine Rede begonnen: Zwei Völker sind in unserem deutschen Vaterlande, die Germanen und die Inden. Beide zusammen können auf die Dauer nicht nebeneinander bestehen. Auf dem Wege der Gesetzgebung ist nichts zu erreichen, das ist Mumpitz und dauert viel zu lange. Es gibtnur einen Weg: dnrchhauen und dann ranSschmeißen. Wenn das nur eine Uebertreibung, eine nicht ernst zu nehmende bildliche Redewendung ist, dam» versteht ein halbwegs vernünftiger Mensch nicht mehr, was man eigentlich unter Aufreizung zu Gewaltthätigkeite» sich vorznstellen hat. Weiter hat Graf P ü ck l e r seinen Getreuen den Rath gegeben, nach Boxerart mit den Juden zu verfahren, ihnen kräftige Boerenhiebe zu applicieren. Ist das auch nur bildlich zu verstehen? Nach dieser Logik hätte Deutschland seine Landeskinder nur darum nach China geschickt, um beit Boxern ihre bildliche Ansdruckslveise abzngewöhnen, und die Boerenhiebe, die England bekommen hat, bestanden mir in einigen bildlich übertriebenen Redensarten, die die Boeren jedenfalls ans der Leetüre P ü ck l e r'scher Reden gelernt haben. Ein Socialdemvkrat müsste einmal diese Rede wörtlich halten. Er brauchte ja nur für Juden „Capitultsten" und für Deutsche „Proletarier"

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